„Es gibt glücklicherweise nicht mehr die eine Person, die dich anschreit oder motiviert“ – Martin Wiens (Neue Narrative) über agiles Publizieren

Die Frage wie aus einem Text eine guter Text wird, zählt zu magischen Herausforderungen im Journalismus. Dabei ist der Prozess der Textarbeit vielleicht gar nicht so magisch, sondern Teil eines guten Lektoratprozesses. Als ich im Jahr 2013 in dem Buch „Eine neue Version ist verfügbar“ den Vorschlag notierte, Kultur als Software zu denken, war es gar nicht so einfach eine Lektor:in zu finden, die bereit war, den Lektoratsprozess zu dem Buch offen und transparent zu gestalten. Dabei glaube ich (übrigens mittlerweile sogar noch klarer), dass im Entstehungsprozess jeder Form von Kultur ein Mehrwert stecken kann. „Vom Produkt zum Prozess“ zu denken, beschäftigt meine Arbeit deshalb seit Jahren (dazu gibt es im Dezember eine spannende Konferenz in Dortmund).

Entsprechend erstaunt war ich, als ich in diesem Sommer einen Text für das Magazin „Neue Narrative“ schreiben durfte. Das „Magazin für neues Arbeiten“ hat einen Prozess für die Textarbeit entwickelt, der bemerkenswert ist und auf eine andere Form der Lektorats- und Redaktionsarbeit setzt. Ich fand das so erstaunlich, dass ich Martin Wiens nach Abgabe des Textes (der in der aktuellen Ausgabe erscheint) um ein Interview bat, in dem wir über Rollen, agiles Publizieren und das romantisierte Bild von genialistischen Autor:innen sprachen.

Martin, ich möchte mir Dir über das Lektorieren von Texten und Organisation von Verlagen sprechen: Wann hast du dich das letzte Mal in der „Änderungen nachverfolgen“-Funktion von Microsoft Word bewegt?
Ich kenne so eine Funktion aus GoogleDocs, aber in Word arbeite ich eigentlich nie. Wobei, an eine Sache erinnere ich mich: Letztes Jahr habe ich an einem Buchprojekt mitgearbeitet …

„Der Loop-Approach“ bei Campus.
Genau, und dabei haben wir am Ende sehr lange Dokumente hin- und hergeschickt.

Deshalb habe ich gefragt: Ich kenne nahezu keine Verlage, die bei Büchern und sehr langen Texten, auf das Verschicken von Word-Dokumenten verzichten. Bei „Neue Narrative“ macht Ihr das ganz anders.
Unser Magazin kommt dreimal im Jahr heraus, was bedeutet: Wir machen dreimal im Jahr genau dasselbe. Wenn man häufig dasselbe macht, bietet es sich an, die Prozesse zu optimieren. Deshalb haben wir viel Zeit darauf verwendet, genaue, kleinteilige Phasen bei der Texterstellung zu definieren. Es reicht nicht zu sagen „Jetzt wird der Text geschrieben“. Da gehören so viele Schritte dazu, dass wir versucht haben, das Ganze zu formalisieren und in eine Prozesslogik zu packen.

Wenn man für Euch schreibt, kriegt man ein GoogleDoc, in dem Ihr die Idee für den Text beschreibt, in dem technische Grundlagen geklärt werden und in dem am Ende auch geschrieben und redigiert wird…
… damit Arbeit transparent wird. Das Ziel ist es, dass alle Beteiligten jederzeit wissen, wo man gerade steht und welcher Schritt der nächste ist.

Ich bin als Autor mit der Idee sozialisiert: „Der Inhalt ist das wichtigste und alles andere hat sich dem unterzuordnen.“ Ihr kommt sehr deutlich vom Prozess und weniger vom Produkt, oder?
Ich liebe Produkte, aber ich glaube es kommt sehr selten etwas Gutes dabei raus, wenn man nicht über den Prozess nachdenkt. Wenn man Abläufe hat, die Spaß machen, ergibt sich quasi automatisch ein gutes Produkt. Oder anders gesagt: Wenn Leute das tun können, worin sie richtig gut sind und was sie richtig gerne machen, dann passiert das Produkt. Insofern hast du recht: Ich bin sehr stark mit der Idee sozialisiert, über das Wie? nachzudenken und das Was? geschehen zu lassen.

Es gibt viele gerade schreibende Leute, die sagen, Prozesse sind doch total langweilig. Du achtest sehr auf stimmige Prozesse. Wann machen Prozesse Spaß?
Für mich sind Prozesse dann gut, wenn sie dafür sorgen, dass alle Leute ihre Stärken einbringen können, Wertschätzung dafür erfahren und wenn Kollaboration geschehen kann. Gute Prozesse sind auch dafür da, das Ego ein bisschen unwahrscheinlicher zu machen. Sie legen beispielsweise fest: „An der Stelle passiert halt jetzt das und du kannst nicht einfach so durchrennen und ganz allein dein Ding machen.“

Woher kommt dann die Angst vor Prozessen?
Vielleicht liegt es daran, dass man in gut definierten Prozessen die eigene Arbeit transparent machen muss und nicht nur das Ego durchbringen kann. Meine Erfahrung ist, dass alle, die wirklich gute Produkte entwickeln wollen, auch kein Problem mit guten Prozessen haben.

Wenn man mit Verlagen redet, hört man oft Einschätzung: Die Autorin und der Autor stehen im Mittelpunkt und um die müssen wir alles drumherum bauen. Das würdest du ganz anders sehen, oder?
Das ist aber vielleicht auch unserem Produkt geschuldet. Wir haben lange überlegt, ob wir nicht komplett auf Autor:innen-Namen verzichten wollen. Und gerade denken wir darüber nach, ob wir künftig alle Rollen, die an einem Text beteiligt sind, über dem Text erwähnen sollten. Ich finde diese Autor:innen-Fokusierung eine merkwürdige Heroisierung einer Person, die in keiner Weise dem Rechnung trägt, wie ein Text in der Praxis entsteht.

In der Musik ist das ganz anders. Dort spielt es eine große Rolle, welche Produzent:in hinter einer Künster:in steht und deren Song produziert hat. In der Entstehung von Büchern sind die Produzent:innen, also die Lektor:innen, fast nie sichtbar. Hast du eine Erklärung warum das so ist?
Ich beobachte eine starke Romantisierung der Autor:innenschaft. Dieses Momentum „Ich sitze abends am Schreibtisch, bejammer mich selbst weil mein Leben als Autor so hart ist, aber gleichzeitig finde ich es auch geil“ kenne ich auch gut von mir selbst. Über die Jahre habe ich für mich gemerkt, dass mir diese Art des Schreibens nicht gut tut und versucht, die Perspektive zu verändern.

Ich durfte für die aktuelle Neue Narrative-Ausgabe was schreiben und ich fänd es wirklich gut, wenn unter dem Text auch all diejenigen aufgeführt würden, die daran mitgearbeitet haben. Erzähl mal, welche Rollen bei euch eingebunden sind?
Jeder Magazinprozess beginnt mit dem Sprint Exploration, einer Art Vorrecherche, in der Team-Mitglieder, die besonders gut darin sind, schnell Informationen zu überblicken, alle relevanten Aspekte des Heftthemas zusammentragen. Auf der Basis der Recherche entwickeln wir dann in einem Kick-off erste Themenideen für Artikel. Ein Text schafft es aber nur dann wirklich ins Heft, wenn eine Person aus der festen Redaktion auch bereit ist, dafür die Verantwortung zu übernehmen. Und ein Thema bei dem aktuellen Schwerpunkt „Wirksamkeit“ war die Frage, wie wir digital Verbindungen eingehen können, die gemeinsam und kollaborativ wirksam werden können. Dazu hätte ich was schreiben können…

… aber dann hast du dir gedacht: das macht besser der Dirk?
Naja, fast. Ich habe mir halt gedacht, dazu bin ich vielleicht nicht die kompetenteste Person. Wir haben eine Liste an Autor:innen, die wir gerne mal im Heft hätten und da bist du drauf. Und dann habe ich dir eine Nachricht geschrieben, mit einer total schwammigen Themenbeschreibung.

Ich erinnere mich.
Aber das ist auch gut so, denn die Autor:innen sollen ja ihre eigenen Gedanken einbringen können. Gemeinsam mit der Rolle „Sparring“ entwickeln die Autor:innen dann die Kernaussage ihres Textes und eine klare Struktur.

Das ist in der Tat erstaunlich: Ihr habt wirklich in dem Doc schon Zwischentitel, die vor dem Text formuliert werden sollen.
Wir glauben, dass die wichtigsten Argumente und das Gerüst des Textes stehen sollten, bevor der eigentliche Schreibprozess beginnt. Deshalb stellen wir uns immer Kästchen vor, die uns dabei helfen, den Text zu strukturieren. Bevor die oder der Autor:in eine Zeile am Text schreibt, sollten alle Titel und Zwischentitel formuliert sein.

Gab es Leute, die das als Einschränkung empfinden und sagen: „Ich bin so ein Genie, ich mach das nicht mit“?
Wir haben noch nicht mit solchen Leuten zusammengearbeitet, aber es gibt sie sicherlich. Unser Glück ist, dass wir sehr wenig mit Leuten zusammenarbeiten, die sich für Starautor:innen halten, sondern nur mit Leuten, die Starautor:innen sind, aber von denen das noch niemand weiß. Die haben relativ wenig Allüren und wollen in erster Linie einen guten Text schreiben.

