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Die Erfindung der langfristigen Innovation

Schon länger wollte ich über die wunderbare Hörbuch-App „Eary“ von Fabian Frey schreiben. Mit dem Angebot für iOS gelingt es, ungehörte Schätze in Spotify zu heben. Der Streaming-Dienst enthält nämlich nicht nur Musik und Podcasts, sondern auch tolle Hörbücher, die aber manchmal nur für ein paar Wochen verfügbar sind. Eary findet diese Hörbücher aus dem riesigen Spotify-Angebot und macht sie zugänglich. Dieses Kontext-Angebot ist kostenfrei, man kann den Entwickler aber hier mit einer Spende unterstützen.

Ohne Eary, sondern über die Instagram-Story von Tom Hillenbrand habe ich erfahren, dass sein Essay „Die Erfindung des Essens“ gerade in Spotify als Autor-gelesenes-Hörbuch verfügbar ist (Spotify-Link). Man kann es auch als digitales Buch für 0,99 Euro auf der Kiwi-Verlagsseite laden, in jedem Fall lohnt es sich, Toms Analyse zu folgen.

Die „Erfindung des Essens“ illustriert am Beispiel der menschlichen Nahrungsaufnahme ein grundlegendes Missverständnis beim Thema Innovation: Wir neigen dazu kurzfristige Veränderungen zu überschätzen und die langfristigen Folgen zu unterschätzen (Amaras Law). Es lohnt sich, das Essay allein für die historisch sehr anschauliche Beschreibung dieser Wahrnehmungs-Verzerrung zu lesen (oder eben zu hören). Darüberhinaus gibt es aber noch einen sehr aktuellen Grund, zur „Erfindung des Essens“ zu greifen. Tom Hillenbrand zeigt darin nämlich, welche merkwürdige Vezerrung hinter dem Begriff „natürlich“ steckt. Ähnlich wie der Begriff der Normalität ist auch die vermeintliche Natürlichkeit zu einer Art Kampfbegriff geworden. Beide Begriffe beschreiben einen scheinbar per se guten Zustand, den es zu bewahren oder zu verteidigen gilt. Dabei wird häufig vergessen, dass all das, was wir für „natürlich“ oder „normal“ halten, keineswegs so normal-natürlich ist, wie wir es gerne hätten.

Wenn das nächste Mal jemand etwas Neues ablehnt, weil es vermeintlich nicht natürlich sei, kann man mit Frage kontern, welche natürliche Farbe eigentlich Karotten haben? (Foto: unsplash) Die Antwort kann man ausführlich bei Tom nachlesen – und in einer Kurzfassung in diesem 3sat-Video. Ergebnis: Die Farbe der Kartotte ist Ergebnis einer unnatürlichen menschlichen Züchtung. Die organe-verliebten Niederländerinnen und Niederländer veränderten die Farbe des Wurzelgemüses, um damit ihre Landesfarbe zu ehren.

Geduldtraining: Veränderung ist Marathon nicht Sprint (Digitale Mai-Notizen)

Das Buch als Newsletter (Digitale Juli-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Juni-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann. Das Buch, um das es im folgenden geht, heißt Anleitung zum Unkreativsein.

Es geht! Dieses Ergebnis stelle ich der Zusammenfassung meines Buch-Newsletter-Experiments der vergangenen Wochen voraus. Es geht, es macht Freude und eröffnet neue Möglichkeiten, wenn man ein Buch digital denkt: als Newsletter, der wie ein Seminar oder ein Workshop über einige Wochen regelmäßig Leser:innen begleitet.

Darum geht es nämlich: Wie können wir Bücher digital denken? Zwei eher alte Techniken zu einem neuen, innovativen Ansatz verbinden – das ist die Idee dessen, was ich Buch-Briefing nenne. Ein Newsletter-Service, der Bücher in digitale Kapitel aufteilt, die ondemand und regelmäßig bezogen werden können. Im Sachbuchbereich ist die Referenz für diese Methode der Workshop bzw. das Seminar, in der Belletristik liefert die Idee des Fortsetzungsromans bzw. der Serie die Referenz fürs Buch-Briefing.

Vorteil für Produzierende wie Konsumierende: Es gibt eine Verbindung. Als Autor:in kenne ich meine Leser:innen – weil ich durch die regelmäßigen Mails in Kontakt stehe. Das erzeugt nicht nur Nähe, sondern liefert auch Kund:innen-Daten.

Das Experiment

Gerade ist mein Buch „Anleitung zum Unkreativsein – auf anderen Wegen zu neuen Ideen“ erschienen. Ein Reverse-Ratgeber, der mit Hilfe der Kopfstandmethode neue Zugänge zu kreativen Lösungen aufzeigt. Die zentrale These des Buches lautet: Wer neue Ideen will, muss lernen die Perspektive zu wechseln.

Diesen Gedanken habe ich in einen elfwöchigen Newsletter auf Steady gegossen. Da ich Akronyme mag, habe ich jeder Folge einen Buchstaben des Wortes PERSPEKTIVE vorangestellt: „Ein Wort, eine Übung, eine Frage – drei Gedanken zum Thema Kreativität“ lautet das Konzept des kurzen Newsletters, der jeden Montag um 19 Uhr einige Gläser aus dem großen Fass zapfte (Symbolbild: unsplash). Mit diesem Bild lässt sich vermutlich am besten das Verhältnis zwischen Buch (Fass) und Newsletter (Gläser) beschreiben. Der Newsletter zerlegt das große Granze in kleinere Einheiten, die leichter konsumierbar sind. Warum macht er das? Weil er auf diese Weise entweder Werbung für das Fass macht (Marketing fürs Buch) oder weil sich auf diese Weise vielleicht sogar Gläser verkaufen lassen (neues Geschäftsmodell Buchbriefing).

Um rauszufinden, welche Chance in dieser Form der Buch-Digitalisierung zum Newsletter liegen, habe ich die Anleitung zum Unkreativsein in einen Newsletter überführt und eine Nutzer:innen-Befragung angeschlossen, deren Ergebnisse ich unten zeige. Zunächt zum besseren Verständnis nochmal die Gegenüberstellung der beiden sich ergänzenden Ansätze „Buch“ und „Newsletter“

Das Buch
bietet den gesamten Inhalt auf einmal
Inhalt abgeschlossen
Einmaliger Kontaktpunkt
Keine weiteren Lese-Anreize
Lautsprecher-Prinzip
Kein Rückkanal
Keine Nutzer:innen-Daten
Leser:in kauft den Inhalt

Produkt als dominante Idee

Der Newsletter
zerlegt den Inhalt in Folgen
Inhalt aktualisierbar
Schafft wiederholte Kontaktpunkte
Regelmäßige Lese-Anreize
Kopfhörer-Prinzip
Rückkanal/Austausch möglich
Nutzer:innen-Daten
Leser:in kauft auch die Zeit zum Lesen

Prozess als dominante Idee

Das Ergebnis

Buch und Newsletter aus dem Experiment lassen sich nachlesen – das Buch am liebsten hier beim Rheinwerk-Verlag bestellen. Der Newsletter steht kostenfrei drüben bei Steady – und zwar mit diesen Folgen:

