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Was früher auch nicht besser war: Der Pessimismus

Bei "Breitband" darf ich heute meinen Lieblingspodcast vorstellen: "Pessimists Archive". Ab 13 Uhr bei @dkultur

Ein von Dirk von Gehlen (@dvg) gepostetes Foto am

Wer glaubt, früher sei alles besser gewesen, der sollte mal die Tweets von Pessimists Archive lesen. Nach kurzer Lektüre stellt man nämlich fest, was früher in jedem Fall schlechter war: Die Zukunft.

Pessimists Archive macht sich die Mühe, negative Zukunftsprognosen aus der Vergangenheit zu sammeln. Das versetzt den Leser einerseits in einen erhebenden Erkenntniszustand. Denn man weiß ja – am Laptop tippend – dass die Prognose der New York Times aus dem Jahr 1985 (Niemand wird Laptops nutzen) falsch war. Zum anderen wirft die Lektüre die Frage auf, warum wir eigentlich glauben, dass ausgerechnet das Smartphone schlimmer sein soll als alle anderen Erfindungen, denen in der Vergangenheit kulturzerstörende Eigenschaften zugeschrieben werden. Warum lernen wir nicht aus der Geschichte, fragt Jason Feifer in der ersten Folge des Podcasts, der auf dem vom Louis Anslow erfundenen Twitter-Account basiert.

Das Netz- und Medienmagazin Breitband auf Deutschlandradio Kultur hat mich diese Woche gefragt, welchen Podcast ich empfehlen würde – und ich durfte Pessimists Archive vorstellen. Im Gespräch mit Christine Watty habe ich versucht zu erklären, was mich an dem Format fasziniert. Wer sich intensiver dafür interessiert, kann hier ein Interview mit dem Gründer Louis Anslow nachlesen – oder seinem Medium-Account folgen.

Um allerdings zu verstehen, warum der Pessimismus immer- und dennoch so populär ist, muss man etwas tiefer gehen. Matt Ridley (The Rational Optimist) sieht es so:

If you say the world has been getting better you may get away with being called naïve and insensitive. If you say the world is going to go on getting better, you are considered embarrassingly mad. If, on the other hand, you say catastrophe is imminent, you may expect a McArthur genius award or even the Nobel Peace Prize.

Und Morgan Housel hat darauf aufbauend folgende neun Schritte notiert, die Menschen im Umgang mit neuen Technologien gehen:

1. Noch nie davon gehört
2. Hab schon mal davon gehört, verstehe es aber nicht
3. Ich verstehe es, sehe aber keinen Sinn darin
4. Sehr reiche Menschen finden vielleicht Gefallen daran, ich aber nicht
5. Ich nutze es – aber es ist eher ein Spielzeug
6. Es ist tatsächlich ganz nützlich
7. Ich nutze es ständig
8. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals ohne es ausgekommen zu sein
9. Ernsthaft: Es gab Leute, die ohne es auskommen mussten?

¯\_(ツ)_/¯ – oder anders formuliert: genau deshalb brauchen wir Kulturpragmatismus! Und deshalb biete ich unter dem Titel „Das Shruggie-Prinzip“ an der Quadriga Hochschule in Berlin ein Seminar an, das sich mit dem digitalen Wandel, Design Thinking und der Frage befasst: Welche Haltung verlangt uns die Digitalisierung ab? Hier kann man sich dazu anmelden!

