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Telebier – ein Interview mit Worterfinder Timo Hetzel

Treffen sich Freund*innen auf ein Bier obwohl sie nicht an einem Ort sind – was sich bis vor kurzem wie ein schlechter Witz anhörte, ist in Zeiten des Kontaktverbots wegen Corona-Gefahr zu einem neuen sozialen Erlebnis geworden. Die New York Times berichtet von Zoom-Partys und das Wall Street Journal vermeldet, dass die Happy Hour jetzt online stattfindet. (Unsplash-Symbolbild: Zwei Biere gemeinsam am Strand)

Timo Hetzel (den ich persönlich schon seit einer Weile kenne) hat für die digitale Verabredung auf einen Drink den Begriff „Telebier“ erfunden. In seinem Podcast Bitsundso (ab etwa Minute 18) hat er den Begriff vorgeschlagen, um Situationen zu beschreiben, in denen Menschen das tun, was offenbar gerade in neuer Trend wird: Sich in einem Videochat verabredet und gemeinsam etwas trinken – halt räumlich getrennt, aber sozial verbunden. Ich habe Timo ein paar Fragen zum Thema Telebier gemailt – er hat mir mit einem Teleprost seine Antworten geschickt.

Neue Situationen erfordern neue Begriffe. Erzähl mal, wie du auf den Begriff „Telebier“ gekommen bist?
Bei der aktuellen Diskussion um Home Office, Work from Home etc. hatte ich noch im Hinterkopf, dass diese Überlegungen schon recht alt sind, und tatsächlich bis in die 1980er Jahre zurückreichen. In den USA lag der Fokus auf der Vermeidung der langen Arbeitswege, daher war das Stichwort damals dort „telecommuting“, also Telependeln. Inzwischen habe ich das auch noch nachgelesen: In Deutschland war schon zu Telex-Zeiten die Rede von der Telearbeit, z.B. für Datenerfassung über ein Terminal. Tatsächlich ist daraus damals wenig geworden, aber der Begriff stand zumindest. Die heutigen Bezeichnungen für Videotelefonie, -Meetings oder -Chat treffen den Punkt für den Privatgebrauch nicht ganz. FaceTime von Apple betont zumindest im Namen den Kern: Sich auch über die Entfernung Gesicht zu Gesicht nahe zu sein.

Kennst du andere internationele Begriffe für „Gemeinsam im Video auf ein Getränk“-Treffen? bzw. welche Optionen hätte es noch gegeben?
Nicht speziell dafür, aber es gibt natürlich eine Unmenge an Tools, um Menschen auch mit Distanz gemeinsam Freizeitaktivitäten wahrnehmen zu lassen. Ein Beispiel: Netflix Party, um einen gemeinsamen Videoabend zu koordinieren.
Es gibt ja größere Videokonferenzsysteme, bei denen mehrere Bildschirme die vierte Wand eines Konferenzraums bilden und damit die Distanz überbrücken. Zu Hause lässt sich das mit einem Laptop, dem Fernseher und ein paar Funkkopfhörern auch leicht nachbilden. Binge-Skypen rollt auch nicht so schön von der Zunge wie ein Telebier.

Bist du selber regelmäßiger Telebier-Trinker?
Nur ab und an im Podcast, nachdem ich zur Zeit nicht einmal die Podcastkollegen aus der Region München persönlich im Studio treffen kann. Abgesehen davon leben ja zwei Kollegen sowieso in Wiesbaden und Helsinki, vielleicht sollten wir das auch außerhalb der Sendung mal machen.

Du nimmst regelmäßig einen sehr erfolgreichen Podcast auf – häufiger auch mit Telebier, oder? Habt Ihr den Begriff vorher schon mal genutzt?
Bei der Sprechkabine testen wir öfters ein ausgefallenes Bier oder zünden uns einen Friesengeist an, jetzt eben in getrennten Sprechkabinen.
Bei Bits und so (bitsundso.de) eher weniger, dort haben wir uns bisher aber immer wieder „Care“-Pakete mit mehr oder weniger leckeren Speisen und Getränken zukommen lassen, weil wir uns alle ansonsten nur ein- oder zweimal im Jahr sehen. Manchmal schicken uns auch unsere Hörer regionale Spezialitäten zu.

