Wenn Freunde offline gehen …

Buch, Netz | 16. Juli 2010

Perhaps I’m feeling a loss of leisure so keenly these days because of my romanticized (but real) memories of summer days from not so long ago. Not just the ones in which I was a kid on a three-month vacation, but in which I was the daughter of parents who came home from their jobs at night and were at home, who cooked dinner, or maybe drove us to a movie or watched television or read a book without so much as a glance at a Palm Pilot or an e-mail in box.

Bei Salon.com schreibt Rebecca Traister darüber, How technology is stealing our lives und darüber, wie das Netz und die mobile Kommunikation die Arbeit in unsere Freizeit trägt.

Now, it often seems, there is no “gone for the weekend.” There is certainly no “gone for the night.” Sometimes there’s not even a gone on vacation.

Sie schreibt, durch die permanente Verfügbarkeit haben wir ein Monster erschaffen, das uns jetzt auffrisst und rät dazu, das Telefon mal eine Weile auszuschalten. Da zwei gute Bekannte genau dies unlängst getan und darüber geschrieben haben, verweise ich auf den Salon-Text. Er ist nämlich eine gute Vorbereitung auf die beiden Bücher von Christoph Koch und Alex Rühle, die in diesen Tagen erscheinen. Sie heißen und Ich bin dann mal offline und Ohne Netz* und sind beide sehr lesenswert.

Das sage ich nicht, weil ich mit beiden Autoren gut bekannt bin, sondern weil es stimmt. Allein deshalb wünsche ich beiden (die jetzt beide durch das gleiche Aufmerksamkeitsfenster müssen) nur das Beste fürs Buch. Dabei treffen sie auf eine Stimmung, die durchaus Interesse an der Vorstellung hat, wie das Leben denn ohne Internet wäre. Hier kann man sich anschauen, wie YouTube-Filmer mit diesem Gedanken umgehen. Wer danach einen lesenswerteren Zugang zu dem Thema sucht, kann ja einfach beide Bücher lesen. Ich habe es getan und erstaunt festgestellt, dass es nahezu keine Dopplungen gibt.

* Dienstag in einer Woche werde ich im Literaturhaus München die Buchpremiere von “Ohne Netz” moderieren.

Gerald von Foris: “Wunden”

Buch, Kaufen | 11. Juli 2010

Der wunderbare Münchner Fotograf Gerald von Foris hat ein Buch veröffentlicht. Es heißt “Wunden” und zeigt auf 144 von Mario Lombardo gestalteten Seiten Bilder aus allen Teilen der Welt. Auf der Website von soda (wo man das Buch auch kaufen kann) heißt es:

Die Bilder sind fast alle auf Reisen enstanden und sind benannt nach den Orten, von denen sie stammen: Lima, Danzig, St. Moritz, Liverpool, Sarajevo, Mexiko Stadt…
Eines der schönsten Fotobücher, die wir in letzter Zeit gesehen haben!

Und Hannes Wanderer vom Berliner 25books schreibt:

… eigentlich will jeder, dem ich es zeige, das Buch haben …

Beides ist unbestreitbar richtig. Auch deshalb berichteten bereits die New York Times, Die Zeit und jetzt.de über das Buch, das mit dem Hörbuch “Beograd Protokolle” erscheint. Dabei handelt es sich um den Versuch über Fotografie zu sprechen. Dirk Stermann und Rochus Boulanger machen das so hörenswert, dass es vermutlich bald weitere Hör- zu Fotobüchern geben wird – mit Rochus und Dirk als Sprechern …

Ich erwähne das alles hier, weil ich seit gestern eine der limitierten Ausgaben von “Wunden” besitze und allein deshalb jedem, der sich für Fotografie interessiert, empfehlen möchte, es gleich zu tun. Man kann das Buch in München bei soda, bei 25books in Berlin und im Hamburger Haus der Photographie kaufen. Wer mag, kann es aber auch direkt beim Fotografen bestellen. “Wunden” kostet inklusive Hörbuch 30 Euro.

Wofür braucht man eigentlich Verlage?

