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loading: godeepr

Wie kann sich Journalismus im digitalen Zeitalter finanzieren? Diese Frage taucht immer wieder in diesem Blog auf und beschäftigt die Branche seit langem. Ein Berliner Startup versucht sich jetzt an einer Antwort: godeepr will nach eigenen Angaben, “ein dem digitalen Medium angemessenes Geschäftsmodell für bezahlten Journalismus etablieren” – im Internet.

Armin Eichhorn von godeepr hat den loading-Fragebogen beantwortet.

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Was macht Ihr?
Tiefgründigen, unabhängigen und leserfinanzierten Journalismus in digitalen Formaten. Jeder Artikel entsteht in enger Zusammenarbeit zwischen freien Autoren und unseren Designern. Die Kombination von tiefgründigem Text und bereichernden digitalen Elementen macht jeden Artikel zu einem echten Leseerlebnis. Es werden nur die Artikel tatsächlich geschrieben, für die eine ausreichende Anzahl an Lesern mindestens einen Euro bezahlt hat.

Warum macht Ihr es (so)?
Wir lieben gut recherchierte und wunderschön aufbereitete Geschichten. Die Printausgabe der National Geographic sei lobend erwähnt: Hier wird man in Themen hineingezogen, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass sie existierten. Im digitalen Raum sind wir mit den bisherigen Angeboten der etablierten Verlage leider überhaupt nicht zufrieden. Nervige Werbung, grundhässliche Websites und eine mediokre Themenwahl vermiesen uns als Lesern viel zu häufig den Journalismus. Kein Wunder, dass so viele unserer Zeitgenossen keine (Digital-)Abos haben!
Wir kommen aus der Welt des Digitalen und der Gründerszene. Wir wollen nicht den Journalismus an sich retten – Vieles ist ja gut. Vielmehr möchten wir diejenigen, denen diese Art Qualitätsjournalismus wichtig ist, zusammenbringen. Durch die Leserfinanzierung, die einhergeht mit der Auswahl der Artikel durch die Leser, bauen wir ein solides Geschäftsmodell mit wachsender Stammleserschaft auf.

Wer soll das lesen?
Thematisch sind wir völlig offen. Da schwingt auch ein stückweit Idealismus mit: Die Themenauswahl geschieht an uns vorbei zwischen Lesern und Autoren, jedes Thema ist möglich. Es gibt bei uns weder einen Chefredakteur, der einen Artikel noch kippen kann, noch “Werbepartner” die uns finanzieren und auf extravagante Abendessen einladen. Sowohl die Themenauswahl als auch die Finanzierung kommt bei uns von den Lesern, also denjenigen, für die der Journalismus eigentlich existiert. Je mehr Artikelvorschläge hinzukommen, umso mehr Leser werden ein Thema finden, das ihnen zusagt.

Wie geht es weiter?
Bald wird der erste Artikel veröffentlicht! Jeder, der für ihn bezahlt hat, wird sehen, wie wir uns den Journalismus des 21. Jahrhunderts vorstellen. Gleichzeitig werden weitere Artikelvorschläge online gehen. Interessierte Journalisten und Themenexperten können uns gerne kontaktieren.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Journalismus digital aufzubereiten, das kann so viel mehr sein als eine Fotostrecke einzubinden und ein Video zu verlinken! Wollen wir die Medienbranche umkrempeln? Vielleicht.


>>> Hier geht’s zur Startseite von godeepr


Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

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Echter Rauch ist besser als doofes Internet

Deutschlands Außenwerbungsflächen werden gerade für eine groß angelegte Kampagne zum Lob des Echten, Wahren und Schönen genutzt. Und das findet sich – daran lassen die unterschiedlichen Motive keinen Zweifel – ausschließlich im Analogen. Es handelt sich um Anzeigen, die darauf hinweisen, dass in diesem modernen “Facebook” auch das Wort “Buch” (Facebook) steckt oder in dem englischen “Wireless” auch das verbindende deutsche “Wir” (Wireless). Ausgedrückt wird dies durch eine schöne Spielerei, die ich erst durchs Digitale (nämlich in Blogs) kennelernte: die Durchstreichung. Wortteile werden durchgestrichen, sie sind so les- und auf schnellst mögliche Art auf eine zweite Ebene übertragbar. Wenn man bei der Freundeszahl 364 die ersten zwei Ziffern streicht, wird die Botschaft schnell klar: In einer Freundschaft zählt nicht die Anzahl, sondern die Intensität.

luckie4 Alle Motive der Kampagne, die ich bisher gesehen habe, funktionieren nach diesem Muster. Ein schönes Muster. Eine handwerklich gut gemachte Kampagne. Dass ich sie hier erwähne, liegt an zwei Dingen: Zunächst halte ich Werbekampagnen grundsätzlich für einen guten Maßstab für gesellschaftliche Stimmungen. Wer etwas groß auf Plakate schreibt, muss sich sicher sein, damit nicht völlig am Zeitgeist oder dem Lebensgefühl seiner adressierten Konsumentenschar (vulgo: Zielgruppe) vorbeizureden. Zum zweiten – und das habe ich bisher unterschlagen – ist diese Kampagne allein deshalb erstaunlich, weil sie keineswegs von einem der klassischen Akteure des Online/Offline-Streits stammt: Es ist Zigarettenwerbung.