Der Begriff ist eine schöne Veränderung durch die Krise. Siehst du noch andere?
Wenn ich eine Chance in der Krise sehen soll, dann ist es die, dass in mehr Bereichen die Vorzüge der Digitalisierung in Betracht gezogen werden. Home Office oder Telearbeit würde vielen Arbeitnehmern größere Flexibilität verleihen, wir könnten den Verkehr reduzieren, Firmen könnten Kosten für Immobilien sparen, Menschen könnten auf dem Land leben und in der Stadt telearbeiten. Die Grundvoraussetzung dafür natürlich sind leistungsfähige Datennetze, und da steht Deutschland leider nach Jahrzehnten von Korruption und Misregulation ganz schlecht da. Es braucht ein Recht auf Internetzugang, bis zum letzten Kaff, und zwar ungedrosselt, symmetrisch und netzneutral. Vielleicht kommt das mit der Krise auch bei mehr Entscheidern an, dass das Internet nicht
nur ein Einwegrohr von Netflix bis zur Glotze ist, sondern in beiden Richtungen funktioniert.

Wird Telebier auch nach der Krise bleiben?
Edward Snowden rollt ab und an mit einem Telepresence-Roboter über irgendwelche Veranstaltungen, weil er das mit dem Social Distancing schon eine Weile praktizieren muss. Das ist sicherlich nicht das Ziel, aber wenn es die Umstände eben anders nicht erlauben, kann man sich auch auf die Entfernung mit Freunden treffen. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt: Telepizza, Telegrillen, Teleburger.

Abschlussfrage: Glaubst Du, dass Brauereien oder Kneipen von der Idee Telebier profitieren könnten?
Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden wohl die wildesten Vorstellungen sprengen, und ich hoffe, dass sich gerade auch die lokalen Geschäfte, Kneipen und kleinen Brauereien durch die Krise retten können. Vor Kurzem habe ich die Landbierzentrale in Germering entdeckt, die schon lange ausdrücklich kleine Brauereien im Vertrieb unterstützt.
Ich habe auch gesehen, dass einige kleinere und größere Brauereien spontan Lieferdienste eingerichtet oder ausgebaut haben, z.B. das noch sehr junge Brauhaus Germering (brauhaus-germering.eu) oder Schremser in Wien.

Das Thema Home-Office und 🦠Corona-Krise hat sich zu einem kleinen Schwerpunkt im Blog in diesem Monat entwickelt – unter dem a href=“http://www.dirkvongehlen.de/Tag/corona/“>🦠Schlagwort gibt es noch mehr Artikel

Corona-Krise

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Volkshochschule im Internet: Interview mit Christof Schulz über Livestreaming

Als ich im vergangenen Dezember auf Einladung der Volkshochschule Ottobrunn zu einem Vortrag im dortigen Rathaus auftrat, war ich einigermaßen erstaunt, wie selbstverständlich und souverän dort der Vortrag ins Netz gestreamt wurde. Geschäftsführer Christof Schulz und sein Team setzten dort schon vor der Corona-Krise in die Tat um, was jetzt ein großes Thema ist: die digitale Übertragung von Veranstaltungen (Foto: unsplash).

Am heutigen Montag abend darf ich auf Einladung der VHS wieder im Livestream sprechen. Es geht um Kommunikation in Krisen-Zeiten. Mit meinem Kollegen Klaus Ott habe ich dazu zehn Ratschläge in die SZ geschrieben – und hier im Blog auch schon zur Panikvermeidung in Corona-Zeiten geschrieben.