Für mich war es nicht nur sehr erstaunlich (deshalb wollte ich mit dir auch drüber sprechen), sondern auf eine Art auch sehr befreiend, weil es mir Klarheit darüber gegeben hat, was Ihr als Auftraggeber Euch vorstellt.
Jede:r Autor:in bekommt zu Beginn des Prozesses ein eigenes Template für den Text. Darin machen wir unter anderem explizit, was wir mit dem Text erreichen wollen und warum es ihn überhaupt braucht. Am Ende geht es uns darum, den genialischen Black-Box-Textentstehungsprozess aufzubrechen und möglichst sicherzustellen, dass genau der Text entsteht, den wir für unser Magazin brauchen..

Lass uns noch einmal über die Rolle Sparring reden. Die ist sehr nah an dem, was klassische Redakteur:innen machen, die Texte beauftragen.
Die Rolle ist dafür da, den Text so lange zu begleiten, bis eine 80-Prozent-Version steht. Danach übernimmt die Rolle Lektorat.

Worin besteht der Unterschied zur Rolle Sparring?
Die Rolle Sparring stellt durch Feedbackschleifen sicher, dass jeder Text eine klare Aussage und eine funktionierende Struktur hat. Das geschieht in der Regel in einem offenen Austausch. Die Rolle Lektorat hingegen soll kein Feedback mehr ohne ganz konkrete Änderungsvorschläge geben. Sie greift eher stilistisch ein und bringt den Text von 80 auf 95 Prozent. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll ist, die Rollen Sparring und Lektorat zu trennen, damit die Nähe zum Text nicht zu groß wird.

Die fehlende fünf Prozent kommen von der Schlussredaktion?
Genau, am Ende wird die Rolle Korrektorat aktiv. Das sind zwei externe Personen, die dafür sorgen, dass kein einziger Fehler mehr im Text ist. Der Prozessschritt findet zunächst noch im GoogleDoc statt. Ganz am Ende gibt es noch eine Fahnenkorrektur in der finalen PDF.

Man kann also sagen, jeder Text wird bei Euch wie ein Ticket in einem Sprint behandelt, oder?
Ja, genau. Die Tickets schieben wir am Ende von jedem Sprint eine Spalte weiter, bis sie irgendwann am Ende angekommen sind. Dann geht das Magazin in Druck.

Wie kommt man auf ein solches Prinzip?
Mein Kollege Sebastian Klein hat Blinkist mitgegründet und sich da viel mit der Frage beschäftigt, wie Content entsteht. Deshalb haben wir von Anfang an alle in Google Docs gearbeitet und unsere Zwischenergebnisse transparent gemacht. Ein wichtiger Schritt war dann, dass ich für eine Weile ins Ausland gehen wollte. Damit kein Chaos ausbricht, habe ich mich mit Sebastian an ein Whiteboard gestellt und aufgeschrieben, welche wiederkehrenden Aufgaben ich habe und welche Prozessschritte wir immer wieder durchlaufen. So ist der erste Prototyp unseres Magazinprozesses und unserer Rollenstruktur entstanden. Seitdem machen wir nach jedem Heftdurchlauf ein Retro-Meeting und ein Governance-Meeting, um den Prozess und unsere Zusammenarbeit zu verbessern.

Governance-Meeting?
Das ist dafür da, an der Organisation zu arbeiten: also neue Rollen zu schaffen und die Struktur der Organisation zu verändern.

Ist das agiles Publizieren?
Wir würden es vermutlich nicht „agil“ nennen, weil der Begriff so ausgelutscht ist, dass er kaum noch etwas bedeutet. Aber klar, das Vorgehen folgt agilen Prinzipien und ist teilweise an Scrum angelehnt. Wichtiger ist aber, dass der Prozess zu uns passt und dabei hilft, möglichst gute Ergebnisse zu erzielen.

Was hast du in dieser Zeit über Publizieren gelernt?
Das klingt alles immer so fancy, aber ich glaube, das Wichtigste ist, sich selbst und den eigenen Arbeitsprozess jeden Tag zu reflektieren. Und ich finde es fahrlässig, wenn Redaktionen das so selten tun.

Womit wir wieder bei der Langeweile von Prozesse sind. Warum sind Redaktionen und Verlage da nicht offener?
Es ist vermutlich eine Mischung aus Gründen: Zum einen liegt es an dem, was du anfangs gesagt hast: dass alle nur über Produkte nachdenken und nur ungern über Prozesse. Hinzu kommt, dass der Druck im Tagesgeschäft oft so hoch ist, dass keine Zeit bleibt, das eigene Vorgehen zu reflektieren. Außerdem passen egofreie Prozesse nicht zu dem romantisierten Bild von Journalist:innen, das immer noch dominant ist: der Star-Autor, die Star-Autorin, der:die bei Kerzenschein einsam auf einen Einfall wartet und ihn dann im Alarmmodus aufschreibt.

Ihr habt in Eurem Magazin Stellungen und Machtpositionen aufgelöst, indem Ihr rollenbasiert arbeitet. Chefs, Eckbüros und Dienstwagen gibt es bei euch so gar nicht…
… aber es gibt natürlich Hierachie und Macht. Wir versuchen, eine Kompetenzhierachie zu erreichen, sprich: Jede Rolle wird von der Person ausgefüllt, die am kompetentesten ist. Wir glauben nicht daran, dass eine Person all die Aufgaben am besten kann, die zum Beispiel einer Chefredakteurin zugeschrieben werden. Häufig ist eine Person zum Beispiel gut darin zu organisieren, aber eher schlecht darin zu schreiben. Deshalb arbeiten wir mit Rollen, also klaren, kleinen Verantwortungsbereichen.

Das geht nur mit einem gemeinsamen Ziel.
Absolut. Es gibt glücklicherweise nicht mehr die eine Person, die dich anschreit oder motiviert. Stattdessen übernimmt jede Person Verantwortung für das, was sie zum gemeinsamen Ziel beitragen kann – natürlich ohne dabei von der Organisation allein gelassen zu werden. Dafür haben wir einen übergreifenden Purpose formuliert, den jede Person bei uns kennt und nach dem wir uns steuern können.

Was ist euer Purpose?
„Wir befähigen mit hammerguten Content-Produkten Menschen dazu, eine Wirtschaft zu gestalten, die für alle gut ist.“ Man merkt, dass der Satz nicht von einer Werbetexter:in stammt. Aber er beschreibt das, worauf wir uns alle einigen konnten.

Die aktuelle Ausgabe von Neue Narrative hat den Schwerpunkt Wirksamkeit. Vor ein paar Tagen hat das Magazin angekündigt: „Nach unserem Wissen sind wir seit Juli das erste Medienunternehmen in Deutschland, das in Verantwortungseigentum geführt wird. Und wir hoffen, dass uns viele weitere folgen werden.“ In dem Blogeintrag ist auch erwähnt, dass sie offene Stellen haben, aber natürlich rollenbasiert in den Bereichen: „Recherchieren und Schreiben von journalistischen Inhalten, CRM, Kampagnenentwicklung und datengetriebenes Wachstum sowie B2B-Vertrieb und Kooperationen.“ Außerdem hat Neue Narrative vor ein paar Tagen seine Kiosk-Bilanz offengelegt – und damit gezeigt, vor welchen Problemen die klassische Print-Distribution steht.

Mehr zum Thema Korrigieren und zur These, Kultur als Software zu denken, gibt es auf dieser Konferenz im November sowie in dem Buch „Eine neue Version ist verfügbar“.

Shruggie des Monats: der sprechende Hut

Der Shruggie des Monats ist eine von meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ inspirierte Rubrik meines monatlichen Newsletters (den man hier kostenlos bestellen kann). Darin beschreibe ich Personen, Ideen und Begebenheiten, die mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen – dem ¯\_(ツ)_/¯.

Wer es einfach mag, wird den folgenden Satz mögen: „Es gibt Menschen, die Harry Potter mögen und Menschen, die sich nicht für Harry Potter interessieren.“ Bis vor ein paar Monaten dachte ich (eher Gruppe zwei), dass das stimmt. Aus unterschiedlichen Gründen bin ich auf eine merkwürdige halbe Weise in die Welt von Harry Potter gezogen worden und habe damit diese binäre Trennung gesprengt. Ein Grund dafür ist u.a. der wirklich sehr lustige Podcast „Fünf Minuten Harry Podcast“ von Coldmirror, der so lustig ist, dass ich deshalb weiß, welche Rolle der sprechende Hut in der Zauberer-Geschichte hat.

Der sprechende Hut ist eine magische Macht, die die Schülerinnen und Schüler der Zaubererschule Hogwarts in ihre Häuser zuteilt. Er wird den Schülerinnen und Schülern auf den Kopf gesetzt und ermittelt dann auf magische Weise welchen Weg die Schülerinnen und Schüler gehen sollen. Coldmirror vergleicht diesen Hut mit einer Erfindung aus einer Black Mirror-Folge:

Das ist ein super-mächtiger Gegenstand, der auch empfindungsfähig ist und die geballte Intelligenz der Hogwarts-Gründer in sich vereint – und der wird einfach nur ganz casual zum Sortieren benutzt. Der kann sich anscheindend auch nicht selber bewegen, er wird rumgetragen und aufgesetzt. Er wird nur einmal im Jahr zum Sortieren rausgeholt und liegt sonst nur die ganze Zeit im Büro im Schrank. Was ist das für ein Dasein?