Es lohnt sich also, einen Moment innezuhalten und kurz über die Stimmung in dem Land nachzudenken, das man mit diesen Botschaften zuplakatieren kann. Es ist dies offenbar kein Land, in dem das Digitale besonders viel gilt; kein Land, in dem man große Netzwerke schätzt – weder in der persönlichen Verbindung (vier sind besser als 364) noch institutionell (Buch ist besser als Facebook). Es ist dies vielmehr ein Land, in dem man im Jahr 2014 das Fehlen einer stabilen WLAN-Verbindung als Wert herausstellen kann; ein Land, in dem man eine ganze Kampagne auf dem Gegensatz von On- und Offline aufbauen kann. Mit dem eindeutigen Lob für Offline – als Ausdruck des Guten, Wahren und Schönen.

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Das Echte ist auf diesen Plakaten nicht nur zum Teil des Absenders geworden, es ist vor allem all das, was nichts mit dem Modernen, Neuen, Digitalen zu tun hat. Das Echte soll vielmehr allein das sein, was man schon kennt, was schon früher da war, als man noch überall rauchen durfte, und überhaupt alles besser war. Den Machern der Kampagne ist es geglückt, einen Zeitgeist einzufangen und zu bedienen, der konservativ und zukunftsskeptisch ist. Und sie sind sich seiner Strahlkraft in alle Bereiche der Gesellschaft so sicher, dass sie ihn laut ins Land rausrufen. Sie erreichen damit sowohl die Zukunftsskeptiker älterer Generationen als auch die Jungen, denen eingeredet wird, es sei besser mal wieder ein gutes Buch zu lesen als auf Facebook zu sein. Ich kann nicht letztgültig entscheiden, was besser ist, aber spätestens wenn eine Zigarettenmarke sich an das Buch als Wertvermittler hängt, werde ich skeptisch.

Die Digital-Skepsis scheint in diesem Land plakattauglich zu sein. Sie ist so ausgeprägt, dass sie als Transportmittel für ganz andere Botschaften dient: Was überall mit Abschreckbildern von Raucherbeinen und Lungenkrebs bedacht wird, kann in diesem Land noch als Ausweis des Guten und Wahren gelten – wenn es mit dem Digitalen kontrastiert wird. Es sei besser mit drei Freunden am Strand zu rauchen, will das Plakat mir erklären, als mit 361 anderen auf Facebook abzuhängen. Der mir bekannte Stand der Krebsforschung kommt zu anderen Ergebnissen, aber die treten zurück gegen das Grundgefühl, das die Kampagne bedient: Irgendwie ist das Digitale doch nicht ganz geheuer.

Wenn beim nächsten Mal irgendwer gegen die smarte neue Welt anschreibt, muss man sich das in Erinnerung rufen. Das Digital-Evangelistentum, das damit bekämpft werden soll, gibt es in Deutschland nicht nur fast gar nicht, es wird vor allem überlagert von einer Stimmung, die im Digitalen etwas Unwahres, Unschönes, Unechtes erkennt. Fast muss man der Kampagne dankbar sein, dass sie dies so offen zu Tage fördert. Aber nur fast.

Wer will das?

Es ist ein Nebensatz in einer in Klammern gestellten Zusatzbemerkung: “Wer will das?” fragt Stefan Winterbauer in seinem Meedia-Wochenrückblick, in dem er “reichlich ominöse Benefits” des vergangenen Woche gestarteten Krautreporter-Experiments beschreibt.

“Wer will das?” ist gleichzeitig der Hauptsatz der Crowdfunding-Kampagne für das werbefreie Webmagazin Krautreporter – es ist womöglich die zentrale Frage der digitalen Entwicklung schlechthin: Wer will das? fragt nach Aufmerksamkeit. Wer will das? fragt nach Öffentlichkeit und Reichweite. Wer will das? könnte sich jeder fragen, der heute Inhalte veröffentlicht – es eröffnet den Blick auf den Rezipienten, der vom Leser zum Nutzer und zum zentralen neuen Faktor in digitalen Räumen wurde. Denn Wer will das? braucht heute keine Massen-Antwort mehr, digitale Angebote können über den kleinsten gemeinsamen Nenner hinausgehen und auch mit der Antwort “ein paar Leute” funktionieren, wenn die dann mehr zahlen als der Durchschnitt – Nicholas Lovell hat das sehr lesenswert beschrieben.

Die Frage ist in dem Text, auf den ich heute über das Blog von Stefan Niggemeier verwiesen wurde, allerdings nicht so gemeint. Die Konnotation ist eher mit der “Geht’s noch?”-Frage vergleichbar, die Volker Schütz vergangene Woche auf Horizont stellte: “Bezahlen, um Texte kommentieren zu dürfen? Ja geht’s noch?” schrieb er da über Krautreporter. Wobei auch diese Frage gar nicht so falsch formuliert ist: “Geht das?” fragen die Krautreporter – weil sie auf Basis der digitalen Entwicklungen experimentieren.

Sie kommen zwar nicht ganz so zentral aus dem Herzen des Internet wie Frank Schirrmacher in seinem falsch auf der Krautreporter-Startseite verlinkten Interview behauptet, sie nehmen aber Ernst, was dem Internet zugrunde liegt: die digitale Kopie. Inhalte sind im Netz identisch duplizierbar. Inhalte nutzen sich nicht ab, sie werden nicht weniger, wenn andere sie auch lesen. Inhalte sind im Netz wie Musik, die aus dem Zimmer des Nachbarhauses klingt, wie Überschriften, die man im Vorbeigehen am Zeitungskiosk klaut mitliest oder Erfrischung, die vom Ventilator des Bürokollegen ausgeht (siehe dazu Beispiele von David Weinberger, die in einer Debatte aus dem Jahr 2010 schon stimmten) Anders formuliert: Es sind nicht die Inhalte, für die die Krautreporter bezahlt werden. Sonst hätten sie davon auch welche gezeigt. Das Modell der Krautreporter ist deshalb so spannend, weil hier Teilhabe zum Geschäftsmodell wird – wie David Denk es am Wochenende in der SZ formulierte.