Hier kann man sich den Stream anschauen!
Vorab habe ich dem Geschäftsführer der VHS Südost, Christof Schulz, ein paar Fragen zum Thema Stream und Internet gemailt.

Live-Streams von Veranstaltungen sind gerade ein großes Thema. Sie machen das an der VHS Ottobrun schon seit einer Weile. Wie kam es dazu, dass Sie schon früh mit dem Thema begonnen haben?
Volkshochschulen sind Einrichtungen mit einem recht begrenzten regionalen Markt. Kooperation gibt es natürlich, aber die Idee jenseits aller regionalen Grenzen zusammenarbeiten zu können und damit Angebote und Inhalte für alle deutschsprachigen Bildungseinrichtungen letzlich in der ganzen Welt anbieten zu können, das hat uns gereizt. Dazu kommt, dass uns die digitale Teilhabe für alle an der vhs SüdOst sehr wichtig ist. Da schien es uns naheliegend unser Programm durch die neuen Möglichkeiten zu erweitern, unseren TeilnehmerInnen diese Möglichkeiten zu vermitteln und auch barrierefreier zu werden. Vorträge und Diskussionen können jetzt vom Sofa aus besucht werden, kein Stress mehr, um pünktlich ab 19.30 Uhr nach Arbeitstag oder Familienversorgung noch in die vhs zu hetzten.

Wie lösen Sie das Streaming technisch?
Eigentlich ganz einfach, wir nutzen die Software zoom und je nach Anlass 1-2 Kameras und etwas Tontechnik. Mittlerweile haben wir das gut im Griff und schaffen Auf- und Abbau in nicht einmal 40 Minuten.

Welche Erfahrungen haben Sie kulturell bisher gemacht, also: Wie reagieren Ihre Gäste auf das Streaming-Angebot?
Die Reaktionen sind überwiegend sehr sehr positiv. Seit der Corona-Pandemie geradezu begeistert.
Ich glaube für einige vhs-TeilnehmerInnen war es bis vor kurzem schon ein kleines Abenteuer die technischen Hürden zu überwinden und es hat sich ein enstprechender Stolz geszeigt, wenn sie dann nicht nur zusehen, sondern sich auch noch über den Chat beteiligen konnten. Insbesondere das Zusammenwirken von Präsenz- und Online-Publikum zu einer gemeinsamen Diskussion kommt auch gut an. Da war ich mir anfangs nicht so sicher, denn für die TeilnehmerInnen vor Ort ist der „weg“ zum Referenten natürlich viel kürzer als für die Teilnehmer, die sich nur über einen Chat beteiligen können und dann die Frage noch von einem Moderator stellvertretend gestellt werden muss. Klappt aber bis jetzt sehr gut.
Ein Erfolgsrezept ist es auch, dass wir alle unsere Livestreams auch anderen zur Verfügung stellen, so können Fachleute und Referenten über die örtlichen Einrichtungen gebucht werden, auf die so mache Einrichtung ansonsten keinen „Zugriff“ hätte. Das wissen viele TeilnehmerInnen zu schätzen.

Was war die bisher beste und was die negativste Erfahrung?
Die beste Erfahrung war bisher zu sehen, dass eigentlich von Semester zu Semester die Zuschauerzahlen gestiegen sind und wir letzte Woche – natürlich bedingt duch die Corona-Pandemie – mindestens 350 ZuscherInnen hatten. Das war bewegend zu sehen, wie schnell die Beitritte in den Online-Raum nach oben geschnellt sind. Auch das überwältigend positive Feedback und die Dankbarkeit der ZuschauerInnen war toll.

Und negative Erfahrungen?
Richtig negativ war bis jetzt nichts, evtl. die Tatsache, dass die Abhängigkeit von der Technik nochmal eine Stufe deutlicher ausfällt und wir die Netzqualität nicht kontrollieren können. In physischen Räumen sind die meisten Probleme schnell zu lösen, wenn jemand einfach nicht reinkommt oder die Netzqualität nicht reicht, dann können wir nichts machen.

