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Shruggie des Monats: Der E-Scooter (als Symbol für den Umgang mit dem Neuen)

Der Shruggie des Monats ist eine von meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ inspirierte Rubrik meines monatlichen Newsletters (den man hier kostenlos bestellen kann). Darin beschreibe ich Personen, Ideen und Begebenheiten, die mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen – dem ¯\_(ツ)_/¯.

Haben Sie eine Meinung zu E-Scootern? Vermutlich schon. Denn wer sich in den vergangenen Wochen in urbanen Umfeldern bewegte, hatte mehr Kontakt zu Ansichten, Urteilen und Einschätzungen zu den neuen Elektrofahrzeugen als zu den E-Scootern selber. Denn zum Neuen haben wir im Wortsinn ausgesprochen gern eine Meinung. Meinung ist das beste Mittel gegen die verstörende Ratlosigkeit, die sich breit macht, wenn das Neue auf die Bildfläche tritt. Meinung immunisiert gegen die Verwirrung, gegen den Moment, in dem nicht alles erklär- und sortierbar ist. Dieser Moment dehnt sich gerade unter unseren Füßen aus, er nimmt an Größe und Bedeutung zu. Doch statt Meinungsfreizeit zu nehmen, reagieren immer mehr Menschen auf die Verstörung mit noch mehr Meinung. Und die E-Scooter illustrieren das besonders schön.

Wenn ich Sie frage, ob Sie auch eine Meinung zu Autos haben, wäre ich mir bei der Antwort nicht mehr ganz so sicher. Denn Autos waren ja schon immer da, die gehören doch dazu. Die normative Kraft des Faktischen ist groß. Was da ist, wenn wir geboren werden, halten wir für normal. Keine Verstörung, weniger Meinung – und vor allem weniger Panik.

Heute habe ich gelesen, dass der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vor E-Scootern warnt: „E-Tretroller sollten komplett verboten werden“, sagt er. Denn: „“Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten. Aus unfallchirurgischer Sicht sind E-Tretroller eine Katastrophe.“

Vielleicht hat der Mann Recht. Ich wurde nur stutzig, als ich einen Klick neben seiner Warnung die Meldung las, dass bei der unsachgemäßen Nutzung eines schweren Geländewagens in Berlin am Freitag vier Menschen ihre Leben verloren. Was wäre in diesem Land los, wenn der 42-jährige Fahrer nicht mit einem SUV, sondern mit einem E-Scooter vier Menschen tot gefahren hätte? Welche Forderungen würden wir dann von Ärzten hören?

An der Antwort auf diese Fragen kann man ablesen, dass Meinungen deutlich davon gefärbt sind, für wie normal eine Technologie gehalten wird. Und Autos waren ja irgendwie immer schon da. Der Twitter-Nutzer seitvertreib kam unlängst auf die Idee, in all den Meldungen und Warnungen über die E-Scooter einfach den Begriff zu tauschen*:

Denkt man diesen Ansatz einen Schritt weiter, kommt man zu der Frage: Was wäre eigentlich, wenn jemand heutzutage Autos erfinden würde? Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen jemand eine Technologie vorschlägt, die Menschen Mobilität verspricht – dafür aber 3275 Menschen im Jahr 2018 das Leben kostet?

Trotzdem halten wir Autos und LKW im Straßenverkehr für normal. Der Verkehrsminister kommt seit Jahren damit durch, dass jährlich mehr Radfahrer*innen im Straßenverkehr ihr Leben lassen. Im ersten Halbjahr 2019 ist deren Zahl um 11,3 Prozent gestiegen. In der zugehörigen Meldung werden dafür zwei Hauptgründe genannt: „Die untergeordnete Rolle, die die Verkehrspolitik der Infrastruktur für das Fahrrad zuweist und die fehlende passive Sicherheit der Räder. Erst Innovationen wie Bremsassistenten, Schleuderverhinderer und Sicherheitsfeatures wie Sicherheitsgurt und Airbag haben den Auto-Verkehr sicherer gemacht.

Wer sich aber Innovationen wünscht, sollte an einem anderen Verhältnis zum Neuen arbeiten – vielleicht mit etwas mehr ¯\_(ツ)_/¯

* @heibie weist mich gerade darauf hin, dass Daniela Becker die Idee schon vorher hatte

Die aktuelle Folge von Pessimists Archive befasst sich übrigens auch mit genau diesem Thema!

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle. Wer mehr über das Web und das Internet lernen will, kann dies in meinem Buch „Gebrauchsanweisung für das Internet“ tun.

loading: Radentscheid München

München soll für Radler schöner und sicherer werden – heißt es im Crowdfunding-Video vom Radentscheid München. Dafür wollen die Radfahrer*innen demonstrieren: auf der 1. Münchner-Rad-Ring-Demo am Sonntag in der bayerischen Landeshauptstadt. Die Kosten für die rollende Demo sollen unter anderem mit einer Crowdfunding-Kampagne auf Startnext gedeckt werden.

Eva Heidenfelder hat gemeinsam mit Sofie Langmeier die Crowdfunding-Kampagne organisiert und beantwortet hier den loading-Fragebogen.

Was macht ihr?
Seit Ende März sammeln viele fleißige und passionierte Radlerinnen und Radler Unterschriften für ein Bürgerbegehren, das die Situation für Radelnde in München sicherer und angenehmer machen soll. Dafür braucht es beispielsweise breitere Radwege, die klar gekennzeichnet sind oder mehr Abstellmöglichkeiten. Ein weiteres Begehren fordert einen geschlossenen Radring um die Altstadt, da besonders in der Innenstadt die Situation für Radlerinnen und Radler ausbaufähig ist. Und natürlich spielt auch eine große Rolle, dass Radeln ökologischer und ökonomischer ist. Initiiert wurde das Begehren von Bündnis 90 Grüne München, ödp, Die Linke, Bund Naturschutz, ADFC München und Green City. Die Motivation hinter dem Begehren: Der Slogan „Radlhauptstadt“ soll endlich mit Leben erfüllt und München eine Vorbildstadt in punkto Radverkehr für die ganze Region werden. Denn bislang gab es von Seiten der Stadtoberen aus unserer Sicht nur Lippenbekenntnisse. Mindestens 35.000 Unterschriften braucht jedes der beiden Begehren, damit der Stadtrat sich damit befasst. Bis diesen Sonntag, 30. Juni sammeln wir noch die Unterschriften und es sieht gut aus, dass wir das nötige Quorum erreichen. Wie beim Volksbegehren für Artenvielfalt heißt es jedoch auch hier: Jede Stimme zählt! Um unseren Ideen noch einmal Gewicht zu verleihen, wollen wir am 30. Juni zum Ende der Sammelfrist zu Tausenden mit dem Radl auf den Mittleren Ring – dort, wo sonst nur Autos fahren dürfen. Die 1. Münchner-Rad-Ring-Demo kostet aber natürlich viel Geld, wir rechnen mit etwa 10.000 Euro für Bühne, Banner und Musik.

