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Ted Lassos Rick-Rolling, Aldi-Girl Victoria Elaine, Kopfhörer-Mikro, Dominik Artefex sowie Conni und Jakob – Netzkulturcharts September 2021

Die Netzkulturcharts sind ein völlig subjektives Ranking netzkultureller Phänomene, die ich auffällig finde. Sie erscheinen monatlich als Teil meines Newsletter „Digitale Notizen“ und umfassen besondere Accounts, Memes und Ideen, die ihren Ursprung im Netz haben, sich mit dem Internet befassen bzw. so nur im Netz aufkommen können. Der Begriff „Netzkultur“ ist dabei bewusst offen und der zeitliche Bezug kann schlicht daran liegen, dass mir dieses Phänomen erst in dem Monat aufgefallen ist. Die Charts vom August stehen hier und werden in diesem Monat von fünf Neueinsteigern ersetzt.

Vorschläge gerne per Mail an mich oder auf Twitter @dvg oder Instagram @dvg mit dem Hashtag #netzkulturcharts.

Platz 1 Ted Lasso Rick Rolls Us 🆕

Man kann den Zauber der Serie Ted Lasso kaum besser zusammenfassen als in diesen drei Minuten einer Beerdigungsszene aus der jüngsten Folge der AppleTV-Serie, die gerade mit Emmys ausgezeichnet wurde. Es geht um die Umdeutung des des netzkulturellen Phänomens des Rick-Rolling in einer neuen, sehr emotionalen Form. Sogar Rick Astley selbst meldete sich kurz nach der Folge „No Weddings and Funeral“ zu Wort, weil ihn der gemeinsame Gesang der Hauptfiguren berührte. Für die Netzkulturcharts ist diese Szene wichtig, weil sie dem virtuellen Klingelstreich des Rick-Rollings eine neue Ebene ergänzt. Mit dieser umgedeuteten Referenz ist den Macher:innen von Ted Lasso eine netzkulturelle Meisterleistung geglückt, die deshalb so emotional ist, weil das Rick-Rolling zuvor so albern war. Wenn man so will, bildet die Albernheit des Ursprungsmemes eine Art Schutzmantel für den Ted-Lasso-Gesang, der so nie kitschig wirkt. Dieses Prinzip durchzieht die gesamte absolut empfehlenswerte Serie – und kann womöglich als gegenwärtige Form popkultureller Emotionalität gedeutet werden. Damit belegen sie in diesem Monat eindeutig den ersten Platz dieser Hitparade hier – und schenken allen Zuschauer:innen einen besonderen Ohrwurm.

Platz 2 Aldi-Girl Elaine Victoria 🆕

Im Jahr 2013 veröffentlichte die britische Sängerin Jessi J gemeinsam mit Dizzy Rascal und Big Sean den Song „Wild“. Acht Jahre später geistert eine Sequenz aus dem Song durch Tiktok und vertont unter anderem auch einen extrem erfolgreichen Clip der Nutzerin Elaine Victoria. Darin sieht man sie in Dienstkleidung des Discounters Aldi (Nord) an einer Supermarktkasse sitzen. Sie hat offenbar eine Kamera neben den Kassenscanner gestellt und filmt sich bei einem kleinen Sitztanz, der erst Tiktoker:innen und dann Medien weltweit in Aufregung versetzt hat. Damit bildet dieser kurze Clip die aktuellste Illustration für das Social-Media-Versprechen, im viralen Web jederzeit vom Tellerwäscher zum Aufmerksamkeits-Millionär zu werden. Verstärkend kommt im Fall von Elaine Victoria das popkulturelle Bild des Alltäglichen hinzu, das Thees Uhlmann in „Mädchen von Kasse 2“ in einen Song gegossen hat. Medien weltweit fragen deshalb: Ist Elaine Victoria die schönste Supermarkt-Kassiererin der Welt? (exemplarisch hier The Sun) Die Antwort scheint mir ziemlich sinnlos, jedenfalls sinnloser als dieser schöne kleine Hype im September 2021.

