Alle Artikel in der Kategorie “Buch

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loading: mikrotext 2015

Das Jahresprogramm eines Verlags im Abo – das ist die Idee des Mikrotext-Crowdfundings, das noch wenige Stunden auf Startnext läuft.

Nikola Richter hat dazu den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht du?
Ich verlege kurze, zeitgemäße, literarische, politische E-Books mit meinem Digitalverlag mikrotext. Aktuell biete ich über eine Crowdfunding-Kampagne ein Abo für unser Jahresprogramm an, für schlappe 15 Euro: etwa 7 E-Books bekommt man dafür das gesamte Jahr lang bequem per Email zugeschickt – Kündigung nicht nötig. Dazu gibts ein wunderbares E-Book-Literatur-Paket, gestiftet von den Indie-Verlagen binooki, Edit, kladdebuch und mairisch. Das ideale Einsteigerprogramm fürs elektrische Lesen.
Wer will, kann auch exklusive Dinge wie libanesische Drehblättchen, Anisschnaps, ein tanzbares Mixtape “Das Schreiben” oder einen Platz bei einem Kartoffel-Dinner erstehen. Oder einfach was spenden! Wir haben es ja fast geschafft, brauchen aber noch Unterstützung für die Zielgerade.

Warum machst du es (so)?
Weil ich selbst als Leserin kurze digitale Lektüren auf Reisen, beim Warten, (abends) im Bett vermisst habe. Ist doch schöner, etwas in Ruhe zu lesen, als ständig Facebook zu checken. Und weil viele spannende Texte nicht verlegt werden, weil sie zum Drucken zu kurz sind – beim E-Book spielt ja die Länge oder Kürze keine Rolle. Und weil ich so die Autoren und Themen verlegen kann, die mich begeistern: aktuell etwa eine literarische Reportage aus dem Krieg in der Ukraine und ein Bericht eines ugandischen Flüchtlings aus unserem Asylsystem.

Wer soll sich dafür interessieren?
Alle! Ist für jeden etwas dabei, auch Science Fiction, Horrorgeschichte, Liebesnovelle, Alexander Kluge oder syrischer Facebook-Star. Haben wir alles im Programm.

Wie geht es weiter?
Ich wünsche mir sehr, dass wir das Crowdfunding-Ziel erreichen und damit das erste digitale Verlagsabo schaffen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
E-Books sind eine Ergänzung zum Lesen von Print, keine Konkurrenz. Sie ermöglichen die lineare, konzentrierte Lektüre im Daten-Strom – und man braucht dabei kein Netz, nur zum Herunterladen. Auch auf dem Computer kann man sie lesen (als PDF oder mit bestimmten Leseprogrammen) – bequemer ist es auf dem Smartphone, dem Tablet, dem E-Reader. Schließlich: neben meinem Verlag mikrotext gibt es bereits viele weitere spannende Digitalverlage, etwa Culturbooks, den Frohmann Verlag, shelff.

/// Hier das digitale Verlags-Abo auf Startnext abschließen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:
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“Das kann man nur im Kino erleben”

In der Filmkritik des Films “Wild Tales – jeder dreht mal durch”, der diese Woche ins Kino kommt, lässt die BR-Kritikerin Kirsten Martins den Regisseur zu Wort kommen. Damián Szifron beschreibt darin die soziale Dimension von Kultur am Beispiel des Mediums Film:

Wir haben im Kino einen Augenblick der Gemeinschaft erlebt. Wir haben dasselbe gefühlt, haben gelacht. Das ist die Magie des Kinos. Das kann man nur dort erleben. Nicht bei Netflix.

Ich teile diese Einschätzung, ich glaube, dass diese Magie, die Szifron beschreibt, ein bedeutsamer Bestandteil dessen ist, was die Faszination für Kultur in Gänze (nicht nur Kino) ausmacht: dass wir sie gemeinsam mit anderen erleben.

Ich frage mich jedoch: Gilt das tatsächlich nur für den physischen Ort, den man gemeinsam besucht? Muss es in der Tat ein Kinosaal mit Leinwand sein, der diese Magie entstehen lässt? Kann sie vielleicht auch entstehen, wenn Menschen gemeinsam einen virtuellen Ort besuchen – wenn sie in Echtzeit an besonderen Momenten teilnehmen?

Wenn man diese Fragen stellt, ist man mittendrin in der Debatte um tragfähige Modelle für Kultur im digitalen Raum. Sie muss sich der Magie erinnern, von der Szifron spricht. Und sie muss herausfinden, wie und wo diese Magie entsteht. Und ausgerechnet Netflix kann dabei eine Antwort sein.

