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Getting Ambiguitätstoleranz With It (Was würde der Shruggie tun? 003)

Was würde der Shruggie tun? – Antworten vom sprechenden Emoticon aus „Das Pragmatismus-Prinzip ist ein Podcast mit Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen und gibt es hier bei iTunes, hier bei Soundcloud und hier als RSS-Feed.

Das Buch ist da! 150 Jahre nach der Veröffentlichung von „Der Idiot“ erscheint heute das Buch mit dem Shruggie. Der Podcast feiert den Erscheinungstag von „Das Pragmatismus-Prinzip“ – und vergisst vor lauter Freude, den Titel des Podcasts zu erwähnen. Er heißt „Was würde der Shruggie tun?“ und kommt in der zweiten regulären Folge mit großartigen Geschenken und tollen Fragen daher, u.a. mit…

@filid, der fragt „Würde der Shruggie Geschenken annehmen?“ – und direkt ein Geschenk mitbringt. Diese großartige Shruggie-Box!
… der Frage von @bastihosan nach dem richtigen Zeitpunkt zum Schlafengehen.
… der Frage nach dem Lieblingslied des Shruggie!
… Christoph, der fragt: Ist Ratlosigkeit auch weiblich? Und: hat der Shruggie eine Glatze?
… der Überlegung: Soll man sich bei Facebook abmelden?
@Lavinia_Wo, die wissen will, ob der Shruggie nicht sehr passiv ist.
… einer Frage nach dem Wert von Großraumbüros. Und der Aufforderung: Wer ruft uns aus der Stabi an!?
… der Auflösung der unverständlichen Frage aus der letzten Folge: Peter Wittkamp fragt nach Whatsapp-Gruppen
… der Cliffhanger-Frage @tran_vominhthu, die in der nächsten Folge beantwortet wird.

Da willst du auch dabei sein? Dann stell dem Shruggie jetzt deine Frage. Schreib sie in seinen iTunes-Feed in die Kommentare oder sprich sie ihm auf den Anrufbeantworter (0174 350 3082)

Zum Nachhören gibt es hier die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“, hier die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“ sowie die aktuelle Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“

Shownotes:
>Die Bauanleitung für die Shruggie-Box von filid steht hier.
>Der LEO23GT steht hier in Warschau und das Foto von iBigFoots Kaffeekanne steht hier (die Genervtheit von Max von Malotki hier)
>Das Gespräch mit Ute Welty (das meine Pragmatismus-Fähigkeit auf die Probe gestellt hat) kann man auf der Website vom Deutschlandfunk Kultur nachhören.
>Hintergrund zum U2-Release von Songs of Innocence steht hier
> Der Mann auf dem Kinderspielplatz ist Maeckes – sein Song Gettin Jiggy With It ist das Lieblingslied vom Shruggie – der von @diskomanni empfohlene Mammut-Remix von steht hier
> Das Wort Ambiguitätstoleranz ist hier auf der Wikipedia erklärt
> Für die Shruggie-Ultras und Internethistoriker: Hier ging es schon mal um Geschlechtszuschreibungen des Shruggie.
> Das zitierte Buch von Rebecca Solnit heißt „Wenn Männer mir die Welt erklären“
> Der Text vom Kollegen Richard Gutjahr steht hier in seinem Blog.
> Hintergrund zur Idee der Zwei-Browser-Lösung bei Matthias Eberl.
> Hintergrund zum Kältebus.
> Die Forderung „Wir sollten die Hoffnungen der Menschen ernst nehmen, nicht ihre Sorgen“ habe ich beim Zündfunk-Netzkongress formuliert.
> Zukunft ist kein Schicksal – hat der Bundespräsident in seiner Weihnachtsansprache gesagt.
> Die „Bloß nichts falsch machen“-Kritik an der FDP stand hier in meinem Newsletter
>Der Rant aufs Großraumbüro aus der FAZ.
> Der Podcast von Peter Wittkamp und Daniel Erk heißt ErkundWittkamp und ist dringend zum Anhören empfohlen!
> Beim Begriff Stabile Unterhaltung – muss ich an dieses T-Shirt denken.
> Die WhatsApp-Kolumne von jetzt.de steht hier

> Falls Du Hausmeister einer Mehrzweckhalle bist und uns zum Live-Podcasting einladen möchtest: Melde dich bei uns – oder beim Shruggie unter der Nummer 0174 350 3082 (Wir nehmen auch Bildschirmhintergrund-Motive für Yannic)

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Newsletter über Newsletter (Digitale Dezember-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Dezember-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Vor ziemlich genau drei Jahren habe ich ein Experiment gestartet (hier die turi2-Meldung), das mir seitdem viel Freude und einen ganz neuen Blick auf Social-Media gebracht hat: ich habe den Digitale-Notizen-Newsletter begonnen. Seitdem kann man mir dort monatlich beim Denken zusehen. Es sind dabei einige Folgen entstanden, die Grundlage für größere Projekte waren: Aus der Folge im Januar 2016 entstand das Projekt #gegendiepanik, aus der Folge im Mai 2017 wurde eine Veranstaltung gemeinsam mit Gunnar Jans und wer die Folge über Kulturpragmatismus gelesen hat, wird einiges davon in meinem neuen Buch erkennen, das am 12. Januar erscheint und mich inspiriert hat, wieder etwas Neues auszuprobieren.