“Paid Content ohne Paywall” nennt Stefan Niggemeier das – was ich allerdings für halb falsch halte. Denn Content wird hier gar nicht bezahlt. Was hier bezahlt wird, ist Kontext. Es ist das Dabeisein. Es ist etwas, was man zur Frühphase von Web 2.0 vielleicht Community genannt hat, was in der Kampagne aber noch viel zu wenig betont wird. “Ich habe”, schreibt Stefan Niggemeier,

… das gute Gefühl, mit dazu beigetragen zu haben, dass es diese Seite gibt. Das ist ein schöner und nicht zu vernachlässigender Bonus-Wert, außer den Inhalten selbst natürlich. Ich bin Teil einer Gemeinschaft.

Er schreibt das in Bezug auf Andrew Sullivans Daily Dish und es zeigt meiner Meinung nach, wo die Chance für Krautreporter liegt, das sehr hoch gesteckte Ziel doch zu erreichen: Sie müssen Stefan Winterbauers Frage ernst nehmen und beantworten: Wer will das? Bisher sieht man die Antwort nicht auf der Startseite. Dabei wäre sie wichtig. Wichtiger als die bloße Zahl (aktuell 4462), denn wie soll ein (mögliches) Krautreporter-Mitglied das Gefühl bekommen, Teil einer Gemeinschaft zu werden, wenn er und sie diese gar nicht sieht?

Wer will das? ist meiner Meinung nach die zentrale Frage für Crowdfunding-Projekte. Die Antwort kann “dieser gute Freund” lauten und mehr bewirken als klassische Testimonial-Werbung. Denn wer ein Testimonial ist, hängt in einer Welt, in der sich der Prominenz-Begriff verschiebt, vielleicht eher vom Rezipienten ab als vom Sender. Ein Facebook-Freund, eine mittelbekannte Bloggerin, ein gern gehörte Podcaster – das sind die besten Testimonials, die Krautreporter haben kann. Und das Tolle daran ist: Krautreporter muss sie gar nicht bezahlen, denn sie zahlen ja im Gegenteil Krautreporter. Man kann es nur bisher nicht sehen.

Wie Journalismus sich verändert (Mai 2014)

Nach den Beweggründen für das von ihr gegründete Techniktagebuch gefragt, antwortete Kathrin Passig unlängst:

“Zum einen vergesse ich, was ich wie gemacht habe, zum anderen vergisst man noch gründlicher und zuverlässiger, warum man die Sachen so gemacht hat”

Deshalb notiert sie gemeinsam mit 22 anderen Autorinnen und Autoren wie Technik das Leben und vor allem den Blick aufs Leben verändert. Ähnliches müsste man auch für den Journalismus sammeln, der sich kontinuierlich und in einer Art verändert, dass man nachher nicht mehr genau sagen kann, was man damals dachte: als die Krautreporter den Online-Journalismus für kaputt erklärten, als in der gleichen Woche FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in einem großen Interview Online-Journalismus in einem Atemzug mit Sklavenarbeit erwähnte …

Wir müssen hier gar nicht von Amazon-Lageristen sprechen. Wenn ich mir ansehe, unter welchen Bedingungen viele Online-Redakteure inzwischen arbeiten und wie sie bezahlt werden, wundere ich mich schon, wie wenig das thematisiert wird.

… als die New York Times ihre Chefredakteurin Jill Abramson entließ und ausgerechnet Buzzfeed anschließend ein Times-internes Dokument veröffentlichte, in dem vor der Gefahr neuer konsequent digitaler Angebote wie eben Buzzfeed oder Vox gewarnt wird. Joshua Benton bezeichnete das Papier anschließend als “Key document of the media age”. Als zentrale Erkenntnis des Innovations-Reports der New York Times (den Thomas Knüwer hier auf deutsch zusammengefasst hat) wurde anschließend der Satz: Die Homepage ist tot verbreitet. Weshalb The Atlantic anschließend fragte, wo der Traffic stattdessen herkommt:

If the clicks aren’t coming from homepages, where are they coming from? Facebook, Twitter, social media, and the mix of email and chat services summed up as “dark social” (dark, because it’s hard for publishers to trace).

vox_stream
Es war zu dieser Zeit Mitte Mai 2014 als ich zum ersten Mal in dem thematischen Kontext der Veränderungen bei der New York Times das Vox-Format des “StoryStream” (siehe Bild rechts) entdeckte. Es handelt sich dabei sozusagen um die konkrete Umsetzung der These, Nachrichten als Prozess nicht als Produkt zu verstehen. Vox versammelt im StoryStream Update zu laufenden Geschichten und stellt den Kontext ihres Inhalts dar – inklusive externer Aktualisierungen in Form von Tweets und Kommentaren.

Ist dir in vergleichbarer Weise aufgefallen, wie sich der Journalismus verändert? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

loading: Die Bildung und das Netz

Das Netz verändert vieles – auch unsere Vorstellung von Wissen und Bildung. Der Autor Martin Lindner befasst sich schon länger mit dieser Veränderung und hat jetzt ein Crowdfunding-Projekt gestartet um sich dem Thema in einem Buch zu widmen. “Die Bildung und das Netz” läuft aktuell auf Startnext. Ich habe das Buch dort bereits gekauft – und Martin den loading-Fragebogen geschickt.