P wie Position
E wie Erwartung
R wie Ritual
S wie Spielen
P wie Paradox
E wie Erfolg
K wie Kombination
T wie Teilen
I wie Ideen
V wie Version

Die Erkenntnis

Und funktioniert das jetzt? Um Antworten auf diese Frage zu bekommen, habe ich die Leser:innen des Newsletter befragt. Hier eine Zusammenfassung der vier wichtigsten Erkenntnisse. Die qualitativen Antworten aus der Umfrage habe ich ausgelassen, sie beziehen sich vor allem auf die konkrete Ausgestaltung des Newsletters zum Buch, das quantivative Feedback lässt aber diese sehr positiven Schlüsse für die Idee Buchbriefing zu:

1. Es gibt eine überwiegende Mehrheit, die die Idee Bücher zu Newslettern zu machen, gut findet

2. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Buchkauf und Newsletter, überwiegend positiv für die Kaufabsicht des Buches

3. Der Newsletter erreicht offenbar andere Leser:innen als das Buch. Er kann also als Marketing für das Buch verstanden werden:

4. Es gibt eine überwiegende Kaufabsicht, für die neue Produkt-Kategorie „Buch-Newsletter“ in Zukunft Geld auszugeben

Die nächsten Schritte

Mich bestätigt dieses Experiment, den Grundgedanken von Buchbriefing fortzuführen. Besonders interessiert es mich, diese Idee mit dem so genannten Inspirierenden Journalismus zusammenzudenken. Denn hier liegt ein sehr kurzfristiger Mehrwert dieser Newsletter-Strategie. Aber auch in belletristischen Zusammenhängen sehe ich Potenzial in der seriellen Form des Lesens. Falls Sie sich für diese Ideen interessieren und Sie unterstützen wollen: melden Sie sich bei mir!

Ende des Durchschnitts: Spotify „Only You“ als Symbol der Digitalisierung

Keine Ahnung, ob es wirklich keine:n Spotify-Nutzer:in da draußen gibt, die „Nur Idioten hier“ von Moritz Krämer und Francesco Wilking morgens hört. Ich jedenfalls mag den Song und höre ihn auch morgens – auf Spotify. Der Streaming-Dienst hat mich jetzt mit seinem Only-You-Feature darauf aufmerksam gemacht, dass ich damit offenbar sehr allein einzigartig bin.

Vergleichbar mit dem jährlichen Rückblick-Feature „Wrapped“ analysiert Spotify dabei die Hörgewohnheiten und entwickelt daraus individualisierte Playlists. Neu ist jedoch, dass es nicht ausschließlich um den Content, sondern vor allem auch um den Kontext geht – also nicht nur um die Frage, was ich höre, sondern wann und wie. Diese Informationen bilden die Voraussetzung für weitere Feature, die in Planung sind: Blend (aktuell in der Beta-Phase) soll es in der mobilen Nutzung ermöglichen, gemeinsame Playlists zu erstellen, die wie digitale Mixtapes funktionieren.

Kassettenmädchen und Kassettenjungs überall auf der Welt können hier erkennen, wie digitaler Fortschritt funktioniert. Daten sind von ihrem Träger gelöst (Symbolbild: unsplash) und beweglich geworden. Musik wird so zum Symbol für den Prozess, den wir Digitalisierung nennen: Kultur wird zu Software.

978-3-95757-246-2-x160xx400x-1466586213 Felix Stalder definiert diese drei Aspekte als Beweis für die Kultur der Digitalität: Gemeinschaftlichkeit, Referenzialtität und Algorithmizität. Alles drei kann man am Umgang des Streaming-Dienstes mit Musik wunderbar analysieren. Am offensichtlichsten an der Art, wie Spotify mit Meta-Daten die Musiknutzung verbessert, ist aber der Prozess, den ich „Das Ende des Durchschnitts“ nenne.

Zu Nick Hornbys Zeiten war die Idee des perfekten Mixtapes stets an eine nicht benannte Allgemeinheit adressiert: der kompilierende Pop-Nerd (bewusst nicht gegendert) fügte Lieder auf einer Kassette zusammen, die in der Mischung dann Bedeutung für andere haben sollte (ein zentraler Punkt im Erleben des eher einsamen Nerds war die Eroberung weiblicher Liebe in einer heteronormativen Beziehung). Bei den individualisierten Playlists digitaler Dienste geht es vor allem um den Bezug zu mir: „Only You“ stellt meine (vermeintliche) Einzigartigkeit heraus, die ich dann leicht teilbar anderen zeigen kann.

mashup Diese Entwicklung kann man beklagen oder zunächst mal zur Kenntnis nehmen: die Zeiten ändern sich. Darin steckt ein gesellschaftlicher und ein digitaler Aspekt. Mich interessiert hier vor allem der digitale: Am Umgang mit der Musik lässt sich sehr schön sehen, was die historische Ungeheuerlichkeit der digitalen Kopie für Folgen haben kann. In meinem Buch „Meta – Das Ende des Durchschnitts“ habe ich die Veränderungen für unsere Idee von allgemeiner Öffentlichkeit (das eine Mixtape) zu beschreiben versucht – und mit dem damaligen Deutschland-Chef von Spotify über die Entwicklung der Streamingplattform gesprochen. Vieles von dem, was in dem Buch als abstrakte Entwicklung besprochen wird, lässt sich an den konkreten Angeboten von Spotify jetzt erkennen.

Diesen langfristigen Trend der Digitalisierung finde ich viel spannender als die kurzfristige Bewertung von Schlaglichtern im Web. Die kulturpessimistische Klage „Nur Idioten hier“ mag ich wenn überhaupt als Song von Francesco Wilking und Moritz Krämer – übrigens nicht nur morgens.

Perspektive lernen: der Workshop-Newsletter bei steady

Am 12. April startet drüben bei steady ein kleines Experiment: ich habe einen Teil meines Buches „Anleitung zum Unkreativsein“ in einen Newsletter überführt, der wie ein Workshop funktioniert.

Elf Wochen lang bis zum längsten Tag des Jahres versuche ich jeden Montag neue Perspektiven zu eröffnen. Zu jedem Buchstaben des Wortes PERSPEKTIVE gibt es eine Folge, die das jeweilige Schlagwort thematisiert, Lesetipps vermittelt und Fragen beantwortet.

Denn die Besonderheit an dem Newsletter-/Workshop-Konzept steckt auch im Austausch mit den Leserinnen und Lesern. Die ersten 500 Teilnehmer:innen können kostenfrei mitmachen – und ihre Fragen einschicken. Bis jetzt haben sich 308 Menschen in den Newsletter eingetragen. Deshalb hier meine Einladung an Dich: Trage dich hier ein und schicke mir gerne deine Frage, deine kreative Herausforderung oder Anmerkung zum Thema (Mail-Adresse im Kontakt)

Ich werde mich bemühen, in jeder Folge beispielhaft eine Frage aufzugreifen und (anonymisiert) zu beantworten. Dabei kann es um Feedback-Kultur gehen oder um die Frage wie man mit scheinbar ausweglosen Aufträgen umgeht. Spielerische Lösungsansätze für kreative Herausforderungen versuche ich ebenso in dem Newsletter aufzuzeigen wie die Ratschläge zur Unkreativität, die in dem Buch versammelt sind. Dazu haben mir unter anderem Christoph Niemann, Kathrin Passig, Alice Hasters und Susi Bumms Antworten auf die Frage geschickt: Was ist deine wichtigste Anleitung zum Unkreativsein? In der ersten Newsletter-Folge gibt es direkt ein paar Antworten von Teilnehmer:innen des Workshops.