Netflix, Sky, House of Cards und die Bedeutung von Gifs



Es ist ein einfacher Link auf eine Twitter-Konversation aus Anlass des Starts der vierten Staffel von House of Cards. Und doch steckt in diesem Tweet des deutschen Netflix-Accounts und der Antwort von Sky-Deutschland so viel Digitalisierung, dass es sich lohnt kurz innen- und festzuhalten, was gerade passiert (und nicht nur, weil dafür die von mir sehr geschätzten animierten Gifs zum Einsatz kommen)

Darum gehts: Die äußerst populäre Serie „House of Cards“ ist eine Netflix-Eigenproduktion, die in Deutschland allerdings nicht bei Netflix zu sehen ist, sondern bei Sky. Der große amerikanische Streaming-Dienst verkaufte zum Start der Serie vor vier Jahren die Rechte für den deutschen Markt an Sky – vermutlich weil man annahm, mehr Geld einzunehmen als wenn man die Serie auch den deutschen Zuschauern selber zugänglich macht. Diese Rechte-Thematik bekam größere Aufmerksamkeit, weil Netflix zur Durchsetzung dieser Länderrechte einen Umweg zu schließen vorgibt, über den deutsche Netflix-Nutzer die Serie bisher dennoch auf Netflix gucken konnten. Alle Hintergründe zur VPN-Sperre hier.

Das lernen wir:


1. Netflix-Deutschland kommunziert die Schwäche seines eigenen Angebots auf ein offene und sympathische Art und Weise. Der Tweet mit dem animierten Gif sagt indirekt: „Sorry liebe Kunden wir haben vor vier Jahren einen Fehler gemacht, würden wir heute nicht wieder so machen. Bleibt uns trotzdem treu.Dieser Tweet widerspricht in ALLEM der Verschweige-Kultur klassischer Öffentlichkeitsarbeit, die darauf ausgerichtet ist, Fehler zu verschweigentuschen als sie zuzugeben. Netflix macht es trotzdem.


2. Bei Sky freut man sich offenbar so sehr darüber, dass man das Produkt „House of Cards“ im Angebot hat, dass man aus lauter Überheblichkeit all das falsch macht, was Netflix richtig macht: wieder ein einfaches Gif, allerdings gedankenlos gepostet. Frank Underwood schlägt die Tür zu – dem Kunden vor der Nase. Das ganze ist als Antwort an Netflix gedacht, muss aber (auch) als Botschaft an den Zuschauer verstanden werden. Indirekt sagt dieses Gif: „Du kommst hier nicht rein. Diese Tür ist zu.“ Dabei müsste doch das Gegenteil im Interesse von Sky sein: diejenigen Netflix-Kunden zu gewinnen, die gerade nicht gucken können.

3. Nun kann man sagen „Also bitte, das ist doch wohl egal! Sky wirbt all überall damit, dass sie „House of Cards“ im Angebot haben. Da sollte man einen einfachen Tweet doch bitte nicht überbewerten.“ Das glaube ich gerade nicht. Die Bedeutung von Gifs (und von Social-Media-Kommunikation in Gänze) steckt ja genau in dieser Beiläufigkeit, die riesige Bedeutung erlangen kann: Eine zugeschlagene Tür ist für mich wichtiger als zahlreiche Plakate, ein eingestandener Fehler ist sympathischer als das Vertuschen.

4. Das ganze Thema ist aber noch aus einem anderen Grund sehr lehrreich, denn die VPN- und Ländersperren-Debatte hat eine Auseinandersetzung überlagert, die noch vor wenigen Jahren mit erstaunlicher Inbrunst geführt wurde: jene über Urheberrechtsverletzungen! Die Älteren werden sich erinnern: es ist nicht lange her, da wurde im Zusammenhang mit amerikanischen Serien vor allem darüber gesprochen, dass die bösen Nutzer alles umsonst gucken wollen. Dass eine schlimme Generation heranwächst, die mindestens für das Ende der Kultur verantwortlich zu machen ist – und der mit aller gebotenen Härte das Internet abgeschaltet werden muss. Aus heutiger Sicht wirkt diese Debatte unfassbar, denn aktuell diskutieren Mitglieder genau dieser verkommenen Generation die Frage, welchen VPN-Anbieter sie bezahlen sollen, um im Angebot von Netflix (das sie ebenfalls bezahlen) die Serie gucken zu können, die sie mögen.