Was machst Du?
Derzeit: Eine Kampagne mit dem Ziel ein lang vorbereitetes Buch zu schreiben, weil das Buch, das ich gern lesen will, niemand sonst schreibt (oder jedenfalls: publiziert). Das Buch soll im Zusammenhang zeigen, was das Netz mit der Bildung macht. Nicht nur in Schulen und Universitäten, sondern überall: in Unternehmen, bei den Abgehängten, bei all denen, die auf eigene Faust lernen, weil sie es wollen oder müssen. Was geht verloren gegenüber der untergegangenen Epoche des “Bildungsbürgertums”, wie es in den 1950er Jahren und dann nochmals Ende der 1970er Jahre sich neu konstituierte? Und was wird auf der anderen Seite gewonnen? Für wen, also nicht nur für Bildungsbürger? Und wo, also nicht nur auf welchen gesellschaftlichen Feldern

Warum machst Du es (so)?
Weil ich es auf die konventionelle Art nicht geschafft habe: Ich habe ein Exposé bei einer renommierten Literaturagentur untergebracht, und die hat versucht, es den großen deutschen Verlagen anzubieten. Zwei- oder dreimal wollten die zuständigen Lektoren es gern machen, aber der Verlagsleitung schien es jeweils zu riskant: kein richtig knackiges Debattenbuch, und mich kennt auch niemand. Sie wollten, dass ich eine große, konkrete Zielgruppe adressiere, ängstliche Eltern am besten. Diese Art von Sich-die-Welt-erklären-Buch, die mir vorschwebt, gibt es hier eigentlich fast nicht. Am ehesten im angelsächsischen Raum, wie etwa die sowohl “populären” als auch seriösen Bücher von David Weinberger und Steven Johnson über das Internet und dessen Wirkung auf unsere Kultur.
Eigentlich war mir die ganze Zeit schon klar, dass Crowdfunding die konsequenteste Form sein würde, dieses Buch zu schreiben und zu produzieren, aber … naja, das Risiko ist viel höher, und ich mache das nicht aus einem abgesicherten Job heraus. Und ich dachte auch, dass die Botschaft am besten gehört würde, wenn ein großer Verlag das pusht. Aber jetzt ist es eben Crowdfunding geworden, passend zum Inhalt, und wahrscheinlich musste es eben so sein. Als Prozess ist es natürlich viel toller so, und ich hoffe, dass auch der Text davon profitieren wird.
Naja, und Bücher über Bildung … ich kann den vorauseilenden Überdruss durchaus nachvollziehen, da ist man Teil eines Chors von aufgeregten Büchern, in denen es immer 5 vor 12 ist, und Bildung wird fast immer aus sehr einseitiger Perspektive als Kampfbegriff benutzt. Ich will aber wissen, was wir wirklich meinen (oder meinen sollten), wenn wir von “Bildung” reden. Was das wirklich ist, nicht, was es aus den verschiedenen ideologischen Perspektiven heraus sein soll. Ich denke, dass gerade die Verschiebung der Perspektive, also das jetzt aus dem neuen digitalen Raum heraus zu tun, auch im Rückblick sehr interessante Erkenntnisse über das zutage fördert, was wir in den letzten 100 Jahren unter “Bildung” verstanden haben. Also seit mein Großvater, achter Sohn einer Oberpfälzer Bauernfamilie und später promovierter Lebensmittelchemiker, eingeschult wurde, vor dem Ersten Weltkrieg, in einer Zeit, in der es wahrlich “Disruption” gab.

Wer soll das lesen?
Alle, die sich Gedanken über “Bildung” machen und gern verstehen würden, was gerade mit uns passiert, in diesem Epochenumbruch, der geprägt ist von Digitalisierung, Big Data, Automatisierung, Kontrolle auf der einen Seite und auf der anderen Seite von den digitalen Netz-Medien als Mittel kulturellen Ausdrucks und individueller Emanzipation.
Eigentlich glaube ich, dass das Buch sehr viele Leute ansprechen könnte. Aber erstmal gehe ich aus von denen, die ich in den letzten 10 Jahren im sozialen Web kennengelernt habe: Da sind erstaunlich viele nachdenkliche Leute in recht unterschiedlichen Altersklassen und mit recht unterschiedlichen Hintergründen. Sie sind schwer als eine klare Zielgruppe eingrenzbar und adressierbar, das ist schlecht, wenn man es Verlags-Marketingstrategen verkaufen will. Gut, das sind jetzt vielleicht 500 oder so in meinem Umfeld, aber ich vermute, dass sie nur die Spitze des Eisbergs sind. Im Netz werden dummen Marketing-Generalisierung ja überhaupt sehr schnell ad absurdum geführt. Da wird ein Chor von lauter recht eigenwilligen und oft auch verschrobenen Stimmen hörbar, den man früher nie hätte wahrnehmen können. (Obwohl es diese Leute genauso gab, glaube ich.)