Platz 3 Das Kopfhörer-Mirko 🆕

Der ohnehin empfehlenswerte Matthias Renger macht es in seinen tollen PR-Beratungsclips immer wieder vor: an seinen Kopfhörer-Kabeln befindet sich mittig ein Mikro, in das man reinsprechen kann. Meinem Gefühl nach ist dieser Kopfhörer-Reinsprech-Move in den vergangenen Monaten zu einer besonderen netzkulturellen Geste geworden, die ich so vorher selten gesehen haben. In zahlreichen Clips ist diese Form des Ton-Angelns zu sehen, sogar in Interviews. Geboren aus der Not, keine externen Mikrofone zur Hand zu haben, ist dieser Griff zum Kopfhörer-Kabel so zu einer Charts-tauglichen Bewegung geworden, die mich tatsächlich ans Aufkommen des Ringlichts erinnert – und die ich deshalb hier würdigen möchte. Und mindestens durch die Bebilderung möchte ich auch auf die schon seit langem äußerst tollen Videos von Matthias Renger verweisen.

Platz 4 Giesela von Dominik Artefex 🆕

Dass der Arbeitskontext für Tiktok-Clips ein erfolgsversprechender Rahmen ein kann, beweist nicht nur Aldi-Girl Elaine Victoria (siehe oben). Der Account Dominik Artefex zeigt seit einer Weile eine Tiktok-Variante des Bürobüro-Humors der 1980er Jahre – aber zeitgemäß und durchaus lustig. Der Grund: Dominik gelingt es mit den Figuren der Ingrid und der Giesela ein Symbol für deutsche Veränderungs-Aversion zu spielen, die „Oh mein Gott“ ganz schön anstrengend, aber auch erstaunlich ist. Sie spielt in der Bürokratie öffentlicher Verwaltung, ist aber sicher auch in anderen Bereichen zu finden. Besonders schön ist das Duett, das er als Giesela mit den Aufzugboys von Tim Schaecker (siehe dazu Alors on Danse) gedreht hat.

Platz 5 Conni und Jakob Memes 🆕

Das sind ja gleich zwei Vorteile auf einmal: eine kleine nostalgische Erinnerung und ein schöner Kontextbruch. Auf diesen beiden wichtigsten Treibern basiert der Erfolg der Conni- und Jakob-Memes, die erfahrene Reddit-Nutzer:innen schon länger verfolgen. Dennoch sollen sie in dieser Hitparade gewürdigt werden, weil die Kombination der Kinderbuch-Figur Conni mit aktuellen politischen Themen, die Conni maximal kinderbuchavers löst, mindestens eine schöne Spielerei der deutschsprachigen Internet-Kultur bietet.

Besondere Erwähnung

Tiktok hat in diesem Monat verkündet, eine Milliarde Nutzer:innen in der App zu haben. Das hat vorher kein Angebot geschafft, das nicht aus dem Hause Facebook oder Google kam. Rund um die Bundestagswahl gibt es eine Menge bemerkenswerte kleine netzkulturelle Beobachtungen, mindestens auf den Aufstieg der Kinderreporter sei hier aber besonders hingewiesen. Im Standard hat Nora Reinhard zudem eine sehr empfehlenswerte Geschichte über den Tiktok-Überhit „Pieces“ geschrieben – der Song stammt vom Wiener Komponist Danilo Stankovic, mit dem Nora gesprochen hat.

Die Netzkulturcharts sind eine subjektive Rubrik aus meines Newsletter „Digitale Notizen“. Mehr über Netzkultur in meinem Buch „Meme – Muster digitaler Kommunikation“. Die Platzierungen der Vormonate sind hier nachzulesen.