5. Es ist also keinesfalls der Verkommenheit der Internet-Nutzer oder gar der digitalen Kopie an sich anzulasten, dass Anbieter Probleme mit der Distribution ihrer Inhalte haben. Es liegt vielleicht eher daran, dass diese lieber ihren potenziellen Kunden die Tür vor der Nase zuschlagen, als deren erkennbares Interesse aufzunehmen. Kevin Spacey sagt zum Abschluss des fiktiven Werbespots für seinen Seriecharakter Frank Underwood. „Man sagt: Wir kriegen die politischen Führer, die wir verdienen. Ich glaube: Amerika verdient Frank Underwood.“ Bleibt die Frage: Wer verdient eigentlich welche Kunden?

mm-s1-facebook-timeline-nologo-850Weiterlesen: Lena Jakat auf jetzt.de zur Bedeutung der Serie, Juliane Leopold auf Kleiner3 „Warum ich heute zum Zombie werde“ und Sara Weber zur VPN-Thematik bei der SZ und auf den Digitalen Notizen, dieser Beitrag über eine ähnliche Situation zum Start der sechsten Staffel von Mad Men

Freiheit ist immer die Freiheit des Andersschmeckenden

wagner

25.000 Menschen haben in diesen Minuten eine Petition gegen eine Kolumne in der Bild-Zeitung unterschrieben. In der change.org-Aktion „Absetzung der Kolumne Post von Wagner“ wird Bild-Chef Kai Diekmann aufgefordert, den Chefkolumnisten des Springer-Verlags nicht mehr schreiben zu lassen. In der Begründung heißt es mit Blick auf Wagners Kolumne nach dem Flugzeugabsturz am 24. März:

Diese Form der Berichterstattung hat nichts mehr mit Journalismus, sondern nur noch mit Zynismus zu tun. (…) Seine Zeilen sind pietätlos und dumm und haben mit seriösem Journalismus nichts mehr zu tun.

Es ist zweieinhalb Monate her als nach dem Terroranschlag von Paris eine kleine Debatte über den Wert der Pressefreiheit geführt wurde. Hier im Blog zitierte ich damals Rosa Luxemburg, die den Ausspruch prägte: “Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden”.

Vor dem Hintergrund der öffentlichen Reaktionen auf die Meldung aus den französischen Alpen muss man Luxemburgs Satz vermutlich anders formulieren: „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersschmeckenden.“ Denn ob man Wagners Worte für pietätlos oder seriösen Journalismus hält, ist natürlich genau das: eine Geschmacksfrage. Wenn 25.000 Menschen wegen dieser Geschmacksfrage von seinem Chefredakteur fordern, dass er nicht mehr schreiben soll, empfinde ich das als Angriff auf die Pressefreiheit. Eine Welt, in der Geschmack über das Recht entscheidet, „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten“, ist eine schlechtere Welt – das sollte man alljenen sagen, die nun aus vermutlich guten Motiven diese Petition unterzeichnen und auf Facebook und Twitter darum werben, es ihnen gleichzutun.

Im Januar schrieb ich, „dass es bei Pressefreiheit eben nicht darum geht, den moralisch richtigen, den angemessenen oder stilvollen Meinungen Raum zu geben. Pressefreiheit heißt vor allem: Meinungen auszuhalten – und im Wettstreit der Ideen zu bekämpfen – die man für moralisch falsch, unangemessen und stillos hält. Das ist so viel schwieriger als es klingt.“ Und Franz-Josef Wagner fordert genau diese Fähigkeit heraus!

Speaker-Liste auf Twitter

speaker Ich glaube, Profilagentin Kixka ist schuld. Sie twitterte vergangene Woche eine Twitter-Liste, die ich schon im vergangene Jahr anlegte: Unter twitter.com/dvg/lists/speaker/members versammle ich Twitter-Accounts von Digitalexpertinnen. Gedacht ist diese Liste als Inspirationsquelle für Veranstalterinnen und Veranstalter, die für ihre Podien keine weiblichen Gäste finde. Wenn ich für Veranstaltungen angefragt werde, gebe ich die Liste gerne weiter. Dass sie öffentlich wurde, ist mir natürlich nicht unrecht – es war aber nicht so geplant.

