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Drive Mode fürs Auto: „Do Not Disturb While Driving“

Es ist eigentlich nur ein Nebensatz in dem wunderbaren Buch „The Inevitable“ von Kevin Kelly, aber dieser Nebensatz erklärt, wie technischer/gesellschaftlicher/digitaler Wandel sich vollzieht: allmählich – und dann plötzlich. Kelly wählt das Beispiel der Smartphone-Nutzung um den Wandel zu beschreiben, an dessen Ende das Smartphone ständiger Begleiter wurde – der nur noch selten ungefragt laut losbrüllt: „Use silent vibrators“ lautet der Nebensatz in dem Kevin Kelly Buch, an den ich denken musste als ich die jüngsten Ankündigungen der Firma Apple las.

Denn mit dem neuen iOS11 genannten Betriebssystem kündigt sich ein vergleichbarer Wandel an: einer, der bisher nur ein Nebensatz in der Berichterstattung ist, der aber vergleichbare Folgen für die Smartphone-Nutzung haben kann. Der Satz lautet: Ein neuer Modus, genannt „Do Not Disturb While Driving“, unterdrückt Benachrichtigungen während der Autofahrt. (Foto: unsplash)

Es gab mal eine Zeit, in der Smartphones nicht leise vibrieren konnten, sondern stets laut losklingelten wenn sie irgendwer anrief. Dann kam jemand auf die Idee, den Vibrationsalarm zu erfinden und der gesellschaftliche Störfaktor des klingelnden Handys wurde rapide reduziert (dass die Gesellschaft in Gänze noch Probleme im Umgang mit den Geräten hat, hat andere Gründe). Die aktuelle iOS11-Meldung ist für mich vergleichbar mit der Erfindung des Vibrationsalarms.

Denn: Einerseits gibt es eine Menge völlig berechtigter Warnungen davor, das Smartphone während der Autofahrt zu nutzen. Und andererseits gibt es einen Flugmodus genannten Status, in den man ein Smartphone versetzen kann, wenn man sich in einem Flugzeug befindet. Nicht erst seit der Lektüre dieses sehr guten Textes von Tim Harford frage ich mich: Warum zum Teufel gibt es eigentlich keinen Drive-Mode für Smartphones?
Tim Harford schreibt:

Smartphones should have, as standard, an easily accessible, well-publicised drive mode. Drive modes do exist, and in the US, the National Highway Traffic Safety Administration has been pushing the idea. But they’re not prominent. Drive-mode phones might automatically read out text messages, automatically reply to such messages with “sorry, I’m driving”, and send incoming calls directly to voice mail — while allowing drivers to play music and use satellite navigation. In short, drive-mode phones would stop pestering us for our attention.

Ich glaube, der „Do Not Disturb While Driving“-Modus in iOS11 könnte in diese Richtung weisen. Eine gute Richtung wie ich finde – und eine, die belegt: Es sind manchmal die kleinen Änderungen, die einem Wandel die Richtung geben. Es sind manchmal die kleinen Änderungen, die aus den großen Problemen lösbare Aufgaben machen. Oftmals versperrt uns aber der Blick auf die Unlösbarkeit des vermeintlichen Problemes den Blick auf diese kleinen Änderungen. Denn nicht das Smartphone in Gänze ist Böse, sondern der bisher fehlende Sicherheitsgurt – um diesen zu erfinden, brauchen wir etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Neuen.

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🏃 Fünf Entwicklungen, die man beim Laufen für (digitale) Medien lernen kann (Digitale Mai-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Es gibt einen schönen Nebeneffekt am sportlichen Laufen, selbst wenn es man es nur joggend betreibt: Während man rennt, hat man Zeit zum Denken. Es gibt recht lesenswerte Ausführungen darüber, wie das Zusammenspiel von Nicht-Denken und Nach-Denken beim Laufen den Zwischenspeicher im Gehirn befreit (iPhone-Besitzer kennen einen vergleichbaren Prozess vom „Aufräumen“ auf hohe MB-Zahlen angewachsener Apps auf dem Smartphone). Und aus eigener Erfahrung kann ich ergänzen: Dieses Zusammenspiel bildet manchmal sogar die Grundlage für neue Ideen.

Jedenfalls entstand die Idee zu dieser Folge der „Digitale Notizen“ beim Laufen. Was auch damit zu tun hat, dass ich in diesem Monat an einem besonderen Lauf teilnahm – aber eben auch damit, dass ich glaube, dass der Kultur- und Medienbranche sich mit dem Laufen befassen sollten: mit dem Laufen als Markt. (Foto: Unsplash)

Denn im Geschäftsfeld „Breitensport“ lassen sich auch für mich als mittelsportlichen Laien ein paar Entwicklungen ablesen, die vielleicht Inspiration für die Medienbranche sein könnten. Ich sehe diese fünf (zu denen ich auch einen Experten befragt habe)

🏃 1. Vom Produkt zum Prozess – wie der Markt sich verändert 🏃
Ein Sportartikelhersteller lebt davon, Sportartikel zu verkaufen. Das klingt logisch und ist sicher auch richtig – aber eben nicht nur. Aus der Perspektive der ersten Entwicklung lässt sich ergänzen: Ein Sportartikelhersteller der digitale Gegenwart verkauft nicht mehr nur Sportartikel, er ist Partner für den gesamten Prozess „Sport machen“ geworden – oder versucht dazu zu werden. Neben bedeutsamen Veränderungen in der Ausrichtung der Kundenbeziehung (s.u.) heißt dies vor allem: Es geht nicht mehr nur darum, Sportartikel herzustellen und diese zu vertreiben. Es geht darum, den gesamten Prozess in den Blick zu nehmen.
Und was heißt das für Medien? Wenn der Vergleich stimmt, reicht es nicht aus, sich einzig auf gute Produkte – also Artikel, Beiträge oder Texte zu konzentrieren. Es könnte sinnvoll sein, den gesamten Prozess der Orientierung in den Blick zu nehmen