An diese Frage musste ich denken als ich in diesem erstaunlichen Blogtext (via Kopfzeiler) das Bild las, der Algorithmus (von Tiktok) sei wie der sprechende Hut aus Hogwarts:

TikTok’s algorithm is the Sorting Hat from the Harry Potter universe. Just as that magical hat sorts students at Hogwarts into the Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw, and Slytherin houses, TikTok’s algorithm sorts its users into dozens and dozens of subcultures. Not two FYP feeds are alike.

Ich finde dieses Bild ist auf zahlreichen Ebenen so stark, dass es sich lohnt, einen Moment innezuhalten: Algorithmen als sprechenden Hut zu verstehen, eröffnet vielleicht einen neuen besseren Blick auf all die Fragen, die sich zum Beispiel in der Algorithmen-Ethik stellen.

¯\_(ツ)_/¯

Eugene Wei beschreibt diesen sprechenden Hut in seiner langen und lesenswerten Tiktok-Analyse als die zentrale Besonderheit an dem Dienst, der gerade wegen zahlreicher anderer Dinge in der Debatte ist (zu den geopolitischen Fragen empfehle ich diese Analyse aus The Atlantic)

Der sprechende Hut von Tiktok ist in der Lage, Menschen in Häuser einzusortieren ohne dass diese dafür selbst anderen Accounts folgen müssen. Was der Stuhl in Hogwarts ist, ist in Tiktok die so genannte For You Page (Details zu Tiktok zum Beispiel hier), auf der Inhalte auf eine Weise personalisiert werden, die auch eher widerstrebenden Häusern Subkulturen das Gefühl gibt, hier heimisch werden zu können:

To help a network break out from its early adopter group, you need both to bring lots of new people/subcultures into the app—that’s where the massive marketing spend helps—but also ways to help these disparate groups to 1) find each other quickly and 2) branch off into their own spaces.
More than any other feed algorithm I can recall, Bytedance’s short video algorithm fulfilled these two requirements. It is a rapid, hyper-efficient matchmaker. Merely by watching some videos, and without having to follow or friend anyone, you can quickly train TikTok on what you like. In the two sided entertainment network that is TikTok, the algorithm acts as a rapid, efficient market maker, connecting videos with the audiences they’re destined to delight. The algorithm allows this to happen without an explicit follower graph.

Daraus ergeben sich Schlussfolgerungen für Inhalte-erstellende und -konsumierende Menschen oder um es etwas größer zu machen: für Medien und die Gesellschaft.

Menschen, die für diesen Hut Algorithmus Inhalte produzieren (also: die Medien) sind dabei lediglich austauschbare Lieferanten, mit deren Hilfe Interesse gesammelt und gehalten werden kann. Wie die Schülerinnen und Schüler in Hogwarts bringen sie natürlich selbst etwas mit (der Hut liest angeblich die Gedanken und trifft die Entscheidung auf dieser Basis), aber darum geht es in Wahrheit gar nicht wie Ian Bogost in The Atlantic festhält:

… just as the Viners who vanished when Twitter shut down that service did, or the YouTubers who were demonetized, or the Tumblrers who were banned. No matter how liberating or delightful the posts feel, content creators are also puppets of the platform owners, who in turn vie for temporary dominance over one another.

Menschen, die sich diese Inhalte vom Hut Algorithmus sortieren lassen (also die Gesellschaft), werden dadurch nicht nur selbst sortiert (über die Spaltung der Gesellschaft ist hinlänglich gesprochen worden), sie stehen langfristig vielleicht auch vor einem völlig neuen Gesellschaftsbild. Denn noch lebt das Gespräch über Social-Media-Networks von der Annahme, dass der Streit dort darauf basiert, dass polarisierte Gruppen aufeinandertreffen und streiten. Folgt man Eugene Weis Hut-Theorie könnte sich diese Form der Gesellschaftswahrnehmung durchaus ändern. Ich muss ja vielleicht gar nicht mehr sehen, was mich stört

Just as importantly, by personalizing everyone’s FYP feeds, TikTok helped to keep these distinct subcultures, with their different tastes, separated. One person’s cringe is another person’s pleasure, but figuring out which is which is no small feat.

Wenn sich diese Prognose bewahrheitet, müsste man das Bild vom Hut, der eine öffentliche Auswahl trifft womöglich anders denken: Es ist dann eher eine im Geheimen getroffene Entscheidung, die lediglich die Häuser in ihren eigenen Gruppen wahrnehmen (siehe: Dark Social) und langfristig ein neues Gesellschaftsbild nach sich zieht. Wie nehme ich künftig noch wahr, dass es Menschen gibt, die anderer Meinung sind als ich?

¯\_(ツ)_/¯

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle. Über Gesellschaftswahrnehmung in Zeiten von Daten und Algorithmen habe ich in dem Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ geschrieben. Und wer mehr über das Web und das Internet lernen will, kann dies in meinem Buch „Gebrauchsanweisung für das Internet“ tun.

Vom Umgang mit gefühlter Spaltung und Widerspruch

In der aktuellen Ausgabe des Magazin Der Spiegel gibt es ein Interview mit dem Münchner Soziologen Armin Nassehi. Ich empfinde es als eine schöne Meta-Anspielung, den Hinweis auf das Interview mit einem Bild zu illustrieren, das er gepostet hat, um auf das Interview hinzuweisen.

Jetzt aber zu der Sache, über die Nassehi spricht: die Hygienedemos. Er sagt dabei einen großartigen Satz, der selbst so meta ist, dass ich den Hinweis auf das Interview inhaltlich damit einleiten muss:

Selbst in einem Interview die Relevanz der Proteste zu bezweifeln, weist paradoxerweise auf diese Relevanz hin.

Es liegt in diesem scheinbaren Paradox eine Antwort auf die Frage, wie man denn mit den Hygienedemos umzugehen habe. Klar, eine offene Gesellschaft muss es aushalten, dass Menschen sich absichtsvoll unvernünftig verhalten. Nassehi nennt dies: „Jeder hat das Recht auch auf abwegige Positionen.“ Aber muss man deshalb auch das Gespräch mit denjenigen suchen? Das geht nicht, wer das Virus leugnet oder behauptet Bill Gates habe es erfunden, entzieht sich einem rationalen Gepräch – so Nassehis Einschätzung, die der Zeit-Redakteur David Hugendick diese Woche noch etwas lustiger auf den Punkt gebracht hat.

Dennoch muss man sich zu diesen Demos verhalten, zumal wenn sie digital in die Timelines und Postfächer gespült werden. Für Nassehi sind diese Proteste ein Seismograph für das tiefer liegende Problem der Gesellschaft, die Verunsicherung der Gesellschaft durch die Pandemie. Er warnt aber davon, sie zu ernst zu nehmen. Denn, so der Soziologe:

Die meisten Deutschen unterstützen die Anti-Corona-Maßnahmen, und sogar gut ein Viertel findet, dass sie nicht weit genug gehen. Neun von zehn Deutschen stimmen der Maskenpflicht zu, wie wir sie gerade haben. Wann gab es so was jemals? Auf den Corona-Demos geht es um marginalisierte Positionen.

Sich daran zu erinnern, ist vielleicht gar nicht unerheblich um einen Umgang mit den aktiven Akteurinnen und Akteuren zu finden, die digitalen Lärm für ihre Corona-leugnende Sache machen. Das Gefühl der Spaltung, das sie erzeugen wollen, ist womöglich stärker als der tatsächliche gesellschaftliche Zustand. Daran zu denken, dass neun von zehn Deutschen der Maskenpflicht zustimmen, kann ein Mittel der Gelassenheit sein, wenn irgendwo mal wieder jemand vom Maulkorb redet. Daran zu denken, dass das Narrativ der Spaltung selbst schon eine politische Perspektive ist, hilft zudem dabei, anders auf die verstörende aktuelle Lage zu schauen. Dazu nochmal David Hugendick, der Anfang der Woche twitterte:

Vielleicht stimmt es also, dass man diejenigen, die für Vernunft und Empathie noch zugänglich sind, nicht abschreiben sollte:

Wir haben vermutlich mehr gemein als uns gerade auffällt. Wir machen uns gerade beide Sorgen. Wir haben Angst, weil es so etwas wie diese Corona-Pandemie noch nie gab und wir alle nicht so genau wissen, wie es weitergeht. Diese Angst ist scheiße, aber wir können sie aushalten. Gemeinsam. Denn wir sind beide Menschen, uns verbindet die Sorge um unsere Lieben und wir wollen beide nicht, dass Menschen sterben müssen.

