Herzlich Willkommen …

… auf der Website von Dirk von Gehlen.

Ich bin Autor und Journalist und lebe in München. Bei der Süddeutschen Zeitung leite ich die Abteilung Social Media / Innovation und befasse mich mit der digitalen Transformation von Kultur, Gesellschaft und Unternehmen. Ich schreibe Bücher (gerade ist das Shruggie-Buch ¯\_(ツ)_/¯ „Das Pragmatismus-Prinzip“ erschienen), halte Vorträge und gebe Seminare. Auf dieser Seite können Sie meine Vita und Fotos einsehen.

Aktuell überlege ich, einen Heimat- und Brauchtumsverein für Menschen zu gründen, die im Internet Zuhause sind. Hier kann man sich dafür eintragen

Die Digitalen Notizen sind mein privates Weblog, in dem ich seit 2007 interessante Merkwürdigkeiten aus der Medienwelt notiere. Sie können mir auf Twitter folgen, meinen Newsletter abonnieren oder eine Mail an dirkvongehlen (at) gmail (punkt) com senden.

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#journalistenschule gegen Fake-News

Nach der zweiten großen Pause wird aus der kleinen Idee eine unbestreitbar große Sache; zumindest für mich. Ich stehe vor einer neunten Klasse meiner ehemaligen Schule im Ruhrgebiet und beginne gerade die dritte Runde einer Medienkompetenz-Schulung im Rahmen des Projekts #journalistenschule der DJS als einer der Schüler mich erwischt: „Ich glaube“, sagt er kurz nach der Begrüßung, „Sie waren mit meinem Vater in einer Klasse.“ Den Vormittag über habe ich mit drei weiteren neunten Klassen über verlässliche Quellen, den Pressekodex, Qualitätsjournalismus und das Projekt #gegendiepanik gesprochen. Dabei habe ich mich – trotz zahlreicher anderslautender Zeichen – beständig dagegen gewehrt, wehmütig zu werden.

Doch dann stehen plötzlich seine Worte im Raum und ich versuche in seinem Gesicht eine Ähnlichkeit zu finden, zu den Gesichtern, die ich sah als ich zum letzten Mal in dieser Schule war. Das ist fast 25 Jahre her – allein diese Zahl würde ausreichen, um mir mein Alter und die Vergänglichkeit der Welt sichtbar zu machen. Doch jetzt sitzt da ein freundlicher Neuntklässler und bündelt all das in seinem fröhlichen Grinsen. Eine neue Generation, Schülerinnen und Schüler, für die das Internet nicht neu, sondern selbstverständlich ist. Junge Menschen, die (womöglich) lösen werden, was vielen Älteren heute unlösbar erscheint. Wir vergessen das manchmal, weil wir einzig unsere Sozialisation zum Maßstab erheben (und dann wehmütig werden) statt hoffnungsvoll auf die Zukunft zu schauen – in dem Sinn, in dem Rebecca Solnit von der Zukunft spricht.

Ich höre, wie ich ein paar fröhliche Bemerkungen mache, in der Hoffnung, Zeit zu gewinnen – um vielleicht doch herauszufinden, welchem jungen Mann aus den 1990er Jahren dieser junge Mann aus der neunten Klasse 2018 ähnlich sieht. In meinem Kopf tauchen Bilder von Abifeiern und Klassenfahrten auf. Es wird gesungen und getrunken und ich sehe Mitschüler, in denen ich damals so wenig Familienväter erkannte wie die heutigen Neuntklässler in mir einen erkennen, der doch gerade noch selber auf diesen Stühlen hockte und sich fragte, wann er hier rauskommt.

Als er das Verwandtschaftsverhältnis auflöst, denke ich das erste Mal seit Jahren wieder an den Mitschüler. So wie ich in diesen sechs Stunden auf den Fluren, im Lehrerzimmer und auf dem Schulhof, das erste Mal seit Jahren wieder an meine Schulzeit denke. Dass ich das tue, liegt an Henriette Löwisch, der Schulleitern der Deutschen Journalistenschule (DJS). Als sie unlängst das Amt der Schulleiterin übernahm, brachte sie die Idee zum Projekt #journalistenschule auf. Absolvent*innen der DJS besuchen ihre alten Schulen und sprechen dort über ihren Beruf. Die meisten Kolleg*innen werden das am 3. Mai tun – dem Tag der Pressefreiheit. Sie werden dort tun, was ich (u.a. wegen #rp18-Terminproblemen) schon heute tat: Davon berichten, wie wichtig die freie Presse ist, Grundlagen des Berufs vorstellen und die Stimme erheben gegen Menschen, die Lügenpresse rufen und Fake-News verbreiten.

Wir haben dazu am Gymnasium Broich in Mülheim an der Ruhr ein WhatsApp-Spiel gespielt. Die Schüler*innen sollten mich ihrer Klassen-WhatsApp-Gruppe vorstellen – über biografische Details, die sie beurteilen mussten: Stimmt das oder stimmt es nicht? Und wie findet man heraus, ob Gerüchte wahr sind oder gefälscht? Wie findet man verlässliche Quellen?

Darauf aufbauend haben wir darüber gesprochen, dass im Netz auch die Frage immer wichtiger wird, welche Rolle wir als Nutzer einnehmen. Deshalb haben wir anschließend ausführlich über das Projekt #gegendiepanik gesprochen – in dem wir nach der Paniknacht vom OEZ in München Regeln formulierten, wie man sich gegen Social-Media-Panik wappnen kann. Zwischendurch haben wir ein Rap-Video angeschaut und über die verwirrenden Möglichkeiten der Bildbearbeitung gesprochen.

Das hat Spaß gemacht und hat nicht nur mein Bild auf „früher“ herausgefordert. Es hat mir vor allem gezeigt: Im Umgang mit dem, was wir manchmal „neue Medien“ nennen sind sich Schüler*innen und Schüler und die Generation ihrer Eltern ähnlicher als sie denken. Sie lernen gerade gemeinsam den richtigen Umgang (#smarterphone), das ist nicht immer einfach – aber alles andere als das Ende.