In Kategorie: DVG

Bongo Cha Cha Cha, Chopping Dance, Rezo, Khaby Lame und Frozen Honey – die Netzkulturcharts August 2021

Die Netzkulturcharts sind ein völlig subjektives Ranking netzkultureller Phänomene, die ich auffällig finde. Sie erscheinen monatlich als Teil meines Newsletter „Digitale Notizen“ und umfassen besondere Accounts, Memes und Ideen, die ihren Ursprung im Netz haben, sich mit dem Internet befassen bzw. so nur im Netz aufkommen können. Der Begriff „Netzkultur“ ist dabei bewusst offen und der zeitliche Bezug kann schlicht daran liegen, dass mir dieses Phänomen erst in dem Monat aufgefallen ist. Die Charts vom Juli stehen hier und begründen die Emjois hinter dem Namen.

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Platz 1 Bongo Cha-Cha-Cha 🆕

Im Jahr 1959 kam ein Film in die Kinos, der den Titel „Du bist wunderbar“ trägt. Es ist die Geschichte der Näherin Caterina, die in einer französischen Hafenstadt den deutschen Seemann Willi Schultz kennenlernt. Gespielt wird Caterina von Caterina Valente, die in dem Film das Lied „Bongo Cha-Cha-Cha“ singt. Der Song wird parallel auf deutsch und italienisch veröffentlicht. Dass er 62 Jahre später diese Sommer-Ausgabe der Netzkulturcharts anführt, hat nicht nur mit der Cover-Version zu tun, die der sagenumwobene El Professor gerade veröffentlicht hat und die Chancen auf den Sommerheit 2021 hat. Der Grund für den Ruhm von Bongo-Cha-Cha-Cha ist ein Hashtag-Trend, der Clips aus dem Jahr 2021 mit dem Sound aus dem Jahr 1959 vertont. Das begann bereits vor ein paar Monaten. Anfangs in der Variante, die Nutzer:innen tanzend dabei zeigt, wie sie mit bedeutsamen Lebensentscheidungen die Erwartungen ihrer Eltern enttäuschen. Doch diese Anfangsphase ist lange vorbei. Mittlerweile dient der Sound als Untermalung für zahlreiche Tänze. In Italien steigerte sich die virale Begeisterung beispielsweise als die italienische Olympia-Schwimmerin Ferderice Pelligrini Cha-Cha unter Dusche tanzte.

Platz 2 Chopping Dance (Questions I Get Asked) 🆕

Die Anleitung ist auf den ersten Blick etwas kompliziert: vier Mal die Hände parallel vor dem Körper auf und ab hacken, zwei Mal die Fäuste vor dem Körper ballen und dann fünf Mal wie ein Hammer aufeinander schlagen. So gehen die ersten Moves des Chopping Dance, der seit einer Weile nicht nur ein musikalischer Trend ist. Zu der Musik des vietnamesischen Produzenten Hoàng Read tanzen Nutzer:innen nämlich nicht nur, sie nutzen den „Magic Bomb“-Sound auch um Fragen zu beantworten, die ihnen immer wieder gestellt werden. Dieser Questions I Get Asked-Trend ist mindestens so spannend wie die steile Karriere des Sounds, der im Frühjahr vom niederländischen Ladel Spinnin‘ Records veröffentlicht wurde. Durch die antwortende Haltung erreicht dem Selbstdarstellungs-Aspekt von Tiktok ein neues Level. Nutzer:innen zeigen ihre Identität auf Basis von Antworten auf besonders häufiger Fragen. Dass das auch politische Dimensionen haben kann, zeigen hier die Aktivist:innen von Fridays for Future.

