Alle Artikel mit dem Schlagwort “wissen

Was wir meinen wenn wir voreilig über Infoflut sprechen

In der Dezember-Ausgabe von Brand eins gibt es ein Interview mit dem italienischen Physiker Carlo Rovelli. Darin wird er auch zur so genannten Info-Flut befragt. Ich finde bedenkswert, was er antwortet:

Die Menge an Informationen, die der Einzelne üblicherweise zu verarbeiten hat, ist größer geworden – vielleicht bringt uns das so in Atemnot?
Mag sein. Aber die Folge ist, dass die jungen Menschen heute viel mehr wissen als meine Generation damals. Sie überraschen mich mit ihren Kenntnissen, ihrem schnellen Denken, ihren Vorhaben und ihrer Offenheit. Sie haben mehr Mittel als wir damals, sie leben in einer größeren Welt. Das scheint mir sehr schön zu sein. Ich glaube auch nicht, dass das Internet die Fähigkeit vermindert, sich zu konzentrieren. Fernsehen und Zeitungen sind meiner Meinung nach schlimmer: Sie fördern eine passive Haltung – aber dafür ist der Mensch nicht gemacht, er will interagieren.

Sie denken also nicht, dass Twitter, Facebook und die anderen sozialen Netzwerke das Leben beschleunigen?
Das weiß ich nicht.

Die Arroganz des Wissens

Wir wissen noch nicht, wie es sein wird, wenn in einer vernetzten Datenwelt jeder Dödel alles weiß. Denn bis jetzt war Wissen immer etwas Exklusives. Gewiss, es war und ist auch einfach nützlich – besonders wenn es sich um sogenanntes Sachwissen handelt, aber es wirkte nicht zuletzt als Statussymbol, als Zeichen der Zugehörigkeit zur Klasse der Gebildeten. Bücherlesen beispielsweise ist eine zeitraubende Beschäftigung, um die man nicht herumkommt, wenn man gebildet sein oder zumindest gebildet erscheinen möchte. Man muss im Ozean der Schriften schon etliche Tauchgänge absolviert haben, um ein paar Perlen auslegen zu können.

Das alles galt vor Google. Denn mit der Google-Büchersuche lassen sich ganze Bibliotheken in Sekundenschnelle nach Stichwörtern und Stichwort-Kombinationen durchforsten. Wofür man früher echtes, tiefes Wissen brauchte, das kann man heute mit einer pfiffigen Suchstrategie am Internet-Computer erzeugen: triftige Literaturzitate, begriffliche Zusammenhänge, Panoramen des Denkens. Alles per Knopfdruck abrufbar, weil nicht mehr wir alles lesen müssen: die große Suchmaschine tut es.

Burkhard Müller-Ulrich kommentiert in der Sendung „Kultur heute“ im Deutschlandradio die geplante Kooperation von Random House und der Google Buchsuche. Unter dem Titel
Googleisierung schreitet voran liefert er aber vor allem eine Begründung dafür, warum allerorten Kulturpessimisten gegen die Digitalisierung kämpfen: Sie sehen ihren Wissensvorsprung gefährdet.

Brockhaus online in ungekannter Qualität

Mit Brockhaus online starten wir mit einer hochwertigen Substanz, die wir für das Medium ‚ÄûInternet‚Äú entwickelt und aufbereitet haben. Zum Start wird das Portal bereits rund 300.000 Stichworteinträge enthalten. Neben der hervorragenden Textsubstanz bietet Brockhaus online multimediale Elemente, die Sie in dieser Menge und Qualität noch nicht kennen. Zum Beispiel ist eine Bilddatenbank enthalten, die über vier Millionen Bilder bereithält. Zu vielen Stichwörtern werden außerdem Audio-Files angeboten, ebenso zahlreiche Videos und Animationen. Also kann ich Ihnen bereits heute versprechen, brockhaus.de erfreut auch Ihre Augen und Ohren.

Bei upload-magazin.de kann man das Gespräch nachlesen, das Christian Noe Brockhaus-Verlagssprecher Klaus Holoch geführt hat. Ich bin sehr gespannt, ob die Online-Ausgabe des Lexikons den Netz-Charakter des Internets aufnehmen und umsetzen wird. Mehr noch als an Ton- oder Bild-Dokumenten wird sich daran die Akzeptanz entscheiden.