Ausgerechnet der Ort, den Sizfron für so ungeeignet hält für das Entstehen von Magie, hat diese Woche gezeigt, dass Magie auch abseits des Massenpublikums entstehen kann. In dieser Analyse auf vox.com kommt Tod vander Werff jedenfalls zu dem Ergebnis:

The world of TV is just a stark reminder of the pop cultural world of 2015. There is no mass audience anymore, just a series of niches, some larger than others.

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Bücher des Jahres 2014

Ich habe ein eBook erstellt. Ich habe Text geschrieben (hier im Blog), habe den Text bearbeitet, mit Hilfe des Programms Booktype in Form gebracht und anschließend ein Kindle-taugliches .mobi- und ein iBooks-taugliches .epub-Format daraus erstellt. Das Buch heißt “Das Jahr 2014″ und versammelt die zehn populärsten Texte aus diesem Blog hier.

Man kann das Buch nicht kaufen. Wer sich auf den neuen “Digitale Notizen”-Newsletter einträgt, erhält einen Download-Link zu den beiden Dokumenten, die man dann auf handelsüblichen Lesegeräten digital aufblättern kann.
Ich wollte ausprobieren, wie man das macht: ein eBook abspeichern. Mit den Erfahrungen mit Booktype bin ich zufrieden, freue mich aber über Hinweise und Anmerkungen zum Thema elektronisches Publizieren.

buecherdesjahres

In der allgemeinen Rückblicksstimmung der letzen Tage des Jahres schien es mir angemessen, die zehn populärsten Texte aus diesem Blog für das eBook zu verwenden (Spoiler: der populärste Text war übrigens diese Werbekritik aus dem Sommer).

Und wo ich so beim Rückblicken war, fielen mir die Bücher ein, die mich in diesem Jahr beschäftigten – digital wie analog. Und so nahm ich mir den Kollegen Bernhard Blöchl zum Vorbild und schrieb auch ein paar Bücher des Jahres auf – allerdings ohne Wertung, einfach so.

Diese Veröffentlichungen haben mich 2014 besonders beschäftigt:

Die globale Überwachung von Glenn Greenwald – weil die Herausforderung der staatlichen Überwachung eine der wichtigsten Aufgaben ist, die man besser lösen kann, wenn man ihre Grundlagen versteht

“Data Love” von Roberto Simanowski – weil die Sache mit den Daten eine sachliche Analyse verlangt.

Drohnenland von Tom Hillenbrand – weil das Buch vor Snowden geschrieben wurde und doch in Form eines Krimis all die Fragen stellt, auf die wir jetzt Antworten brauchen

Das Internet der Tiere von Alexander Pschera – weil man besser versteht, was das Internet der Dinge mit der Gesellschaft der Menschen machen wird, wenn man sieht wie das Internet der Tiere deren Gesellschaft verändert hat; übrigens nicht nur zum Schlechten

Meme von Limor Shifman – weil die gegenwärtigste Form der Popkultur gerade im Netz stattfindet.

Die granulare Gesellschaft von Christoph Kucklick – weil es das beste Buch mit dem schlechtesten Titel des Jahres ist. Er erklärt weniger kompliziert als der Titel vermuten lässt, wie die Digitalisierung die Welt verändert.

Wenn wir vom Fußball träumen von Christoph Biermann – weil es eine Heimreise ist wie der Untertitel verrät. Das beste Buch zum (Ruhrgebiets-)Fußball seit langem

Die Kurve von Nicholas Lovell – weil ich so viel über die Besonderheiten des Digitalen gelernt habe wie seit “Total Digital” von Nicolas Negroponte nicht mehr.

Viele andere Bücher haben mich in diesem Jahr beschäftigt, sie passten aber nicht mehr auf das Bild und in diesen Eintrag. Deshalb schließe ich mit dem Hinweis auf ein Buch, das mich allein deshalb beschäftigt hat, weil ich es geschrieben habe: Im Sommer erschien der Crowdfunding-Ratgeber 22 1/2 Schritte zu erfolgreichem Crowdfunding – passenderweise übrigens als eBook.

Kultur als soziales Erlebnis

Fredrik Wikingsson hat in den vergangenen Wochen etwas erlebt, was äußerst spannende Fragen zum Thema “Kultur als soziales Erlebnis” aufwirft. Im Rahmen des Allein-Experiments hat der Schwede ein Solo-Konzert von Bob Dylan besucht. Dabei war allerdings nicht Dylan allein auf der Bühne, sondern Wikingsson allein im Publikum.