Ich starte einen Podcast!
Dass ich damit nicht der erste bin, ist mir bewusst. Aber gerade deshalb möchte ich ausprobieren, was dahinter steckt. Ich konnte den Podcast-Experten Yannic Hannebohn überreden, mir dabei behilflich zu sein und nun die Frage zu beantworten: Was würde der Shruggie tun? (Feed)

Hier können Sie die Meta-Trailerfolge auf Soundcloud anhören (und sobald Apple sie akzeptiert hat auch in iTunes). Wie beim Start des Newsletters vor drei Jahren bin ich auch jetzt unsicher, was dabei rauskommt. Aber ich freue mich, wenn Sie mich auch bei diesem Experiment begleiten – und soviel Spaß daran haben wie Yannic und ich in der ersten Folge:

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Da diese Folge des Digitale-Notizen-Newsletters eine Jubiläums-Ausgabe ist, geht es dieses Mal vor allem um Newsletter – und um die Frage: Wie macht man eigentlich einen guten Newsletter? Ich habe Antworten auf diese Frage bekommen – von sieben Autorinnen und Autoren der besten Newsletter im deutschsprachigen Raum.

Inga Höltmann, Gründerin der Accelerate Academy und Journalistin

Warum schreibst Du einen Newsletter? Ich lese viel zu meinen Themen – Kulturwandel, Neue Arbeit und moderne Führung – und teile und kommentiere sie eifrig über meine Sozialen Netzwerke (vornehmlich Facebook und Twitter @ihoelt). Da lag es nahe, mit einem eigens aufgesetzten Newsletter einen weiteren, sehr persönlichen Kommunikationskanal zu schaffen. Es gibt in dem Bereich auch nicht viele gute – warum also die Lücke nicht einfach selbst füllen? Das eröffnete mir einen weiteren Weg, spannende und inspirierende Inhalte zu teilen, auch meine eigenen, denn ich schreibe und blogge ja auch regelmäßig dazu. Darüber hinaus habe ich schnell festgestellt, dass es eine schöne Möglichkeit ist, regelmäßig etwas von sich hören zu lassen. Und nicht zuletzt – es macht mir auch einfach Spaß, den Newsletter jeden Monat zu gestalten: Ich lese gern, ich schreibe gern, das passt alles zusammen.
Seit wann? Seit etwa anderthalb Jahren
Was hast Du dabei gelernt? Es ist nicht der erste Newsletter, den ich mache, für ein anderes Projekt habe ich schon einmal zwei Jahre einen Newsletter gemacht. Man sollte sich am Anfang etwas Zeit nehmen, um seinen eigenen Ton zu finden, die eigene Ansprechhaltung. Und es sollte klar sein, was das Versprechen ist, das man macht – und ich versuche mit jeder einzelnen Ausgabe aufs Neue, das einzulösen.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Ich mag journalistische Newsletter, also inhaltsgetriebene, handwerklich saubere Mailings. Wenn es nur darum geht, mir etwas zu verkaufen, bin ich ziemlich schnell wieder weg. Und ein Newsletter sollte auch mehr liefern als zum Beispiel nur eine Zusammenfassung der letzten Blogbeiträge – mir ist die persönliche Handschrift immer wichtig.
Gib mal ein Beispiel: Ich habe einige Newsletters von Foodbloggern abonniert, zum Beispiel Kimberly Snyder oder Deliciously Ella, die ich sehr gern lese. Und regelmäßig lese ich auch das Social Media Watchblog Briefing (siehe unten). Einen weiteren Newsletter, den ich empfehlen kann: Den der britischen Journalistin Harriet Minter.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Ich nutze Mailpoet. Ich kenne fast niemanden, der damit arbeitet, aber ich komme sehr gut damit klar. Es ist leicht aufzusetzen und intuitiv zu bedienen.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Seid pingelig! Ein guter Newsletter ist auch gut gemacht!

Inga beschreibt ihre monatlichen Mails als „Mein schnieker Newsletter“

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Sue Reindke, Digital Strategin und Autorin

Warum schreibst Du einen Newsletter? Die Idee entstand eigentlich, weil ich eine Weile lang gar nicht mehr öffentlich publizieren wollte, aus vielen Gründen. Wobei das Projekt „Email für Dich“ heißt: es ist eher, als würde ich Briefe schreiben, der Begriff „Newsletter“ trifft es nicht.
Seit wann? September 2016
Was hast Du dabei gelernt? Emails sind ein ganz persönliches Medium: wie bei einem Brief ist völlig klar, dass man alleine der Empfänger ist, und man es in seinem Postfach nur selbst lesen kann. Das schafft viel Nähe, und manchmal kommen ganz erstaunliche Antworten zurück. Viele sagen auch sowas wie: ich mag die Mails total, ich bekomme sonst gar keine persönlichen Mails mehr, Freunde schreiben nur noch Status Updates.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Es gibt keine allgemein gültigen Aussagen für alle Newsletter, die unterscheiden sich ja auch in ihrem Zweck: schreibt da jemand um des Schreibens willen oder geht es um etwas anderes, den Verkauf von Produkten oder das Erhöhen von Klickzahlen?
Grundsätzlich finde ich es immer gut, wenn jemand in persönlichen Newslettern bei sich bleibt und es nicht primär darum geht, „etwas zu erreichen“.
Gib mal ein Beispiel: Ich lese gerne den privaten Newsletter von Lukas Heinser, „Post vom Einheinser„.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Mailchimp, das ist in der Basisversion kostenlos und leicht zu bedienen. Man wird da Schritt für Schritt durchgeführt und das Erstellen von Newslettern ist wahnsinnig einfach.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einfach mal loslegen und verschiedene Dinge probieren. Und nicht so sehr drüber nachdenken, wie das ankommt oder ob das den Empfängern gut gefällt.

Der Newsletter von Sue heißt Email für Dich.

