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Zeit für zivilen Ungehorsam: Greta Thunberg und The 1975

Was für ein Bild! Im Polaroid-Stil fotografiert von Jordan Curtis. Es zeigt Greta Thunberg an einer grauen Wand lehnend. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt. Eine Converse-Mashup-Kopie. „Antifa Allstars“ steht da. Schwarz auf weiß. In der Mitte ein schwarzer Stern. An Gretas Schulter lehnt ein junger Mann. Gelbes T-Shirt, strubbeliges Haar. Er wirkt fast kleiner als sie. Matty Healy ist Sänger, Gitarrist und Songschreiber der Band The 1975. Und alles auf diesem Bild ruft: Das hier ist Pop! Pop des Jahres 2019, aus dem Jahr, in dem das Klima politisch wurde. Dabei verströmt es – natürlich wegen der Polaroid-Ästhetik – die Aura eines augenblicklichen Klassikers.

Die Band The 1975 hat das Bild auf Instagram gepostet. Man kann es auf allen relevanten Musikportalen sehen – als Bebilderung für die Zusammenarbeit zwischen der schwedischen Klima-Aktivistin und der britischen Band. Denn diese ist in Wahrheit noch beeindruckender als das Bild (das aber nicht zu unterschätzen ist). Und das liegt nur oberflächlich daran, dass hier eine Zusammenarbeit im Sinne eines musikalischen Features vorliegt. Auch die These, dass Musik die Welt verändern kann, trifft in diesem Fall nicht unbedingt zu. Denn der Song ist im klassischen Sinn kein Song und er wird auch die Lücke der musikalischen Begleitung der „Fridays-for-Futures“-Bewegung nicht füllen. Diese Kooperation ist mehr und sie ist etwas anderes. Sie ist eben Pop des Jahres 2019.

Es ist eine Kollaboration, die die neuen digitalen Aufmerksamkeitsregeln des Musikbusiness erstmals bzw. erstmals so deutlich für politische Anliegen nutzt. Klar, wir haben in den vergangenen Monaten immer mal wieder darüber gesprochen wie der Entzug von Aufmerksamkeit als politisches Signal gewertet werden kann. Aber hier geht es ja um das genaue Gegenteil: Hier drängt ein politisches Thema in die Liste der Neuveröffentlichungen, die aktive Spotify-Nutzer*innen jeden Freitag augespielt bekommen. Im Release Radar gibt es in dieser Woche sehr direkte Politik, vorgestragen, in einem Song, der einzig aus einem politischen Appell von Greta Thunberg besteht. Zu sehr zurückgenommenen orchestralen Klängen spricht sie ihren Text ein. Das ist Pop, der auf Codes und Anspielungen fast vollständig verzichtet. Der Text, den Greta Thunberg spricht, ist eine klare politische Aufforderung. Keine Zwischentöne, keine Anspielungen, direkter politischer Appell.

Pop des Jahres 2019? In jedem Fall Politik im Jahr 2019.

Im Guardian analysiert Laura Snapes die Zusammenarbeit jedenfalls genau in diese Richtung

They may not be the world’s most commercially successful band, but – with their stylish aesthetic, unfiltered intimacy with fans and success with a post-genre mix of everything from soft rock to emo – they are one of the most mimicked, and so Thunberg’s message could spread far beyond their network. Spotify’s recommendation algorithms work by assigning thousands of intricate data points to every song, then using that data to link a track you already like, to another one you haven’t heard but would probably like as well.

Das klingt stimmig: die politische Aktivistin, die von den Popularität der Band profitiert. Aber spätestens, wenn man auf die Website kommt, die The 1975 zur ersten Single ihres neuen Albums geschaltet haben, kann man die Frage auch andersrum stellen: Ist das Werbung für eine politische Bewegung? Oder ist es nicht eher Werbung für die Band? Denn auf der Website steht nichts von Extention Rebellion, der Bewegung, der Greta Thunberg die Einnahmen spenden will. Auf der Website steht einzig ein Submit-Feld für die Mailingliste der Band. Damit man informiert werden kann, wenn im Frühjahr das neue Album erscheint. Auch das ist Pop der Gegenwart. Ein Newsletter.

Deutschland und das Internet

Es wird in diesem Land ja an unterschiedlichen Stellen darüber diskutiert, wie es passieren konnte, dass die Parteien offenbar den Draht (sic!) zu jungen Wählerinnen und Wähler verlieren konnten. Karin Janker und Sascha Lobo haben dazu in der SZ und bei SPON sehr lesenswerte Analyse vorgelegt, die beste Zusammenfassung für das Thema liefert der Präsident des FC Bayern. Ulrich Hoeneß hatte sich unlängst auf unglaubliche Weise über Jerome Boateng geäußert und wurde dann dafür auch im Internet kritisiert. Jetzt ist er gefragt worden, wie er das Echo einschätzt.

Seine Antwort ist erstaunlich, sie legt nämlich offen, welches Verhältnis wichtige Menschen Menschen, die sich für wichtig halten zum Internet haben. Hoeneß sagt:

Ich kenne überhaupt kein Echo, weil ich nie ins Internet gehe. Und es interessiert mich auch nicht, was da geschrieben wird. Die Leute sollen mir einen Brief schreiben, dann antworte ich schon drauf.

Mehr zum Thema im Newsletter-Text „Bewahren vs. Gestalten“

Generation Bewahren vs. Generation Gestalten (Digitale Mai-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Mai/Juni-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

Bedeutung. Am Ende geht es einzig und allein um unsere eigenen Bedeutung. Das jedenfalls sagt Jason Feifer in seinem Text „Warum ältere Menschen schon immer über jüngere Menschen schimpfen“, der zur Grundlage für die aktuelle Episode des Pessimists Archive-Podcast wurde, die auf deutsch „Die Jugend von heute“ heißen würde (und auf Twitter vermutlich #diesejungenleute). „Wir können nicht anerkennen, dass das Leben ohne uns weitergeht. Und statt den Lauf der Welt zu akzeptieren, geben wir einfach der kommenden Generation die Schuld.

Für Feifer liegt genau in dieser Angst vor der eigenen Sterblichkeit der Hauptgrund für das Hadern der Alten mit der Jugend – und zwar nicht nur mit der Jugend von heute, sondern auch mit jener von gestern, vorgestern und auch der davor. Er erkennnt ein wiederkehrendes Muster, das man Beschuldigungs-Vererbung nennen könnte. Stets auf Neue klagen dabei die Älteren über die Jüngeren: Weil es diesen an Anstand fehle oder an Wissen oder weil sie schlicht nicht so sind wie das Früher™️, an das sich mancher zu erinnern glaubt. In der Podcast-Folge kann man dazu ein kleines Ratespiel spielen, für das Feifer Jugend-Beschimpfungen aus mehreren Jahrhunderten zusammengetragen hat, die sich frapierend ähneln und deshalb kaum unterscheidbar sind. Als aktuell fallen die Beschimpfung dieser Tage nur deshalb auf, weil sie häufig von der angeblich unsachgemäßen Handy-Nutzung (Symbolbild: Unsplash) handeln. Davon abgesehen scheint es eine Art Ur-Misstrauen der Alten in Bezug auf das Neue zu geben. Umberto Eco spricht deshalb davon, dass es sich beim Hadern der Jugend von gestern über die Jugend von heute um eine Art wiederkehrenden Menschheitstraum handle.