Wer Vorschläge und Empfehlungen für weibliche Podiengäste hat, die auf diese Liste gehören: einfach @dvg antwittern!

Publizistische Marken werden Medien

Gestern abend hat Jürgen Todenhöfer dieses Foto auf Facebook gepostet – mit diesem Text:

Liebe Freunde, heute Nachmittag bin ich aus dem „Islamischen Staat“ zurückgekehrt. Die erforderlichen Sicherheitsgarantien hatte ich in monatelangen Skype-Gesprächen mit der Führung des ‚Kalifats‘ ausgehandelt. Angeblich war ich der erste westliche Publizist der Welt, der den „Islamischen Staat“ besuchen konnte.

Nach zwanzig Stunden wurde das Bild bereits fast 30.000 Mal mit „gefällt mir“ versehen, fast viertausend Facebook-Nutzer haben den Beitrag mit ihren Freunden geteilt. Und das obwohl man noch gar keine Inhalte von dem Besuch lesen kann. Der Beitrag endet mit den Worten:

In den nächsten Tagen werde ich Euch nähere Einzelheiten meiner zehntägigen Recherchen im „Islamischen Staat“ mitteilen. Jetzt aber bin ich erst einmal hundemüde.

Ende November schrieb die Welt auf ihrer Website, der ehemalige Bundestagsabgeordnete (CDU) und Medienmanager (Burda) plane, den IS zu besuchen. Das hat der Buchautor (Du sollst nicht töten. Mein Traum vom Frieden) nun offenbar getan: „Meine 10 Tage im Islamischen Staat“ ist das Foto überschrieben, das einzig auf Facebook erscheint. Eine klassische publizistische Begleitung über Webseiten oder Magazine ist mir bisher nicht aufgefallen.

Ich schreibe das auf, weil ich bei dem Facebook-Post an das Medienengagement von Mario Götze denken musste: Der Fußballprofi verfolgt erkennbar und wie viele andere die Strategie, vom Inhalt der Berichterstattung selber zu einem Berichterstatter zu werden. Der Fall von Jürgen Todenhöfer scheint vergleichbar gelagert zu sein: Der „angeblich erste westliche Publizist der Welt“, der den Islamischen Staat besucht, berichtet darüber – auf Facebook.

Mehr zum Thema in den Digitalen Notizen: Marken werden zu Medien

Update:
Ein Interview mit den Tagesthemen – verbreitet über Facebook

Das Ende des Datenträgers

In einem Interview mit dem Branchen-Magazin Horizont äußert sich der Geschäftsführer der Verlagsgruppe Handelsblatt zur Veränderung im Journalismus durch die Digitalisierung. Gabor Steingart sagt:

Ich finde, wir beschäftigen uns zu viel mit der Frage, auf welcher technischen Plattform wir unsere Inhalte präsentieren. Dabei ist die Technik doch nur ein Instrument der Übermittlung. So wie es keine vinyle Musik gibt, gibt es für mich auch keinen printigen Journalismus. Vinyl ist nur ein Tonträger wie viele andere.

Das klingt klug und beruhigend: Der Inhalt – vermittelt diese Perspektive – bleibt unverändert. Die Digitalisierung betrifft ihn (und seine Produzenten) nur indirekt: Der Inhalt sucht sich bei aller Veränderung um ihn herum nur ein neues Transportmittel, lässt sich also von einem neuen (Daten-/Ton-)Träger zum Publikum transportieren.

Was aber wäre, wenn die digitale Kopie die Idee des Datenträgers obsolet gemacht hätte? Wenn Inhalte nicht mehr getragen werden müssen, sondern fließen? Wenn die Inhalte sich im digitalen Ökosystem also sehr wohl verändern müssen – und damit auch jene, die sie produzieren? Was wäre also, wenn ein Online-Lexikon nicht einfach nur ein neuer Datenträger für die früher gedruckten Inhalte ist, sondern eine komplett neue Idee namens Wikipedia?