🏃🏃 2. Vom Verkäufer zum Gastgeber – wie die Unternehmen sich neu positionieren 🏃🏃
Selbstwahrnehmung und Positionierung des Unternehmens ändert sich durch die Erweiterung der Perspektive grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum, gute Produkte zu verkaufen. Es geht um eine Infrastruktur, um eine dauerhafte Kundenbeziehung, für die das Unternehmen die Rolle eines Gastgebers einnimmt. Dabei folgt die Positionierung sehr vereinfacht gesprochen der Logik: Wenn wir wollen, dass die Menschen laufen (wofür sie dann unsere Sportartikel brauchen), dann müssen wir ihnen den Rahmen schaffen, in dem sie laufen können.
Und was heißt das jetzt für Medien? Wenn Sportartikelhersteller kostenlose Lauftreffs veranstalten, braucht es keine besonders große Kreativität um auf Lesegruppen zu kommen. Social Reading als Idee ist bereits da, bisher fehlt aber ein von Sportartikelherstellern Verlagen geschaffener Rahmen.

🏃🏃🏃3. Vom Kunden zum Testimonial – wie Verbraucher eine andere Rolle annehmen 🏃🏃🏃
Allein die Tatsache, dass Käufer*innen mit dem Erwerb von Sportartikeln auch Werbefläche anbieten, würde eine genauere Beobachtung verdienen: Wer ein T-Shirt von einem Sportartikelhersteller kauft, wirbt nicht selten durch die prominente Platzierung von Logo und Markennamen für den Hersteller. Allein die Frage zu stellen, wie man als Leser*innen diesen Distinktionsgewinn bei der Lektüre eines Mediums bekommen kann, wäre spannend. Aber darüberhinaus transportieren die laufenden Konsument*innen noch eine weitere Botschaft: Sie bringen andere Menschen in den Gastraum des Sportartikelherstellers. Sie werden zu Testimoninals, die die Sportartikelhersteller sogar bewusst fördern und vorstellen.
Was soll das jetzt für Medien bedeuten? Dass Leser*innen ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft Zeitung sind (siehe dazu meine Notizen aus dem Jahr 2009). Man entscheidet sich für das eine oder andere Medium eben auch weil man sich für die eine oder andere Gruppe derjenigen entscheidet, die es auch lesen/hören/gucken. Dieser Aspekt der Distinktion und Sichtbarmachung derjenigen, die ein Medium nutzen kommt bisher fast gar nicht zum Tragen. Die Laufbranche macht auf erstaunliche Weise vor wie es gehen könnte.

🏃🏃🏃🏃4. Von der Marke zum Medium – welche Rolle Inhalte spielen 🏃🏃🏃🏃
Diese Behauptung klang schon an anderer Stelle im Newsletter an: Marken erstellen selber Inhalte, mit denen sie Zielgruppen erreichen. Sie werden also selber zu Medien. Im Zuge der Veränderungen der eigenen Rolle produziert der Sportartikelhersteller eben nicht mehr nur Sport-BHs, sondern auch Sport-Berichte. Als Partner im Gesamtprozess „Laufen“ übernimmt der T-Shirtproduzent nun auch Ratgeberfunktionen, die früher Sportmedien übernommen haben.
Warum ist das für Medien wichtig? Weil Marken hier in den Kernbereich dessen vordringen, was bisher exklusives Geschäfts von Medien war: Mit Hilfe von Inhalten Ziegruppen zu erreichen. Selbst wenn die anderen Punkte den Medien in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung egal sind: Hier sind sie gefordert, sich neu und klarer zu positionieren.

🏃🏃🏃🏃🏃5. Von der (Produkt-)Eigenschaft zum Erlebnis – wie Werbung sich verändert 🏃🏃🏃🏃🏃
Wie inspiriert man Menschen dazu eine bestimmte Tätigkeit z.B. Laufen auszuüben? Indem man ihnen Menschen zeigt, die Freude an dieser Tätigkeit – also dem Laufen – haben. Bei der Beobachtung der zu Testimonials entwickelten Läufer*innen in sozialen Netzwerken habe ich verstanden, wie Content Marketing funktioniert (und was es von klassischer Produktwerbung unterscheidet): Es macht Lust darauf, eine Tätigkeit auszuüben, eine Produkt zu nutzen – indem es die Freude zeigt, die Menschen dabei haben. So stellen die Frontrunner und anders genannten Testimonials allein dadurch, dass sie ihr Laufen zeigen sicher, dass auch Menschen im erweiterten Umfeld inspirierte werden, zu laufen. Auch dafür brauchte man früher Sport-Medien und klassische Werbung.
Und welche Schlussfolgerung soll man nun daraus ziehen? Bei Content Marketing geht es nicht um Schleichwerbung oder Vertuschung einer Werbebotschaft. Es geht darum, die Nutzung eines Produktes von einer glaubwürdigen Person vorführen zu lassen. Völlig egal, wie man inhaltlich dazu steht: die Laufbranche zeigt, wie das funktionieren kann – und hat damit natürlich auch Einfluss auf klassische Medien.