Welche Lehren würden Sie Menschen weitergeben, die jetzt mit Streams beginnen wollen?
Technik und insbesondere Zutritt für die TeilnehmerInnen so einfach wie möglich halten.
Immer die technische Seite mitdenken und auf entsprechende Fragen und Hilfestellungen vorbereitet sein.
ReferentInnen immer vorab informieren und vorbereiten, Kameras sind manchmal gewöhnungsbedürftig und es ist extrem wichtig das Publikum außerhalb des Raums mitzudenken.
Ein Livestream sind im Prinzip zwei Veranstaltungen auf einmal, da braucht man auch zwei Personen zur Betreuung, alleine ist man schnell überfordert.

Nutzen Sie selbst als Zuschauer Streams? Haben Sie da einen Tipp?
Dafür habe ich leider nur wenig Zeit, im Moment vergeht kaum ein Abend, an dem ich nicht die Livekonzerte von Igor Levit verfolge. Ich bin zwar nicht der Klassikfan aber die Streams sind sehr emotional und lebendig, wirklich wunderschön. Und es ist so einfach dabei zu sein, dass es fast wie eine persönliche Einladung ins Wohnzimmer wirkt.

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Glück auf! Wir sind nicht allein (Digitale April-Notizen)

Dieser Text ist der etwas ungewöhnliche Teil der April-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann. Er steht in diesem Monat unter dem Eindruck der 🦠Corona-Ausnahmesituation.

Ich komme gebürtig aus dem Ruhrgebiet. Das finde ich ziemlich gut. Auch wenn Menschen von woanders nicht sofort auf „ziemlich gut“ kommen, wenn sie aufs Ruhrgebiet angesprochen werden. Das ist aber das Problem von woanders.

Trotzdem gibt es nur wenig, was mir unangenehmer ist, als Ruhrpottkitsch, also die Romantisierung von Dingen, die man für irgendwie „typisch“ hält – für die aber meist gilt, was Frank Goosen völlig zurecht auf den Punkt gebracht hat als: „Woanders ist auch scheiße“.

Besonders anfällig für Ruhrpottkitsch sind alle Dinge, die mit dem Bergbau zusammenhängen (Foto: feinster 🦠Ruhrpottkitsch aus der Schalke-Arena, wo 60.000 Menschen das Steigerlied singen, das mit „Glück auf, der Steiger kommt“ beginnt). Ehrlich gesagt hätte ich bis vor wenigen Tagen sogar zugestimmt, wenn jemand gesagt hätte, dass jede Anspielung auf den Bergbau voller Ruhrpottkitsch steckt. Dass ich mittlerweile eine Ausnahme für den Gruß Glück auf! machen würde, hängt mit der Ausnahmesituation zusammen, in der die Gesellschaft durch das Coronavirus und seine Folgen steckt.

Mit Glück auf! grüßten sich Bergleute unter Tage, also in den Kohlestollen tief unter der Erde. Glück auf! war Selbstbeschwörung und Wunsch für die anderen gleichmaßen. Glück auf! war Ausdruck der gemeinsamen Hoffnung, bald wieder „nach oben“ zu kommen: also sicher und gesund die beklemmende Enge in den Stollen zu verlassen, in der man nicht mal die Arme ausstrecken geschweige denn aufrecht stehen konnte. Kauern Sie sich bis zum Ende dieser Lektüre einfach mal auf den Boden, dann können Sie verstehen, was für eine Befreiung in diesem Gruss steckt: Glück auf! war das gegenseitige Versprechen von Sonne und Licht in der tiefen Dunkelheit.

Sie können wieder aufstehen. Denn Glück auf! ist vor allem noch heute der freundlichste Ausdruck gegenseitiger Wertschätzung, die leider viel zu oft in der Augenhöhe-Floskel verhunzt wird. Mit jedem Glück auf! wird greifbar, dass hier zwei ein Schicksal teilen. Es sagt: „Wir stecken hier fest – aber zusammen.“ In jedem Glück auf! klingt deshalb immer sehr deutlich das Versprechen: Wir sind nicht allein!