Was klingt wie ein Traum für Bob-Dylan-Fans ist vor allem ein spannendes soziales Experiment. Ist Kultur für sich toll oder gewinnt sie ihren Wert nicht gerade daraus, dass wir sie gemeinsam erleben und teilen können? Der 15-Minütige Film ist unbedingt sehenswert, weil er einerseits mit dem Fan-Traum spielt, aber auch kontinuerlich die Frage aufwirft, was denn nun bedeutsamer ist: Die Kunst an sich oder der Rahmen, in dem sie aufgenommen wird?

Ich habe den Film deshalb auch nicht nur als Bob-Dylen-Clip angeschaut, sondern auch als Illustration meiner Thesen aus “Eine neue Version ist verfügbar”.

“All available in 60 seconds”

Was treibt Amazon an? Wie verändert der Online-Händler den Buchmarkt? Und welche Auswirkungen hat all das auf Autoren? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, sollte dieses Interview anhören/lesen, das Amazon-Chef Jeff Bezos dem Business Insider gegeben hat.

Darin beschreibt er seine Mission für die Amazon-/Kindle-Lesewelt und versucht zu erklären, warum er glaubt, dass die digitale Welt mehr Verbesserungen als Verschlechterungen für die Buchwelt bringen wird:

What we really have to do, if we want a healthy culture of long-form reading, is to make books more accessible.Part of that is making them less expensive. Books, in my view, are too expensive. Thirty dollars for a book is too expensive. If I’m only competing against other $30 books, then you don’t get there. If you realize that you’re really competing against Candy Crush and everything else, then you start to say, “Gosh, maybe we should really work on reducing friction on long-form reading.” That’s what Kindle has been about from the very beginning.

In the internet era, almost all of the tools for reading have been reducing the friction of short-form reading. The internet is perfect for delivering three paragraphs to your smartphone. The Kindle is trying to reduce friction for reading a whole book. It’s working. The vision for Kindle is every book, every imprint, in any language, all available in 60 seconds. That’s a multi-decade vision. We’ve been working on it for a decade now, and we’ve made huge progress. We’re making books easier to get, more affordable, more accessible. It’s a fantastic mission.


Via Buchreport

#WM2014: der Rückblick

Schon während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 hatte ich über die (sport-)journalistische Begleitung des Ereignisses gebloggt. Jetzt neigt sich das Jahr zum Hashtag WM2014 seinem Ende entgegen – und wieder lohnt ein Blick auf die sportjournalistischen Rückblicke, die sich auch der WM widmen.

"Fussball ist dann bedeutsam und unvergesslich …" – aus dem SZ-Jahresrückblick 2014

Ein von Dirk von Gehlen (@dvg) gepostetes Foto am

Im SZ-Jahresrückblick schreibt Holger Gertz über das historische Halbfinale gegen Brasilien: #brager ist eine große Erzählung im Leben vieler Menschen. Deshalb widmet sich das Magazin 547490.de in einer Sondernummer genau dieser Begegnung, die “mehr als ein Spiel” war.

Das Magazin 11 Freunde hat einen eigenen Jahresrückblick aus fußballerischer Perspektive gebaut, der mit den Worten “Was für ein Jahr” angekündigt ist, aber tatsächlich eine Dokumentation dessen ist, was Fußballfans auch in Jahren noch über 2014 erzählen werden.

Dass man auch digital zurückblicken kann, haben die SZ-Kollegen mit ihrem multimedialen Rückblick unter sz.de/wm2014 gezeigt. Ein beeindruckende Web-Reportage zu den Ereignissen in Brasilien.

szwm

loading: Kulturbox

Eine Gemüsekiste für Kultur – das will die von Nadja Dumouchel, Alexander Brauch und Alain Bieber erfundene Kulturbox bieten. Das Crowdfunding für das besondere Angebot ist dieser Tage auf Startnext gestartet.

Nadja Dumouchel hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Inspiriert vom Prinzip der Gemüsekiste liefert die KULTUR.BOX einmal pro Quartal eine Auswahl regionaler, saisonaler und unabhängiger Kulturgüter wie z.B. Bücher, Magazine, Filme, Musik, Veranstaltungen und Kunstobjekte, bequem per Post nach Hause. Wir bieten Orientierung in der vielfältigen, deutschlandweiten Kulturlandschaft, indem wir gemeinsam mit lokalen Experten aus jedem Bundesland ein sorgfältig kuratiertes und liebevolles Angebot der schönsten Kulturgüter für euch zusammenstellen. Wir garantieren eine Box voller Überraschungen und Inspiration.