Update: nach dem ich diese Zeilen schrieb, wurden mir diese Bilder von einer Hygiene-Demo in Stuttgart in die Timeline gespült: Florian Schröder hat dort heute über Meinungsfreiheit gesprochen

Er beendet seine Ansprache mit den Worten: „Freiheit heißt, vernünftig sein und sich nicht verleiten lassen von falschen Propheten, die glauben die Wahrheit zu haben. Maske auf, Abstand halten, Nachdenken“

Zum Thema im Blog:
Brief an Corona-zweifelnde Facebook-Freundinnen
Fünf abschließende Sätze für wissenschaftszweifeldnde Hygiene-Demonstrierende
Shruggie des Monats: Pure Vernunft darf niemals siegen

Die Story hinter dem „Love Story“-Meme von Taylor Swift und disco lines

Vorbemerkung: Mir ist bewusst, dass die mediale Tiktok-Aufmerksamkeit gerade geprägt ist von Donald Trumps Ankündigung, gegen die App des chinesischen Anbieters ByteDance vorzugehen. Und auch die Datenschutzprobleme bei Tiktok (auf die mein Kollege Matthias Eberl immer wieder zurecht hinweist) sind ein massives Problem. Und dennoch muss ich diese kleine Geschichte hier erzählen, die sich im Universum zwischen Tiktok, YouTube, Instagram abspielt. Sie illustriert den Zauber dessen, was durch aktive Nutzer:innen entstehen kann und die Probleme, die das Urheberrecht mit dieser gegenwärtigen Form der Kultur hat. Vorbemerkung, Ende

Im Herbst 2008 ist die US-amerikanische Sängerin Taylor Swift 19 Jahre alt (Foto aus dem Love-Story-Musikvdeo). Sie ist kurz davor, ihr zweites Album zu veröffentlichen. Es wird „Fearless“ heißen und elf Wochen lang an der Spitze der Charts stehen (Wikipedia: „kein anderes Album seit dem Jahr 2000 konnte diesen Spitzenplatz länger behaupten, und es war das meistverkaufte Album des Jahres 2009 in den Vereinigten Staaten“). Als erste Single wird im September 2008 das Lied Love Story veröffentlicht, es erzählt die klassische Romeo- und Julia-Geschichte einer Liebe gegen den Einwand der Eltern.

Thadeus Labuszewski ist zu dem Zeitpunkt in der Grundschule. Weder Taylor Swift noch er wissen, dass der Song sie zwölf Jahre später auf eine bestimmte Art zusammenführen wird – im Sommer 2020 wird Thadeus seinen Abschluss als Software-Engineer in Boulder (Colorado) machen und Taylor Swift wird ihr achtes Album veröffentlichen. Es heißt „folklore“ und enthält 16 neue Songs. Aber keiner von ihnen schafft, was dem Lied aus dem Jahr 2008 gelingt: Es wird ein Tiktok-Hit.

Warum das so ist, kann niemand so genau sagen. Man kann nur versuchen die Geschichte zu rekonstruieren, die dazu geführt hat, dass Thadeus in der vergangenen Woche eine Bitte auf Instagram gepostet hat: Er wünscht sich Kontakt zu Taylor Swift, um mit ihr über ein Video zu sprechen, das er unter seinem Künstlernamen „disco lines“ im Frühjahr 2019 auf YouTube gepostet hat. In if TAYLOR SWIFT went ONE DEEPER erklärt er, wie er aus „Love Story“ einen Deephouse-Song remixt. Das ist äußert amüsant, hat auf YouTube aber auch heute im Auge eines Aufmerksamkeits-Orkans nicht mal 9000 Aufrufe.

Der Orkan tobt auf Tiktok. Dort hat der Nutzer @Ethanishung einen Schnipsel aus dem disco lines Remix von Love Story hochgeladen. Diese so genannten Sounds sind die Vorlagen für andere Nutzer:innen um damit eigene Videos musikalisch zu untermalen. Sehr sehr viele Nutzer:innen verwenden dafür den Schnipsel, den Thadeus Labuszewski in seinem Tutorial-Clip genutzt hat: 2,4 Millionen Videos zählt Tiktok aktuell zu dem Sound. Eines davon stammt von @pokemonmasterzo. Er kniet sich zu der Liedzeile „He knelt to the ground and pulled out a ring“ auf den Boden und stößt ein Skateboard an, auf dem er eine Kamera postiert hat, die ihn filmt. Die für Trends relevante For-You-Page von Tiktok ist gerade voll von Clips, die den „Love-Song“-Sound und genau diesen Trick nutzen (eine wachsende Anzahl an Nutzer:innen greifen auch auf Drohnen zurück um den Bewegungseffekt einzubauen).

All diese Clips tragen dazu bei, dass der Ohrwurm des Sommers 2020 auf Tiktok diese Zeilen aus dem Jahr 2008 sind:

He knelt to the ground and pulled out a ring
And said, „Marry me, Juliet
You’ll never have to be alone
I love you and that’s all I really know

Rolling Stone und Buzzfeed berichten bereits drüber, weil dieser Love Story noch etwas fehlt zum Happy End. Denn wer in gängigen Streaming-Diensten nach „disco lines“ und „Love Story“ sucht, wird eher enttäuscht: es gibt keine offizielle Version des Songs, der auf Tiktok gerade in heavy rotation läuft. Für den Jungen aus Boulder ist das ein Problem: Er hat einen Welthit geschaffen, kann den aber gar nicht wirklich nutzen.

Deshalb versucht er jetzt, Kontakt zu Taylor Swift herzustellen. Vielleicht können die beiden gemeinsam eine Windmühle bauen für den Aufmerksamkeits-Orkan, der gerade durchs Web fegt. Das Problem dabei: Es ist nicht ganz klar, unter wessen Flügeln der Sturm für Auftrieb sorgen wird. Denn Taylor Swift hat einen Rechtsstreit um die Verwertungsrechte ihrer frühen Songs. Diese liegen beim ehemaligen Chef der Plattenfirma Big Machine Records und seinem neuen Partner. Vor den American Music Awards im vergangenen November machte Swift diese Debatte sogar öffentlich. Fünf Jahre zuvor hatte sie übrigens von sich reden gemacht, weil sie Teile ihres Albums 1989 auf eine Weise hatte schützen lassen, dass andere Bands dies als Angriff auf die freie Meinungsäußerung interpretierten: die Metalband Peculate schrieb deshalb mit Absicht einen Song, den sie „The Sick Beat“ nannte, weil Swift darauf Markenrechte angemeldet hatte.

All diese Urheberrechts- und Verwertungsdetails sind den Nutzer:innen auf Tiktok egal. Sie interagieren äußert aktiv mit dem Song aus dem Jahr 2008 und Thadeus beobachtet das sehr genau: „Every video I see of someone dancing to my remix puts a massive smile across my face“, wird er auf Buzzfeed zitiert. „I’m so glad to see people laughing and dancing to the song. It feels like the perfect shot of serotonin the world needs right now.“

Ich persönlich teile dies Serotonin-Begeisterung, weil ich glaube, dass diese Art der Popkultur (trotz der Copyright-Themen) zu den aktivsten und spannendsten Ausprägungen gegenwärtiger Kultur zählt. Ich befasse mich schon länger mit dem Thema („Mashup – Lob der Kopie“) und freue mich, dass ich in dem Buch „Meme – Muster digitaler Kommunikation“, das im September erscheint, das Bild des Ohrwurms genutzt habe, um zu erklären, was Meme so wunderbar macht. Mehr über Tiktok habe ich auf tiktok-taktik.de notiert.

Hier kann man den Song übrigens ganz anhören:

Nicht die Plattform, auf der du bist zum Beruf erklären – Oğuz Yılmaz über das Influencer:innen-Handbuch

Oğuz Yılmaz war Teil von Y-Titty. Heute ist er als Künstler:innen-Manager tätig, gemeinsam mit Felix Hummel betreibt er die Agentur YilmazHummel. Die beiden haben gerade „Das Influencer*innen-Handbuch“ veröffentlicht. Ich habe Oğuz dazu ein paar Fragen gemailt.

Die wichtigste These Eures Buches scheint mir (für manche Teile der Öffentlichkeit) zu sein: Influencer:in ist ein künstlerischer Beruf. Seht Ihr das auch so?
Jein. Wir finden, dass man als Künstler:in Influencer:in sein kann, aber es gibt genug Influencer:innen, die sich nicht als Künstler:in sehen. Sie sind Sportler:innen, Musiker:innen, Comedians oder Fashion-Expert:innen, die mit ihrer Leidenschaft eine eigene Community auf Social Media Netzwerken aufbauen.

Mich interessieren beide Teile an der Definition. Der künstlerische und der Job-Aspekt. Beginnen wir mit der These: Influencer:innen sind Künstler:innen. Könnt Ihr das erklären?

Laut Wikipedia bezeichnet Kunst jede Tätigkeit von Menschen, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist. Warum sollten hier Influencer:innen nicht inkludiert sein?

Hast recht. Dann zum Job-Aspekt. Kann ich als Berufsanfänger:in in der Berufsberatung sagen: Ich will Influencer:in werden?