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Barbara Vorsamer, Redakteurin bei SZ-Familie

Warum schreibst Du einen Newsletter? Ich bin verantwortlich für die digitalen Kanäle des Print-Magazins „Süddeutsche Zeitung Familie“. Das erscheint alle zwei Monate – ein irrsinnig langer Zeitraum für mich als Online-Journalistin und, wie ich glaube, auch für viele Leserinnen und Leser. Deswegen schreiben wir einen wöchentlichen, kostenlosen Newsletter.
Seit wann? Seit April 2017
Was hast Du dabei gelernt? Nähe zu schaffen, ohne mich und meine Kinder bloßzustellen. Ich nehme meistens ein aktuelles Thema auf, das kann eine klassische Nachricht sein, ein Post in den sozialen Medien oder etwas, das ich oder meine Kinder diese Woche getan haben. Darüber mache ich mir ein paar Gedanken, verlinke alles, was ich dazu interessant finde und frage (wenn es passt – kein Muss, sonst wirkt es seltsam), wie es den Leserinnen und Lesern damit geht.
Was macht einen guten Newsletter aus? Ein guter Familien-Newsletter gibt den Leserinnen und Lesern erst ein „Geht mir genauso“-Gefühl und erzählt ihnen dann etwas, was sie vielleicht noch nicht wussten.
Gib mal ein Beispiel: Dieser z.B.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Maileon, weil das der Newsletter-Dienstleister der SZ ist.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einfach loslegen. Gute Newsletter lesen und nachmachen, was einem gefällt. Feedback und Quoten beobachten und daraus lernen. Trotzdem nur das machen, was einem selber gefällt.

Den Newsletter von SZ-Familie kann man hier bestellen. Außerdem schreibt Barbara seit kurzem auch einen privaten Newsletter, den man hier bestellen kann. Offenlegung: Barbara und ich sind Kollegen!

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Franziska Bluhm, selbstständig als Journalistin, Beraterin und Trainerin

Warum schreibst Du einen Newsletter? Weil ich ausprobieren wollte, wie das ist: der wöchentliche Rhythmus, die Tatsache, für ein Postfach zu schreiben und auszuprobieren, wie ich mit einem Newsletter Reichweite aufbauen kann.
Seit wann? Seit April 2017
Was hast Du dabei gelernt? Dass Newsletterschreiben hat mich daran erinnert, wie viel Spaß es mir macht, regelmäßig zu schreiben.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Er bietet seinen Lesern einen Mehrwert, überrascht und schafft eine Begehrlichkeit, ihn nicht verpassen zu wollen.
Gib mal ein Beispiel: Ich mag den Newsletter von Johannes Klingebiel sehr gerne, Katrin Scheib entführt mich regelmäßig in die Welt des russischen Fußballs und Gabor Steingart unterhält mich allmorgendlich im Morning Briefing.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Ich habe mich für Mailchimp entschieden – weil es mir empfohlen wurde und weil mich die zwei Konkurrenzprodukte, die ich auch in Erwägung gezogen hatte, mich nicht überzeugt haben.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einfach ausprobieren, dabei lernst du am besten.

Franziskas wöchentliche Dosis Inspiration kann man hier bestellen.

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Julian Schmidli, Reporter bei SRF Data und freier Autor

Warum schreibst Du einen Newsletter? Viele der Dinge, die in meinem Newsletter auftauchen, habe ich früher auf Facebook gepostet: Kurze Beobachtungen aus dem Leben, Fotos, Buchtipps, Spotify-Playlisten. Doch dort fühlt es sich nicht mehr richtig an. Algorithmen filtern die Posts raus; die Gestaltungsmöglichkeiten sind zu gering; zu viel Werbung. Deshalb bin ich zurück zur guten, alten Mailing-Liste – quasi der analogste unter den digitalen Kanälen. Für mich ist es auch eine gute Schreibübung: ein Mal im Monat in einer Art «Brief an meine Freunde» ein paar Gedanken der letzten Wochen zusammenzufassen. Dabei will ich keine langweilige Nabelschau betreiben, sondern Themen behandeln, die meine Freunde umtreiben. Dass auch immer mehr Unbekannte mitlesen, zeigt, dass die Herangehensweise wohl nicht ganz verkehrt ist.
Seit wann? Seit Frühling 2017.
Was hast Du dabei gelernt? Auch wenn meine journalistische Arbeit mehr Menschen erreicht, bekomme ich für den Newsletter viel mehr Feedback. Gerade auch von Menschen, die ich kaum oder gar nicht kenne. Wohl, weil Ton und Inhalt viel persönlicher sind. Es gibt mehr Platz für Humor und Zweifel. Humor und Zweifel.. das wäre eigentlich auch ein guter Name gewesen!
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Das hängt vom Bedürfnis des Lesers ab. Ich lese sehr gerne Newsletter mit einem persönlichen Ton, deren Autoren sich sehr gut in einem gewissen Feld auskennen und mir Einsicht und Übersicht geben können. Am Ende sollte sich ein guter Newsletter anfühlen wie der Brief eines sehr schlauen Freundes.
Gib mal ein Beispiel? Bande de Coquins. Übersetzt: Eine Bande von Schurken. So nennt sich das Kollektiv anonymer AutorInnen, das seit diesem Frühling einmal in der Woche Zürcher Orte ins Visier nimmt. Zärtliche Lobeshymnen über Ravioli, lakonische Verrisse vom Kosmos, gehobene Kulturkritiken über alternative Museumsführungen – die Damen und Herren schreiben mit spitzer Feder und Humor. Und immer hat man das Gefühl, Teil eines verschworenen Clubs zu sein.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Ich setze mir ein Thema und schreibe dann assoziativ los. So kommt oft auch ein persönlicher Aspekt an die Oberfläche. Am Ende kurz straffen – und ohne viel zu redigieren abschicken.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Geht verspielt an die Sache heran. Werdet persönlich, aber vergesst nicht: Es geht eigentlich nicht um euch.

