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Stabiler Mythos (Was würde der Shruggie tun? Live und Open Air aus Berlin)

Was würde der Shruggie tun? – Antworten vom sprechenden Emoticon aus „Das Pragmatismus-Prinzip“ ist ein Podcast mit Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen.

Was für ein Finale!!! Am 20.6. um 20:06 Uhr drücken wir im ZweiDreiRaum in Berlin-Kreuzberg auf „Aufnahme“ und zeichnen den ersten Podcast mit U-Bahn auf: Live und Open Air die Folge Stabiler Mythos aus der Reihe Was würde der Shruggie tun?.

Es handelt sich um die vorerst letzte Folge des Projekt. Denn das Crowdfunding für zehn Jahre Podcasting ist gescheitert – was wir in der Folge aber erst ganz am Ende thematisieren. Statt zehn Folgen in die Zukunft haben wir aber zehn Folgen seit dem Start zusammengebracht. Die kann man hier nachhören:

… die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“,
… die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“
… die zweite reguläre Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“
… die dritte reguläre Folge „Rückruf vom Smiley
… die vierte reguläre Folge „Jetzt rufen wir mal an!
… die fünfte reguläre Folge „Bringt bitte Gold mit!
… die Live-Folge aus dem Lovelace in München „Live und Love“
… die Startnext-Ankündigungs-Folge
… die Folge Piratenpodcast-Powerplay
… das große Finale Stabiler Mythos

Shownotes:
> Mehr zu #10jahrezukunft in diesem Blogeintrag
> Hier steht, warum Upload-Filter vielleicht keine gute Idee sind
> das Buch Matchplan von Christoph Biermann ist super – habe ich hier aufgeschrieben
> Hintergründe zur ewigen Bundesligatabelle und Tasmania Berlin.
>Kochen mit den Zutaten aus dem Kühlschrank – die Idee stammt von Michael Faschingbauer
> Der Shruggie-Ansatz zu kleinen Zielen, stand hier schon mal im Newsletter
> Fettarm ist ein Teekesselchen und hier gibt es mehr über Faire Milch
>Die Frage von @janboehm zur Erbschaftssteuer
> Die Frage zum Welli bei gutefrage
> alle Fragen zu 10 Jahre Zukunft
> Für mehr Hoffnung mit Rebecca Solnit
> Die Talkshow Kontrovers im Deutschlandfunk
> Der Rücktritt vom Rücktritt – am Beispiel von Lionel Messi

!!! Ein großer Dank an alle, die uns im vergangenen halben Jahr beim Quatschen unterstützt haben!!!

Shruggie des Monats: der Traditionshase

Der Shruggie des Monats ist eine von meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ inspirierte Rubrik meines monatlichen Newsletters (den man hier kostenlos bestellen kann). Seit Anfang des Jahres habe ich darin bereits den Autoren Eli Pariser, das Phänomen des Techlash und den Broccoli-Tree beschrieben – weil sie mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen. Nun mit etwas Sicherheitsabstand zu den Ostertagen: der Traditionshase

Der Kollege Oliver das Gupta hat bei SZ.de die Sache mit dem Hasen sehr gut zusammengefasst: „Pünktlich zum nachrichtenarmen Feiertagswochenende“, schreibt er, „initiiert die politische Rechte einen Tanz ums goldene Langohr. Es geht um Osterhasen, genauer: um Schokoladenhasen, die zur Osterzeit gekauft, verschenkt und manchmal zu spät vertilgt werden. Im Handel firmiert eine Schweizer Sorte unter der Bezeichnung „Traditionshase“, worüber sich AfD-Leute und deren Anhang empören.“ Ihr Verdacht, den sie mit ihrer Followerschaft teilen, die ihn daraufhin ebenfalls verbreitet: „Die „Osterhasen“ müssten nun „Traditionshasen“ heißen, weil man sich nach der nicht-christlichen und nicht bio-deutschen Kundschaft richtet. Es sei eine „Unterwerfung“ (O-Ton AfD-Chef Jörg Meuthen) unter die politische Korrektheit.“

Im Folgenden widmet sich Oliver das Gupta dann sehr lesenswert der Geschichte des Osterhasen und geht der Frage nach, „ob der Osterhase wirklich zum christlich-abendländischen Kulturgut taugt, das verteidigt werden muss.“ Das ist sehr lesenswert, mich interessiert an der Aufregung um den Hasen, der übrigens schon seit 1992 als Traditionshase geführt wird, ein anderer Aspekt, der auch den Shruggie im genannten Buch umtreibt: Was wäre eigentlich, wenn das Gegenteil richtig wäre?

Ich habe mich in der Debatte kurz gefragt, was eigentlich wäre, wenn die Sorge der Menschen stimmt, die eine Unterwerfung derjenigen Traditionen zu erkennen meinen, die ihnen offenbar wichtig sind. Was wäre eigentlich, wenn ich ein Schulterzucken lang versuche herauszufinden, woher ihre Sorge rührt? Anders formuliert: Warum teilen Menschen diesen Unsinn?

Sie haben offenbar tatsächlich die Sorge, Dinge, die für sie wichtig sind, könnten an Bedeutung verlieren. In ihnen wächst scheinbar ernsthaft der Verdacht, sie selber könnten marginalisiert werden. Der Osterhase scheint ihnen wirklich zum Symbol ihrer eigenen Wichtigkeit zu werden. Sie haben das Gefühl, keine Rolle mehr zu spielen. Sie glauben, dass ihre Ansichten und Meinungen unterrepräsentiert sind, sie fühlen sich zurückgedrängt (wie absurd das z.B. im Fall von Jens Jessen sein kann, hat Margarete Stokowski sehr anschaulich beschrieben)

Viel wichtiger als die Frage, ob das alles auf Basis einer wirklichen Grundlage stattfindet oder nicht, ist die Beobachtung, dass und wie Populisten genau dieses Gefühl bedienen und in ihren Narrativen („darf man hierzulande ja nicht mehr sagen“) noch bestärken. Denn nur wenn man im Sinne des Shruggie aus dieser Perspektive auf das Thema blickt, wird man erkennen, dass man die Debatte mit Lustigmachen oder Gegenkampagnen in social-media nicht einfangen wird. Sie bestärken im Gegenteil sogar noch den Eindruck der gefühlt marginalisierten Masse.

Der Traditionshase ist deshalb ein gutes Symbol für den ständigen Appell an einen offenen, pluralistischen Diskurs, weil er so inhaltsleer ist. Genau deshalb beweist er aber, dass die demokratische Antwort auf diese inszenierten Aufregungs-Debatten nicht allein darin liegen kann, die Behauptung als inhaltlich falsch offenzulegen. Am Gefühl der Marginalisierung ändert das nichts – oder um es im Bild der beiden Menschen zu sagen, die von rechts und links auf eine am Boden liegende Ziffer blicken: Sie halten die 9 noch immer für eine 6.