Platz 3 Rezo 🔃

„Ja es ist wieder Zeit für so ein Video“ – Rezo liefert in diesem Monat einen Wiedereinstieg in die Netzkulturcharts. Zwei Jahre und drei Monate nach seiner „Zerstörung der CDU“ nimmt er sich erneut die Christlich-Demokratische Union (sowie ihre bayerische Schwester) und die deutsche Politik vor. Dieses Mal widmet sich der Aachener Rezo ausführlich der Arbeit eines anderen Aacheners: Armin Laschet. „Laschet Why U Do Dis?“ heißt das in dem Clip, es bleibt aber so entlarvend wie vor zwei Jahren. Details dazu gibt es in diesem Podcast mit meinen Kolleggen Jean-Marie Magro, der Rezo in Aachen besucht hat. Ob das Rezo-Video Einfluß auf den Wahlausgang hat oder nur Nutzer:innen erreicht, die ohnenhin keine Unions-Anhänger:innen sind? Allein, dass es die Seite enkelkinderbriefe.de gibt, könnte man bei CDU/CSU zum Anlass nehmen, Netzkultur künftig anders zu behandeln.

Platz 4 Khaby Lame ⏺️

Derzeit ist viel von der Creators Economy die Rede, von der Tatsache also, dass die Plattformen besonders attraktive Inhalte-Produzent:innen halten und hofieren wollen. Im Falle von Khaby Lame ist das in diesem Monat sehr deutlich geworden: Tiktok hat einem seiner prominentesten Nutzer ein eigenes Promo-Video geschenkt, in dem die Geschichte des viralen Aufsteigers erzählt wird – und damit natürlich irgendwie auch die Geschichte von Tiktok selbst. Denn die Followerzahl des jungen Mannes wächst ja auch deshalb – so die Botschaft von Tiktok – weil die App immer populärer wird. Zudem gönnt sich Khaby keine Sommerpause, sondern produziert unbeirrt weiter. Deshalb hält er sich den dritten Monat in Folge in den Netzkulturcharts.

Platz 5 Frozen Honey 🆕

Endlich mal ein Food-Trend in den Charts: Es war Sommer, es war heiß, deshalb widmet sich die Netzkultur dem Gefrierschrank. Es gab schon unterschiedliche coole Trends zu dem Thema (erinnert sich noch jemand an Dalgona Coffee?) und jetzt ist es also gefrorener Honig. Und wie bei vielen Hypes zuvor greift auch dieses Mal ein Mechanismus, den man „aber Vorsicht“ nennen könnte (siehe dazu #MilkCrateChallenge). Denn es werden nicht nur die Clips wie jener von Tiktok-Nutzer Dave Ramirez gezeigt, der versucht gefrorenen Honig aus einer Plastikflasche zu drücken. Es wird auch direkt gewarnt, dass zuviel Honig zu Magenproblemen führen kann. Die New York Times berichtet und erklärt: „Some creators have partnered with candy businesses offering their products as the next sweet treat to be placed in the half-frozen, half-gelatinous mixture in the videos. Still, honey remains the foundation on which all other flavors were created.“ Süß!

Besondere Erwähnung

Die Frage nach dem Internet-Wort des Monats sollten wir nicht aus dem Auge verlieren. Außerdem schon im August wichtig: die Berichte zur Bundestagswahl (hier meine Einschätzung zur Kooperation mit Tiktok). Und weil mit Studio Schmitt auch Kurt Prödel aus der Sommerpause zurückgekehrt ist: Seine „We Need To Talk About“-Form der Powerpoint-Präsentationen (siehe Aditotoro) werden wir noch ausführlicher würdigen!

Die Netzkulturcharts sind eine subjektive Rubrik aus meines Newsletter „Digitale Notizen“. Mehr über Netzkultur in meinem Buch „Meme – Muster digitaler Kommunikation“. Die Platzierungen der Vormonate sind hier nachzulesen.