Julians Newsletter heißt „Schwerer werden. Leichter sein.“

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Martin Giesler, Journalist & Blogger

Warum schreibst Du einen Newsletter? Ich verschicke viermal die Woche morgens um 7:00 Uhr die wichtigsten News und Debatten rund um Social Media an mehrere Tausend Kollegen, von denen – verrückterweise – fast die Hälfte auch jeden Morgen meinen Newsletter tatsächlich öffnet. Bedeutet: die Kollegen lesen, sehen, bekommen, was ich ihnen geschickt habe, was ich für sie aufbereitet habe. Kein Algorithmus entscheidet also darüber, ob meine Leser das erreicht, was sie interessiert. Durch das Format Newsletter habe ich einen direkten Zugang zu meinen Lesern, stehe mit ihnen unmittelbar in Kontakt, im Austausch. Dadurch kann ich einen echten, verlässlichen Service anbieten, die Distribution meiner Inhalte nicht dem Zufall überlassen und bin schnell erreichbar für Rückfragen und Hinweise, was wiederum einen großen Mehrwert für den jeweils nächsten Newsletter hat.
Seit wann? Das Briefing verschicke ich jetzt seit gut drei Jahren. Zunächst mit meinen wunderbaren Kollegen vom Social Media Watchblog (Hallo Anna, Isabell, Jan, Christian, Tilman und Simon) neben unseren eigentlich Jobs, seit November diesen Jahres ist das Briefing aber tatsächlich zu einem festen Job für mich geworden – ich verschicke quasi hauptberuflich einen Newsletter an Kollegen. Hätte ich so vor ein paar Jahren auch noch nicht gedacht, aber das Sponsoring von Partnern wie Rheinische Post oder Sport1, sowie vor allem die monatliche Unterstützung meiner Leser via Steady macht es möglich, dass ich mit meinem Watchblog einen erheblichen Anteil meines Einkommens erziele – neben Pferderennen und Bitcoin-Mining versteht sich.
Was hast Du dabei gelernt? Mail ist immer noch eine Killer-App: seit Jahren gelebte Kulturpraxis, direkt und ohne Intermediäre, frictionless, in der Gestalltung völlig frei. Während ich bei Facebook nur die Boxen befülle, die in Facebooks Interesse sind, ich zudem darauf angewiesen bin, dass ich den Algorithmus bediene, um auch im News Feed des interessierten Publikums zu landen, habe ich beim Versand einer Email völlig freie Hand – sowohl gestalterisch als auch inhaltlich. Social Media Plattform sind – von YouTube einmal abgesehen – eher dafür geeignet, maximale Reichweite zum Ziel zu haben. Wer hingegen wirklich eine feste Leserschaft aufbauen möchte, für den ist ein Newsletter ein großartiges Mittel.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Newsletter können unterschiedliche Zwecke erfüllen. Für mich zeichnet sich ein guter Newsletter dadurch aus, dass er verlässlich ist und hohe Qualität liefert, die für mich relevant ist. Genau das ist auch der Anspruch an mein eigenes Social Media Briefing.
Welche Technik nutzt du? Gehirn, Slack und Mailchimp.
Und warum? Gehirn ist immer gut. Slack dient des Sammelns von Artikeln und Themen. Mailchimp ist ein solides Programm zum Boarding von Kontakten und zum Erstellen des Newsletters.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einen Newsletter würde ich auf keinen Fall anfangen. Schon gar nicht über Social Media schreiben. Das ist bereits total überlaufen… Nee, Quatsch. Newsletter sind ein wunderbares Tool, um sich als Journalist einen festen Kreis an Lesern aufzubauen. Ich würde jedem raten, einen Newsletter zu starten – vor allem schon deshalb, weil es ein so wunderbar kalkulierter Kontrollverlust ist: Wenn einmal auf Senden gedrückt wurde, kann die Email nicht mehr eingefangen werden, ist das Wort geschrieben, die Meinung in der Welt. Das schult ungemein.

Martins Social-Media-Briefing gibt es hier

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Sara Weber, News Editor (Tech/Startups) bei LinkedIn Deutschland

Warum schreibst du einen Newsletter: Ich schreibe sogar zwei, beruflich einen über Tech- und Startup-News, privat einen über Podcasts. Mein privater Newsletter erscheint auf Englisch und ist voll mit Podcast-Empfehlungen. Als ich ihn 2015 gestartet hab, war das noch eine ziemliche Neuheit und gute Podcasts schwer zu finden. Ich wurde als leidenschaftliche Hörerin oft nach Tipps gefragt und wollte diese sammeln und teilen.
Seit wann: 23. März 2015
Was hast du dabei gelernt: Dass ein gutes GIF immer gut ankommt. Und dass Newsletter ein sehr persönliches Medium sind, das in der Nische einen Großteil der relevanten Personen erreichen kann. Die meisten meiner Abonnenten arbeiten im Bereich Radio und Podcasts, sind also vom Fach, und haben daher viel konstruktives Feedback. Oft bekomme ich persönliche Reaktionen und mittlerweile habe ich einige meiner US-Abonnenten im echten Leben kennengelernt.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus?
Der persönliche Ton. Bei meinen Lieblingsnewslettern habe ich beim Lesen das Gefühl, die Autorin/der Autor spricht mit mir.
Gib mal ein Beispiel: Journalistin Eve Peyser schreibt den wunderbaren Newsletter „Am I crying?“, der jedes Mal erscheint, wenn sie weint. Allerdings gab es schon länger keine Mail mehr – schade für mich, gut für sie. Unter den Medienunternehmen schafft Buzzfeed sehr individuelle Formate mit persönlichem Ton, mein Favorit ist der Another-Round-Newsletter, der den gleichnamigen Podcast begleitet.
Welche Technik nutzt du: Privat Tinyletter, weil mir das 2015 am einfachsten erschien. Beruflich Mailchimp, weil es dort mehr Formatierungsmöglichkeiten und Statistiken gibt.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Unterschätzt die Arbeit nicht! Vor allem, wenn ein Newsletter regelmäßig erscheint, sollte man sich vorab gut überlegen, ob man genug Zeit haben wird, ihn zu recherchieren, schreiben und gestalten – und ob sich das Thema wirklich für potentiell unendlich viele Ausgaben eignet.