Es ist dies kein besonders schöner Traum – und der abgelaufene Monat war für mich voll von Beispielen für diese Konfliktlinie zwischen den Generationen. Ich durfte (wie hier berichtet) auf Einladung des Goethe-Instituts in Seoul an einer Veranstaltung teilnehmen, die Generationenkonflikte in einem internationalen Kontext beleuchtete. Dabei lernte ich, dass z.B. auch in Korea greifbar wird, wie Alte und Junge sowie Junge und Alte aneinander vorbei reden – und sich dabei auf äußerst unschöne Weise beleidigen, wie man in diesem Text von Korea Expose nachlesen kann – dazu in der aktuellen Ausgabe von The Economist über den Begriff kkondae Und kaum war ich zurück, lieferte ein YouTube-Video den Beweis dafür, dass auch Deutschland diese Konflikte kennt: zwischen denen, die etabliert sind und jenen, die sich etwas herausnehmen, was anders ist und neu – und nicht selten als Angriff wahrgenommen wird. „Das gehört sich nicht“, sagen die Alten und sprechen von mangelnder Wertschätzung für die eigene Leistung. „Die machen nichts“, sagen die Jungen und sprechen von mangelndem Möglichkeitssinn und Gestaltungswillen.

Zur Europawahl gab es diesen Konflikt dann auch in handfesten Zahlen, die zeigen: Diejenigen Wähler*innen die erstmals wählten, entschieden sich grundlegend anders als jene, die schon häufiger an Wahlen teilnahmen. Konkret stimmten bei den Wähler*innen unter 30 Jahren mehr Menschen für die Grünen als für SPD, CDU/CSU und FDP zusammen. Das passt zu einer Analyse über die Kluft zwischen den Generationen, die Jagoda Marinic schon im vergangenen Jahr in der New York Times beschrieb. Bernd Ulrich diagnostizierte am Sonntag, diese Europawahl habe „eine so nie da gewesene Spaltung zwischen der jungen Generation und den Älteren bloßgelegt“, was durchaus an seine Prognose aus dem März erinnert, als er schrieb: „Wenn die Politik so weitermacht, dann läuft nicht nur Deutschland in einen Generationenkonflikt hinein, gegen den 68 ein Kindergeburtstag war. Damals ging es vor allem um die deutsche Vergangenheit (und den Krieg in Vietnam), heute geht es um die globale Zukunft.“

Das mögliche Ausmaß dieses Generationenkonflikts konnte man unlängst im Atlantic nachlesen, wo ein Professor und ein Student gemeinsam analysierten, „der Bruch zwischen den Generationen in der amerikanischen Politik wächst so stark, dass er wichtiger werden könnte als die Differenzen zwischen Klassen oder Hautfarben, die traditioneller Weise als Grundlage der Analyse dienen“. Auch Georg Diez, der den Text in der taz zitiert, argumentiert ähnlich. Er fordert: „Es wird sich mehr verändern müssen als nur die inhaltliche Debatte von Politik, ob im EU-Parlament oder im Deutschen Bundestag, so viel scheint klar. Die Schüler, die den Protest auf die Straße getragen haben, was zu zum Teil krassen und hässlichen Abwehrreaktionen von Teilen der Politik und der Medien geführt hat, die mehr darüber aussagen, wie verzweifelt hier um das eigene Überleben, sprich die eigene Karriere oder die Interessen, die dahinter stehen, gekämpft wird – die Schüler sind jedenfalls geprägt von einer anderen Welt, wie sie sie wahrnehmen, bedroht in ihrem Wesen, erschaffen durch die Technologien, die sie benutzen. Das verändert Theorie und Praxis von Politik, wie es etwa Fridays for Future zeigt. Es geht nun darum, die Demokratie in Europa für das digitale Zeitalter und eine andere Generation neu zu erfinden.“

Womit wir wieder bei der eingangs erwähnten Bedeutung sind. Denn noch deutlicher als am Lebensalter ist die Differenz an einer Frage erkennbar, die ich hier und hier schon mal gestellt habe: Kann es (noch) besser werden? Die Konfliktlinie des neuen Generationenstreits zwischen denen, die etwas zu verlieren und jenen, die etwas zu gewinnen haben, verläuft zwischen der „Generation Bewahren“ und der „Generation Gestalten“ – und das hat natürlich mit dem Alter zu tun, aber eben nicht nur. Es hat damit zu tun, ob man die von Feifer eingangs zitierte eigene Bedeutung aus der Vergangenheit begründet oder ob man Zukunft gestalten will. Das geht womöglich beides und auch zusammen, aber es ist eine Frage der Priorisierung. Jede und jeder muss sich die Frage stellen: Trage ich dazu bei, Hoffnung für eine bessere Zukunft wachsen zu lassen?

Darin liegt vielleicht ein Ansatz, den wiederkehrenden Traum des Generationenkonflikts zu beenden. Denn: „Die Kraft diesen Zirkel zu durchbrechen, liegt in unseren Händen“, ereifert Feifer sich in seinem Podcast. Schließlich haben wir Alten Älteren, ja schon mal bewiesen, dass die Generationen-Beschuldigung falsch war. Was die Alten Sehr Alten über uns sagten, war doch erkennbar falsch, also durchbrechen wir den Kreislauf und hören auf, auf die Jungen zu schimpfen – schlägt Feifer vor und kommt zu dem Schluss: „Wir sind nichts Besonderes. Wir sind lediglich die letzte Generation in einer ganzen Reihe.“ Wir sollten uns von dem Wunsch verabschieden, dass man sich an uns erinnert. „Wir sind genauso gut und genauso schlecht wie die vor uns – auch wie die, die nach uns kommen. Wir sind eingeklemmt zwischen zwei Generationen. Das Beste was wir daraus machen können: Wir sollten unsere Zeit klug nutzen und diejenigen unterstützen, die uns mal nachfolgen werden.“

Besonders schön ist dieser Vorsatz übrigens in einem Kinderbuch zusammengefasst, das ich auch in diesem Monat gelesen habe. Es stammt von Rebecca Solnit, von der ich einen hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft gelernt habe und die sich die Mühe gemacht hat, Aschenputtel in eine moderne Form zu bringen (Cinderella Liberator). Sie sagt, sie habe irgendwann gemerkt, dass es in der Geschichte gar nicht so sehr darum gehe, einen Prinzen zu heiraten, sondern viel mehr um die Verwandlung und die Transformation. Deshalb lässt sie die gute Fee in dem Buch an einer Stelle auch sagen, dass die wahre Magie darin liege, dazu beizutragen, dass jedes Ding sein bestes und möglichst freies Selbst entwickeln kann.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, dessen Mai-Ausgabe in den kommenden Tagen verschickt wird. Mehr zum Thema Generationenkonflikt gibt es auch in dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip – zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen“

„Die Oma ist irgendwann weg. Aber das Grundgesetz, das bleibt.“ Interview mit Oliver Wurm zum Grundgesetz als Magazin

Wie kommt man auf die Idee, das Grundgesetz ans Kiosk zu bringen? Diese Frage habe ich dem Journalisten und Mediengestalter Oliver Wurm gestellt. Im Bild rechts ist er gemeinsam mit dem Designer Andreas Volleritsch (links) zu sehen. Die beiden haben das Grundgesetz nicht nur zu einem sehr tollen Magazin gemacht, sie sind damit auch äußerst erfolgreich. Die 124 Seiten kosten 10 Euro – und ziemlich viele Menschen wollen sie kaufen. Es ist „ein Renner“ wie das Branchenmagazin Meedia schreibt – und das obwohl der Grundgesetz-Geburtstag erst im kommenden Monat ist.

