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Schokolode für Nachrichten

Vergangene Woche habe ich über Buzzfeed und Jonah Perettis Ansatz geschrieben, Nachrichten im Netz konsequent sozial zu denken. Gerade höre ich im Deutschlandradio diese Einschätzung zur Frage, wie sollten Nachrichten aufbereitet werden. Sie lautet:

„Der Lebertran der Information sollte mit Schokolade überzogen werden, dann schluckt es sich leichter.“

Sie stammt nicht aus der Social-Media-Welt, sie stammt von Robert Lembke, der heute vor 100 Jahren geboren wurde. Lembke steht nicht im Verdacht, sich für eine Verflachung einzusetzen, seine Einschätzung lässt sich allerdings sehr genau auf den Ansatz von Buzzfeed lesen.

Die Arroganz des Wissens

Wir wissen noch nicht, wie es sein wird, wenn in einer vernetzten Datenwelt jeder Dödel alles weiß. Denn bis jetzt war Wissen immer etwas Exklusives. Gewiss, es war und ist auch einfach nützlich – besonders wenn es sich um sogenanntes Sachwissen handelt, aber es wirkte nicht zuletzt als Statussymbol, als Zeichen der Zugehörigkeit zur Klasse der Gebildeten. Bücherlesen beispielsweise ist eine zeitraubende Beschäftigung, um die man nicht herumkommt, wenn man gebildet sein oder zumindest gebildet erscheinen möchte. Man muss im Ozean der Schriften schon etliche Tauchgänge absolviert haben, um ein paar Perlen auslegen zu können.

Das alles galt vor Google. Denn mit der Google-Büchersuche lassen sich ganze Bibliotheken in Sekundenschnelle nach Stichwörtern und Stichwort-Kombinationen durchforsten. Wofür man früher echtes, tiefes Wissen brauchte, das kann man heute mit einer pfiffigen Suchstrategie am Internet-Computer erzeugen: triftige Literaturzitate, begriffliche Zusammenhänge, Panoramen des Denkens. Alles per Knopfdruck abrufbar, weil nicht mehr wir alles lesen müssen: die große Suchmaschine tut es.

Burkhard Müller-Ulrich kommentiert in der Sendung „Kultur heute“ im Deutschlandradio die geplante Kooperation von Random House und der Google Buchsuche. Unter dem Titel
Googleisierung schreitet voran liefert er aber vor allem eine Begründung dafür, warum allerorten Kulturpessimisten gegen die Digitalisierung kämpfen: Sie sehen ihren Wissensvorsprung gefährdet.