Wie geht es weiter?
Mein Crowdfunding ist jetzt gerade eine Woche alt, und der Start war ermutigend. Es sind bis jetzt etwa 4000 Euro zusammen gekommen, zu gut zwei Dritteln aus Buchverkäufen im Voraus (also Subskription), vielleicht zu einem knappen Drittel aus direkter Unterstützung des Schreibprozesses, ohne dafür direkt etwas zu bekommen. Ich hoffe, ich schaffe meine Zielmarke (8000 Euro), dann kann ich anfangen zu schreiben. Tatsächlich brauche ich aber eigentlich mehr, um wirklich konzentriert sechs Monate am Stück schreiben zu können: mindestens 9000 Euro nach Abzug der Unkosten würde ich schätzen, das sind eher so etwas wie 12 000 Euro Funding-Summe. Wie es genau weitergeht, kann ich also noch nicht sagen. Ich hoffe, ich kann das Buch schreiben, möglichst gut und mit Zeit für Gespräche und Recherchen, und ich kann dann den Unterstützern auch ein vorzeigbares Produkt übergeben: als eBook, aber eben auch als Hardcover-Papierbuch, mit Umschlag. (Das bestellen die meisten.)

Was sollten mehr Leute wissen?
Dass wir mitten in einem großen Umbruch stehen, der gleichzeitig großartig und bedrohlich ist. Wir alle müssen uns darauf einstellen, uns vorbereiten, uns bilden. Für mich ist das genauso: Eine prekäre Situation, in der man sich andauernd durchschlagen und hochrappeln muss. Und zugleich ein faszinierender Aufbruch, eine schlagartige Erweiterung des Horizonts, eine starke untergründige Dynamik. Ich hätte früher nie gedacht, dass ich so etwas erleben werde, nach all den Jahrzehnten des Stillstands, die bis um das Jahr 2000 mein ganzes erwachsenes Leben ausgemacht haben. (Ich war in den 1980er und 1990er Jahren an der Universität, als Student, Dozent und am Ende als habilitierter Literaturwissenschaftler, und es fühlte sich immer mehr wie eine anachronistische Sackgasse an.)

>>> Hier Martin Lindners Projekt auf Startnext unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



Medium/Message – über öffentliches Schreiben

Ev Williams ist einer der Macher hinter dem Dienst Blogger gewesen und steckt auch hinter dem Erfolg von Twitter. Seit einer Weile arbeitet er nun an einem Angebot, das so eine Art Kombination aus Twitter und Blogger ist: Medium gilt als angesagte Publikationsplattform im Netz, weil sie sehr viel von dem macht, was technisch möglich ist.

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Medium setzt auf Annotationen, nutzt das Followerprinzip von Twitter und beschäftigt einen “director of content”, der im Hintergrund sehr gute Arbeit macht: Kate Lee war Literaturagentin bevor Ev Williams sie Ende 2012 zu Medium holte. Die Arbeit als “director of content” bei einem Dienst wie Medium, der ja zunächst eine Publikationsplattform und kein inhaltiches Angebot ist, zählt zu den neuen Jobs im Feld des digitalen Publizierens (ähnlich wie der Job von Evan Hansen bei Medium). Vermutlich war Kate Lee daran beteiligt, als Beststeller-Autor Walter Isaacson im Winter 2013 erste Entwürfe seines neuen Buches auch auf Medium vorab veröffentlichte und ganz sicher steckt sie hinter dem Projekt, auf das mich Martin Lindner gestern abend hinwies: The Message.

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Immerhin hat Kate Lee den Ankündigungstext für diese neue kollaborative Redaktion Zusammenarbeit auf Medium geschrieben:

We’ve gathered twelve writers and thinkers across technology, media, culture, and academia to publish together in one place—and demonstrate that the sum is greater than its parts. Think of it as a modern version of Dorothy Parker’s Algonquin Round Table, whose members, in the course of conversing on a constant basis, collaborated on creative projects.

The Message ist nicht nur wegen der McLuhan-Anspielung ein äußerst interessantes Projekt. Das liegt zunächst an den Autorinnen und Autoren, die Kate Lee zur Teilnahme bewegen konnte: Mit Andy Baio, danah boyd, Craig Mod, Thinkup-Gründer Anil Dash und Zeynep Tufekci sind prominente Vertreter meines RSS-Readers dabei, die auf Medium nun etwas ausprobieren wollen, was ich als Grundbedingung des Digitalen verstehe: die Versionierung von Inhalten.


Zwölf Autorinnen und Autoren üben sich in “The Message” im öffentlichen Schreiben, sie veröffentlichen Entwürfe, annotieren diese, bearbeiten, streichen und ergänzen – für jeden sichtbar. Das kann scheitern, langweilig sein oder nur begeisterungsfähige Menschen mit viel Zeit interessieren. Darum geht es aber zunächst gar nicht, es geht darum, dass die Message-Autoren ausprobieren, was geht: Sie stehen nicht mehr nur im Beckenrand, sie springen rein.

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Das allein finde ich erstaunlich. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen sie dabei machen. Ich bin gespannt, wie der Dienst Medium sich auf Basis von The Message ändern wird. Werden bei einer solchen öffentlichen Art des Schreibens nicht Metadaten eine viel größere Rolle spielen müssen (ich muss jedes Mal sehr lange suchen bis ich überhaupt ein Datum bei einem Medium-Text finden)? Wie werden Annotationen und Kommentare filter- und strukturierbar, wenn mehr Menschen an einem solchen Experiment teilnehmen? Und vermutlich am bedeutsamsten: Wie verändert eine solche Redaktion Zusammenarbeit von Autoren unser Verständnis von Büchern, Publikationen und ganz generell: von Text?

Mein Medium-Account läuft unter @dvg, meine Begeisterung für das Projekt begründet sich in meinem Buch zum Thema.

loading: Universalcode 2

Vor drei Jahren begann Christian Jakubetz damit ein Journalismus-Lehrbuch für das digitale Zeitalter zu erstellen: Universalcode (an dem ich auch mitschrieb) erschien und erlangte gleich große Aufmerksamkeit. Jetzt plant Christian (mit dem ich persönlich bekannt bin) eine Fortsetzung: Universalcode 2 soll mittels Crowdfunding finanziert werden.

