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Ich chille mit der Crew, Digga!

Kann es wirklich sein, dass ich nichts finde zu einem der schönsten Ohrwürmer der vergangenen Monate? Klar, ich hab den Song auf Spotify entdeckt. Er heißt „Mafia“ und der rappende Künstler heißt „Lil M.“ Er hat eine Facebook-Seite, auf der ich sehen kann, dass der Song im Oktober 2019 veröffentlicht wurde – und man damals dachte die Zeile „Ich chille mit der Mafia-jaja“ so toll sei, dass man sie als Trailer in einen Clip packte.

Ein Jahr später wissen wir, dass es eine andere Line ist, die Lil M. webbekannt gemacht hat:

ich chille mit der crew digga
wir sind fresher than you digga
wir wollen keinen stress ohne grund
wir haben nur angst vor dein hund

lauten die beiden Paar-Reime, die sich seit einigen Monaten als Runnig Gag duch Tiktok bewegen. Der Satz „ich chille mit der crew digga“ ist dabei so stark geworden, dass er SEO-optimiert sogar im Titel des Clips auf YouTube steht, den Song-Titel erfährt man dort nicht.

Im Clip (Screeshot oben) sieht man den Künstler mit seiner Crew durch die Straßen ziehen und Fußball spielen: „Alle sehen aus wie Ronaldo. Wenn wir ein Tor schießen, machen wir ein Salto“

Auf Tiktok wurde der Song zu einer beliebten Kopiervorlage. Menschen imitieren die crew-digga-Sequenz und stellen sie in neue Kontexte: Über 70.000 neue Clips sind nach Tiktok-Angaben so entstanden und der Satz „ich chille mit der crew digga“ hat sich aus dem Web auf die Schulhöfe bewegt.

Ich glaube, dass man auf deutschen Schulhöfen und Klassenchats mehr Fundstellen zu der Zeile findet als bei Google. Das ist auf unterschiedliche Weise erstaunlich. Man kann es als schwindende Macht von Google lesen, man kann die Kraft der Weiter-Erzähl-Meme und von Tiktok darin erkennen oder die Spaltung zwischen seriösen Medien und der digitalen Jugend.

Oder ich habe einfach nur nicht verstanden, wo ich mehr über Lil M. und seine Crew finden kann.

Ich mag solche Geschichten oder auch jene vom M to the B-Sound, weil sie den Zauber dessen zeigen, was mich zu diesem Buch brachte. Sie zeigen in jedem Fall, welcher Zauber durch die Kraft der digitalen Kopie entstehen kann – und dass es immer noch und immer wieder zufällige Hits gibt, an denen sich Menschen erfreuen können. Dass darüber die politische Debatte über Tiktok nicht aus dem Blick geraten darf, habe ich hier bereits erwähnt und das gilt natürlich weiterhin. Dazu empfehle ich den Newsletter vom Socialmediawatchblog und in Fragen zur Tiktok-Kultur den Newsletter von Marcus Bösch. Mehr über Tiktok hier im Blog gibt es außerdem unter tiktok-taktik.de

M to the B – das erfolgreichste Tiktok-Video aller Zeiten

Wer den Namen Millie Bracewell in eine populäre Suchmaschine eingibt, bekommt relativ weit oben einen Beitrag von der BBC. Er ist wenige Stunden alt. Die anderen Ergebnisse führen (bisher) eher in die Irre. Wer jedoch nach Bella Poarch sucht, wird auf die 15 wichtigsten Fakten geleitet bzw. auf die zehn geheimen Fakten, die es über den Tiktok-Star zu wissen gibt.

Millie Bracewell und Bella Poarch haben gemeinsam das erfolgreichste Tiktok-Video aller Zeiten ins Netz gestellt. Das ist der Grund, warum man jede Menge Infos über die 19-jährige Bella Poarch findet, sie betreibt den Kanal, über den der Clip bisher fast 470 Millionen Mal angeschaut wurde. Darin ist zu sehen, wie die einen kurzen Song-Schnipsel lippensynchron nachsingt und dabei ein komisches Gesicht macht. Damit wurde sie zum Vorbild für 7,2 Millionen Videos, die ebenfalls den Sound „M to the B“ nutzen.

Als der Begriff „Sommerhit“ noch ganze Lieder meinte, hätte man damit nicht beschreiben können, was das Besondere an diesem Geräusch der Stunde ist. Das schnell wiederholte „M to the B“ ist zu einem zentralen Tiktok-Ohrwurm geworden und wird im Rückblick („bored in the house“) sicher zu den wichtigeren Geräuschen des Tiktok-Jahres 2020 zählen.

Das Besondere dabei: Bella Poarch hat mit diesem Sound eigentlich gar nichts zu tun. Er stammt aus Blackpool, wo Millie Bracewell Zuhause ist und vor vier Jahren Sprechgesang und Battle-Rap gemacht hat. Aus einem „Sends“ genannten Diss-Track in der Grime-Szene Blackpools stammt die Sequenz, die Bella Poarch jetzt webbekannt gemacht hat – ohne dass die mittlerweile 20-jährige Millie Bracewell auch nur den Hauch einer Ahnung davon hatte. Freunde hätte ihr erzählt, dass ihr Sound gerade auf Tiktok äußert populär sei, berichtet sie der BBC und daraufhin habe sie sich dort auch mal angemeldet. Und das sei ja wirklich verrückt.

Das Verückte daran ist wie bei der schönen Geschichte hinter dem Love Storys-Meme, dass hier kein Plan, keine Absicht, nicht mal eine Prognose erkennbar ist. Die „M to the B“-Geschichte scheint sich tatsächlich einfach so ergeben zu haben. Eher zufällig und weil durch das Netz die Möglichkeit zur weltweiten Vernetzung gegeben ist – und das heißt: Ein eher unbedeutender Disstrack aus dem Blackpool des Jahres 2017 kann drei Jahre später zum Tiktok-Geräusch der Stunde werden.

Musikalisch untermalt wird dieser Sound übrigens von dem Song „Skank“ von dem Projekt Bordum Beats, das der Produzent Dean Williams aus Leeds gegründet hat. „Skank“ diente als Basis für den Disstrack, den Millie Bracewell im einem Schnellrestaurant in Blackpool aufgenommen hatte. Der Song ist vor ein paar Tagen auch offiziell veröffentlicht worden – inklusive Dean Williams‘ Musik. Der BBC sagte er: „“I just loved people rapping to it, I loved hearing that. I never charged anyone. I just wanted people to have fun and enjoy what they were doing.“

Ich mag diese Geschichten, sie sind der Grund, weshalb ich mich für Meme zu begeistern begann (und dann auch dieses Buch schrieb). Sie zeigen, welcher Zauber durch die Kraft der digitalen Kopie entstehen kann – und dass es immer noch und immer wieder zufällige Hits gibt, an denen sich Menschen erfreuen können. Dass darüber die politische Debatte über Tiktok nicht aus dem Blick geraten darf, habe ich hier bereits erwähnt und das gilt natürlich weiterhin. Dazu empfehle ich den Newsletter vom Socialmediawatchblog und in Fragen zur Tiktok-Kultur den Newsletter von Marcus Bösch. Mehr über Tiktok hier im Blog gibt es außerdem unter tiktok-taktik.de

Shruggie des Monats: der sprechende Hut

Der Shruggie des Monats ist eine von meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ inspirierte Rubrik meines monatlichen Newsletters (den man hier kostenlos bestellen kann). Darin beschreibe ich Personen, Ideen und Begebenheiten, die mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen – dem ¯\_(ツ)_/¯.