Saras Tech-Newsletter heißt Durchgestartet – und hier gibt es ihre Podcast-Tipps

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Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Hoffnung für besorgte Bürger

Am Wochenende durfte ich im Rahmen des Zündfunk Netzkongress ein Lob auf das Smartphone singen. Es geht in dem Beitrag – der hier im Netz steht – auch um das Smartphone, aber vor allem geht es um ein anderes Verhältnis zum Neuen, zum Unbekannten.

Der Vortrag basiert in weiten Teilen auf dem, was ich im in einem Buch zusammengefasst habe, das im Januar 2018 bei Piper erscheint. Es heißt „Das Pragmatismus-Prinzip“ und fasst im Untertitel zusammen, worum es mir in Vortrag und Buch geht: „Zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen“

Ich glaube, dass es an einem hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft fehlt. Das Morgen ist Optimisten wie hierzulande vor allem Pessimisten ein mit ihren Wünschen und vor allem Sorgen beschriebenes Blatt und viel zu selten ein offener, ein gestaltbarer Raum. Um es mit den Worten der sehr tollen Rebecca Solnit zusammenzusammen: Wir brauchen mehr Hoffnung. Sie schreibt:

Hoffnung ist die Umarmung des Unbekannten und dessen, was man nicht wissen kann. Hoffnung ist eine Alternative zu der Gewissheit, die Optimisten und Pessimisten gleichermaßen ausdrücken. Optimisten denken alles werde sich zum Guten wenden ganz ohne unser Zutun; Pessimisten nehmen die gegenteilige Haltung ein – beide finden darin eine Entschuldigung dafür, nicht selber aktiv zu werden.

Braucht man das? Noch bevor man mir nach dem Vortrag am Freitag die Frage stellen konnte, beantwortete die Bild-Zeitung sie übrigens per Titelzeile: „Deutschlands Schüler immer schlechter“ stand auf der Seite eins der Samstags-Ausgabe. Die Zeile sollte eine „Alarm-Studie zum Schreiben, Rechnen, Zuhören“ verkaufen und lieferte den perfekten Beweis für das, was ich in Vortrag und Buch kritisiere: Den Alarmismus, der vor allem darauf basiert, dass nach uns immer nur Niedergang kommt. Niemals würde irgendjemand behaupten, dass die nachfolgende Schülergeneration jetzt aber mal wirklich klüger und smarter sei als man selber. Immer wird behauptet, dass früher noch richtig gelernt, geschrieben, gerechnet und zugehört wurde. Muss ja auch so sein: Denn früher war man ja selber dabei.

Ich traue diesem Alarmismus nicht. Wo immer Hysterie und Panik geschürt werden, antworte ich mit dem Shruggie: ¯\_(ツ)_/¯ und frage mich: Und wenn das Gegenteil richtig wäre?

Diese Frage und die zugrunde liegende Haltung, die ich in Das Pragmatismus-Prinzip in zehn Gründen zusammnengefasst habe, scheint mir die beste Versicherung gegen den selbstgerechten Alterungsprozess zu sein, bei dem am Ende immer nur die eigene Vergangenheit als Maßstabe gilt – und nie die Zukunft als gestaltbarer Raum. Deshalb gilt: Für mehr ¯\_(ツ)_/¯!

🏃 Fünf Entwicklungen, die man beim Laufen für (digitale) Medien lernen kann (Digitale Mai-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Es gibt einen schönen Nebeneffekt am sportlichen Laufen, selbst wenn es man es nur joggend betreibt: Während man rennt, hat man Zeit zum Denken. Es gibt recht lesenswerte Ausführungen darüber, wie das Zusammenspiel von Nicht-Denken und Nach-Denken beim Laufen den Zwischenspeicher im Gehirn befreit (iPhone-Besitzer kennen einen vergleichbaren Prozess vom „Aufräumen“ auf hohe MB-Zahlen angewachsener Apps auf dem Smartphone). Und aus eigener Erfahrung kann ich ergänzen: Dieses Zusammenspiel bildet manchmal sogar die Grundlage für neue Ideen.

Jedenfalls entstand die Idee zu dieser Folge der „Digitale Notizen“ beim Laufen. Was auch damit zu tun hat, dass ich in diesem Monat an einem besonderen Lauf teilnahm – aber eben auch damit, dass ich glaube, dass der Kultur- und Medienbranche sich mit dem Laufen befassen sollten: mit dem Laufen als Markt. (Foto: Unsplash)

Denn im Geschäftsfeld „Breitensport“ lassen sich auch für mich als mittelsportlichen Laien ein paar Entwicklungen ablesen, die vielleicht Inspiration für die Medienbranche sein könnten. Ich sehe diese fünf (zu denen ich auch einen Experten befragt habe)