Ich probiere diese Form des Newsletters nicht nur aus, weil er mir passend zum Buch erscheint. Mich reizt vor allem der Aspekt, den ich unlängst unter dem Schlagwort „Inspirierender Journalismus“ notiert habe. Darüber werde ich innerhalb der elf Folgen und bestimmt auch danach reflektieren: Wie kann man ein Buch in einen Workshop übertragen?

Hier anmelden und mitlesen!

loading: Marco e Amici

Vergangene Woche durfte ich an einer besonderen Buchpremiere teilhaben: mein DJS-Kollege Marco Maurer hatte mich zur Vorstellung seines Buches „Meine italienische Reise“ eingeladen – virtuell. Gemeinsam mit Francesco Wilking von den Band Crucci Gang und Die Höchste Eisenbahn sprachen wir in einem Insta-Live über Italien und Marco zeigte uns den Buchladen in Hamburg, den er zu dem Buch eingerichtet hat. Ein Buchladen im Wortsinn: denn der ganze Laden im Lehmweg 43 in Hamburg ist dem Buch gewidmet.

Eine sehr tolle Idee, die man jetzt hier auf Startnext unterstüzen kann.

Was machst du?
Ich habe den einzigen One-Book-Bookstore der Welt, also die einzige Ein-Buch-Buchhandlung del mondo eröffnet. Sie wird nur bis 7. Mai offen stehen, aber wir möchten sie darüber hinaus erhalten. Ich habe das Buch „Meine italienische Reise“ geschrieben, und in der Buchhandlung, die auch über einen 3-D-Link einsehbar ist, kann man die Reise, die der Fotograf Daniel Etter, ein Pulitzer-Preisträger, und ich gemacht haben, „erfahren“. Über 7000 Kilometer mit uns von Sizilien bis nach Hamburg reisen, die Menschen treffen, die auch wir getroffen haben, an den Stationen Halt machen an denen wir das getan haben. Die Italiener und Italienerinnen haben Exponate (Wäscheleinen aus Neapel, eine Werkstatt aus Turin, Seide aus den 60er Jahren, Nudelhözer, Kleidungsstücke, eine Boccia-Kugel aus der Adenauer-Villa La Collins) geschickt, mit denen ich das Buch Kapitel für Kapitel nachgebaut habe. Dann könnte man das Buch mit nach Hause nehmen, erwerben, und eines der 25 Rezepte nachkochen, einen italienischen Tag oder ein italienisches Wochenende verbringen. Zudem können sie natürlich das Buch lesen, eine Erzählung. Insgesamt: Unsere Reise erleben.

Warum machst du es (so)?
Die Leipziger Buchmesse und viele Lesungen wurden abgesagt, einerseits. Anderseits leben wir in einer lähmenden Zeit, die uns alle stillstehen lässt. Kultur kann kaum stattfinden. Ich wollte den Menschen ein niedrigschwelliges kulturelles Gegengift verabreichen. Daher dachte ich mir, ich mach mal was anderes: eine Buchhandlung eröffnen, die wie ein Museum funktioniert. Allerdings verkaufen wir nur ein Buch, und die Geschichte der Erzählung. Ich diene als eine Art Reiseführer, nehme die Menschen mit auf die Reise für 15-30 Minuten, sie können alle Italiener und Italienerinnen treffen, die wir auch getroffen habe. Hintergrund ist, ich möchte Hamburg was bieten, Reisen ist gerade schwer, auch gibt es immer weniger Freizeitangebote aufgrund von Corona. Ich möchte ein nachbarschaftliches Projekt für ganz Hamburg sein, man kann hier auf einen Kurzurlaub in Italien vorbeikommen. Wir haben eine kleine Kirche aufgebaut, eine historische Turiner Cinquecento-Autowerkstatt, ein Cafe aus den Sechzigern, in dem es Illy-Espresso für einen Euro gibt. Eine Küche aus den Abruzzen ist ebenso zu finden, wie ein Papagei namens Andracko (mit ck!); ein Kollege von ihm hat nämlich besagtes Dorf in den Abruzzen gerettet. Wie das funktioniert erzähle ich im Lehmweg 43, 20251 Epppendorf und auf @marcoeamici auf Instagram. Der NDR nannte unsere Buchhandlung „Little Italy in Hamburg“, der Spiegel ein „Museum der Sehnsucht“. Gleichzeitig veranstalten wir hier auch die Amici-Talks, Gespräche mit prominenten Gästen. Du, Dirk, gehörtest ja auch dazu – und hast unseren Showpapagei Andracko nicht zum Sprechen gebracht übrigens ;) Auch zu Gast sein werden Johanna Haberer (Theologin, Buchautorin, Podcast „Unter Pfarrerstöchtern/Zeit“), Melissa Forti (italienische Konditorin und Buchautorin), Lars Weisbrod (Autor und Journalist Die Zeit), Jasmin Schreiber („Marianengraben“, Bestsellerautorin), Francesco Wilking und weitere mehr. Mehr über die einzelnen Veranstaltungen findet ihr hier: www.marcoeamici.de

Damit ist es auch ein gesellschaftliches und journalistisches Projekt, wir wollen die Menschen unterhalten in deiner Zeit in der wir uns nach Unterhaltung, Abwechslung sehnen. Reisen im Kopf ist unser Motto. Und deswegen mache ich das. Zerstreuung, Unterhaltung, sich unbeschwert fühlen. Wir bieten einen Kurzurlaub.

Wer soll sich dafür interessieren?
Menschen. Jung, alt, gebräunt, ungebräunt, Mann, Frau, divers, Italiener, Deutsche, Eppendorfer, Wilhelmsburger. Alle sollen sich hier heimisch fühlen. Alle, die gerne Urlaub in Italien machen wollen, können bei uns vorbeikommen. Ein paar unbeschwerte Momente bieten wir ihnen auch hier. Kostet gar nichts. Wer die Reise verlängern möchte, nimmt das Buch mit nach Hause, in der normalen oder einer Sonderedition (Details siehe unten; 5 Euro davon gehen an Seawatch oder die SOS Kinderdörfer), die live im Laden hergestellt wird.

Wie geht es weiter?
Erst einmal geht es bis zum 7. Mai. Das war bis dahin gut finanziert. Aber aufgrund von Corona sind uns zwei, drei Partner im letzten Augenblick (zum Teil während wir begonnen haben) abgesprungen; verklagen könnten wir sie, wollen wir aber natürlich nicht. Sind dennoch unsere Freunde, unsere Amici. Aber wir freuen uns ein wenig über Unterstützung. Es gibt als Dankeschöns Bilder von Daniel Etter, immerhin Pulitzer-Preisträger und World Press Award-Gewinnenr, zu kaufen, in Galeriequalität, Leinbeutel, Shirts, das Buch in einer Sonderedition (mit Prägestempel, limitiert auf 500 Exemplare, einem Leseband und vielen weiteren Extras) und, und, und. Oder man kauft nur unserem Vogel Futter; Andracko freut sich, er isst alles außer Avocados.

