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🏃 Fünf Entwicklungen, die man beim Laufen für (digitale) Medien lernen kann (Digitale Mai-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Es gibt einen schönen Nebeneffekt am sportlichen Laufen, selbst wenn es man es nur joggend betreibt: Während man rennt, hat man Zeit zum Denken. Es gibt recht lesenswerte Ausführungen darüber, wie das Zusammenspiel von Nicht-Denken und Nach-Denken beim Laufen den Zwischenspeicher im Gehirn befreit (iPhone-Besitzer kennen einen vergleichbaren Prozess vom „Aufräumen“ auf hohe MB-Zahlen angewachsener Apps auf dem Smartphone). Und aus eigener Erfahrung kann ich ergänzen: Dieses Zusammenspiel bildet manchmal sogar die Grundlage für neue Ideen.

Jedenfalls entstand die Idee zu dieser Folge der „Digitale Notizen“ beim Laufen. Was auch damit zu tun hat, dass ich in diesem Monat an einem besonderen Lauf teilnahm – aber eben auch damit, dass ich glaube, dass der Kultur- und Medienbranche sich mit dem Laufen befassen sollten: mit dem Laufen als Markt. (Foto: Unsplash)

Denn im Geschäftsfeld „Breitensport“ lassen sich auch für mich als mittelsportlichen Laien ein paar Entwicklungen ablesen, die vielleicht Inspiration für die Medienbranche sein könnten. Ich sehe diese fünf (zu denen ich auch einen Experten befragt habe)

🏃 1. Vom Produkt zum Prozess – wie der Markt sich verändert 🏃
Ein Sportartikelhersteller lebt davon, Sportartikel zu verkaufen. Das klingt logisch und ist sicher auch richtig – aber eben nicht nur. Aus der Perspektive der ersten Entwicklung lässt sich ergänzen: Ein Sportartikelhersteller der digitale Gegenwart verkauft nicht mehr nur Sportartikel, er ist Partner für den gesamten Prozess „Sport machen“ geworden – oder versucht dazu zu werden. Neben bedeutsamen Veränderungen in der Ausrichtung der Kundenbeziehung (s.u.) heißt dies vor allem: Es geht nicht mehr nur darum, Sportartikel herzustellen und diese zu vertreiben. Es geht darum, den gesamten Prozess in den Blick zu nehmen.
Und was heißt das für Medien? Wenn der Vergleich stimmt, reicht es nicht aus, sich einzig auf gute Produkte – also Artikel, Beiträge oder Texte zu konzentrieren. Es könnte sinnvoll sein, den gesamten Prozess der Orientierung in den Blick zu nehmen

🏃🏃 2. Vom Verkäufer zum Gastgeber – wie die Unternehmen sich neu positionieren 🏃🏃
Selbstwahrnehmung und Positionierung des Unternehmens ändert sich durch die Erweiterung der Perspektive grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum, gute Produkte zu verkaufen. Es geht um eine Infrastruktur, um eine dauerhafte Kundenbeziehung, für die das Unternehmen die Rolle eines Gastgebers einnimmt. Dabei folgt die Positionierung sehr vereinfacht gesprochen der Logik: Wenn wir wollen, dass die Menschen laufen (wofür sie dann unsere Sportartikel brauchen), dann müssen wir ihnen den Rahmen schaffen, in dem sie laufen können.
Und was heißt das jetzt für Medien? Wenn Sportartikelhersteller kostenlose Lauftreffs veranstalten, braucht es keine besonders große Kreativität um auf Lesegruppen zu kommen. Social Reading als Idee ist bereits da, bisher fehlt aber ein von Sportartikelherstellern Verlagen geschaffener Rahmen.

🏃🏃🏃3. Vom Kunden zum Testimonial – wie Verbraucher eine andere Rolle annehmen 🏃🏃🏃
Allein die Tatsache, dass Käufer*innen mit dem Erwerb von Sportartikeln auch Werbefläche anbieten, würde eine genauere Beobachtung verdienen: Wer ein T-Shirt von einem Sportartikelhersteller kauft, wirbt nicht selten durch die prominente Platzierung von Logo und Markennamen für den Hersteller. Allein die Frage zu stellen, wie man als Leser*innen diesen Distinktionsgewinn bei der Lektüre eines Mediums bekommen kann, wäre spannend. Aber darüberhinaus transportieren die laufenden Konsument*innen noch eine weitere Botschaft: Sie bringen andere Menschen in den Gastraum des Sportartikelherstellers. Sie werden zu Testimoninals, die die Sportartikelhersteller sogar bewusst fördern und vorstellen.
Was soll das jetzt für Medien bedeuten? Dass Leser*innen ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft Zeitung sind (siehe dazu meine Notizen aus dem Jahr 2009). Man entscheidet sich für das eine oder andere Medium eben auch weil man sich für die eine oder andere Gruppe derjenigen entscheidet, die es auch lesen/hören/gucken. Dieser Aspekt der Distinktion und Sichtbarmachung derjenigen, die ein Medium nutzen kommt bisher fast gar nicht zum Tragen. Die Laufbranche macht auf erstaunliche Weise vor wie es gehen könnte.

🏃🏃🏃🏃4. Von der Marke zum Medium – welche Rolle Inhalte spielen 🏃🏃🏃🏃
Diese Behauptung klang schon an anderer Stelle im Newsletter an: Marken erstellen selber Inhalte, mit denen sie Zielgruppen erreichen. Sie werden also selber zu Medien. Im Zuge der Veränderungen der eigenen Rolle produziert der Sportartikelhersteller eben nicht mehr nur Sport-BHs, sondern auch Sport-Berichte. Als Partner im Gesamtprozess „Laufen“ übernimmt der T-Shirtproduzent nun auch Ratgeberfunktionen, die früher Sportmedien übernommen haben.
Warum ist das für Medien wichtig? Weil Marken hier in den Kernbereich dessen vordringen, was bisher exklusives Geschäfts von Medien war: Mit Hilfe von Inhalten Ziegruppen zu erreichen. Selbst wenn die anderen Punkte den Medien in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung egal sind: Hier sind sie gefordert, sich neu und klarer zu positionieren.