Und wem das alles zu sportlich war: Man kann sich diese Entwicklungen auch von Apple zeigen lassen. In diesem Monat hat die Firma, die für viele ja ein Sportartikel-Smartphone-Hersteller ist, gezeigt, dass sie in Zukunft nicht nur das sein will, sondern zunehmend auch Infrastruktur-Anbieter werden will: Unter apple.com/today kann man sich anschauen, wie Apple die oben beschriebenen Entwicklungen auf die Anwendung seiner Geräte überträgt…

Zur Einordung meiner Beobachtungen übers Laufen habe ich jemanden gefragt, der sich damit auskennt: Aktiv wie als Berichterstatter. Gunnar Jans hat hier meine Fragen zum Laufen beantwortet.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

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Hope Cause I’ve Learned to Cope

Im Rahmen der Metaconference am NRW-Forum in Düsseldorf durfte ich heute mein passend betiteltes Buch Meta – das Ende des Durchschnitts vorstellen und ein wenig darüber sprechen, warum ich den Shruggie für ein gutes Symbol für eine neue Haltung zur Zukunft halte.

Dabei habe ich die wunderbare Rebecca Solnit zitiert, die mit ihrem Blick auf Hoffnung genau diese Haltung des Kulturpragmatismus auf den Punkt gebracht hat. Sie schreibt:

„Hoffnung ist die Umarmung des Unbekannten und dessen, was man nicht wissen kann. Hoffnung ist eine Alternative zu der Gewissheit, die Optimisten und Pessimisten gleichermaßen ausdrücken. Optimisten denken alles werde sich zum Guten wenden ganz ohne unser Zutun; Pessimisten nehmen die gegenteilige Haltung ein – beide finden darin eine Entschuldigung dafür, nicht selber aktiv zu werden.“

Nach dem Vortrag kam ein Zuhörer mit einer interessanten Referenz zu mir. Er hatte die Ideen der Shruggie-Haltung nämlich in einem Song wiedergefunden, den man sozusagen als Soundtrack zu dieser hoffungsvollen Perspektive auf die Zukunft hören kann. Er heißt: Hope (Cause I’ve Learned to Cope) und ist auch inhaltlich ein schöner Ratschlag!

Vielen Dank für den Hinweis!

Jung sein und jung bleiben

Wenn es eine Sache gibt, die ich am 20. Mai mit Sicherheit nicht tun werde, dann dies: Ich werde auf keinen Fall auf die Junge Digitalisten genannte Veranstaltung von snäckable gehen! Dabei wird sie von – ich habe das im persönlichen Gespräch überprüft – tollen Menschen organisiert, die spannende Sachen machen. Aber mich wird man im MediaLab der BLM an dem Abend sicher nicht sehen.

Denn ich darf nicht kommen. Ich bin zu alt (auch wenn ich mich kaum so fühle)! Anders als bei der Tincon, auf die ich mich im vergangenen Jahr durch Fälschen meines Schülerausweises einen Vortrag schummeln konnte, werde ich in München keine Chance haben. Und das ist auch gut so.

Gleichwohl gab es an der ursprünglichen Ausschreibung einen Aspekt, der mich interessiert hätte. Statt einer knallharten Altergrenze stand dort anfangs nämlich, die Veranstaltung richte sich an Menschen, die sich am Anfang ihres Berufsweges befinden. Und als ich das las, dachte ich: Stehen wir nicht alle am Anfang eines neuen Berufsweges? Sollten nicht auch bzw. gerade diejenigen, die schon eine Weile im Job sind, die Haltung des Einstiegs einüben? Die Bereitschaft, sich für Neues zu interessieren, die Freude daran, etwas Unbekanntes zu erlernen – all das macht ja den Berufseinstieg aus und scheint mir im Laufe eines Arbeitslebens nicht selten verloren zu gehen. Das ist schade – zumal in einer sich wandelnden Branche.

Auch deshalb habe ich in der letzten Ausgabe meines Newsletters die Leser*innen gebeten, Erfahrungen im Umgang mit digitalen Technologien zu teilen. Es gibt schon sehr tolle Antworten auf die kleine Umfrage, deren Ergebnisse mit der nächsten Folge des Newsletters Ende des Monats verschickt werden.

Wer die Ergebnisse lesen will, sollte sich hier auf den Newsletter eintragen.

Und wer Erfahrungen teilen möchte, kann hier eine (oder auch gerne mehrere) Typeform-Fragen beantworten:

1. Wie benutze ich Instagram?
Hier Instagram-Erfahrungen teilen
2. Wie erstelle ich ein eBook?
Hier eBook-Erfahrungen teilen
3. Wie verschicke ich einen Newsletter?
Hier Newsletter-Erfahrungen teilen
4. Wie erstelle ich einen Podcast?
Hier Podcast-Erfahrungen teilen
5. Wie führe ich meine ToDo-Liste?
Hier ToDo-Listen-Erfahrungen teilen
6. Wie kann ich Twitter optimal nutzen?
Hier Twitter-Erfahrungen teilen
7. Wie kann ich Videos selber erstellen?
Hier Video-Erfahrungen teilen
8. Wie kann ich selber Chatbots erstellen?
Hier Chatbot-Erfahrungen teilen
9. Wie führe ich ein Blog?
Hier Blog-Erfahrungen teilen

Und sollte hier jemand mitlesen, der zwischen 20 und 30 Jahren alt ist: am 20. Mai ist glaube ich eine ganz gute Veranstaltung in München

Das könnte ich sein! Warum die lustigen Kinder, die den Vater im Interview stören, eine politische Forderung illustrieren

Es ist über zehn Jahre her, dass der Begriff „Rush Hour des Lebens“ über Fachkreise hinaus bekannt wurde. Im Siebten Familienbericht der Bundesregierung im Jahr 2006 wurde jene Phase im Leben junger Erwachsener so beschrieben, in der sich zahlreiche wichtige Lebensentscheidungen ballen – und gleichzeitig die Anforderungen wachsen, Familie, Partnerschaft und Beruf miteinander in Einklang zu bringen.