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Shruggie des Monats: der Traditionshase

Der Shruggie des Monats ist eine von meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ inspirierte Rubrik meines monatlichen Newsletters (den man hier kostenlos bestellen kann). Seit Anfang des Jahres habe ich darin bereits den Autoren Eli Pariser, das Phänomen des Techlash und den Broccoli-Tree beschrieben – weil sie mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen. Nun mit etwas Sicherheitsabstand zu den Ostertagen: der Traditionshase

Der Kollege Oliver das Gupta hat bei SZ.de die Sache mit dem Hasen sehr gut zusammengefasst: „Pünktlich zum nachrichtenarmen Feiertagswochenende“, schreibt er, „initiiert die politische Rechte einen Tanz ums goldene Langohr. Es geht um Osterhasen, genauer: um Schokoladenhasen, die zur Osterzeit gekauft, verschenkt und manchmal zu spät vertilgt werden. Im Handel firmiert eine Schweizer Sorte unter der Bezeichnung „Traditionshase“, worüber sich AfD-Leute und deren Anhang empören.“ Ihr Verdacht, den sie mit ihrer Followerschaft teilen, die ihn daraufhin ebenfalls verbreitet: „Die „Osterhasen“ müssten nun „Traditionshasen“ heißen, weil man sich nach der nicht-christlichen und nicht bio-deutschen Kundschaft richtet. Es sei eine „Unterwerfung“ (O-Ton AfD-Chef Jörg Meuthen) unter die politische Korrektheit.“

Im Folgenden widmet sich Oliver das Gupta dann sehr lesenswert der Geschichte des Osterhasen und geht der Frage nach, „ob der Osterhase wirklich zum christlich-abendländischen Kulturgut taugt, das verteidigt werden muss.“ Das ist sehr lesenswert, mich interessiert an der Aufregung um den Hasen, der übrigens schon seit 1992 als Traditionshase geführt wird, ein anderer Aspekt, der auch den Shruggie im genannten Buch umtreibt: Was wäre eigentlich, wenn das Gegenteil richtig wäre?

Ich habe mich in der Debatte kurz gefragt, was eigentlich wäre, wenn die Sorge der Menschen stimmt, die eine Unterwerfung derjenigen Traditionen zu erkennen meinen, die ihnen offenbar wichtig sind. Was wäre eigentlich, wenn ich ein Schulterzucken lang versuche herauszufinden, woher ihre Sorge rührt? Anders formuliert: Warum teilen Menschen diesen Unsinn?

Sie haben offenbar tatsächlich die Sorge, Dinge, die für sie wichtig sind, könnten an Bedeutung verlieren. In ihnen wächst scheinbar ernsthaft der Verdacht, sie selber könnten marginalisiert werden. Der Osterhase scheint ihnen wirklich zum Symbol ihrer eigenen Wichtigkeit zu werden. Sie haben das Gefühl, keine Rolle mehr zu spielen. Sie glauben, dass ihre Ansichten und Meinungen unterrepräsentiert sind, sie fühlen sich zurückgedrängt (wie absurd das z.B. im Fall von Jens Jessen sein kann, hat Margarete Stokowski sehr anschaulich beschrieben)

Viel wichtiger als die Frage, ob das alles auf Basis einer wirklichen Grundlage stattfindet oder nicht, ist die Beobachtung, dass und wie Populisten genau dieses Gefühl bedienen und in ihren Narrativen („darf man hierzulande ja nicht mehr sagen“) noch bestärken. Denn nur wenn man im Sinne des Shruggie aus dieser Perspektive auf das Thema blickt, wird man erkennen, dass man die Debatte mit Lustigmachen oder Gegenkampagnen in social-media nicht einfangen wird. Sie bestärken im Gegenteil sogar noch den Eindruck der gefühlt marginalisierten Masse.

Der Traditionshase ist deshalb ein gutes Symbol für den ständigen Appell an einen offenen, pluralistischen Diskurs, weil er so inhaltsleer ist. Genau deshalb beweist er aber, dass die demokratische Antwort auf diese inszenierten Aufregungs-Debatten nicht allein darin liegen kann, die Behauptung als inhaltlich falsch offenzulegen. Am Gefühl der Marginalisierung ändert das nichts – oder um es im Bild der beiden Menschen zu sagen, die von rechts und links auf eine am Boden liegende Ziffer blicken: Sie halten die 9 noch immer für eine 6.

Damit will ich keineswegs davon abraten, weiterhin zu sagen was ist. Es geht weiterhin darum, die Perspektiven von 6 und 9 zu benennen. Um aber die Grundlagen der pluralen, demokratischen Gesellschaft nicht in einem Facebook-Kampf von Rechthabern in Frage zu stellen, muss man mindestens ebenso sehr darauf hinweisen, dass es unterschiedliche Perspektiven gibt. Und für alle, die – wie ich – diese angestachelte Sorge um den Untergang des Abendslandes für falsch halten, heißt das zunächst: zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die sich ernsthaft von dem Begriff Traditionshase oder Wintermarkt marginalisiert fühlen. Es gibt diese Perspektive!

Das heißt nicht im Seehofer-Sinn: die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Es heißt nicht, das Gefühl der Marginalisierung noch zu verstärken, indem man ständig von der Gefahr durch das Fremde spricht. Es heißt: Ihre Perspektive verstehen, nachvollziehen, warum sie auf die Tricks der Populisten reinfallen. Es heißt, das Narrativ der offenen, demokratischen Gesellschaft dem entgegenstellen, was die Populisten als Antwort anbieten. Es heißt den Perspektivwechsel vorzuleben.

Das beginnt damit, dass man dem Gefühl der vermeintlich Marginalisierten nachgeht – und ihm ebenfalls einen Perspektiv-Wechsel entgegenstellt. Das wird nicht bei den Antreibern dieser Debatten gelingen. Aber bei denen, die ihnen folgen, weil sie ernsthaft denken, durch den Verlust des Begriffs „Osterhase“ einen Wert zu verlieren. Kann es gelingen, ihnen die Perspektive derjenigen dazustellen, die wirklich etwas verlieren, weil sie ihr Land verlassen müssen? Weil ihre Unterkunft abgebrannt ist?

John Perry Barlow hat mal den Ratschlag für erwachsenes Handeln formuliert, den man vor dem Hintergrund des Traditionshasen neu lesen könnte: „Du solltest nicht davon ausgehen,“ schrieb er, „dass die Motive anderer ihnen weniger edel erscheinen als deine Motive dir selber.“

Wenn also diejenigen, die diese Traditionshasen-Aufregung weitergetragen haben, aus für sie ebenso edlen Motiven gehandelt haben, wie diejenigen, die versuchen die Luft aus dem Unsinn zu lassen, dann sollte es doch beiden Seiten möglich sein, einen Perspektivwechsel zu vollziehen. „Bildung ist die Fähigkeit, eine Sache aus der Perspektive eines anderen zu betrachten“, hat Gadamer mal gesagt. In diesem Sinne würde der Shruggie in Sachen Traditionshasen mehr Bildung wünschen – für alle Seiten.

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle – er tritt auch im Podcast „Was würde der Shruggie tun?“ auf.

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#smarterphone: Besser statt nur weniger Handy (Digitale März-Notizen)

Dieser Text ist Teil der März-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

Jetzt kommt der Frühling! Denn noch länger kann der Winter ja nicht dauern. Deshalb widmet sich diese Folge des „Digitale-Notizen“-Newsletters dem Aufbruch. So wie ich den Winter nicht mehr sehen kann, so kann ich auch das Jammern über Smartphones nicht mehr hören.