🏃🏃🏃🏃🏃5. Von der (Produkt-)Eigenschaft zum Erlebnis – wie Werbung sich verändert 🏃🏃🏃🏃🏃
Wie inspiriert man Menschen dazu eine bestimmte Tätigkeit z.B. Laufen auszuüben? Indem man ihnen Menschen zeigt, die Freude an dieser Tätigkeit – also dem Laufen – haben. Bei der Beobachtung der zu Testimonials entwickelten Läufer*innen in sozialen Netzwerken habe ich verstanden, wie Content Marketing funktioniert (und was es von klassischer Produktwerbung unterscheidet): Es macht Lust darauf, eine Tätigkeit auszuüben, eine Produkt zu nutzen – indem es die Freude zeigt, die Menschen dabei haben. So stellen die Frontrunner und anders genannten Testimonials allein dadurch, dass sie ihr Laufen zeigen sicher, dass auch Menschen im erweiterten Umfeld inspirierte werden, zu laufen. Auch dafür brauchte man früher Sport-Medien und klassische Werbung.
Und welche Schlussfolgerung soll man nun daraus ziehen? Bei Content Marketing geht es nicht um Schleichwerbung oder Vertuschung einer Werbebotschaft. Es geht darum, die Nutzung eines Produktes von einer glaubwürdigen Person vorführen zu lassen. Völlig egal, wie man inhaltlich dazu steht: die Laufbranche zeigt, wie das funktionieren kann – und hat damit natürlich auch Einfluss auf klassische Medien.

Und wem das alles zu sportlich war: Man kann sich diese Entwicklungen auch von Apple zeigen lassen. In diesem Monat hat die Firma, die für viele ja ein Sportartikel-Smartphone-Hersteller ist, gezeigt, dass sie in Zukunft nicht nur das sein will, sondern zunehmend auch Infrastruktur-Anbieter werden will: Unter apple.com/today kann man sich anschauen, wie Apple die oben beschriebenen Entwicklungen auf die Anwendung seiner Geräte überträgt…

Zur Einordung meiner Beobachtungen übers Laufen habe ich jemanden gefragt, der sich damit auskennt: Aktiv wie als Berichterstatter. Gunnar Jans hat hier meine Fragen zum Laufen beantwortet.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

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Laufen macht glücklich! (Interview zu den Digitalen Mai-Notizen)

Dieses Interview erweitert die Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, der sich in der aktuellen Folge mit dem Thema Laufen befasst – und den man hier kostenlos abonnieren kann!

Gunnar Jans ist Chefredakteur bei der Münchner Content-Marketing-Agentur The Digitale, einer Telekom-Tochter mit Sitz am Milchhäusl vis-a-vis zum Englischen Garten. Im Auftrag des Kunden Messe München verantwortet er den redaktionellen Auftritt von ispo.com, dem Leitmedium des Sport-Business – und berichtet dort auch übers Laufen. Er war 14 Jahre Sportchef der Münchner Abendzeitung und davor und danach ein Kollege bei der Süddeutschen Zeitung. Gunnar läuft fast täglich an der Isar, mittwochs bei den Urban Runners Munich – und einmal im Jahr auch Marathon.

Früher fanden Läufe und Lauftrainings in Sportvereinen statt. Heute sind es auch Sportartikelhersteller, die urbane Laufveranstaltungen starten, an denen Läufer*innen kostenlos teilnehmen können. Kannst du mal erklären, warum die das machen?
Der klassische Sportverein ist ein Medium von gestern: Er liefert verlässlich, aber wenig innovativ, zu vorher festgelegten Uhrzeiten, für eine feste Jahres-Abo-Gebühr, mit den immer gleichen Strukturen und den immer gleichen Gesichtern. Genau so wie User heute digitale Inhalte flexibel nutzen, organisieren sie auch ihre Freizeit: abwechslungsreich, ohne Verpflichtungen, permanent nach neuen Reizen suchend, meistens über soziale Netze, vor allem Facebook. Das haben, wenn wir zum Laufen kommen, die Sportartikelhersteller erkannt: Ihre Lauftreffs finden zwar auch regelmäßig statt, aber ohne Zwang, man kann vom einem zum anderen Anbieter springen, meist bieten sie jede Woche ein neues Special. So entsteht ein permanenter Wettbewerb um den Kunden, hier den Läufer, mit der Chance für die Unternehmer, auf Aktionen und Produkte aufmerksam zu machen. Oftmals geht es aber gar nicht um Werbung für ein bestimmtes Produkt – sondern nur ums Brand Building, also darum, etwas fürs Image zu tun, die Menschen an sich zu binden – und sogar Feedback zu bekommen, das auch die Hersteller besser macht in ihrer Performance. Weil sie mit den Kunden ins Gespräch kommen ohne geschäftlichen Zwang. Im Marketing geht es ja oft um die Frage: Setzen wir B2B, Business to Business, oder B2C, Business to Costumer? Die beste Antwort darauf ist: H2H, Human to Human.