Als ich Christian den loading-Fragebogen schickte, bekam ich nicht nur seine Antworten zurück, sondern auch die Frage, ob ich bei Universalcode 2 als Autor dabei sein wolle. Ich sagte zu – genau wie der SZ-Kollege Stefan Plöchinger, Krautreporter-Gründer Sebastian Esser (hier ein Interview mit ihm lesen) und Marco Maas.

Was machst Du?
Die Fortsetzung des Buchprojekts “Universalcode”. Im ersten Teil haben wir mit insgesamt 18 Autoren ein Handbuch gemacht, wie man digitalen Journalismus aus handwerklicher Sicht macht. Das neue Projekt heißt “Universalcode2 – wie wir wurden, was wir sind”. Dort soll es um die Entwicklung der Medien aus grauen Analogzeiten bis heute gehen. Und
natürlich um die Zukunft: Wie geht es weiter und welche Chancen haben Medien und Kommunikation? Grundtenor: Wir möchten gerne Lösungen anbieten, lamentieren gilt nicht.
Zwischendrin möchte ich die Entstehung des Buchs immer wieder in meinem Blog, aber diesmal auch mit sehr vielen Videos dokumentieren. Mal schauen, vielleicht kann man die am Ende auch zu einem längeren Stück zusammenschneiden.
Zur Start-Finanzierung des Buchs gibt es jetzt ein Crowdfunding-Projekt bei “Krautreporter”.

Warum machst du es (so)?
Es gab schon beim ersten “Universalcode” ein Prinzip, das sich sehr bewährt hat: Ein Buch aus der Community für die Community. Nicht nur wegen der Finanzierung. Sondern auch inhaltlich: Ich glaube, dass der erste “Universalcode” völlig anders ausgesehen hätte, wenn wir nicht so viel Input von außen gehabt hätten. Das hat das Buch sicher besser gemacht. Ich glaube fest daran, dass das diesmal auch wieder so sein kann.
Bei der Finanzierung geht es mir vor allem darum, dass wir weitgehend autark und unabhängig von den Vorgaben eines Verlags arbeiten können. Und wer weiß, wie viel Zeit und Arbeit hinter einem solchen Projekt stecken und wie viel Geld man schon vorher investiert, der hat sicher auch eine Ahnung, dass unser Zielbetrag von 5000 Euro wirklich nicht
mehr ist als eine erste Projektbasis.
Trotz alledem: Ich kann mir keinen besseren Weg – und auch keinen anderen mehr – als diesen vorstellen, wenn es um das Verfassen solcher Bücher geht.

Wer soll das lesen?
Am besten alle, die mit Journalismus, Medien und Kommunikation zu tun haben. Ich glaube, dass es ein Buch mit dieser Ausrichtung über Medien nicht gab und vermutlich so schnell auch nicht geben wird. So. Das war jetzt das komplette Maß an Größenwahn, zu dem ich fähig bin.

Wie geht es weiter?
Erstmal den 18.4. abwarten. Dann endet das Crowdfunding-Projekt. Wenn “Universalcode2″ dort krachend scheitern sollte, dann kann man wohl davon ausgehen, dass das Interesse an diesem Buch doch nicht so groß
ist wie ich dachte. Was ja auch eine Erkenntnis ist. Falls das Crowdfunding klappt, dann geht es umgehend ans Schreiben. Ich hoffe, dass das Buch dann bis Ende 2014 fertig ist. Wer jemals ein Buch gemacht hat, weiß allerdings, dass bei solchen Terminen immer der Wunsch der Vater des Gedankens ist.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass Journalismus alles mögliche ist. Nur nicht tot.

>>>> Hier Universalcode 2 bei Krautreporter unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



Der Greif – eine Ausstellung als Prozess

Simon Karlstetter, Leon Kirchlechner, Matthias Lohscheidt und Claudio Ricci haben “Augsburg zu einem Weltzentrum zeitgenössischer Fotografie gemacht”. So beschreibt der Bayerische Rundfunk ihr international angesehenes Fotomagazin: Der Greif erscheint auf Papier und trägt das Haptische, das Anfass- und eben Greifbare im Titel. In der vergangenen Woche haben sie ihre erste Ausstellung eröffnet, die Bilder von 279 Fotografen aus 33 Ländern zeigt. Das Besondere an der Ein Prozess betitelten Ausstellung: Sie will ihre Entstehung dokumentieren. “Sie stellen aus wie ihre Ausstellung entsteht”, fasst der Bayerische Rundfunk das Konzept zusammen, das mich allein deshalb fasziniert weil ich genau darüber in “Eine neue Version ist verfügbar” geschrieben habe. Die Greif-Macher haben mich eingeladen, über ihre Ausstellung zu schreiben.

Das Faszinierende an einer Ausstellung ist ihre Präsenz: Wer Bilder hängt, erzeugt damit Dominanz. Von der Kombination an der Wand geht eine Kraft des Faktischen aus, die der Besucher akzeptiert – und dann erst bewertet. Was ausgestellt wird, ist da – ist abgeschlossen und fertig. Nur: Wie lange? Und: für wen?