Wenn das so wäre, müssten wir Kultur und unsere Inhalte vielleicht wie Software denken und wir müssten feststellen: Wir beschäftigen uns noch viel zu wenig mit der Frage, wie die Technik unseren Beruf verändert.

Mein Geld, meine Hoffnung für Krautreporter

Menschen, die sich mit Crowdfunding befassen, nennen die Phase, in der das ambinitionierte Projekt Krautreporter gerade steckt, das Tal: die flache Ebene zwischen dem Start-Hype und der Schlussphase, in der jeweils sehr viele Menschen mitmachen. Mir war vorher klar, dass ich genau in diesem Tal meinen Beitrag zu dem Versuch leisten würde, Journalismus neu zu denken. Was mir vorher nicht klar war: wie wenig begeistert ich das tun würde.

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Seit dieser Woche bin ich Mitglied bei den Krautreportern – dass sich dadurch aber nichts in meinem Verhältnis zu dem Projekt geändert hat, zeigt, warum mir Begeisterung fehlt. Ich hatte gedacht, es ginge hier ernsthaft um den Versuch, Journalismus nicht einzig über den Content, sondern über Kontext zu verkaufen. Ich hatte gedacht, hier würde ernst gemacht mit den Möglichkeiten des sozialen Netzes, mit den Dynamiken, die entstehen wenn viele das Gleiche wollen – auch abseits der bekannten Bühnen. Aber Viralität und soziale Dynamik werden von dem Projekt nicht gefördert. Krautreporter funktioniert – trotz gegenteiliger Bekundungen – derzeit noch immer in alter Prägung. Ich schreibe noch, weil ich hoffe, dass es sich zu einem tatsächlichen Experiment des Neuen wandeln könnte:

Hört auf, auf Online-Journalismus zu schimpfen und fangt an, den wirklichen Wert zu erkennen, den Krautreporter gerade hat: seine Leserinnen und Leser. Fast 6000 Leute haben dem Projekt Geld gegeben. Das ist erstaunlich großartig. Das sind fast 6000 Leute, die eine Rolle spielen (wollen). Das tun sie aber nicht. Sie tauchen auf der Seite nicht auf, ihr Interesse wird nicht genutzt. Sie werden lediglich als Multiplikatoren angesprochen, nicht als Teilnehmer.

Hört auf, auf Fernseh-Erwähnungen zu schauen und dämliche Aktivierungsaktionen für einige wenige anzuzetteln. Statt Facebook-Fans zu beschimpfen, die kein Geld geben, sollte ihr euch mit denen freuen, die mitmachen. Bindet sie ein, macht sie zu wirklichen Mitgliedern. Diskutiert mit ihnen, fragt bei ihnen nach und zeigt den Menschen, die noch nicht Mitglied sind, was ihnen entgeht.

Es klingt so blöd, aber fast will ich den Krautreporter zurufen: Macht endlich Crowdfunding und hört auf, einfach nur Geld einzusammeln!

>>> Hier kann man das Projekt unterstützen!

Mehr zur Debatte rund um Krautreporter bei Michalis Pantelouris, Thomas Knüwer, Daniel Fiene, Das Nuf – und natürlich auch hier und hier.

Lob des Kontext: Das Remix-Museum

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Das Sprechen über die Kopie erreicht eine neues Dimension: am Sonntag wird in Berlin das Remix-Museum eröffnet, in dem es auch eine Abteilung für Internet-Meme gibt. Die Eröffnung wird von den österreichischen Synchro-Kopierern von maschek und einem Podium begleitet. Zeitgleich erscheint bei iRights ein ebook, das sich mit den Fragen des Remix und der Kopie befasst. Zu „Generation Remix“ habe ich einen Text über Phänomeme beigetragen. Darin geht es um den Zauber der Kopie (als Grundlage für die Popkultur der Gegenwart in Form der Internet-Meme) und um die Art und Weise wie Jimmy Kimmel und Jan Böhmermann damit modernes Fernsehen hacken machen.

