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Die Fußball-Metapher: was man von 22 Goals über erzählenden Journalismus lernen kann

Wenn das Leben ein Menü wäre, wäre metaphorisches Denken für mich so etwas wie die Pizza: ein mehr als grundlegender Standard; eine immer integrier- und gleichzeitig ausbaubare Basis, die Voraussetzung für Vieles und Neues. Metaphorisches Denken gehört beinahe täglich auf den Tisch, es ist ein wichtiger Bestandteil für Kreativität (wie man im Ted-Talk von James Geary anhören und in der Anleitung zum Unkreativsein nachlesen kann) – und macht Spaß.

Wenn metaphorisches Denken die Pizza im Menü ist, ist die Fußballmetapher die Quattro Formaggi – meine Lieblings-Variante. Bilder und Vergleiche aus dem Sport und besonders aus dem Fußball nerven manchen helfen dabei, Dinge zu veranschaulichen – finde ich (Symbolbild: Unsplash). Und seit diesem Monat weiß ich auch genauer warum. Die Antwort habe ich in einem Podcast gefunden, den ich für unbedingt empfehlenswert halte. Er handelt wenig verwunderlich von Pizza vom Fußball und heißt 22 Goals.

Brian Phillips erzählt darin die Geschichte von 22 ikonischen Fußballtoren erzielt in WM-Spielen. Zwei Folgen sind bereits erschienen und ich freue mich jetzt schon auf alle weiteren Tore Folgen. Es sind kleine Geschichts-Stunden, die auf anschauliche Weise zeigen, wie erzählender Journalismus heute funktioniert: mit einem erzählenden Ich, das sich nicht in den Vordergrund drängt, aber der Geschichte einen Rahmen gibt. Voller Selbstreflektion und Humor, aber völlig ohne Nostalgie, teilt Phillips seine Begeisterung für den Sport, ohne parteiisch oder einseitig zu sein. Die Geschichten werden im Team erzählt (Phillips stellt am Ende jeder Folge alle vor, die mitgearbeitet haben) und verzichten auf jegliche Autoren-Glorifizierung, wie sie im alten Journalismus manchmal noch auftaucht.

Ich empfehle den Podcast aber aus einem anderen viel wichtigeren Grund. 22 Goals liefert eine wunderbare Erklärung dafür, warum Fußball-Metaphern so gut funktionieren – weil Sport uns hilft, Ordnung zu finden. In der ersten Episode sagt Brian Phillips:

Why do sports make us feel things? Here’s a theory. Because nothing is simple. It’s complicated. Life is hard, and messy, and clumsy, and ideas never line up with actions, and ideas never line up with other ideas, and you spill your smoothie in the car, and you wake up at three in the morning thinking about the embarrassing text you sent two years ago, and everyone you have ever loved is going to die, and your battery is on 2 percent, and you don’t even know why you told that lie. And I submit that no athlete in history has embodied the mess and confusion of being alive more consistently and more vividly than Diego Maradona.

But sometimes. Sometimes, on a soccer pitch, everything comes together in just the right way to make it look simple. Clear. Everything breaks your way for once. Everything works.

All das sagt Phillips über ein Tor, das mich auf besondere Weise berührt, weil ich es zum Einstieg in mein Kopierbuch nacherzählt habe. Nicht im Original von Maradona, sondern in der Kopie von Leo Messi, die die Unmöglichkeit überbot – indem sie sie wiederholte. Das Kopieren spielt auch in dem Podcast eine Rolle – aber ich will nicht zu viel verraten. Höre es dir an!