Im nächsten Monat feiert unsere Verfassung 70sten Geburtstag. Wenn wir uns kurz vorstellen sie wäre ein Mensch: Wie wäre sie?
Bevor ich mich so intensiv mit den Texten des Grundgesetzes beschäftigt habe, hätte ich gesagt: Ein alter Mann, gebildet, konservativ, deutlich über 70. Heute fällt es mir schwer, ein stimmiges Bild zu finden. Sicher ist, dass der Mensch deutlich vitaler wäre als es sein Geburtsdatum vermuten läßt. Ob Frau oder Mann – schwer zu sagen. Sicher ist, dass er oder sie über eine erstaunliche Weisheit verfügt, über ein intaktes Wertesystem und über eine beeindruckende Fähigkeit: nämlich die, mit der Zeit zu gehen – ohne sich dabei zu sehr vom jeweiligen Zeitgeist treiben, geschweige denn beunruhigen zu lassen.

Und wie wäre ihr Geburtstagsfest? Welche Gäste würden kommen? Wer würde Reden halten? Was wären gute Geschenke?
Ich wünschte, es wäre eine rauschende Sommerparty in einem großen Garten – alle Tore zur Straße hin geöffnet. Es würde ein Kommen und Gehen herrschen. Mit Kindersause am Nachmittag, flying Buffet am frühen Abend, einem bunten, bissigem, kurzweiligen und überraschenden Unterhaltungsprogramm bis weit in die Nacht – und in den frühen Morgenstunden würde wild getanzt und ausgelassen geknutscht. Ich fürchte aber, es wäre eher die klassische lange Holztafel, mit geladenen Gästen, harmlosen Unterhaltungselementen und erwartbaren Gastrednern aus Wirtschaft, Kultur und Politik. Vorteil der zweiten Variante: An einem solchen Abend geht in der Regel nicht allzuviel kaputt. Nachteil der zweiten Variante: An einem solchen Abend entsteht in der Regel wenig Neues.


Für alle anderen, die in diesem Jahr 70 werden, gibt es ein perfektes Geschenk: Eure Magazinversion vom Grundgesetz. Du hast es bestimmt schon tausend Mal beantwortet, trotzdem: Wie kommt man auf so eine Idee?

Klingt etwas hochtrabend-meta, ist aber so: Die besten Ideen habe ich nie gesucht – die haben mich immer gefunden. Wenn ich mir aber eine Qualität zuschreiben darf, dann ist es diese: Ich erkenne besondere Ideen sehr schnell. Und sie lassen mich dann nicht mehr los. So war es auch hier. In wirklich aller Kürze zusammen gefasst: Im November 2017 schwärmt Rangar Yogeshwar bei „Markus Lanz“ über unsere Verfassung. Und sagt am Ende seiner Lobhudelei: „Das Grundgesetz ist die Nation. Es ist schön! Jeder sollte es mal lesen.“ Noch in der Sekunde habe ich mir eine Gratisausgabe im Netz bestellt, bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Die war wenige Tage später auch bereits im Briefkasten. Ein kleines Heftlein, dünnes Papier, winzige Schrift, keine Fotos, eine freudlose Bleiwüste. Ich hatte gar keine Lust, darin zu lesen. Habe dann aber einfach mal bei Artikel 1 eingefangen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Rumms! So klares deutsch. So ein schöner Satz. Und so geht es in den Grundrechten dann ja Schlag auf Schlag weiter. Nach wenigen Minuten wusste ich bereits: Rangar Yogeshwar hat Recht. Das müssen alle lesen! Ich entwickle seit vielen Jahren eher ungewöhnliche Print-Magazine, habe 2011 sogar mal den vollständigen Text des Neuen Testaments als Oneshot an den Kiosk gebracht. Kurzum: Der „Werkzeugkasten“, den es benötigt, um einen schwer konsumierbaren Text mit allen Mitteln der Typographie und des Designs in etwas zu verwandeln, in dem man gerne blättert, stöbert und liest – dieser Werkzeugkasten steht seit Jahren auf meinen Schreibtisch. Gemeinsam mit dem Designer Andreas Volleritsch habe ich dann mal darein gegriffen und das Ganze umgesetzt. Dem freudvollen Text eine freudvolle Verpackung verpasst. Und ich wusste schon nach wenigen Seiten: Das funktioniert!

Welche Stelle hat Dich bei der Beschäftigung mit dem Text für das Magazin am meisten überrascht?
Überrascht im Sinne von berührt hat mich tatsächlich Kapitel Xa, der „Verteidigungsfall“. Wenn da so nüchtern wie minutiös aufgelistet wird, was alles passiert und wie alles geregelt wird, sobald man feststellt, „dass das Bundesgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird“ – da hatte ich beim ersten Lesen Gänsehaut. Natürlich haben sich die Väter und Mütter des Grundgesetzes 1948/49, wenige Jahre nach Ende und unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs, damit intensiv beschäftigt. Und vermutlich, so weit gehe ich, hat kaum einer von ihnen zu hoffen gewagt, dass wir das dort beschlossene in den nächsten 70 Jahren nicht ein einziges mal würden nachlesen müssen. Und dass für Deutschland tatsächlich eintreffen sollte, was in der Präambel als Hoffnung formuliert ist: dass es „als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt“ dient. Mir ist jedenfalls noch mal klar geworden, welches Geschenk es ist, in einer Friedens-Epoche zu leben. Und wie lohnenswert es ist, alles daran zu setzen, dass dies so bleibt.

Ist das auch deine Lieblingsstelle aus dem Grundgesetz? Bzw.: Welches ist Deine Lieblingsstelle?
Ich könnte jetzt als Journalist Artikel 5 und die Freiheit der Presse nennen. Und – mit Blick auf das, was unseren KollegInnen zum Beispiel in der Türkei zuletzt an Repressalien begegnet ist, auch Artikel 97, die Richterliche Unabhängigkeit anführen. Auch jedes einzelne der 19 Grundrechte ist ganz wunderbar. Aber wenn ich nur einen Satz, nur einen Artikel nennen darf, dann natürlich Artikel 1. Hätte unser Grundgesetz nur diesen einen Satz – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – es wäre bereits ein großartiges Werk.