Zunächst einmal müssen wir sagen, dass Influencer:in ein Begriff ist, den die Marketingbranche YouTuber*innen, Blogger*innen und anderen Künstler:innen auf Social Media gegeben hat. So gesehen ist es also Quatsch zu sagen: Ich will Influencer*in werden. Du kannst Blogger:in, YouTuber:in oder Instagrammer:in werden, aber auch hier gilt es zu differenzieren. Du bist ja kein YouTuber*in von Beruf, sondern du liebst z.B. Upcycling und zeigst dein Können auf YouTube. Ich glaube wir sollten mehr dabei bleiben auf den Inhalt zu schauen, anstatt die Plattform, auf der du bist zum Beruf zu erklären. Geld verdient wird dann mit Videoproduktion, Modeln, Moderation, Schauspiel etc. und unterscheidet sich heruntergebrochen nicht von “vorher” als es kein YouTube und Instagram gab.


Ihr schreibt: Es gibt eigentlich keinen anständigen Ratgeber, der beschreibt wie man Influencer:in werden kann. Warum eigentlich nicht?

Zumindest gab es unserer Meinung nach keinen, den wir empfehlen konnten. Das sind dann Bücher, die entweder von Menschen aus der Marketing-Branche geschrieben wurden, um nur übers Geldverdienen zu sprechen oder à la “So wirst du superreich als Influencer:in”. Wir wollten mal die Basics aufbereiten. Das, was immer wieder fehlt, egal ob schon lange im Business oder nicht. Hunderttausende Follower:innen und trotzdem werden schreckliche Verträge unterschrieben, sie werden gehackt und verkaufen sich unter Wert. Hier wollen wir helfen.

Euer Buch richtet sich an Menschen, die Influencer:in werden wollen. Könnt Ihr mal sagen, was so toll an diesem Beruf ist?
Das Schöne an dem Beruf sind für uns vor allem zwei Aspekte. Auf der einen Seite ist das Thema Communitybuilding. Du baust dir eine Community auf, die dir wegen deinen Inhalten folgt und dir ständig direktes Feedback gibt. Der Austausch und das gemeinsame Wachsen und Entwickeln einer Community zwischen Influencer:in und Follower:innen macht unglaublich viel Spaß und motiviert jeden Tag etwas neues auszuprobieren.

Und der zweite Aspekt?

Ein weiterer Vorteil dieses Berufes ist, dass man nicht auf sogenannte Gatekeeper angewiesen ist. Die Barrieren für sowohl den Start als auch für Erfolg sind somit bedeutend niedriger als bei den “klassischen” Medien. Das Tolle am Influencer:in-Sein ist auch, dass es keine bestimmte Tätigkeit gibt sondern man im Endeffekt aussuchen kann, wie genau Geld verdient wird. Idealerweise erstellt man Inhalte, die einem selbst gefallen, erreicht damit Gleichgesinnte und kann davon leben. Im Idealfall ist das wirklich eine super Arbeit.

Ihr unterscheidet zwischen: Mikro-, Upcoming- und Makro-Influencer*innen. Könnt Ihr den Unterschied mal erklären?
Diese grobe Unterteilung teilt Influencer*innen in drei Arten ein, die ihrer Größe nach sortiert sind. Mikro-Influencer:innen weisen unter 20.000 Follower*innen auf, Upcoming-Influencer*innen haben eine Followerschaft bestehend aus bis zu 250.000 Follower*innen und Makro-Influencer:innen sind dann diejenigen, die von mehr als 250.000 verfolgt werden. Diese Einteilung ist jedoch sehr einfach und heruntergebrochen. Die Anzahl an Follower:innen verliert immer mehr an Aussagekraft, wenn es um die Relevanz und den Erfolg geht. Es gibt jedoch noch weitere Möglichkeiten, Influencer*innen zu gruppieren und zu differenzieren: YouTuber:innen, Blogger:innen, Instagrammer:innen, TikTok-Influencer:innen und viele weitere.

Sind Buchautor:innen oder Speaker:innen nach der Definition dann auch eine Form der Influencer:innen? Also Menschen, die man früher vielleicht als Publizist:innen beschrieben hätte?
Nicht alle sind automatisch Influencer:innen. Was diese auszeichnet ist ja vor allem, dass sie eine eigene organische Reichweite erzielen können und einen Einfluss auf die Follower:innen haben und Kaufentscheidungen triggern können. Wenn man den Begriff des Influencens aber weiter fasst und wirklich den Einfluss meint, dann nehmen natürlich auch Autor*innen und Speaker*innen Einfluss. So würden sich die meisten aber wohl nicht selbst bezeichnen.


In einem Kapitel beschreibt Ihr das Marketing-Ökosystem, in dem sich Influencer:innen bewegen.Könnt Ihr mal einen Einblick in diese Feld geben: In was für eine Welt kommen Influencer:innen?

Die Marketingwelt ist groß und für Außenstehende recht komplex. Sie weist viele verschiedene Bereiche und Begriffe auf – ein regelrechter Dschungel, in dem es sich zurechtzufinden gilt. Die Branche besteht bereits seit langer Zeit und ist fest etabliert. Das Influencer:innen-Sein ist dabei bloß ein neues Berufsbild, das sich in dieser komplexen Welt entwickelt hat und diese komplexe Landschaft nun bereichert. Die ersten Influencer:innen trugen dazu bei, sich in der Marketingwelt zu etablieren, nun gilt es, das eigene Berufsbild zu professionalisieren. Dies ist nicht immer leicht, unser Ratgeber möchte dabei Orientierung und Unterstützung bieten.

Wird die Arbeit in dieser Branche für Influencer:innen nun eigentlich leichter (weil die Branche sich professionalisiert) oder schwieriger (weil mehr Influencer:innen auf den Markt drängen)?

Einfachste Antwort wäre: beides oder etwas in der Mitte. Für die Influencer:innen, die es schaffen sich aus der Masse hervorzuheben und ein Talent besitzen, gute Geschichten zu erzählen und authentisch (sorry für das Wort) sind, ist es aktuell immer noch einfacher, sich zu etablieren und gutes Geld zu verdienen als in den “traditionellen Medien” wie im linearen Fernsehen. Da gibt es die Gatekeeper und sie entscheiden, wer eine Bühne bekommt. Auf YouTube, Instagram und TikTok gibt es die Gatekeeper nur indirekt; Aufrufe, Interaktionen und Follower:innenzuwachs müssen eine gute Tendenz aufzeigen und schon ist man auf einem guten Weg nach oben, zumindest aktuell ist das noch so.

Das Handbuch gibt es auf der Website influencerhandbuch.de

Weniger schafft mehr – das Prinzip „Steigerung durch Begrenzung“ (Digitale August-Notizen)

Dieser Text ist Teil der August-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

Was kann ich tun, um Sie davon zu überzeugen, dass Sie die nun folgenden Zeilen über den Wert von Verknappung lesen? Sie haben viel zu tun, da kommt gerade eine Mail rein. Sie könnten den Text in Pocket speichern. Aber jetzt lesen? Das wird schwierig, aber es gibt eine vermeintlich paradoxe Möglichkeit, Ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen: Ich kann diesen Text verknappen. Ich lösche ihn nach 24 Stunden oder sperre ihn nach 1000 Aufrufen. Danach ist er verschwunden und Sie können nicht mehr nachlesen, wie im digitalen Ökosystem das Prinzip „Steigerung durch Begrenzung“ unsere Aufmerksamkeit lenkt.

Da Sie aber diesen Einstieg schon gelesen haben, haben Sie die Grundzüge der Kernthese schon verstanden. Das ist ein bisschen Meta, aber auch eine schöne Illustration für eine Methode, die das Internet als vermeintlich unbegrenzter Raum in den vergangenen Jahren perfektioniert hat. Im Schatten des Versprechens der schier grenzenlosen Reichweite hat sich eine Form der Aufmerksamkeitssteuerung entwickelt, die auf Exklusivität in den Dimensionen Raum (280 Zeichen), Zeit (24 Stunden) oder Zugang (Invite-Codes) setzt. Wo theoretisch alles kopierbar ist, wird Begrenzung zum Ausweis der Distinktion. Dass sich daraus Formen der Wertschätzung und dann auch Wertschöpfung ableiten lassen, ist nicht verwunderlich, denn Angebot und Nachfrage bestimmten schon vor der Digitalsierung den wahrgenommenen und den wirklichen Preis von Angeboten. (Symbolbild: Unsplash)

Der Weg aus der Welt der begrenzten, analogen Waren (Tonträger, Papierbücher etc.) durch den Überfluss der digitalen Vervielfältigung zurück zur künstlichen Verknappung war lang. Große Teile der Medienbranche folgen auch weiterhin der Logik der grenzenlosen Reichweiten, die durch die kostenfreie Vervielfältigung noch stimuliert wird. Nahezu alle Plattformen des Social-Web bedienen diese Logik, in dem sie im Kern wertlose Zahlen wie Fans oder Likes zu einer Währung erheben. Der Wettkampf um die Steigerung dieser Kennzahlen bildet die Grundlage ihres Geschäftsmodells, führt die Wettkämpfenden aber nicht zwingend zum Erfolg. In erster Linie vernebelt diese Messung den Blick für das, was man eigentlich erreichen will: Sind viele Likes tatsächlich das Ziel?