Wer es einfach mag, wird den folgenden Satz mögen: „Es gibt Menschen, die Harry Potter mögen und Menschen, die sich nicht für Harry Potter interessieren.“ Bis vor ein paar Monaten dachte ich (eher Gruppe zwei), dass das stimmt. Aus unterschiedlichen Gründen bin ich auf eine merkwürdige halbe Weise in die Welt von Harry Potter gezogen worden und habe damit diese binäre Trennung gesprengt. Ein Grund dafür ist u.a. der wirklich sehr lustige Podcast „Fünf Minuten Harry Podcast“ von Coldmirror, der so lustig ist, dass ich deshalb weiß, welche Rolle der sprechende Hut in der Zauberer-Geschichte hat.

Der sprechende Hut ist eine magische Macht, die die Schülerinnen und Schüler der Zaubererschule Hogwarts in ihre Häuser zuteilt. Er wird den Schülerinnen und Schülern auf den Kopf gesetzt und ermittelt dann auf magische Weise welchen Weg die Schülerinnen und Schüler gehen sollen. Coldmirror vergleicht diesen Hut mit einer Erfindung aus einer Black Mirror-Folge:

Das ist ein super-mächtiger Gegenstand, der auch empfindungsfähig ist und die geballte Intelligenz der Hogwarts-Gründer in sich vereint – und der wird einfach nur ganz casual zum Sortieren benutzt. Der kann sich anscheindend auch nicht selber bewegen, er wird rumgetragen und aufgesetzt. Er wird nur einmal im Jahr zum Sortieren rausgeholt und liegt sonst nur die ganze Zeit im Büro im Schrank. Was ist das für ein Dasein?

An diese Frage musste ich denken als ich in diesem erstaunlichen Blogtext (via Kopfzeiler) das Bild las, der Algorithmus (von Tiktok) sei wie der sprechende Hut aus Hogwarts:

TikTok’s algorithm is the Sorting Hat from the Harry Potter universe. Just as that magical hat sorts students at Hogwarts into the Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw, and Slytherin houses, TikTok’s algorithm sorts its users into dozens and dozens of subcultures. Not two FYP feeds are alike.

Ich finde dieses Bild ist auf zahlreichen Ebenen so stark, dass es sich lohnt, einen Moment innezuhalten: Algorithmen als sprechenden Hut zu verstehen, eröffnet vielleicht einen neuen besseren Blick auf all die Fragen, die sich zum Beispiel in der Algorithmen-Ethik stellen.

¯\_(ツ)_/¯

Eugene Wei beschreibt diesen sprechenden Hut in seiner langen und lesenswerten Tiktok-Analyse als die zentrale Besonderheit an dem Dienst, der gerade wegen zahlreicher anderer Dinge in der Debatte ist (zu den geopolitischen Fragen empfehle ich diese Analyse aus The Atlantic)

Der sprechende Hut von Tiktok ist in der Lage, Menschen in Häuser einzusortieren ohne dass diese dafür selbst anderen Accounts folgen müssen. Was der Stuhl in Hogwarts ist, ist in Tiktok die so genannte For You Page (Details zu Tiktok zum Beispiel hier), auf der Inhalte auf eine Weise personalisiert werden, die auch eher widerstrebenden Häusern Subkulturen das Gefühl gibt, hier heimisch werden zu können:

To help a network break out from its early adopter group, you need both to bring lots of new people/subcultures into the app—that’s where the massive marketing spend helps—but also ways to help these disparate groups to 1) find each other quickly and 2) branch off into their own spaces.
More than any other feed algorithm I can recall, Bytedance’s short video algorithm fulfilled these two requirements. It is a rapid, hyper-efficient matchmaker. Merely by watching some videos, and without having to follow or friend anyone, you can quickly train TikTok on what you like. In the two sided entertainment network that is TikTok, the algorithm acts as a rapid, efficient market maker, connecting videos with the audiences they’re destined to delight. The algorithm allows this to happen without an explicit follower graph.

Daraus ergeben sich Schlussfolgerungen für Inhalte-erstellende und -konsumierende Menschen oder um es etwas größer zu machen: für Medien und die Gesellschaft.

Menschen, die für diesen Hut Algorithmus Inhalte produzieren (also: die Medien) sind dabei lediglich austauschbare Lieferanten, mit deren Hilfe Interesse gesammelt und gehalten werden kann. Wie die Schülerinnen und Schüler in Hogwarts bringen sie natürlich selbst etwas mit (der Hut liest angeblich die Gedanken und trifft die Entscheidung auf dieser Basis), aber darum geht es in Wahrheit gar nicht wie Ian Bogost in The Atlantic festhält:

… just as the Viners who vanished when Twitter shut down that service did, or the YouTubers who were demonetized, or the Tumblrers who were banned. No matter how liberating or delightful the posts feel, content creators are also puppets of the platform owners, who in turn vie for temporary dominance over one another.

Menschen, die sich diese Inhalte vom Hut Algorithmus sortieren lassen (also die Gesellschaft), werden dadurch nicht nur selbst sortiert (über die Spaltung der Gesellschaft ist hinlänglich gesprochen worden), sie stehen langfristig vielleicht auch vor einem völlig neuen Gesellschaftsbild. Denn noch lebt das Gespräch über Social-Media-Networks von der Annahme, dass der Streit dort darauf basiert, dass polarisierte Gruppen aufeinandertreffen und streiten. Folgt man Eugene Weis Hut-Theorie könnte sich diese Form der Gesellschaftswahrnehmung durchaus ändern. Ich muss ja vielleicht gar nicht mehr sehen, was mich stört

Just as importantly, by personalizing everyone’s FYP feeds, TikTok helped to keep these distinct subcultures, with their different tastes, separated. One person’s cringe is another person’s pleasure, but figuring out which is which is no small feat.

Wenn sich diese Prognose bewahrheitet, müsste man das Bild vom Hut, der eine öffentliche Auswahl trifft womöglich anders denken: Es ist dann eher eine im Geheimen getroffene Entscheidung, die lediglich die Häuser in ihren eigenen Gruppen wahrnehmen (siehe: Dark Social) und langfristig ein neues Gesellschaftsbild nach sich zieht. Wie nehme ich künftig noch wahr, dass es Menschen gibt, die anderer Meinung sind als ich?

¯\_(ツ)_/¯

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle. Über Gesellschaftswahrnehmung in Zeiten von Daten und Algorithmen habe ich in dem Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ geschrieben. Und wer mehr über das Web und das Internet lernen will, kann dies in meinem Buch „Gebrauchsanweisung für das Internet“ tun.