„We are in it together“ ist das dominierende Gefühl, das ich mit der aktuellen Ausnahmesituation verbinde. Wir stecken alle zusammen hier fest. Und mit wir meine ich die tatsächlich nichts weniger als „die Menschheit“. All die Grenzen, die man uns hinsozialisiert hat, sind plötzlich wertlos: Dem Virus ist egal, woran der Kopf auf dem Körper glaubt, den es infiziert. Auch die Hautfarbe, das Geschlecht, das Gewicht, die Größe und all die anderen Dinge, von denen wir glauben, dass sie uns irgendwie bestimmen, spielen für das Virus keine Rolle. Sprache? Nationalität? Politische oder sexuelle Präferenzen? Für das Virus: alle gleich!

Noch vorsichtiger als mit Ruhrpottkitsch sollte man mit Botschaften sein, die man irgendwo rauslesen will. Aber hier muss man nicht mal genau hingucken um zu erkennen: All die Spaltungen der vergangenen Jahre sind mit einem unachtsamen Husten neben die Ellenbeuge hinfällig. All die Nationalisten und religiösen Fanatiker, die daran glaubten, etwas Besseres zu sein, verlieren ihre Grundlage. Im Angesicht des Virus spielt es keine Rolle, was du zu Thema x meinst oder ob du womöglich (Skandal!11!!!) anderer Meinung bist als ich.

Ich markiere mir genau diese Erinnerung in Pocket (oder einem anderen Readit-Later-Dienst) um wieder dran zu denken, wenn demnächst irgendeine Umweltsau durchs Dorf gejagt wird. Denn ich glaube fest daran, dass wir diese beklemmende Enge der Corona-Ausnahmesituation irgendwann wieder verlassen können. Und wenn wir dann wieder über Tage sind, will ich mich genau daran erinnern können – und ein wenig wie das Virus auf all die Konflikte und Spaltungen gucken: Sind halt alles Menschen!

Als kleine Erinnerung daran verwende ich deshalb den Gruß Glück auf! wenn ich Menschen in räumlicher (nicht sozialer) Distanz signalisieren will: „Wir stecken hier fest – aber zusammen.“
Das ist so ähnlich wie das freundliche Bleiben Sie gesund!, das ich in diesen unruhigen Tagen immer wieder höre – und das mich jedes Mal kurz zucken lässt. Diese drei Worte wecken bei mir stets den Eindruck, Gesundheit sei etwas, das man sich vornehmen kann, das davon abhängt, dass man es aktiv tut. Klar, es gibt einige Regeln für die aktuelle Corona-Lage, die im Sinne der Gesundheit verbreitet werden. Aber grundsätzlich zeigt die aktuelle Situation doch vor allem das: Gesundheit ist nichts, was man sich vornehmen kann.

Der Wunsch besagt natürlich viel mehr. Er sagt: Kommen Sie gut durch diese Zeit. Er ist ein Ausdruck von Empathie und Freundlichkeit. Und er ist auch deshalb so erstaunlich, weil man ihn in Zusammenhängen hört, wo bisher weniger Platz war für Empathie und Freundlichkeit. Deshalb denke ich mir bei jedem Bleiben Sie gesund! immer ein kleines Bleiben Sie menschlich! hinten dran. Weil das für mich einschließt, dass man daheim bleibt, auch wenn man selber nicht zur Risikogruppe zählt. Weil es daran erinnert, dass man anderen hilft, dass man nur soviel kauft wie man selber braucht und keine unsinnige Gerüchte verbreitet.

Bleiben Sie menschlich, bleiben Sie gesund – das beides und noch einiges mehr steckt in dem Gruß, den ich mit diesem Newsletter verschicken will: Glück auf! ist in diesen dunklen, engen Tagen ein Versprechen von Licht, Weite und Menschlichkeit!