Deshalb habe ich (um zumindest in Sachen Smartphones eine Veränderung anzustoßen) in diesem Monat begonnen, Menschen zu fragen, wie sie ihre Handys nutzen und welche Schlüsse sie daraus ziehen. Ich habe einerseits eine kleine Blogumfrage gestartet und andererseits Freunde und Bekannte gefragt. Das Ergebnis können Sie hier lesen – und selber gestalten.

Denn #smarterphone ist nicht abgeschlossen und fertig, sondern eine kontinuierliche Aufforderung unter dem Motto „besser statt nur weniger Handy“ Ich frage deshalb auch Sie: Wie nutzen Sie Ihr Smartphone? Erzählen Sie davon, in Ihrem Blog oder schreiben Sie mir Ihre Antworten – aber nutzen Sie dafür gerne diese Fragen.

Vielleicht können wir auf diese Weise versuchen, die dauernde Handy-Debatte etwas positiver zu wenden. Es wäre dies nicht nur mit Blick auf die Jahreszeit überfällig.

Name: Hakan Tanriverdi
verbringt seinen Tag als… Reporter mit Schwerpunkt Cybersicherheit, schreibt meistens für die SZ
nutzt: zwei iPhones
>>> hier weiterlesen >>>

Name: Henriette Löwisch
verbringt ihren Tag als… Leiterin der Deutschen Journalistenschule
nutzt ein: iPhone SE

Wie würdest Du Dein Verhältnis zu Deinem Smartphone beschreiben?
Ein Pakt mit einem Teufelchen

Welche App/Funktion nutzt du am häufigsten? (gerne in den Statistiken nachschauen oder aus dem Bauch schätzen)
Email, Kalender, Twitter, Facebook, Instagram. Und dann noch die Apps von BVG, MVV und DB. Und BR Radio, RBB Inforadio, diverse Podcasts. Die Kamera. Bring!

Welche App/Funktion magst/nutzt du gar nicht?
WhatsApp und den Facebook Messenger. Eins schlimmer als das andere.

Arbeit und Handy – wie regelst du das?
Das Handy ist meine Arbeit. Das hört nie auf. Nur Freitagabend schalte ich es ab. Bis Samstagmittag.

Welche Notification hast du eingeschaltet?
Keine außer Telefonie und SMS.

Warum?
Ich guck doch eh immer. Und wenn ich nicht gucke, will ich auch nix hören.

Hältst Du Dich an soziale Regeln bei der Smartphone-Nutzung? Wenn ja: Welche?
Im Gespräch, beim Essen, im Meeting: Wegpacken. Ausnahmen gelten nur für Notärztinnen und Notärzte, die dürfen das Handy umgedreht auf den Tisch legen.

Gibt es Regeln, die du wieder verworfen hast?
Leider gucke ich jetzt Handy auch in der Straßenbahn, dabei wollte ich lieber Menschen beobachten, denn das sollten Journalisten tun. Aber anders kann ich nicht mit den Leseempfehlungen mithalten, die die Schülerinnen und Schüler der DJS immer morgens auf Twitter unter dem Hashtag #djsdaily abgeben. Naja, die machen sehr viel Spaß, das ist also OK.

Zum Abschluss: Was sollten mehr Menschen im Umgang mit Smartphones wissen?
Handys sind genau wie Autos. Denkt mal drüber nach.

Name: Sebastian Meineck
verbringt seinen Tag als… Redakteur bei Vice Motherboard
nutzt ein: Samsung Galaxy S5
>>> hier weiterlesen >>>

Name: Heiko Bielinski
verbringt seinen Tag als … Web-Entwickler, Kundenbetreuer, CMS-Erklärer und Blogger
nutzt ein: iPhone 7
>>>> hier weiterlesen >>>

Name: Meike Winnemuth
verbringt ihren Tag als… Autorin
nutzt ein: iPhone 6

Wie würdest Du Dein Verhältnis zu Deinem Smartphone beschreiben?
Hassliebe. Ich liebe es als Werkzeug, als Schweizer Offiziersmesser des 21. Jahrhunderts. Was es alles kann! Was ich alles mit ihm kann! Welche Freiheiten es ermöglicht, welches Wissen, welche Zugänge! Andererseits ist es aber auch eine Daddelmaschine, ein Ablenkungsmanöver, ein unverschämter Zeitfresser – oder besser: Ich erlaube ihm, all das zu sein. Selbst schuld, wie ja eh fast immer.

Welche App/Funktion nutzt du am häufigsten? (gerne in den Statistiken nachschauen oder aus dem Bauch schätzen)
Laut Batterienutzung von heute: Mail, Safari, Messenger, Google, Podcasts. Gefühlt: die Wetter- und Regenradar-Apps, weil ich sowohl einen Hund habe als auch einen Garten. Die Wetter-Apps gucke ich an, bevor ich aufstehe. Um zu entscheiden, ob ich aufstehe.

Welche App/Funktion magst/nutzt du gar nicht?
Ich telefoniere nur selten, ich störe so ungern. Es gibt elegantere und rücksichtsvollere Arten der Kommunikation. Ich bin zwar angemeldet bei Twitter und Instagram, habe beides aber noch nie genutzt. Das Leben ist zu kurz.

Arbeit und Handy – wie regelst du das?
Ich bin Freiberuflerin, die klare Trennung zwischen Arbeit und Privatzeit gibt es ohnehin nicht. Eine Menge Arbeit findet über das Handy statt.

Welche Notification hast du eingeschaltet?
Sind inzwischen alle ausgeschaltet. Aus Gründen. Bis auf Spiegel Online-Eilmeldungen. Gottlob missbrauchen die das inzwischen nicht mehr so sehr (mit Ausnahme der verdammten olympischen Winterspiele).

Warum?
Warum ich die ausgeschaltet habe? Weil ich immens leicht ablenkbar bin.

Hältst Du Dich an soziale Regeln bei der Smartphone-Nutzung? Wenn ja: Welche?
Kein Handy auf dem Esstisch. Und nicht in dunklen Räumen, Kino oder so. Auch sonst versuche ich, in Gegenwart von anderen Menschen die Finger davon zu lassen. Ich empfinde es fast immer als Missachtung, wenn Leute während eines Treffens ihr Handy checken. Was kann so wichtig sein?

Gibt es Regeln, die du wieder verworfen hast?
Nein. Es werden eher noch mehr.

Zum Abschluss: Was sollten mehr Menschen im Umgang mit Smartphones wissen?
Dass es ein Leben vor dem Smartphone gegeben hat und dass es noch nicht so lange her ist.

Name: Johannes Kuhn
verbringt seinen Tag als… Journalist und US-Korrespondent @SZ
nutzt ein: iPhone SE
>>>> hier weiterlesen >>>

SmarterPhone-Beiträge gibt es z.B. von:
* Benjamin Birkenhake
* Birte von Gedeih und Verderb
* Nico Brünjes
* Thomas Puppe
* Marcus von Jordan
* Caspar C. Mierau
* Dirk Hansen
* Fabian Neidhart


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Anleitung zum Unkreativsein“ (Januar 2018) „Newsletter über Newsletter“ (Dezember 2017), „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

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Shruggie des Monats: der Broccoli-Tree

Seit Beginn des Jahres gibt es eine Neuerung in meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann): den Shruggie des Monats. In dieser Rubrik habe ich bereits den Autoren Eli Pariser und das Phänomen des Techlash ausgezeichnet – weil sie mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen. In der März-Folge zeichne ich einen Baum aus, den es schon gar nicht mehr gibt: der Broccoli-Tree.