Die Story hinter dem „Love Story“-Meme von Taylor Swift und disco lines

Vorbemerkung: Mir ist bewusst, dass die mediale Tiktok-Aufmerksamkeit gerade geprägt ist von Donald Trumps Ankündigung, gegen die App des chinesischen Anbieters ByteDance vorzugehen. Und auch die Datenschutzprobleme bei Tiktok (auf die mein Kollege Matthias Eberl immer wieder zurecht hinweist) sind ein massives Problem. Und dennoch muss ich diese kleine Geschichte hier erzählen, die sich im Universum zwischen Tiktok, YouTube, Instagram abspielt. Sie illustriert den Zauber dessen, was durch aktive Nutzer:innen entstehen kann und die Probleme, die das Urheberrecht mit dieser gegenwärtigen Form der Kultur hat. Vorbemerkung, Ende

Im Herbst 2008 ist die US-amerikanische Sängerin Taylor Swift 19 Jahre alt (Foto aus dem Love-Story-Musikvdeo). Sie ist kurz davor, ihr zweites Album zu veröffentlichen. Es wird „Fearless“ heißen und elf Wochen lang an der Spitze der Charts stehen (Wikipedia: „kein anderes Album seit dem Jahr 2000 konnte diesen Spitzenplatz länger behaupten, und es war das meistverkaufte Album des Jahres 2009 in den Vereinigten Staaten“). Als erste Single wird im September 2008 das Lied Love Story veröffentlicht, es erzählt die klassische Romeo- und Julia-Geschichte einer Liebe gegen den Einwand der Eltern.

Thadeus Labuszewski ist zu dem Zeitpunkt in der Grundschule. Weder Taylor Swift noch er wissen, dass der Song sie zwölf Jahre später auf eine bestimmte Art zusammenführen wird – im Sommer 2020 wird Thadeus seinen Abschluss als Software-Engineer in Boulder (Colorado) machen und Taylor Swift wird ihr achtes Album veröffentlichen. Es heißt „folklore“ und enthält 16 neue Songs. Aber keiner von ihnen schafft, was dem Lied aus dem Jahr 2008 gelingt: Es wird ein Tiktok-Hit.

Warum das so ist, kann niemand so genau sagen. Man kann nur versuchen die Geschichte zu rekonstruieren, die dazu geführt hat, dass Thadeus in der vergangenen Woche eine Bitte auf Instagram gepostet hat: Er wünscht sich Kontakt zu Taylor Swift, um mit ihr über ein Video zu sprechen, das er unter seinem Künstlernamen „disco lines“ im Frühjahr 2019 auf YouTube gepostet hat. In if TAYLOR SWIFT went ONE DEEPER erklärt er, wie er aus „Love Story“ einen Deephouse-Song remixt. Das ist äußert amüsant, hat auf YouTube aber auch heute im Auge eines Aufmerksamkeits-Orkans nicht mal 9000 Aufrufe.

Der Orkan tobt auf Tiktok. Dort hat der Nutzer @Ethanishung einen Schnipsel aus dem disco lines Remix von Love Story hochgeladen. Diese so genannten Sounds sind die Vorlagen für andere Nutzer:innen um damit eigene Videos musikalisch zu untermalen. Sehr sehr viele Nutzer:innen verwenden dafür den Schnipsel, den Thadeus Labuszewski in seinem Tutorial-Clip genutzt hat: 2,4 Millionen Videos zählt Tiktok aktuell zu dem Sound. Eines davon stammt von @pokemonmasterzo. Er kniet sich zu der Liedzeile „He knelt to the ground and pulled out a ring“ auf den Boden und stößt ein Skateboard an, auf dem er eine Kamera postiert hat, die ihn filmt. Die für Trends relevante For-You-Page von Tiktok ist gerade voll von Clips, die den „Love-Song“-Sound und genau diesen Trick nutzen (eine wachsende Anzahl an Nutzer:innen greifen auch auf Drohnen zurück um den Bewegungseffekt einzubauen).

All diese Clips tragen dazu bei, dass der Ohrwurm des Sommers 2020 auf Tiktok diese Zeilen aus dem Jahr 2008 sind:

He knelt to the ground and pulled out a ring
And said, „Marry me, Juliet
You’ll never have to be alone
I love you and that’s all I really know

Rolling Stone und Buzzfeed berichten bereits drüber, weil dieser Love Story noch etwas fehlt zum Happy End. Denn wer in gängigen Streaming-Diensten nach „disco lines“ und „Love Story“ sucht, wird eher enttäuscht: es gibt keine offizielle Version des Songs, der auf Tiktok gerade in heavy rotation läuft. Für den Jungen aus Boulder ist das ein Problem: Er hat einen Welthit geschaffen, kann den aber gar nicht wirklich nutzen.

Deshalb versucht er jetzt, Kontakt zu Taylor Swift herzustellen. Vielleicht können die beiden gemeinsam eine Windmühle bauen für den Aufmerksamkeits-Orkan, der gerade durchs Web fegt. Das Problem dabei: Es ist nicht ganz klar, unter wessen Flügeln der Sturm für Auftrieb sorgen wird. Denn Taylor Swift hat einen Rechtsstreit um die Verwertungsrechte ihrer frühen Songs. Diese liegen beim ehemaligen Chef der Plattenfirma Big Machine Records und seinem neuen Partner. Vor den American Music Awards im vergangenen November machte Swift diese Debatte sogar öffentlich. Fünf Jahre zuvor hatte sie übrigens von sich reden gemacht, weil sie Teile ihres Albums 1989 auf eine Weise hatte schützen lassen, dass andere Bands dies als Angriff auf die freie Meinungsäußerung interpretierten: die Metalband Peculate schrieb deshalb mit Absicht einen Song, den sie „The Sick Beat“ nannte, weil Swift darauf Markenrechte angemeldet hatte.

All diese Urheberrechts- und Verwertungsdetails sind den Nutzer:innen auf Tiktok egal. Sie interagieren äußert aktiv mit dem Song aus dem Jahr 2008 und Thadeus beobachtet das sehr genau: „Every video I see of someone dancing to my remix puts a massive smile across my face“, wird er auf Buzzfeed zitiert. „I’m so glad to see people laughing and dancing to the song. It feels like the perfect shot of serotonin the world needs right now.“

Ich persönlich teile dies Serotonin-Begeisterung, weil ich glaube, dass diese Art der Popkultur (trotz der Copyright-Themen) zu den aktivsten und spannendsten Ausprägungen gegenwärtiger Kultur zählt. Ich befasse mich schon länger mit dem Thema („Mashup – Lob der Kopie“) und freue mich, dass ich in dem Buch „Meme – Muster digitaler Kommunikation“, das im September erscheint, das Bild des Ohrwurms genutzt habe, um zu erklären, was Meme so wunderbar macht. Mehr über Tiktok habe ich auf tiktok-taktik.de notiert.