The French Dispatch, Theophilus Junior Bestelmeyer, Alors on Danse, Khaby Lame und Siegfried & Joy – die Netzkulturcharts Juli 2021

Die Netzkulturcharts sind ein völlig subjektives Ranking netzkultureller Phänomene, die ich auffällig finde. Sie erscheinen monatlich als Teil meines Newsletter „Digitale Notizen“ und umfassen besondere Accounts, Memes und Ideen, die ihren Ursprung im Netz haben, sich mit dem Internet befassen bzw. so nur im Netz aufkommen können. Der Begriff „Netzkultur“ ist dabei bewusst offen und der zeitliche Bezug kann schlicht daran liegen, dass mir dieses Phänomen erst in dem Monat aufgefallen ist. Die Charts vom Vormonat stehen hier und begründen die Emjois hinter dem Namen.

Vorschläge gerne per Mail an mich oder auf Twitter @dvg oder Instagram @dvg mit dem Hashtag #netzkulturcharts.

Platz 1 The French Dispatch-Meme 🆕

Hier ist alles, was den Zauber der Netzkultur ausmacht, auf einem Bild versammelt – und damit meine ich nicht die Namen der sozialen Netzwerke, die zu Beginn des Memes den Schauspieler:innen zugeordnet wurden. Ich meine den Prozess, wie hier ohne konkrete Aufforderung und Startpunkt, eine Welle der Partizipation und Gemeinsamkeit durchs Web lief. Das Foto vom Filmfest wurde zur Kopiervorlage für zahlreiche Adaption und wird vermutlich in irgendwelchen Kegelclub-WhatsApp-Gruppen noch immer weitergedreht. Verdiente Spitzenposition in den Juli-Charts für Timothée Chalamet, Wes Anderson, Tilda Swinton und Bill Murray.

Platz 2 Theophilus Junior Bestelmeyer 🆕

Am Ende des Monats gibt es jetzt sogar den Song zum Namen: Der Musiker Theo Junior holt sich vom Netzphänomen Theophilius Junior Bestelmeyer den Namen zurück – und versucht den plötzlichen wie unerklärlichen Ruhm mit seiner eigentlichen Tätigkeit zu verbinden. Ob die Musik gut oder schlecht ist, kann ich gar nicht beurteilen. Sicher ist jedoch: Theo ist ein Phänomen – das beweist auch ein Blick in die Statistiken dieses Blogs: Seit ich über Theo schrieb, kommen sehr viele Leute hierher, die im Internet nach Theo suchten und dann diesen Text lesen wollen.

Platz 3 Alors on Danse 🆕

Im Jahr 2009 veröffentlichte der belgische Rapper Stromae den Song „Alors on Danse“ und schaffte es damit sogar auf Platz 1 der deutschen Single-Charts. Das kann man im Wikipedia-Eintrag zu dem Song nachlesen, in dem auch ein Kanye-West-Remix erwähnt wird. Unerwähnt ist dort aber, dass der US-Socialmedia-Star Usim Mango den Song zwölf Jahre nach seinem Entstehen zu einem besonderen viralen Revivial verhalf. Usim Mango, selbst nur sieben Jahre älter als das Lied, postete im Juni eine kurze Unterhemd-Sequenz, in der er mit seinen Freunden zu Stromae-Klängen äußerst zurückhaltend tanzt – also eigentlich bewegen sie lediglich ihre Oberkörper äußert langsam und heben dabei die angewinkelten Arme, ebenfalls eher langsam. Usims Vorlage wurde nicht nur akustisch, sondern auch auch als Videohintergrund adaptiert und katapultierte den Song-Schnipsel in alle Welt. Auch das deutsche Tiktok-Phänomen Tim Schaecker kopierte Song&Tanz für einen äußerst reichweitenstarken Clip. Schaecker ist im Tiktok-Universum vor allem für seine Water-Mellon-Sugar-Begrüßung („Hi“) bekannt – und wird auf bemerkenswerte Wesie von Donnie O’Sullivan parodiert – was vor allem zeigt: in Frgen der Netzkultur hängt dann doch alles mit allem zusammen.