Er ist schon seit ein paar Monaten tot. Zerstört, gefällt, verschwunden. Und doch erhält der Baum am Südufer des schwedischen Vättern-Sees in diesem Monat besondere Ehre – und das liegt an diesem Video, das die Vlogbrothers gemeinsam mit dem schwedischen Fotografen Patrik Svedberg produziert und Anfang März online gestellt haben.

Patrik hat den Baum, der in seiner Form an einen Brokkoli erinnert unter dem Namen The Broccoli Tree web- und weltberühmt gemacht. Begonnen hat alles mit einer beiläufigen Beobachtung auf dem Arbeitsweg von Patrik. Er entdeckte den Baum, postete ein schlechtes Foto von ihm auf Instagram und erhielt 43 Likes. Mittlerweile folgen dem Baum über 30.000 Menschen auf Instagram (wo ich das Bild gemacht habe), er hat eine eigenen Ortsangabe auf Google Maps.

Denn aus der Freude aus der beiläufigen Beobachtungen wurde ein Gemeinschaftserlebnis. Patrik teilte seine Freude und sie wurde mehr. Denn – das mag pathetisch klingen – digitale Dateien und Freude verhalten sich sehr ähnlich: Sie werden nicht weniger, wenn man sie teilt.

Und genau über dieses Teilen haben die Vlogbrothers einen Clip gemacht, in dem Patrik die Geschichte des Baumes nacherzählt – von dem wachsenden Freundeskreis, der sich für die Motive in immer neuen Kontexten begeistert.

Doch dann im September 2017 war plötzlich etwas anders: Der Baum war beschädigt. Jemand hatte ihn bewusst zerstört – und zwar so massiv, dass der Brokkoli-Baum wenige Tage später offiziell gefällt werden musste. „Etwas zu teilen, trägt das Risiko in sich, es zu verlieren“, sagt Patrik in dem Clip. „Das gilt besonders für eine Welt, in der es das Bedürfnis gibt, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – und sei es nur indem man einen viel geachteten Baum zerstört.“

Trotzdem kommt Patrik – und da ist er dem Shruggie nicht unähnlich – nicht auf die Idee, das Teilen des Baumes in Zweifel zu ziehen. Denn: „In Wahrheit können wir auch die Dinge verlieren, die wir für uns und geheim halten. Nur dann sind wir auch in unserer Trauer allein und können den Verlust mit niemandem teilen.“

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle – er tritt auch im Podcast „Was würde der Shruggie tun?“ auf.

Live und Love (Was würde der Shruggie tun? 007 – mit Publikum)

Was würde der Shruggie tun? – Antworten vom sprechenden Emoticon aus „Das Pragmatismus-Prinzip“ ist ein Podcast mit Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen und gibt es hier bei iTunes, hier bei Soundcloud und hier als RSS-Feed.


Da gucken uns ja Leute zu:
Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen haben sich im Lovelace-Hotel in München auf eine Bühne gesetzt und geredet (also vor allem Dirk). Das hier ist die Aufnahme der wunderbaren Abendveranstaltung mit wahnsinnig vielen Fragen für das sprechende Emoticon aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ – unter anderem:

… Wie steht der ¯\_(ツ)_/¯ zu Feminismus? #dmcmuc
… Warum seid ihr mit dem ¯\_(ツ)_/¯ eigentlich nicht auf Voctag? #dmcmuc
… Der K/Carsten hat noch eine Idee, aber ich tendiere zum Prinzip der Gelassenheit. Das wird zum Problem, was soll ich tun?
… Soll man seinem Chef sagen, dass der Typ den er einstellen will ein Arsch ist?
… Was würde DAS ¯\_(ツ)_/¯ tun, wenn die Zombie-Apokalypse kurz bevor stünde? (Dominik vom Podcast @nerdmeetsyou)
… Kann man Erfolg und Slow Business vereinbaren? von Susanne Klinger von @hauseins
… Warum sind wir noch keinen Zeitreisenden begegnet? von Thomas mit C aus dem Publikum
… Sollte man immer vom Positiven oder immer vom Negativen ausgehen, um überrascht zu werden? Wie gehst du ran an die Welt, Shruggie? Eine Computerstimme
… Soll ich mich für ein Unterhaltungsbuch oder ein kluges Buch entscheiden? @bastihosan
… Schnellfragerunde mit @smandel_8
Warum ist die Erde rund und nicht blumenförmig?
Warum sprießt mein Avocado-Kern nicht so wies im Internet steht?
Warum bleiben Menschen in Beziehungen, in denen sie unglücklich sind?
… Was würde der ¯\_(ツ)_/¯ tun wenn auf seiner Facebook-Veranstaltung alle nur auf „vielleicht“ drücken? aus dem Publikum
… Ich folge seit ein paar Monaten rechten Accounts auf Twitter, die scheißen mir aber die Timeline zu. Was soll ich da tun? von @dschottner
… Wann wird der Religionsunterricht abgeschafft und für alle ein verpflichtender Ethik-Unterricht eingeführt? vom #dmcmuc
… Donald Trump tritt bei der nächsten US-Präsidentschaftswahl erneut an – wen würde der ¯\_(ツ)_/¯ wählen? aus dem Publikum
… Was denkt Angela Merkel WIRKLICH über die Ehe für alle? von @moritzhartm
… Soll ich angesichts der Digitalisierung von Arbeitsplätzen umschulen und auf was? von einem alten Bekannten.

Zum Nachhören gibt es hier…
… die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“,
… die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“
… die zweite reguläre Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“
… die dritte reguläre Folge „Rückruf vom Smiley
… die vierte reguläre Folge „Jetzt rufen wir mal an!
… die fünfte reguläre Folge „Bringt bitte Gold mit!