Warum macht ihr es (so)?
Durch die Globalisierung kommt es immer stärker zu einer Homogenisierung von Kulturen und Lebensstilen. Die KULTUR.BOX unterstützt unabhängige Verlage, freie Künstler und Musiker und damit eine kulturelle Vielfalt. Und kulturelle Vielfalt schafft eine reiche und vielfältige Welt, stärkt Demokratie, Toleranz, soziale Gerechtigkeit und gegenseitigen Respekt.

Wer soll sich dafür interessieren?
Unsere Zielgruppe sind alle Menschen, die sich für Kulturgüter abseits des Mainstreams interessieren. Alle kulturinteressierten Menschen, die entweder keine Zeit haben, sich selbst auf dem Laufenden zu halten, was gerade in der Indie-Szene aktuell ist oder Lust haben, von Kuratoren und Experten sich die besten Kulturperlen zeigen zu lassen. Alle, die das Urbane und Szenige hinter sich lassen mussten, weil sie heute die meiste Zeit arbeiten oder sich um ihre Familie kümmern – trotzdem aber Insider bleiben möchten. Alle, die schon lange kein Buch mehr gelesen haben und sich wieder Zeit dafür nehmen möchten. Alle, die ein schönes Geschenk machen möchten.

Wie geht es weiter?
Anfang 2015 kommt für die ersten Kulturbox-Förderer die erste Best-of-Deutschland Box bequem nach Hause geliefert, mit folgenden Kulturgütern:

Sarah Schmidt: “Eine Tonne für Frau Scholz”, Verbrecher Verlag, Berlin, 2014 // LITERATUR
Klebstoff 8, November 2014, International Neighboorhood Verlag, Leipzig // ILLUSTRATION
HGich.T: “MEGABOBO”. CD, November 2014, Tapete Records, Hamburg // MUSIK
Eine Freikarte für “Shorts Attack“. Die volle Ladung Kurzfilm von interfilm Berlin // FILM

Ab dem zweiten Quartal 2015 gibt es dann für jede Region in Deutschland die jeweils passende Kulturbox.

Was sollten mehr Menschen wissen?
In ganz Deutschland gibt es großartige Independent-Labels, unabhängige Verlage und Vereine, in denen Künstler, Filmemacher, Illustratoren, Designer und Musiker mit viel Herzblut und Leidenschaft großartige Kulturgüter abseits des Mainstreams produzieren. Die KULTUR.BOX möchte jene sichtbar machen, die oftmals in der Masse untergehen.

////// Hier die Kulturbox auf Startnext unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Lauer, Lobo und die Sache mit dem Urheberrecht

In der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung machen Christopher Lauer und Sascha Lobo Werbung für ein Buch, das sie geschrieben haben und das man ab dem morgigen Montag lesen kann – einzig auf der von Sascha Lobo betriebenen Plattform Sobooks. Diese Plattform wird – so eine Ankündigung von der Buchmesse – sehr eng mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kooperieren.
Im Rahmen des Interviews wird das nicht erwähnt.

Im Rahmen des Interviews sagt Sascha Lobo:

Wir stellen im Buch die These auf, dass der Wutanfall des Schriftstellers Sven Regener in einem Radiointerview über das Urheberrecht im März 2012 der Auslöser des Niedergangs der Piratenpartei war. Dieser Wutanfall hat die Unzufriedenheit der Künstler so massiv in die Öffentlichkeit gebracht, worauf die Piraten dann auch noch oft patzig und ohne ernsthafte Alternativen reagierten.

Man kann erst ab Montag 12 Uhr überprüfen, wie die beiden ausgerechnet darauf kommen. Immerhin waren fünf Wochen vor Regeners Wutanfall europaweit soviele Menschen gegen das Anti-Piraterie-Abkommen (ACTA) auf die Straße gegangen, dass die Tagesschau ihre Sendung vom 11. Februar 2012 mit demonstrierenden Piraten eröffnete.

Was man auch ohne Lektüre des Buches feststellen kann, ist dass Lauer und Lobo ein bemerkenswertes Narrativ in die Frage nach einem angemessenen Immaterialgüterrecht im digitalen Zeitalter bringen. Christopher Lauer sagt beispielsweise:

Ich bin beim Schreiben des Buchs noch mal richtig aggressiv geworden wegen dieses Irrsinns der Urheberrechtsdebatte und des Unverständnisses, das die Piraten kunst- und kulturschaffenden Menschen entgegengebracht haben.

Was im Rahmen dieses Interviews übrigens ebenfalls nicht erwähnt wird: Dass die Sache mit dem Urheberrecht keineswegs geklärt ist. Heute wird das Urheberrecht nur nicht mehr in Forderungen von Piraten in Frage gestellt, sondern im Handeln von Abmahnanwälten. Eine Debatte über das Thema ist dringender denn je!