Damit will ich keineswegs davon abraten, weiterhin zu sagen was ist. Es geht weiterhin darum, die Perspektiven von 6 und 9 zu benennen. Um aber die Grundlagen der pluralen, demokratischen Gesellschaft nicht in einem Facebook-Kampf von Rechthabern in Frage zu stellen, muss man mindestens ebenso sehr darauf hinweisen, dass es unterschiedliche Perspektiven gibt. Und für alle, die – wie ich – diese angestachelte Sorge um den Untergang des Abendslandes für falsch halten, heißt das zunächst: zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich ernsthaft von dem Begriff Traditionshase oder Wintermarkt marginalisiert fühlen. Es gibt diese Perspektive!

Das heißt nicht im Seehofer-Sinn: die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Es heißt nicht, das Gefühl der Marginalisierung noch zu verstärken, indem man ständig von der Gefahr durch das Fremde spricht. Es heißt: Ihre Perspektive verstehen, nachvollziehen, warum sie auf die Tricks der Populisten reinfallen. Es heißt, das Narrativ der offenen, demokratischen Gesellschaft dem entgegenstellen, was die Populisten als Antwort anbieten. Es heißt den Perspektivwechsel vorzuleben.

Das beginnt damit, dass man dem Gefühl der vermeintlich Marginalisierten nachgeht – und ihm ebenfalls einen Perspektiv-Wechsel entgegenstellt. Das wird nicht bei den Antreibern dieser Debatten gelingen. Aber bei denen, die ihnen folgen, weil sie ernsthaft denken, durch den Verlust des Begriffs „Osterhase“ einen Wert zu verlieren. Kann es gelingen, ihnen die Perspektive derjenigen dazustellen, die wirklich etwas verlieren, weil sie ihr Land verlassen müssen? Weil ihre Unterkunft abgebrannt ist?

John Perry Barlow hat mal den Ratschlag für erwachsenes Handeln formuliert, den man vor dem Hintergrund des Traditionshasen neu lesen könnte: „Du solltest nicht davon ausgehen,“ schrieb er, „dass die Motive anderer ihnen weniger edel erscheinen als deine Motive dir selber.“

Wenn also diejenigen, die diese Traditionshasen-Aufregung weitergetragen haben, aus für sie ebenso edlen Motiven gehandelt haben, wie diejenigen, die versuchen die Luft aus dem Unsinn zu lassen, dann sollte es doch beiden Seiten möglich sein, einen Perspektivwechsel zu vollziehen. „Bildung ist die Fähigkeit, eine Sache aus der Perspektive eines anderen zu betrachten“, hat Gadamer mal gesagt. In diesem Sinne würde der Shruggie in Sachen Traditionshasen mehr Bildung wünschen – für alle Seiten.

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle – er tritt auch im Podcast „Was würde der Shruggie tun?“ auf.

Live-Podcast: „Was würde der Shruggie tun?“ im Lovelace

Am Mittwoch 14.3.2018 mache ich gemeinsam mit Yannic Hannebohn auf der Bühne des Lovelace-Hotel in München Quatsch. Und weil ich hoffe mir ziemlich sicher bin, dass das lustig wird, will ich jetzt hiermit offiziell nochmal eine Einladung an alle aussprechen, die sich in und um München aufhalten: Komm um 20.15 Uhr ins Lovelace-Hotel in München (Kardinal-Faulhaber-Straße). Der Eintritt ist frei und es gibt neben einem tollen Ort (der dort so nicht auf ewig sein wird) auch ganz viel ¯\_(ツ)_/¯

Denn der Quatsch, den wir machen, heißt Live-Podcast und soll eine Folge des Podcasts „Was würde der Shruggie tun?“ mit Publikum werden. Der Podcast handelt vom ¯\_(ツ)_/¯ dem sprechende Emoticon aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“

Die Betreiber des Lovelace haben es in ihrem Newsletter so beschrieben:


Dirk, a talented journalist working for the local Süddeutsche Zeitung is a real expert when it comes to digital change and futurism. The cover on his book says it all. It looks like this :

¯\_(ツ)_/¯

You all now this sign, but you’ve probably never heard its name: shruggie! It’s an emoticon saying: „I don’t know, but I’m still okay.“

Together with Yannic Hannebohn, Dirk created a podcast called „Was würde der shruggie tun?“. In this diverting piece of audio, the shruggie comes to life and answers questions sent in via WhatsApp or text to this number +49174 3503082. He mostly gives tips about how to live life the clueless way. The shruggie stands for a new form of pragmatism. It cherishes solution processes that are healed by time and the processes it brings. It’s the digital way to say, „In the end, it will be all good“.

All three of them: Yannic, Dirk and the shruggie are going to record a live podcast at The Lovelace!

Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn wir uns am Mittwoch sehen. Wer nicht kommen kann, kann dem Shruggie aber auch aus der Entfernung eine Frage stellen: Einfach eine Nachricht an +49174 3503082. Und außerdem kann man hier alle Folgen des Podcast nachhören:

… die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“,
… die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“
… die zweite reguläre Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“
… die dritte reguläre Folge „Rückruf vom Smiley
… die vierte reguläre Folge „Jetzt rufen wir mal an!
… die insgesamt sechste Folge namens „Bringt Bitte Gold mit!

Bringt bitte Gold mit! (Was würde der Shruggie tun? 006)

Was würde der Shruggie tun? – Antworten vom sprechenden Emoticon aus „Das Pragmatismus-Prinzip“ ist ein Podcast mit Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen und gibt es hier bei iTunes, hier bei Soundcloud und hier als RSS-Feed.

Endlich, der Lieblings-Podcast ist wieder da: die Bringt bitte Gold mit-Folge behandelt so viele Themen wie (fast) noch nie. Von Algorithmen-Coolness bis zum Zauber des schlechten Wetters – aber vor allem: Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen freuen sich mit dem sprechenden Emoticon aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ auf den 14.3. zum Live-Podcast in München!

Das sagen sie auch ständig – und beantworten zwischendurch diese Fragen …

… von @smandel_8 von @reportagenfm: Warum finden die coolen Kids David Guetta so scheiße?
… von @thibaudroth: Ich hab so viel zu lesen und komme nicht hinterher. Was tun?
… von @lachsdieb: Warum gibt es keine gute Wetterapp?
… von der Straße: Wie tue ich das Gute?
… von @bastiHosan: Warum ist das Reisen mit der Bahn so anstrengend?
… von @Steinlein: Wie steht der Shruggie zum Verloben?

Da willst du auch mal dabei sein? Dann stell dem Shruggie jetzt deine Frage. Schreib sie in seinen iTunes-Feed in die Kommentare oder sprich sie ihm auf den Anrufbeantworter (0174 350 3082)

Zum Nachhören gibt es hier…
… die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“,
… die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“
… die zweite reguläre Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“
… die dritte reguläre Folge „Rückruf vom Smiley
… die vierte reguläre Folge „Jetzt rufen wir mal an!
… die nächste Folge wird live im Lovelace in München aufgenommen, vor Publikum. Komm vorbei: 14.3. 20:15 Uhr Komm vorbei, der Eintritt ist frei!