Hier kann man den Song übrigens ganz anhören:

Nicht die Plattform, auf der du bist zum Beruf erklären – Oğuz Yılmaz über das Influencer:innen-Handbuch

Oğuz Yılmaz war Teil von Y-Titty. Heute ist er als Künstler:innen-Manager tätig, gemeinsam mit Felix Hummel betreibt er die Agentur YilmazHummel. Die beiden haben gerade „Das Influencer*innen-Handbuch“ veröffentlicht. Ich habe Oğuz dazu ein paar Fragen gemailt.

Die wichtigste These Eures Buches scheint mir (für manche Teile der Öffentlichkeit) zu sein: Influencer:in ist ein künstlerischer Beruf. Seht Ihr das auch so?
Jein. Wir finden, dass man als Künstler:in Influencer:in sein kann, aber es gibt genug Influencer:innen, die sich nicht als Künstler:in sehen. Sie sind Sportler:innen, Musiker:innen, Comedians oder Fashion-Expert:innen, die mit ihrer Leidenschaft eine eigene Community auf Social Media Netzwerken aufbauen.

Mich interessieren beide Teile an der Definition. Der künstlerische und der Job-Aspekt. Beginnen wir mit der These: Influencer:innen sind Künstler:innen. Könnt Ihr das erklären?

Laut Wikipedia bezeichnet Kunst jede Tätigkeit von Menschen, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist. Warum sollten hier Influencer:innen nicht inkludiert sein?

Hast recht. Dann zum Job-Aspekt. Kann ich als Berufsanfänger:in in der Berufsberatung sagen: Ich will Influencer:in werden?

Zunächst einmal müssen wir sagen, dass Influencer:in ein Begriff ist, den die Marketingbranche YouTuber*innen, Blogger*innen und anderen Künstler:innen auf Social Media gegeben hat. So gesehen ist es also Quatsch zu sagen: Ich will Influencer*in werden. Du kannst Blogger:in, YouTuber:in oder Instagrammer:in werden, aber auch hier gilt es zu differenzieren. Du bist ja kein YouTuber*in von Beruf, sondern du liebst z.B. Upcycling und zeigst dein Können auf YouTube. Ich glaube wir sollten mehr dabei bleiben auf den Inhalt zu schauen, anstatt die Plattform, auf der du bist zum Beruf zu erklären. Geld verdient wird dann mit Videoproduktion, Modeln, Moderation, Schauspiel etc. und unterscheidet sich heruntergebrochen nicht von “vorher” als es kein YouTube und Instagram gab.


Ihr schreibt: Es gibt eigentlich keinen anständigen Ratgeber, der beschreibt wie man Influencer:in werden kann. Warum eigentlich nicht?

Zumindest gab es unserer Meinung nach keinen, den wir empfehlen konnten. Das sind dann Bücher, die entweder von Menschen aus der Marketing-Branche geschrieben wurden, um nur übers Geldverdienen zu sprechen oder à la “So wirst du superreich als Influencer:in”. Wir wollten mal die Basics aufbereiten. Das, was immer wieder fehlt, egal ob schon lange im Business oder nicht. Hunderttausende Follower:innen und trotzdem werden schreckliche Verträge unterschrieben, sie werden gehackt und verkaufen sich unter Wert. Hier wollen wir helfen.

Euer Buch richtet sich an Menschen, die Influencer:in werden wollen. Könnt Ihr mal sagen, was so toll an diesem Beruf ist?
Das Schöne an dem Beruf sind für uns vor allem zwei Aspekte. Auf der einen Seite ist das Thema Communitybuilding. Du baust dir eine Community auf, die dir wegen deinen Inhalten folgt und dir ständig direktes Feedback gibt. Der Austausch und das gemeinsame Wachsen und Entwickeln einer Community zwischen Influencer:in und Follower:innen macht unglaublich viel Spaß und motiviert jeden Tag etwas neues auszuprobieren.

Und der zweite Aspekt?

Ein weiterer Vorteil dieses Berufes ist, dass man nicht auf sogenannte Gatekeeper angewiesen ist. Die Barrieren für sowohl den Start als auch für Erfolg sind somit bedeutend niedriger als bei den “klassischen” Medien. Das Tolle am Influencer:in-Sein ist auch, dass es keine bestimmte Tätigkeit gibt sondern man im Endeffekt aussuchen kann, wie genau Geld verdient wird. Idealerweise erstellt man Inhalte, die einem selbst gefallen, erreicht damit Gleichgesinnte und kann davon leben. Im Idealfall ist das wirklich eine super Arbeit.

Ihr unterscheidet zwischen: Mikro-, Upcoming- und Makro-Influencer*innen. Könnt Ihr den Unterschied mal erklären?
Diese grobe Unterteilung teilt Influencer*innen in drei Arten ein, die ihrer Größe nach sortiert sind. Mikro-Influencer:innen weisen unter 20.000 Follower*innen auf, Upcoming-Influencer*innen haben eine Followerschaft bestehend aus bis zu 250.000 Follower*innen und Makro-Influencer:innen sind dann diejenigen, die von mehr als 250.000 verfolgt werden. Diese Einteilung ist jedoch sehr einfach und heruntergebrochen. Die Anzahl an Follower:innen verliert immer mehr an Aussagekraft, wenn es um die Relevanz und den Erfolg geht. Es gibt jedoch noch weitere Möglichkeiten, Influencer*innen zu gruppieren und zu differenzieren: YouTuber:innen, Blogger:innen, Instagrammer:innen, TikTok-Influencer:innen und viele weitere.

Sind Buchautor:innen oder Speaker:innen nach der Definition dann auch eine Form der Influencer:innen? Also Menschen, die man früher vielleicht als Publizist:innen beschrieben hätte?
Nicht alle sind automatisch Influencer:innen. Was diese auszeichnet ist ja vor allem, dass sie eine eigene organische Reichweite erzielen können und einen Einfluss auf die Follower:innen haben und Kaufentscheidungen triggern können. Wenn man den Begriff des Influencens aber weiter fasst und wirklich den Einfluss meint, dann nehmen natürlich auch Autor*innen und Speaker*innen Einfluss. So würden sich die meisten aber wohl nicht selbst bezeichnen.


In einem Kapitel beschreibt Ihr das Marketing-Ökosystem, in dem sich Influencer:innen bewegen.Könnt Ihr mal einen Einblick in diese Feld geben: In was für eine Welt kommen Influencer:innen?

Die Marketingwelt ist groß und für Außenstehende recht komplex. Sie weist viele verschiedene Bereiche und Begriffe auf – ein regelrechter Dschungel, in dem es sich zurechtzufinden gilt. Die Branche besteht bereits seit langer Zeit und ist fest etabliert. Das Influencer:innen-Sein ist dabei bloß ein neues Berufsbild, das sich in dieser komplexen Welt entwickelt hat und diese komplexe Landschaft nun bereichert. Die ersten Influencer:innen trugen dazu bei, sich in der Marketingwelt zu etablieren, nun gilt es, das eigene Berufsbild zu professionalisieren. Dies ist nicht immer leicht, unser Ratgeber möchte dabei Orientierung und Unterstützung bieten.