Buch, Netz | 7. Juli 2010

Google ist ein Teil dieses Ökosystems: Den Lesern helfen wir damit, dass er Informationen findet und eine Kaufentscheidung treffen kann oder weiß, in welcher Bibliothek er das gewünschte Buch findet. Verlagen geben wir die Möglichkeit, dass sie ihre Bücher weltweit auffindbar machen können. Wir helfen Verlagen also bei der globalen Vermarktung. Wir stellen den Verlagen kostenlos die Möglichkeit zur Verfügung, dass der potenzielle Käufer das Werk einsehen kann. Wir planen, dieses Jahr Google Editon zu launchen, d. h. wir werden ein weiterer Anbieter auf dem Feld des Vertriebs sein. Verlage können dann entscheiden, ob sie ihre Bücher in einer cloud-solution über uns verkaufen wollen…

Im Interview mit der Welt spricht Annabella Weisl (Chefin von Google Books Deutschland) über die Pläne von Google und über die Rolle von Verlagen in der digitalen Welt:

Ein Verlag hat ja nicht nur die Aufgabe, Bücher zu vertreiben. Ein Verlag wählt aus, er lektoriert, betreut Autoren, macht Buchprojekte erst möglich und betreibt Marketing für Autoren. Das sind Aufgaben, die von einem reinen Vertriebspartner nicht wahrgenommen werden können.

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Everybody Steals

Buch, Netz, Politik | 2. Juni 2010

I and many other contemporary writers, musicians, visual artists, and copyleft lawyers are trying to think in new and different and (we believe) exciting ways about quotation, citation, appropriation, and plagiarism. We’re trying to regain the freedoms that writers for millennia took for granted but that we have lost.

David Shields, Autor des wunderbaren Reality Hunger, schreibt in der Huffington Post über die Hintergründe für sein Buch.

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Von Kühen, Bauern und Twitter

Buch, Netz, Print | 23. April 2010

Jeder Mensch will wahrgenommen werden. Jedes Kind kämpft um die Aufmerksamkeit seiner Eltern. Der Mensch möchte sich seiner Existenz auf dieser Welt versichern, und das kann er oft nur, wenn er von anderen wahrgenommen wird. Der Mensch ist ein Herdentier. Wie Kühe muhen, twittern eben jetzt die Menschen.

Im Interview mit der Wiener Zeitung spricht Axel Hacke über Twitter, den Zustand der Print- und Buch-Branche und schlägt am Ende den Bogen von der Kostenlos-Kultur zur Hegemann-Debatte und fordert:

Das muss den jungen Leuten beigebracht werden: Ein Bauer melkt seine Kühe, und die Milch kostet dann Geld. So wie die Kuh gemolken wird, muss auch ich mein Hirn melken. Das ist Arbeit! Und die Leute kommen dann und reden von Intertextualität. Das ist doch ein Schmarrn!

Die Plagiatsplagiat-Diskussion

Buch, Netz, Politik, Pop | 24. Februar 2010

Gestern habe ich in der FAZ einen Text gelesen, von dem die dortige Redaktion behauptete, er stamme von Durs Grünbein – dieser Eindruck wird auch weiterhin auf der Website erweckt. Dort findet sich kein Hinweis auf das, was man heute in der FAZ lesen kann:

Der Text stammt zu neunundneunzig Prozent von Gottfried Benn.

Das sagt Durs Grünbein im Interview mit der Zeitung. Und erklärt die Intention dieses “Tests” mit Benns Original-Text so:

Mir ging es nicht um Frau Hegemann. Mir ging es um den Irrsinn einer kriterienlosen Literaturdebatte.

Ob dieser Test geglückt ist, sollen Menschen beurteilten, die sich für die Literaturdebatte interessieren. Zum Beispiel Uwe Wittstock, der laut Perlentaucher in der Welt “einen empörten Kommentar über Durs Grünbeins Hegemann-Verteidigung” verfasst hat. Die von Google und Perlentaucher verlinkte Fundstelle auf Welt-Online ist allerdings leer …

Mich beschäftigt an diesem Test eine ganz andere Frage, nämlich die, ob man als Zeitung seine Leser so verschaukeln darf. Es ist die naheliegendste Redaktions-Reaktion auf den so genannten Fall Hegemann, selber ein Plagiat zu testen. Ich glaube aber – eben weil es so naheliegend ist – dass man dem nicht nachkommen darf, weil man seine Leser damit in die Irre führt. Der Käufer der gestrigen FAZ glaubt doch, was er da gestern gelesen hat, dass es sich nämlich um “Eine Wortmeldung von Durs Grünbein” handelt. Er ist in diesem Glauben nicht nur getrogen worden, ihm wird tags drauf auch noch mitgeteilt, dass er auf diese Irreführung aus eigenem Verschulden reingefallen ist. Grünbein sagt

Der gebildete Leser wird natürlich sofort den „Sound der Väter“ herausgehört haben.

und verrät damit alle anderen indirekt, dass sie eben das nicht sind: gebildet.