Gab es auch eine negative Überraschung beim Durcharbeiten des Grundgesetzes?
„Negative Überraschung“ trifft es nicht wirklich. Aber, so ehrlich muss man sein: In vielen Teilen ist die Verfassung dann doch auch ein sperriger, und schwer konsumierbarer Gesetzestext. Artikel 143b zur „Umwandlung der Deutschen Bundespost“ beispielsweise hat dann natürlich nicht mehr die Wirkmacht der großen Einstiegs-Artikel. Aber deshalb ist das, was wir getan haben, ja auch so sinnvoll. Wir bieten durch das Design die Möglichkeit, sich dem Grundgesetz häppchenweise zu nähern. Mal hier einzusteigen, mal dort zu blättern. Und auch gerne mal ein paar Kapitel zu überspringen.

Das Heft ist jetzt schon eine Weile draußen, welche Reaktionen haben Dich besonders gefreut?
Der allererste Anruf ist bis heute der schönste. Eine Dame aus Berlin, deutlich über 80 Jahre alt, aber hellwach im Kopf. Sie hatte von dem Projekt in der Zeitung gelesen, ist zum Kiosk gegangen und hat die dort liegenden zwei Hefte gekauft. Übers Internet hat sie dann meine Telefonnummer herausgefunden und sagte, sie brauche noch weitere sechs. An Weihnachten kämen ihre acht Enkel, und sie wolle jedem ein Magazin schenken. Ich könnte es nicht besser erfinden; sie sagte dann mit einem ganz und gar nicht traurigen Ton: „Wissen Sie: Die Oma ist irgendwann weg. Aber das Grundgesetz, das bleibt. Und das ist dann irgendwann einmal eine schöne Erinnerung an Oma.“ Wir hatten im Anschluss noch ein paar Mal Kontakt. Und an Weihnachten hat sie mir Fotos aufs Handy geschickt. Alle acht Enkelkinder mit dem Heft in der Hand. Mehr geht nicht. Da kommt dann selbst ein Brief von Wolfgang Kubicki und auch eine hymnische Besprechung von Heribert Prantl in der Süddeutschen nicht ran – so sehr ich mich vor allem über Letztere auch gefreut habe.

Jetzt mal unter uns: Das Heft verkauft sich super, wurde als Weihnachtsmärchen der Magazinbranche gelobt. Ist es aber wirklich der Beweis dafür, dass Print-Magazine – entgegen aller Unkenrufe – eine große Zukunft haben?
Unter uns? Nein. Von diesem Erfolg läßt sich allenfalls ableiten, dass man Dinge, von denen man überzeugt ist, auch einfach mal umsetzen muss. Ich bin von jeher lieber ein Optimist, der widerlegt wird, als ein Pessimist, der Recht behält. Wenn ich in einem großen Verlag vorgeschlagen hätte, dass ich gerne einen 70 Jahre alten Text, der überall kostenlos verfügbar ist, auf Papier drucken und für zehn Euro an den Kiosk legen würde – es hätte wohl nicht viele gegeben, die ernsthaft auch nur zwei Minuten darüber nachgedacht hätten…

Und was plant Ihr zum tatsächlichen Grundgesetz-Jubiläum im Mai?
Grundgesetze nachdrucken und verkaufen! Ich glaube ja tatsächlich, dass der bisherige Achtungserfolg nur ein Anfang ist. Rund um den 70. Geburtstag erhält das Projekt ja erst die volle Dröhnung Aufmerksamkeit. Da bin ich zu Gast in TV-Talkshows und Bestandteil nahezu jeder Print-Serie zum Grundgesetz. Ich möchte, dass die Schulen das Magazin entdecken. Dafür starten wir in der Woche des Geburtstags eine größere Geschichte auf Instagram. Ich möchte, dass Unternehmen es im großen Stil kaufen und es ihren MitarbeiterInnen schenken. Und ich möchte an den Kiosken und in den Buchhandlungen dauerhaft an den Kassen liegen, und in den Schaufenstern hängen. Das Grundgesetz ist immer Thema. So leicht und flockig sich das hier jetzt vielleicht auch liest: Bislang war dieses gesamte Projekt jeden Tag Steine klopfen. Weder die Vermarktung, noch der Vertrieb, noch die Verkäufe waren Selbstgänger. Ich habe mich auf allen Feldern über nun sechs Monate komplett aufgerieben. Mit dem höchsten persönlichen Einsatz – wirtschaftlich, physisch und mental. Mich hat in meinem gesamten Berufsleben noch nie das Gefühl beschlichen, ich hätte es nun aber wirklich mal verdient, dass ein Projekt an der Kasse zum Bestseller wird. Diesmal schon!

Hier kann man das Grundgesetz als Magazin bestellen Das Interview ist Bestandteil der meines Newsletters Digitale Notizen, in der April-Folge kann man nachlesen, warum ich mich mit dem Grundgesetz-Geburtstag befasse – und wie man ein Exemplare des Magazins gewinnen kann.

Wer nur am Rand hockt, braucht kein Wasser im Pool – vom Ende des freien Internet

Ist die Aufregung um den Urheberrechtskompromiss, der gestern in Brüssel ausgehandelt wurde, eigentlich berechtigt? Ist das freie Internet wirklich in Gefahr? Darüber wird gerade heftig gestritten und der Grund hat weniger mit dem etwas komplizierten juristischen Fachgebiet zu tun (zu dem ich btw. eine klare Meinung bereits vor Jahren geäußert habe: Wir brauchen Lösungen mit und nicht gegen die Kopie) als vielmehr mit der Frage, was eigentlich gemeint ist, wenn man vom „freien Internet“ spricht.

Es gibt da nämlich einen sehr bedeutsamen Unterschied in der Wahrnehmung, den man am besten mit dem Bild von einem Pool illustrieren kann (Foto: Unsplash): Dort gibt es schwimmende Menschen und solche, die nur am Rand sitzen. Beide mögen den Pool, aber Schwimmer*innen und Randsitzer*innen haben dennoch völlig unterschiedliche Wahrnehmungen dessen, was den Pool ausmacht. Die Frage, ob Wasser im Pool ist, spielt dabei nur für diejenigen eine Rolle, die auch reinspringen. Für sie ist es jedoch die zentrale Frage. Im Urheberrechtsstreit ist das Wasser das freie Internet. Der Pool verliert seinen Reiz, wenn er kein Wasser mehr hat. Wie soll man dann schwimmen? Menschen von der Randsitzer*innen-Fraktion verstehen diese Frage nicht, denn Wasser kennen sie kaum aus eigenem Erleben. Sie schwimmen nicht und sehen höchstens Mal die Wasserspritzer wenn einer der Schwimmer Arschbombe macht. Das ist dann vielleicht lustig, aber eine Ausnahme. Denn die Randsitzer*innen gehen nicht ins Wasser und verstehen deshalb auch nicht, warum die Schwimmer so einen Aufstand um das Wasser machen. Der Pool ist doch auch ohne Wasser schön – denken sie und wischen alle berechtigten Bedenken weg, die mit Uploadfiltern verbunden sind. Denn wer eh nichts hochlädt, kann sich vermutlich auch keine Probleme mit Uploadfiltern vorstellen.