Es ist erst wenige Stunden her, da sorgten Marion und James Kelly für die bestmögliche Bebilderung dieser Rush Hour des Lebens. Die beiden vier Jahre und neun Monate alten Kindern des Politik-Wissenschaftlers Robert Kelly sprengten ein Live-Interview, das ihr Vater der BBC gab. Während der Experte für koreanische Politik über die Amtsenthebung der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye sprach, tanzte erst Marion in einem leuchtend gelben Pullover ins Bild und wenig später folgte ihr kleiner Bruder. Ihr Auftritt wurde zu einem echten Phänomem!

Ein paar sehr sehr lustige Momente vergehen bis Kellys Frau Jung-a Kim ins Zimmer stürzt und die Kinder hektisch aus dem Home-Office-Raum und damit auch aus dem Bild zerrt. Auch das ist – bei aller Panik in ihrem Gesicht – sehr lustig. Robert Kelly entschuldigt sich und vielleicht muss er auch ein wenig schmunzeln, immerhin hört man im Hintergrund Kinderprotest. Marion und James wären offenbar lieber noch beim Papa geblieben.

Man kann diese Fernseh-Szene als Beweis für das Dilemma des Home-Office genannten Phänomens betrachten, dass immer mehr Menschen dort arbeiten wo sie auch wohnen (ist das vorne rechts eigentlich das Bett der Familie Kelly?). Ich finde aber, dass dieses Viral-Video vor allem die herausragend humorvolle Bebilderung der Situation ist, in der fast alle meine Freunde und Bekannte sind, die laut Familienbericht in der Rush Hour des Lebens stecken: Marion und James Kelly ist heute etwas geglückt, womit sich Parteien und Medien derzeit etwas schwer tun: Sie haben ein Bild geschaffen, mit dem sich eine ganze Generation identifizieren kann.

„Das könnte ich sein“, haben sich Menschen in sehr unterschiedlichen Kontinenten heute offenbar gedacht als sie die Szenen der gestressten Eltern sahen. Und ich habe in meiner Timeline von zahlreichen Bekannten gelesen, dass sie es nicht nur gedacht, sondern auch geschrieben haben.

Das ist einerseits sehr schön, weil die humorvolle Reflektion sicher hilfreich ist, besser mit Stress umzugehen. Es steckt andererseits aber in diesen Bildern und ihrer Timeline-Kommentierung auch eine politische Chance: Gifs können – das hat unlängst erst Barack Obama bewiesen – Politik bestimmen. Und die Gifs und Bilder, die Marion und James heute geliefert haben, sind die Grundlage für die Forderung, an der Situation der gestressten Rush-Hour-Elterngeneration politisch etwas zu ändern.

Denn die Szene ist deshalb so toll, weil keiner der Beteiligten alleine etwas ändern kann. Es ist ein strukturelles Dilemma, das hier illustriert wird (bezeichnenderweise in der als klassisch beschriebenen Geschlechter-Arbeits-Verteilung) – und nur wir als Zuschauer Gesellschaft können eine Lösung erarbeiten: Ich habe keinen einzigen Kommentar im Netz gefunden, der die Kinder als Störung beschrieben hat. In keiner Sprache, die ich verstehe, habe ich einen Vorwurf an die Eltern gelesen. Und nahezu niemand beschwerte sich darüber, dass hier doch die Arbeit (also die politische Kommentierung) nachhaltig Schaden nehme. Alle drei Punkte bekommen Eltern aber zu spüren (und manchmal sogar zu hören), wenn sie in der Rush Hour des Lebens in die wenig modernen Gassen klassischer Arbeitsstruktur einbiegen.

Wenn man die Straßen für die hohen Belastungen des Berufsverkehrs umgestalten will (und das sollte die Forderung sein, die man aus der Metapher ableitet), dann braucht man dafür ein höheres gesellschaftliches Problembewusstsein. Als bei der letzten Bundestagswahl der SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück dazu einen Anlauf unternahm, scheiterte er nicht nur damit. Robert Franken konstatierte Ende vergangenen Jahres:

Eine progressive, gegen alle Widerstände zielorientierte und kämpferische Personalabteilung muss man ebenso mit der Lupe suchen wie einen CEO, der Diversity und Gender Equality zu (seiner) Chefsache erklärt – und zwar jenseits bloßer Lippenbekenntnisse.

Vielleicht geht von den Bildern von Marion und James ja ein Signal für die kommende Bundestagswahl aus!

loading: goood – Deutschland sozialer Mobilfunkanbieter

Beim Telefonieren Gutes tun. Das ist die Idee von goood, dem ersten sozialen Mobilfunkanbieter Deutschlands. Deren Crowdfunding endet heute auf Startnext. Wer schnell ist, kann das Projekt jetzt noch unterstützen.

Claudia Winkler hat dazu den loading-Fragebogen beantwortet.

Was machst du?

Hallo, ich bin Claudia und eine der GründerInnen von goood. Ich bin Telekommunikationsexpertin und habe in den letzten 15 Jahren erfolgreich Telekommarken in ganz Europa aufgebaut. Nun bin ich an einem Punkt, an dem ich etwas an die Gesellschaft zurückgeben möchte – so wie meine Kollegen auch. Genau deshalb haben wir goood – Deutschlands sozialen Mobilfunkanbieter – gegründet. Wir verknüpfen unser Know-How aus der Telekom-Branche mit dem Wissen von NPO-ExpertInnen und können so große soziale Wirkung erzielen, denn für uns ist der Impact wichtiger als Profite.
Als sozialer Mobilfunker bieten wir günstige Tarife, bei denen 10% der monatlichen Grundgebühr an gemeinnützige Organisationen gehen. Unsere Kunden entscheiden selbst, welche Organisation sie unterstützen möchten. 