Am 7. Mai schließen wir wohl – oder ziehen weiter, was wir uns gut vorstellen können. Auf jeden Fall wollen wir das Ganze auch digitalisieren. Angefangen haben wir schon, siehe etwa dieser 3-DBlick hier in unsere Buchhandlung: aber es soll noch weitergehen. Außerdem ist es unser Wunsch mit der Sache durch Deutschland zu ziehen. Vielleicht gelingt das uns ja zusammen? Marco e Amici bald auch in deiner Stadt, wer weiß? Vielleicht sogar mit Italo-DJ-Set?

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass alles bald besser wird, Ciao und Amore.

>>> Marco E Amici hier auf Startnext unterstützen

Inspirierender Sachbuchjournalismus als Begleiter – Gespräch mit Michèle Loetzner und Christoph Koch

Kann man ein Gespräch vor den Ohren von Publikum live auf Clubhouse aufzeichnen und dann später als Text zum Lesen zur Verfügung stellen? Dieses Experiment haben wir Anfang Februar in Clubhouse unternommen. Abseits vom Inhalt könnte diese Form des Drop-in-Audio das Produkt „Interview“ langfristig zu einem erlebbaren Prozess machen. Dazu habe ich hier unlängst mit Blick auf Clubhouse und Twitter-Spaces geschrieben – und in „Eine neue Version ist verfügbar“ sehr grundsätzlich nachgedacht.

Michèle Loetzner und Christoph Koch haben gerade Sachbücher veröffentlicht, die sich jeweils auf einer Wegstrecke (Symbolbild: Unsplash) mit dem persönlichen Wohlbefinden ihrer Leser:innen befassen. Es geht um Liebeskummer und Digitale Balance und beide haben sich dafür Tage als Lese-Distanz ausgesucht: Michèle hat sich mit 99 Tagen und Christoph mit einer 30-Tages-Challenge befasst. In einem Clubhouse-Talk im Februar habe ich die beiden zu diesen Ansätzen befragt – vor allem mit Blick auf die Idee des „Inspirierenden Journalismus“.

Sind Eure Bücher tatsächlich Beispiele für das was, ich „Inspirierenden Journalismus“ nennen würde, also eine Form von Sachbuch-Journalismus, der seine Leser:innen verändert?
Michèle: Ja. Das war tatsächlich die Idee des Buches direkt von Beginn an. Und das zeigt sich ja auch in dem doch sehr einfachen Titel. Man hätte sehr viel schönere und wortspielende Titel finden können und das hätte mein Literaturwissenschaftlerinnen-Herz auch mehr gefreut, aber auf dem Buch steht drauf, was drin ist.

„Liebeskummer bewältigen in 99 Tagen“ – war es schwierig den Verlag davon zu überzeugen oder war es umgekehrt so, dass der Verlag dich überzeugen musste?
Michèle: Letzteres. Das ist schön, dass Du fragst, weil ich jetzt endlich mal meinen wunderschönen eigentlichen Titel sagen. Eigentlich hätte das Buch „Ja, der kann weg“ heißen sollen.
Christoph: Super.
Michèle: Das Buch richtet sich hauptsächlich an Frauen und der Titel hätte nicht nur die Bedeutung gehabt, dass der Typ in der heteronormativen Beziehung weg kann, sondern eben auch der Liebeskummer selbst. Aber direkt im allerersten Telefonat mit der Lektorin, nachdem alles unterschrieben war – und da gab es schon den Untertitel „Liebeskummer bewältigen in 99 Tagen“ – meinte sie ganz deutlich: „Michèle, wir können jetzt lange rumtun, aber benennen wir es doch einfach mit dem Untertitel.“ Ich weiß noch, wie ich damals das Gefühl hatte, als hätte mir jemand einen Dolch ins Herz gestochen…

… wie fühlt es sich jetzt an? Das Buch ist seit Sommer auf dem Markt, empfindest du noch einen Schmerz?
Michèle: Nein. Das war die richtige Entscheidung für den Titel. Es war eine Marketing-Entscheidung, aber es war die richtige Entscheidung. Liebeskummer ist ein sehr spitzes Thema. Niemand kauft sich ein Buch, weil er gerade mal was Lustiges über Liebeskummer lesen möchte. Jemand, der das Buch kauft, steckt selbst in der Situation und sucht danach im Internet oder geht in den Buchladen und fragt: „Ich habe Liebeskummer. Können Sie mir da was empfehlen?“ Und wo Gelbwurst draufsteht, ist dann hoffentlich auch Gelbwurst drin. Wenn man jetzt bei Amazon „Liebeskummer“ eingibt, landet man automatisch bei meinem Buch.

Man kann also sagen: du hast beim Nutzer:innen-Interesse begonnen und hast daran entlang das Buch geschrieben. Du wolltest nicht eine Kulturgeschichte des Liebeskummers verfassen?
Michèle: Das wollte ich auf keinen Fall. Ich wollte ein Buch schreiben, das wirklich hilft. Es ist so, dass in Deutschland mehr Bücher von Frauen gekauft werden als von Männern. Und gerade im Ratgeberbereich sind es nochmal besonders viele Frauen, die kaufen. Deshalb war es schon alles so darauf zugeschnitten. Dass es am Ende 99 Tage geworden sind, hat noch einen anderen Hintergrund, aber den erzähle ich dann später… Viele Bücher, die in diesem Bereich erscheinen, funktionieren so, dass eine Autorin oder ein Autor aus dem eigenen Erleben schreibt und sagt: „Macht das so wie ich das gemacht habe, dann macht ihr das richtig.“ Das wollte ich aber genau nicht machen. Mich gibt es in diesem Buch nicht. Ich lasse nur die Wissenschaft sprechen. Es ist also von mir komplett von mir als Person losgelöst.

Das ist die perfekte Überleitung zu Christoph. Du hast zwei Bücher geschrieben, die sich mit dem Thema Digitales Leben befassen. Das eine ist schon erschienen, in dem du einen Ich-Erzähler als Blaupause wählst („Ich bin dann mal offline“) und jetzt eins, in dem du auch einen anderen Zugang wählst, auch über eine Challenge. Findest du dich wieder in dem, was Michèle sagt?
Christoph: Ich will ganz kurz einen Satz zu Michèle sagen, weil du gerade gesagt hast, der Titel war eine Marketing-Entscheidung. Aus Leser-Perspektive finde ich das aber total gut, weil es ein klares Versprechen gibt und ich weiß, was mich erwartet. Das ist eine gute Sache, und gar nichts, wofür man sich entschuldigen muss, weil es werblich ist oder so. Für mich als Leser ist das sehr angenehm, wenn es ein klares Versprechen gibt. Und bei den 99 Tagen bin ich natürlich auch sehr gespannt, aber da sprechen wir bestimmt gleich drüber…