Diese Veranstaltungen werden nicht selten in sozialen Netzwerken dokumentiert, die Laufgruppen der Marken tragen eigene Namen und veranstalten eigene Wettkämpfe. Was soll das?
Gerade Laufgruppen leben davon, dass ihre Teilnehmer Spaß haben am gemeinsamen Erlebnis. In den sozialen Netzen heißt das dann Community Building – was ja im besten Sinn die digitale Verlängerung eines analogen Erlebnisses ist. Wir laufen zusammen, wir markieren unsere gemeinsamen Wege – und taggen den Veranstalter, mit dem wir gelaufen sind. Je mehr es den Marken gelingt, dass ich mich aus freien Stücken an sie binde, dass ich mich mit ihrem Angebot identifiziere, um so eher werde ich zum Teil dieser Marke – und teile plötzlich meine Erlebnisse im Namen der Marke. Wenn es den Marken gelingt, ihre Angebote so spannend und vor allem abwechslungsreich zu gestalten, dass ich gern mit ihnen gemeinsame Sache mache, haben sie mich gewonnen. Als Teil der Marke. Wichtig ist allerdings, dass diese Angebote smart sein und für sich stehen müssen und vor allem: keine Verkaufsveranstaltung sein dürfen, keine Produktshow und niemals penetrante Werbe-Belästigung. Um mal einen Vergleich mit der SZ zu ziehen: Die „lange Nacht der Autoren“ ist bestes Content Marketing, die Fußgängerzonenstände mit sofortiger Probeabo-Bedrängung plumpe Werbe-Penetrierung. Konkret aufs Laufen bezogen: In München kann ich montags beim „Montag Fight Run“ laufen, dienstags bei „Never Stop Munich“, mittwochs bei Urban Runners Munich, donnerstags beim Lauftreff München – jeweils bei verschiedenen Marken, die eher smart branden. Die Ausnahme sind da die Adidas Runners Munich – die jeden Tag Programm bieten, was ein einzigartiges Konzept ist, fast eine Komplett-Betreuung, aber auch mit einem gewissen Guppenzwang versehen.

Eine weitere Beobachtung im Laufbusiness: Adidas kauft runtastic, Asics kauft Runkeeper – kann man eigentlich noch von Sportartikel-Herstellern sprechen oder entwickeln sich diese nicht vielmehr zu Infrastruktur-Anbietern?
Mit Blick auf die digitale Transformation ist es mehr als clever, die komplette Infrastruktur unter einem Dach anzubieten. Nur wenn ich alles biete, vom Produkt über die smarte Tracking-App bis zur Community mit Wettbewerbscharakter und dies auch idealerweise vom Digitalen ins Analoge und umgekehrt zurückspielen kann (eben durch Laufgruppen, die sich über Social Media vernetzen), biete ich dem Kunden die Möglichkeit, in meiner Welt zu bleiben und nicht die Plattform zu wechseln. Idealerweise gelingt es mir, ihn über einen Kanal auf meine Plattform zu holen und dann alle meine Services für ihn nutzbar zu machen. Und was das Zusammenspiel von Sportartikel-Herstellern und Tracking-Plattformen wie Runtastic oder Runkeeper angeht: Auf diesen Plattformen geben die Nutzer freiwillig (!) so viele Daten preis, an die der Hersteller sonst nie käme und die er für die Entwicklung seiner Produkte nutzen kann, dass es für die Sportartikel-Hersteller geradezu ein Muss ist, dort auch Anbieter zu sein.

Braucht man dann eigentlich noch Laufmedien wie Zeitschriften oder Websiten, die das Thema „Laufen“ begleiten? Das übernehmen doch dann auch die Anbieter selber, oder?
Ich bin fest davon überzeugt, dass Marken zu Medien werden und neben Produkten künftig auch Inhalte liefern werden, die wiederum mehr als die Welt ihrer Produkte abbilden. Wenn es sich durchsetzt, dass dies immer vom Nutzer her gedacht wird, so wie übrigens gutes Content Marketing funktioniert, kann dies zur Folge haben, dass diese Unternehmens-Seiten eine hohe Reichweite bekommen – und das Unternehmen in seine eigenen Inhalte investieren wird mit der Folge, weniger Werbemittel für Zeitschriften oder andere Portale zur Verfügung zu stellen. Deren Situation wird dadurch nicht leichter werden. Trotzdem glaube ich, dass Special Interest Zeitschriften oder Websites weiter eine gute Chance haben – wenn ihr Markenkern etwas unverwechselbares hat. Ich jedenfalls lese gern Lauftipps auf Sportartikelherstellerseiten – aber genauso die Runner’s World als das beste Fachmagazin oder Hajo Schumachers herrliche verrückte und vor allem umfassende Seite achim-achilles.de

Ich behaupte, dass auch der Journalismus und die Medienbranche etwas von dieser Entwicklung lernen kann, dass es nämlich nicht nur um den Inhalte oder die Produkte geht, sondern immer mehr auch um das Umfeld, um den Kontext. Siehst du das auch so bzw. siehst du Entwicklungen, die man aus dem Laufbusiness auf die Medienbranche übertragen kann?
Der wichtigste Hebel ist: sich um den Nutzer, den User, den Leser, den Kunden zum kümmern. Ihm nicht ein schlimmstenfalls auch noch abgeschlossenes Produkt hinzuwerfen, sondern ihn das Medium zum Teil seiner Welt zu machen. Ihn überall zu begleiten, ihm Hilfestellung zu leisten. Mit ihm in Kontakt zu treten. Analog und digital und wieder analog. Das Lauf-Business macht vor, wie es funktionieren kann: Erlebnisse zu schaffen, die man teilen möchte mit anderen, mit Gleichgesinnten. Beim Laufen werden die Kunden dank der digitalen Möglichkeiten zum Botschafter des Unternehmens, zum Influencer. Wenn dies schon Marken gelingt, die bis gestern noch gar keine Medien waren, sollten die Verlage dazu doch erst recht in der Lage sein – und die Bedürfnisse ihrer Kunden ernst nehmen, sich mit ihm austauschen auf allen digitalen Plattformen und sich auch von den Lesern inspirieren lassen. Dass jemand aus dem 22. Stock Kommentare schreibt, die mir die komplexe Welt ein Stück weit leichter verständlich machen, ist wichtig – wirklich überzeugt werde ich aber erst, wenn sich derselbe Kommentator auch auf meine Welt einlässt, er also Kenntnis hat von dem, was ich bewegt. Und zum Influencer für diesen Kommentator, also quasi zu seinem Marken-Botschafter, werde ich erst dann, wenn auch sich auf den Dialog mit mir einlässt. Warum laufe ich mit einem Urban Runners Munich -Shirt durch die Stadt, warum gehe ich bei Wettbewerben für die Urban Runners an den Start? Weil ich Teil der Gruppe sein mag, mich dazugehörig fühle. Wer aber fühlt sich als Leser, egal ob flüchtig oder jahrzehntelanger Abonnent, wirklich einer bestimmten Zeitungsmarke zugehörig?