Platz 4 Khaby Lame ⬆️

Vielleicht kann man die Geste, mit der Khaby Lame missglückte Videos kommentiert als „gesunder Menschenverstand“ übersetzen. Eine ältere Damen versucht mit einem Säbel eine Torte anzuschneiden. Sie hält das Schneidewerkzeug aber falsch rum. Khaby macht es nach, hält seinen Säbel an seiner Torte aber anders herum und streckt dann wie zum Beweis seine Händ vor sich aus. Damit rückt er einen Platz vor im Vergleich zu den Juni-Charts – auch weil der Mann aus Italien damit die Königin von England korrigiert. Das ist zumindest eine kleine Anspielung an das EM-Finale in diesen Charts. Mehr zum Fußball und der Netzkultur in diesem Post über Sweet Caroline.

Platz 5 Siegfried & Joy ⬇️

Sie sind weiterhin super. In den vergangenen Wochen haben die schlechtesten besten Zauberer Berlins ihr magisches Handwerk auf die Bühnen des Landes verlegt und begleiten ihre Magie mit weiterhin tollen Instastorys. Dass die Spitzenreiter der Juni-Charts dennoch auf Platz 5 abrutschen, liegt aber nicht an fehlendem Zauber, sondern an der harten Konkurrenz. In diesem Juli ist netzkulturell so viel passiert, dass ihr Zauber ein wenig in den Hintergrund getreten ist. Er bleibt aber magisch und in den Top5.

Besondere Erwähnung

Der Platz 2 aus den Juni-Charts ist auch im Juli aktiv: Aus Bo Burnhams Song „All Eyes on me“ hat sich der Dialog „You say the ocean’s rising“ – „Like i give a shit“ – „You say the whole worlds ending“ – „Honey, it already did“ zu einem Meme verselbstständigt, das Nutzer:innen als Selbstduett-Video aufführen. Außerdem wichtig im Juli:Diese Form der Videokunst von Kevin B Perry nutzt den schnellen Tiktok-Verwandlungs-Schnitt auf erstaunliche Weise. Prognose: Diese Schnitttechnik findet sich garantiert in nächsten Monaten in den Charts. Auch der Lasch-o-mat ist eine bemerkenswerte Netzkultur-Erscheinung des Monats. Dass Tiktok sich an einer monatlichen Sortierung der netzkulturellen Geschehens versucht, soll nicht unerwähnt bleiben: Das ganze heißt #memedesmonats.

Die Netzkulturcharts sind eine subjektive Rubrik aus meines Newsletter „Digitale Notizen“. Mehr über Netzkultur in meinem Buch „Meme – Muster digitaler Kommunikation„.

Siegfried & Joy, Bo Burnham, Blaufusstölpel, Aditotoro und Khaby Lame – Netzkulturcharts Juni 2021

Die Netzkulturcharts sind ein völlig subjektives Ranking netzkultureller Phänomene, die ich auffällig finde. Sie erscheinen monatlich als Teil meines Newsletter „Digitale Notizen“ und umfassen besondere Accounts, Memes und Ideen, die ihren Ursprung im Netz haben, sich mit dem Internet befassen bzw. so nur im Netz aufkommen können. Der Begriff „Netzkultur“ ist dabei bewusst offen und der zeitliche Bezug kann schlicht daran liegen, dass mir dieses Phänomen erst in dem Monat aufgefallen ist. Vorschläge gerne per Mail an mich oder auf Twitter @dvg oder Instagram @dvg mit dem Hashtag #netzkulturcharts.

Platz 1 Siegfried & Joy: „Las Vegas in Berlin“

Der Instagram-Account der Berliner Zauberkünstler Siegfried & Joy hat mir in den vergangenen Wochen mehrfach die Stimmung gerettet. Die von der Pandemie an Auftritten vor Publikum eingeschränkten Siegfried & Joy bringen Las Vegas nicht mehr nur auf die Bühnen, sondern auch auf die Straßen von Berlin (Foto oben). Mit reiner Magie bremsen sie einen vollbesetzen U-Bahn-Zug, zaubern eine Ampel von Rot auf Grün und öffnen eine Parkhausschranke. Hier gibt es Tickets für die zauberhaften Berliner