Zusätzlich reinvestieren wir 25% unserer jährlichen Profite in soziale Projekte, weil wir mithelfen wollen, durch sozial nachhaltige Innovation die Gesellschaft weiter positiv zu verändern. 





Warum machst du es (so)?


Am Anfang stand die Frage: Wie können wir Menschen helfen, einfach und direkt im Alltag Gutes zu tun? Mit goood haben wir unser Know-How aus 15 Jahren Mobilfunk- und NPO -Tätigkeit verbunden und ein Produkt entwickelt, das alle Menschen anspricht und daher große soziale Wirkung erzielen kann.
Wir wollen zeigen, dass die Gemeinschaft wirklich etwas bewegen kann. Zunächst waren wir ein Team aus TelekomexpertInnen, doch schnell hat unsere Idee auch Leute aus dem NPO-Bereich begeistert. Sie haben dabei geholfen, den Ansatz mit uns gemeinsam weiter zu entwickeln. Das war wie ein Schneeball: Je mehr wir die Idee zu goood mit anderen Leuten geteilt haben, desto mehr waren auch Andere Feuer und Flamme von unserer Vision. Das hat uns alle extrem motiviert, dranzubleiben. Unser Ziel ist es, zu zeigen, dass man auch als Unternehmen, das soziale Wirkung in den Mittelpunkt stellt, erfolgreich sein kann.
Aber wir wollen nicht nur das traditionelle Mobilfunkgeschäftsmodell sozialer machen, wir wollen auch ein Benchmark für eine neue Arte der Zusammenarbeit werden. Wir sind eine Netzwerkorganisation mit flachen Hierarchien und setzen intern auf eine holokratische/soziokratische Organisation, bei der sich jeder im Team voll entfalten kann.

Wer soll sich dafür interessieren?


Hoffentlich ganz viele begeisterungsfähige, motivierte und sozial engagierte Menschen, die unsere Vision einer Gesellschaft, die auf Respekt, Verantwortung und Anteilnahme aufbaut, teilen und die wir im besten Fall inspirieren.



Wie geht es weiter?


Wir haben soeben die Crowdfunding-Kampagne zum Erfolg gebracht, nun möchten wir die restliche Zeit der Kampagne nutzen, um diesen positiven Spirit weiter zu tragen. Aktuell läuft zum Beispiel auf startnext.com/goood eine Spenden-Verdopplungs-Aktion für unseren Partner das Deutsche Kinderhilfswerk. Nach der Crowdfunding-Kampagne folgt der Launch am deutschen Markt diesen Winter, auf den wir uns bereits sehr freuen. Parallel planen wir gerade den Start in Österreich.



Was sollten mehr Menschen wissen?
„Du hast es täglich in der Hand“ ist einer unserer Slogans und so ist es wirklich: Mobilfunk ist ein Massenprodukt, es gibt 115 Mio. Sim-Karten in Deutschland. Mit goood telefoniert man günstig und kann ein soziales Projekt seiner Wahl unterstützen. Wenn nur 1% der Deutschen unser Modell verwenden, können wir in fünf Jahren gemeinsam mehr als 40 Mio. Euro Spenden für gemeinnützige und soziale Projekte generieren. Das ist eine enorme Macht, die wir als Konsumenten haben, um auf die Profitverteilung im Telekommunikationsbereich Einfluss zu nehmen. Das sollten wir uns nicht entgehen lassen! Gemeinsam können wir so einfach die Welt ein bisschen besser machen.

>>>> Hier das Projekt auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Weil wir dich lieben: Wie die BVG dank Social-Media cool wurde

Peter Wittkamp „schreibt halbwegs witzige Dinge ins Internet“, so steht es auf seiner Autorenseite beim Verlag Kiepenheuer&Witsch. Seit einer Weile macht er das für die heute-Show und mit drei weiteren Social Media-Kollegenfür die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Über die Arbeit unter dem Schlagwort #weilwirdichlieben sprach er unlängst auf der Allfacebook, denn viele staunen darüber, wie es Peter und der Agentur Grüner und Deutscher geglückt ist, die Berliner Verkehrsbetriebe freundlich, lustig und cool zu machen. Konkrete Beispiele dafür gibt es auf der Seite dasbesteaussocialmedia.de

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Was macht Ihr für die BVG? Ist das klassische Werbung oder Marketing?
Das Wichtigste ist vielleicht: Wir machen einfach mal. Egal, ob das Werbung, Marketing, Service oder einfach nur ein kleiner Scherz ist. Hauptsache: Kreativ. Oder sinnvoll!

Und wie würdest Du Deinen Job bezeichnen: Content-Marketing-Journalist? Social-Media-Guru? Werbetexter mit Facebook-Wissen?
„Werbetexter mit Facebook-Wissen“ finde ich schon ganz gut. Zumindest für diesen Job. In meinen anderen Jobs (zum Beispiel: heute show online) geht es oft auch noch mehr um Humor und gar nicht mehr um Werbung. Da bin ich dann klassischer Texter beziehungsweise Gagschreiber.

Wie lernt man das? (Gibt es einen Ausbildungsweg, den Du empfehlen würdest?)
Puh, tatsächlich eher ein Job, der nicht viele gerade Wege, dafür aber eine Menge Seitengassen kennt. Ein Talent für Humor und Text ist wichtig. Und dann danach Ausschau halten, wo man das unterbringen und weiterentwickeln kann. Ich selbst habe auch schon recht viele unterschiedliche Sachen gemacht: Uni-Zeitung, Marktforschung, Social Media Konzepter, Kolumnist, Blogger, Buchautor … Irgendwann merkt man dann, wobei man am meisten Spaß hat – oder am meisten verdient. Oder, im Idealfall: Beides.