Die offizielle Veranstaltungseinladung bei Facebook

Shownotes:
> Hier kann man die Box von Yannic sehen
> Hier hat t3n den aktuellen Hype Vero erklärt.
>So sieht es aus, wenn man im Lovelace aus dem Fenster schaut
> Hintergrund zum temporären Hotel Lovelace in der SZ
> Twitter-Like für Reportagen FM
> Was Lustiges von David Guetta
> Das Stimmen der Radiohead-Gitarren ist ein neuer Song?
> Hier gehts zu Instapaper und hier zum Pragmatismus-Prinzip.
> Das Hörbuch von „Der Mann ohne Eigenschaften“, aus dem das Wort „Möglichkeitssinn“ stammt, das hier schon mal Thema war.
> Zum Thema Ambiguitätstoleranz: eine ganze Folge
> „Eins zu eins ist jetzt vorbei“ stammt aus dem Tocotronic-Song „Neues vom Trickser“
> Was ist der DMCMUC? Hier ist die Antwort – denn der Shruggie war auch da.
> Alles Leben ist Problemlösen – das Buch von Karl Popper
> Bitte Christoph mal fragen, was es mit seinem Twitter-Handle auf sich hat
> Das Zitat „Das Problem ist nicht das Problem, sondern deine Haltung zu dem Problem“ stammt von Jack Sparrow
> Hier geht es um das Prokrustes Bett
> Hintergründe zum Eheschließen in München
> Die Nora-Kette von Thomas Anders

Falls du nicht persönlich zum Live-Podcasting kommen kannst, schicke vorab deine Frage 0174 350 3082!

Bist du sicher?

Für das Weblog des Piper-Verlags habe ich aufgeschrieben, was hinter meinem neuen Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ steckt. Auf der Website habe ich auch fünf Fragen zum Buch beantwortet.

Vielleicht kann man den Zustand der Welt am besten mit diesem kleinen Bild auf meinem Smartphone beschreiben. Ich habe die Einstellungen in meinem Instagram-Profil geändert und erhalte jetzt eine Rückmeldung von dem Programm, die aus der scheinbar einfachen Frage besteht „Bist Du sicher?“

Bin ich sicher? Kann man das in dieser komplexen Welt überhaupt noch sein: sicher? Ich halte einen Moment inne und betrachte die Antwort-Optionen, die aus diesem Dialogfeld ein Symbol für den Zustand der Welt machen. Denn dort steht nur „Ja, ich bin mir sicher“ und „Abbrechen“. Anders formuliert: Hier geht es nur für diejenigen weiter, die sich sicher sind. Nur die kommen durch, die der Meinung sind, es verstanden und zumindest recht zu haben. Für alle anderen bleibt nur „Abbrechen“.

Schon klar, das Dialogfeld ist als Bestätigung in der App gedacht, aber als Bild ist es eben so viel mehr: Es ist das perfekte Symbol für das Dilemma, in dem sich immer mehr Menschen befinden, die sich nicht mehr sicher sind. Aus unterschiedlichen Gründen fühlen sie sich überfordert – von der gefühlten Beschleunigung, von den Veränderungen oder vom Fremden. Sie sind unsicher – und klicken aus diesem Gefühl auf „Abbrechen“. Was in ihrem Fall bedeutet: Sie wollen zurück. Zurück in eine alte Währung, zurück in den eigenen Nationalstaat aber vor allem zurück in die Zeit, als sie selber jung und sich noch sicher waren.

Die Vergangenheit ist in vielen gesellschaftlichen Debatten zum Maßstab des Handelns geworden. Das Neue, das Fremde, das Verstörende hat kein besonders gutes Image; das Bewahren und Abwehren bestimmt die Debatte. Der Grund liegt an dem oben zitierten Dialogfeld. Wenn es für die, die unsicher sind, keine andere Option als „Abbrechen“ gibt, dann führt deren Überforderung fast zwangsläufig zur Rückbesinnung und zum Ausstieg aus einer Debatte des Gestaltens.

Ich glaube wir müssen uns eine andere Option erlauben. Ein Feld, das heißen könnte: „Ich bin mir nicht sicher, aber das ist kein Problem. Ich probiere es aus und lernen“. Ein solches Feld könnte auch mit dem schulterzuckenden Emoticon des Shruggie illustriert sein. Denn er steht meiner Meinung nach für diese Haltung, die ich Kulturpragmatismus nenne. Eine Sicht auf die Welt, die sich zwischen die sicheren Prognosen der Pessimisten und Optimisten setzt und den Wert der Zukunft nicht als geben versteht, sondern abhängig von unserem Zutun.

Diese Haltung fehlt nicht nur in dem Dialogfeld auf meinem Smartphone. Sie würde auch weltweit helfen – all den Menschen, die sich Angst machen lassen von den Überforderungs- und Untergangsszenarien, die häufig von denen bedient werden, die damit nur den Boden bereiten wollen für ihre eigenen, einfachen Lösungen. Denn in einer Welt der Angst und der Sorge sind Menschen viel empfänglicher für die vereinfachende Weltsicht der Populisten. Der Shruggie stellt sich dieser Angstpolitik in den Weg und plädiert für einen offenen Pluralismus, der immer wieder fragt: „Was, wenn das Gegenteil richtig wäre?“

Auf diese Weise stimuliert der Shruggie die Unsicherheit sogar. Denn sie ist für ihn kein Problem, sondern der Ausgangspunkt für einen Perspektivwechsel, der nötig ist, um Neues zu entdecken. Denn die beste Antwort auf die Frage „Bist Du sicher?“ lautet in Wahrheit: ¯\_(ツ)_/¯

Das Pragmatismus-Prinzip ist bei Piper erschienen. Man kann es hier bei Amazon bestellen, beim lokalen Buchhändler oder direkt auf der Website des Verlags. Unter shruggie.de habe ich alle Infos zum Buch gebündelt. Dort ist auch der Podcast „Was würde der Shruggie tun?“ verlinkt.

Getting Ambiguitätstoleranz With It (Was würde der Shruggie tun? 003)

Was würde der Shruggie tun? – Antworten vom sprechenden Emoticon aus „Das Pragmatismus-Prinzip ist ein Podcast mit Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen und gibt es hier bei iTunes, hier bei Soundcloud und hier als RSS-Feed.

Das Buch ist da! 150 Jahre nach der Veröffentlichung von „Der Idiot“ erscheint heute das Buch mit dem Shruggie. Der Podcast feiert den Erscheinungstag von „Das Pragmatismus-Prinzip“ – und vergisst vor lauter Freude, den Titel des Podcasts zu erwähnen. Er heißt „Was würde der Shruggie tun?“ und kommt in der zweiten regulären Folge mit großartigen Geschenken und tollen Fragen daher, u.a. mit…

@filid, der fragt „Würde der Shruggie Geschenken annehmen?“ – und direkt ein Geschenk mitbringt. Diese großartige Shruggie-Box!
… der Frage von @bastihosan nach dem richtigen Zeitpunkt zum Schlafengehen.
… der Frage nach dem Lieblingslied des Shruggie!
… Christoph, der fragt: Ist Ratlosigkeit auch weiblich? Und: hat der Shruggie eine Glatze?
… der Überlegung: Soll man sich bei Facebook abmelden?
@Lavinia_Wo, die wissen will, ob der Shruggie nicht sehr passiv ist.
… einer Frage nach dem Wert von Großraumbüros. Und der Aufforderung: Wer ruft uns aus der Stabi an!?
… der Auflösung der unverständlichen Frage aus der letzten Folge: Peter Wittkamp fragt nach Whatsapp-Gruppen
… der Cliffhanger-Frage @tran_vominhthu, die in der nächsten Folge beantwortet wird.