Ein Prozess stellt genau diese Fragen – allerdings in dem Präsenz-System einer Ausstellung. Das ist wichtig, denn was ausgestellt wird, ist da – und wird erst danach bewertet. Erst wenn man verstanden hat, was Ein Prozess macht, sollte man fragen, was das eigentlich soll. Denn nur dann wird man verstehen, dass Ein Prozess den Versuch unternimmt, eine der Grundbedingungen der Digitalisierung künstlerisch greif- und verstehbar zu machen.

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Was in Augsburg gerade ausgestellt wird, ist eine Wikipedia für Fotografie. Und wer dabei an eine Enzyklopädie oder an eine lexikalische Sammlung denkt, liegt falsch. Bei der Wikipedia geht es wie bei Ein Prozess um den unterschätzten Aspekt der Digitalisierung: Es geht um die Version. Durch die historische Ungeheuerlichkeit der digitalen Kopie ist die Menschheit in der Lage, Versionen von digitalisieren Kunstwerken zu erstellen: Nach der Veröffentlichung als Mashup oder Remix und vor der Veröffentlichung als dokumentierter Entstehungsprozess. Im GuttenPlagWiki brachte Letzteres den damaligen Verteidigungsminister zu Fall: Man konnte nachvollziehen wie er gearbeitet hatte.

Das Prinzip der Online-Idee eines Lexikons dreht die Maßstäbe der Printwelt um: Es macht die Versionsgeschichte eines jeden Beitrags sichtbar ist. Man kann zu unterschiedlichen Fassungen eines Artikels springen und somit seine Entstehung nachvollziehen. Auf Papier wäre das nicht nur nicht möglich, es würde auch als Schwäche ausgelegt. Warum sollte man mehr zeigen als das eine endgültige Kunstwerk, das man veröffentlichen will?

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Weil es eh anfällt, hat der Schriftsteller Cory Doctorow darauf mal geantwortet. Denn durch die Ungeheuerlichkeit der Kopie sind plötzlich Entstehungsversionen speicher- und auch verfügbar. Und wenn man mit diesen öffentlich umgeht – wie es die Wikipedia tut – stellt man fest: Sie tragen zur Qualität des digitalen Produkts bei. Was in Print als Schwäche gelten würde, ist im Digitalen Ausweis von Qualität: Der Leser kann sich selber ein Bild machen.

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Dass darin im Wortsinn eine künstlerische Dimension liegt, kann man in der Neuen Galerie in Augsburg und auf der Webseite von Ein Prozess derzeit beobachten: Die Ausstellungsmacher legen die Versionen ihrer Ausstellung offen. So wie man in der Wikipedia in Artikelversionen springen kann, kann man in der Ausstellungs-Timeline in Kombinationen der ausgestellten Fotos springen. Auf dem zentralen Tisch im Ausstellungsraum werden unter Beobachtung einer Webcam ständig neue Kombinationen der ausgestellen Bilder gelegt – so erscheinen die Aufnahmen in neuen Kontexten, die Versionierung der Kombination erlaubt ständige neue Zugänge.

Wer das verfolgt, bemerkt schnell die künstlerische Ebene dieser Versionierung: Denn der Besucher wird so zum Teilnehmer der Ausstellung, er vergleicht Fassungen, bewertet Versionen, stellt Zusammenhänge her. Und dies ist das zweite Grundprinzip des Digitalen: Es ist ein Dialog, der Konsument bekommt eine Stimme, nimmt teil, spielt eine Rolle. Jede und jeder kann in der Wikipedia editieren. Weil es technisch möglich ist.

Ein Prozess wird nicht von jedem Besucher editiert, aber jeder Besucher (der Website und der Ausstellung) erstellt seinen eigenen Rezeptionskontext – und spielt somit erkennbar eine Rolle. Und aus der heraus kann er dann auch die Frage nach dem Warum beantworten. Meine Version ist klar: Weil es die zeitgemäßeste Form der Kunst-Präsentation ist.

Die “Der Greif”-Ausstellung “Ein Prozess” ist bis zum 18. Mai in der Neuen Galerie im Höhmannhaus in Augsburg zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10-17 Uhr. Mehr zu Eine neue Version ist verfügbar auf der Verlagswebsite.

loading: Meta Morfoß

Wie kann man den Spaß am Lesen mit den Möglichkeiten der Technik verbinden? Mit Lesequest – sagen die Macher von Daktylos Media, die gerade auf Startnext die Meta Morfoß-App vorstellen. Nikolay Baranov, Anna Burck und Fabian Kern (Disclosure: Mit dem ich persönlich bekannt bin) haben deshalb den loading-Fragebogen ausgefüllt.

Was macht ihr?
Wir entwickeln Kinder-Apps für Tablets, die sich deutlich von dem unterscheiden, was zur Zeit auf dem Markt ist: Unser Ziel ist es, die Möglichkeiten dieser für Heranwachsende so spannenden Geräte auszunutzen, aber gleichzeitig den Charakter des Lesens und die Faszination von Literatur zu erhalten. Unsere Produkte sollen sehr viel mehr sein als reine 1:1-Umsetzungen des Textes, aber auch keine reinen Spiele-Apps, wie sie in Massen in den App-Stores zu finden sind. Dazu haben wir ein eigenes Buch-App-Format entwickelt, die „Lesequest“. Für unsere erste Kinderbuch-App haben wir Meta Morfoß ausgesucht, eine sehr überraschende Erzählung des Schriftstellers Peter Hacks über ein Mädchen, das sich ständig in alles Mögliche verwandelt.