Das Buch heißt “Aufstieg und Niedergang der Piratenpartei” und ich habe es bereits gekauft.

Lesesalon in der Kritik

Seit ich über die Idee spreche, Kultur als Software zu betrachten, höre ich eine Form der Kritik immer wieder: Es ist der Zweifel am Mehrwert, der durch die Teilnahme am Entstehungsprozess erlebbar wird. “Lohnt sich das denn?” fragen die Kritiker immer wieder und weisen daraufhin, dass es ja gar nicht so spannend sei, mitzuverfolgen wie ein Buch oder wie gerade eben eine Buchkritik entstehe.

Die Antwort auf diese kritische Nachfrage bleibt Ansichtssache. Meine Annahme: Für manche mag es sich lohnen, die größere Nähe zu einem Produkt durch Teilnahme am Prozess zu erleben. Es gibt sicher auch Menschen, die diesen Aufwand nicht als lohnend anssehen, aber darum geht es nicht. Es geht um die Frage, ob es Leser gibt, die es wertschätzen, an einem Prozess teilnehmen zu können. Um die Frage also, ob in dem geschlossenen Raum der Teilhabe etwas entsteht, was interessant, wertvoll, spannend sein kann. Ich glaube daran und habe heute in einer Kritik des gerade abgeschlossenen Projekts Süddeutsche Zeitung Lesesalon einen Beleg dafür gefunden.

In der NZZ wird das Experiment beschrieben und bewertet und der von “ras.” verfasste Text kommt zu diesem Schluss:

Die 100 Rezensenten hätten, so schreibt die «SZ», auf hohem Niveau und in stets sachlichem Ton debattiert. Von der Diskussionskultur und deren Dynamik bekommt der aussenstehende Leser jedoch wenig mit. Vom allfälligen Gefühl der Befriedigung durch das Mitmachen bleibt das grosse Publikum ausgeschlossen. Die Redaktion listet – in der Art von Klappentexten – ein paar Zitate aus Leserreaktionen auf. Kaum etwas erfährt man aber darüber, an welchen Passagen sich die Leser rieben, wo die Meinungen besonders auseinanderdrifteten. (…) Im Online- Salon der «SZ» zu diesem Buch fehlen wiederum die Lebendigkeit und die Unterhaltsamkeit einer Debatte am Radio oder im Fernsehen. Wie so oft bei Experimenten im Internet bleibt die Kluft zwischen technischen Möglichkeiten und effektivem Nutzen gross.

Auch wenn ich den letzten Satz nicht verstehe, freue ich mich über dieses Urteil: es belegt meine These, dass etwas fehlt wenn man NICHT dabei ist. Dem Experiment nun vorzuwerfen es habe keinen Nutzen wenn man nicht mitmacht, erscheint mir unlogisch. Das ist so als würde man nach einem Spiel vor einem Fußballstadion stehen und beklagen, dass die Stimmung sich dort (vor den Toren und nach Abpfiff) nur schwer vermittelt. Das Schöne an dieser Haltung: sie erkennt an, dass es IN dem Stadion etwas gab, was spannend, interessant und wertvoll war – und dabei liefert sie ein Argument gegen die eingangs zitierte Kritik an der Idee, nicht nur auf die Produkte kulturellen Schaffens zu blicken, sondern auch auf deren Entstehung.

Mehr über mein Buch “Eine neue Version ist verfügbar” und über den Süddeutsche Zeitung Lesesalon, der die Idee, Kultur als Software zu verstehen in einem Experiment in die Tat umsetzte.

loading: Kickended

Das Projekt Kickended von Silvio Lorusso ist derzeit in aller Munde: Guardian, Wired, t3n berichten über das Projekt des Designers aus Mailand, der auf Basis von Kickspy-Daten diejenigen Crowdfunding-Projekte auf einer Seite versammelt, die eben nicht klappen: Im Zufallsmodus wird eines der 9000 Projekte auf Kickstarter angezeigt, die noch keinen einzigen Dollar eingeworben haben.

“Their failure is only a result of their context. If you took some of those videos out of the Kickstarter box and put them on, say, YouTube, you would think they were really interesting art projects.”

erklärt Lorusso im Gespräch mit dem Guardian.

Das Besondere dabei: Lorusso zeigt einfach nur die Rückseite von klassischen Crowdfunding-Hitparaden wie Backernews, CrowdLoot oder eben Kickspy.

Denn Crowdfunding hat seinen Reiz eben nicht nur im Erfolg, sondern gerade in der Option des Scheiterns.