… Du hast dir ein Drittel gewählt: 30 Tage ist die Challenge bei dir.
Christoph: „Ich bin dann mal offline“ ist jetzt zehn Jahre her und ist als Buch unfassbar schlecht gealtert. Da kommt noch StudiVZ drin vor und Instagram gibt es noch gar nicht und Smartphones nutzen nur ganz wenige Menschen. Ich habe mich aber damals bei dem Buch, das ein erzählendes Sachbuch im Selbstversuch ist, immer wahnsinnig darum gedrückt, wirkliche Ratschläge zu geben. Ich habe immer gesagt: „Nein, ich kann das nur beschreiben, wie ich es erlebt habe und daraus muss jeder selbst seine Konsequenzen ziehen.“ Ich habe dann aber gemerkt, dass das eigentlich Quatsch ist, weil die Leute immer und immer wieder nach Tipps und Empfehlungen gefragt haben. Und als ich dann über das neue Buch nachgedacht habe, habe ich gedacht, vielleicht muss ich die Angst vor dem Vorschlagen und dem Unterstützen ablegen. Dann habe ich erst an einen klassischen Ratgeber gedacht, habe dann aber gemerkt, dass ich eigentlich relativ viele verschiedene Tipps habe, die man aber auch nicht alle auf einmal umsetzen kann, sondern über einen gewissen Zeitraum. So bin ich dann auf die 30 Tage gekommen. Weil es ja im Gegensatz zu dem Liebeskummer, wo man über etwas hinwegkommen will, bei der digitalen Balance auch eher um Gewohnheiten oder Lebensführung geht, die immer eine gewisse Zeit braucht. Wenn man nur einen Tag lang sagt, ich ernähre mich jetzt mal anders, dann bringt das ja nichts. Man muss das ja eine gewisse Zeit lang machen, bis sich neue Dinge angewöhnt hat und man einen gewissen Effekt sieht.

Warum bist du bei den 30 Tagen gelandet?
Christoph: Für das Offline-Buch hatte ich mir damals einen Monat vorgenommen. Ich fands dann aber so gut und hatte aber so viel Angst vor der E-Mail-Lawine, die kommt wenn man offline ist, dass es am Ende 40 Tage wurden. Was dann wiederum biblisch und die Dauer der Fastenzeit war. Das ist mir aber erst später gesagt worden. Eigentlich halte ich einen Monat für einen ganz guten Zeitraum. Erstens ist mir für 30 Tage für jeden Tag eine kleine Aufgabe eingefallen bzw. ein kleiner Hack, den man direkt anwenden kann. Und zum zweiten hatte ich das Gefühl, einen Monat lang kann man sich auch mal auf was einlassen. Ein Klassiker ist ja zum Beispiel, dass ganz viele Leute diesen „Dry January“ machen und auf Alkohol verzichten. Einen Monat lang kann man einer Sache eine Chance geben, aber wenn es nichts für mich ist, ist ein Monat auch nicht so lang.

Nach dem Monat hat man auch das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Vielleicht ist man sogar ein wenig stolz. Das funktioniert bei der Digitalen Balance vielleicht sogar noch etwas besser als beim Liebeskummer. Deshalb an dich die Frage, Michèle, weil wir so neugierig sind: Wie kam es zu den 99 Tagen? Und wie bist du mit der Herausforderung umgegangen, dass jede Liebesgeschichte ja dann doch individuell ist?
Michèle: Da geht tatsächlich noch eine Frage voraus. Nämlich: Wie konsumiere ich in einem solchen Zustand des Liebeskummers? In dem Moment, in dem ich in so einem Ausnahmezustand bin, und da bin ich von mir selbst ausgegangen, kann ich mir nicht vorstellen, ein 400-Seiten-Buch über die Liebe zu lesen. Da bin ich nicht so konzentriert, lang am Stück zu lesen. Deswegen war von vornherein klar, dass man das stückweise macht und die Leserin, ich spreche das hier mal als generische Femininum – Männer sind mitgemeint – nicht überfordere. Das Buch ist so aufgebaut: auf der linken Seite erkläre ich immer eine Studie oder einen Forschungsgegenstand zum Thema Liebeskummer und auf der rechten Seite kann man wie in so einem Arbeitsbuch Fragen beantworten. Das ist jetzt nicht neu, aber in den anderen Büchern, die ich so kenne, sind diese Fragen immer unfassbar dumm. Offenbar geht man davon aus, dass Frauen nicht besonders intelligent sind und automatisch ein gebrochenes Hirn haben, wenn sie ein gebrochenes Herz haben. Da stehen dann so Aufgaben wie „Male mit Lippenstift deinen Ex-Freund auf und zünde bei Vollmond das Papier an“. Solche Aufgaben gibt es bei mir natürlich nicht, aber man hat so eine Art Tagesbuch-Funktion, die man jeden Tag bearbeiten kann. Und das dann eben häppchenweise, 99 Tage lang. Und die 99 Tage sind aus einem Witz heraus entstanden. Die beziehen sich auf den Song „99 Problems“ von Jay-Z, darin heißt es: „I got 99 problems but a bitch ain’t one.“ Und ursprünglich hätte ich gerne so eine Banderole ums Buch gehabt, wo das draufsteht und die man dann abreißen kann. Aber leider ist so eine Banderole ganz schön teuer…

Die 99 hast du dennoch behalten?
Michèle: Ja, die 99 Tage sind aber dann auch nochmal in drei Drittel unterteilt, die sich mit Loslassen, Kompensieren und Zurückerinnern beschäftigen. Und dann ist es in sich nochmal aufgebaut in den fünf Phasen der Trauer. Das klingt jetzt komplizierter als es ist. Es ist eine innere Struktur, die mir beim Schreiben von Anfang an sehr geholfen hat.

Hast Du dabei eine konkrete Leserin im Kopf, für die du schreibst?
Michèle: Nee, das eher nicht. Tatsächlich hatte ich eher abstrakt eine heteronormative Frau im Kopf. Was aber vor allem daran liegt, dass die wissenschaftliche Forschung sich hauptsächlich mit heteronormativen Beziehungen beschäftigt. Es ist also nicht meine Ignoranz gegenüber anderen Beziehungen, sondern dazu gibt es das meiste Material. Natürlich wünsche ich mir, dass sich die Wissenschaft da mehr öffnet und andere Geschlechter- und Beziehungsformen auch und vor allem noch mehr untersucht.

Christoph, hattest Du eine Person im Kopf beim Schreiben?
Christoph: Ich habe eher versucht zu vermeiden, mich auf eine konkrete Person so einzuschießen. Denn sonst neigt man dazu, die eigenen Probleme zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen und dann womöglich auf alle zu übertragen. Das ist aber natürlich totaler Quatsch. Denn andere Leute hängen vielleicht nicht wie ich bei Twitter ab, sondern bei Candy Crush, was ich zum Beispiel noch nie in meinem Leben gespielt habe…
Michèle: … nix gegen Candy Crush.
Christoph: Natürlich nicht! Ich habe auch schon eine Menge Zeit in alle möglichen Spiele versenkt . Ich habe beim Schreiben versucht, mir unterschiedliche Personen vorzustellen. Ich habe mich also gefragt: Wie sieht problematische Smartphone-Nutzung für jemanden aus, der zwanzig Jahre jünger ist als ich, oder zwanzig Jahre älter, eine Frau ist, festangestellt und nicht Freiberufler so wie ich. Ich habe also immer versucht, meinen Tunnelblick aufzulösen und nicht nur von meiner Warte aus zu schreiben. Denn davon wollte ich ja weg, von dieser Selbstversuchs-Dynamik, die ich damals bei “Ich bin dann mal offline hatte. Denn 40 Tage harte Digital Detox war für mich persönlich interessant, ist aber für andere ist das komplett unpraktikabel. Und da wollte ich eben hin, dass es für mehr Leute zugänglich ist. Es gibt zum Beispiel in dem Buch auch ein Kapitel, das sich mit der ganzen Eltern- und Familienthematik beschäftigt, mit dem schönen Titel „so lang du dein Smartphone an meiner Steckdose auflädst.“

