Der Spabiergang gegen Corona: Ein Lob aufs Parkbier

Dieser Artikel basiert auf einer rein persönlichen statistischen Erhebung: Seit Wochen beobachte ich Menschen dabei, wie sie sich zu Zweier-Spaziergängen im Park verabreden und dort mit Glasflaschen in der Hand und im Corona-Abstand spazierend Gespräche führen. Ich nenne diese Freiluft-Variante des Telebiers, die beide hygienekompatible Arten des Austauschs sind, Parkbier, habe aber auch die Variante SpaBIERgang schon gehört. Und das hier ist ein Lob des Parkbiers!

In einer Krise kann es ein guter Perspektiv-Wechsel sein, sich vorzustellen, die Krise sei vorbei und man schaue vom Ende auf die schwierige Zeit. Wenn man genau dies im Rahmen des aktuellen Corona-Lockdowns tut, fällt etwas auf, was ich als Äquivalent zum Telebier interpretiere: das Parkbier! Nach Corona werden wir uns daran erinnern, dass uns erstmals und in großem Stil das hier einfiel: Menschen treffen sich zu zweit zum gemeinsamen Spaziergang mit Getränken in Mehrweg-Glasflaschen*. Sie verbringen Zeit miteinander, aber mit Abstand. Ich nenne diese Form des Austauschs auf Abstand Parkbier und möchte hiermit vorschlagen: Die Bundesregierung sollte Parkbiere fördern.

Zunächst ist das Parkbier nämlich eine Corona-konforme Art des Austauschs und sollte deshalb gefördert werden (Foto: unsplash). Dann steckt im Parkbier aber auch Potenzial für die Branchen, die sonst vom gemeinsamen Biertrinken leben. Wie wäre es, wenn man das Pfand von Bierflaschen nutzt, um für jede im Park getrunkene Flasche der Gastronomie im Umfeld Geld zu spenden? So würde auch das Problem des Leerguts gelöst, das sich seit Wochen auf Mülleimern im Park sammelt.

Mein konkreter Vorschlag geht so: Wir brauchen Bierautomaten am Ein- und Ausgang von Parks. Dort können nicht nur frische Getränke erworben werden (streng begrenzt!), hier kann auch das Leergut zurückgegeben werden. Bands, Künstler:innen und Designer:innen könnten sich mit Brauereien zusammentun und spezielle Parkbier-Etiketten fertigen, die in streng limitierter Auflage ausgegeben werden. Vielleicht findet sich auch wer, der für jede im Park getrunkene Flasche einen Euro aufs Pfand drauflegt um die Kunst- und Kreativ-Wirtschaft zu unterstützen, zu der die Spabiergänger:innen ohne Corona ihren Bierdurst getragen hätten.

Hier sind viele Ansätze denkbar. Auch Konzertveranstalter, die sonst Rock, Pop oder Punk im Park veranstalten, könnten einbezogen werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass hier gesellschaftliches Potenzial liegt und wünsche mir deshalb eine (dem Park-Run vergleichbare) Parkbier-Bewegung. Deshalb habe ich die Domain parkbier.de reserviert und fordere alle verantwortungsvollen Spabiergänger:innen auf, ihren Besuch im Park mit dem Hashtag #parkbier auf Instagram zu versehen – als Zeichen für die verbindende Grundhaltung: Wir lassen uns von Corona nicht unterkriegen! Wir bleiben vernünftig und auf Abstand und trinken unser Parkbier wenn es sein muss auch allein. Aber in jedem Fall bleiben wir gut gelaunt!

*Bier wird hier für jegliche Form Kaltgetränk verwendet. Es kann auch alkoholfrei oder koffeinhaltig sein.