🏃 1. Vom Produkt zum Prozess – wie der Markt sich verändert 🏃
Ein Sportartikelhersteller lebt davon, Sportartikel zu verkaufen. Das klingt logisch und ist sicher auch richtig – aber eben nicht nur. Aus der Perspektive der ersten Entwicklung lässt sich ergänzen: Ein Sportartikelhersteller der digitale Gegenwart verkauft nicht mehr nur Sportartikel, er ist Partner für den gesamten Prozess „Sport machen“ geworden – oder versucht dazu zu werden. Neben bedeutsamen Veränderungen in der Ausrichtung der Kundenbeziehung (s.u.) heißt dies vor allem: Es geht nicht mehr nur darum, Sportartikel herzustellen und diese zu vertreiben. Es geht darum, den gesamten Prozess in den Blick zu nehmen.
Und was heißt das für Medien? Wenn der Vergleich stimmt, reicht es nicht aus, sich einzig auf gute Produkte – also Artikel, Beiträge oder Texte zu konzentrieren. Es könnte sinnvoll sein, den gesamten Prozess der Orientierung in den Blick zu nehmen

🏃🏃 2. Vom Verkäufer zum Gastgeber – wie die Unternehmen sich neu positionieren 🏃🏃
Selbstwahrnehmung und Positionierung des Unternehmens ändert sich durch die Erweiterung der Perspektive grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum, gute Produkte zu verkaufen. Es geht um eine Infrastruktur, um eine dauerhafte Kundenbeziehung, für die das Unternehmen die Rolle eines Gastgebers einnimmt. Dabei folgt die Positionierung sehr vereinfacht gesprochen der Logik: Wenn wir wollen, dass die Menschen laufen (wofür sie dann unsere Sportartikel brauchen), dann müssen wir ihnen den Rahmen schaffen, in dem sie laufen können.
Und was heißt das jetzt für Medien? Wenn Sportartikelhersteller kostenlose Lauftreffs veranstalten, braucht es keine besonders große Kreativität um auf Lesegruppen zu kommen. Social Reading als Idee ist bereits da, bisher fehlt aber ein von Sportartikelherstellern Verlagen geschaffener Rahmen.

🏃🏃🏃3. Vom Kunden zum Testimonial – wie Verbraucher eine andere Rolle annehmen 🏃🏃🏃
Allein die Tatsache, dass Käufer*innen mit dem Erwerb von Sportartikeln auch Werbefläche anbieten, würde eine genauere Beobachtung verdienen: Wer ein T-Shirt von einem Sportartikelhersteller kauft, wirbt nicht selten durch die prominente Platzierung von Logo und Markennamen für den Hersteller. Allein die Frage zu stellen, wie man als Leser*innen diesen Distinktionsgewinn bei der Lektüre eines Mediums bekommen kann, wäre spannend. Aber darüberhinaus transportieren die laufenden Konsument*innen noch eine weitere Botschaft: Sie bringen andere Menschen in den Gastraum des Sportartikelherstellers. Sie werden zu Testimoninals, die die Sportartikelhersteller sogar bewusst fördern und vorstellen.
Was soll das jetzt für Medien bedeuten? Dass Leser*innen ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft Zeitung sind (siehe dazu meine Notizen aus dem Jahr 2009). Man entscheidet sich für das eine oder andere Medium eben auch weil man sich für die eine oder andere Gruppe derjenigen entscheidet, die es auch lesen/hören/gucken. Dieser Aspekt der Distinktion und Sichtbarmachung derjenigen, die ein Medium nutzen kommt bisher fast gar nicht zum Tragen. Die Laufbranche macht auf erstaunliche Weise vor wie es gehen könnte.

🏃🏃🏃🏃4. Von der Marke zum Medium – welche Rolle Inhalte spielen 🏃🏃🏃🏃
Diese Behauptung klang schon an anderer Stelle im Newsletter an: Marken erstellen selber Inhalte, mit denen sie Zielgruppen erreichen. Sie werden also selber zu Medien. Im Zuge der Veränderungen der eigenen Rolle produziert der Sportartikelhersteller eben nicht mehr nur Sport-BHs, sondern auch Sport-Berichte. Als Partner im Gesamtprozess „Laufen“ übernimmt der T-Shirtproduzent nun auch Ratgeberfunktionen, die früher Sportmedien übernommen haben.
Warum ist das für Medien wichtig? Weil Marken hier in den Kernbereich dessen vordringen, was bisher exklusives Geschäfts von Medien war: Mit Hilfe von Inhalten Ziegruppen zu erreichen. Selbst wenn die anderen Punkte den Medien in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung egal sind: Hier sind sie gefordert, sich neu und klarer zu positionieren.

🏃🏃🏃🏃🏃5. Von der (Produkt-)Eigenschaft zum Erlebnis – wie Werbung sich verändert 🏃🏃🏃🏃🏃
Wie inspiriert man Menschen dazu eine bestimmte Tätigkeit z.B. Laufen auszuüben? Indem man ihnen Menschen zeigt, die Freude an dieser Tätigkeit – also dem Laufen – haben. Bei der Beobachtung der zu Testimonials entwickelten Läufer*innen in sozialen Netzwerken habe ich verstanden, wie Content Marketing funktioniert (und was es von klassischer Produktwerbung unterscheidet): Es macht Lust darauf, eine Tätigkeit auszuüben, eine Produkt zu nutzen – indem es die Freude zeigt, die Menschen dabei haben. So stellen die Frontrunner und anders genannten Testimonials allein dadurch, dass sie ihr Laufen zeigen sicher, dass auch Menschen im erweiterten Umfeld inspirierte werden, zu laufen. Auch dafür brauchte man früher Sport-Medien und klassische Werbung.
Und welche Schlussfolgerung soll man nun daraus ziehen? Bei Content Marketing geht es nicht um Schleichwerbung oder Vertuschung einer Werbebotschaft. Es geht darum, die Nutzung eines Produktes von einer glaubwürdigen Person vorführen zu lassen. Völlig egal, wie man inhaltlich dazu steht: die Laufbranche zeigt, wie das funktionieren kann – und hat damit natürlich auch Einfluss auf klassische Medien.