Hast Du das Gefühl, dass die Zeit für die Selbstversuch-Bücher und -Experimente ein bisschen vorbei ist?
Christoph: Kurze Antwort: Ja! Dieses Genre hat seinen Höhepunkt auf jeden Fall überschritten. Es ist auch fast alles gemacht worden an Selbstversuchen. Mein erklärtes Vorbild war ja immer AJ Jacobs, der amerikanische Esquire-Autor, der ganz viel mit der Selbstversuch-Mechanik gemacht hat – wie ein Jahr der Bibel aufs Wort gefolgt ist und ein Jahr versucht hat, absolut gesund zu leben. Aber auch der ist irgendwann an ein Ende gekommen. Und trotzdem habe ich mich immer davor gedrückt, mir anzumaßen, anderen zu sagen, wie sie es machen sollen. Das fand ich immer irgendwie doof. Weil es ja diese journalistische Haltung gibt, „sagen was ist“, aber dann soll der Leser sich schon bitte selbst ein Urteil bilden. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass diese Ratschläge und Tipps immer wieder eingefordert und nachgefragt wurden. Und dann wäre es ja auch irgendwie Quatsch, wenn man sich über Jahre mit Themen befasst und Studien liest, dann aber sagt: „Ich kann Ihnen hier nur die Forschung zitieren, darf dann aber keine Ratschläge daraus ableiten.“

Michèle, hast Du auch das Gefühl, dass du so im Kolleg:innen-Kreis noch mehr Reputation bekommen hättest, wenn du eine Kulturgeschichte des Liebeskummers, aber dafür weniger nutzwertig geschrieben hättest?
Michèle: Ja, vielleicht. Allerdings zahlen die ja auch nicht meine Miete… aber ich will noch einen Gedanken zu dem ergänzen, was Christoph gesagt hat. Denn ich werde auch ganz oft nach Ratschlägen gefragt, aber ich gebe bewusst keine konkreten Handlungsanweisungen. Ich sage auch was ist und wie der Stand der Forschung ist und stelle es in einen Zusammenhang und gebe Hintergrund und Kontext. Aber ich sage nicht „mach’s so“ oder „mach’s so“. Ich schreibe auch sehr deutlich in meinem Vorwort, dass es natürlich sein kann, dass manche Tage von den 99 Tagen überhaupt nicht zu der Leserin passen und dann kann sie die auch einfach überblättern. Aber ich bin ja eben Journalistin und keine Therapeutin, deshalb darf ich auch keinen Ratschlag geben und ich gebe auch keine. Und das liegt vielleicht auch ein wenig daran, Christoph sag mal wie du es siehst, dass es auf diesem Ratgeber-Markt auch wahnsinnig viele Scharlatane gibt, die wahnsinnig viel Quatsch erzählen und zu denen möchte ich nicht gehören.
Christoph: Absolut. Und es ehrt dich total, dass du da eine sehr gute Grenze ziehst. Denn es gibt unter dem Titel „Ratgeber“ tatsächlich auch jede Menge lieblos zusammengeklöppelte Küchenphilosophie.
Michèle: So mit einem Gummi-Cover. Ich weiß genau, was du meinst.
Christoph: Wir wollen jetzt keine Verlage dissen. Aber vielleicht ist das auch ein Unterschied, ob man sehr kurzfristig Ratgeber-Hilfe sucht, weil man bis übermorgen eine Bewerbung auf Englisch schreiben muss und dafür ein Büchlein kauft. Oder ob man sich intensiver mit einem Thema beschäftigen will.

Zum Abschluss würde ich Euch gerne einladen zu spekulieren. Werden wir solche Bücher, wie Ihr sie geschrieben habt, auch in anderen Feldern kennenlernen. Zum Beispiel im Politik-Journalismus: „In 99 Tage Friedrich Merz verstehen“ oder als Challenge „30 Tage Anna-Lena Baerbock und das Grünen-Programm kennen lernen“?
Christoph: Ein Gedanken, der mich schon fasziniert, ist diese Idee der Challenge. Die älteste Challenge der Welt ist ja vielleicht die Fastenzeit, dass man also für 40 Tage auf etwas verzichtet. Und wenn man das geschafft hat, hat man das Gefühl eines Erfolgs – und es ist irgendwie auch befriedigender, als wenn man sich einfach nur vornimmt, irgendwie weniger Schokolade zu essen. Und diese Challenge-Mechanik hat zumindest bei mir einen eigenen Drive und einen eigenen Ansporn. Und wenn man das gut nutzen kann, werden wir davon vermutlich auch mehr sehen. Wie man das jetzt in den Politik-Betrieb integriert, weiß ich nicht, ich kann es mir aber schon vorstellen bei Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Dieses unklare Gefühl „ich möchte weniger Energie verbrauchen“, kann so viel greifbarer werden, wenn man sich vornimmt, ich mach diese 10 konkreten Dinge jetzt mal für ein Jahr anders. So eine Begrenzung macht vieles greifbarer und damit auch einfacher, glaube ich.
Michèle: Diese Challenges gibt es ja schon eine ganze Weile. Und wenn man viel im Magazin-Bereich arbeitet, was Christoph und ich ja beide tun, ist man es glaube ich gewohnt, viele Texte als Challenge zu verpacken. Weil so eine Challenge einen Anfang und ein Ende hat. Und ich glaube schon, dass wir als Menschen gerne einen Anfang und ein Ende haben. Und wie sehr das mürbe macht, wenn kein Ende absehbar ist, sieht man ja auch gerade mit den Corona-Maßnahmen. Wir wollen halt gerne wissen, wann etwas vorbei ist. Ob das dann auch für politische Themen klappen kann, weiß ich nicht. Vermutlich kaufen die Leute dann doch eher „Merz für Dummys“ als „In 30 Tagen Merz verstehen“. Aber eigentlich möchte ich, dass sich gar niemand mehr mit Merz beschäftigen muss in Zukunft.

Mehr zum Thema in den Digitalen Notizen:

– Die Idee „Inspirierender Journalismus“
– Das Format „Ankündigende Zusammenfassung“
Shruggie des Monats: Deine Stimme
Shruggie des Monats: Digitale Präsenz
Der Hype um Clubhouse
Ruhe in Frieden, Ruheraum! Abschieds-Interview mit Erfinder Leander Wattig

Updatepflicht: „Reboot“ Lektüretipp

Als ich Ende vergangenen Jahres den Begriff Updatepflicht aus der Software auf die Gesellschaft zu übertragen versuchte, saß Robert Jacobi vor dem Manuskript für sein Buch „Reboot“, das heute erscheint. Wir kennen uns aus unserer Zeit an der Deutschen Journalistenschule, arbeiten seit dem immer wieder an gemeinsamen Projekten und denken offensichtlich auf ähnliche Weise. Denn die Kernidee von Reboot dreht sich genau um das, was ich als Updatepflicht beschrieb.