Da willst du auch dabei sein? Dann stell dem Shruggie jetzt deine Frage. Schreib sie in seinen iTunes-Feed in die Kommentare oder sprich sie ihm auf den Anrufbeantworter (0174 350 3082)

Zum Nachhören gibt es hier die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“, hier die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“ sowie die aktuelle Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“

Shownotes:
>Die Bauanleitung für die Shruggie-Box von filid steht hier.
>Der LEO23GT steht hier in Warschau und das Foto von iBigFoots Kaffeekanne steht hier (die Genervtheit von Max von Malotki hier)
>Das Gespräch mit Ute Welty (das meine Pragmatismus-Fähigkeit auf die Probe gestellt hat) kann man auf der Website vom Deutschlandfunk Kultur nachhören.
>Hintergrund zum U2-Release von Songs of Innocence steht hier
> Der Mann auf dem Kinderspielplatz ist Maeckes – sein Song Gettin Jiggy With It ist das Lieblingslied vom Shruggie – der von @diskomanni empfohlene Mammut-Remix von steht hier
> Das Wort Ambiguitätstoleranz ist hier auf der Wikipedia erklärt
> Für die Shruggie-Ultras und Internethistoriker: Hier ging es schon mal um Geschlechtszuschreibungen des Shruggie.
> Das zitierte Buch von Rebecca Solnit heißt „Wenn Männer mir die Welt erklären“
> Der Text vom Kollegen Richard Gutjahr steht hier in seinem Blog.
> Hintergrund zur Idee der Zwei-Browser-Lösung bei Matthias Eberl.
> Hintergrund zum Kältebus.
> Die Forderung „Wir sollten die Hoffnungen der Menschen ernst nehmen, nicht ihre Sorgen“ habe ich beim Zündfunk-Netzkongress formuliert.
> Zukunft ist kein Schicksal – hat der Bundespräsident in seiner Weihnachtsansprache gesagt.
> Die „Bloß nichts falsch machen“-Kritik an der FDP stand hier in meinem Newsletter
>Der Rant aufs Großraumbüro aus der FAZ.
> Der Podcast von Peter Wittkamp und Daniel Erk heißt ErkundWittkamp und ist dringend zum Anhören empfohlen!
> Beim Begriff Stabile Unterhaltung – muss ich an dieses T-Shirt denken.
> Die WhatsApp-Kolumne von jetzt.de steht hier

> Falls Du Hausmeister einer Mehrzweckhalle bist und uns zum Live-Podcasting einladen möchtest: Melde dich bei uns – oder beim Shruggie unter der Nummer 0174 350 3082 (Wir nehmen auch Bildschirmhintergrund-Motive für Yannic)

Newsletter über Newsletter (Digitale Dezember-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Dezember-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Vor ziemlich genau drei Jahren habe ich ein Experiment gestartet (hier die turi2-Meldung), das mir seitdem viel Freude und einen ganz neuen Blick auf Social-Media gebracht hat: ich habe den Digitale-Notizen-Newsletter begonnen. Seitdem kann man mir dort monatlich beim Denken zusehen. Es sind dabei einige Folgen entstanden, die Grundlage für größere Projekte waren: Aus der Folge im Januar 2016 entstand das Projekt #gegendiepanik, aus der Folge im Mai 2017 wurde eine Veranstaltung gemeinsam mit Gunnar Jans und wer die Folge über Kulturpragmatismus gelesen hat, wird einiges davon in meinem neuen Buch erkennen, das am 12. Januar erscheint und mich inspiriert hat, wieder etwas Neues auszuprobieren.

Ich starte einen Podcast!
Dass ich damit nicht der erste bin, ist mir bewusst. Aber gerade deshalb möchte ich ausprobieren, was dahinter steckt. Ich konnte den Podcast-Experten Yannic Hannebohn überreden, mir dabei behilflich zu sein und nun die Frage zu beantworten: Was würde der Shruggie tun? (Feed)

Hier können Sie die Meta-Trailerfolge auf Soundcloud anhören (und sobald Apple sie akzeptiert hat auch in iTunes). Wie beim Start des Newsletters vor drei Jahren bin ich auch jetzt unsicher, was dabei rauskommt. Aber ich freue mich, wenn Sie mich auch bei diesem Experiment begleiten – und soviel Spaß daran haben wie Yannic und ich in der ersten Folge:

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Da diese Folge des Digitale-Notizen-Newsletters eine Jubiläums-Ausgabe ist, geht es dieses Mal vor allem um Newsletter – und um die Frage: Wie macht man eigentlich einen guten Newsletter? Ich habe Antworten auf diese Frage bekommen – von sieben Autorinnen und Autoren der besten Newsletter im deutschsprachigen Raum.

Inga Höltmann, Gründerin der Accelerate Academy und Journalistin

Warum schreibst Du einen Newsletter? Ich lese viel zu meinen Themen – Kulturwandel, Neue Arbeit und moderne Führung – und teile und kommentiere sie eifrig über meine Sozialen Netzwerke (vornehmlich Facebook und Twitter @ihoelt). Da lag es nahe, mit einem eigens aufgesetzten Newsletter einen weiteren, sehr persönlichen Kommunikationskanal zu schaffen. Es gibt in dem Bereich auch nicht viele gute – warum also die Lücke nicht einfach selbst füllen? Das eröffnete mir einen weiteren Weg, spannende und inspirierende Inhalte zu teilen, auch meine eigenen, denn ich schreibe und blogge ja auch regelmäßig dazu. Darüber hinaus habe ich schnell festgestellt, dass es eine schöne Möglichkeit ist, regelmäßig etwas von sich hören zu lassen. Und nicht zuletzt – es macht mir auch einfach Spaß, den Newsletter jeden Monat zu gestalten: Ich lese gern, ich schreibe gern, das passt alles zusammen.
Seit wann? Seit etwa anderthalb Jahren
Was hast Du dabei gelernt? Es ist nicht der erste Newsletter, den ich mache, für ein anderes Projekt habe ich schon einmal zwei Jahre einen Newsletter gemacht. Man sollte sich am Anfang etwas Zeit nehmen, um seinen eigenen Ton zu finden, die eigene Ansprechhaltung. Und es sollte klar sein, was das Versprechen ist, das man macht – und ich versuche mit jeder einzelnen Ausgabe aufs Neue, das einzulösen.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Ich mag journalistische Newsletter, also inhaltsgetriebene, handwerklich saubere Mailings. Wenn es nur darum geht, mir etwas zu verkaufen, bin ich ziemlich schnell wieder weg. Und ein Newsletter sollte auch mehr liefern als zum Beispiel nur eine Zusammenfassung der letzten Blogbeiträge – mir ist die persönliche Handschrift immer wichtig.
Gib mal ein Beispiel: Ich habe einige Newsletters von Foodbloggern abonniert, zum Beispiel Kimberly Snyder oder Deliciously Ella, die ich sehr gern lese. Und regelmäßig lese ich auch das Social Media Watchblog Briefing (siehe unten). Einen weiteren Newsletter, den ich empfehlen kann: Den der britischen Journalistin Harriet Minter.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Ich nutze Mailpoet. Ich kenne fast niemanden, der damit arbeitet, aber ich komme sehr gut damit klar. Es ist leicht aufzusetzen und intuitiv zu bedienen.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Seid pingelig! Ein guter Newsletter ist auch gut gemacht!