Warum macht ihr es (so)?
Ich bin seit April Mitglied im AK Fundraising, wo zähe Kollegen bereits einige Großspenden für uns sammeln konnten und wir haben auch auf vielen Veranstaltungen rund um den Radentscheid gesammelt, wo viele in ihren Möglichkeiten sehr großzügig waren. Da waren aber vor allem immer wieder die gleichen Unterstützerinnen und Unterstützer und wir haben überlegt, wie wir noch viel mehr Leute erreichen können, die vielleicht auch noch gar nichts vom Radentscheid und der Ring-Demo wissen, obwohl sie uns unterstützen würden. Ich selbst bin viel im Netz unterwegs und spende auch regelmäßig an Crowdfunding-Kampagnen für gemeinnützige Zwecke. Und meiner Erfahrung nach funktioniert das bekannte afrikanische Sprichwort „Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ gerade beim Crowdfunding super. Wir haben uns allerdings gegen betterplace entschieden, weil dort keine Dankeschöns verteilt werden konnten. Und wir wollten unseren Unterstützerinnen und Unterstützern gerne eine kleine Anerkennung zukommen lassen :-)

Wie geht es weiter?
Unser erstes Fundingziel über 5.000 Euro haben wir bereits nach gut einer Woche am 20. Mai geknackt. Wir hatten viele positive Rückmeldungen, die Leute waren richtig heiß darauf, uns zu unterstützen. Da die Laufzeit des Crowdfunding mit nur drei Wochen recht knapp ist (wir konnten aus organisatorischen Gründen nicht früher starten), wollten wir auf Nummer sicher gehen. Denn ist das erste Fundingziel nicht erfolgreich, geht das Geld an die Unterstützerinnen und Unterstützer zurück, das gilt allerdings nicht für das zweite Fundinguziel. Nun wollen wir trotzdem natürlich noch bis 28. Juni noch die restlichen 5.000 Euro einsammeln. Und wenn wir sogar über die 10.000 Euro kommen, kommt der zusätzliche Ertrag allen Veranstaltungen rund um den Radentscheid zugute. Ich bin sehr gespannt, ob wir es schaffen, nach der anfänglichen Euphorie lief es etwas zäh, aber jetzt haben wir wieder an Fahrt aufgenommen. Vor allem das Radentscheid-Radler (siehe Bild) sollte sich jeder über 16 bei diesen Temperaturen noch als kleine Erfrischung sichern ;-) „Die Unterschriftenlisten für den Altstadtring wurden übrigens bereits gestern im KVR abgegeben. Bei beiden Bürgerbegehren, dem Radentscheid München und dem Altstadt-Radlring, sind zusammen bereits über 100.000 Unterschriften zusammen gekommen. Allerdings kann bis zum 30.06. weiter unterschrieben werden, es wird für beide Begehren weitergesammelt. Nach der Ring-Demo werden alle Unterschriftenlisten zur Auszählung an das KVR übergeben, damit die beiden Begehren am 4. Juli Oberbürgermeister Dieter Reiter übergeben werden können und noch in diesem Herbst darüber abgestimmt werden kann, sofern der Stadtrat sie nicht sowieso sofort durchwinkt.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Viele glauben, dass Radfahren in München schon recht sicher und komfortabel sein. Aber man sollte nicht immer in andere große Städte wie Frankfurt, Berlin,Köln oder Hamburg schauen mit der Aussage, dass es dort noch „schlimmer“ sei. Es geht doch immer noch besser – siehe Amsterdam oder Kopenhagen. Und sowohl beim Unterschriften- als auch Spendensammeln habe ich wiederum immer wieder gehört, dass viele gerne mehr mit dem Fahrrad in München unterwegs wären, sich aber nicht sicher fühlen und auch nie wissen, wohin mit ihrem Radl. Da geht die Wahrnehmung weit auseinander. Dass Autos teuer sind, viel Platz brauchen und umweltschädlich sind, darin sind sich auch immer alle einig, aber viele sagen eben auch, sie sehen momentan keine Alternative. Aber ein Blick auf die Hauptverkehrsadern der Stadt zur Rushhour zeigt doch jedem, dass es eine Alternative gibt. Übrigens hat die Initiative Munich Ways vor kurzem eine Studie vorgestellt, dass auch die Infrastruktur fürs Rad wesentlich kostengünstiger ist, als fürs Auto – Stichwort: Steuern sinnvoll einsetzen – nur zu Fuß gehen ist kostengünstiger.

>>> Hier das Projekt auf Startnext unterstützen!

PS: Mehr zum Thema „Rad in der Stadt“ – Daniela Becker erklärt, wie sie Radl-Botschafterin wurde, drüben bei Heiko im Blog gibt es ein spannendes Interview mit einem Radpendler und Alex Rühle hat dieses Essay in der Wochenend-Ausgabe der SZ geschrieben.

Global Running Day: laufend über die Digitalisierung lernen

Heute ist der Globalrunningday – ein Aktionstag, bei dem Menschen weltweit an einem Rennen teilnehmen, das an keinem einzelnen Ort stattfindet, sondern an ganz vielen. Es geht um einen guten Zweck und es geht darum, die Freude am Laufen zu teilen. Dahinter steckt ein Anbieter für Tracking-Software, der das ganze „powered“. Denn solche Aktionstage zeigen auf interessante Weise, wie das Laufbusiness sich durch die Digitalisierung verändert. (Foto: Unsplash)

Ich finde das so eindrücklich, dass ich sogar mal behauptet habe, dass man daraus Lehren auch für die Medienbranche ziehen kann. Dabei hat die wichtigste Erkenntnis erstmal gar nichts mit der Medienbranche im Speziellen zu tun. Sie zeigt im Allgemeinen, was Digitalisierung bedeutet: sie löst den Durchschnitt auf. Ich habe beim Laufen verstanden, was Segmentierung bedeutet und diesen Lauf zur Grundlage für „Das Ende des Durchschnitts“ genommen.

Darüberhinaus stecken im Laufen aber viele sehr konkrete Hinweise darauf, wie sich die Medienbranche verändert. Teile davon kann man in diesem Interview mit Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner oder in diesem Gespräch mit Laufexperte Gunnar Jans lernen.