Und wem das alles zu sportlich war: Man kann sich diese Entwicklungen auch von Apple zeigen lassen. In diesem Monat hat die Firma, die für viele ja ein Sportartikel-Smartphone-Hersteller ist, gezeigt, dass sie in Zukunft nicht nur das sein will, sondern zunehmend auch Infrastruktur-Anbieter werden will: Unter apple.com/today kann man sich anschauen, wie Apple die oben beschriebenen Entwicklungen auf die Anwendung seiner Geräte überträgt…

Zur Einordung meiner Beobachtungen übers Laufen habe ich jemanden gefragt, der sich damit auskennt: Aktiv wie als Berichterstatter. Gunnar Jans hat hier meine Fragen zum Laufen beantwortet.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Hope Cause I’ve Learned to Cope

Im Rahmen der Metaconference am NRW-Forum in Düsseldorf durfte ich heute mein passend betiteltes Buch Meta – das Ende des Durchschnitts vorstellen und ein wenig darüber sprechen, warum ich den Shruggie für ein gutes Symbol für eine neue Haltung zur Zukunft halte.

Dabei habe ich die wunderbare Rebecca Solnit zitiert, die mit ihrem Blick auf Hoffnung genau diese Haltung des Kulturpragmatismus auf den Punkt gebracht hat. Sie schreibt:

„Hoffnung ist die Umarmung des Unbekannten und dessen, was man nicht wissen kann. Hoffnung ist eine Alternative zu der Gewissheit, die Optimisten und Pessimisten gleichermaßen ausdrücken. Optimisten denken alles werde sich zum Guten wenden ganz ohne unser Zutun; Pessimisten nehmen die gegenteilige Haltung ein – beide finden darin eine Entschuldigung dafür, nicht selber aktiv zu werden.“

Nach dem Vortrag kam ein Zuhörer mit einer interessanten Referenz zu mir. Er hatte die Ideen der Shruggie-Haltung nämlich in einem Song wiedergefunden, den man sozusagen als Soundtrack zu dieser hoffungsvollen Perspektive auf die Zukunft hören kann. Er heißt: Hope (Cause I’ve Learned to Cope) und ist auch inhaltlich ein schöner Ratschlag!

Vielen Dank für den Hinweis!

Helfen nach dem Durchschnitt: der #global6k von Worldvision

Ich habe an diesem Wochenende an einem Lauf teilgenommen, für den sich außer mir genau 1350 Läuferinnen und Läufer angemeldet haben. Die Distanz des Laufs, der keinen offiziellen Startpunkt und keine Ziellinie hatte, betrug sechs Kilometer. Ich habe keinen der anderen Starter persönlich gesehen, ich habe keinem Teilnehmer die Hand geschüttelt und mit dem Veranstalter nicht persönlich gesprochen – und doch: der Global6k fand an diesem Wochenende statt. Nicht nur in Aurich, Ulm und Düsseldorf sind Menschen mitgelaufen, international haben sich über zehntausend Läufer*innen an diesem Projekt beteiligt.

Ich erzähle das hier so ausführlich, weil der Global6k von Worldvision die Idee eines Laufs nach dem Durchschnitt in die Tat umsetzt, die ich in meinem Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ im Schlusskapitel beschreibe. Es ist ein Lauf, der die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt – und in diesem Fall sogar für einen übergeordenten guten Zwecke: Die Teilnehmer*innen des Global6k laufen, um auf das Recht auf Trinkwasser hinzuweisen:

Sechs Kilometer ist die durchschnittliche Distanz, die Menschen in Afrika laufen müssen, um an eine Wasserstelle zu gelangen. In vielen Fällen ist dieses Wasser verunreinigt und vor allem für kleine Kinder lebensgefährlich.

Die Teilnahmegebühr für diesen Lauf wird eingesetzt, um Menschen in Ngoyila, im Osten von Sierra Leone Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen.

Ich finde das eine tolle Aktion, die die Möglichkeiten der Digitalisierung perfekt nutzt – für eine wie ich finde gute Sache. Wer das auch so sieht, kann auch ganz ohne Lauf hier für die Worldvision-Aktion spenden! Wer mehr über „Das Ende des Durchschnitts“ erfahren will, kann dies hier nachlesen.

Heimat!

In der aktuellen Ausgabe der Tageszeitung Die Welt erscheint heute ein Text (€-Blendle-Link) des SZ-Kollegen Heribert Prantl. Es ist dies ein Vorabdruck aus seinem Buch „Gebrauchsanweisung für Populisten“.

In dem Text geht es um den physikalischen Ort „Heimat“. Was Prantl aber meint, kann man auch auf den virtuellen Ort „Heimat“ beziehen. Das Internet – davon bin ich weiterhin überzeugt – kann Menschen ebenfalls Heimat sein. Ihm kann deshalb die gleiche Brauchtumsförderung zustehen wie den Städten und Dörfern, die Menschen Heimat bieten.

Wir verfolgen die Idee, einen Heimatverein fürs Netz zu gründen weiter. Ende des Jahres wird es dazu weitere Informationen geben.

Ähnliche Bücher, ähnliche Vornamen

Die digitale Bibliothek Skoobe hat mein Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ in dieser Woche in ihr Sortiment aufgenommen (hier der direkte Link) Das ist schön, etwas erstaunt hat mich allerdings, welche Titel der Skoobe-Algorithmus für „ähnlich“ hält:

Es sind dies vor allem Bücher von Autoren, die auch „Dirk“ heißen – sowie das Buch „Alles und nichts“ (bei dem ein „Dirk“ Ko-Autor war)

Denken ohne Geländer

Bei Arte kann man derzeit den sehr interessanten Dokumentarfilm „Hannah Arendt und die Pflicht zum Ungehorsam“ anschauen. Darin wird die Aktualität ihrer Schriften aufgearbeitet und der Blick geweitet für die Entwicklungen der Gegenwart.