Inga beschreibt ihre monatlichen Mails als „Mein schnieker Newsletter“

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Sue Reindke, Digital Strategin und Autorin

Warum schreibst Du einen Newsletter? Die Idee entstand eigentlich, weil ich eine Weile lang gar nicht mehr öffentlich publizieren wollte, aus vielen Gründen. Wobei das Projekt „Email für Dich“ heißt: es ist eher, als würde ich Briefe schreiben, der Begriff „Newsletter“ trifft es nicht.
Seit wann? September 2016
Was hast Du dabei gelernt? Emails sind ein ganz persönliches Medium: wie bei einem Brief ist völlig klar, dass man alleine der Empfänger ist, und man es in seinem Postfach nur selbst lesen kann. Das schafft viel Nähe, und manchmal kommen ganz erstaunliche Antworten zurück. Viele sagen auch sowas wie: ich mag die Mails total, ich bekomme sonst gar keine persönlichen Mails mehr, Freunde schreiben nur noch Status Updates.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Es gibt keine allgemein gültigen Aussagen für alle Newsletter, die unterscheiden sich ja auch in ihrem Zweck: schreibt da jemand um des Schreibens willen oder geht es um etwas anderes, den Verkauf von Produkten oder das Erhöhen von Klickzahlen?
Grundsätzlich finde ich es immer gut, wenn jemand in persönlichen Newslettern bei sich bleibt und es nicht primär darum geht, „etwas zu erreichen“.
Gib mal ein Beispiel: Ich lese gerne den privaten Newsletter von Lukas Heinser, „Post vom Einheinser„.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Mailchimp, das ist in der Basisversion kostenlos und leicht zu bedienen. Man wird da Schritt für Schritt durchgeführt und das Erstellen von Newslettern ist wahnsinnig einfach.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einfach mal loslegen und verschiedene Dinge probieren. Und nicht so sehr drüber nachdenken, wie das ankommt oder ob das den Empfängern gut gefällt.

Der Newsletter von Sue heißt Email für Dich.

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Barbara Vorsamer, Redakteurin bei SZ-Familie

Warum schreibst Du einen Newsletter? Ich bin verantwortlich für die digitalen Kanäle des Print-Magazins „Süddeutsche Zeitung Familie“. Das erscheint alle zwei Monate – ein irrsinnig langer Zeitraum für mich als Online-Journalistin und, wie ich glaube, auch für viele Leserinnen und Leser. Deswegen schreiben wir einen wöchentlichen, kostenlosen Newsletter.
Seit wann? Seit April 2017
Was hast Du dabei gelernt? Nähe zu schaffen, ohne mich und meine Kinder bloßzustellen. Ich nehme meistens ein aktuelles Thema auf, das kann eine klassische Nachricht sein, ein Post in den sozialen Medien oder etwas, das ich oder meine Kinder diese Woche getan haben. Darüber mache ich mir ein paar Gedanken, verlinke alles, was ich dazu interessant finde und frage (wenn es passt – kein Muss, sonst wirkt es seltsam), wie es den Leserinnen und Lesern damit geht.
Was macht einen guten Newsletter aus? Ein guter Familien-Newsletter gibt den Leserinnen und Lesern erst ein „Geht mir genauso“-Gefühl und erzählt ihnen dann etwas, was sie vielleicht noch nicht wussten.
Gib mal ein Beispiel: Dieser z.B.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Maileon, weil das der Newsletter-Dienstleister der SZ ist.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einfach loslegen. Gute Newsletter lesen und nachmachen, was einem gefällt. Feedback und Quoten beobachten und daraus lernen. Trotzdem nur das machen, was einem selber gefällt.

Den Newsletter von SZ-Familie kann man hier bestellen. Außerdem schreibt Barbara seit kurzem auch einen privaten Newsletter, den man hier bestellen kann. Offenlegung: Barbara und ich sind Kollegen!

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Franziska Bluhm, selbstständig als Journalistin, Beraterin und Trainerin

Warum schreibst Du einen Newsletter? Weil ich ausprobieren wollte, wie das ist: der wöchentliche Rhythmus, die Tatsache, für ein Postfach zu schreiben und auszuprobieren, wie ich mit einem Newsletter Reichweite aufbauen kann.
Seit wann? Seit April 2017
Was hast Du dabei gelernt? Dass Newsletterschreiben hat mich daran erinnert, wie viel Spaß es mir macht, regelmäßig zu schreiben.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Er bietet seinen Lesern einen Mehrwert, überrascht und schafft eine Begehrlichkeit, ihn nicht verpassen zu wollen.
Gib mal ein Beispiel: Ich mag den Newsletter von Johannes Klingebiel sehr gerne, Katrin Scheib entführt mich regelmäßig in die Welt des russischen Fußballs und Gabor Steingart unterhält mich allmorgendlich im Morning Briefing.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Ich habe mich für Mailchimp entschieden – weil es mir empfohlen wurde und weil mich die zwei Konkurrenzprodukte, die ich auch in Erwägung gezogen hatte, mich nicht überzeugt haben.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einfach ausprobieren, dabei lernst du am besten.

Franziskas wöchentliche Dosis Inspiration kann man hier bestellen.