„Die Krise bietet die Chance“, schreibt Robert, „auch Veränderung anzugehen, deren Bedarf in guten Zeiten schwieriger zu erkennen und erst recht umzusetzen ist. Die Energie dafür sollten wir bewahren, auch wenn der Impfstoff da ist und die Sorgen nicht mehr so groß sind. (…) Mit unseren Computersystemen tun wir das längst, zumindest wenn wir unsere Software immer dann updaten, wenn wir dazu aufgefordert werden, und die Geräte danach neu starten, damit sie wieder so laufen, wie wir es wünschen.“

Ich schreibe das hier auf, weil nicht nur das Buch selbst für Offenheit für Neues wirbt, sondern auch die Buch-Veröffentlichtungsparty sehr pragmatisch veranstaltet wurde: als gemeinsamer Raum in Clubhouse. Ich durfte dabei heute mitdiskutieren – in einem äußerst spannenden Netzwerk, das Robert virtuell zusammengebracht hatte: Claudia Linnhoff-Popien sprach über die Herausforderungen von Quantencomputing und KI, Sandra Reich (MAN) und Christian Thiele (Positive Führen) über veränderte Führungskultur. Das war nicht nur sehr interessant, sondern auch ein schönes Beispiel für die Frage, wie man Bücher in Lockdown-Zeiten vorstellen kann.

Mehr zum Thema:
> Wie Digitales Denken in Corona-Zeiten helfen kann

Mega-Trend Newsletter: Fünf Gründe warum der Hype berechtigt ist

Dieser Text ist Teil der Februar-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

Was ist der wichtigste publizistische Trend im Frühjahr 2021? Nein, ich spreche nicht von Clubhouse. Auch die wachsende Bedeutung von datenjournalistischen Formaten meine ich nicht. Ich spreche von der ältesten Innovation des digitalen Journalismus: Newsletter.

Schon im Februar 2020 sprachen wir hier über eine Entwicklung, die man als „newsletter first media“ bezeichnen kann. Ein Jahr später kann man festhalten: diese Entwicklung kommt jetzt auch bei den Medienhäusern und Plattformen an. Denn gerade eben haben sowohl Twitter als auch Facebook angekündigt, dass sie Newsletter für sich entdeckt haben. Die beiden Plattformen, die mal angetreten waren, Mails abzuschaffen (Botschaften, Messenger etc.) versuchen jetzt mit dem Kauf von Revue (Twitter) und dem Aufbau eines eigenes Newsletter-Netzes (Facebook) in den Posteingang von Leser:innen zu kommen.

An diesem Ort soll sich der Kampf um die Aufmerksamkeit entscheiden – darauf wetten Dienste wie Substack (zum Hintergrund diese sehr gute Breitband-Sendung oder den Axios-Podcast zum Thema hören) oder in Deutschland steady aber auch Medienhäuser wie Forbes, das gerade angekündigt hat, 20-30 Autor:innen anzustellen, die nichts anderes tun sollen als Newsletter schreiben. Genau damit versucht das Autor:innen-Kollektive Every ein Geschäft aufzubauen. Die Newsletter-Schreiber:innen haben zum Teil auf Substack erste Erfolge erzielt und bündeln ihre Inhalte nun neu.

Was steckt hinter der nicht abkühlenden Begeisterung für die im Kern sehr alte Technologie Mail und Newsletter? Ich glaube mindestens diese fünf Entwicklungen, die für Erfolg im digitalen Ökosystem entscheiden sein können:

1. Das höchste Gut ist deine Verbindung zu den Kund:innen

Newsletter basieren auf der wunderbaren dezentralen Infrastruktur von E-Mails, d.h. sie kommen ohne zentrale Plattform aus, sie sind auf allen Endgeräten und allen Betriebssystemen nutzbar und bringen seit Jahren ungebrochen erfolgreich die zentrale Erkenntnis des weltweiten Netzwerkes auf den Punkt: das höchste Gut im digitalen Ökosystem ist deine Verbindung zu deinen Nutzer:innen. (Foto: unsplash) Es gibt keinen Mittler, die sich zwischen Anbieter:in und Nutzer:in drängt. Das kann zur Grundlage für neue journalistische Formen, aber vor allem zu einem neuen Dialog führen.

Be smart: Nur wer seine Kund:innen kennt, kann deren Interessen befriedigen.

2. Newsletter sind alt, aber eine neue Form von Social Media

Die Besonderheit an Stories als Darstellungsform in Social Media war unter anderem: dass man nicht öffentlich, sondern nur in Direktnachrichten darauf reagieren konnte. Newsletter haben dieses Feature schon immer: Newsletter sind Mails, auf die man antworten kann. Und genau darin unterscheiden sich gute von sehr guten Newslettern, dass sie diese Möglichkeit zu direkter Kommunikation erkennen und auf Basis dessen Nutzer:innen-Bedürfnis befriedigen. Darin steckt einerseits die Anforderungen, so zu schreiben, dass man in den Posteingang der Leser:innen passt, aber dazu gehört auch, die Verbindung, die das Internet ist, anzuerkennen und Reaktionen auf die eigene Arbeit nicht als lästige Ergänzung, sondern als zentralen Bestandteil des Publizierens zu erkennen.

Be smart: Digitales Publizieren ist dialogisches Publizieren.

3. Newsletter brauchen Leser:innen

Die Idee, Produkte nutzer:innenzentriert zu entwickeln, führt im Journalismus dazu, Inhalte mindestens inspirierend, aber stets am klaren Interesse der Adressat:innen orientiert zu erstellen. Die Betreffzeile eines Newsletters ist die in wenige Zeichen kondensierte Aufforderung: Sage mir worum es geht und warum ich es lesen sollte! Wer Newsletter konzipiert, schreibt und umsetzt, kommt an der Frage nach dem Mehrwert für Leser:innen nicht herum. Wer Medien als Newsletter denkt, denkt in Produkten, die erst durch die Aufmerksamkeit ihrer Leser:innen entstehen. Hier erkennt man die Grundlage für das, was ich Inspirierenden Journalismus nenne. Journalismus in dieser Leseart braucht das Interesse der Leser:innen und liefert ihnen einen Mehrwert („Er muss nicht zwingend Nutzwert, aber stets Denkwert liefern: eine Idee, einen Gedanken oder Perspektivwechsel inspirieren.“). Jede Mail muss diesen Mehrwert immer wieder neu beweisen. Denn auch wenn das Eintragen in eine Newsletter-Liste den Kontakt ermöglicht, die Öffnung des Newsletters muss mit jeder Folge wieder neu erarbeitet werden – und macht so den Unterschied zwischen vor und nach der Mail erkennbar: die Inspiration, die die Mail ihren Leser:innen bringt.

Be smart: Wer einen Newsletter schreibt, muss vorher das eigene Produktversprechen kennen.