Shownotes:
> Wir sind im temporären Hotel Lovelace in München – und hier gibt es ein Eindrücke
> Was Justin Trudeau über Feminismus gesagt hat
> Die Folge mit der Voctac-Frage
> hier geht es zum Blog/Podcast NerdMeetsYou
> „Einsamkeit ist eine ansteckende Krankheit, ist nicht nur ein toller Witz“, sondern eine Idee von Manfred Spitzer (der meint das aber ernst)
> Dirks Lieblingsthema Smartphones weiterlesen unter #smarterphone
> Mehr zum Thema Zukunftsangst und Kulturpragmatismus
> das tolle Podcastlabel Hauseins von Susanne Klingner und Katrin Rönicke
> Das „erlebende Selbst“ und das „erinnernde Selbst“ aus dem Buch „Schnelles Denken – langsames Denken“ von Daniel Kahnemann
> Die ernsthafte Version vom Shruggie ist Gary Vaynerchuck
> Die zitierte Stelle von Stephen Hawking stammt aus diesem Interview mit John Oliver
> Stephen Hawking zum Thema Vorhersehung
> Zum Thema Pessimismus und Optimismus – der Appell für Hoffnung
> Das empfohlene Buch von Rebecca Solnit
> Was Christian Lindner (hätte gerne eine Urkunde) mit einer Beziehung zu tun hat: Bloss nichts falsch machen
> Falls Martin Schulz diesen Podcast hört: Wir haben eine Joboption! (Buchhändler für Amazon)
> Mehr zum Thema Ambiguitätstoleranz in dieser Podcast-Folge
> Hier war Dirk #nacktimnetz
> Die Zwei-Browser-Lösung
> Die Rex-Tillerson-Verwechslung
> Der blöde Merkel-Tweet
> Die Liste von John Perry Barlow, dessen Name Dirk nicht einfällt
> die Groko-Aufregung

Du hast auch eine Frage an den Shruggie? Dann frag ihn: 0174 350 3082!

Live-Podcast: „Was würde der Shruggie tun?“ im Lovelace

Am Mittwoch 14.3.2018 mache ich gemeinsam mit Yannic Hannebohn auf der Bühne des Lovelace-Hotel in München Quatsch. Und weil ich hoffe mir ziemlich sicher bin, dass das lustig wird, will ich jetzt hiermit offiziell nochmal eine Einladung an alle aussprechen, die sich in und um München aufhalten: Komm um 20.15 Uhr ins Lovelace-Hotel in München (Kardinal-Faulhaber-Straße). Der Eintritt ist frei und es gibt neben einem tollen Ort (der dort so nicht auf ewig sein wird) auch ganz viel ¯\_(ツ)_/¯

Denn der Quatsch, den wir machen, heißt Live-Podcast und soll eine Folge des Podcasts „Was würde der Shruggie tun?“ mit Publikum werden. Der Podcast handelt vom ¯\_(ツ)_/¯ dem sprechende Emoticon aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“

Die Betreiber des Lovelace haben es in ihrem Newsletter so beschrieben:


Dirk, a talented journalist working for the local Süddeutsche Zeitung is a real expert when it comes to digital change and futurism. The cover on his book says it all. It looks like this :

¯\_(ツ)_/¯

You all now this sign, but you’ve probably never heard its name: shruggie! It’s an emoticon saying: „I don’t know, but I’m still okay.“

Together with Yannic Hannebohn, Dirk created a podcast called „Was würde der shruggie tun?“. In this diverting piece of audio, the shruggie comes to life and answers questions sent in via WhatsApp or text to this number +49174 3503082. He mostly gives tips about how to live life the clueless way. The shruggie stands for a new form of pragmatism. It cherishes solution processes that are healed by time and the processes it brings. It’s the digital way to say, „In the end, it will be all good“.

All three of them: Yannic, Dirk and the shruggie are going to record a live podcast at The Lovelace!

Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn wir uns am Mittwoch sehen. Wer nicht kommen kann, kann dem Shruggie aber auch aus der Entfernung eine Frage stellen: Einfach eine Nachricht an +49174 3503082. Und außerdem kann man hier alle Folgen des Podcast nachhören:

… die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“,
… die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“
… die zweite reguläre Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“
… die dritte reguläre Folge „Rückruf vom Smiley
… die vierte reguläre Folge „Jetzt rufen wir mal an!
… die insgesamt sechste Folge namens „Bringt Bitte Gold mit!

Blogstöckchen: Wie nutzt du dein #smarterphone?

Der Streit um Handys hört nicht auf: Machen sie abhängig? Müssen wir unsere Kinder vor ihnen schützen? Weil mich diese immer gleiche Debatte nervt, möchte ich einen Schritt vorwärts versuchen – ich möchte Antworten auf die Frage sammeln: Wie geht man anständig mit dem Smartphones um?

Denn ich glaube, dass wir diesen Umgang lernen müssen. Am besten gelingt dies, wenn wir uns gegenseitig daran teilhaben lassen, was gut funktioniert und was nicht. Denn vielleicht sind es nur kleine Einstellungen (z.B. alle Notification ausschalten), die die Nutzung erleichtern (Foto: James McKinven Unsplash)

In der New York Times hat gerade Nellie Bowles davon berichtet, warum sie ihr Smartphone nur noch in grau nutzt. Mit Freude habe ich gelesen, wie Joi Ito seinen digitalen Alltag gestaltet (auch wenn es dabei kaum ums Handy geht) und auch diese Interview-Reihe beim Gmailgenius mag ich, in der Menschen von ihrer Mail-Praxis berichten. Wer es gerne etwas pädagogischer hat: Hier erklären Wissenschaftler, wieviel Bildschirmzeit sie ihren Kindern gestatten. Denn es gibt nicht nur die panischen Wissenschaftler, die in deutschen Medien prominente Plätze bekommen. Es gibt auch Studien wie jene von Samuel Veissière, der zu dem Ergebnis gekommen ist: „Wir sind abhängig von sozialem Austausch, nicht von Smartphones“

Ich möchte deshalb eine Idee aus guten alten Blogzeiten reaktivieren: die Blogstöckchen genannte Umfrage. Ich habe einen kleinen Fragebogen zusammengestellt, den ich auch an Menschen ohne Blog schicke um in der nächsten Folge meines Newsletters einige praktische Beispiele für die Handy-Nutzung zeigen zu können.

Bis es soweit ist, lade ich aber jede und jeden ein, das Stöckchen aufzufangen und unter dem Hashtag #smarterphone mitzumachen: Wie nutzt du dein Smartphone? (Ich verlinke die Antworten weiter unten kontinuierlich in diesem Eintrag)

Name: Dirk von Gehlen
verbringt seinen Tag als… Autor und Journalist bei der SZ
nutzt ein: iPhone 6

Wie würdest Du Dein Verhältnis zu Deinem Smartphone beschreiben?
Das perfekte Werkzeug für immer mehr Dinge. Eine große Hilfe, die ich nicht mehr missen möchte. Müsste ich von heute auf morgen auf mein Smartphone verzichten, wäre ich sehr traurig. Das ist übrigens kein Beweis für eine Abhängigkeit, sondern der Beleg dafür was für eine großartige Erfindung das Smartphone ist.

Welche App/Funktion nutzt du am häufigsten? (gerne in den Statistiken nachschauen oder aus dem Bauch schätzen)
Laut Batterie-Nutzung der letzten Tage: Instagram, Twitter, Mail und Feedly

Welche App/Funktion magst/nutzt du gar nicht?
Telefonieren

Arbeit und Handy – wie regelst du das?
Am schwierigsten finde ich hier Anrufe. Sie kommen immer ungebeten und stören stets das Gespräch, das man gerade führt. Mails, Slack oder andere Botschaften können asynchron dann beantwortet werden, wenn man Zeit hat. Deshalb empfinde ich es manchmal als äußerst angenehm, auch abends Mails beantworten zu können. Kurzum: Keine feste Regelung.