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loading spezial: Die Startnext Corona Hilfsaktion

„Spenden und Crowdfunding für alle vom Shutdown Betroffenen“ steht auf der Support-Seite, die die Crowdfunding-Plattform Startnext gerade freigeschaltet hat. Die deutschen Crowdfunding-Expert*innen reagieren damit auf die bedrohlichen Folgen der Corona-Lage für freischaffende Künstler*innen (die auch hier schon Thema war).

Denis Bartelt, Co-Founder und CEO von Startnext, hat dazu den loading-Fragebogen ausgefüllt – und erklärt, wie die Kreativwirtschaft hier unkompliziert und schnell Hilfe kriegen kann

Was macht Ihr?
Startnext ist eine Crowdfunding-Plattform, auf der Kreative und Gründer*innen Projekte für eine bessere Zukunft durch viele Unterstützer*innen finanzieren können. Ein normales Crowdfunding funktioniert jedoch nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip und ist deshalb nur erfolgreich, wenn der Zielbetrag innerhalb der Kampagne eingesammelt wurde. Mit der Corona Krise und vor allem den derzeitigen „Shutdowns“ (Schließung von Kultureinrichtungen, Lokalen, Clubs, Museen usw.) hat sich die Lage jedoch verändert, denn jetzt ist Soforthilfe für die vom Shutdown betroffenen Kreativen und Gründer*innen erforderlich. Wie bieten deshalb mit unserer „Startnext Corona Hilfsaktion“ Unterstützung an, die es ermöglichen soll innerhalb von wenigen Stunden mit einer Kampagne online zu gehen. So können wir vom Startnext-Team und unsere Crowd helfen. Das ist ein Hack, der auch ein Teil unserer eigenen Regeln aushebelt.

Ganz konkret bieten wir an:

> Die Transaktionskosten von 4% komplett selbst zu übernehmen (unser Startnext Hilfsfonds)

Hürden abzubauen:

> Das Alles-oder-Nichts-Prinzip gilt für diese Projekte nicht (jeder Euro wird ausgezahlt!)
> Es ist kein Pitchvideo verpflichtend
> Es sind keine Gegenleistungen verpflichtend

Die Starter*innen bewerben sich mit dem Projekt auf unserer Page und werden dadurch sofort bei unserer Projektbetreuung sichtbar und können bearbeitet werden. So können wir innerhalb weniger Stunden gut vorbereitete Kampagnen freischalten. Üblich sind sonst etwa 3 Tage. Wir haben das Betreuungsteam fast rund um die Uhr im Einsatz. Auch die beiden Gründer helfen hier mit.

Warum macht Ihr es (so)?
Wir glauben an die Power der Crowd und sehen hier großes Potenzial darin, dass Fans Künstler, dass Nachbarn Lokale und Kultureinrichtungen in ihrem Kiez, ihrer Stadt schützen wollen. Mit vielen kleinen Beträgen können hier schon erste Sorgen genommen werden. Wir wissen, dass vor allem in der Kreativwirtschaft viele Jobs unsicher oder prekär sind, Gründer*innen hohe Risiken eingehen, die oft zuerst an der eigenen Existenz kratzen. Mit den Hilfsprojekten glauben wir, ist es möglich die ersten negativen Auswirkungen etwas abzuschwächen und Ängste zu nehmen.

Wie haben unsere eigenen Regeln, die sonst für die Qualität einer Kampagne sorgen sollen, außer Kraft gesetzt, weil jetzt vor allem Zeit ein wichtiger Faktor ist. Die Geldempfänger werden von uns dennoch geprüft und vollständig legitimiert, damit klar ist, an wen das Geld wirklich geht.

Die Transaktionsgebühren übernehmen wir, als kleine Soforthilfe von Startnext, solange uns dies selbst nicht ruiniert.