Ich habe schon vor ein paar Jahren in einem SZ-Text über diesen digitalen Graben zwischen den aktiven und den passiven Internet-Nutzern geschrieben (hier kann man ihn nachlesen), doch jetzt droht dieser Unterschied zu einem Problem zu werden. Denn die Randsitzer haben ein Gesetz in Planung, das dazu führen könnte, dass das Wasser aus dem Pool verschwindet.

Simon Hurtz hat dazu gestern einen treffenden Kommentar geschrieben, der die zentralen Sorgen der Schwimmer*innen zusammenfasst, schon im Sommer hat Sascha Lobo auf den Punkt gebracht, dass der Glaube an „Erkennungsoftware“ den Verdacht nähert, dass hier jemand noch nie im Wasser war. Die Schwimmer*innen aller politischen Farben hingegen sind sich einig, dass Uploadfilter das Wasser im Pool bedrohen – und deshalb keine Lösung liefern.

Da sich im so genannten Trilog EU-Staaten, die Kommission und das Parlament gestern auf einen Kompromiss geeinigt haben, ist unwahrscheinlich, dass das Parlament, das darüber noch abstimmen wird, den Entwurf noch ablehnt. Es ist aber nicht unmöglich, darauf weist eine der Schwimmerinnen im EU-Parlament hin: Julia Reda hat heute einen Blogeintrag online gestellt, in dem sie beschreibt, was andere Schwimmer*innen jetzt tun können:

Die endgültige Abstimmung im Parlament findet nur wenige Wochen vor der Europawahl statt. Die meisten Abgeordneten – und jedenfalls sämtliche Parteien – würden gerne wiedergewählt werden. Die Artikel 11 und 13 werden dann fallen, wenn genug Wähler*innen sie zum Wahlkampfthema machen

Vielleicht besteht ein Ansatz für eine Lösung ja darin, die Randsitzer*innen mal zum Aufstehen zu bewegen und sie wie auf dem Bild oben an die Leiter am Pool zu begleiten. Wer dort steht, stellt schnell selber fest, dass es einen Unterschied macht, ob Wasser im Pool ist oder nicht wenn man gleich reinspringt!

Viel Spaß beim Schwimmen – so lange es noch geht

„Wir möchten Ungewissheit und einen offenen Umgang mit Fehlern normalisieren“

Anfang des Jahres las ich im US-Magazin vox.com einen Bericht über die Leipziger Forscherin Julia Rohrer. Brian Resnik schrieb darin, sie wolle einen radikal neuen Ansatz zum Umgang mit Fehlern in der Wissenschaft etablieren. Denn Julia Rohrer hat mit einigen Kolleg*innen das Projekt Loss of Confidence ins Leben gerufen – in dem es um Ungewissheit in der Wissenschaft geht. Als Shruggie-Autor fand ich das so spannend, dass ich Julia Rohrer einige Fragen zu dem Projekt mailte, bei dem Wissenschaftler*innen noch bis 31. Januar Einsendungen tätigen können. (Unsicherheit-Symbolbild: Unsplash)

Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit, man hat das Gefühl, Menschen suchen mehr als je nach Gewissheit. Warum starten Sie genau einer solchen Zeit so ein Projekt?
Wir als Forscherinnen und Forscher streben natürlich danach, robuste Einsichten und Erklärungen zu generieren. Insofern ist Gewissheit natürlich eines unserer Ziele, aber der Weg dorthin ist voller Unsicherheiten: Messen wir tatsächlich das, was uns interessiert? Lassen sich die beobachteten Zusammenhänge nicht auch auf Alternativerklärungen zurückführen? Haben unsere Methoden systematische Probleme, die verhindern, dass wir die richtigen Antworten finden? Dieses kritische Hinterfragen ist ein wichtiges Werkzeug, damit man sich nicht selbst zum Narren macht.

Daran soll das Projekt erinnern?

In den letzten Jahren hat sich in der Psychologie die sogennante Replikationskrise entfaltet. Beispielsweise sieht es so aus, als würde die Wiederholung des möglichst exakt gleichen Experiments in vielen Fällen andere Ergebnisse liefern — das hat doch einige Leute eher überrascht. Wir haben eine Forschungskultur aufgebaut, in der Forschungsergebnisse, die mit großer Gewissheit präsentiert werden, höher geschätzt werden. So langsam lernen wir, dass das die falschen Anreize für die Wissenschaft setzt: Forscher werden belohnt, wenn sie die vielen Unsicherheiten des wissenschaftlichen Prozesses einfach verschweigen oder wenn sie sich selbst davon überzeugen, dass ihre Ergebnisse wasserdicht sind. Solche Angewohnheiten machen es schwerer, Fehler zu korrigieren oder aus ihnen zu lernen. So zu tun, als wären wir uns mit allem immer ganz sicher und hätten eh immer Recht kann also den unangenehmen Nebeneffekt haben, dass wir am Ende weniger wissen (und nicht mal merken, wenn wir daneben liegen).
Die Idee des Loss-of-Confidence Projects ist es, dagegen zu steuern. Wir möchten Ungewissheit und einen offenen Umgang mit Fehlern normalisieren.

Warum ist es wichtig, Unsicherheiten öffentlich anzusprechen?
Für mich gibt es mehrere Gründe, warum gerade Wissenschaftler und andere Personen, die Wissenschaft kommunizieren, in der Pflicht stehen, auch die Unsicherheit in den Ergebnissen öffentlich anzusprechen.
Erstens ist es nach meinem Verständnis schlicht und ergreifend Teil des Jobs: Forschung wird oft öffentlich finanziert, und damit entsteht eine Verpflichtung, die Öffentlichkeit angemessen zu informieren — und wenn man vor allem neuere wissenschaftliche Ergebnisse präsentiert, dann gehört da praktisch immer eine gewisse Unsicherheit dazu.

Und der zweite Grund?
Zweitens sehe ich auch durchaus, dass eine übermäßig enthusiastische und unkritische Darstellung von Forschungsergebnissen auch langfristig negative Folgen haben kann. Das klassische Beispiel dafür sind bestimmte Bereiche der Ernährungswissenschaften, die oft viel Medienaufmerksamkeit bekommen – nur leider widersprechen sich die Ergebnisse. Den einen Monat schützt Kaffee vor Krebs, den nächsten Monat verursacht Kaffee Krebs. Zumindest mir scheint es plausibel, dass manche Leute da auf die Idee kommen, dass Forscher sich ja eh nicht einigen können und man sie deswegen auch getrost ignorieren kann. Das hat das Risiko, dass gut fundierte wissenschaftliche Empfehlungen ignoriert werden. Dabei gibt es ja bei einigen Themen einen soliden wissenschaftlichen Konsens! Unsicherheiten kommen in unterschiedlichen Ausprägungen vor und wir müssen sicherstellen, dass das angemessen kommuniziert wird.