Welche Notification hast du eingeschaltet?
iMessage, Signal und WhatsApp – von Leuten, die mir sehr wichtig sind.

Warum?
Weil ich glaube, dass 90 Prozent der Aufreger-Debatten über Smartphones sich auf eine falsche Notification-Politik beziehen: Wer sich von jedem Dienst jederzeit stören lässt, verwendet das Instrument nicht richtig. Daran ist aber das Instrument nicht schuld…

Hältst Du Dich an soziale Regeln bei der Smartphone-Nutzung? Wenn ja: Welche?
Beim gemeinsamen Essen keine Medien. Leider auch keine Zeitungen.

Gibt es Regeln, die du wieder verworfen hast?
Ich dachte mal eine Weile, smartphonefreie Tage wären sinnvoll. Habe es wiederholt ausprobiert, aber keinen tieferen Sinn darin gefunden. Deshalb, nur die wichtigste aller Regeln: Handy aus am Steuer!

Zum Abschluss: Was sollten mehr Menschen im Umgang mit Smartphones wissen?
„Mobiltelefone sind keine Drogen, die per se abhängig machen, sondern Werkzeuge, deren Handhabung die Gesellschaft noch nicht gelernt hat.“ (via)

Ich werfe dieses Stöckchen Sara Weber, Johannes Kuhn und Heiko Bielinski zu.

SmarterPhone-Beiträge gibt es z.B. von:
* Johannes Kuhn
* Sebastian Meineck
* Heiko Bielinski
* Hakan Tanriverdi
* Benjamin Birkenhake
* Birte von Gedeih und Verderb
* Nico Brünjes
* Thomas Puppe
* Marcus von Jordan
* Caspar C. Mierau
* Dirk Hansen
* Fabian Neidhart

Bringt bitte Gold mit! (Was würde der Shruggie tun? 006)

Was würde der Shruggie tun? – Antworten vom sprechenden Emoticon aus „Das Pragmatismus-Prinzip“ ist ein Podcast mit Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen und gibt es hier bei iTunes, hier bei Soundcloud und hier als RSS-Feed.

Endlich, der Lieblings-Podcast ist wieder da: die Bringt bitte Gold mit-Folge behandelt so viele Themen wie (fast) noch nie. Von Algorithmen-Coolness bis zum Zauber des schlechten Wetters – aber vor allem: Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen freuen sich mit dem sprechenden Emoticon aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ auf den 14.3. zum Live-Podcast in München!

Das sagen sie auch ständig – und beantworten zwischendurch diese Fragen …

… von @smandel_8 von @reportagenfm: Warum finden die coolen Kids David Guetta so scheiße?
… von @thibaudroth: Ich hab so viel zu lesen und komme nicht hinterher. Was tun?
… von @lachsdieb: Warum gibt es keine gute Wetterapp?
… von der Straße: Wie tue ich das Gute?
… von @bastiHosan: Warum ist das Reisen mit der Bahn so anstrengend?
… von @Steinlein: Wie steht der Shruggie zum Verloben?

Da willst du auch mal dabei sein? Dann stell dem Shruggie jetzt deine Frage. Schreib sie in seinen iTunes-Feed in die Kommentare oder sprich sie ihm auf den Anrufbeantworter (0174 350 3082)

Zum Nachhören gibt es hier…
… die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“,
… die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“
… die zweite reguläre Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“
… die dritte reguläre Folge „Rückruf vom Smiley
… die vierte reguläre Folge „Jetzt rufen wir mal an!
… die nächste Folge wird live im Lovelace in München aufgenommen, vor Publikum. Komm vorbei: 14.3. 20:15 Uhr Komm vorbei, der Eintritt ist frei!

Die offizielle Veranstaltungseinladung bei Facebook

Shownotes:
> Hier kann man die Box von Yannic sehen
> Hier hat t3n den aktuellen Hype Vero erklärt.
>So sieht es aus, wenn man im Lovelace aus dem Fenster schaut
> Hintergrund zum temporären Hotel Lovelace in der SZ
> Twitter-Like für Reportagen FM
> Was Lustiges von David Guetta
> Das Stimmen der Radiohead-Gitarren ist ein neuer Song?
> Hier gehts zu Instapaper und hier zum Pragmatismus-Prinzip.
> Das Hörbuch von „Der Mann ohne Eigenschaften“, aus dem das Wort „Möglichkeitssinn“ stammt, das hier schon mal Thema war.
> Zum Thema Ambiguitätstoleranz: eine ganze Folge
> „Eins zu eins ist jetzt vorbei“ stammt aus dem Tocotronic-Song „Neues vom Trickser“
> Was ist der DMCMUC? Hier ist die Antwort – denn der Shruggie war auch da.
> Alles Leben ist Problemlösen – das Buch von Karl Popper
> Bitte Christoph mal fragen, was es mit seinem Twitter-Handle auf sich hat
> Das Zitat „Das Problem ist nicht das Problem, sondern deine Haltung zu dem Problem“ stammt von Jack Sparrow
> Hier geht es um das Prokrustes Bett
> Hintergründe zum Eheschließen in München
> Die Nora-Kette von Thomas Anders

Falls du nicht persönlich zum Live-Podcasting kommen kannst, schicke vorab deine Frage 0174 350 3082!

Ein öffentlich-rechtlicher RSS-Reader und 29 weitere Ratschläge für ein freies Internet (Digitale-Februar-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Februar-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

Erklären Sie mir Demokratie als wäre ich ein Sechsjähriger: Was ist das Besondere an unserer Staatsform? Warum glauben wir, dass sie gut ist? Haben Sie eine Antwort auf diese Fragen? Mich haben sie in den vergangenen Wochen beschäftigt und ich glaube eine zentrale Antwortet könnte heißen: Der Meinungswechsel. Ich glaube, dass die Freiheit, seine Meinung ändern zu können so etwas wie das Alleinstellungsmerkmal der Demokratie ist. Es ist erlaubt zu sagen: „Ich habe mich geirrt“ oder „Du hast mich überzeugt“ und vor allem „Ich ändere meine Meinung“. (Mehr dazu: „Freiheit ist immer die Freiheit zum Andersdenken“ und in der Vorstellung des Subreddits Change My View bei Wired)

Dafür dass die Meinungsänderung so eine zentrale Bedeutung für die Demokratie hat, ist ihr Image aber erstaunlich schlecht. Als der – die Älteren werden sich erinnern – Hoffnungsträger Fast-Außenminister Martin Schulz in diesem Februar seine Meinung zum Thema „Mitglied im Kabinett Merkel“ änderte, hagelte es Häme und Betrugsvorwürfe. Er sei ein Lügner, las ich und dass er sich nicht an sein Wort halte. Dass er aufgrund der geänderten Umstände vielleicht seine Meinung angepasst haben könnte, wurde gar nicht erst in Erwägung gezogen.