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Julian Schmidli, Reporter bei SRF Data und freier Autor

Warum schreibst Du einen Newsletter? Viele der Dinge, die in meinem Newsletter auftauchen, habe ich früher auf Facebook gepostet: Kurze Beobachtungen aus dem Leben, Fotos, Buchtipps, Spotify-Playlisten. Doch dort fühlt es sich nicht mehr richtig an. Algorithmen filtern die Posts raus; die Gestaltungsmöglichkeiten sind zu gering; zu viel Werbung. Deshalb bin ich zurück zur guten, alten Mailing-Liste – quasi der analogste unter den digitalen Kanälen. Für mich ist es auch eine gute Schreibübung: ein Mal im Monat in einer Art «Brief an meine Freunde» ein paar Gedanken der letzten Wochen zusammenzufassen. Dabei will ich keine langweilige Nabelschau betreiben, sondern Themen behandeln, die meine Freunde umtreiben. Dass auch immer mehr Unbekannte mitlesen, zeigt, dass die Herangehensweise wohl nicht ganz verkehrt ist.
Seit wann? Seit Frühling 2017.
Was hast Du dabei gelernt? Auch wenn meine journalistische Arbeit mehr Menschen erreicht, bekomme ich für den Newsletter viel mehr Feedback. Gerade auch von Menschen, die ich kaum oder gar nicht kenne. Wohl, weil Ton und Inhalt viel persönlicher sind. Es gibt mehr Platz für Humor und Zweifel. Humor und Zweifel.. das wäre eigentlich auch ein guter Name gewesen!
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Das hängt vom Bedürfnis des Lesers ab. Ich lese sehr gerne Newsletter mit einem persönlichen Ton, deren Autoren sich sehr gut in einem gewissen Feld auskennen und mir Einsicht und Übersicht geben können. Am Ende sollte sich ein guter Newsletter anfühlen wie der Brief eines sehr schlauen Freundes.
Gib mal ein Beispiel? Bande de Coquins. Übersetzt: Eine Bande von Schurken. So nennt sich das Kollektiv anonymer AutorInnen, das seit diesem Frühling einmal in der Woche Zürcher Orte ins Visier nimmt. Zärtliche Lobeshymnen über Ravioli, lakonische Verrisse vom Kosmos, gehobene Kulturkritiken über alternative Museumsführungen – die Damen und Herren schreiben mit spitzer Feder und Humor. Und immer hat man das Gefühl, Teil eines verschworenen Clubs zu sein.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Ich setze mir ein Thema und schreibe dann assoziativ los. So kommt oft auch ein persönlicher Aspekt an die Oberfläche. Am Ende kurz straffen – und ohne viel zu redigieren abschicken.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Geht verspielt an die Sache heran. Werdet persönlich, aber vergesst nicht: Es geht eigentlich nicht um euch.

Julians Newsletter heißt „Schwerer werden. Leichter sein.“

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Martin Giesler, Journalist & Blogger

Warum schreibst Du einen Newsletter? Ich verschicke viermal die Woche morgens um 7:00 Uhr die wichtigsten News und Debatten rund um Social Media an mehrere Tausend Kollegen, von denen – verrückterweise – fast die Hälfte auch jeden Morgen meinen Newsletter tatsächlich öffnet. Bedeutet: die Kollegen lesen, sehen, bekommen, was ich ihnen geschickt habe, was ich für sie aufbereitet habe. Kein Algorithmus entscheidet also darüber, ob meine Leser das erreicht, was sie interessiert. Durch das Format Newsletter habe ich einen direkten Zugang zu meinen Lesern, stehe mit ihnen unmittelbar in Kontakt, im Austausch. Dadurch kann ich einen echten, verlässlichen Service anbieten, die Distribution meiner Inhalte nicht dem Zufall überlassen und bin schnell erreichbar für Rückfragen und Hinweise, was wiederum einen großen Mehrwert für den jeweils nächsten Newsletter hat.
Seit wann? Das Briefing verschicke ich jetzt seit gut drei Jahren. Zunächst mit meinen wunderbaren Kollegen vom Social Media Watchblog (Hallo Anna, Isabell, Jan, Christian, Tilman und Simon) neben unseren eigentlich Jobs, seit November diesen Jahres ist das Briefing aber tatsächlich zu einem festen Job für mich geworden – ich verschicke quasi hauptberuflich einen Newsletter an Kollegen. Hätte ich so vor ein paar Jahren auch noch nicht gedacht, aber das Sponsoring von Partnern wie Rheinische Post oder Sport1, sowie vor allem die monatliche Unterstützung meiner Leser via Steady macht es möglich, dass ich mit meinem Watchblog einen erheblichen Anteil meines Einkommens erziele – neben Pferderennen und Bitcoin-Mining versteht sich.
Was hast Du dabei gelernt? Mail ist immer noch eine Killer-App: seit Jahren gelebte Kulturpraxis, direkt und ohne Intermediäre, frictionless, in der Gestalltung völlig frei. Während ich bei Facebook nur die Boxen befülle, die in Facebooks Interesse sind, ich zudem darauf angewiesen bin, dass ich den Algorithmus bediene, um auch im News Feed des interessierten Publikums zu landen, habe ich beim Versand einer Email völlig freie Hand – sowohl gestalterisch als auch inhaltlich. Social Media Plattform sind – von YouTube einmal abgesehen – eher dafür geeignet, maximale Reichweite zum Ziel zu haben. Wer hingegen wirklich eine feste Leserschaft aufbauen möchte, für den ist ein Newsletter ein großartiges Mittel.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Newsletter können unterschiedliche Zwecke erfüllen. Für mich zeichnet sich ein guter Newsletter dadurch aus, dass er verlässlich ist und hohe Qualität liefert, die für mich relevant ist. Genau das ist auch der Anspruch an mein eigenes Social Media Briefing.
Welche Technik nutzt du? Gehirn, Slack und Mailchimp.
Und warum? Gehirn ist immer gut. Slack dient des Sammelns von Artikeln und Themen. Mailchimp ist ein solides Programm zum Boarding von Kontakten und zum Erstellen des Newsletters.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einen Newsletter würde ich auf keinen Fall anfangen. Schon gar nicht über Social Media schreiben. Das ist bereits total überlaufen… Nee, Quatsch. Newsletter sind ein wunderbares Tool, um sich als Journalist einen festen Kreis an Lesern aufzubauen. Ich würde jedem raten, einen Newsletter zu starten – vor allem schon deshalb, weil es ein so wunderbar kalkulierter Kontrollverlust ist: Wenn einmal auf Senden gedrückt wurde, kann die Email nicht mehr eingefangen werden, ist das Wort geschrieben, die Meinung in der Welt. Das schult ungemein.

Martins Social-Media-Briefing gibt es hier

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Sara Weber, News Editor (Tech/Startups) bei LinkedIn Deutschland

Warum schreibst du einen Newsletter: Ich schreibe sogar zwei, beruflich einen über Tech- und Startup-News, privat einen über Podcasts. Mein privater Newsletter erscheint auf Englisch und ist voll mit Podcast-Empfehlungen. Als ich ihn 2015 gestartet hab, war das noch eine ziemliche Neuheit und gute Podcasts schwer zu finden. Ich wurde als leidenschaftliche Hörerin oft nach Tipps gefragt und wollte diese sammeln und teilen.
Seit wann: 23. März 2015
Was hast du dabei gelernt: Dass ein gutes GIF immer gut ankommt. Und dass Newsletter ein sehr persönliches Medium sind, das in der Nische einen Großteil der relevanten Personen erreichen kann. Die meisten meiner Abonnenten arbeiten im Bereich Radio und Podcasts, sind also vom Fach, und haben daher viel konstruktives Feedback. Oft bekomme ich persönliche Reaktionen und mittlerweile habe ich einige meiner US-Abonnenten im echten Leben kennengelernt.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus?
Der persönliche Ton. Bei meinen Lieblingsnewslettern habe ich beim Lesen das Gefühl, die Autorin/der Autor spricht mit mir.
Gib mal ein Beispiel: Journalistin Eve Peyser schreibt den wunderbaren Newsletter „Am I crying?“, der jedes Mal erscheint, wenn sie weint. Allerdings gab es schon länger keine Mail mehr – schade für mich, gut für sie. Unter den Medienunternehmen schafft Buzzfeed sehr individuelle Formate mit persönlichem Ton, mein Favorit ist der Another-Round-Newsletter, der den gleichnamigen Podcast begleitet.
Welche Technik nutzt du: Privat Tinyletter, weil mir das 2015 am einfachsten erschien. Beruflich Mailchimp, weil es dort mehr Formatierungsmöglichkeiten und Statistiken gibt.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Unterschätzt die Arbeit nicht! Vor allem, wenn ein Newsletter regelmäßig erscheint, sollte man sich vorab gut überlegen, ob man genug Zeit haben wird, ihn zu recherchieren, schreiben und gestalten – und ob sich das Thema wirklich für potentiell unendlich viele Ausgaben eignet.