Außer den fünf Erkenntnissen, die ich im Mai 2017 notiert habe

1. Vom Produkt zum Prozess – wie der Markt sich verändert
2. Vom Verkäufer zum Gastgeber – wie die Unternehmen sich neu positionieren
3. Vom Kunden zum Testimonial – wie Verbraucher eine andere Rolle annehmen
4. Von der Marke zum Medium – welche Rolle Inhalte spielen
5. Von der (Produkt-)Eigenschaft zum Erlebnis – wie Werbung sich verändert

… ist mir diese Woche ein Aspekt aufgefallen, der für Sportartikelhersteller noch viel bedeutsamer sein wird: Ich habe mir nämlich neue Laufschuhe gekauft, weil die App, die ich nutze, verfolgt wieviele Kilometer ich bereits gelaufen bin. Es lohnt sich also allein aus Gründen der Kundenbindung, dass der große japanische Sportartikelhersteller meine App gekauft hat. Denn so habe ich mir jetzt zwei Paar neue Schuhe gekauft. Nicht über die App, sondern über das Sporthaus meines Vertrauens in der Innenstadt. Es ist aber absehbar, dass diese Kundenbeziehung für den Schuhhersteller wertvoller ist als die Schuhe selber.

Genau darum geht es, wenn man über die Zukunft von Abo- oder Subscription nachdenkt – jedenfalls in dem Sinne, in dem Tien Tzuo in Subscribed darüber schreibt. Es geht nicht einfach nur darum, ein Abo zu nutzen, sondern ein Nutzerbedürfnis in der Weise zu befriedigen, dass die Nutzer*innen gerne und kontinuierlich dabei bleiben. Das Wortspiel sei gestattet: ein laufender Prozess!

Weiterlesen:
> Lauflehren
> Interview mit Gunnar
> Lauf im Buch

70 Jahre Grundgesetz (Digitale April-Notizen)

Dieser Text ist Teil der April-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

„Wäre dieses Land ein Mensch, wäre es eine rüstige Dame, die demnächst einen runden Geburtstag feiert. 70 Jahre wird die Bundesrepublik in diesem Jahr alt, am 23. Mai 1949 ist das Grundgesetz verabschiedet und verkündet worden, am 24. Mai trat es in Kraft. Ein schönes Jubiläum. Es wird angestoßen, jemand hält eine Rede und das Land denkt zurück. Ganz sicher auch wehmütig.“

Mit diesen Worten habe ich unlängst ein Essay in der SZ begonnen und mit diesem Bild möchte ich auch in diesen Newsletter starten, der in den Geburtstagsmonat verschickt wird: Das Grundgesetz feiert demnächst einen runden Geburtstag – und ich mag die Vorstellung, das Land (und seine Verfassung) als Mensch zu denken.

Wie geht es diesem Mensch gerade? Wer kommt zum Geburtstagsfest? Was wird verschenkt?

Diese Fragen sind auch deshalb spannend, weil in diesem Land gerade ein Generationenkonflikt entsteht, „gegen den 68 ein Kindergeburtstag war“. Das jedenfalls glaubt Bernd Ulrich in seinem Kommentar zur Fridays for Future-Bewegung in Die Zeit, in der New York Times schreibt Anna Sauerbrey von einem „New Culture War“, der durch die Proteste ausgelöst wird (dass wir zu dem Thema gerade bei der SZ einen Newsletter machen, habe ich erwähnt, oder?).

Diese Fragen öffnen aber auch den Blick auf das Bild, das wir von diesem Land haben und von den zentralen Regeln, die dem Zusammenleben hier zugrunde liegen (dazu Unser Land unsere Regeln). Mit der Metapher vom Geburtstag kann man sich vielleicht dem nähern, was in diesem Land gut läuft und was nicht (wer das genauer haben will, kann hier nachlesen, wie robust unsere Verfassung in Wahrheit ist.)

Oliver Wurm hat auf die Frage nach dem Jubiläumsbild geantwortet: „Sicher ist, dass der Mensch deutlich vitaler wäre als es sein Geburtsdatum vermuten läßt. Ob Frau oder Mann – schwer zu sagen. Sicher ist, dass er oder sie über eine erstaunliche Weisheit verfügt, über ein intaktes Wertesystem und über eine beeindruckende Fähigkeit: nämlich die, mit der Zeit zu gehen – ohne sich dabei zu sehr vom jeweiligen Zeitgeist treiben, geschweige denn beunruhigen zu lassen.“ Oliver kommt zu dieser Einschätzung auf Basis der Lektüre der Verfassung. Er hat sie so gut gelesen, dass er daraus ein Magazin gemacht hat. Seit November ist Das Grundgesetz als Magazin am Kiosk – und es ist ein toller Erfolg (das Magazin wie die Verfassung).

Ich habe ihm ein paar Fragen zu dem Magazin-Projekt gestellt – denn sein Heft ist richtig gut geworden. Ich kann es jedem nur empfehlen.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum ich das Thema in diesem Monat in meinem Newsletter anspreche. Ich bin im Mai auf Einladung des Goethe-Instituts in Seoul. Bei dem Besuch geht es auch um Deutschland in der Welt. Und ich habe mir überlegt, ich nehme Sie, liebe Leserinnen und Leser des Newsletters einfach mit – in Form von Antworten. Ich werde in Seoul nämlich u.a. beschreiben, wie ein Geburtstagsfest aussehen würde, wenn die Jubilarin tatsächlich ein Mensch wäre. Dazu gibt es eine Antwort von mir, aber das Spektrum ist ja viel breiter.

Deshalb frage ich Sie: Welches Bild von der Jubilarin haben Sie? Erzählen Sie es mir – in den Kommentaren unter diesem Text oder per Mail (Adresse im Kontakt). Unter allen die mitmachen, verlose ich sieben Exemplare des Grundgesetz-Magazins von Oliver Wurm (hier hat er erzählt, wie er auf die Idee gekommen ist)

Ich freue mich auf Ihre Antworten – und werde spätestens im nächsten Newsletter davon berichten, wie sie in Südkorea angekommen sind.

Hier geht es zu meinem Essay in der SZ


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Warum die Urheberrechtsdebatte ein Fortschritt ist (März 2019), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Streiten lernen – für ein besseres Internet“, „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016)

loading: Pronx

Raus aufs Land – das könnte das Motto des Abschlussmagazins sein, das die 56. Lehrredaktion der Deutschen Journalistenschule* produziert hat. Es trägt den Titel „Pronx“ und sammelt „Geschichten für junge Leute, die in den Medien zu wenig vorkommen: junge Leute vom Land und aus Kleinstädten“. So steht es auf der Startnext-Seite zum Projekt. Leonie Sontheimer hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Wir haben ein Magazin für junge Menschen gemacht, die Bock auf Provinz haben: Pronx, das sind 74 unverklärte Seiten voller mitreißender Geschichten, deeper Recherchen und lustiger Anekdoten.

Warum macht ihr das (so)?
Wir sind Schülerinnen und Schüler der Deutschen Journalistenschule. Und wir hatten genug von Geschichten vom Land, die sich entweder wie exotische Reiseberichte oder wie die „Landlust“ lesen. Wir wollten erzählen, wie das Leben in Dörfern und Kleinstädten für junge Menschen wirklich ist.