Wen wollen Sie mit Ihrem Projekt ansprechen?
In unserem Projekten bitten wir im Moment explizit nur um Einreichungen aus der Psychologie. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass wir in dem Bereich die Expertise haben, um die eingereichten Statements richtig einschätzen zu können. Da aber die zugrundeliegende Frage – wie gehen wir damit um, wenn Wissenschaftler selbst ihren eigenen Ergebnissen nicht mehr trauen? – auch andere Felder betrifft, hoffen wir, dass das Projekt auch für Nicht-Psychologen interessant ist.

Haben Sie bereits Einsendung erhalten? Wovon handeln diese?
In der aktuellen Version des Manuskriptes finden sich sechs Einsendungen; nachdem wir es online gestellt hatten haben wir aber noch ein paar weitere erhalten. Die Einsendungen kommen aus ganz unterschiedlichen Teilfeldern der Psychologie und sie bringen auch ganz unterschiedliche Themen auf. Dazu gehören konzeptuelle Probleme mit dem Design von Studien, ungeeignete statistische Analysen, das Verschweigen von unpassenden Ergebnissen.

Was passiert mit den Einsendungen nach Abschluss des Projekts?
Wir haben Ende letzten Jahres ein vorläufiges Manuskript online gestellt und erneut Psychologen aufgefordert, zum Projekt beizutragen falls es sie anspricht. Ende Januar werden wir die „Datensammlung“ offiziell beenden, uns in Ruhe anschauen was wir zugeschickt bekommen haben und dann das Manuskript nochmal überarbeiten und es bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift einreichen. Dabei werden alle Autoren von Einsendungen auch Autoren des Manuskriptes: Es ist uns wichtig, anzuerkennen, dass es eine Selbstkorrektur auch ein wissenschaftlicher Beitrag ist, der geschätzt werden sollte.

Mehr über das Projekt unter lossofconfidence.com – ich interessiere mich für diesen Umgang mit Fehlern und Ungewissheiten, weil mein aktuelles Buch davon handelt: ¯\_(ツ)_/¯

Der Typ, der nie übt

Ich habe diese Woche etwas Neues gelernt: Unter den Menschen, die Robert Habeck mögen, gibt es erstaunlich viele, die Twitter und Facebook nicht mögen. Jedenfalls habe ich in den vergangenen Tage zahlreiche Leserbriefe von Menschen bekommen, die genau aus der genannten Präferenzlage heraus super finden, dass Habeck sich bei Twitter und Facebook abgemeldet hat. Denn sie selber verzichten ja schon immer auf diese Dienste, lassen sie mich wissen. Seine Entscheidung ist ihnen Bestätigung ihrer Ablehnung. Sie weckt die Hoffnung, dass es vielleicht doch eine Option ist, nicht mitzumachen. Dass Habeck weiterhin auf Instagram (aktiv?) ist, bemerken sie dabei nicht.

Sie kritisieren mich, weil ich Anfang der Woche bei der SZ kommentierte, dass Habecks Schritt persönlich vielleicht nachvollziehbar, politisch aber ein sehr falsches Zeichen ist.

Nun kann man völlig zurecht argumentieren, dass diese Entscheidung des Grünen-Chefs ohnehin schon zuviel Aufmerksamkeit bekommt und man sich doch endlich wieder relevanteren Themen zuwenden sollte. Doch das ist eine zweite Erkenntnis dieser Woche: Es gibt erstaunlich viele Menschen, bei denen diese Debatte rund um Social-Media etwas auslöst. Es gibt Gesprächsbedarf in diesem Land.

Diese allgemeine Aufmerksamkeit nutzte Schlecky Silberstein, der Habecks Schritt lobte und ein Twitter-Verbot für Abgeordnete forderte. Deutschlandfunk-Kultur verfiel auf diese Provokation und rief mich heute Mittag an, um den Vorschlag zu sprechen.

Das ist deshalb erwähnenswert, weil entweder die Musikredaktion oder ein sehr schlauer Algorithmus nach dem Gespräch einen Song spielt, der meiner Einschätzung nach das Problem perfekt auf den Punkt bringt: „Der Typ, der nicht übt“ von Niels Frevert handelt zwar inhaltlich nicht von Twitter oder Facebook. Der Titel fasst aber zusammen, was mich stört: dass Habeck nicht lernt und weitermacht, sondern ernsthaft glaubt, dass Löschen eine Lösung sein. Denn: „Es gibt an den sozialen Netzwerken Dinge zu kritisieren, die man auf politischer Ebene dringend angehen sollte“, habe ich heute Mittag im Gespräch mit Max Oppel geantwortet: „Die Frage, wie mit Hasskommentaren dort umgegangen wird. Die Frage, wie man reguliert, dass sie sich der Steuerpflicht entziehen, dass sie den Datenschutz unterwandern. Das sind wichtige politische Fragen. Die werden wir aber nicht lösen, indem wir sagen: „Sehr gut, Herr Habeck hat seinen Account gelöscht.“ Damit wird das Problem ja nicht gelöst. Damit suggeriert man, es gebe eine einfache Lösung für die sehr komplizierte Regulierung von Social-Media-Plattformen.“ (Symbolbild fürs Wegschauen: unsplash)

Das Lied ist aber auch deshalb toll, weil es im vollständigen Titel in Klammern etwas ergänzt, was man auch zu dieser etwas länglichen Debatte ergänzen sollte

Worum es wirklich geht

Es geht darum, dass Social Media eine Herausforderung ist. Keiner hat gesagt, dass es leicht wird mit diesen vielen neuen Dingen. Aber ich glaube, wir müssen uns dem stellen und hinzulernen, wie man die neuen Medien gut nutzt. „Wir kommen nicht umhin“, schrieb ich Anfang der Woche, „uns den Problemen zu stellen – und den immer neuen Versuch zu unternehmen, sie zu lösen. Dabei werden Fehler passieren, wie sie Habeck passiert sind. Lösungen findet aber nur derjenige, der bereit ist, auch weiterhin Fehler zu machen. Diese Bereitschaft scheint Habeck verloren zu haben.“

Das ist deshalb schade, weil ich Ende der Woche gelesen habe, wer in Sachen Medienkompetenz offenbar besonderen Nachholbedarf hat: Nicht diese vermeintlich problematischen jungen Leute, sondern Menschen über 65 Jahre. Die Typen, die nie nicht mehr üben. Denn: „Nutzer im Alter von 65 Jahren oder älter teilen „fast sieben Mal mehr“ Artikel von Falschmeldungen verbreitenden Internetadressen als 18- bis 29-Jährige, wie aus einer Studie der Universitäten Princeton und New York hervorgeht“, schrieb der Faktenfinder der Tagesschau und ergänzte: „Die Autoren begründeten das Ergebnis mit der mangelnden digitalen Medienkompetenz älterer Menschen.“

Vielleicht ein ganz gutes Ergebnis der ganzen Debatte: Wir sollten allesamt mehr üben und bereit sein aus Fehlern zu lernen!