Mit unserer Lesequest holen wir gute Literatur aufs Tablet und wollen damit anspruchsvolle Inhalte für Kinder im Lesealter in die Stores bringen. Die Lesequest funktioniert so, dass man den Text liest und darin Schlüsselwörter findet. Wenn man diese Wörter antippt, werden die Illustrationen animiert, es passiert etwas in den Bildern und so kommt man in der Geschichte weiter. Die Bilder dafür schafft der Illustrator und Animator Max Litvinov aka KClogg.

Warum macht ihr es (so)?
Zuallererst machen wir etwas, was uns Spaß macht – die verlegerische Arbeit auf neue Wege für die Produktion und Verbreitung von Inhalten zu bringen. Kindern wird heute so viel Zerstreuung und Ablenkung geboten, aber wenig Inhalte, die auf spielerische Weise einen Bezug zu Kultur, zu neuem Wissen schaffen. Mobile Geräte sind für Kinder so faszinierend, dass diese, wenn sie die Wahl haben, lieber zum Tablet als zum Buch greifen. Wir haben uns gefragt: Wie lässt sich diese Technikfaszination mit dem Spaß am Lesen verbinden? Wie kann man Kinder für gute Literatur begeistern? Inhalte und Informationen können heute auf so spannende und abwechslungsreiche Weise vermittelt werden. In den Stores findet man für Kinder im Lesealter auf Deutsch keine innovativen Buch-Apps. Wir füllen diese Lücke. Wir möchten für die heutigen Kinder, die selbstverständlich mit dem Tablet aufwachsen, eine Brücke zum Lesen schlagen. Lesen ist und bleibt eine elementar wichtige Technik. Wir wissen heute noch nicht, wohin sich das Lesen entwickelt, was mit dem guten alten gedruckten Buch passiert. Wir wollen es auch nicht ersetzen, sondern ergänzen.

In unseren Gesprächen mit Mediengestaltern und anderen Eltern ist uns klar geworden, dass diese Fragen viele Menschen bewegen. Wie sich Medien entwickeln, prägt eine Gesellschaft und ihren sozialen Zusammenhalt in ganz zentraler Weise. Durch unsere Crowdfunding-Kampagne wollen wir nicht nur die Finanzierung unseres ersten Projekts realisieren, sondern auch so viele Menschen wie möglich an dieser Entwicklung teilhaben lassen. Wenn nicht wir die Zukunft gestalten, werden es andere für uns tun.

Wer soll das lesen?
Der Text selbst ist für Kinder ab acht Jahren geeignet, aber auch jüngere Kinder, die gerade erst Buchstaben und das Lesen entdecken, haben schon Spaß an der App. Außerdem ist sie auch für alle Großen gedacht, die Literatur lieben, die Peter Hacks als Schriftsteller oder, wenn sie ihn vielleicht schon als Dramatiker kennen, eine besondere Seite an ihm entdecken wollen, nämlich seine wunderbaren Texte für Kinder. Außerdem ist die App für Leute interessant, die auf originelles Konzept und Design für mobile Apps neugierig sind.

Wie geht es weiter?
Wir haben einen App-Prototypen erstellt, der rundum positives Feedback bekommen hat. Nun brauchen wir soviel Unterstützung wie möglich für unser Crowdfunding-Projekt auf Startnext zur Realisierung der Meta Morfoß App. Wenn unsere Kampagne erfolgreich ist, planen wir, die App im Herbst in die Stores zu bringen und auf der Frankfurter Buchmesse vorzustellen. Und wir möchten dann mit der Konzeption der nächsten Lesequests beginnen. Außerdem wollen wir auch gern eine Kinderbuch-App entwickeln, die Belletristik und Sachbuch miteinander verbindet.

Was sollten mehr Menschen wissen?
In unseren Augen wird durch die aktuelle Entwicklung der modernen Digitalmedien bestimmt, in welcher Wissens- und Erlebniswelt unsere Kinder in Zukunft aufwachsen werden. Wir möchten diesen Prozess aktiv mitgestalten und dafür sorgen, dass auch Medien wie eBooks und Apps mit derselben didaktischen Qualität und gestalterischen Perfektion entstehen, wie dies beim Kinderbuch in der Vergangenheit der Fall war. Wir freuen uns über jeden, der uns auf diesem Weg begleiten will, sei es durch die Unterstützung unseres Projektes, durch die kreative Auseinandersetzung mit unseren Ideen oder dadurch, dass die Crowdfunding-Community weiter zum Wachsen gebracht wird. Natürlich sollen viel mehr Menschen über unsere Crowdfunding-Kampagne für die Meta Morfoß App erfahren, damit wir Unterstützung bekommen. Crowdfunding ist eine Möglichkeit, die Welt in deiner unmittelbaren Umgebung besser zu machen, das in die Welt zu bringen, was du dir für dein Leben wünschst.


>>> Hier kann man die Meta Morfoss App direkt auf Startnext unterstützen

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



Referenzkultur: The Office Time Machine

Die Welt ist voller Referenzen und Remixe, wir orientieren uns über Kopien und Bezüge. Das kann man theoretisch beschreiben – oder sehr praktisch auf The Office Time Machine anschauen. Joe Sabia hat dafür Referenzen und Zitate aus der Serie “The Office” offengelegt – und zwar aus allen neun Staffeln. Sabias Detailarbeit dient einem politischen Zweck: Er will für eine Urheberrechts-Reform werben:

I created this project to advocate for copyright reform and highlight the importance of fair use in protecting creators and their art. To prove culture is not only everywhere, but that certain references to films, songs, and works of art are critical for our collective understanding of comedy and to the importance of relating to content, I found every cultural, real-life reference from every episode of The Office.


via Nerdcore