Platz 2 Bo Burnham: „Inside“

„Seine Bühne wollte er sich auch im Lockdown nicht nehmen lassen; mit Heimwerkergeschick und Improvisationstalent inszenierte er im Laufe des letzten Jahres eine Show in seiner kleinen Wohnung.“ So beschreibt Lars Weisbrod das Setting für das Netflix-Special Inside von und mit Bo Burnham, in dem dieser den Lockdown in Form einer besonders bedrückende Comedy verarbeitet. „Was, wenn selbst der Comedian nicht mehr über sich lachen mag? Wenn der Clown Depressionen hat?“, fragt Sebastian Maas und bringt damit den besonderen Reiz an Inside auf den Punkt. Platz 2 in den Juni-Charts – mit besonderer Empfehlung für den Song „Content“

Platz 3 Der Blaufusstölpel als Der Blaufusstölpel

Sula nebouxii leben auf den Galápagos-Inseln – und seit dem letzten Juni-Wochenende auch in meiner Twitter-Timeline. Bilder vom Blaufusstölpel (Hintergrund Geolino-Lexikon) wurden mit Zitaten gepostet, die gemeinhin aus anderen Zusammenhängen stammen. Die so rekombinierte Vermenschlichung der Watschel-Tölpel sorgte für allgemeine Erheiterung einen Überraschungsplatz Platz 3 im Juni-Ranking der #netzkulturcharts. Lesetipp: bei Uebermedien erklärt Samira El Quassil was der Tölpel mit der Mona Lisa zu tun hat

Platz 4 Aditotoro und die EM

Adrian Vogt ist 22 Jahre alt und wohnt in der Schweiz. Im SRF war er Anfang des Jahres zu sehen, im Mai wurde er auf Watson vorgestellt und 2020 gewann er den Swiss Comedy Award – weil er als Adi Totoro extrem erfolgreich auf Tiktok ist. Seit er dort nicht nur auf Schweizer-Deutsch unterwegs ist, hat er seine besondere Hassliebe für die Nachbarländer entdeckt. Dieses wiederkehrende Thema spielt er auch rund um die EM aus. Weil er den Sieg der Schweizer gegen Weltmeister Frankreich hier sehr gekonnt vohergesagt hat: Platz vier in den Juni-Charts. Das ist lustig und bedient das „ich präsentiere hier was“-Meme, von dem wir sicher noch hören werden, auf besondere Art und Weise.

Platz 5 Khaby Lame

Es ist sein Gesichtsausdruck. Khaby Lame kann mit seiner Mimik Stimmungen auf den Punkt bringen, „wie eine globale Sprache“, sagt er selbst in einem Gespräch mit der New York Times. Denn Khabys Mimik hat ihn nicht nur zu einem der größten Tiktok-Accounts gemacht, sondern auch Aufmerksamkeit außerhalb der Social-Media-Welt gebracht. Denn die Geschichte des 21-jährigen Fabrikarbeiters der während der Pandemie seinen Job verlor und aus Spaß mit Tiktok begann, ist einfach zu schön, um nicht erzählt zu werden. Khaby stammt gebürtig aus dem Senegal, lebt aber seit 20 Jahren in Italien. Mehr über Khaby gibt es in diesem schöne Porträt auf jetzt.de – seine Mimik und seine besondere Geste gibt es in diesem Clip, in dem er seine eigene Followerzahl mit der von Mark Zuckerberg vergleicht.

Besondere Erwähnung

für den #EMCheck von flopumuc auf Twitter: Spiele in einem Tweet zusammenzufassen, finde ich super gut. Überhaupt gäbe es noch eine Menge zur EM zu sagen – die Auswertung findet aber am Ende des Monats Juli statt.

Die Netzkulturcharts sind eine subjektive Rubrik aus meines Newsletter „Digitale Notizen“.