Ich finde Martin Schulz hat eine ganze Menge falsch gemacht und er hat überhaupt nicht erklärt, warum er Außenminister werden wollte, aber dass er seine Meinung geändert hat, kann ich ihm nicht vorwerfen. Ich kann mich nicht denen anschließen, die ein merkwürdiges Ideal der Standfestigkeit von Politiker*innen einfordern. Ich wünsche mir im Gegenteil, viel mehr Menschen, die die Fähigkeit aufbringen, ihre Meinung zu ändern (und das – wenn sie Politik machen – auch öffentlich erklären). Ich glaube, dass dies ein Kern gelebter Demokratie ist, wenn wir anerkennen, dass wir falsch liegen, dass wir unsere Meinung ändern können. Der Systemische Coach Michael Kurth aus Minden hat das in der Sprache des Rappers Curse (der er auch ist) in seinem dieser Tage veröffentlichten Album so auf den Punkt gebracht:

Was heißt eigentlich real bleiben?
Heißt real bleiben: nicht anders werden, aus Wandel lernen?

Regelmäßige Leser*innen werden sich nicht wundern, dass ich als Shruggie-Freund dieser rhetorischen Frage zustimme. Ich glaube, dass sich in dieser Haltung zum Neuen und zum Wandel auch etwas ausdrückt, was ich die demokratische Verfasstheit einer Gesellschaft nennen würde. Denn nur wenn wir die Frage beantworten können, was Demokratie ausmacht, können wir auch beginnen, diese zu verteidigen. Damit beziehe ich mich nicht nur auf die Reden, die Cem Özdemir, Philipp Amthor und Wolfgang Kubicki in Richtung AfD im Bundestag gehalten haben. Ich meine die persönliche (1) und die gesellschaftliche (2) Verfasstheit in diesem Land.

Ich glaube, jede und jeder kann auf beiden Ebenen an der Antwort auf die Frage arbeiten: Wo lebst du eine offene demokratische Haltung?

Darauf gekommen bin ich, als ich die 25 Prinzipien erwachsenen Verhaltens las, die John Perry Barlow notierte als er 30 Jahre alt wurde. Er selber bezeichnete sie später mal als kaum verhandelbare Plattitüden von der Sorte, die Polonius an Hamlet richtet. Anders formuliert: Vielleicht sind es Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft, Selbstverständlichkeiten, an die wir uns immer mal wieder erinnern sollten: Leitlinien, an denen jede/jeder abmessen kann, wie offen und pluralistisch sie/er durch die Welt geht.
Ich erwarte keine perfekte Erreichung dieser Prinzipien“, schrieb Barlow unter die Liste der 25 Punkte. „Ich poste sie dennoch als Standard meines Verhaltens als Erwachsener. Sollte mich einer meiner Freunde oder Kollegen dabei erwischen, wie ich sie breche: Lasst mich auffliegen!

Ich finde diese Liste liest sich wie ein erwachsener Ratschlag zu einem zivilisierten, demokratischen Umgang miteinander – eine besondere Form der Netiquette:

1. Sei geduldig, was auch passiert.
2. Vermeide üble Nachrede: Übertrage Verantwortung, nicht Schuldzuweisungen. Sag nichts über andere, was du ihnen nicht auch ins Gesicht sagen würdest.
3. Du solltest nicht davon ausgehen, dass die Motive anderer ihnen weniger edel erscheinen als deine Motive dir selber.
4. Erweitere deinen Möglichkeitssinn.
5. Belaste dich nicht mit Dingen, die du in Wahrheit gar nicht ändern kannst.
6. Erwarte von anderen nicht mehr, als du selbst leisten kannst.
7. Halte Mehrdeutigkeit und Unklarheit aus.
8. Lache regelmäßig über dich selbst.
9. Kümmere dich darum, was richtig ist, und nicht darum, wer Recht hat.
10. Vergiss nie, dass du dich irren könntest – auch wenn du dir sicher bist.
11. Führe keine Hahnenkämpfe.
12. Denke daran, dass dein Leben auch anderen gehört. Riskiere es nicht leichtsinnig.
13. Du sollst nicht lügen – aus welchem Grund auch immer. (Unterlassungslügen sind manchmal erlaubt.)
14. Erkenne die Bedürfnisse der Menschen um dich herum und respektiere sie.
15. Vermeide das Glücksstreben. Versuche dein Ziel zu definieren und verfolge es.
16. Reduziere deinen Gebrauch des ersten Personalpronomens.
17. Lobe mindestens so häufig, wie du tadelst.
18. Gestehe deine Fehler freimütig und frühzeitig ein.
19. Werde der Freude gegenüber weniger misstrauisch.
20. Verstehe Demut.
21. Denke daran, dass Liebe alles vergibt.
22. Fördere Würde.
23. Lebe unvergesslich.
24. Liebe dich.
25. Bleibe beharrlich.

¯\_(ツ)_/¯

„Für mich war Barlow immer so etwas wie der Bürgermeister des Internet“, schreibt Kevin Kelly in seinem Nachruf auf den Autor dieser 25 Punkte, der am 7. Februar im Alter von 70 Jahren gestorben ist. Den Status als Bürgermeister hat John Perry Barlow sich durch sein kontinuierliches Eintreten für ein freies, offenes und dezentrales Internet erarbeitet – nicht nur auf der persönlichen (1), sondern eben auch auf struktureller Ebene (2): 1990 gründete er gemeinsam mit John Gilmore und Mitch Kapor die EFF (Electronic Frontier Foundation) und 1996 formulierte er die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace, die ironischer Weise alles Bürgermeisterhafte in Frage stellt.

Vielleicht ist es ein Zufall, vielleicht fällt sein Tod aber tatsächlich mit dem Beginn einer Entwicklung zusammen, die dieses freie, dezentrale Web wieder stärker in den Blick nimmt. Ganz sicher gibt es eine zeitliche Überschneidung mit der Debatte über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die am Ende dieser Woche mit einer Abstimmung in der Schweiz einen neuen Höhepunkt erreicht. Nimmt man diese zeitlichen Überschneidungen zusammen, kann man mit Thomas Beschorner und Caspar Hirschi fordern: Wir brauchen den öffentlichen-rechtlichen Rundfunk – weil er auf der strukturellen Ebene zur demokratischen Verfasstheit der Gesellschaft beiträgt. Die Schweizer Wissenschaftler schreiben in einem Gastbeitrag bei Zeit-Online: „Das öffentlich-rechtliche Informationsangebot verfälscht nicht einen funktionierenden privaten Wettbewerb, sondern es korrigiert ein demokratisch gefährliches Marktversagen.“ (Mehr zum Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk bei Armin Wolf und in dieser Kolumne von Carolin Emcke bei der SZ)

Womit wir wieder beim Bürgermeister des offenen Internet sind. Denn vielleicht braucht auch der private Plattform-Kapitalismus im Web eine solche Korrektur. Vielleicht brauchen wir ein öffentlich-rechtliches Engagement im Web, das mithilft, ein offenes, dezentrales Internet zu fördern. Seit ich am Ende des vergangenen Jahres auf Bitten von Jörgen Camrath den Wunsch äußerte, RSS möge eine Renaissance erleben, fallen mir immer mehr Hinweise dafür auf, dass es tatsächlich so kommen könnte. Anfang des Monats listete die US-Ausgabe von Wired eine Sammlung von Alternativen zum Facebook-Feed auf, über die man künftig seine Nachrichten im Web beziehen könne. Denn der vergangene Monat war auch geprägt von der Frage, wie Facebook eigentlich mit Nachrichtenanbietern umgeht.