Wie lernt ein Unternehmen das?
Bei der BVG ist es vor allem so: Sie haben ein Kernteam von Menschen, denen sie vertrauen können. Also wäre das Learning: Wenn man ein sehr gutes Team hat, die auch mal lassen. Wir im BVG-Team haben vielleicht die größten Freiheiten eines Social Media Teams in Deutschland – und das merkt man dann. Da muss ich auch noch mal ausdrücklich die BVG loben, dass die uns so frei arbeiten lassen! Danke.
Was ich ganz gut finde ist das Bild einer Kantine:
Man kümmert sich als Unternehmen darum, dass dort ein Team arbeitet, dem man zutraut, jeden Tag was Schönes zu kochen … was aber dann auf dem Teller landet, ist denen vollkommen selbst überlassen. Ich denke, so geht es der BVG mit uns und unseren Inhalten: Die lassen sich überraschen, was es heute in ihrer Social Media-Kantine für leckere Postings gibt …Ab und an servieren wir auch mal was, was nicht jedem im Unternehmen schmeckt. Aber insgesamt kann man bei uns ganz gut essen, würde ich sagen.

Gibt es Vorbilder, an denen Ihr Euch orientiert?
Nicht einzelne Seiten oder Unternehmen im Speziellen. Aber wenn jemand etwas Kreatives, Lustiges oder Schönes macht, beobachten wir das und überlegen, ob man das adaptieren könnte.

Was ist Euer Ziel? Geht es um Likes oder Shares?
Es geht vor allem darum, kreativ und unterhaltsam zu sein. Alles andere kommt dann von selbst.

Und auf einer übergeordneten Ebene: Warum macht die BVG das?
Weil es 2016 natürlich sehr wichtig ist, online mit seinen Kunden zu kommunizieren. Und weil das erstaunlich gut funktioniert.

Bonus-Frage: Gibt es ein Unternehmen, eine Organisation, eine Firma, die das, was Ihr macht, gerade besonders nötig hätte?
Ach, ich will jetzt gar nicht jemanden an den Pranger stellen. Wir haben ja auch den Luxus, dass wir mit der BVG und dem Umfeld in Berlin eine Situation haben, bei der sehr viel möglich ist. Allerdings hören wir öfter mal auf Twitter den Wunsch von Kunden, dass anderer Unternehmen auch so lässig wie die BVG sind. Ich als freier Berater oder die BVG-Agentur Grüner und Deutscher beraten da gerne.

Mehr über Peter auf seiner Website, in diesem Interview, beim Virenschleuderpreis auf der Buchmesse – und in seinen empfehlenswerten Büchern „Die fünf schlechtesten Antworten auf: ,Ich liebe dich'“ und „Poste deine Darmspiegelung“

Bon Valeur, Elektrischer Reporter und 140 Sekunden – meine Würdigung

Ein journalistisches Format zu etablieren, hat mal irgendwer gesagt, ist mindestens so kompliziert wie ein Restaurant zu betreiben. Ich weiß nicht mehr von wem dieser Vergleich stammt. Aber die Chancen stehen nicht schlecht, dass ich ihn hier an dieser Ecke in der Münchner Innenstadt zum ersten Mal gehört habe. An den Tischen des Bar-Restaurants mit den großen Fenstern habe ich jedenfalls über unzählige journalistische Formate, Projekte und Ideen gesprochen. Und vielleicht ging es dabei auch mal um das Eröffnen von virtuellen und greifbaren Räumen.

Über Jahre lag das Bon Valeur nämlich nicht nur gegenüber der vermutlich zentralsten Münchner Innenstadt-Tankstelle, es war vor allem nur wenige Schritte von der Redaktion entfernt, in der bis Mitte der Nuller Jahre das jetzt- und das SZ-Magazin gemacht wurden. Wir gingen nach Feierabend nicht selten in das Restaurant, das durch Fenster (riesig), Lage (irre zentral), Haltung (ein Hauch von Bar) und Speisen (anfangs nur vegetarisch) auf eine unaufgeregte Art ausstrahlte, was München damals nur mit großer Anstrengung erreichte: Urbanität.

Lieblingskneipe

Ein von Dirk von Gehlen (@dvg) gepostetes Foto am

Ich saß hier mit Kolleginnen und Kollegen, die heute zu den besten Journalist*innen des Landes zählen. Wir tranken Bier aus Flaschen und taten, was mich bis heute nicht loslässt: Wir sprachen über Journalismus und wie man ihn verändern müsse, damit er unterhaltsam, sinnstiftend, begeisternd oder zumindest profitabel bleibt. Hier erfuhr ist von Jobwechseln und Buchideen, hörte die ersten Ideen zum Bezahlmodell der SZ und konzipierte den Pitch-Film für die neue Version. Wir erfanden Kolumnen und ganze Magazine, diskutierten über Blogs und Bildsprache und erlebten im Schein der gelb beleuchteten Tankstelle den Zauber dessen, was Journalismus für mich immer noch ausmacht: die Überraschung, das Neue und die schlichte Begeisterung für eine gute Idee.

Es gab eine Zeit vor etwas mehr als zehn Jahren, da saß ich so häufig an dieser Ecke, dass mir der Kellner wortlos ein Bier hinstellte, wenn ich mich setzte. Doch bevor ich bemerkte, dass das Bon Valeur mir auf die charmanteste Art zur Stammkneipe geworden war, war der freundliche Kellner irgendwann nicht mehr da, die Redaktion zog um und ich saß nur noch selten hinter den großen Fenstern.