Wird die Arbeit in dieser Branche für Influencer:innen nun eigentlich leichter (weil die Branche sich professionalisiert) oder schwieriger (weil mehr Influencer:innen auf den Markt drängen)?

Einfachste Antwort wäre: beides oder etwas in der Mitte. Für die Influencer:innen, die es schaffen sich aus der Masse hervorzuheben und ein Talent besitzen, gute Geschichten zu erzählen und authentisch (sorry für das Wort) sind, ist es aktuell immer noch einfacher, sich zu etablieren und gutes Geld zu verdienen als in den “traditionellen Medien” wie im linearen Fernsehen. Da gibt es die Gatekeeper und sie entscheiden, wer eine Bühne bekommt. Auf YouTube, Instagram und TikTok gibt es die Gatekeeper nur indirekt; Aufrufe, Interaktionen und Follower:innenzuwachs müssen eine gute Tendenz aufzeigen und schon ist man auf einem guten Weg nach oben, zumindest aktuell ist das noch so.

Das Handbuch gibt es auf der Website influencerhandbuch.de

Lehrstück in digitaler Öffentlichkeit: wie Teile der amerikanischen Jugend Trump ärgern

Sie nennt sich die TikTok-Großmutter: Mary Jo Laupp ist eine ältere Nutzerin auf der Plattform, die gemeinhin als sehr jung bezeichnet wird. Frau Laupp ist aber auch auf anderen Plattformen aktiv und scheint sehr genau verstanden zu haben, wie Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter geformt wird.

Jedenfalls gilt sie als eine Urheberin eines Phänomens, das im Sinne vieler Internet-Meme gar keine singuläre Urheberschaft hat, sondern von vielen ausführt wird. Im aktuellen Fall sollte man allerdings eher sagen: von vielen nicht ausgeführt wird. Es geht um reservierte Tickets für eine Wahlkampf-Veranstaltung, die offenbar von vielen tausend jungen Trump-Gegnern bestellt aber nicht abgeholt wurden. Die Folge: Leere Ränge im und vor dem BOK Centre in Tulsa, Oklahoma, bei Trumps erstem Auftritt nach den Corona-Beschränkungen.

Tiktok-Großmutter Mary Jo Laupp hat dazu heute früh ein Video auf Tiktok gepostet, in dem sie ihrer Freude darüber Ausdruck verleiht, dass sie (und viele tausende junge Nutzer*innen) den US-Präsidenten geärgert haben: „Was habt Ihr gemacht?“ fragt sie an das Internet gerichtet. „Ernsthaft? Erinnert euch an diesen Moment. Erinnert an diese Gefühl, weil es sich nicht immer so anfühlen wird. Es wird auch Momente geben, in denen ihr frustriert seid. Aber erinnert euch daran, dass es eine Wirkung haben kann, wenn ihr eine Information verbreitet und etwas tut. Erhebt eure Stimme und hört nicht damit auf!“

Was war passiert? Donald Trump hatte sich für den ersten Wahlkampf-Auftritt nach den Corona-Beschränkungen ausgerechnet den 19. Juni ausgesucht, den so genannten Juneteenth, „der jährlich in Erinnerung an die Befreiung der afroamerikanischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten aus der Sklaverei begangen wird.“ Das ist „ein Schlag ins Gesicht der Black-Community“, kommentierte Mary Jo Laupp im Vorfeld und schlug vor: Man könne ja auf der Website zu der Veranstaltung jeweils zwei Freitickets reservieren – und anschließend einfach nicht hingehen.

Sehr viele Leute registrierten sich für die Veranstaltung. Jedenfalls twitterte der zuständige Wahlkampf-Mitarbeiter von Donald Trump „Going to be epic“. Episch waren aber offenbar nur die Anmelde- nicht die Besuchszahlen. Denn US-Medien wie die New York Times berichten heute: Sehr viele Plätze blieben leer!

Der Korrespondent der Washington Post zeigt eine deprimierend leere Bühne vor der Halle (Screenshot oben), die zusätzlich angemietet worden war, weil so viele Besucher*innen erwartet worden waren. Denn offenbar waren viele der Idee der Tiktok-Großmutter gefolgt – und hatten ihre bestellten Ticket nichts abgeholt.

Bei CNN kommt eine Wahlkampf-Mangerin von Trump zu Wort, die dieses Verhalten für wenig ungewöhnlich erklärt: „Linke machen das oft“, sagt sie und dann sinngemäß: Das schadet uns gar nicht, wir bekommen lediglich ihre Kontaktinformationen.

Die Öffentlichkeit (in der SZ schreibt der Kollege Thorsten Denkler von einem Neustart der Peinlichkeiten) und vor allem Tiktok-Nutzerschaft sowie die Tiktok-Großmutter scheinen das anders zu sehen. Seit Mary Jo Laupp heute Nacht ihren Clip gepostet hat, gibt es schon jede Menge so genannte Duette auf Tiktok, in denen sehr positiv auf sie Bezug genommen wird.

Mehr über Trump-Kritik auf Tikotok in diesem Text über Sarah Coopers Lipsync-Protest

UPDATE: Auf Twitter weist die Autorin Claire Ryan in einem lesenswerten Thread darauf hin, dass die ungenutzten Anmeldungen nicht nur zu leeren Plätzen in der Arena geführt haben können, sondern vor allem die für Marketing bedeutsame Unterstützer-Datenbank nachhaltig versaut haben könnten. Sie geht davon aus, dass die angeblichen Trump-Interessierten temporäre Mailadressen und Google-Voice-Nummer eingetragen haben und somit nun in großer Zahl in der Datenbank stehen, die Trump für den Kontakt zu seinen tatsächlichen Unterstützer*innen benötigt. Ihr Fazit: „you don’t know how fucking genius this is“

Boss Baby: Deepfake Trump-Parodie als Kritik an der Corona-Politik des US-Präsidenten

Ich habe hier unlängst über digitale Kopien als Form der Trump-Kritik geschrieben. Jimmy Kimmel hat nun eine weitere Ebene eröffnet – und die Technik des Deepfakes eingesetzt um die kindische Art des US-Präsidenten zu karikieren.

In diesem Video nutzt er die Vorlage eines viralen Kinderclips, in dem das Baby sehr süß leugnet, verbotenerweise Hundefutter angefasst zu haben. Kimmel nutzt diese Kopiervorlage und setzt das Gesicht des US-Präsidenten auf den Babykörper. Ähnlich wie bei den Tiktok-Kopien entsteht so ein neuer Zusammenhang zwischen Präsidenten-Sprechen und Babykörper.

Das Prinzip, auf dem diese Bilder basieren, ist jenes, das man seit Jahrhunderten von Karikaturen und Parodien kennt. Man veralbert die Mächtigen, überzeichnet Eigenschaften und stellt diese heraus. Die Technik, die dafür genutzt wird, ist verhältnismäßig neu. Deepfakes übertragen die Idee der Karikatur auf eine neue Ebene – und bilden damit eine sehr zeitgemäßge Kritik. Es ist anzunehmen, dass wir hier in (naher) Zukunft neue Ansätze sehen werden – die sich sehr gut fügen in die Form, die wir gerade bei Tiktok gesehen haben.