Ein Ergebnis könnte sein, dass diese sich von Facebook lösen. Dass sie wieder auf dezentrale Technologien wie RSS setzen, bei denen man Informationsangeboten folgen kann, ohne dass eine zentrale Plattform diese nach nicht nachvollziehbaren Regeln filtert und gewichtet. Diese Idee ist weder cool (wie der aktuell gehypte Dienst Vero) noch sonderlich neu. Ihr Kern ist dieser Tage 20 Jahre alt geworden. RSS ist eine sehr grundlegende Idee des dezentralen Web und ich frage mich am Ende dieses Monats mit all seinen Debatten: Wie wäre es eigentlich, wenn wir wieder RSS nutzen würden?

Ich habe dazu fünf weitere Vorschläge aufgeschrieben, die ich auf der strukturellen Ebene (2) den 25 persönlichen Ratschlägen von Barlow ergänzen möchte:

1. Wir brauchen einen öffentlich-rechtlichen RSS-Reader. Unsere Rundfunkanstalten sollten nicht mit Verlegern über Textlängen diskutieren müssen, sondern eine öffentlich-rechtliche Plattform anbieten, in der Leser*innen RSS-Feeds abonnieren können – ohne dass diese gefiltert und gewichtet werden – sozusagen als technologische Grundversorgung eines freien Web. Inhalteanbieter müssten dann nur noch RSS-Feeds bereitstellen (hier gibt es z.B. meinen Autoren-Feed bei der SZ und hier meine Tweets, die ich via publicate.it zu einem RSS-Feed gemacht habe.), über die sie auch Werbung ausspielen dürfen.
2. Wem das zu kompliziert ist, der kann sich das ganze ja als Mediathek für Text vorstellen, in der auch andere, kommerzielle Fremdanbieter ihre Texte (und Werbung) einstellen können.
3. Und für den Fall, dass RSS als uncool gelten sollte: Einfach mal nachschauen, wie Apple das ganze Podcast-Thema gelöst hat: über RSS-Feeds.
4. Ein solcher Ö-R-Reader sollte darüberhinaus auch Funktionen der sozialen Interaktion anbieten. Nutzer*innen können dort Empfehlungen anderer Nutzer*innen lesen und vielleicht sogar diskutieren.
5. Dass der Reader selber Open-Source sein sollte, ist eh klar. Aber auch in Fragen der Gewichtung und Präsentation sollten die Plattformbetreiber neutral und tranparent sein.

Ich habe keine Ahnung, wieviel Geld dafür nötig wäre, ich bin mir aber sicher, dass wenn man mit der Nachfolge-Organisation des Weltrundfunkvereins spricht, es überhaupt kein Finanzierungsproblem geben sollte: Die Europäische Rundfunkunion könnte einen solchen Reader DSGVO-konform auf den Markt bringen und damit nicht nur eine Antwort auf die Frage liefern: Wofür brauchen wir eigentlich öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Mit einem solchen Angebot gäbe es auf einmal auch eine europäische Antwort auf den großen US-amerikanischen Techlash dieser Tage.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Anleitung zum Unkreativsein“ (Januar 2018) „Newsletter über Newsletter“ (Dezember 2017), „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Shruggie des Monats: Der Techlash

Mit dem Jahr 2018 gibt es auch ein paar Änderungen in meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Ich führe zum Beispiel diese Rubrik ein: Den Shruggie des Monats. Ausgezeichnet wird eine Person oder Idee, die mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheint. Folge 1 im Januar 2018 war Eli Pariser. Folge zwei nun: der Techlash!

Nein, es geht nicht ums Abschalten! Der Begriff Techlash, der seit ein paar Wochen schon eine Entwicklung der Besinnung beschreibt, handelt nicht von der Rückkehr in die analoge Welt. Wenn man Rückbesinnung sprechen will, dann geht es eher um die Grundideen eines dezentalen Web, das ohne zentrale Plattform auskommt, die eigenmächtig die Regeln bestimmt. (Foto: Unsplash/Team UL8)

Der Kollege Johannes Kuhn hat auf SZ.de den Begriff und die Entwicklungen in Amerika vorgestellt. Für mich ist der Techlash bedeutsam, weil er beweist: Die als GAFAM abgekürzten Technik-Giganten Google, Apple, Facebook, Amazon und Microsoft sind nicht per se groß und uneinholbar, man kann ihre Macht beschränken, politisch und durch technische Alternativen.

So interpretiert ist der Techslash der perfekte Ausdruck für die Haltung, die der Shruggie in „Das Pragmatismus-Prinzip“ beschreibt: die Offenheit für die ständige Frage „Was wäre, wenn das Gegenteil richtig wäre?“

Ich habe in den vergangenen Wochen zahlreiche Texte gelesen, die diese Entwicklung beschreiben und kreativ vorantreiben. Der mit Abstand beste war dieses fiktive Memo an die Chefs von Amazon, Facebook, Google, Apple, Netflix und Microsoft, das der Econmoist unter dem Titel „Silicon Valley, we have a problem“ veröffentlichte. Allein dieser Text ist ein Beispiel für den Perspektivwechsel, um den es im Pragmatismus-Prinzip geht. Das Memo beschreibt nämlich all die rechtlichen und politischen Entwicklungen, mit denen die Tech-Giganten konfrontiert sind – aber eben aus deren Perspektive, als Bedrohung.

Die weiteren Lese-Empfehlungen zum Thema versuche ich hier fortlaufend zu dokumentieren:
* Rachel Botsman: Dawn of the Techlash (Guardian)
* Adam Tinworth: Facebook Never Loved Journalism. It’s time to break up
* Chris Dixon: Why Decentralization Matters
* John Harris: The punk rock internet – how DIY ​​rebels ​are working to ​replace the tech giants
* Ethan Zuckerman: Facebook Only Cares About Facebook
(…)


Hier geht es zur passenden Newsletter-Folge, in der ich einen öffentlich-rechtlichen RSS-Reader vorschlage

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle – er tritt auch im Podcast „Was würde der Shruggie tun?“ auf.