Lob des Großraumbüros: Leben wir es als Lesesaal!

Bei Zeit-Online gibt es ein spannendes Interview mit David Heinemeier Hansson von Basecamp. Mit Jason Fried hat er gerade das Buch „It Doesn’t Have to Be Crazy at Work“ geschrieben, darüber spricht er in dem Interview. Von den beiden stammen auch die Bücher Rework und Remote und auch das aktuelle Buch scheint lesenswert zu sein (Grundthese: Arbeit ist nicht dann gut, wenn sie an die Substanz geht). Und doch muss ich dem Reflex nachgeben, einen Widerspruch-Blogpost zu dem Interview zu schreiben.

Denn DHH sagt in dem Interview diesen einen Satz, mit dem man auf billigste Weise Zuspruch in jedem Büro der Welt bekommen kann – und den ich dennoch für falsch halte:

Ein riesiger, offener Raum ist ein fürchterlicher Ort, um konzentriert zu arbeiten.

Das klingt irgendwie gut – und doch: Ich habe in diesem Jahr an keinem Ort so konzentriert gearbeitet wie in einem riesigen, offenen Raum in Anwesenheit von sehr vielen Menschen um mich herum. Als ich zu Beginn des Jahres für die Gebrauchsanweisung für das Internet recherchiert habe, habe ich stundenlang im Lesesaal der Bayerischen Staatsbibliothek gearbeitet – in völliger Ruhe und hoher Konzentration. Denn obwohl Menschen sich anstellen mussten, um einen freien Platz in dem riesigen Raum zu bekommen, galt dort eine sehr einfach Regel: Nicht sprechen, wir sind in einem Großraumbüro einer Bibliothek (Foto: Robert Bye on Unsplash)

Wann immer irgendwer über einen Großraum schimpft, muss ich an diese Stunden der Konzentration denken. Denn räumlich unterscheidet sich ein Lesesaal in der Bibliothek nicht von einem Großraumbüro. Der Unterschied ist ein sozialer. Es gelten andere Regeln. Regeln, die nicht die Architektur vorgibt, sondern der Arbeitsmodus: Der Lesesaal ist ein Büro, das einem klaren Zweck gewidmet ist – dem konzentrierten Arbeiten.

Büros, die Menschen auf die Nerven gehen und so sind, wie DHH sie beschreibt, können groß oder klein sein. Ihnen fehlt stets die klare Ausrichtung auf eine Tätigkeit. Wir denken Büros als Räume, die man für alle unterschiedliche Tätigkeiten nutzt, die im Büroalltag so anfallen. Das ist das Bild des 20sten Jahrhunderts, wir gehen in ein Büro, setzen uns hin und machen alles an diesem einen Ort: Telefonieren, Besprechen, Lesen, Schreiben, konzentriert arbeiten.

Das muss schief gehen – völlig unabhängig von der Anzahl der anwesenden Personen. Es braucht Regeln – und ich glaube, dass ausgerechnet ein sehr großer Raum, nämlich der Lesesaal, vormacht wie diese umgesetzt werden. Wenn hier einer telefoniert, stört er alle anderen. Also sollte er das Telefonat in einem sehr kleinen Raum führen. Gleiches gilt für Gespräche und Meetings.

DHH erklärt das im Verlauf des Interviews auch sehr anschaulich. Er beschreibt die störende Kraft von Chatsystemen wie Slack (die man nur durch Regeln zähmen kann) und gibt dann den Ratschlag:

Wenn Sie sehen, dass Ihre Kollegin in die Arbeit vertieft ist, lassen Sie sie in Ruhe. Fast alles kann warten und Sie können in der Zwischenzeit an einer anderen Sache arbeiten und sie zwei Stunden später fragen.

Was er damit meint: wir brauchen soziale Konventionen um ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Und erstaunlicher Weise können wir diese Konventionen in Großraumbüros besonders gut begründen. Dabei gilt die Faustregel: Je größer der Raum ist umso kleiner muss die Anzahl an Gesprächen und umso geringer muss die Lautstärke im Raum sein. Und daraus ergibt sich die zweite Anforderung: Es braucht Raum für Gespräche, Besprechungen und Lautstärke. Großraumbüros sollten diesen Raum nicht bieten!

Journalismus mit der Unterstützung von philanthropic supporters

Ich habe drei spannende Lesetipps – und eine Frage, die die drei Links verbindet. Auch wenn die Hinweise inhaltlich wenig miteinander verbindet:

Es geht zum ersten um einen Beitrag vom US-Medium Vox, das mir dieser Tage in die Timeline gespült wurde. Ein Listicle mit dem Titel 23 charts and maps that show the world is getting much, much better

Zum zweiten geht es um die Serie Touchstones des US-Magazins New Yorker, in der Kritiker*innen des Magazins Meilensteine der Musikgeschichte vorstellen, die auch ihr eigenes Leben prägten. Drei Beiträge – zu Janet Jackson, Missy Elliot und Nirvana – sind diese Woche veröffentlicht worden. Die Serie soll noch weitergehen.

Auch der dritte Beitrag ist eine Serie, die dieser Woche gestartet worden. Sie heißt Amazon Diaries und der Guardian lässt darin eine anonyme Quelle aus dem Inneren von Amazon berichten lässt.

Was die drei Beiträge verbindet, ist ein kleiner Hinweis, der sich sowohl bei Vox als auch beim New Yorker und beim Guardian neben der Autorenzeile findet: „Supported by“ bzw. „Made possible by“ steht da und dann folgt ein Name, der offenbar dafür gesorgt hat, dass dieser Beitrag erscheint.

Bei Vox ist es im Fall der Liste die Rockefeller Foundation, die laut Wikipedia „von John D. Rockefeller gegründet mit dem Zweck gegründet wurde, das „Wohl der Menschheit auf der ganzen Welt“ zu fördern.“ Die Touchstones-Serie im New Yorker ist „supported“ vom Juwelier Tiffany & Co. Das steht unter der Autorenzeile, allerdings ohne Verlinkung oder weitere Information. Anders beim Guardian: Die Amazon Diaries werden unterstützt worden von der Fordfoundation, deren Ziel es ist, Berichte über Ungleichheit in den USA zu fördern. So steht es auf einer Seite, die der Guardian ins Netz gestellt hat, um seine philantrophischen Unterstützer vorzustellen. Dort steht:

The Guardian, like many news organisations around the world, is working to find new ways to fund our journalism to ensure we can continue to produce quality, independent journalism in the public interest. Increasing philanthropic support for our independent journalism helps fund impactful Guardian reporting on important topics such as modern-day slavery, women’s rights, climate change, migration and inequality.