Gemeinsam ist all diesen Ansätzen das Lob der Kopie

Lob der Kopie: Tiktok-Sounds als gegenwärtigste Form der Trump-Kritik

Wie reagiert man angemessen auf den Schwachsinn, den Donald Trump in seinen so genannten Pressekonferenzen von sich gibt? Über das letzte Treffen mit Vertretern der Presse schreibt die SZ:

Trumps Statement war wie üblich von Lob für die eigene Regierung und von wissenschaftlich haarsträubenden Aussagen gespickt, wie etwa der Idee, an Covid-19 erkrankten Patienten Desinfektionsmittel zu injizieren oder sie mit ultraviolettem Licht zu bestrahlen.

Die Deutsche-Presse-Agentur berichtet, dass offizielle Stellen und sogar die Hersteller von Desinfektionsmitteln sich daraufhin veranlasst sahen, Warnungen auszusprechen, den „Ideen“ des US-Präsidenten nicht zu folgen.

Die Katastrophenschutzbehörde des US-Bundesstaats Washington warnte die Bürger im Anschluss auf Twitter vor der Einnahme von Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln: «Machen Sie eine schlechte Situation nicht schlimmer.» Der britische Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser, zu dessen Marken Sagrotan gehört, erklärte, dass Desinfektionsmittel «unter keinen Umständen» verabreicht werden sollten.

Man bleibt fassungslos zurück und fragt sich: Wie kann man auf diesen Schwachsinn noch angemessen reagieren? Wie kann man diese Aussagen des US-Präsidenten noch einordnen, kritisieren oder gar parodieren? Eine Antwort gibt es seit einer Weile auf Tiktok. Der Dienst, der mit dem Nachsingen von Sounds begonnen hat, hat quasi nebenbei die effektivste Form der Trump-Kritik erfunden: ihn selbst zu Wort kommen lassen!

Künstlerinnen wie Sarah Cooper tiktoken den Präsidenten, d.h. sie nehmen den Originalton seiner Pressekonferenz und bewegen dazu auf Tiktok ihre Lippen. Das sieht dann so aus und ist sehr sehr lustig:

Andere Nutzer*innen verwenden ihre Soundvorlage mit dem Trump-Quatsch und spielen ihn ebenfalls nach. Das ist zuvor schon bei anderen Presse-Statement des Präsidenten passiert – und ich werde den Eindruck nicht los: Tiktok scheint gerade die beste Möglichkeit zu bieten, den Quatsch, den Trump von sich gibt, zu kommentieren.

@kyscottt

ur doing great sweetie ##antibiotics ##covid19 ##covid ##quarantine ##intheclub ##drunkwords ##trump

♬ original sound – iampeterchao

Mehr über Tiktok gibt es hier im Blog und unter tiktok-taktik.de – und wer verstehen will, warum das Kopieren schon immer eine wunderbare Form der Kritik war: Ein Lob der Kopie!

Update: The Atlantic hat Sarah Cooper zu der Trump-Parodie interviewt. Im Gespräch sagt sie: Somebody [pointed out] that this is the emperor without his clothes, because when you see Trump, and he’s behind that podium with the presidential seal, and he has people nodding behind him, you might think that what he’s saying makes sense. But you take all of that away, and you have those words coming out of my mouth? It just brings to light even more how ridiculous it is.

Update2: Auf Twitter sammeln Menschen gerade unter dem Hashstag #HeilenWieTrump allerlei weitere absonderliche „Heil-Methoden“. Ich gebs zu, das ist auch lustig:

12 Dinge, die erfolgreiche Tiktoker*innen tun

Dieser Text ist Teil der Dezember-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

Drei Zutaten machen die Tiktok-Story dieses Jahres so interessant. Es sind zu gleichen Teilen das Staunen über die großen Zahlen („soo viele Downloads!?“), die Sorge, das nächste große Ding zu verpassen („so angesagt!?“) und die politische Debatte über Daten und China („wird doch von Peking überwacht“). Angerührt werden diese Zutaten mit einem Schuss Generationenkonflikt („dafür bin ich zu alt“) und schon hat man eine aufmerksamkeitsstarke Debatte um das „angesagteste und umstrittenste Social-Network“ der Stunde. Da zudem auch ein popkultureller Reiz gegenwärtiger Netzkultur drinsteckt, habe ich im Sommer (und seit dem) unnatürlich viel Zeit in Tiktok verbracht (und eine gewisse Begeisterung für dieses Eimer-Meme entwickelt). Höchste Zeit also, zu bündeln, was man derzeit über Tiktok wissen kann. Dafür wähle ich ein neues Format, das ich auch schon im Rahmen einiger Vorträge genutzt habe: ich nenne es 12dinge.de Denn ich maße mir nicht an, Regeln für Tiktok zu formulieren, sondern notiere Beobachtungen, die ich bei erfolgreichen Tiktoker*innen gesehen habe – womit ich sowohl aktive Nutzer*innen meine (auf Tiktok „Creators“ genannt), denen es um Reichweite und Interaktion geht, als auch jene, die weniger öffentlich auftreten und eher an kultureller Teilhabe interessiert sind:

12 Dinge, die erfolgreiche Tiktoker*innen tun:

1. Sie definieren, was Erfolg bedeuten soll

Fragt man die Websuche landet man bei „Erfolgs-Kriterien“ sehr schnell bei der Anzahl der Follower, die Accounts auf Tiktok auch sammeln können. Die aktuelle Erhebung von Statista ist dafür recht aufschlussreich – wie auch bei Instagram ist der größte Account in der Plattform derjenige, der für die Plattform steht. Dahinter folgen interessante Personen-Accounts, die auch schon auf YouTube und/oder Instagram reichweitenstark sind, aber eben anders. Die ersten fünf heißen:

1. Loren Gray – hier ihr Wikipedia-Eintrag
2. Baby Ariel – hier ihr Wikipedia-Eintrag
3. Zach King – hier sein Wikipedia-Eintrag
4. Riyaz Aly(vielleicht Autor*in werden?)
5. Kristen Hancher(vielleicht Autor*in werden?)

Diese Liste begründet, warum viele vor allem ältere Nutzer*innen denken, sie würden Tiktok nicht verstehen. Aber keine Sorge, es gibt auch Accounts, die älteren Menschen bekannt sein könnten: Arnoldschnitzel ist beispielsweise Arnold Schwarzenegger und der Sieben-Zwerge- und Genial-Daneben-Comedian Martin Schneider ist als maddinschneider aktiv.