Wer soll sich dafür interessieren?
Uns geht es zunächst um die Kreativwirtschaft, Künstler, Clubs, Kneipen, Theater, Freelancer, Coaches, Veranstalter usw. die jetzt direkt durch die verordneten Shutdowns Ausfälle zu verzeichnen haben. Auch Fans und Nachbarn können Projekte anlegen, um zu Helfen. Unser Wirkungskreis ist die DACH-Region, Liechtenstein, Belgien und Südtirol. Projekte aus diesen Regionen können sich bewerben und starten.

Wie geht es weiter?
Wir sprechen gerade mit vielen Kooperationspartnern, um unseren Fonds zu vergrößern oder ggf. weitere Fonds aufzusetzen, mit denen die Unterstützung der Crowd gematched werden kann. Wir wollen finanzielle Mittel unserer Partner und der Crowd so gut es geht in diese Kampagnen lenken, transparent machen und auch Mut machen dafür, dass wir das als Gemeinschaft hinbekommen. Startnext ist mit 1,34 Millionen Nutzer*innen eine riesige Community mit großem Potenzial zu helfen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Uns ist wichtig, dass sich alle Menschen vor Augen halten, wie wichtig kulturelles Leben und soziales Miteinander für uns Menschen sind. Spätestens wenn wir alle für einige Wochen in unseren Wohnungen bleiben, wird dies vielen Menschen sehr viel klarer und bewusster. „Stell dir vor, wie treten in fünf Wochen vor die Tür, es ist Frühling, die Corona Welle ist unter Kontrolle aber Kultureinrichtungen und Kneipen die du liebst, haben es nicht geschafft.“ Es trifft jetzt vor allem diese teils fragilen Strukturen, abseits von Tarifverträgen, sozialer Absicherung und stabilen Einnahmen. Der Staat hilft zuerst den großen Strukturen, weil dies sehr unkompliziert möglich ist. Wir helfen mit unserer Crowd denen, die mutig sind, neues wagen und das Leben lebenswerter machen. Jetzt geht es darum Existenzen zu sichern, Kultur zu erhalten und auch neues zu probieren. Wir finanzieren uns dabei nach dem gleichen Prinzip durch ein freiwilliges Bezahlmodell, jeden Monat neu, durch Crowdfunding. Wir sehen, dass unsere Gesellschaft hinter allem „zeigenössischen Konsumverhalten“ doch voller Menschlichkeit steckt. Wenn wir dieses Potenzial durch die Corona Krise sichtbarmachen und verstärken können, dann ist das auch eine echte Chance. Dafür arbeitet das Startnext Team auch jetzt aus dem Homeoffice mit voller Motivation.

>>> Hier geht es direkt zur Startnext-Corona-Hilfsaktion

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Gegen die Corona-Panik

Als ich diesen Text Anfang März anlegte, war die Corona-Lage noch vergleichsweise entspannt. Mittlerweile hat sich nicht nur die medizinische Situation verändert. Auch der Umgang mit dem Virus hat eine andere Phase erreicht. Deshalb hier Hinweise auf Projekte, die nach diesem Text entstanden:

– eine Podcast-Folge über Falschmeldungen und Gerüchte
– ein SZ-Text mit 10 Ratschlägen gegen Gerüchte
– ein Live-Format mit der VHS Südost zum Thema Kommunikation in der Krise – hier kann man den Stream im Re-Live anschauen.

Medienkompetenz, darin sind sich alle schnell einig, ist eine wichtige Fähigkeit, die Schülerinnen und Schüler dringend lernen müssen. Dass Medienkompetenz aber auch von den Menschen erlernt werden muss, die gar nicht mehr in eine Schule gehen, zeigen die vergangenen Tage und der mediale Umgang mit dem so genannten Corona-Virus.