Wer soll sich dafür interessieren?
Pronx ist das Magazin für alle, die sich dafür interessieren, was abseits der Metropolen passiert. Weil das Abschlussmagazin der Schule normalerweise nur an andere Journalistinnen und Journalisten verschickt wird, machen wir ein Crowdfunding. Denn wir wollen mehr Hefte drucken und damit unsere wahre Zielgruppe erreichen: junge Leute, die Bock auf Provinz haben.

Wie geht es weiter?
Wenn das Crowdfunding klappt, gehen die Hefte im September in Druck. Die Release-Party ist am 14.09. in München. Die Sektdusche ist noch zu haben!

Was sollten mehr Menschen wissen?
Das Leben auf dem Land hat mehr Facetten als „Landlust“-Kitsch und Gülle-Gestank.

>>> Hier Pronx auf Startnext unterstützen.

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein eines meiner Bücher über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen).

* Offenlegung – im Rahmen des Projekts #journalistenschule habe ich mit Schülerinnen und Schülern dieser Klasse zusammengearbeitet.

Wie ist es für den Bundestag zu kandidieren? Interview mit dem Münchner SPD-Kandidaten Bernhard Goodwin

Wenn der Politiker, der von einem Wahlplakat blickt, ein Bekannter ist, schaut man mit anderen Augen auf den Wahlkampf: Zumal wenn es ein SPDler in Bayern ist. Ich kenne Dr. Bernhard Goodwin von der Uni und habe seinen Wahlkampf im Wahlkreis 220 München West/Mitte sehr genau verfolgt. Er hat in diesem Wahlkreis 23 Prozent der abgegebenen Erststimmen erhalten – und damit nicht gewonnen. Ich habe ihn dazu befragt, wie es ist, für den Bundestag zu kandidieren.

Fangen wir mit einer Offenlegung an: Du warst Bundestagskandidat in meinem Wahlkreis im Münchner Westen. Ich habe dir meine Stimme gegeben, du hast nicht gewonnen. Fühlst du dich als Verlierer?
Ich bin der Wahlverlierer. Da bin ich über anderthalb Jahre gerannt und am Ende hat ein anderer den Job. Aber mir haben auch fast 45.000 Leute ihre Stimme gegeben. Das ist der schönere Gedanke, ich versuche mich stärker daran zu halten.

Eine zweite Offenlegung: Ich habe deine Geschichte nach der Wahl einigen Grundschülern erzählt, die nach einer verlorenen Klassensprecherwahl deprimiert waren. Ich habe dich als Beispiel für eine funktionierende Demokratie angeführt, die eben nicht nur davon lebt, dass nur der- oder diejenige kandidiert, die am Ende auch gewählt wird. Sondern dass man die Wahl hat. Als Unbeteiligter kann man das aber natürlich auch leicht sagen. Hat sich die ganze Kandidatur auch mal so angefühlt für dich?
Das ist natürlich schon ein Aspekt, gerade am Ende der Wahl, wenn man alles gibt, auch wenn man sich ja die Chancen realistisch ausrechnen kann. Dann sprechen einen schon Leute an und sagen: Du weißt doch selbst, dass du es nicht schaffst. Dann habe ich geantwortet: Was wäre die Alternative? Nach Hause gehen und heulen? Nein: natürlich ziehe ich durch bis zum Ende und auch mit voller Kraft. Das hat mich übrigens auch an Martin Schulz beeindruckt, der das auch so gemacht hat. Ich habe übrigens selbst schon Klassensprecherwahlen verloren. Einmal war es dann so, dass unsere Klasse später im Schuljahr ein Problem mit unserer Englischlehrerin hatten und die gewählten Klassensprecher sich nicht getraut haben zu ihr gehen. Ich habe mich schon getraut. Dann hat unsere Klassenlehrerin Neuwahlen angesetzt und ich bin gewählt worden.

In der Zeit vor der Wahl warst du enorm präsent in meiner Nachbarschaft. Ich habe dich ständig gesehen: auf den Plakaten, auf Veranstaltungen, an Wahlkampfständen. Erzähl mal ein wenig vom Leben als Kandidat. Ist das so anstrengend wie es auf mich als Beobachter wirkt?
Ja, das ist schon sehr anstrengend. Von 6 Uhr morgens bei Frühverteilungen bis abends um 23 Uhr die Abendveranstaltung vorbei ist. Wobei der direkte Bürgerkontakt eher entspannend ist. Wenn du drei Stunden lang in der früh am S-Bahnhof stehst und Leute anlächelst, dann bist du irgendwann auch gut gelaunt. Meine Leute haben mir gesagt, dass ich manchmal zu lange mit Menschen geredet habe, die mich sowieso nicht wählen würden. Das ist ein taktischer Fehler, weil es ja Energieverschwendung ist. Aber mich interessiert halt, was die Menschen zu sagen haben. Pöbeleien steckt man weg, auch wenn man sich denkt: das ist schon ungerecht mir jetzt vorzuwerfen ich würde mir die Taschen voll machen. Anstrengend ist eher das Organisatorische. Da hatte ich aber glücklicherweise Leute, die mir sehr geholfen haben. Und man fragt sich immer: Ist es genug? Könnte ich nicht noch mehr machen? Das hat mir häufig auch den Schlaf geraubt – im Wortsinne. Zwischendrin habe ich ja noch in meinem sehr fordernden Beruf gearbeitet. In der Zeit war alles bei mir auf Kante genäht. Wenn dann privat etwas schmerzhaftes passiert, dann konnte ich das nicht mehr so gut ausgleichen, dann bin ich bei mir über meine Belastungsgrenze gegangen. So ist zum Beispiel vor einem Jahr ein lieber Freund und Kollege überraschend gestorben. Das hätte mich schon in normalen Zeiten aus der Bahn geworfen. Jetzt hat es mich niedergeschmettert. Ich habe vieles emotional auf nach der Wahl verschoben und bin jetzt dabei mich zu sortieren.

Und musstest du auch selber Geld zuschießen? Z.B. um Plakate zu drucken oder Helfer zu bezahlen?
Die SPD ist eine Arbeiterpartei. Da darf die Kandidatur nicht an Beiträge des Kandidaten gebunden sein. Ich habe trotzdem einen ordentlichen Betrag gespendet, weil ich es mir leisten konnte. Etwa einen Monatslohn von mir. Das Meiste hat die Partei bezahlt – also die Mitgliedsbeiträge meiner Genossinnen und Genossen hier vor Ort. Es gab auch Spenden. Insgesamt haben wir einen niedrigen fünfstelligen Betrag ausgegeben. Meine Helfer habe ich nicht bezahlt: das war die größte Spende: sicherlich 100.000-200.000 Euro in ehrenamtlicher Arbeit habe ich bekommen. Dafür bin ich sehr dankbar und diese Unterstützung hat mich auch immer getragen, wenn es für mich hart war. Weil sie machen das ja wirklich selbstlos für die Partei und ein bisschen auch für mich.