Die Tatsache, dass sich viele Medienhäuser darauf konzentrieren zahlende Leserinnen und Leser zu binden, ist ein erster Schritt raus aus der Reichweitenfalle. Ihm geht der Schritt voraus, Klarheit darüber zu erlangen, welche Ziele tatsächlich von Bedeutung sind: Zahlende Kund:innen sind dabei ebenfalls als Beispiel für eine Methode der Verknappung zu lesen – und zwar in der Dimension Preis: „Du kommst hier nur rein, wenn du bezahlst“, sagen die Türsteher:innen vor den Bezahlangeboten. Vor anderen Angeboten haben sich Gatekeeper aufgebaut, die wie bei Storys auf Instagram oder in Shopping-Clubs nach 24 Stunden das Angebot verschwinden lassen. Bei Twitter wiederum achten die Wächter:innen darauf, dass kein Angebot über die Grenze von 280 Zeichen hinausgeht. All das ergibt aus der reinen Machbarkeits-Logik des Web keinen Sinn. Es gibt keinen äußeren Grund für diese Begrenzungen – außer der Tatsache, dass die Begrenzung einen Wert schafft. Wer in einem ausverkauften Stadion einen Sitzplatz bekommt, fühlt sich besser als alle, die nicht mehr reingekommen sind.

Dieses Wissen scheint vor lauter Reichweiten-Zauber verloren gegangen zu sein. In der Frühphase wurden immer neue Zusatzstühle in den Räume gestellt. Vor lauter „mehr mehr“ verstummte aber die Frage nach dem Grund für den Besuch im Stadion. In der Sprache der Werbetreibenden lässt sich dieses Bild auflösen in dem Widerspruch zwischen Reach und Impact. Denn in Wahrheit ist die Reichweite stets nur Mittel zu einem anderen Zweck, den man mit Auswirkung, Wert oder Bedeutung übersetzen kann.

Um diesen Impact geht es in dem Newsletter, aus dem dieser Text hier stammt. Seit 66 Folgen schreibe ich die monatlichen Digitalen Notizen. Im Dezember 2014 führte ich den Newsletter mit einer Einladungs-Logik ein. Anfangs konnte man sich nur mit Invite-Codes in die Liste eintragen. Nun ist es an der Zeit, diese Logik auf eine nächste Ebene zu heben. Denn das Ziel dieses Newsletters ist nicht reine Reichweite, der Impact der Mails liegt darin, thematische Vernetzung zu schaffen. Dafür werde ich ab sofort den Versand des Newsletters reglementieren – und diejenigen von der Liste löschen, die seit fünf Folgen keine Mails mehr geöffnet haben.

Auslöser für diese Idee ist die Begrenzung des Newsletter-Dienstleisters Mailchimp. Dort gibt es eine Grenze bis zu der man kostenfrei Mails verschicken kann. Die anfallenden Kosten könnte ich weitergeben, aber ich möchte den Newsletter kostenfrei halten. Deshalb werde ich die Liste der Empfänger:innen der Digitalen Notizen begrenzen. Für die bisherigen Leser:innen ändert sich dadurch nichts – sofern sie den Newsletter auch tatsächlich öffnen. Etwas weniger als 50 Prozent derjenigen, die aktuell auf der Liste stehen, lesen den Newsletter gar nicht*. Die Auswertung in Mailchimp zeigt mir diese so genannte Öffnungsquote an. Der Branchenblick sagt, dass diese Quote für eine aktive Leserinnenschaft spricht. Das heißt aber auch: Durchschnittlich 50 Prozent auf der Liste öffnen den Newsletter nicht. Das ist ihr gutes Recht. Gleichzeitig möchte ich aber für diese Nicht-Leser:innen nicht bezahlen müssen. Deshalb beschränkte ich mein Newsletter-Angebot ab sofort auf diejenigen, die den Newsletter auch wirklich öffnen. Wer dies fünf Folgen lang nicht gemacht hat, wird von der Liste gestrichen.

Mir ist klar, dass ich damit meine potenzielle Reichweite beschränke. Denn in der Logik der Massenreichweite sind Mailadressen das höchste Gut, Kontakte sind das Ziel aller Aktivität. Sie zu löschen, gilt als falsch. Ich sehe das anders: Mir geht es nicht um Adressen und Reichweite. Mir geht es um den inhaltlichen Austausch – in einem interessierten Kreis. (…) im Mail-Newsletter folgen hier ein paar Zeilen über die Art der Exklusivität, die ich hier ausspare. Sie können sich aber jetzt noch hier eintragen, dann können Sie künftig auch Einblick in diesen Kreis erhalten (…) Um dies in einem Bild zu fassen, bietet sich das einer Abendveranstaltung an. Wenn ich Lesungen oder Vorträge halte, spreche ich mit Veranstalter:innen manchmal über die Anzahl der zu erwartenden Besucher:innen. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass sich darin nur selten auch eine Kennzahl über den Wert des Abends ablesen lässt. Ich habe schon sehr inspirierende Abende mit nur drei Gästen erlebt, die für mich keineswegs schlechter waren als Vorträge vor 1000 Menschen.


* Danke für die Hinweise auf die Messungenauigkeit bei der Öffnungsquote. Das ist mir durchaus bewusst, aber eben ein Problem dieser Kennzahlen. Ich werde mich auf die Suche nach einer Alternative machen.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen,
in dem unlängst u.a. erschienen sind: „Wie digitales Denken in der Corona-Krise helfen kann: fünf Vorschläge“ (Mai 2020), „Die Nazis werden uns das Internet wegnehmen“ (März 2020), „Die Empörung der anderen“ (Februar 2020), „Zehn Dinge, die ich in den Zehner Jahren gelernt habe“ (Januar 2020), „Zwölf Dinge, die erfolgreiche Tiktokter tun“ (Dezember 2019), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016). Hier kann man ihn kostenlos abonnieren.

Meme-Kultur und das Memo-Monster aus dem Weißen Haus

Ein Mann steht im Garten des Weißen Hauses und erzählt in eine Kamera was er offenbar für eine herausragende Leistung hält: dass er fünf Begriffe in der richtigen Reihenfolge aufsagen kann. Dass ihm dies auch nach einigen Minuten noch gelingt, erfüllt ihn erkennbar mit Stolz. Die Begriffe scheinen aus der ersten Lektion eines Englischbuchs zu stammen. Sie lauten „Person, woman, man, camera, TV“. Seit dieser Woche sind sie, aber nur in dieser Reihenfolge, ins webweite Vokabular der Popkultur übergegangen. Denn der Mann, der hier mit schulkindlicher Freude wieder und wieder „Person, Frau, Mann, Kamera, Fernsehen“ sagt, bekleidet ein Amt, an dem seit Jahren der Zusatz „der wichtigste Mann der Welt“ klebt. Seit dieser Woche klebt an Donald Trump die Aufzählung aus einem kognitiven Test, mit dessen Ergebnissen sich Trump selbst so beeindruckt hat, dass er in zahlreichen Interviews davon spricht.

Innerhalb von Minuten wurde Trumps Auftritt zum Rohmaterial für die Webverarbeitungsmaschine, die seit Jahren Limor Shifmans These bestätigt: „Wir leben in einer hyper-memetischen Kultur“: Tiktok-Parodistin Sarah Cooper, die seit ein paar Wochen mit dem lippensynchronen Nachsprechen präsidialer Merkwürdigkeiten zum bekanntesten Internet-Star des Jahres 2020 aufsteigt, zählt konzentriert und äußert humorvoll „Person, woman, man, camera, TV“. Und der britische Musikproduzent Brett Ewels erkennt als erster: In der Aufzählung steckt in Wahrheit die Reinkarnation eines Dancesongs aus dem Jahr 2001. Damals stand ein anderer Mann im Weißen Haus und hielt sich für herausragend. Als George W. Bush amerikanischer Präsident war, veröffentlichten Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo den Song „Harder, Better, Faster, Stronger“. Brett Ewels, der unter dem Namen LouisLaRoche selbst Musik macht, fügte diesen „Daft Punk“-Track nun mit den Worten des aktuellen US-Präsidenten zu einem Mashup zusammen. Das allein ist keine Meldung mehr wert, das ist Tagesgeschäft in der memifizierten Gegenwart.

Genau dadurch eröffnet es aber den Blick auf die Frage: Was unterscheidet ein gutes Mashup eigentlich von einem mäßigen?

In der Frühphase der memetischen Gegenwartskultur galt dafür stets nur ein Kriterium: Klicks und vermeintliche Reichweite. Im Fall von Brett Ewels ist dies nur ein unzureichender Maßstab, denn nach Likes und Views ist „Harder, Woman, Faster, Camera“ eher eine seltene B-Seite in der Popkultur des Web. Doch genau wie diese Fundstücke der Plattenkultur erschließt sich auch beim präsidialen Memo-Mashup der Wert erst beim genauen Hinsehenhören: „Harder, Stronger, Faster, Louder“ selbst ist nicht nur der musikalisch schönste Ausdruck der kompetitiven „schneller, größer, weiter“-Kultur, für die Trump steht und die ihn überhaupt dazu bringt, mit einer simplen Erinnerungsaufgabe angeben zu wollen. Ausgerechnet diese Begriffe zu referenzieren, ist also mehr als eine nur versteckte Botschaft, es ist, um es mit den Worten des Memo-Monsters aus dem Weißen Haus zu sagen: „amazing“. Denn der Song ist selbst schon so oft geremixt, adaptiert und referentiert worden, dass der US-amerikanische Musikkritiker Daniel Jaekins unlängst urteilte, ihm falle kaum ein Dancetrack ein, “der vergleichbar populär und einflussreich für die moderne elektronische Musik gewesen sei.“. Man kann also sagen: Ausgerechnet mit einem solch wuchtigen Song den mächtigsten Mann der Welt auszuhebeln, ist durchaus bemerkenswert.