4. Newsletter begleiten ihre Leser:innen

Ein gedrucktes Buch ist eine abgeschlossene Inhalte-Einheit, ein Newsletter ist eine Folge von Inhalte-Einheiten, die durch ihren chronologischen Verlauf eher wie ein Workshop-Kurs oder eine Begleitung wirken können. Was ich damit meine: Newsletter können Bücher zu einem Prozess machen, zu einem Erlebnis. Darin steckt viel von dem, was ich als „Kultur als Software denken“ beschreibe, aber noch viel mehr Nutzer:innen-Fokus. Ein Newsletter kann mich als Leser auf einer Entwicklung begleiten (mein Lieblingsbeispiel: Mit dem SZ-Minutenmarathon kannst du Läufer:in werden) und ein Newsletter kann Bücher in wöchentliche Portionen zerlegen, die mir regelmäßig zu einer bestimmten Zeit geschickt werden. Ich nenne das Buch-Brief-Ing und glaube, dass darin nur ein Ansatz für den prozesshaften Charakter von Newslettern liegt.

Be smart: Gute Newsletter sind wie ein Workshop oder Kurs gedacht – und damit bestes Beispiele für inspirierenden Journalismus.

5. Die technische Entwicklung von Newslettern steht noch ganz am Anfang

Das klingt zunächst absurd, eine so etablierte Technik wie Mail als „am Anfang“ zu beschreiben. Was ich damit meine: Die Idee, Newsletter ungefiltert im Posteingang zu lesen, wird sich entwickeln. Wir werden erstens als Gesellschaft lernen, unseren Posteingang filtersouverän zu strukturieren (hier kann man nachlesen, wie man Filter in Gmail setzt), aber wir werden auch technische Angebote sehen, die Newsletter wie Podcasts darstellen. Dabei wird eine Technik zum Einsatz kommen, die ähnlich alt ist wie das Mailprotokoll: RSS-Feeds. Ich persönlich bin großer Fan von RSS und freue mich deshalb über Seiten wie kill-the-newsletter.com, den Substack-Reader oder die Stoop-App, die Newsletter aus dem Posteingang befreien wollen.

Be smart: Newsletter sind eines der wichtigsten Instrumente für die Zukunft des (digitalen) Journalismus.

Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem schon häufiger Beiträge über Newsletter erschienen sind. Einige stehen unter briefingbriefing.de verlinkt.

Bücher drucken, Bücher kaufen: drei Tipps!

„Fotografische Beobachtungen auf herrlich taschenbuchigem Papier“, nennt Peter Wagner in der Meisterstunde die Bilder, die der Meisterstunde-Fotograf Gerald von Foris im Fotobuch „Ich hatte zwar eigentlich Lamm bestellt, aber kein Problem“ versammelt. Gerald ist ein Fotograf, den ich schon sehr lange kenne (er hat auch ein Porträt von mir gemacht) und dessen Arbeit ich seit den frühen Tagen beim jetzt-Magazin schätze. Diese Arbeit findet – außer auf meisterstunde.de – kaum online statt, Gerald ist nicht auf Instagram und dennoch verfolge ich seine Arbeit mit großer Freude.

Das Projekt Wunden fasziniert mich zum Beispiel noch immer. Das ebenfalls dieser Tage veröffentlichte Projekt Schädel fügt sich – man gestatte mir dieses Wortspiel – wunderbar ins Bild, das die Arbeit von Gerald ergibt. Peter Wagner schreibt über Schädel: „Der Band versinnbildlicht auf seine Weise die globale Biodiversitätskrise, in der vielfältigste Lebensformen verschwinden; er wirkt wie ein Archiv verlorengehenden Artenreichtums. Und dann ist da ein Effekt, der mir erst beim zweiten Sehen von »Schädel« bewusst wurde: Immer wieder stellt Gerald von Foris die Tierköpfe den Landschaften gegenüber, in denen sie zu Lebzeiten anzutreffen sind. Eine Costa Ricanische Szenerie und ein Tukanschädel. Das Karwendel und der Schädel einer Gams. Die Knochen eines Tieres und der Kern einer Gegend: Wenn beides so lapidar und klar nebeneinander steht, ergibt sich eine tiefere Einsicht.“

Zu dieser Einsicht gelangt man nicht nur, aber auch weil die Fotos gedruckt sind. Weil ich sie anders als digitale Bilder in der Hand halte. Und während ich das tue, frage ich mich, warum das Ausdrucken nicht ähnlich dem Backen zu einem Pandemie-Trend geworden ist?

Aber vielleicht ist es das ja bzw. wird es das noch. Denn mein sehr digitaler Kollege Johannes Klingebiel hat in diesen Tagen auf die gleiche Technik zurückgegriffen: Er hat ein „Work in Progress“ genanntes Buch veröffentlicht – ausgedruckt auf Papier. Dass es Work in Progress heißt ist bei einem Ausdruck mit feiner Ironie zu lesen, denn anders als Pixel kann Papier nicht mehr verändert werden.

Hier kann man die Bücher bestellen:

> Gerald von Foris: „Ich hatte zwar eigentlich Lamm bestellt, aber kein Problem“

> Gerald von Foris: Schädel

> Johannes Klingebiel: Work in Progress

Kultur wird flüssig: das Beispiel „Sing Mine Song“

Was heißt das eigentlich, wenn wir sagen die Digitalisierung verändert die Kultur? Ich habe dazu im Jahr 2012 ein Buch begonnen, in dem ich beschrieben habe, „wie das Ablösen der Daten von ihrem Träger auch ihre Form verändert. Sie tauen dadurch auf, verflüssigen sich. Die Digitalisierung macht Kunst und Kultur zu Software – zumindest sollten wir sie, um die veränderten Bedingungen im Digitalen verstehen und nutzen zu können, wie Software denken. Wir sollten den Begriff der Version dem des abgeschlossenen Original-Werkstücks entgegenstellen.

Heute ist ein Projekt gestartet, das diese Idee der Verflüssigung und das Verhältnis von Version und Original perfekt auf den Punkt bringt. Es heißt Sing Mine Song und ist leider kaum googlebar, weil die Suchmaschine den Namen der Sängerin Mine in dem Zusammenhang nicht versteht (dies nur als Hinweis an die Intelligenz, die zwar künstlich sein mag, aber an einfachsten Wortspielen scheitert).

Mine stellt bei dem Projekt Lyrics, Cords und Noten ihres Songs „Unfall“ zur Verfügung bevor sie ihre eigene Interpretation des Songs veröffentlicht. Trotzdem sagt sie in dem Video „Mein neue Single ist draußen, aber der Song erscheint nicht wie sonst als Audio-Version“. Die wird nämlich erst am 29. Januar veröffentlicht. Bis dahin sind Zuhörer:innen aufgefordert, selbst aktiv zu werden:

Wie klingt mein neuer Song, wenn du ihn spielst? Das würde ich gerne wissen. Die Noten sind nur ein Anhaltspunkt. Verändere, wenn du Etwas verändern willst. Tonart, Voicings, Tempo & Rhythmik – Hauptsache man erkennt noch einigermaßen was auf dem Blatt steht.

Ich finde diesen Ansatz großartig, weil er Musik endlich in dem Sinne digital denkt, wie ich es in „Eine neue Version ist verfügbar“ versucht habe zu beschreiben: als Spiel der Versionen.

Mehr zu dem Projekt auf singminesong.de und auf Mines Instagram-, YouTube– und Twitter-Kanal