Doch entscheidend ist, dass die Followerzahlen natürlich kein tauglicher Hinweis für Erfolg sind. Wer erfolgreich auf Tiktok sein will, sollte eigene Kriterien festlegen – und sich diese nicht von der Plattform vorgeben lassen (gilt übrigens auch für andere Plattformen). Diese Liste hier definiert Erfolg eher im Sinne eines souveränen Umgangs mit dem Dienst. Das schließt reichenweitenstarke Interaktionen auf der Plattform nicht aus, geht aber darüberhinaus. In der Tiktok-eigenen Sprache würde man vermutlich am ehesten von The Woah sprechen (siehe Punkt 12)

2. Sie lesen chinacables.de

Der Dienst Tiktok zählt zum chinesischen Anbieter ByteDance und firmiert dort unter dem Namen Douyin. In den vergangenen Tagen wurde viel über die Herkunft geschrieben. Sie wird in den folgenden Punkten auch Thema sein. Bevor man dort aber tiefer einsteigt, sollte man die China-Cable-Berichterstattung der Kolleg*innen lesen. Es gibt übrigens auch eine keine Fassung, die als Schminktutorial auf Tiktok verpackt wurde – und über die ein Streit entbrannt ist, wie der Guardian berichtet.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt der China-Experte Stephan Scheuer, dass er es für unwahrscheinlich hält, dass Tiktok direkt aus Peking (heißt von der chinesischen Regierung) gesteuert wird. Er weist aber darauf hin, „dass in China alle Unternehmen, die sich gerade mit Inhalten und gerade auch mit Medienproduktion, also mit Nachrichten, beschäftigen, sehr, sehr strengen Vorgaben unterworfen sind. Und ich halte es für unwahrscheinlich, dass jetzt irgendwie der chinesische Staat TikTok lenkt. Allerdings ist TikTok eben ein Unternehmen, das all diesen Regeln unterworfen ist. Und wenn TikTok international negativ auffallen sollte, für beispielsweise die Verbreitung von chinakritischen Inhalten, besteht natürlich immer die Gefahr, dass das zu Verwerfungen auf dem Heimatmarkt führt. Sprich, dass TikTok dafür Ärger bekommt, was auf der Plattform im Ausland stattfindet.

3. Sie leben Ambiguitätstoleranz

Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, ob Tiktok gut oder schlecht ist. Es ist unumgänglich, Widersprüchlichkeiten auszuhalten. Man spricht dann von Ambiguitätstolerenz – wer mehr dazu wissen will (diese benötigt man nämlich nicht nur im Umgang mit Tiktok), kann sich beim Shruggie informieren.

4. Sie begleiten ihre Kinder und wissen was Cybergrooming ist

Erfolgreich heißt im Zusammenhang der folgenden Punkte vor allem auch: einen souveränen Umgang mit dem Dienst finden. Dazu zählt zunächst ein angstfreier aber nicht naiver Zugang. Die vergangenen Tage waren voll von aufmerksamkeits-optimierter Berichterstattung, die vor allem Gefahren und Bedrohungen skizziert hat. Die Nutzer*innen lassen sich davon bisher allerdings kaum bremsen, die App zu installieren. Deshalb sollten Eltern Tiktok gemeinsam mit ihren Kindern installieren und anschauen – und sie sollten sich bewusst sein, dass dort eine sehr konkrete Gefahr vom Cybergrooming ausgehen kann. Also von Nutzern, die unter falscher Identität Kinder bedrohen. Das empfehlenswerte medienpädagogische Projekt „Schau hin“ dazu: „Die TäterInnen nutzen meist falsche Identitäten und überreden die Kinder zum Übersenden von Nacktaufnahmen oder sogar zu persönlichen Treffen. Zuletzt hat die App TikTok Schlagzeilen gemacht, weil junge NutzerInnen hier unter Hashtags wie #bellydance vermeintlich aufreizende Fotos hochluden und ältere NutzerInnen sie offensichtlich daraufhin ansprachen.“

5. Sie sind sich der Sogwirkung des Dienstes bewusst

Ich sag es mal so banal: Tiktok kann Spaß machen. Ich habe im Sommer in diesem Text schon beschrieben, dass die kurzen Clips immer mit dem Versprechen verbunden sind, dass beim nächsten Swipe ein toller Film kommen könnte. Samira El Ouassil hat das im Interview mit Deutschlandfunk Kultur etwas eloquenter ausgedrückt: „Man hat eine Unvorhersehbarkeit, die ähnlich ist wie beim Glücksspiel, und deswegen hat das auch etwas sehr suchtförderndes, weil man nicht weiß, ob das nächste Video nicht etwas ganz Großartiges, Lustiges, Wunderschönes oder furchtbar Interessantes ist.

6. Sie achten auf den Datenschutz

Die Frage, ob und wie chinesische Behörden auf Daten von Tiktok zugreifen können ist das eine (und ich sage voraus: da werden wir noch unschöne Geschichten hören). Wir haben an den Schauergeschichten US-amerikanischer Dienste gesehen, dass es auch im Westen gelingt, ordentlich Mist mit Nutzer*innendaten zu machen. Dessen sollte sich jede und jeder generell bewusst sein. Darüberhinaus stellt sich die Frage nach der Verwendung von Klarnamen und ob der Account öffentlich zugänglich sein sollte oder (zunächst mal) nur engen Freundinnen und Freunden. Zu den Privatsphäre-Einstellungen empfehle ich nochmal Schau hin.

7. Sie schauen erstmal zu

Ein Tipp, der vielleicht für viel mehr Bereiche im Leben gilt als nur für soziale Netzwerke: Es schadet häufig nicht, zunächst die Gepflogenheiten in einem Raum zu kennen, bevor man sich selber prominent in Szene setzt. Im konkreten Fall ist es deshalb sinnvoll, die grundlegenden sozialen Normen auf Tiktok anzuschauen – und Reaktionsmuster zu beobachten: Was machen andere? Warum tun sie das? Wer auf diese Weise den Dienst beobachtet, wird automatisch feststellen, dass Nutzer*innen hier häufig auch mit verkäuferischer Absicht Inhalte posten; dass manche schönen Clips in Wahrheit Werbung sind und dass man nicht auf die glänzende Oberfläche hereinfallen sollte. Diese Grundprinzipien der Medienkompetenz transportieren sich am besten, wenn man zunächst mal zuschaut, wie andere sich verhalten.

Dabei gilt es zu bedenken: viele erfolgreiche Tiktoker*innen wirken zwar wie der nette Kumpel von nebenan, sie sind aber nicht selten (zumindest jene mit den oben genannten Reichweiten) professionelle Medienunternehmen. Deshalb habe ich das obige Symbol-Bild von Unsplash ausgewählt, das zeigt: Zu Medienkompetenz zählt auch, sich vorzustellen, wie es wohl hinter der Kamera aussieht.