Haben Leute dich auf der Straße erkannt? Hinter deinem Rücken getuschelt?
Ich habe nicht gemerkt, dass jemand über mich getuschelt hätte. Aber ich bin schon häufig erkannt worden. Das ist ja auch der Sinn von so Plakaten. Die hänge ich ja nicht auf, weil ich so ein hübscher Kerl bin. Die hänge ich auf, damit die Menschen mit mir ins Gespräch kommen. Häufig war es auch so, dass die Leute mich zwar erkannt haben, aber nicht genau wussten woher. Dann haben sie gefragt: Kennen wir uns aus dem Elternbeirat? Kennen wir uns von der Arbeit? Ich habe dann gesagt: Ich bin Ihr SPD-Bundestagskandidat. Ich habe auch häufig ein Namensschild getragen. Beim ersten Mal war mir das etwas peinlich in der U-Bahn. Ich habe mir dann aber gedacht: wenn dir das jetzt schon peinlich ist, dann warte erst bis dein Gesicht viele hundert Mal auf Plakaten im Stadtbild gedruckt ist.

Wie hat dein persönliches Umfeld reagiert als klar war, dass du für den Bundestag kandidierst?
Die meisten haben es kommen sehen und haben mich sehr unterstützt. In der Arbeit haben sie gesagt „Wir drücken dir die Daumen und du wirst das gut machen. Aber uns wirst du schon fehlen“ Einmal hat mir mein Neffe von einer Berlinreise ein Bild von der Reichstagskuppel geschickt mit dem Kommentar, da drunter ist dein Platz. Solche kleinen netten Gesten haben mir immer gut getan.

Und wie ist das Kandidatenleben in der Partei und der Bezug zur Bundespolitik? Hast du jetzt die Handy-Nummer von Martin Schulz?
Nein, die habe ich nicht. Aber ich wüsste, wie ich ihn erreichen kann. Es ist natürlich cool mit dem Kanzlerkandidat Miniatur-Windräder bei den Stadtwerken zusammenzulöten oder mit der Familienministerin auf der Auer Dult Kettenkarussell zu fahren. Wichtiger waren mir aber die langen Gespräche mit unserer Stadtspitze und anderen Vertretern unserer Stadtgesellschaft. Denn mir ging es immer darum, herauszukriegen, was München von Berlin braucht und nicht umgekehrt.

Ist das Image von Politikern tatsächlich so schlecht wie immer alle sagen? Hattest du mit Anfeindundungen zu kämpfen?
Ich hatte einmal folgendes Erlebnis bei einem Infostand in Laim. Ein Typ Mitte vierzig läuft an mir vorbei und raunt: Volksverräter! Ich frage: Was haben Sie gesagt? Er: Arschloch! Ich: Was ist ihr Problem? Er reckt nur noch einen Stinkefinger in die Höhe und ist davon. In den Moment nimmt eine ältere Bürgerin eine meiner Broschüren schaut sich mein Bild darauf an und sagt: ein schöner Mann. Ich werde mich an diese positiven Erinnerungen halten. Die Einstellung gegenüber den Politikern ist leider meist eher allgemein negativ – nicht auf mich als einzelnen Kandidaten bezogen. Ich finde das ungerecht, jetzt wo ich selbst erlebt habe, was es bedeutet sich so einer Wahl zu stellen. Klar gibt es auch unter den Politikern unangenehme Typen. Aber ich habe jetzt viele kennengelernt die wirklich dass Wohl ihrer Mitmenschen im Blick haben, die natürlich Macht wollen, aber eben um das Land besser zu machen. Ich habe in allen demokratischen Parteien solche Menschen kennengelernt. Es ist für mich ein Versagen unserer Medien, dass diese Realität als Normalfall nicht bei den Menschen ankommt. Ich plädiere nicht für Kuscheljournalismus, sondern für eine korrekte Vermittlung dieser Realität, dass unsere Politikerinnen und Politiker unter Einsatz von körperlicher und seelischer Gesundheit, unter Gefährdung ihrer Beziehungen, ihrer beruflichen Chancen und unter Verzicht auf mögliche lukrativere Angebote für die Gestaltung unserer Welt einsetzen.

Ab wann wusstest du, dass es nicht reichen wird?
Erst am Wahlabend – ich habe bis zuletzt gehofft. Aber ich habe es natürlich vorher geahnt. Bei aller berechtigten Kritik an Umfragen geben sie schon den wahrscheinlichsten Wahlausgang wieder und, dass ich in meinem Wahlkreis kein komplett anderes Ergebnis als im Rest des Landes haben werde, war mir auch klar. Ich denke nach dem versemmelten TV-Duell war das nicht mehr zu gewinnen.

Kannst du einen oder mehrere Gründe benennen, weshalb du jetzt nicht in Berlin bist?
Die Bundeskampagne war nicht gut. Sie war zu wirr und nicht mutig genug. Wir haben nicht verloren, weil wir etwas falsch gemacht hätten, sondern weil wir nichts falsch machen wollten. Martin Schulz war ein super Kandidat, hat sich aber nicht getraut mit den 100 Prozent im Rücken sich auch im Willy-Brandt-Haus durchzusetzen. Auch nicht gegen Hannelore Kraft in NRW, die gemeint hat sie könne im Schlafwagen die Wahlen gewinnen. In München hätte ich die Wahl nicht gewinnen können, aber ich hätte sie auch nicht so sehr verlieren müssen. Ich denke ich habe zwar mit Wohnen, Infrastruktur, Betreuung und Einkommen in dieser teuren wachsenden Stadt auf die richtigen Themen gesetzt, aber ich habe keine Lösungen angeboten, die die Leute leicht verstehen konnten. Es ist so in München: wenn du eine günstige Wohnung hast, dann freust du dich über dein Glück. Wenn du keine günstige Wohnung hast, dann ist es für viele die Schuld der SPD. Das liegt daran, weil wir schon so lange Verantwortung tragen hier. Die Wahrheit liegt dazwischen. Aber wir müssen das, was wir für diese Stadt durchsetzen besser kommunizieren und wir müssen grundsätzliche Antworten finden auf das Wohnraumproblem und die anderen von mir angesprochenen Probleme. Da habe ich schon Lösungen, aber die passen nicht so leicht auf ein Plakat.

Gibt es etwas, was du im Rückblick anders machen würdest?
Ganz viel. Aber wenn ich mir ehrlich in die Augen gucke, dann weiß ich, dass ich vermutlich auch kein substanziell anderes Ergebnis hätte erreichen können. Ich fand, dass ich zum Beispiel eine überraschend passive Pressearbeit gemacht habe. Das hätte ich besser machen können. Aber die Frage ist auch: was hätte ich dann stattdessen weggelassen?