Erscheint im September: ein neues Sachbuch über die Muster digitaler Kommunikation.

Dass Brett Ewels seinen YouTube-Clip mit den Worten kommentierte: “I made this in 30 minutes. I’m proud of my work“ ist genau in diesem Sinn zu verstehen: als eine wundervolle referenzbeladene Antwort auf die Angeberkultur aus dem Weißen Haus.

Mehr zum Thema:
> Lehrstück in digitaler Öffentlichkeit: Wie Teile der amerikanischen Jugend Trump ärgern
> Boss Baby: Deepfake Trump-Parodie als Kritik an der Corona-Politik des US-Präsidenten
> Lob der Kopie: Tiktok-Sounds als gegenwärtigste Form der Trump-Kritik

Shruggie des Monats: Anwesend

Der Shruggie des Monats ist eine von meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ inspirierte Rubrik meines monatlichen Newsletters (den man hier kostenlos bestellen kann). Darin beschreibe ich Personen, Ideen und Begebenheiten, die mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen – dem ¯\_(ツ)_/¯.

Im Wikipedia-Artikel zum Schlagwort „Präsenz“ steht ein großartiger Satz. Mitten im Corona-Chaos lohnt es, sich diesen vermeintlich widersprüchlichen Satz wirken zu lassen. In ihm steckt eine Menge Weisheit über den Umgang mit dem, was man Remote-Office oder Präsenzkultur nennt. Der Satz lautet:

Präsent ist etwas deshalb, weil keine Zeit vergeht, bis es zur Verfügung steht, und es vergeht dafür deshalb keine Zeit, weil es anwesend ist.

Geschrieben wurde der Satz weit bevor wir anfingen über Anwesenheiten und digitale Verbindungen zu sprechen (Hintergründe dazu im April-Shruggie zum Thema Live-Stream). Der Satz befasst sich mit der etymologischen Herkunft des Wortes Präsenz, das die räumliche Anwesenheit und zeitliche Gegenwart beschreiben soll. Präsent war jahrelang nur das, was auch räumlich vorhanden war. Als Kind des Ruhrgebiets weiß ich, dass die Beschreibung jemand sei „vor Ort“ nichts mit Büro-Anwesenheit zu tun hat, sondern etymologisch mit dem Stollen unter Tage, an dem „vor Ort“ abgebaut wird.

Unter Tage kann man nicht durch digitale Vernetzung anwesend sein. In einer Bürobesprechung ist das aber durchaus möglich. Ist man dann „in Echt“ anwesend oder gilt das nur, wenn man auch körperlich im Raum zugegen ist?

Über diese Frage kann man jetzt stundenlang essay-philosophieren. Das Hadern mit der Transformation kann man in jeder Zeile dieser Betrachtungen über Videokonferenzen und vermeintlich echte Austausch lesen. Man kann die Frage aber auch wie die Werbung beantworten, die ich unlängst „in echt“ und „out of home“ gesehen habe: „Digital? Real? Egal!“ hat Pokemon auf diese Plakate geschrieben, die ich nicht weiter beschreibe, weil es nicht um die Werbebotschaft, sondern um diese Haltung geht.

Digital?
Real?
Egal

finde ich deshalb so schön, weil mein erster Reflex so lautete: „Digital ist doch auch real.“ Doch genau in dem Moment als ich das dachte, las ich „Egal“.

Genau darin liegt der historische Wendungpunkt, an dem ich aufhöre diese Diskussion zu führen: Ich will nicht mehr besprechen, ob du eine virtuelle Besprechung weniger wertvoll findest als eine mit körperlicher Anwesenheit. Mich interessiert nicht, ob dir ein ausgedruckter Text wertvoller erscheint als ein digitaler. Die Zeit, die ich hatte, um mich damit zu befassen, ist spätestens mit dem durch Corona ausgelösten Digitalisierungs-Schub abgelaufen.

Für mich fühlt sich diese Debatte wie die Frage an, ob ein übers Telefon gesagter Satz weniger „real“ ist als einer in körperlicher Anwesenheit.

Das ist doch nun wirklich ¯\_(ツ)_/¯
Willkommen in der Gegenwart, die genau in diesem Egal eine Lösung gefunden hat: Real und Digital ergeben ein neues Bild!

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle. Wer mehr über das Web und das Internet lernen will, kann dies in meinem Buch „Gebrauchsanweisung für das Internet“ tun.

Der Matthäus-Effekt der Aufmerksamkeit (Digitale Juli-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Juli-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

„Von den anvertrauten Talenten“ ist die Geschichte überschrieben, die im 25. Kapitel des Matthäus-Evangelium erzählt wird. Das Gleichnis beschreibt den Umgang mit Talenten Silbergeld, die sinnvoll eingesetzt bzw. unproduktiv versteckt werden. In biblischer Interpretation ist die Geschichte ein Bild für den Glauben: Wer diesen annimmt, so das Gleichnis, wird damit zu höherer Erkenntnis gelangen.

Abseits der biblischen Auslegung hat diese Geschichte größere Popularität erfahren, weil ihr Fazit einen Effekt beschreibt, den man als „Erfolg begünstigt Erfolg“ zusammenfassen kann. In Vers 29 heißt es:

„Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“

Der so genannte Matthäus-Effekt wurde erstmals vom Soziologe Robert K. Merton beschrieben. Dieser beobachtete, dass bekannte wissenschaftliche Autor:innen auch häufiger zitiert werden – und gab der Beobachtung den Namen, der sich auf das genannte Gleichnis bezieht. Man kann dieses Phänomen in unterschiedlichen Bereichen sehen und eine besonders auffällige Ausprägung ist der so genannte positive Netzwerk-Effekt. Dabei steigt der Nutzen für einzelne Konsument:innen dadurch, dass mehr Konsument:innen ein Produkt nutzen. Nahezu alle Angebote im Plattform-Kapitalismus leben von diesem Effekt. (Foto: unsplash)

Dieser Tage wird wieder viel über die Macht und die Bedeutung von Plattformen und Netzwerken diskutiert. Das Spektrum reicht dabei von „Twitter hat sich mit Trump angelegt“ bis zu „New York Times löst sich von Apple News“. Gerne wird dabei darauf hingewiesen, dass die digitalen Plattformen (von Twitter über Airbnb bis Lieferando) selbst gar nichts herstellten und nur von den Inhalten anderer profitieren. Ebenfalls häufig erwähnt wird, dass alle Plattformen verbinde, dass sie einzig kommerziellen Interessen genügten und man deshalb über eine eigene Plattform nachdenken müsse, die ganz anders strukturiert sei.

Ich frage mich dann immer, wie eine nicht-kommerzielle Plattform wohl aussehen würde. Leider habe ich bisher keine befriedigende Antwort gehört bzw. keine, die nicht am Ende auch wieder in Kapitel 25 des Matthäus-Evangelium landet. Denn die sagenumwobenden Algorithmen der kapitalistischen Plattformen (die allüberall kritisiert werden) tun vor allem dies: Sie bilden den Matthäus-Effekt der Aufmerksamkeit ab. Sehr vereinfacht gesprochen folgen sie dem Prinzip: Was viele wichtig finden, kann nicht unwichtig sein. In der Sprache der Bibel formuliert: „Wer da bereits Aufmerksamkeit hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe.“

Dieses Prinzip finden wir auf Google-Ergebnisseiten und in den Timelines von nahezu allen Netzwerken: Wo viel los ist, darauf wird die Aufmerksamkeit gerichtet. Große Debatte, Empörung und Aufregung zieht neue Debatte, mehr Empörung und weitere Aufregung nach sich. Eli Pariser („Die Filterbuble“) hat die Mechanik der Plattformen dabei mal mit einem Beobachter verglichen, der bei einem Vortrag mit dem Rücken zur Sprecherin ins Auditorium schaut und nur auf Basis der Publikumsreaktionen die Rede bewertet. Der Inhalt des Vortrags ist ihm nicht nur egal, er versteht ihn auch nicht (weil er die Sprache der Rednerin nicht spricht). Was er bewertet sind Reaktionen. Auf Basis dieser Reaktionen sucht er neue Inhalte heraus – und diese Inhalte dienen nur dem einen Zweck: Die Nutzer:innen möglichst lange im Raum also in der jeweiligen Plattform zu halten.