8. Sie benutzen ein Ringlicht

Der Blick hinter die Kamera ist mittlerweile sogar Teil einiger Tutorials auf Tiktok, in denen gezeigt wird, wie bestimmte filmische Tricks zustande kommen. Dabei immer wieder auch im Bild: das Ringlicht – und damit wechseln wir von der Beobachtungs-Position in die aktive Teilnahme ;-)

9. Sie sind bereit, sich zum Affen zu machen

Jeder Social-Media-Dienst hat einen eigenen Schwerpunkt. Der kann sich ändern, er prägt aber die Ausrichtung des Dienstes. Bei Tiktok weht noch der Geist von musical.ly – es geht also immer noch darum, sich selber in Szene zu setzen. Der Ursprung war das Nachsingen von Liedern. Das ist heute in weiten Teilen immer noch so, aber nicht mehr nur. Auf der About-Seite schreibt Tiktok: „Die Plattform ist ein Zuhause für kreative Videos, die für authentische, inspirierende und lustige Erfahrungen sorgen.“ Es geht also weiterhin darum, persönliche und auch verletztliche Seiten der eigenen Person zu zeigen. Wer aktiv bei Tiktok mitmischen will, sollte diese Bereitschaft mitbringen (das da rechts ist übrigens ein so genanntes Tiktok-Memojie von mir) – und auf diese Weise eine eigene Stimme finden.

10. Sie lernen von den Müttern von Tiktok

Die New York Times hat dieser Tage eine tolle Geschichte veröffentlicht, die den Titel trägt „The Moms of TikTok Are Deeply Corny — and Gloriously Free“. Der Text handelt von dem eher ungefilterten Bild, das man in Tiktok im Vergleich zur Hochglanz-Welt von Instagram sehen kann (ich hatte das hier am Beispiel des Kacheltischs illustriert) – und stellt die These auf, dass diese Mütter von Tiktok in Wahrheit eine äußerst gegenwärtige Interpretation von Coolness zeigen: „If coolness denotes — or once denoted — a certain indifference to what people think, then these middle-aged mothers with their silly, adorable shtick and their paunchy husbands are perhaps the only cool people left on our try-hard planet.

11. Sie machen Duette

Was in Twitter der Retweet, ist in Tiktok das Duett – eine Form der direkten Bezugnahme und Referenz. In dem bereits zitierten Gespräch in Deutschlandfunk Kultur hat Samira El Ouassil erklärt, dass das Ok Boomer-Meme sich zum Beispiel durch die Möglichkeit zum Duett besonders gut verbreitet hat (siehe Screenshot rechts, der das Antwort-Duett zeigt). Durch das Duett ist aber auch die Möglichkeit zur Vernetzung gegeben, vergleichbar einem Insta-Takeover, bei dem Accounts von der gegenseitigen Reichweite profitieren wollen. Das funktioniert auch bei Duetten, in denen die Accounts aufeinander verweisen. Lena Meyer-Landrut hat zum Start ihrer Tiktok-Karriere vor ein paar Wochen beispielsweise direkt einen Clip hochgeladen, der zu Duetten einlädt. Ähnlich hat sich die die Saftmarke Punica in einer Kampagne auf Tiktok positioniert, bei der Nutzer*innen mit virtuellen Früchten tanzen sollten.

12. Sie suchen nicht nach dem nächsten großen Ding: Sie suchen nach dem Woah

Ein wichtiger Antrieb auf Tiktok sind so genannte Challenges. Eine konnte man in dem MyType-Tagesschau-Clip sehen, eine andere trägt den Titel Woah-Challenge und versucht einen besonderen The Woah genannten Tanz-Move einzufangen. Ich beschließe diese eher subjektive 12-Punkte-Liste mit dem Whoa weil darin eine bessere Alternative zu der Suche nach dem nächsten großen Ding liegt. Diesem nachzujagen, scheint mir wenig sinnvoll zu sein – auch auf Tiktok. Erfolgreicher (in dem oben beschriebenen Sinn) scheinen mir diejenigen Menschen zu sein, die Tiktok in dem Sinne nutzen, das The Whoa vormacht. Besser kann man das nicht erklären, man muss es vermutlich ausprobieren – es schließt aber die Option ein, dass vielleicht auch das Gegenteil richtig ist.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann. Ergebnis dieses Denkens war zum Beispiel das Buch „Gebrauchsanweisung für das Internet“, das bei Piper erschienen ist.

In diesem Newsletter sind schon häufiger Beiträge über das Internet erschienen – z.B. „Generation Bewahren vs. Generation Gestalten (Mai 2019), „Was ist dein Bild vom Internet?“ (August 2018), „Altland – eigentlich sollten wir online sein“ (April 2018). Das Thema findet sich aber auch in anderen Beiträgen im Blog – wie z.B. Deutschland und das Internet oder Wer nur am Rand hockt, braucht kein Wasser im Pool

Ringlicht – der Gegenstand der digitalen Gegenwart

Der Selfiestick steht vor einem riesigen Problem: das beliebteste Symbol für die vermeintlich selbstbezügliche Gegenwartskultur wackelt, nicht mehr lang und der Selfiestick wird fallen. Rausfallen aus all den kulturpessimistischen Analysen, die mit Hilfe des Selfiesticks illustrieren, wie Ich-bezogen die Jugend, das Internet und überhaupt die Gesellschaft doch sei. Wer diesen Eindruck auf einfache Weise erwecken will, muss lediglich hier oder da einen Selfiestick auftauchen lassen. Schon ist klar: die auf diese Weise beschriebene Person muss dümmer sein als man selbst.

Unter Druck gerät der Selfiestick nicht etwa durch die Erkenntnis, dass Kulturpessimismus auf Dauer langweilig ist – sondern durch eine technische Erfindung, die bisher nicht mal einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat, für mich aber durchaus so etwas wie der Gegenstand der Gegenwart ist. Ich spreche von einem Ringlicht (hier Beispiel-Foto von Unsplash). Das Ring-Light wird in der Fotografie eingesetzt, um so genannte Beauty-Shots, Makro-Aufnahme und vor allem Porträts schattenfrei zu beleuchten. In der Mitte der Ringleuchte wird die Kamera angebracht, so dass vor der Linse kein Schatten das Bild stört. In den Augen der auf diese Weise fotografierten Person erkennt man das Ringlicht dann in der Spiegelung in den Pupillen.

Außer bei professionellen Fotograf*innen leuchtet das Ringlicht vor allem bei Menschen, die gerne gut ausgeleuchtete Kurzfilme und Porträts erstellen. Instagram und vor allem Tiktok machen ohne Ringlicht nur halb so viel Spaß bzw. die Bilder, die man dort hochladen kann, sind ohne die Ringleuchte nur halb so schön. Diese Popularität wird meiner Meinung nach dazu führen, dass schon bald erste Kulturpessimist*innen dazu übergehen werden, ihr Unwohlsein an der Gegenwart nicht mehr an Selfiesticks zu illustrieren – sondern am Ringlicht.

Wenn es dann so weit ist, kann man diesen Text verlinken – mit dem Hinweis darauf, dass die Verbesserung von Bildern keineswegs ein Ausdruck für den Niedergang der Kultur ist, sondern schon im 18. Jahrhundert praktiziert wurde – wie man am Beispiel des Claude-Glass nachlesen kann.

Mehr zum Thema Tiktok hier in den Digitalen Notizen: Was ich nach 24 Stunden TikTok gelernt habe (es waren fast 24 Stunden)