Ich erinnere mich an all das, weil das Bon Valeur dieser Tage schließt und damit den Impuls bei mir auslöst, darüber zu bloggen. Denn genau für solche Texte hat man doch ein Weblog. Texte, in denen man schreibt, weil man persönlich betroffen und verbunden ist. Das gilt (Disclosure!) weit weniger für das Bon Valeur als für die beiden journalistischen Formate, deren Ende erstaunlicherweise auch in diesen Sommer fällt:

elrep

Der Elektrische Reporter hat unlängst seine letzte Folge (in dieser Form) gesendet. Aus dem tollen Videoformat, das Mario Sixtus 2006 quasi auf eigene Faust erfand, wurde im Laufe der Jahre für mich ein beständiger Begleiter, der eine ähnliche Besonderheit war wie das Bon Valeur in der Münchner Innenstadt: der ElRep – wie Experten-Zuschauer ihn nannten – ist neben Breitband im Deutschland Radio einer der Orte gewesen, an dem man sicher davon ausgehen konnte, dass kein Quatsch über die Digitalisierung verbreitet wurde. Das war – zumindest vor zehn Jahren – ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Digital-Journalismus. Was einiges über die deutsche Debatte zum Thema sagt – und die Qualität von ElRep und Breitband keineswegs schmälert.

Im ElRep lief 2011 zum Beispiel ein Bruce Stering-Interview, das mir persönlich Inspiration war für das, was ich dann später Kulturpragmatismus nannte. Aber nicht nur die angelsächsischen Vordenker*innen kamen neben dem orangefarbenen Hemd von Mario Sixtus zu Wort, der Elektrische Reporter stellte auch deutschsprachige Projekte vor (2012 durfte ich sogar selber mal das stilprägende Pappschild in die Kamera des Elektrischen Reporters halten). Und ganz nebenbei wurde der Elektrische Reporter dann auch die Heimat des wunderbaren Tweet-Video-Projekts „140 Sekunden“, das ich nicht nur sehr schätze, weil ich mit seinem Erfinder Tim Klimes auch schon an Bon Valeur Tischen saß (seine Produktionsfirma verantwortet auch das Format 15 Minutes of Fame, an dem ich mitwirken darf)

ElRep und die 140 Sekunden wird es – wie das Bon Valeur – in dieser Form nicht mehr geben. Das ist schade, aber – wer weiß – vielleicht eröffnet dies auch die Möglichkeit für Überraschungen, Inspirationen und gute neue Ideen. Bevor diese zünden, halte ich kurz inne und würdige die journalistischen Formate und das Bar-Restaurant.

Beides über Jahre so erfolgreich zu führen – hat mal jemand gesagt – ist ein beachtliche Leistung!

loading: SENtypha

Entwicklungshilfe, die greift – das ist das Ziel von Heidi Schiller. Deshalb hat sie jetzt ein Crowdfunding-Projekt auf Startnext begonnen, das den Titel „Ökobaustoff sucht Erntehelfer“ trägt. Dazu beantwortet sie hier den loading-Fragebogen

Was macht Ihr?
Aus Schilf im Senegal einen Ökobaustoff. Das Projekt SENtypha will Wege finden, Schilfrohr im Senegal als Rohstoff zu gewinnen, von dem wir schon wissen, dass es ein ökologisches Multitalent ist – nur gibt es noch keinen Weg, es wirtschaftlich zu ernten. Das wollen wir ändern.
Entlang des Senegal-Flusses wachsen riesige Mengen des Schilfrohrs „Typha Australis“. Dieses Rohr ist ein Wunderding – aber auch eine Last. Einerseits nämlich wissen wir, dass es ein hervorragender Rohstoff für qualitativ hochwertige, ökologische Baumaterialen und vieles weitere ist. Andererseits aber wuchert es im Senegal-Fluss Schifffahrtswege zu und bedroht die Trinkwasserversorgung der senegalesischen Hauptstadt Dakar. Das Problem: Bislang gibt es keine Möglichkeit, Typha im großen Stil zu ernten. Lokale Wertschöpfung, Arbeitsplätze vor Ort, ökologisches Bauen – all das ist bislang nur eine theoretische Option.
KAITO will einen Weg finden, die Ernte effizient und nachhaltig zu organisieren und Produktionseinheiten aufzubauen. So wollen wir den Menschen vor Ort eine Perspektive bieten. Den Anfang macht eine Crowdfunding-Kampagne, die bis zum 5. August auf Startnext läuft.

Warum macht Ihr es (so)?
– Wir sind vom Potenzial des Baustoffs überzeugt.
– Wir wollen hunderte Arbeitsplätze schaffen! Denn Typha ist eine Jobmaschine für eine ziemlich arme Region. Die Ergebnisse aus den Vorarbeiten einfach abzuheften und in Ordner ins Regal zu räumen, wäre eine vertane Chance – für die Menschen vor Ort, aber auch für Investoren, die neben der Rendite auch auf den Social Impact schauen.
– Wir kennen den Senegal, die Verhältnisse und Strukturen seit 10 Jahren aus der Unternehmer-Perspektive.
– Für Banken ist das Vorhaben zu riskant, für Investoren liegen noch zu wenig Zahlen vor (die erstellen wir mit dem Geld aus dem CF), für öffentliche Förderungen fallen wir durchs Raster: zu klein, zu lange im Senegal, zu viele Vorarbeiten schon geleistet, passt nicht unter die Überschrift des Programms … Das können wir durchaus nachvollziehen, den Leuten vor Ort bringt das aber alles nix. Ergo neuer Weg: Crowdfunding!
– Was die Kampagne „spannend“ macht, um mal Markus Sauerhammer zu zitieren: Wir gehen eigentlich mit einem B-to-B-Thema ins klassischerweise B-C-Crowdfunding. Anschließend kommt schon eine Investment-Phase, die Projektentwicklung über CF zu finanzieren, ist aber ein Novum.