Mein Kollege Patrick Illinger hat in der SZ aufgeschrieben, warum der Umgang mit dem Erreger so kompliziert ist und ist dabei zu dem Schluss gekommen: „Panik wäre jetzt jedenfalls die falsche Reaktion, auch wenn die Fallzahlen steigen. Schon frühere Epidemien haben gezeigt, dass übersteigerte Angst fataler sein kann als das Virus.“

Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, ein Update für die Seite #gegendiepanik zu verfassen – und uns daran zu erinnern, dass jede und jeder dazu beitragen kann, ob sich eine virale Form der Hysterie verbreitet. Denn auch dein persönliches Verhalten ist dazu angetan, deine Mitmenschen anzustecken – mit Panik und irrationalen Reaktionen. Das gilt in so genannten Breaking-News-Situationen (wie bei dem Terror-Anschlag am OEZ) genauso wie im aktuellen Umgang mit dem Corona-Virus. Das, was du postest und weiterleitest kann andere in Panik versetzen (Foto: unsplash). Es ist deshalb ratsam, vorher darüber nachzudenken – wie man sich verhält.

Hier sieben ganz unmedizinische Hinweise (wer es medizinischer mag: Hier ein Text gegen die Panik)

1. Ich bin mir bewusst, dass eine von mir verbreitete Information gerade bei Freunden als verlässlich wahrgenommen wird. Dieser Verantwortung meinen Freunden gegenüber versuche ich gerade in unübersichtlichen Situationen wie dem Corona-Fall gerecht zu werden – und poste deshalb nicht unüberlegt und aus reiner Angst heraus.

2. Bevor ich etwas veröffentliche oder an meine Freunde schicke, atme ich dreimal tief durch – und suche mindestens zwei verlässliche Quellen für die Informationen. Es gibt in solchen Situationen immer wieder Betrüger, die bewusste falsche Informationen verbreiten – wie die WhatsApp-Botschaft ab nächster Woche würden Geschäfte nur noch zwei Stunden öffnen. Das stimmt nicht.

3. Ich verbreite keine Gerüchte! Ich halte mich nur an bestätigte Informationen und versuche mich von Spekulationen fernzuhalten. Deshalb halte ich mich an offizielle Stellen, an seriöse Medien und verifizierte Accounts! Twitter weist zum Beispiel unter dem Hashtag #coronovirus ganz oben auf den Account der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hin.

4. Ich bin mir bewusst, dass derartige Nachrichtenlagen Betrüger anziehen, die mit Absicht Fotomontagen und bewusste Lügen verbreiten. Die Falschmeldung, Daniel Radcliffe sei erkrankt, ist ein abschreckendes Beispiel dafür. Ich unterstütze dies nicht durch unvorsichtiges Weiterverbreiten – auch nicht um sie zu widerlegen oder ihnen zu widersprechen. Das ist das Ziel dieser Form der Betrügerei: die aktuelle Aufmerksamkeit für ihre Interessen zu nutzen.

5. Ich hüte mich davor, sofort Problemlösungen zu verbreiten. Ich kenne den Reflex des „kommentierenden Sofortismus“ (Bernhard Poerksen) und folge ihm nicht. Ich verbreite keine einseitigen Schuldzuweisungen und gebe diesen auch durch Retweets und Zitate keine Bühne. Dies gilt besonders für Rassismus, der sich durch das Virus zeigt.

6. Egal wie schlimm die Situation sich anfühlen mag, ich werde nicht in Panik verfallen und selber dazu beitragen, dass noch mehr Menschen in Angst überreagieren. Ich versuche durch mein eigenes Verhalten Social-Media-Gelassenheit zu verbreiten.

7. Dazu zählt auch, dass ich mich zunächst an die Ratschläge der offiziellen Stellen halte und mich dort informiere, welches Verhalten angemessen ist. Panik zählt nicht dazu.

Hintergrund zu dem ursprünglichen Text gibt es hier

Das Thema 🦠Corona-Krise hat sich zu einem kleinen Schwerpunkt im Blog in diesem Monat entwickelt – unter dem 🦠Schlagwort gibt es noch mehr Artikel