Saras Tech-Newsletter heißt Durchgestartet – und hier gibt es ihre Podcast-Tipps

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Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Hoffnung für besorgte Bürger

Am Wochenende durfte ich im Rahmen des Zündfunk Netzkongress ein Lob auf das Smartphone singen. Es geht in dem Beitrag – der hier im Netz steht – auch um das Smartphone, aber vor allem geht es um ein anderes Verhältnis zum Neuen, zum Unbekannten.

Der Vortrag basiert in weiten Teilen auf dem, was ich im in einem Buch zusammengefasst habe, das im Januar 2018 bei Piper erscheint. Es heißt „Das Pragmatismus-Prinzip“ und fasst im Untertitel zusammen, worum es mir in Vortrag und Buch geht: „Zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen“

Ich glaube, dass es an einem hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft fehlt. Das Morgen ist Optimisten wie hierzulande vor allem Pessimisten ein mit ihren Wünschen und vor allem Sorgen beschriebenes Blatt und viel zu selten ein offener, ein gestaltbarer Raum. Um es mit den Worten der sehr tollen Rebecca Solnit zusammenzusammen: Wir brauchen mehr Hoffnung. Sie schreibt:

Hoffnung ist die Umarmung des Unbekannten und dessen, was man nicht wissen kann. Hoffnung ist eine Alternative zu der Gewissheit, die Optimisten und Pessimisten gleichermaßen ausdrücken. Optimisten denken alles werde sich zum Guten wenden ganz ohne unser Zutun; Pessimisten nehmen die gegenteilige Haltung ein – beide finden darin eine Entschuldigung dafür, nicht selber aktiv zu werden.

Braucht man das? Noch bevor man mir nach dem Vortrag am Freitag die Frage stellen konnte, beantwortete die Bild-Zeitung sie übrigens per Titelzeile: „Deutschlands Schüler immer schlechter“ stand auf der Seite eins der Samstags-Ausgabe. Die Zeile sollte eine „Alarm-Studie zum Schreiben, Rechnen, Zuhören“ verkaufen und lieferte den perfekten Beweis für das, was ich in Vortrag und Buch kritisiere: Den Alarmismus, der vor allem darauf basiert, dass nach uns immer nur Niedergang kommt. Niemals würde irgendjemand behaupten, dass die nachfolgende Schülergeneration jetzt aber mal wirklich klüger und smarter sei als man selber. Immer wird behauptet, dass früher noch richtig gelernt, geschrieben, gerechnet und zugehört wurde. Muss ja auch so sein: Denn früher war man ja selber dabei.

Ich traue diesem Alarmismus nicht. Wo immer Hysterie und Panik geschürt werden, antworte ich mit dem Shruggie: ¯\_(ツ)_/¯ und frage mich: Und wenn das Gegenteil richtig wäre?

Diese Frage und die zugrunde liegende Haltung, die ich in Das Pragmatismus-Prinzip in zehn Gründen zusammnengefasst habe, scheint mir die beste Versicherung gegen den selbstgerechten Alterungsprozess zu sein, bei dem am Ende immer nur die eigene Vergangenheit als Maßstabe gilt – und nie die Zukunft als gestaltbarer Raum. Deshalb gilt: Für mehr ¯\_(ツ)_/¯!

🏃 Fünf Entwicklungen, die man beim Laufen für (digitale) Medien lernen kann (Digitale Mai-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Es gibt einen schönen Nebeneffekt am sportlichen Laufen, selbst wenn es man es nur joggend betreibt: Während man rennt, hat man Zeit zum Denken. Es gibt recht lesenswerte Ausführungen darüber, wie das Zusammenspiel von Nicht-Denken und Nach-Denken beim Laufen den Zwischenspeicher im Gehirn befreit (iPhone-Besitzer kennen einen vergleichbaren Prozess vom „Aufräumen“ auf hohe MB-Zahlen angewachsener Apps auf dem Smartphone). Und aus eigener Erfahrung kann ich ergänzen: Dieses Zusammenspiel bildet manchmal sogar die Grundlage für neue Ideen.

Jedenfalls entstand die Idee zu dieser Folge der „Digitale Notizen“ beim Laufen. Was auch damit zu tun hat, dass ich in diesem Monat an einem besonderen Lauf teilnahm – aber eben auch damit, dass ich glaube, dass der Kultur- und Medienbranche sich mit dem Laufen befassen sollten: mit dem Laufen als Markt. (Foto: Unsplash)

Denn im Geschäftsfeld „Breitensport“ lassen sich auch für mich als mittelsportlichen Laien ein paar Entwicklungen ablesen, die vielleicht Inspiration für die Medienbranche sein könnten. Ich sehe diese fünf (zu denen ich auch einen Experten befragt habe)

🏃 1. Vom Produkt zum Prozess – wie der Markt sich verändert 🏃
Ein Sportartikelhersteller lebt davon, Sportartikel zu verkaufen. Das klingt logisch und ist sicher auch richtig – aber eben nicht nur. Aus der Perspektive der ersten Entwicklung lässt sich ergänzen: Ein Sportartikelhersteller der digitale Gegenwart verkauft nicht mehr nur Sportartikel, er ist Partner für den gesamten Prozess „Sport machen“ geworden – oder versucht dazu zu werden. Neben bedeutsamen Veränderungen in der Ausrichtung der Kundenbeziehung (s.u.) heißt dies vor allem: Es geht nicht mehr nur darum, Sportartikel herzustellen und diese zu vertreiben. Es geht darum, den gesamten Prozess in den Blick zu nehmen.
Und was heißt das für Medien? Wenn der Vergleich stimmt, reicht es nicht aus, sich einzig auf gute Produkte – also Artikel, Beiträge oder Texte zu konzentrieren. Es könnte sinnvoll sein, den gesamten Prozess der Orientierung in den Blick zu nehmen

🏃🏃 2. Vom Verkäufer zum Gastgeber – wie die Unternehmen sich neu positionieren 🏃🏃
Selbstwahrnehmung und Positionierung des Unternehmens ändert sich durch die Erweiterung der Perspektive grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum, gute Produkte zu verkaufen. Es geht um eine Infrastruktur, um eine dauerhafte Kundenbeziehung, für die das Unternehmen die Rolle eines Gastgebers einnimmt. Dabei folgt die Positionierung sehr vereinfacht gesprochen der Logik: Wenn wir wollen, dass die Menschen laufen (wofür sie dann unsere Sportartikel brauchen), dann müssen wir ihnen den Rahmen schaffen, in dem sie laufen können.
Und was heißt das jetzt für Medien? Wenn Sportartikelhersteller kostenlose Lauftreffs veranstalten, braucht es keine besonders große Kreativität um auf Lesegruppen zu kommen. Social Reading als Idee ist bereits da, bisher fehlt aber ein von Sportartikelherstellern Verlagen geschaffener Rahmen.