Du läufst – das kann man auf deinen Instagram– und Twitter-Profilen verfolgen – auch selber. Was reizt dich selber an dem Sport und vor allem: Warum teilst du deine Freude daran in den sozialen Medien?
Weil ich, wenn ich alleine laufe, dabei am besten nachdenken kann. Und wenn ich in der Gruppe laufe, die gemeinsamen Erlebnisse und die Endorphine genieße. Weil es ein wunderbares Wechselspiel ist zwischen Abschalten und Aufdrehen, zwischen Quasi-Meditation und Wettkampfmodus. Das alles spielt sich für mich auch in den sozialen Medien ab: Fotos, die die Faszination des Laufens zeigen. Gedanken oder Kommentare, die nur beim Laufen entstehen. Und Gefühle vor, während und nach dem Lauf, die du sonst nirgends erlebst. Dies in den sozialen Medien zu teilen, bedeutet ja auch, die Motivation zu teilen, weiterzugeben. Es gibt ja diesen in der Running-Szene beliebten Hashtag #laufenmachtglücklich. Ich glaub’ tatsächlich daran. Allerdings musst du dir auch darüber klar sein: Wer nicht Teil dieser Lauf-Communitys ist und doch in seiner Timeline häufig von Lauf-Post belästigt wird, hält Läufer für außerordentlich mitteilsame Spinner – bestenfalls.


Dieses Interview gehört in den monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann. In der aktuellen Folge denke ich übers Laufen nach.

Helfen nach dem Durchschnitt: der #global6k von Worldvision

Ich habe an diesem Wochenende an einem Lauf teilgenommen, für den sich außer mir genau 1350 Läuferinnen und Läufer angemeldet haben. Die Distanz des Laufs, der keinen offiziellen Startpunkt und keine Ziellinie hatte, betrug sechs Kilometer. Ich habe keinen der anderen Starter persönlich gesehen, ich habe keinem Teilnehmer die Hand geschüttelt und mit dem Veranstalter nicht persönlich gesprochen – und doch: der Global6k fand an diesem Wochenende statt. Nicht nur in Aurich, Ulm und Düsseldorf sind Menschen mitgelaufen, international haben sich über zehntausend Läufer*innen an diesem Projekt beteiligt.

Ich erzähle das hier so ausführlich, weil der Global6k von Worldvision die Idee eines Laufs nach dem Durchschnitt in die Tat umsetzt, die ich in meinem Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ im Schlusskapitel beschreibe. Es ist ein Lauf, der die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt – und in diesem Fall sogar für einen übergeordenten guten Zwecke: Die Teilnehmer*innen des Global6k laufen, um auf das Recht auf Trinkwasser hinzuweisen:

Sechs Kilometer ist die durchschnittliche Distanz, die Menschen in Afrika laufen müssen, um an eine Wasserstelle zu gelangen. In vielen Fällen ist dieses Wasser verunreinigt und vor allem für kleine Kinder lebensgefährlich.

Die Teilnahmegebühr für diesen Lauf wird eingesetzt, um Menschen in Ngoyila, im Osten von Sierra Leone Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen.

Ich finde das eine tolle Aktion, die die Möglichkeiten der Digitalisierung perfekt nutzt – für eine wie ich finde gute Sache. Wer das auch so sieht, kann auch ganz ohne Lauf hier für die Worldvision-Aktion spenden! Wer mehr über „Das Ende des Durchschnitts“ erfahren will, kann dies hier nachlesen.

loading: Velocate

Das Crowdfunding von Velocate ist bereits erfolgreich abgeschlossen. Das Produkt jedoch bleibt weiterhin spannend. Deshalb hat Michael Pauli auch nach erfolgreicher Startnext-Kampagne den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Wir haben GPS Ortungssystem entwickelt, das dabei hilft, gestohlene Zweiräder wiederzufinden. (E-Bikes, Fahrräder, Motorräder, Roller etc). Das schöne dabei ist, dass das velocate Rücklicht vc|one an (nahezu) jedes Fahrrad – und E-Bike mit Gepäckträger nachgerüstet werden kann. Durch die Nutzung des Originalgehäuses des Markenherstellers Büchel ist das System von aussen nicht zu entdecken – im Gegenteil – es erfüllt alle Funktionen eines StVZO-zugelassenen Rücklichts. Der integrierte Akku, der den Tracker im Alarmfall speist, wird durch den Dynamo oder den Pedelec-Akku aufgeladen, wenn der Fahrer das Licht einschaltet. Der (stille) Alarm und die GPS-genaue Position wird komfortabel in Echtzeit auf eine Smartphone-App übertragen.