Zeitlich wie inhaltlich passend stellt der Zündfunk-Generator in seiner aktuellen Folge „Ist die Originalität der Kunst am Ende?“ die Thesen von Prof. Wolfgang Ullrich vor, der u.a. im Sommer 2012 die Ausstellung Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung in Karlsruhe kuratiert und auch mich dazu eingeladen hatte. Der Ausstellungs-Katalog ist ein bildstarkes Lob auf die Reproduktion, die Kopie und natürlich den Remix.

Wer sich dafür interessiert, sollte zudem Ullrichs Buch „Raffinierte Kunst“ (Amazon-Partnerlink) lesen, das mich beim Verfassen meines eigenen Lobs auf die Kopie sehr inspiriert hat – und auch Grundlage für das Interview war, das wir in „Eine neue Version ist verfügbar“ führten. Darin prägt Ullrich den Begriff des Netzwerkstolz, den er dem Werkstolz entgegenstellt. Mit diesem Blick auf das Werk öffnet er – meiner Einschätzung nach – den Weg zur nächsten Dimension des Sprechens über Kunst. In einer Welt, in der Inhalte identisch dupliziert werden können, geht es immer mehr um Kontext.

Mehr zum Remix-Museum bei Georg Fischer, auf Netzpolitik und am Sonntag in der Böll-Stiftung in Berlin (bzw. hier im Stream)

loading: Rock Bottom

In den Projekten, die im loading-Newsletter vorgestellt werden, geht es immer auch um Kunst und Geld. Im Fall von Rock Bottom ist das auch das inhaltliche Thema. In der „Rock Bottom – Songs of no money“ genannten Dokumentation stellen Marc Helfers und Martin Groß die wahren Helden des weltweiten musikalischen Untergrunds vor. Dass es dabei nicht immer um die großen Bühnen und das große Geld geht, verrät bereits der Untertitel, der den Film als eine „feature documentary about poverty and Rock´n´Roll“ beschreibt.

Ich habe Martin Groß den loading-Fragebogen geschickt.

Was machst du?
Mein Kollege Marc Helfers und ich betreiben die Neue Stereo Filmproduktion. In unserer täglichen Arbeit werden wir von Plattenfirmen, Musikern, Veranstaltern, ect. gebucht um Musikvideos oder auch dokumentarische Arbeit für Promonutzung, Bonus DVDs, etc zu produzieren.
Das ist auch super und macht Spaß, aber mit dem Projekt „ROCKBOTTOM – Songs of no Money“ wollen wir mal auf die andere Seite gucken. Dahin, wo es eben keine Plattenfirma und kein Geld gibt, aber trotzdem viel Talent der Musiker, die wir portraitieren wollen. Deshalb sind wir jetzt bei Indiegogo

Warum machst du es (so)?
Das schliesst nahtlos daran an. Wir haben halt keinen Auftraggeber für das Projekt und wollen zum jetzigen Zeitpunkt auch gar keinen haben. Es soll ein freies Projekt sein und an der Geschichte ausgerichtet sein. Nicht daran, dass wir irgendwelche Bedürfnisse von Kunden erfüllen müssen. Deshalb bitten wir die potentiellen Zuschauer des Films um Unterstützung für die sie aber auch etwas bekommen. Zum Beispiel den fertigen Film im nächsten Jahr oder auch einiges andere…

Wer soll das anschauen?
Den Film sollen sich dann alle angucken, die sich für Musik interessieren und gerne abseits des Mainstreams und der ausgetretenen Pfade bewegen.