Ich kann mit dieser Einschätzung leben, finde allerdings bemerkenswert, wie die FAZ so nebenbei eine weitere Annahme in Frage stellt, die bisher für die Debatte über die Zukunft von Zeitungen zentral war: Eine Zeitung, sagte man bisher, ist ein abgeschlossenes Produkt. Eine Einheit, die anders als der ständige Nachrichtenstrom des Netzes, für sich alleine funktioniert. Wer eine Zeitung kauft, kauft damit Informationen, die für sich gelten (jedenfalls zum Zeitpunkt der Drucklegung). Mit dieser Plagitatsplagiat-Debatte stellt die FAZ das in Frage. Sie sagt: Diese Zeitung versteht man nur, wenn man auch die nächste Ausgabe liest. Sie wird damit selber zum Nachrichten-Strom, der seinen wichtigsten Vorteil gegenüber dem Netz, kampflos herschenkt.

P.S.: Zu dieser Einschätzung komme ich übrigens nicht, weil ich heute in der Süddeutschen Zeitung selber einen Text zum Fall Hegemann und zum Umgang mit Mashups veröffentlicht habe (S. 14 in der gedruckten Ausgabe).

Nachtrag, 16.30 Uhr: Durch Zufall bin ich gerade auf die Leser-Reaktionen auf faz.net auf Grünbeins-Test gestoßen. Diese sind erstaunlich: Zum Benn-Text vom Montag schreibt beispielsweise Frank Miksch:

Der alte Nerd-Laden FAZ-Feuilleton machte durch den Dichter Durs „mach mir den Gottfried (Benn)“ Grünbein mit seinem ironisch getupften doppelten Rittberger die ultimative Bruchlandung.

Und Ute Gerhardt fragt

Für wie blöd halten Sie uns eigentlich, Herr Grünbein?

Noch eindeutiger sind allerdings die Leser-Meinungen unter dem heutigen Interview. Dort fragt emile cioran

Finden Sie, Herr Grünbein, finden Sie, wehrte FAZ-Redaktion, dieses Spielchen witzig, originell, geistreich? Was wollen Sie wem damit sagen? Wollen Sie uns zeigen, wie schlau und belesen Herr Grünbein ist – und Sie auch?

Benjamin Küchenhoff ergänzt

Ich war schon verwundert, denn dieser Text war nicht annähernd so klug wie das, was Durs Grünbein sonst schreibt. Jetzt bin ich beruhigt zu erfahren, dass er gar nicht von ihm stammt. Besonders gewitzt finde ich seine Idee im Übrigen nicht.

Und der Leser Wilhelm Friedrich antwortet auf die die FAZ-Frage “Warum haben Sie geklaut, Herr Grünbein?” mit diesen Worten

Das fragen Sie allen Ernstes, liebe FAZ? Ich weiß die Antwort: Weil er auch was vom großen Axelotl-Kuchen abhaben und auch mal wieder in die Zeitung will.

Frau Holle auf dem iPhone

Buch, Mac, kinder | 4. Februar 2010

Die Seite Mobile Children’s Books bringt Kinderbücher aufs iPhone. Ob und wie das funktioniert, kann man aktuell kostenfrei an der Frau-Holle-App testen:

http://www.mobilechildrensbooks.com/de/iphone-frau-holle.html

McSweeney’s: Jetzt also eine Zeitung!

Buch, Netz, Print | 9. Dezember 2009

http://www.mcsweeneys.net/SFPanoramaPR.html

Sie machen unbestreitbar tolle Sachen bei McSweeney’s und jetzt auch noch eine Zeitung: The San Francisco Panorama soll sie heißen und einmalig erscheinen.

via

Großartig: Readability im Internet

Buch, Netz, Print | 4. Dezember 2009

It completely transforms the Web experience, turning your computer into an e-book reader. I think I’m in love.

David Pogue stellt Readability vor – und eröffnet damit eine neue Form des Lesens im Internet. Großartig!

Literatur und Journalismus

Buch, Netz, Print | 1. Dezember 2009

Die Literatur ist auf einen doppelten Boden angewiesen, der Journalismus hingegen soll sich um diesen Boden überhaupt nicht bemühen, er darf ihn nicht haben.

Marcel Reich-Ranicki beantwortet in der FAS die Frage: Was ist der Unterschied zwischen Journalismus und Literatur?


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