Warum macht ihr es (so)?
Weil wir selber bereits bestohlen wurden und wir den Ärger über den Verlust in positive Energie für die Entwicklung genutzt haben. Wir haben bereits erste Erfolge erzielt und unsere Kunden konnten bereits Fahrräder zurückgewinnen und in manchen Fällen bereits konnte auch der Dieb festgestellt werden. Solche Nachrichten motivieren uns natürlich zusätzlich. Auch Ermittlungsbehörden nutzen unser System bereits. Darüber müssen wir allerdings leider Stillschweigen bewahren. Es gibt aber auf unserer Website bereits einige Presseberichte – weitere Aktionen laufen zur Zeit.

Wer soll sich dafür interessieren?
Jeder, der sein Fahrrad /Zweirad liebt wie wir auch und der unter Umständen selber schon einmal Opfer eines Diebstahls wurde

Wie geht es weiter?
Nach der erfolgreichen Crowdfundingaktion unseres ersten Produktes vc|one sind wir gerade dabei, ein weiteres Modell zu entwickeln und die Integration für Fahrradhersteller voranzutreiben. Erste Gespräche finden bereits statt. Der Vorteil für die Hersteller ist, daß sie bereits ein erprobtes, ausentwickeltes System mit sehr geringem Aufwand schon bei der Produktion vorsehen können.
Weiterhin findet im Moment die Belieferung des Fahrradfachhandels statt.

Mehr über Velocate auf ihrer Website.

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: VfL Bochum Fotobuch

Regelmäßige Leser des Blogs wissen: Ich bin Fan des VfL Bochum – und ich interessiere mich für Crowdfunding. Entsprechend begeistert habe ich das Startnext-Projekt VfL Bochum Fotobuch des Fotografen Tim Kramer unterstützt – und ihm direkt danach den loading-Fragebogen geschickt.

Was machst du?
Ein Crowdfunding bei Startnext zur Teilfinanzierung eines Fotobuchs zum VfL Bochum 1848. In dem möchte ich verschiedene Sichtweisen auf Spieler und Verein präsentieren.

Warum machst du es (so)?
Um einen Teil der Produktionskosten decken zu können.

Wer soll sich dafür interessieren?
Angesprochen sind VfL-Fans, die einen Einblick in den Welt der Spieler und den Verein erhalten wollen. Auch darf sich derjenige angesprochen fühlen, der Interesse an der Fotografie hat.

Wie geht es weiter?
Nach Abschluss des Crowdfunding wird im September/Oktober mit der Produktion begonnen. Das finale Werk wird ab Oktober/November über vflbochumfotobuch.de vertrieben.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Was für tolle Menschen wir in der Mannschaft des VfL Bochum 1848 haben und was wir eigentlich für ein großes Glück haben, dass der gesamte Verein und ein Stadionbesuch so ist, wie er ist. Es sollten viel mehr dort mal vorbei schauen an den Spieltagen:-)

>>> Hier das Fotobuch auf Startnext bestellen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


The Age of Trotzdem – Wir sind unbeugsam

trotzdem_

Sascha Lobo hält gerade seine Rede an die Nation re:publica. Sie trägt den Titel „The Age of Trotzdem“ und er hat gerade tatsächlich die Anwesenden mehrfach Trotzdem rufen lassen.

Als Fan von Sascha Lobo und als Fan des VfL Bochum MUSS ich in diesem Moment darauf hinweisen, dass der Verein für Leibesübungen aus Bochum schon vor ein paar Jahren in seinem Leitbild (das erste im Profifussball) unter dem Punkt Unbeugsam Folgendes notierte:

Die Geschichte unseres VfL Bochum 1848 ist ein Spiegel
der Geschichte des Ruhrpotts: oft unterschätzt, von Großen
bedrängt und geprägt durch Widrigkeiten, Rückschläge und
Niederlagen – aber immer noch da!

Gestern, heute und morgen: Wir trotzen selbstbewusst den
Widrigkeiten, kämpfen gemeinsam gegen Rückschläge und
bleiben auch bei Niederlagen fair!
„Nicht unter kriegen lassen“ ist unser Antrieb,
„immer wieder aufstehen“ unser Prinzip,
„trotzdem“ unser Motto!

Ich glaube, es gibt nur eine Schlussfolgerung aus dieser Dopplung: die Nation re:publica sollte Mitglied des VfL Bochum werden!

vflBochum_trotzdem

Trotzdem!
¯\_(ツ)_/¯

Weiterlesen auf Digitale Notizen:
VfL-Trainer Verbeek und die Angst
Das Shruggie-Prinzip
Der Abschluss mit Obamas Gif

Das Ende des Durchschnitts – der Lauf zum Buch

Wenn ich erklären soll, was den Zauber von Social Media ausmacht, verwende ich gerne die kleine Tipprunde als Beispiel, in der ich seit Jahren mit tollen Kollegen Bundesliga-Endstände vorherzusagen versuchen (mit pesönlich mäßigem Erfolg). Wir tippen Fußballspiele und machen so aus dem allgemeinen Ergebnis eines Spiels ein soziales Erlebnis. Der Endstand einer Partie bekommt durch den sozialen Kontext der Tipprunde plötzlich eine besondere Bedeutung. Denn es wäre mir eigentlich egal, wenn Hoffenheim in der letzten Minute den Ausgleich in Ingolstadt erzielt – wenn ich nicht dadurch drei wichtige Punkte im Tippspiel eingebüßt hätte, weil der Treffer meinen Tipp zerstört…

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Diese besondere, persönliche Bindung an das Spiel ist durch die Vernetzung des Digitalen möglich. Sie steht für mich für das, was man Social Media nennt – Facebook, Twitter oder Instagram, die man gemeinhin mit dem Schlagwort Social Media gleich setzt, nutzen diese Vernetzungs-Möglichkeiten. Das Prinzip „Social Media“ geht aber über die Dienste hinaus, es ist das Prinzip des Netzwerkens, das Prinzip der Kontexte.