🏃🏃🏃3. Vom Kunden zum Testimonial – wie Verbraucher eine andere Rolle annehmen 🏃🏃🏃
Allein die Tatsache, dass Käufer*innen mit dem Erwerb von Sportartikeln auch Werbefläche anbieten, würde eine genauere Beobachtung verdienen: Wer ein T-Shirt von einem Sportartikelhersteller kauft, wirbt nicht selten durch die prominente Platzierung von Logo und Markennamen für den Hersteller. Allein die Frage zu stellen, wie man als Leser*innen diesen Distinktionsgewinn bei der Lektüre eines Mediums bekommen kann, wäre spannend. Aber darüberhinaus transportieren die laufenden Konsument*innen noch eine weitere Botschaft: Sie bringen andere Menschen in den Gastraum des Sportartikelherstellers. Sie werden zu Testimoninals, die die Sportartikelhersteller sogar bewusst fördern und vorstellen.
Was soll das jetzt für Medien bedeuten? Dass Leser*innen ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft Zeitung sind (siehe dazu meine Notizen aus dem Jahr 2009). Man entscheidet sich für das eine oder andere Medium eben auch weil man sich für die eine oder andere Gruppe derjenigen entscheidet, die es auch lesen/hören/gucken. Dieser Aspekt der Distinktion und Sichtbarmachung derjenigen, die ein Medium nutzen kommt bisher fast gar nicht zum Tragen. Die Laufbranche macht auf erstaunliche Weise vor wie es gehen könnte.

🏃🏃🏃🏃4. Von der Marke zum Medium – welche Rolle Inhalte spielen 🏃🏃🏃🏃
Diese Behauptung klang schon an anderer Stelle im Newsletter an: Marken erstellen selber Inhalte, mit denen sie Zielgruppen erreichen. Sie werden also selber zu Medien. Im Zuge der Veränderungen der eigenen Rolle produziert der Sportartikelhersteller eben nicht mehr nur Sport-BHs, sondern auch Sport-Berichte. Als Partner im Gesamtprozess „Laufen“ übernimmt der T-Shirtproduzent nun auch Ratgeberfunktionen, die früher Sportmedien übernommen haben.
Warum ist das für Medien wichtig? Weil Marken hier in den Kernbereich dessen vordringen, was bisher exklusives Geschäfts von Medien war: Mit Hilfe von Inhalten Ziegruppen zu erreichen. Selbst wenn die anderen Punkte den Medien in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung egal sind: Hier sind sie gefordert, sich neu und klarer zu positionieren.

🏃🏃🏃🏃🏃5. Von der (Produkt-)Eigenschaft zum Erlebnis – wie Werbung sich verändert 🏃🏃🏃🏃🏃
Wie inspiriert man Menschen dazu eine bestimmte Tätigkeit z.B. Laufen auszuüben? Indem man ihnen Menschen zeigt, die Freude an dieser Tätigkeit – also dem Laufen – haben. Bei der Beobachtung der zu Testimonials entwickelten Läufer*innen in sozialen Netzwerken habe ich verstanden, wie Content Marketing funktioniert (und was es von klassischer Produktwerbung unterscheidet): Es macht Lust darauf, eine Tätigkeit auszuüben, eine Produkt zu nutzen – indem es die Freude zeigt, die Menschen dabei haben. So stellen die Frontrunner und anders genannten Testimonials allein dadurch, dass sie ihr Laufen zeigen sicher, dass auch Menschen im erweiterten Umfeld inspirierte werden, zu laufen. Auch dafür brauchte man früher Sport-Medien und klassische Werbung.
Und welche Schlussfolgerung soll man nun daraus ziehen? Bei Content Marketing geht es nicht um Schleichwerbung oder Vertuschung einer Werbebotschaft. Es geht darum, die Nutzung eines Produktes von einer glaubwürdigen Person vorführen zu lassen. Völlig egal, wie man inhaltlich dazu steht: die Laufbranche zeigt, wie das funktionieren kann – und hat damit natürlich auch Einfluss auf klassische Medien.

Und wem das alles zu sportlich war: Man kann sich diese Entwicklungen auch von Apple zeigen lassen. In diesem Monat hat die Firma, die für viele ja ein Sportartikel-Smartphone-Hersteller ist, gezeigt, dass sie in Zukunft nicht nur das sein will, sondern zunehmend auch Infrastruktur-Anbieter werden will: Unter apple.com/today kann man sich anschauen, wie Apple die oben beschriebenen Entwicklungen auf die Anwendung seiner Geräte überträgt…

Zur Einordung meiner Beobachtungen übers Laufen habe ich jemanden gefragt, der sich damit auskennt: Aktiv wie als Berichterstatter. Gunnar Jans hat hier meine Fragen zum Laufen beantwortet.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Hope Cause I’ve Learned to Cope

Im Rahmen der Metaconference am NRW-Forum in Düsseldorf durfte ich heute mein passend betiteltes Buch Meta – das Ende des Durchschnitts vorstellen und ein wenig darüber sprechen, warum ich den Shruggie für ein gutes Symbol für eine neue Haltung zur Zukunft halte.

Dabei habe ich die wunderbare Rebecca Solnit zitiert, die mit ihrem Blick auf Hoffnung genau diese Haltung des Kulturpragmatismus auf den Punkt gebracht hat. Sie schreibt:

„Hoffnung ist die Umarmung des Unbekannten und dessen, was man nicht wissen kann. Hoffnung ist eine Alternative zu der Gewissheit, die Optimisten und Pessimisten gleichermaßen ausdrücken. Optimisten denken alles werde sich zum Guten wenden ganz ohne unser Zutun; Pessimisten nehmen die gegenteilige Haltung ein – beide finden darin eine Entschuldigung dafür, nicht selber aktiv zu werden.“

Nach dem Vortrag kam ein Zuhörer mit einer interessanten Referenz zu mir. Er hatte die Ideen der Shruggie-Haltung nämlich in einem Song wiedergefunden, den man sozusagen als Soundtrack zu dieser hoffungsvollen Perspektive auf die Zukunft hören kann. Er heißt: Hope (Cause I’ve Learned to Cope) und ist auch inhaltlich ein schöner Ratschlag!

Vielen Dank für den Hinweis!