Darunter folgt eine Liste von Stiftungen, die den Guardian in dieser Arbeit unterstützen – auf zwei Wegen: Einerseits über die Nonprofit-Organisation theguardian.org, die von der Muttergesellschaft Scott Trust gegründet wurde „to support quality independent journalism about some of the most pressing issues of our time.“ Der zweite Weg um als Philanthropic supporter tätig zu werden, ist der „Guardian Civic Journalism Trust“, den die australische Ausgabe des Guardian mit der Centre for Advancing Journalism der Uni Melbourne im März 2018 gegründet hat. Abgeschlossen wird die Seite von dieser Erklärung:

The underlying premise of all philanthropic support for the Guardian is that it is for editorial priorities that have already been identified by Guardian editors. Throughout the process of securing philanthropic support, the Guardian’s philanthropy editors and other senior editors confer about its suitability and the editor-in-chief has the final say on whether a funding opportunity is approved.

Um diese Unabhängigkeit im Falle der Amazon Diaries sicher zu stellen, gibt es beim Guardian die Position des Special Series Editor: Alastair Gee soll persönlich dafür sorgen, dass der Satz stimmt, der auf der Erklärseite zur Serie steht: “ All content is editorially independent“.

Womit wir bei meiner im ersten Satz angekündigten Frage sind: Ist das glaubwürdig?

Denn womöglich sind diese drei Beispiele in Wahrheit nicht vergleichbar – weil sie für sehr unterschiedliche Enden des „supported by“-Journalismus stehen. Aber mindestens beim Guardian steckt eine hohe Offenheit und ein erstaunlicher Aufwand dahinter, zu beschreiben, was „supported by“ bedeutet. Wird der dahinter liegende Journalismus dadurch schlechter? Nehmen die Medien durch solche Projekte Schaden? Oder ist es nicht vielmehr so, dass diese Ansätze dafür sorgen, dass guter Journalismus in schwierigen Zeiten eine Zukunft hat?

Ich bin unsicher, deshalb würde mich deine Meinung interessieren!

Shruggie des Monats: Das Mitgliedschaftsmodell des Guardian

Der Shruggie des Monats ist eine von meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ inspirierte Rubrik meines monatlichen Newsletters (den man hier kostenlos bestellen kann). Darin beschreibe ich Personen, Ideen und Begebenheiten, die mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen – dem ¯\_(ツ)_/¯.

Umsonstkultur. Wann immer über Geschäftsmodelle im digitalen Raum gesprochen wird, taucht das Wort auf: Die Umsonstkultur des Internet wird dann stets als Problem beschrieben. Sie sei Geburtsfehler und auf jeden Fall schuld an den aktuellen Herausforderungen, die das Internet uns bringt. Mir ist aufgefallen, dass ich schon 2009 hier im Blog über den Mythos vom Geburtsfehler geschrieben habe. Und schon damals wollte ich dem Wort Umsonstkultur nicht glauben.

Dieser Tage habe ich ein Zitat gelesen, das vor dem Hintergrund der Umsonstkultur eine besondere Kraft entwickelt: „Die Annahme, nur weil der Guardian seine Inhalte kostenfrei in Netz stellt, könne man die Leserschaft nicht von dem Wert überzeugen, für den sie auch bereits sind zu bezahlen, hat sich als falsch erwiesen.“
Das Zitat stammt von Anna Bateson, sie ist beim Guardian für das zuständig ist, was Menschen, die das Wort Umsonstkultur mögen, Paid Content nennen würden. Beim Guardian wäre der passende Job-Titel eigentlich „Chief Supporter Officer“ gewesen, erzählt sie in diesem Interview. Da das aber merkwürdig klingt, wählte man den Titel „Chief Customer Officer“ als die Stelle 2017 für sie geschaffen wurde. Bateson war vorher bei Google beschäftigt – als „Director of Global Consumer Marketing“ bei der Videoplattform YouTube.

Und als sie zum Guardian wechselte, schaute sie sich an, wie Wohltätigkeitsorganisationen und politische Bewegungen organisiert sind. Denn für Bateson geht es nicht in erster Linie darum, Inhalte eines Medienhauses zu verkaufen. Sie bittet vielmehr um Unterstützung für eine globale Bewegung. So beschreibt sie ihren Job, der sich auf die Kunst des Bittens stützt, die Amanda Palmer schon 2013 beschrieben hat (wobei Art of Asking natürlich besser und vielschichtiger klingt). In jedem Fall liegt genau in diesem Unterschied zwischen Abo und Mitgliedschaft ein Grund dafür, warum Menschen (wie z.B. auch ich) den Guardian finanziell unterstützen – und zwar nicht obwohl er seine Inhalte frei ins Netz stellt, sondern gerade weil er das tut.

Das klingt zunächst unlogisch, begründet sich aber auf der Besonderheit des Digitalen und ist aus beiden Gründen die perfekte Situation für den Shruggie des Monats ¯\_(ツ)_/¯

Inhalte können im Netz identisch dupliziert werden, sie zu teilen ist eine Grundidee des Web (Man kann nicht nicht kopieren). Der Guardian hat darauf reagiert und einen Weg eingeschlagen, auf dessen Straßenschild im Englischen Donation steht. Es einzig mit Spende zu übersetzen, würde aber zu kurz greifen. Es geht vielmehr um eine Mitgliedschaft, die sich auf mehr begründet als auf den Zugang zum Inhalt. Es geht um Teilhabe und um die persönliche Antwort auf die Frage: Auf welcher Seite stehst du?

Vermutlich lässt sich darin am besten der Unterschied zwischen einem Abo- und einem Mitgliedschaftsmodell fassen. Dazu twitterte diese Woche Rob Wjinberg, Gründer der niederländischen Plattform The Correspondent, einige spannende Gedanken:

Let’s be clear on what we see as the core difference between subscription and membership. Subscribers pay money to get a product (i.e. access to a site). Members join your (journalistic) cause. How do you get people to “join a journalistic cause”? Well, a good start is: hire journalists who are deeply engaged with and care about their subject of expertise. And then: allow them to *express* their deeply felt convictions in all kinds of ways. (…) we ask our correspondents to write *a mission statement*. That’s right. We have them write down why they are so passionate about their subject matter, how they hope to inspire you to care too, and what they hope to find out once they start their research.

Ein journalistisches Mission Statement!? Wer hat so etwas? Wer hat (für sich oder andere) aufgeschrieben, warum sie sich für dieses oder jenes Thema begeistern? Wie sie die Leserschaft inspirieren und dafür gewinnen wollen, sich auch für das Thema zu interessieren? Und was sie hoffen herauszufinden, wenn sie sich diesem Thema widmen? Die Antworten bilden den Kern dessen, was Wjinberg „your journalistic cause“ nennt. Beim Guardian haben wir auf ganz großer Bühne gesehen, was dies im Fall Snowden bedeuten kann, De Correspondent beweist, dass es auch auf kleinerer Bühne funktionieren kann.

Ich habe hier im Blog immer wieder auf diese andere Perspektive auf das Thema Leserfinanzierung hingewiesen. Als ich dann aber diese Woche den Text las, aus dem das obige Zitat von Anne Bateson stammt, hatte ich das Gefühl: Das ist keine theoretische Spinnerei, sondern handfeste Geschäftsgrundlage für die weltweite Medienmarke The Guardian.

¯\_(ツ)_/¯

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle – er hatte auch einen Podcast namens „Was würde der Shruggie tun?“