Hattest du nach der Wahl nochmal Kontakt mit einem deiner Gegenkandidaten? Vielleicht sogar mit dem neuen MdB Stefan Pilsinger von der CSU?
Ich habe allen drei gewählten Kandidaten aus meinem Wahlkreis gratuliert und freue mich auch darauf in Kontakt zu bleiben. Stephan Pilsinger und ich hatten ein höfliches und distanziertes Verhältnis. Ich bin nicht wirklich mit ihm warm geworden. Mit Lukas Köhler von der FDP habe ich mich am besten verstanden – nicht politisch aber menschlich und intellektuell. Ich glaube er ist ein guter Abgeordneter für seine Partei.

Du hast erzählt, dass du weiter Politik machen wirst. Kannst du mal den Hauptgrund sagen, warum du in den Bundestag willst?
Ich glaube, ich wäre ein guter Abgeordneter für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt und für meine Partei. Ich bin jemand der gut Probleme lösen kann, der seine eigenen Interessen hintan stellt, der gut mit Menschen umgehen kann. Viele in meiner Partei sagen mir, dass sie meinen Wahlkampf gut fanden, weil ich mich nicht ausgeruht habe, sondern mit vollem Engagement und voller Kraft – von Umfragen und Rückschlägen unbeirrt – das durchgezogen habe. Mit einem ehrlichen freundlichen Lächeln auf den Lippen.

Gibt es so etwas wie eine wichtige Lehre, die du aus der Kandidatur gezogen hast?
Die soziale Spaltung dieser Stadt ist real und sie gefährdet unser aller Wohlstand. Eine ältere Dame hat mir erzählt: ich habe eine gute Rente und eigentlich keine Probleme – ich kann mir alles leisten. Aber jetzt merke ich, wie ich einsam werde, weil es meinen Freundinnen nicht so geht. Ich kann mit ihnen nicht in Urlaub fahren, weil sie sich das nicht leisten können. Wenn ich frage, ob wir in ein Kaffee gehen wollen, dann haben sie keine Zeit. Ich weiß, dass es eigentlich am Geld liegt. Ich würde sie ja einladen, aber dafür schämen sie sich. Diese Geschichte und ähnliche Geschichten zeigen mir, dass Armut unsere Gesellschaft zerstört. Es geht nicht nur um die Menschen, die keine Teilhabe an unserer Gesellschaft haben, sondern auch um die Gesellschaft, die von diesen Menschen abgetrennt wird. Ein Polizist hat das in einem Gespräch mit mir verschämte Armut genannt. Nur weil wir sie nicht offen sehen in München, heißt es nicht, dass sie nicht da ist.

Mehr über Dr. Bernhard Goodwin auf seiner Website goodwin.de

Nachruf auf die Roaming-Gebühr

Manchmal hilft es, mit dem Blick der nächsten Generation auf die Gegenwart zu schauen. Dabei fällt auf, wie sehr uns die eigenen Erfahrungen und Prägungen beeinflussen und nicht selten auch im Weg stehen. Im Falle der Roaming-Gebühren fehlten mir seit Jahren Argumente, um Kindern zu erklären, warum man zwar ohne Passkontrolle aus München durch Österreich z.B. an den Gardasee fahren kann, dabei aber in mindestens zwei fremden Telekommunikationsnetzen Besuchsgebühren für die Mobiltelefonnutzung bezahlen muss. Man zahlt im anderen Land mit dem gleichen Geld, soll dort aber plötzlich vorsichtig sein mit dem Telefonieren, weil es sonst gefährlich teuer wird. Diese Diskrepanz gilt es, ab diesem Sommer zu konservieren – denn sie ist verschwunden.
Endlich!

Dank dem Europaparlament sind die Gebühren fürs Herumstreifen/Streunern in fremden Netzen seit 15. Juni (nach langem Hin und Her) endgültig weggefallen, ab sofort gilt „Roam like at home“. Es ist also an der Zeit, den Roaming-Gebühren einen Nachruf zu widmen, in dem man zunächst festhalten muss, was für ein befreiendes Gefühl es ist, z.B. in Spanien aus dem Flugzeug zu steigen und dort genauso einfach zu telefonieren und im Netz zu surfen wie sagen wir in Düsseldorf oder Berlin.

Dass das mal nicht so war, erscheint schon jetzt wenige Tage nach dem Roaming-Gebühr-Ende als völlig absurd. Wenn man Europa als gemeinsamen Kultur- und Kommunikationsraum versteht, dann ist es kaum nachvollziehbar, warum dies ausgerechnet bei der zentralen Kommunikationsform – nämlich der Internet-Nutzung – an Grenzen stößt gestoßen ist.

Mindestens genauso unverständlich ist es aber, warum diese grenzüberschreitende Errungenschaft nicht breiter und pro-europäischer kommunziert wurde. Zumindest mir fallen beim Thema Roaming vor allem merkwürdige Symbolbilder mit Handys am Strand ein – und keine konstruktiven Geschichten über Gemeinsamkeiten in Europa (was auch daran liegen mag, dass es ewig gedauert hat von der Idee bis zur wirklichen Abschaffung).

Im Techniktagebuch, das genau diese Gefühle für die Nachwelt konserviert, war Stefan Niggemeier Mitte Juni jedenfalls genauso überrascht als er plötzlich nicht mehr zusätzlich zur Kasse gebeten wurde:

Und die ganze Zeit kann ich es nicht glauben. Die langjährige Erfahrung, das Wissen, die Warnung, dass man im Ausland nicht einfach so Dinge aus dem Netz herunterlädt, dass man sicherheitshalber am Flughafen die “Datenroaming”-Einstellungen auf dem Smartphone nochmal überprüft, all das ist mir so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass es komplett unwahrscheinlich erscheint, dass es auch kostenlos geht. (Nicht wirklich kostenlos natürlich, weil auch meine vermeintliche Flatrate monatliche Grenzen hat, aber genauso “kostenlos” wie in Deutschland halt.)
(…)
Und nun geht das plötzlich. Und ich bin live dabei gewesen.
Kein Wunder, dass alle die EU lieben.

Learnji: Sprachen lernen mit Emojis

Emojis sind eine universelle Sprache der digitalen Kommunikation. Simon Schmid hat diese Erkenntnis zum Ausgangspunkt für eine spannende App gemacht: Sprachen lernen mit Hilfe von Emojis. Das ist die Idee von Learnji, das ich unlängst auf Product Hunt entdeckte – und anschließend mit Simon ins Gespräch kam. Hier erzählt er, wie es zu Learnji kam.