Besonders erstaunlich finde ich die Ausschnitte aus dem Gespräch, das Hannah Arendt im Jahr 1964 mit Günter Gaus geführt hat. Der RBB hat eine Mitschrift dieses Fernsehinterviews online gestellt, die selber eine tolle #langstrecke ist. Darin fragt Gaus Arendt z.B. nach ihrem Erkenntnisinteresse. Ihre Antwort ist nicht nur aus feministischer Perspektive interessant:

Jetzt fragen Sie nach der Wirkung. Es ist das – wenn ich ironisch werden darf – eine männliche Frage. Männer wollen immer furchtbar gern wirken; aber ich sehe das gewissermaßen von außen. Ich selber wirken? Nein, ich will verstehen. Und wenn andere Menschen verstehen, im selben Sinne, wie ich verstanden habe – dann gibt mir das eine Befriedigung, wie ein Heimatgefühl.

Schöner kann man nicht formulieren, warum es vielleicht keine ganz doofe Idee ist, einen Heimat- und Brauchtumsverein fürs Internet zu gründen.

Nicht für die Schule, sondern fürs Leben

Fünf Milliarden Euro will Bundesbildungsministerin Wanka für einen „Digital-Pakt zwischen Bund und Ländern“ zur Verfügung stellen, der deutschen Schulen bis 2021 WLAN und Computer bringen soll. Was manchem als überfällig, aber mindestens notwendig erscheint, ist für Josef Kraus ein großer Fehler. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes hat sich in einem Interview zu den Digital-Plänen geäußert und seine Bedenken vorgetragen.

Foto: Unsplash/Roman Mager

Foto: Unsplash/Roman Mager

Es lohnt sich, das Interview genau zu lesen, weil es nicht nur Besitzstandswahrung eines Funktionärs, sondern vor allem ein Symbol dafür ist, welche Haltung in diesem Land zu (technischen) Veränderungen vorherrscht. In dem Interview zeigt sich beispielhaft, warum man über den rechten Gebrauch von Smartphones große Diskussionen erzeugen kann. Denn was neu und anders ist, sorgt bei Menschen wie Herrn Kraus nicht für Neugier oder Interesse, sondern führt einzig zu Ablehnung, auf Basis dessen, was sie ohnehin schon wissen:

„Die Digitalisierung der Klassen würde die bei den Schülern ohnehin vorhandene Neigung zum Häppchenwissen noch verstärken. Es leidet die Konzentration. Es leidet das Lesevermögen und die Diskursfähigkeit.“
(…)
„Viele lesen gar keine Bücher mehr. Bücher sind Wissen ohne Verfallsdatum.“

Mal abgesehen davon, dass Josef Kraus hier quasi nebenei eine wunderbare Definition für eBooks liefert („Wissen ohne Verfallsdatum“), zeigt diese Aussage vor allem dies: In seinem Urteil verlässt sich Herr Kraus so weitgehend auf die Vergangenheit, dass er die Gegenwart vollkommen ausklammern kann.

Darüber könnte man sich nun sehr intensiv und sehr zurecht aufregen. Man könnte und müsste anprangern, dass und wie der Präsident des Lehrerverbandes hier seine eigene Vergangenheit zum Maßstab für die Zukunft der Schülerinnen und Schüler – und damit auch unseres Landes – erhebt. Das wird aber vermutlich zu keinem Ergebnis führen, Menschen wie Herrn Kraus womöglich sogar noch in ihrer Ablehnung bestärken.

Deshalb will ich umgekehrt an die Vorbildfunktionen von Lehrerinnen und Lehrer in diesem Land appellieren: „Erziehung ist Vorbild und Liebe und sonst nichts“ hat Friedrich Fröbel mal gesagt. In diesem Sinne würde ich mir, den Schüler*innen und dem ganzen Land Lehrer*innen (und Präsidenten) wünschen, die sich als (digitale) Vorbilder verstehen: Menschen, die ihren Schüler*innen zeigen, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit (digitalen) Neuerungen geht. Menschen, die das Unbekannte nicht als falsch ablehnen, sondern sich ihm offen nähern, um herauszufinden was gut und schlecht daran ist. Denn womöglich kann man mit Laptop und Internet im Klassenzimmer Bücher lesen, ohne dafür Papier zu bewegen!

Wer vorher schon alles zu wissen glaubt, hat in Wahrheit gar keine Ahnung. Wer sich jedoch kulturpragmatisch auf die Welt einlässt, kann fürs Leben lernen – und sich fürs lebenslange Lernen wappnen. Genau das sollte Schule im besten Fall leisten – ob mit oder ohne WLAN ist dabei zunächst egal (sieht man ja gerade an vielen Schulen).

Wer aber wie Herr Kraus der Welt seine Meinung von gut und schlecht überstülpt und behauptet, „die vis-à-vis-Kommunikation ist immer besser, als auf dem Schulhof nebeneinanderzusitzen und sich gegenseitig WhatsApp-Nachrichten zu schicken“, beweist damit nur, dass es ihm nicht um Neugier und Interesse am Morgen geht, sondern einzig darum, die Wahrheiten des gestern zu sichern. Das kann man machen, aber wenn es eine Fähigkeit gibt, die einen Lehrer oder eine Lehrerin auszeichnen sollte, dann doch dies: Interesse an der Zukunft haben!

Mehr zum Thema Kulturpragmatismus in den Digitalen Notizen.