Wer soll sich dafür interessieren?
– Alle, die aktiv Fluchtursachen bekämpfen wollen: Niemand flieht ohne Grund. Kein Job ist ein Grund. Mit 100 EUR ist ein Job geschaffen!
– Menschen, die einem neuen Ökobaustoff zum ersten Schritt auf der Karriereleiter verhelfen wollen.
– Leute, die Entwicklungsländer und deren Menschen als Partner auf Augenhöhe betrachten, und dabei mithelfen, vorhandenes Potenzial wirtschaftlich nachhaltig zu nutzen
– Alle, die angefangene Projekte gern zu Ende denken und tun. Was nützen die schönsten Studien, wenn sie hinterher keiner umsetzt?!
– Naturliebhaber (Der Vogelpark Djoudj im Norden Senegals ist unmittelbar von Typha Australis bedroht, weil die Pflanze immer weiter wuchert und die Wasserflächen zu klein für die Vögel werden. Und ein Vogelpark ohne Vögel … Der WWF hat schon Alarm geschlagen).

Wie geht es weiter?
– Nach erfolgreichem CF ermitteln wir auf Probe-Erntefeldern in unterschiedlichen Umgebungen (Flussufer, Sumpfgebiet davor, Bewässerungskanäle) geeignete Erntemethoden, suchen passende Maschinen und ermitteln die Zahlen für ein wirtschaftliches Mengengerüst. Daraus erstellen wir einen Bildband (für unsere Unterstützer) + Zahlenwerk (für Investoren).
– Es folgt dann die Gründung einer lokalen Firma, die den Prozess Ernte – Trocknung – Faseraufbereitung professionell umsetzt. Hierfür suchen wir dann Investoren als Gesellschafter oder Darlehensgeber.
– Eine erste Produktionseinheit für Fertighausplatten könnte zB pro Tag ein Low-Cost-Haus für den lokalen Markt produzieren. Der Bedarf ist enorm!

Was sollten mehr Menschen wissen?
Was mich am meisten antreibt bei dem Projekt, ist der Wille, nicht auf halber Strecke stehen zu bleiben, sondern vorliegende Kenntnisse „super Material!“ auch in die Tat umzusetzen. Wenn wir es schaffen, unsere Idee auf viele Unterstützer zu übertragen, sie mitzunehmen und zu begeistern, können wir konkret hunderte lokale Jobs schaffen – und damit eine Perspektive vor Ort schaffen, die für einige die so sehnsüchtig gesuchte Alternative ist zur Flucht nach Europa. Ich glaube fest daran, dass konkrete Projekte – bei allem Risiko, das dabei ist – den Menschen vor Ort das meiste bringen. All die aufwändig recherchierten Studien sind eine wichtige Basis, die aber nur dann etwas nützen, wenn sie das Licht der praktischen Umsetzung erblicken und nicht im Regal stehen bleiben!


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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: Velocate

Das Crowdfunding von Velocate ist bereits erfolgreich abgeschlossen. Das Produkt jedoch bleibt weiterhin spannend. Deshalb hat Michael Pauli auch nach erfolgreicher Startnext-Kampagne den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Wir haben GPS Ortungssystem entwickelt, das dabei hilft, gestohlene Zweiräder wiederzufinden. (E-Bikes, Fahrräder, Motorräder, Roller etc). Das schöne dabei ist, dass das velocate Rücklicht vc|one an (nahezu) jedes Fahrrad – und E-Bike mit Gepäckträger nachgerüstet werden kann. Durch die Nutzung des Originalgehäuses des Markenherstellers Büchel ist das System von aussen nicht zu entdecken – im Gegenteil – es erfüllt alle Funktionen eines StVZO-zugelassenen Rücklichts. Der integrierte Akku, der den Tracker im Alarmfall speist, wird durch den Dynamo oder den Pedelec-Akku aufgeladen, wenn der Fahrer das Licht einschaltet. Der (stille) Alarm und die GPS-genaue Position wird komfortabel in Echtzeit auf eine Smartphone-App übertragen.

Warum macht ihr es (so)?
Weil wir selber bereits bestohlen wurden und wir den Ärger über den Verlust in positive Energie für die Entwicklung genutzt haben. Wir haben bereits erste Erfolge erzielt und unsere Kunden konnten bereits Fahrräder zurückgewinnen und in manchen Fällen bereits konnte auch der Dieb festgestellt werden. Solche Nachrichten motivieren uns natürlich zusätzlich. Auch Ermittlungsbehörden nutzen unser System bereits. Darüber müssen wir allerdings leider Stillschweigen bewahren. Es gibt aber auf unserer Website bereits einige Presseberichte – weitere Aktionen laufen zur Zeit.

Wer soll sich dafür interessieren?
Jeder, der sein Fahrrad /Zweirad liebt wie wir auch und der unter Umständen selber schon einmal Opfer eines Diebstahls wurde

Wie geht es weiter?
Nach der erfolgreichen Crowdfundingaktion unseres ersten Produktes vc|one sind wir gerade dabei, ein weiteres Modell zu entwickeln und die Integration für Fahrradhersteller voranzutreiben. Erste Gespräche finden bereits statt. Der Vorteil für die Hersteller ist, daß sie bereits ein erprobtes, ausentwickeltes System mit sehr geringem Aufwand schon bei der Produktion vorsehen können.
Weiterhin findet im Moment die Belieferung des Fahrradfachhandels statt.

Mehr über Velocate auf ihrer Website.

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