Was für eine charmante Idee: Sprachen lernen über Emojis. Wie bist du darauf gekommen?
Das ist wirklich eine lange Geschichte. Vor über vier Jahren war ich zum ersten Mal für meinen heutigen Job bei iubenda in Mailand. Damals wollte ich eine super simple App bauen, mit welcher ich durch die wichtigsten Worte „swipen“ können sollte. Mit einem weiteren „Swipe“ wollte ich dasselbe Wort in weiteren Sprachen sehen um vergleichen zu können, also zum Beispiel:

„Deutsch (Ausgangspunkt)“ -> „Italienisch (Lösung)“ -> „Spanish (Vergleich)“ -> „Französisch (Vergleich)“ -> „Portugiesisch (Vergleich)“ -> „Englisch (Vergleich)“

Dieses Konzept habe ich über zwei Jahre mit mir mitgetragen, als ich mich dann vor zwei Jahren hingesetzt habe um die Vision umzusetzen. Die zentrale Frage war dann natürlich: welche Worte willst du einbauen? Interessanterweise hat es mich dann ziemlich schnell wie der Blitz getroffen, „du musst Emoji nutzen“. Die Phase darauf bestand in Katalogisieren und im Aufsetzen einer ersten Version in einer Google Tabelle mit Englisch und einer Deutschen Spalte. Als ich mir dann sicher war, dass die Idee durchaus Sinn ergibt, war ich ziemlich euphorisch.

Hattest du einen besonderen Anwendungsfall im Kopf als du dir die App ausgedacht hast?
Ich wollte über diese spielerische Art und Weise Vokabular vermitteln, das nicht wirklich als Konkurrenz zu bestehenden Apps angedacht war. Im Gegenteil dazu, wollte ich es so simpel und informativ bauen, dass es eigentlich für alle interessant ist. Es spielt eigentlich fast keine Rolle ob man gerade in einem Sprachkurs ist oder nicht. Es ist einfach witzig damit zu spielen.

Was fasziniert dich mehr: die fremden Sprachen oder die Emojis?
Ich bin ein großer Emoji-Nutzer. Allerdings sind diese natürlich hier viel mehr Mittel zum Zweck. Ich liebe Sprachen. Also ist die Antwort hier eindeutig: Sprachen. Aber am Ende sind Emoji wiederum eigentlich Teil unserer Kommunikation, also irgendwo durch auch der Sprache. Ich nutze lieber Emoji im Plural, das ist wohl im Deutschen auch nicht ganz richtig, hier gibt es für das Englische eine schöne Abhandlung.

Hast du ein Lieblings-Emoji?
Ich nutze wohl momentan 😬 am meisten.

Und eine Lieblingssprache?
Das ist wirklich schwierig. Ich glaube das ändert sich immer wieder auch ein bisschen. Vielleicht könnte ich hier Rätoromanisch (auch Rumantsch, Romontsch, Rumauntsch) hervorheben, dann wird niemand böse. Die Sprache ist möglicherweise in ihren letzten Zügen, hat sich lange Zeit gegen allemannische Dialekte „halten“ müssen und klingt in meinen Ohren einfach wunderbar. Dazu gibt es Zankapfel wie die Questione Ladina und auch wenn nur noch wenige Rumantsch sprechen, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Dialekten ist zum Teil riesig. Ausserdem haben die auch wunderbare Namen: Sursilvan, Tuatschin, Sutsilvan, Surmiran, Putèr, Vallader und Jauer.

Wenn man die App nutzt, fällt auf, dass du ein paar Emojs eher frei übersetzt hast. Wie hast du z.B. Frühling oder Winter übersetzt?
Mir war es wichtig, ganz, ganz simple Worte zu nutzen. Da bin ich dann halt in einigen Fällen von der offiziellen Version abgewichen. Ich wollte ja nicht Emoji beibringen, sondern eben Worte/Verben und weitere nützliche und notwendige Mitglieder der Sprachenpalette. Dies hat mich Monate gekostet und ist nach wie vor ein Prozess, an dem ich arbeite. Es geht darum möglichst nützliche Dinge zu erlernen. Ich hoffe allerdings schon, dass es in den meisten Fällen Sinn ergibt.
Frühling, Sommer, Herbst, Winter waren einfach auch Teil davon: da sieht man dann halt einen Berg mit Schnee, oder im Wind herumflatternde Blätter.

Unlängst warst du auf Producthunt gefeatured. Gab es besondere Reaktionen?
Die Reaktionen überraschen mich sehr positiv. Dieses Interview ist Teil davon, weitere Interviewanfragen hatte ich auch. Vor allem ist das Feeback meiner Beta-Tester auf Product Hunt sehr positiv und das macht mich sehr glücklich und gibt auch Energie für die nächsten Versionen. Natürlich gab es auch wenige hämische Kommentare, aber das ist wohl nie zu verhindern.

Hier Learnji im App-Store laden

Webdesign-Sommercamp in München

In den Ferien ins Internet: das ist die Ziel des Webdesign-Sommercamps, das Alexander Hoffmann und Philip Frank Anfang September in München anbieten. Das Besondere dabei: die beiden wollen Jugendlichen zwischen 10 und 15 Jahren Wege ins Netz zeigen. Ich habe Alexander dazu ein paar Fragen gestellt.

Zur Zeit sind in Bayern Sommerferien. Ihr bietet trotzdem einen Kurs für Jugendliche von 10 bis 15 Jahre an. Warum?
Der Kurs findet in der letzten Woche der Sommerferien statt, wenn die meisten Jugendlichen wieder aus dem „Urlaub“ zurück sind. Wenn ich mich an die wenigen Tage vor Schulbeginn zurückerinnere, habe ich sie zum Zocken von Computerspielen genutzt.

Wir möchten daher die Zeit nutzen und den Jugendlichen ohne Ablenkungen aus dem Schulalltag ein qualitativ hochwertiges Programm bieten, um einerseits Berührungsängste abzubauen und natürlich um zu zeigen, wie spannend die Welt der Programmierung sein kann.

Das ganze heißt „Webdesign Sommercamp“. Es gibt Leute, die behaupten, dass Jugendliche eh zuviel Zeit im Internet verbringen. Warum sollen sie jetzt auch noch Webdesign lernen?
Gerade deshalb glauben wir daran, dass Jugendliche zumindest die Grundlagen des Internets verstehen sollten, da sie es tagtäglich nutzen: Was passiert eigentlich, wenn man eine Website aufruft? Was sind Cookies, IP-Adressen oder Webserver? Wo liegen eigentlich die Daten, wenn man eine Website im Internet veröffentlichen will? Denn nur wer die Grundlagen versteht, kann sich besser vor Gefahren und Sicherheitsrisiken schützen.
Zudem eignet sich Webdesign hervorragend, um schnelle Erfolgserlebnisse bei der Programmierung zu erzielen und um ein langfristiges Interesse zu wecken. Zwar ist jetzt HTML streng genommen keine Programmiersprache, aber hier bekommen die Jugendlichen bereits ein Gefühl dafür, was es eigentlich bedeutet, wenn sie sich nur in ein paar Zeichen vertippen oder mal ein Zeichen vergessen. Das Ergebnis sehen sie sofort im Browser.