Das dieser Logik zugrunde liegende Prinzip heißt außerhalb des Web übrigens Einschaltquote. Und die öffentlich-rechtlichen Anbieter, aus deren Reihen häufig die Rede von einer alternativen Plattform geführt wird, messen diese Einschaltquote genau wie kommerzielle Anbieter es tun. Wenn man genau hinschaut, kann man sogar erkennen, dass sie auch die Themen ihrer TV-Talkshows nach dem Prinzip auswählen. Vermutlich würden sie also auch auf einer alternativen digitalen Plattform diesem Muster folgen. Denn im Kern ist der Matthäus-Effekt der Aufmerksamkeit („Was viel Aufmerksamkeit erfährt, wird mit weiterer Aufmerksamkeit bedacht“) ja kein digitales Phänomen, sondern ein journalistisches Reaktionsmuster, das völlig unabhängig vom Web existiert. Die Plattformen, über die wir streiten, haben aus diesem Effekt ein sehr erfolgreiches Geschäft gemacht, das man kritisieren, womöglich reglementieren und schließlich sogar mit Konkurrenzangeboten angreifen kann. Man sollte darüber aber nicht vergessen, dass das zugrunde liegende Prinzip nicht von Google oder Facebook erfunden wurde, es handelt sich vielmehr um ein Muster wie Aufmerksamkeit verteilt wird.

Die Schlüsse, die man daraus ziehen kann, können helfen, die Plattform-Kritik auf ein anderes Niveau zu heben. Sie können den Blick dafür schärfen, was mögliche alternative Plattformen tatsächlich anders als Facebook oder Twitter machen könnten. Dazu müssten wir alle gemeinsam versuchen, den blinden Fleck der digitalen Mediendebatte etwas zu erhellen: den Inhalt. Das zitierte Bild vom Beobachter, der mit dem Rücken zur Bühne ins Auditorium schaut, ist deshalb so stark weil es zeigt: Den erfolgreichen Plattformen geht es zuerst um Kontext dann erst um Content. Eine alternative Plattform müsste davon lernen und unbedingt den Blick auf Meta-Daten richten.

978-3-95757-246-2-x160xx400x-1466586213Das zu schreiben ist aber viel einfach als es auch zu tun: Denn aus der Perspektive von Medien (und ich schreibe das als Journalist!) sind Inhalte noch immer das Wichtigste. Im Eli-Pariser-Bild gesprochen: Wenn Medien ins Auditorium schauen, sehen sie stets zuerst ihr Redemanuskript und dann erst das Publikum. Das Dilemma, das sich daraus ergibt: Medien sehen Content vor Kontext, Plattformen aber sehen Kontext vor Content. (Wie man damit umgehen könnte, habe ich in „Meta – das Ende des Durchschnitts“ versucht zu beschreiben)

Im Gleichnis von den anvertrauten Talenten wird am Ende überigens derjenige bestraft, der aus Angst seine Talente versteckt und nicht einsetzt. Er will einzig bewahren, was er zu haben glaubt und wird genau dafür von Gott gerügt. Er nimmt ihm die Talente und gibt diese denen, die schon haben. Nach dem obigen Zitat endet das Gleichnis mit den Worten: „Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.“


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen,
in dem unlängst u.a. erschienen sind: „Wie digitales Denken in der Corona-Krise helfen kann: fünf Vorschläge“ (Mai 2020), „Die Nazis werden uns das Internet wegnehmen“ (März 2020), „Die Empörung der anderen“ (Februar 2020), „Zehn Dinge, die ich in den Zehner Jahren gelernt habe“ (Januar 2020), „Zwölf Dinge, die erfolgreiche Tiktokter tun“ (Dezember 2019), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016). Hier kann man ihn kostenlos abonnieren.

Mehr über den Wert von Kontext und die Bedeutung von Meta-Daten in dem Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“, das man hier im Shop des Verlags Matthes&Seitz bestellen kann.

Shruggie des Monats: Immer wieder aufstehen

Der Shruggie des Monats ist eine von meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ inspirierte Rubrik meines monatlichen Newsletters (den man hier kostenlos bestellen kann). Darin beschreibe ich Personen, Ideen und Begebenheiten, die mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen – dem ¯\_(ツ)_/¯.

In diesen Tagen ist das Magazin Spiegel Wissen mit dem Titelthema „Stark durch die Krise“ erschienen. Es geht um Corona und den Umgang mit den Folgen. Die Redaktion wählt das Bild eines Gummis um einen elastischen Weg der Krisenbewältigung zu beschreiben: „Gummi hat die Eigenschaft, einem Druck nachzugeben, aber ebenso in seine ursprüngliche Form zurückzufinden, sobald dieser Druck nachlässt. Solche Elastizität kann auch unsere Seele haben, nur heißt sie dann Resilienz.

Wenn ich das Wort Resilienz lese, muss ich immer an Patrick Fabian denken. Der Verteidiger des VfL Bochum beendet an diesem Sonntag seine aktive Fußballer-Karriere, die aus unterschiedlichen Gründen außergewöhnlich ist. Nicht weil Fabian wahnsinnig viele Titel errungen oder besonders viele Tore erzielt hätte. Patrick Fabian spielt beim VfL Bochum, da gibt es eh fast nie Titel. Außergewöhnlich ist seine Karriere, weil er seit dem Jahr 2000 an der Castroper Straße tätig ist: 20 Jahre – 1 Klub hat die Sportschau geschrieben und damit betont: Diese Treue ist im Fußball selten.

Fabian passt zum VfL Bochum weil er wie vermutlich kaum ein anderer Sportler für die Philosophie des Vereins steht: Unbeugsam zu sein, sich von Widerständen nicht unterkriegen zu lassen, steht im Leitbild des Vereins für Leistungssport, den manche Fans (inklusive mir) nicht selten eher für einen Verein fürs Leidenssport halten. Patrick Fabians Leiden ist genauso ungewöhnlich wie seine Treue: Er hatte vier Kreuzband-Risse und sechs Knie-Operationen im Laufe seiner Karriere – und ist dennoch am vergangenen Sonntag im Ruhrstadion eingewechselt worden.

Der SZ-Kollege Ulrich Hartmann beschrieb Fabians Leidensgeschichte nach dem vierten Kreuzband-Riss (dem ersten im linken Knie) so:

Im rechten Knie war ihm das vordere Kreuzband zuvor nämlich bereits drei Mal gerissen – wobei das medizinisch so nicht ganz korrekt ist. Denn nachdem ihm im März 2011 das Kreuzband im rechten Knie gerissen war, haben ihm die Ärzte dort seine Semitendinosus-Sehne eingesetzt, und nachdem auch diese Ersatzsehne im Januar 2012 gerissen war, haben sie ihm dort seine Quadrizeps-Sehne eingesetzt, und seit auch diese zweite Ersatzsehne im Juli 2012 gerissen war, trägt Fabian im rechten Kniegelenk nun seine Patella-Sehne.
Der Innenverteidiger des VfL Bochum weiß nicht, welche Sehne man noch als Kreuzband hätte benutzen können oder ob sich das rechte Knie überhaupt noch einmal erholt hätte – aber im linken Knie, da war die Sache relativ einfach. Man setzte ihm diesmal gleich die Patella-Sehne als neues Kreuzband ein. Danach absolvierte Fabian halbwegs routiniert zum vierten Mal in seinem Sportleben die mehrmonatige Rehabilitation.

Dazu muss man wissen, dass ein Kreuzband-Riss vermutlich zu den schwerwiegendsten Sportverletzungen zählt, die man sich vorstellen kann. „Horrorblessur“ steht in dem SZ-Text und dass es nicht viele Sportler:innen gibt, die nach vier Rissen noch aktiv sind. Patrick Fabian zählt dazu. Und das muss – so merkwürdig das klingt – mit der Gummi-Metapher zu tun haben: mit Resilienz, mit der Widerstandsfähigkeit und der Kraft, immer wieder aufzustehen.

Auf seinen Social-Media-Kanälen hat Patrick Fabian nach der Verabschiedung am vergangenen Sonntag nach dem letzten Bochumer Heimspiel der Saison ein Video veröffentlicht, in dem er sagt:

Es lohnt sich im Leben, Widerstände auszuhalten, an sich zu glauben, weiter zu machen, immer wieder aufzustehen. Weil man am Ende dafür belohnt werden kann. Es gibt keine Garantie, aber es gibt immer die Option – und die sollte man nie unberücksichtigt lassen, sondern es immer wieder versuchen. Und sich nicht von Widerständen aus dem Weg räumen lassen, sondern sie einfach akzeptieren und nur das tun, was in der eigenen Macht steht und sich dafür entscheiden, den Weg gegen solche Widerstände zu gehen.

Wer hier regelmäßig mitliest, weiß, dass ich den Fußball als Metapher häufiger nutze. Deshalb fällt es mir leicht, in Fabians Worten eine Nähe zur Grundhaltung des Shruggie zu finden: Widerstände zu akzeptieren und trotzdem nicht aufzugeben. Das steckt in dem Song „Immer wieder aufstehen“, den die Krautrockband Herne 3 in den 1980er Jahren veröffentlicht hat – und den ich irgendwie symapthischer finde als die Rede von der Fehlerkultur und dem Feiern des Scheiterns (Foto: unsplash).

Im Kern geht es aber um das gleiche: Es geht darum, immer wieder aufzustehen.

¯\_(ツ)_/¯

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle. Wer sich für meine Vorliebe für Sport-Metaphern interessiert: ich habe hier über das Prinzip Unbeugsam zu sein beim VfL Bochum geschrieben (was übrigens durchaus einen Zusammenhang zu Sascha Lobo hat), hier ein Zitat des ehemaligen Bochumer Trainers Verbeek über Angst notiert und hier Lauflehren für die Medienbranche gezogen.