Aus dieser Perspektive drängt sich zum Beispiel die Frage auf, warum der Anbieter, auf dessen Plattform wir Woche für Woche Ergebnisse tippen, keine soziale Öffnung anbietet. Man kann lediglich in Tipprunden gegeneinander antreten, es ist allerdings nicht möglich das eigene Ergebnis in andere Kontexte zu übertragen – und z.B. auch mit Bekannten zu vergleichen, die in anderen Tipprunden tippen (oder ich habe das übersehen).

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Seit diesem Wochenende habe ich ein neues Bild, um den Zauber von Social Media zu beschreiben. Und wieder hat es mit Sport zu tun: Es ist ein Stadtlauf, der in allen Städten der Welt zur gleichen Zeit stattfindet. Die Macher nennen ihn den #Global5K, einen Lauf über fünf Kilometer, an dem angeblich über 230.000 Menschen weltweit teilnehmen – ohne dass sie sich sehen können, sich kennen oder an einem gemeinsamen greifbaren Ort sind (bei Twitter und Instagram dokumentiert) Die Distanz wird von einer App gemessen, deren Macher den Lauf veranstalten. Ein Lauf, der wie das Tippspiel über das objektive Ergebnis hinaus geht. Ein Lauf, der auf den Prinzipien von Social Media basiert und ein tolles Symbol ist für das, was ich Das Ende des Durchschnitts nenne. Denn es gibt nicht mehr die eine Start- und Ziellinie, die für alle gleich gilt. Es gibt unzählige Starts und Zieleinfläufe weltweit – verbunden sind alle Läufer durch die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung. Sie sind dadurch mess- und überwachbar, aber sie sind dadurch auch auf eine neue Weise verbunden.

Wenn man die Ambivalenz der neuen Möglichkeiten verstehen will, muss man verstehen, wie der Global5K sich von gewöhnlichen Läufen unterscheidet. Er schafft Das Ende des Durchschnitts, das die Massengesellschaft des 20. Jahrhunderts bestimmte – unter diesem Arbeitstitel recherchiere ich derzeit an einem Buch, das sich mit genau damit befasst: wie die Möglichkeiten der Personalisierung unsere Gesellschaft verändert.

Auch deshalb bin ich heute mitgelaufen.

Dazu muss man Folgendes wissen: Ich bin das, was Läufer einen Jogger nennen. Ein sporadischer Sportler, der keine neonfarbende Laufkleidung besitzt, sich aber gerne im Park bewegt. Als solcher nutze ich seit einer Weile die App, die u.a. mit Hilfe des genannten Events Menschen auf der ganzen Welt verbinden – und zu zahlenden Käufern ihres Premium-Angebots machen will. Das ist mir klar, wenn ich die Dienste der App nutze (u.a. Laufzeit, Tempo und Strecke aufzeichnen lassen). Und dennoch nutze ich sie mit großer Freude und war heute vormittag auch entsprechend enttäuscht, weil sich mein Start bei meinem ersten größeren Laufevent verzögerte: Mein Smartphone hatte GPS-Probleme, die App konnte nicht ermitteln wo ich bin – und folglich auch nicht messen wie schnell ich wo lang laufe.

Also lief ich ein wenig im Park, ohne dabei vermessen zu werden. Dann irgendwann (in der Nähe einer Straße) fand die App ein Signal und ich startete. Als ich einige Minuten später meine Geschwindigkeit kontrollieren wollte, traute ich meinen Augen nicht: ich war mit einem unfassbaren Tempo unterwegs. 17:55 Minuten hat mir die App für die fünf Kilometer bestätigt. Das macht eine Kilometer-Zeit von 3:34 Minuten. Das ist selbst für einen Jogger wie mich ziemlich gut.

Es ist aber vor allem: gelogen. Denn während ich lief, hatte die App erneut GPS-Probleme und kritzelte statt meiner tatsächlichen Laufstrecke eine merkwürdig gerade Linie ins Profil. Mir ist das klar, der App nicht. Sie hat die genannten Kilometerzeit gespeichert. Das ist schön, aber ziemlich weit von meinem tatsächlichen Tempo entfernt.

Da es mir aber nicht um die Geschwindigkeit, sondern um die Metaphorik des Laufs ging, war ich darüber nur mäßig enttäuscht. Denn die 3:34 Minuten beweisen vor allem, dass man blanken Zahlen nicht trauen darf. Ihr Kontext ist bedeutsam – der Kontext der Entstehung wie auch jener der Weiternutzung. Abstrahiert man dies von meinem kleinen Laufe heute vormittag, wird der Kontext zur zentralen Größe in unserem Umgang mit Daten und der Digitalisierung. Davon handelt das Buch, in dem ich darzulegen versuche, worin die Chancen aber auch die Trugschlüsse am digitalen Wandel liegen. Dabei wird auch der heutige Laufe eine Rolle spielen – denn zu allem Überfluss wird er nicht mal zählen. Denn als ich ihn speichern wollte, stellte ich fest, dass die Ankündigung der Macher („Laufen Sie am 6.12. fünf Kilometer“) erst ab 12 Uhr mittags galt.

Zu der Zeit war ich aber schon lange im Ziel …
(Hier gehts zum Buch)

Update: die App hat Ergebnisse veröffentlicht!

loading: Luma Active

Eine Mütze mit Lampe, so könnte man das Kickstarter-Projekt „Luma Active“ von Florian Schneebauer beschreiben. Im loading-Fragebogen erklärt der Österreicher aber, dass Luma Active viel mehr sein will.

Was machst du?
Ich betreue mein erstes Crowdfunding Projekt auf Kickstarter. Dabei geht es um LUMA ACTIVE, eine innovative Kopfbedeckung mit integriertem LED-System für den Outdoor-Sport. Gemeinsam mit meinem Freund und Kollegen Wolfgang Knöbl arbeite ich seit 2012 daran und nun ist die Entwicklung abgeschlossen und wir sind bereit damit auf den Markt zu gehen.

LUMA ACTIVE ist als Haube und Stirnband erhältlich. Das Besondere an LUMA ACTIVE ist vor allem der herausragende Tragekomfort. Das gesamte Produkt wiegt nur 70 Gramm und das LED-System ist ergonomisch geformt und so in das Textil integriert, dass es nicht drückt, reibt, wackelt oder rutscht. Man spürt einfach nicht, dass das aus hochwertigen Funktionsstoffen gefertigte Textil ein LED-System enthält.
Bei den Produktfunktionen haben wir uns darauf konzentriert, was Outdoor-Sportler wirklich brauchen und ein System entwickelt, das mit einem einzigen Taster und auch mit Handschuhen einfach bedient werden kann. Die Frontstrahler können zwischen Nah- und Fernlicht umgeschaltet werden und bieten optimale Sicht nach vorne. Die Rückstrahler mit unterschiedlichen Modi erhöhen die Sicherheit des Trägers.
Der Integrationsmechanismus ist eines der Highlights der LUMA ACTIVE. Damit kann das LED-System mit wenigen Handgriffen ausgebaut und die Haube in die Waschmaschine verfrachtet werden. Oder man wechselt das LED System bequem zwischen Hauben und Stirnbändern, je nachdem was man gerade tragen möchte.
Geladen wird das LED System übrigens ganz einfach über einen Mikro-USB-Stecker und dafür braucht man das LED System auch gar nicht ausbauen, sondern kann es im Textil belassen.

Warum machst du es (so)?
Wir sind selbst begeisterte Outdoor-Sportler und haben uns schon länger nach einer komfortablen Lösung für Nachtläufe, Mehrtageswanderungen und ähnliches gesehnt. Bestehende Lösungen bieten einfach keinen besonderen Tragekomfort und sind auch nicht optimal zu bedienen. Schließlich fassten wir den Beschluss das Problem selbst zu lösen und die Idee zur LUMA ACTIVE war geboren.
Dabei war für uns von Anfang an wichtig, dass das Produkt nicht nur hohen Trage- und Bedienkomfort bieten, sondern auch eine sehr hohe Qualität aufweisen muss. Wir wollten nicht noch ein China-Produkt auf den Markt bringen und haben daher nach Entwicklungs- und Fertigungspartnern in der Region gesucht … und diese auch gefunden. Der Großteil der LUMA ACTIVE wird nun in Österreich produziert, ein Teil in Deutschland. Darauf sind wir sehr stolz.

Wer soll sich dafür interessieren?
Jeder, der gerne draußen unterwegs ist und hohe Qualität und Komfort bei seiner Ausrüstung zu schätzen weiß und sich unsere LUMA ACTIVE einmal näher ansehen will.

Wie geht es weiter?
Jetzt heißt es einmal die laufende Crowdfunding-Kampagne erfolgreich abzuschließen und die erste Serienfertigung vorzubereiten. Parallel dazu bereiten wir natürlich schon alles für den weiteren Vertrieb vor. LUMA ACTIVE soll ja auch nicht lange das einzige LUMA-Produkt bleiben, sondern den Grundstein für den Aufbau der Marke LUMA bilden. Wir haben schon eine ganze Menge weiterer Ideen für zukünftige Produkte und Produktvarianten und freuen uns darauf diese ebenfalls umzusetzen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Was LUMA ACTIVE ist und kann und wo man LUMA ACTIVE Hauben und Stirnbänder bekommt, nämlich hier ;-) luma-enlite.com

>>> Hier das Projekt auf Kickstarter unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Man muss nach vorne denken

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Ich bin Fan des VfL Bochum. Das ist ein nicht nur erfreuliches Hobby (siehe dazu hier, hier und hier) . In den vergangenen Wochen macht #meinvfl aber auf und auch neben dem Fußballplatz viel Freude. Der Verein hat in der Werbe-Aktion der Bild-Zeitung Solidarität mit dem FC St. Pauli gezeigt und Cheftrainer Gertjan Verbeek (der die Mannschaft an die Spitze der zweiten Liga geführt hat) wurde bundesweit viral verbreitet, weil er sich über die Bild-Zeitung empörte (im Video ab ca. 2.20 Min) Hintergrund dazu hier

In dieser Woche nun hat Verbeek der FAZ ein Interview gegeben, in dem er über seine Perspektive auf Fußball gesprochen hat. Das Gespräch ist aber auch für Nicht-Fußballer und Nicht-Sportler interessant, denn der Cheftrainer des VfL Bochum sagt etwas sehr Wichtiges über unseren Umgang mit Veränderung und über die Rolle der Angst in diesem Zusammenhang:

„Man hat nur Spaß, wenn man seine Kreativität ausleben kann (…). Wenn man die ganze Zeit defensiv denken und arbeiten muss, dann bekommt man viel negative Energie (…) und das wird am Ende zu wenig sein. Man entwickelt sich dann nicht mehr. Man muss deshalb offen sein für neue Ideen, man muss kreativ sein und nach vorne spielen, nach vorne denken und den Glauben haben, dass man sich weiterentwickeln kann. Ich will ein Trainer sein, der das vorlebt, dann kommen der Spaß und der Glauben von selbst.
(…)
Ich denke nicht in Problemen, sondern in Lösungen. Nehmen Sie die aktuelle Flüchtlingswelle, sie ist ein Problem, klar, aber wenn man sie nur als Problem sieht, kommt man nicht weiter. Man muss sie als Tatsache sehen und nach Lösungen suchen, wie wir diese Menschen unterbringen, wie wir zusammen mit ihnen leben können. Und um Lösungen zu finden, braucht man positive Energie, braucht man Kreativität. Destruktivität führt nur zu Ärger, nicht zu Lösungen.
(…)
Mit Angst im Körper kann man seine Leistung nicht bringen. Wenn man Angst hat zu verlieren, wird man verlieren. Angst erzeugt ein ungutes Gefühl, aber um ein optimales Resultat zu erreichen, muss man ein gutes Gefühl haben.

Ich werde auch nach wiederholte Lektüre das Gefühl nicht los: Verbeek spricht gar nicht über Fußball, er spricht über Journalisten und den Medienwandel!

(Foto: Stadion des VfL Bochum; fotografiert von ScaarAT via Flickr; CC BY-NC 2.0)

Die Loyalität des Bastian Schweinsteiger

schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger verlässt den FC Bayern. Der Fußballer, der 17 Jahre für den Verein in München gespielt hat, wird in der nächsten Saison bei Manchester United unter Vertrag stehen. Das ist – nicht nur in München – eine Meldung, die viel Interesse auf sich zieht. Medien berichten über den Wechsel und auch die Medienmacher der Marke Bastian Schweinsteiger wissen das für ihre Zwecke zu nutzen. Sie haben einen Beitrag Werbespot produziert, der die aktuelle Meldung aufgreift und sie geschickt monetarisiert.

Darin haben auch die beiden Sport-Reporter Schauspieler Sebastian Hellmann und Wolff-Christoph Fuss einen Auftritt: Man hört wie sie ein Fachinterview spielen, in dem der eine dem anderen erklärt, warum Schweinsteiger ein super Typ ist – außerdem prophezeit er selbst erfüllend, dass die Fans sicher kein Problem haben werden mit Schweinsteigers Wechsel nach Manchester.

Schweinsteiger selber packt in dem Clip seine Sachen, schaut (ganz uneitel) im Fernsehen Szenen an, in denen er selber zu sehen ist, kritzelt Notizen auf einen Zettel und setzt sich zum Abschluss einen Kopfhörer auf die Ohren. Das alles ist vorproduziert, er spricht kein Wort, man hört nur die Stimmen der Journalisten Werbedarsteller aus dem Off.

Schweinsteiger selber meldet sich unter dessen auf Facebook zu Wort

Liebe Fans, ich möchte mich bei euch für die unglaublichen gemeinsamen Jahre beim FC Bayern München bedanken!Dear Fans, after 17 incredible years at FC Bayern, 15 national titles, winning the historical triple and uncountable other highlights that I was fortunate enough to experience with my incredible team, all you exceptional fans and the co-workers at Säbener Straße and Allianz Arena, I have decided to take a new career step. This decision was very hard to make because you and FCB have, are and will always be an extremely important part of my life. Nevertheless, I would like to again gain experience at a new club. My destination is Manchester United. I hope you understand my decision. No one can take away the incredible journey we had together. #MiaSanMia

Posted by Bastian Schweinsteiger on Sonntag, 12. Juli 2015

… und bedankt sich bei seinen Fans. Auf Facbook und auf seinen anderen sozialen Kanälen finden sich übrigens auch Fotos, die ihn mit den im Clip beworbenen Kopfhörern zeigen. Dass es ein anderes Modell ist, ist vermutlich dem Stress der vergangenen Tage geschuldet. Deshalb blieb wohl auch keine Zeit irgendetwas an der Homepage des Fußballers zu ändern: Dort stehen noch immer Trainingstermine des FC Bayern verlinkt. Aber die Homepage hat offenbar keine Priorität im Medienspiel des Bastian Schweinsteiger.

Ich habe das unlängst mal am Beispiel von Mario Götze notiert: Fußballer werden selber zu Medien. Im Falle von Schweinsteiger sieht man nun, wozu das führt:


… Sie nutzen aktuelle Aufmerksamkeits-Peaks um Werbung zu platzieren, die ganz anders daherkommt als klassische Spots alter Prägung
… Sport-Reporter spielen in diesem Spot mit – um sie authentisch wirken zu lassen und das Image des Fußballers zu heben: „Wenn man was nicht in Frage stellen kann, dann ist das die Loyalität von Bastian Schweinsteiger“, sagt der objektive Journalist Wolf-Christoph Fuss in dem Clip. Lässt allerdings offen, wem gegenüber Schweinsteiger loyal ist – und was er selber unter Loyalität versteht.
… Sie nutzen ihre eigene Reichweite um ihr Image zu bauen. Schweinsteiger spricht seine Fans direkt – ohne Umweg über klassische Medien – via Facebook an. Die Homepage hat dabei keinerlei Priorität.
… Die Verbindung zum Gegenstand der Werbung (Kopfhörer – „An deiner Seite“) ist in Schweinsteigers sozialen Kanälen klar erkennbar, er postet die Werbung aber nicht selber. Wegen des guten Timings übernehmen das schon andere (so wie ich hier) für ihn.


Update:
Christopher weist auf den Zusammenhang zu LeBron James hin.

Update 2: Bei Sport1 gibt es einige Hintergründe zum Ablauf der Werbung, die offenbar in einem Hotel in Köln (sic!) gedreht wurde (Hinweis von Thorsten Poppe)

Update 3: In der SZ gibt es in Interview mit dem Regisseur des Spots, der sagt: „Ich merke gerade bei Sportlern immer wieder: Wenn die verstehen, worum es geht, dann engagieren sie sich richtig für einen Spot.“