Und was sagst Du denjenigen, die finden, dass Kinder und Jugendliche möglichst wenig Zeit im Netz verbringen sollen?
Theoretisch brauchen die Jugendlichen kein Internet, um Programmieren zu lernen. Wir unterrichten z. B. an einer Schule bei der wir (leider) ohne Wlan auskommen müssen, weil externe Partner keinen Zugriff darauf haben dürfen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Es kommt natürlich immer darauf an, was die Kinder und Jugendlichen im Netz machen. Ich kenne z. B. einen geflüchteten Jugendlichen, der das Internet wortwörtlich aufsaugt und sich Webdesign und Grafikdesign selbst beibringt, weil er dort die Lerninhalte in seiner Sprache findet.
Oder ein anderer Fall: ein 12-Jähriger, der bereits mehrere Open Source Projekte unterstützt hat und damit so viel IT-Wissen angesammelt hat, dass er locker die Prüfung zum IHK Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bestehen könnte. All das mithilfe des Internets.

Kannst Du ein bisschen was zu den Kurs-Inhalten sagen? Was zum Beispiel ist ein Twitter-Bootstrap?
Das ist ein Framework, mit dem man viel schneller und einfacher eine Website umsetzen kann, die sich auch auf mobile Endgeräte anpasst. Also responsive ist.


Ein Punkt heißt „Wie funktioniert das Internet?“…

Du öffnest deinen Browser und besuchst eine Website. Klingt simpel, aber was steckt eigentlich dahinter und woraus besteht dieses weltweite Netzwerk? Wir vermitteln den Jugendlichen einen Überblick über die Technologie, Geschichte und Politik des Internets und wie es uns in Echtzeit mit Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Hier erfährst du woraus sich dieses fast schon magische Phänomen in den letzten 25 Jahren entwickelt hat.

Und die anderen Inhalte?
HTML Grundlagen
Die Teilnehmer lernen, wie man Inhalte in einer Website definiert, die Website damit strukturiert und sie von Anfang an suchmaschinenfreundlich gestaltet.

CSS Grundlagen
In dem Abschnitt lernen die Jugendlichen, wie einfach es ist, die Schriftfarben oder Hintergrundbilder auszutauschen oder der Website ein schönes Layout zu verpassen.

JavaScript / Scratch
Die Jugendlichen erlernen hier die typischen Elemente einer Programmiersprache am Beispiel von JavaScript oder Scratch. Das ist besonders interessant für ihre Zukunft, da sich die Programmierkonzepte (Bedingungen, Schleifen, Variablen) in fast allen Programmiersprachen sehr ähneln.
Kennen sie eine Programmiersprache, erlernen sie damit sehr schnell eine weitere. Und sind die Konzepte einmal verinnerlicht, ändert sich auch die Denkweise hinsichtlich der Konzeption und Entwicklung von Algorithmen.
Die Jugendlichen bauen mit den gelernten JavaScript-Grundlagen ihren eigenen Vokabel-Test, um danach noch besser ihre Vokabeln aus der Schule üben zu können und um eigene Gamification-Ansätze auszuprobieren. Z. B. Vokabel-Test auf Zeit, Multiplayer-Modus, usw. Die Jugendlichen können selbst entscheiden, wie sie ihren Vokabel-Test anpassen.

Was ist das übergeordnete Ziel eurer Kurse: Was wollt ihr damit erreichen?
Wir wollen Berührungsängste abbauen und Menschen für IT-Themen begeistern.

Das Webdesign-Sommercamp vom 4. bis 9. September ist kostenlos. Es wird gemeinsam von Alexander Hoffmann, Gründer von COOK and CODE (Programmierkurse) und CHECK24 veranstaltet. Der Kreisjugendring München-Stadt stellt das Café Netzwerk als Location zur Verfügung. Hier kann man sich anmelden!

Mehr zum Thema in den Digitalen Notizen: Ein Interview mit den Machern des Hamburg App Camps

Drive Mode fürs Auto: „Do Not Disturb While Driving“

Es ist eigentlich nur ein Nebensatz in dem wunderbaren Buch „The Inevitable“ von Kevin Kelly, aber dieser Nebensatz erklärt, wie technischer/gesellschaftlicher/digitaler Wandel sich vollzieht: allmählich – und dann plötzlich. Kelly wählt das Beispiel der Smartphone-Nutzung um den Wandel zu beschreiben, an dessen Ende das Smartphone ständiger Begleiter wurde – der nur noch selten ungefragt laut losbrüllt: „Use silent vibrators“ lautet der Nebensatz in dem Kevin Kelly Buch, an den ich denken musste als ich die jüngsten Ankündigungen der Firma Apple las.

Denn mit dem neuen iOS11 genannten Betriebssystem kündigt sich ein vergleichbarer Wandel an: einer, der bisher nur ein Nebensatz in der Berichterstattung ist, der aber vergleichbare Folgen für die Smartphone-Nutzung haben kann. Der Satz lautet: Ein neuer Modus, genannt „Do Not Disturb While Driving“, unterdrückt Benachrichtigungen während der Autofahrt. (Foto: unsplash)

Es gab mal eine Zeit, in der Smartphones nicht leise vibrieren konnten, sondern stets laut losklingelten wenn sie irgendwer anrief. Dann kam jemand auf die Idee, den Vibrationsalarm zu erfinden und der gesellschaftliche Störfaktor des klingelnden Handys wurde rapide reduziert (dass die Gesellschaft in Gänze noch Probleme im Umgang mit den Geräten hat, hat andere Gründe). Die aktuelle iOS11-Meldung ist für mich vergleichbar mit der Erfindung des Vibrationsalarms.

Denn: Einerseits gibt es eine Menge völlig berechtigter Warnungen davor, das Smartphone während der Autofahrt zu nutzen. Und andererseits gibt es einen Flugmodus genannten Status, in den man ein Smartphone versetzen kann, wenn man sich in einem Flugzeug befindet. Nicht erst seit der Lektüre dieses sehr guten Textes von Tim Harford frage ich mich: Warum zum Teufel gibt es eigentlich keinen Drive-Mode für Smartphones?
Tim Harford schreibt:

Smartphones should have, as standard, an easily accessible, well-publicised drive mode. Drive modes do exist, and in the US, the National Highway Traffic Safety Administration has been pushing the idea. But they’re not prominent. Drive-mode phones might automatically read out text messages, automatically reply to such messages with “sorry, I’m driving”, and send incoming calls directly to voice mail — while allowing drivers to play music and use satellite navigation. In short, drive-mode phones would stop pestering us for our attention.

Ich glaube, der „Do Not Disturb While Driving“-Modus in iOS11 könnte in diese Richtung weisen. Eine gute Richtung wie ich finde – und eine, die belegt: Es sind manchmal die kleinen Änderungen, die einem Wandel die Richtung geben. Es sind manchmal die kleinen Änderungen, die aus den großen Problemen lösbare Aufgaben machen. Oftmals versperrt uns aber der Blick auf die Unlösbarkeit des vermeintlichen Problemes den Blick auf diese kleinen Änderungen. Denn nicht das Smartphone in Gänze ist Böse, sondern der bisher fehlende Sicherheitsgurt – um diesen zu erfinden, brauchen wir etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Neuen.