Wie geht es weiter?
Die Kampagne läuft nun seit ein paar Tagen. Wir haben sehr positive Resonanz von Medien, Blogs, Radiosendern, etc, die darüber berichten und berichten werden und machen diesbezüglich weiter Wirbel…
Zudem sammeln und verbreiten wir Unterstützer-Botschaften von Musikern mit denen wir sonst arbeiten und die das Projekt gut finden: Maxim, Tocotronic, Malia, Andreas Bourani, Erik Langer von Kettcar, Josephine und einigen anderen interessanten und prominenten Menschen aus unserem Umkreis,.B. Katharina Schüttler oder Hartje Andresen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Es hängt an so vielen Faktoren, ob Musiker (und letzlich auch andere Künstler) kommerziell erfolgreich sind und nicht in erster Linie am Talent. Wir halten die Musiker aus unserem Filmvorhaben für sehr talentiert und glauben, dass sie eine größere Bühne verdient haben. Vielleicht ist es aber als Künstler auch grade gut, nicht kommerziell erfolgreich zu sein
und in die damit verbundenen Zwänge zu geraten…? Wir gehen mit dem Film unter anderem auf die Suche nach dieser Frage…

rockbottom

>>> Hier Rock Bottom auf Indiegogo unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:



loading: Pipes Box

Spätestens seit Google in dieser Woche den Smart-Home-Anbieter Nest kaufte, ist das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: Wie kann das Zuhause so smart werden, wie das Handy es heute schon ist? Eine Antwort auf diese Frage gibt Jan Krog derzeit in dem Crowdfunding-Projekt Pipes Box – das er im loading-Fragebogen vorstellt.

Was machst du?
Wir sind ein Team aus Warnemünde und entwickeln eine Technologie-unabhängige Smart Home Plattform. Entstanden ist das Projekt an der Uni aus der Fragestellung heraus, wie man auf einfache Art und Weise verschiedene Internetdienste, aber auch Smart Home Geräte verschiedener Hersteller miteinander kombinieren kann, ohne Programmieren zu müssen.

Warum machst du es (so)?
Smart Home wird immer populärer, denn die Voraussetzungen sind da: Smartphones und Tablets sind weit verbreitet und Hardware wird immer kostengünstiger.
Ein großes Problem des Marktes sind derzeit noch die vielen unterschiedlichen Standards, die sich nicht miteinander kombinieren lassen, sowie das mangelnde Wissen über die Möglichkeiten und den Nutzen von Smart Home. Dem wollen wir entgegnen mit einem konsequent Technologie-unabhängigen Ansatz und dem Konzept des PipesMarkets. Im PipesMarket kann man herumstöbern und findet für seine vorhandenen Geräte eine passende Anwendung oder man kann sich Inspirationen holen und schauen, was andere Nutzer bei sich umgesetzt haben und kann dies bei sich zu Hause mit seinen Geräte nutzen – mit nur einem Klick.

Wer soll das lesen?
Jeder, bei dem das Smartphone zum Zentrum des digitalen Lebensstils geworden ist und der Interesse am Thema Smart Home und der Erhöhung des Wohnkomforts hat.

Wie geht es weiter?
Bei Erfolg der Crowdfunding Kampagne, die wir derzeit auf Startnext durchführen, werden die ersten Boxen im März verschickt. Im Anschluss erfolgt eine kontinuierliche Weiterentwicklung: es werden neue Technologien eingebunden sowie Apps programmiert. Die Plattform wird für Drittentwickler geöffnet und unsere Open Source Strategie wird fortgesetzt. Wir sehen die PipesBox Software in der Zukunft auf Internet-Routern, Smart TVs oder NAS-Systemen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Smart Home ist viel mehr, als nur Licht per Smartphone an/aus zu schalten oder seine Heizung zu steuern! Es ist ein viel größeres Potential vorhanden, welches derzeit aufgrund der Herstellerabhängigkeit und der geschlossenen Systeme nicht ausgeschöpft werden kann.

>>> Hier kann man Pipes Box auf Startnext unterstützen!

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren: