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Gegen die Panik

Als ich nach dem Angriff auf den Berliner Weihnachtsmarkt über Panik in Social-Media schrieb, kam Heiko Bielinski auf die Idee, den guten Vorsatz, mehr Social-Media-Gelassenheit zu üben, auf einer leicht verlinkbaren Seite zu bündeln. Und ehe ich mich versah, hatte Manuel Kostrzynski ein Design gefertigt für die Seite, die wir nach Sinn und Ziel

gegen-die-panik.de

nannten. Und jetzt stehen sie online: sieben Regeln für mehr Social-Media-Gelassenheit, die man sich vornehmen kann für den Fall, dass mal wieder Angst und Unsicherheit „viral gehen“. Man kann sich gegen-die-panik.de merken und sich und seine Freunde dran erinnern, wenn man vor lauter Aufregung gewillt ist, Gerüchte zu verbreiten. Lasst es sein. Denn:

Egal wie schlimm die Situation sein mag, ich werde nicht in Panik verfallen und selber dazu beitragen, dass Angst sich verbreitet. Das ist das zentrale Ziel von Terror: Angst und Hass zu verbreiten. Dem widersetze ich mich!

Gegen den Hass, gegen die Panik!

Die Kolleg*innen der Sendung hr2 Der Tag haben mich eingeladen, über Social Media in Zeiten des Terrors zu sprechen, nachzuhören hier ab ca 30 Min (MP3-Download). Um meine Gedanken zu sortieren, habe ich es hier aufgeschrieben.

Es zählt zu den angenehmen Eigenschaften der social-media-vernetzten Welt, dass man auch in unangenehmen Momenten und emotionalen Ausnahme-Situationen nicht alleine sein muss. Man kann sein Unwohlsein teilen, was den Schmerz in den meisten Momenten etwas lindert. Deshalb neigen Menschen dazu, in Eilmeldungs-Situationen den Austausch zu suchen. Früher geschah dies im direkten persönlichen Umfeld oder maximal telefonisch, heute geschieht dies zumeist auf den Geräten, die früher mal einzig Telefone waren – und heute als Schnittstelle zur ganzen Welt dienen.

Wer sich an die Anschläge vom 11. September in New York erinnern kann, weiß vermutlich auch noch, wen er oder sie kurz danach kontaktierte. Dieser zutiefst menschliche Reflex greift auch heute, er benutzt dabei aber ein ungleich größeres Publikationsspektrum. Egal, ob man geschlossene Messenger-Gruppen, den Facebook-Freundeskreis oder gar die Hashtag-Öffentlichkeit bei Twitter in Echtzeit adressiert: die eigene Kommunikation ist sehr viel folgenreicher als damals beim Eins-zu-eins-Telefonat.

Die Ereignisse vom Berliner Breitscheid-Platz erinnern uns daran, dass wir uns diese Folgen bewusst machen müssen, wenn wir in emotionale Ausnahmesituationen geraten. Und wenn es eine Sache gibt, die man schon wenige Stunden nach dem Abend des 19. Dezember sagen kann, dann dies: Wir müssen lernen mit den neuen Publikationsmethoden umzugehen. Wir müssen uns bewusst machen, wie die Mechanismen der Angst wirken und dabei das reflektierte Nachdenken bremsen. Kurzum: Wir müssen Social-Media-Gelassenheit in emotional-medialen Ausnahmesituationen trainieren!

Schon im September 2013 hat das amerikanische Medienmagazin „On The Media“ ein Handbuch für Terror-Fälle veröffentlicht. Darin sind zehn Regeln aufgelistet, an die man sich halten sollte, wenn Gerüchte, Falschmeldungen und Spekulationen die gesicherten Nachrichten überlagern. Die wichtigste Regel steht ganz am Ende, sie lautet: Be Patient! Bleib gelassen! und kann als Grundlage für alle anderen Aktivitäten in den Ausnahmesitationen gelesen werden:

Wie gesagt: Es hilft nicht, Menschen in angstvollen Situationen „Hab keine Angst“ zuzurufen. Aber ich bin überzeugt davon, dass es helfen kann, sich auf diese Situationen vorzubereiten. Die Rekonstruktion der Angst-Nacht von München im Juli dieses Jahres zeigt, wie Gerüchte und ungeübte Social-Media-Nutzung Panik anfachten und die Probleme noch größer machten. Wenn das passiert, schlägt der soziale Austauschreflex ins Gegenteil um: Er lindert dann keine Schmerzen, sondern vergrößert sie. Genau das ist das Ziel von Terror: Angst und Schrecken zu verbreiten.

Deshalb sollte man sich gegen die mediale Verstärkung des Terrors wappnen und ein Regelwerk im Kopf haben, an das man sich in aller Panik erinnern kann. In Anlehnung an die On the Media-Regeln könnte sich Social-Media-Gelassenheit in diesen Handlungweisen ausdrücken:

1. Bevor ich etwas veröffentliche oder an meine Freunde schicke, atme ich dreimal tief durch – und suche mindestens zwei verlässliche Quellen für die Informationen.

2. Ich verbreite keine Gerüchte! Ich halte mich nur an bestätigte Informationen und versuche mich von Spekulationen fernzuhalten. Besonders bei Accounts, die unverifiziert sind, keine Profilbilder haben und vorher noch nie etwas gepostet haben, frage ich mich: Und wenn das Gegenteil richtig ist?

3. Ich poste, retweete und verbreite keine Bilder und Filme, deren Herkunft ich nicht kenne. Ich bin mir bewusst, dass derartige Nachrichtenlagen Betrüger anziehen, die mit Absicht Fotomontagen und bewusste Lügen verbreiten. Ich unterstütze dies nicht durch unvorsichtiges Weiterverbreiten.

4. Informationen und Bilder, die im Zusammenhang mit der Tat stehen, übermittle ich der Polizei und mache sie nicht öffentlich. Besonders dann nicht, wenn sie die Menschenwürde der Opfer verletzen und den Tätern nützen.

5. Ich hüte mich davor, sofort Problemlösungen zu verbreiten. Ich kenne den Reflex des „kommentierenden Sofortimus“ (Bernhard Poerksen) und folge ihm nicht.

6. Das gilt auch für Meinungen über die mediale Berichterstattung bzw. für die Kommentare von Politikern, die bereits fertige Lösungen präsentieren. Ich verbreite keine einseitigen Schuldzuweisungen und gebe diesen auch durch Retweets und Zitate keine Bühne.

7. Ich bin mir bewusst, dass eine von mir verbreitete Information gerade bei Freunden als verlässlich wahrgenommen wird. Dieser Verantwortung meinen Freunden gegenüber versuche ich stets gerecht zu werden – und poste deshalb nicht unüberlegt.

8. Egal wie schlimm die Situation sein mag, ich werde nicht in Panik verfallen und selber dazu beitragen, dass Angst sich verbreitet. Das ist das zentrale Ziel von Terror: Angst und Hass zu verbreiten. Dem widersetze ich mich! Durch mein eigenes Verhalten trage ich vielmehr dazu bei, Social-Media-Gelassenheit zu verbreiten.

Mehr zum Thema:
>>> Der Kommentar Gegen den Hass von Heribert Prantl in der SZ
>>> Der erste Eintrag zum Thema Social-Media-Gelassenheit aus dem Januar diesen Jahres
>>> Warum wir uns den Mechanismen der Angst widersetzen sollten.

Tag der Menschenrechte: Digitales Exil

Heute ist Tag der Menschenrechte: Reporter ohne Grenzen haben sich dafür die Aktion Digitales Exil ausgedacht, die ich sehr gerne unterstütze. Dabei gebe ich Ray Mwareya auf meinen Social-Media-Accounts digitales Exil – d.h. ich poste für im Namen des Kollegen aus Simbabwe, der frei für das Global South Development Magazine und andere internationale Medien arbeitet. Da er in Simbabwe bedroht wird, lebt er in Südafrika. Um seinen Artikel Aufmerksamkeit zu bringen, aber vor allem auch um auf den Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit hinzuweisen, gebe ich Ray heute für ein paar Stunden Digitales Exil und dokumentiere dies hier.

#DigitalesExil für Ray Mwareya. Bitte lies jetzt seinen Artikel über die vergessenen mosambikanischen Gastarbeiter in der DDR bit.ly/2gUsOrh

#DigitalesExil für Ray Mwareya. Bitte lies jetzt seinen Artikel zu den verstoßenen Witwen in Mosambik bit.ly/2gbRjSz

Weil wir dich lieben: Wie die BVG dank Social-Media cool wurde

Peter Wittkamp „schreibt halbwegs witzige Dinge ins Internet“, so steht es auf seiner Autorenseite beim Verlag Kiepenheuer&Witsch. Seit einer Weile macht er das für die heute-Show und mit drei weiteren Social Media-Kollegenfür die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Über die Arbeit unter dem Schlagwort #weilwirdichlieben sprach er unlängst auf der Allfacebook, denn viele staunen darüber, wie es Peter und der Agentur Grüner und Deutscher geglückt ist, die Berliner Verkehrsbetriebe freundlich, lustig und cool zu machen. Konkrete Beispiele dafür gibt es auf der Seite dasbesteaussocialmedia.de

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Was macht Ihr für die BVG? Ist das klassische Werbung oder Marketing?
Das Wichtigste ist vielleicht: Wir machen einfach mal. Egal, ob das Werbung, Marketing, Service oder einfach nur ein kleiner Scherz ist. Hauptsache: Kreativ. Oder sinnvoll!

Und wie würdest Du Deinen Job bezeichnen: Content-Marketing-Journalist? Social-Media-Guru? Werbetexter mit Facebook-Wissen?
„Werbetexter mit Facebook-Wissen“ finde ich schon ganz gut. Zumindest für diesen Job. In meinen anderen Jobs (zum Beispiel: heute show online) geht es oft auch noch mehr um Humor und gar nicht mehr um Werbung. Da bin ich dann klassischer Texter beziehungsweise Gagschreiber.

Wie lernt man das? (Gibt es einen Ausbildungsweg, den Du empfehlen würdest?)
Puh, tatsächlich eher ein Job, der nicht viele gerade Wege, dafür aber eine Menge Seitengassen kennt. Ein Talent für Humor und Text ist wichtig. Und dann danach Ausschau halten, wo man das unterbringen und weiterentwickeln kann. Ich selbst habe auch schon recht viele unterschiedliche Sachen gemacht: Uni-Zeitung, Marktforschung, Social Media Konzepter, Kolumnist, Blogger, Buchautor … Irgendwann merkt man dann, wobei man am meisten Spaß hat – oder am meisten verdient. Oder, im Idealfall: Beides.

Wie lernt ein Unternehmen das?
Bei der BVG ist es vor allem so: Sie haben ein Kernteam von Menschen, denen sie vertrauen können. Also wäre das Learning: Wenn man ein sehr gutes Team hat, die auch mal lassen. Wir im BVG-Team haben vielleicht die größten Freiheiten eines Social Media Teams in Deutschland – und das merkt man dann. Da muss ich auch noch mal ausdrücklich die BVG loben, dass die uns so frei arbeiten lassen! Danke.
Was ich ganz gut finde ist das Bild einer Kantine:
Man kümmert sich als Unternehmen darum, dass dort ein Team arbeitet, dem man zutraut, jeden Tag was Schönes zu kochen … was aber dann auf dem Teller landet, ist denen vollkommen selbst überlassen. Ich denke, so geht es der BVG mit uns und unseren Inhalten: Die lassen sich überraschen, was es heute in ihrer Social Media-Kantine für leckere Postings gibt …Ab und an servieren wir auch mal was, was nicht jedem im Unternehmen schmeckt. Aber insgesamt kann man bei uns ganz gut essen, würde ich sagen.

Gibt es Vorbilder, an denen Ihr Euch orientiert?
Nicht einzelne Seiten oder Unternehmen im Speziellen. Aber wenn jemand etwas Kreatives, Lustiges oder Schönes macht, beobachten wir das und überlegen, ob man das adaptieren könnte.

Was ist Euer Ziel? Geht es um Likes oder Shares?
Es geht vor allem darum, kreativ und unterhaltsam zu sein. Alles andere kommt dann von selbst.

Und auf einer übergeordneten Ebene: Warum macht die BVG das?
Weil es 2016 natürlich sehr wichtig ist, online mit seinen Kunden zu kommunizieren. Und weil das erstaunlich gut funktioniert.

Bonus-Frage: Gibt es ein Unternehmen, eine Organisation, eine Firma, die das, was Ihr macht, gerade besonders nötig hätte?
Ach, ich will jetzt gar nicht jemanden an den Pranger stellen. Wir haben ja auch den Luxus, dass wir mit der BVG und dem Umfeld in Berlin eine Situation haben, bei der sehr viel möglich ist. Allerdings hören wir öfter mal auf Twitter den Wunsch von Kunden, dass anderer Unternehmen auch so lässig wie die BVG sind. Ich als freier Berater oder die BVG-Agentur Grüner und Deutscher beraten da gerne.

Mehr über Peter auf seiner Website, in diesem Interview, beim Virenschleuderpreis auf der Buchmesse – und in seinen empfehlenswerten Büchern „Die fünf schlechtesten Antworten auf: ,Ich liebe dich'“ und „Poste deine Darmspiegelung“

Du bist was du twitterst: In Social-Media geht es um Identität

Es ist Frühjahr 2016, die Zehn-Jahres-Feierlichkeiten um Twitter sind gerade vorbei gezogen. Ein guter Zeitpunkt, um an etwas (vermeintlich) sehr Einfaches zu erinnern: Du bist was du twitterst! Andreas Bock hat das bei 11 Freunde gerade am Beispiel von Philipp Lahm auf anschauliche Weise offen gelegt, „denn Philipp Lahms Twitter-Einträge lesen sich, als hätte sie ein Textroboter generiert, der vorher von Heribert Faßbender mit ein paar Fußballfloskeln gefüttert wurde.“

Der Fall Philipp Lahm liegt dabei inhaltlich etwas anders als die Tweets von Harry-Potter-Erfinderin JK Rowling, über die Heather Schwedel unlängst aber in gleicher Ausrichtung bei Slate schrieb:

Reading Rowling’s Twitter updates, it’s dispiriting to be faced with daily reminders that one of your former heroes is still tinkering with a world they thought you left behind perfectly preserved in childhood.

Es scheint vielen Menschen, die in Social Media für sich und ihre Produkte Aufmerksamkeit generieren wollen, nicht klar zu sein: Die Beiträge auf Twitter/Facebook/Instagram sind mehr als Werbepostings, sie formen ein Bild von der Person, unter deren Namen der Account läuft. Und dieses Bild kann schon bei einem dummen Beitrag Schaden nehmen – bei fortgesetzter Plattheit wird es nicht besser.

Foto via Unsplash https://unsplash.com/photos/omKdUQ9R3Zo

Foto via Unsplash https://unsplash.com/photos/omKdUQ9R3Zo

Das gilt übrigens nicht nur für Prominente, Chefredakteure oder Shopbetreiber. Das „Du bist was du twitterst“-Prinzip gilt für jeden, der Timelines (aktuell zum Beispiel) mit Böhmermann-Lob, Widerspruch für überdimensioniertes Böhmermann-Lob oder April-Scherze befüllt. In Social-Media geht es um Identität. Wir posten Inhalte wie wir Markenkleidung tragen. Beiträge oder Sneakers, Videos oder Pullis – es geht stets um Teilhabe und Abgrenzung, es geht darum möglichst beiläufig darüber zu informieren, wo man steht. Es ist hilfreich, stets daran zu denken, dass alle Jubel- oder Hass-Posts immer auch einen Meta-Klang in sich tragen, den man bei angemessener Social-Media-Gelassenheit heraushören kann und der sagt: Ich bin wie ihr oder (besonders gern genommen) Ich bin nicht wie ihr. (Dieses Prinzip gilt übrigens völlig unabhängig von politischer Ausrichtung oder vermeintlicher Eloquenz)

In den manchmal hitzigen Diskussionen derjenigen Social-Media-Nutzer, die in den Netzwerken sind, weil sie Spaß daran haben, merkt man dies manchmal nicht. In den Beiträgen derjenigen jedoch, die Social Media nutzen, weil es ihnen ein Berater, ein Ausrüster oder Sponsor nahegelegt hat, fällt dieser Meta-Klang viel häufiger auf. Was dann zu so absurden Accounts wie dem von Philipp Lahm führt. Andreas Bock kommt in seinem 11-Freunde-Text jedenfalls zu diesem richtigen Fazit:

Wenn man sich versehentlich alle 163 Tweets (Stand: 31. März 2016) von Philipp Lahm durchliest, (…) kommt man nicht umhin, sich vorzustellen, wie Philipp Lahm in der anstehenden Sommerpause aus dem Urlaub postet. Sätze wie: »Ich bin hoch motiviert in den Schwarzwald gefahren und werde alles dafür tun, meiner Mutter eine schöne Kuckucksuhr mitzubringen.«

10 Jahre Twitter: Mein Selbstversuch (aus dem Archiv)

Twitter wird heute 10 Jahre alt. #LoveTwitter heißt das als Hashtag. Und zum Jubiläum empfehle ich die Doku „Twitter – Revolution in 140 Zeichen?“ von Tim Klimes, die heute um 10 Uhr und heute nacht um 1.15 Uhr auf ZDFinfo läuft.

Außerdem habe ich zum Jubiläum einen Text aus dem Archiv geholt, den ich im Frühjahr 2009 über Twitter schrieb – in der Süddeutschen Zeitung. Damals wusste man noch nicht, dass BonitoTV ein Fake ist und man sah sich ständig mit der Frage konfrontiert, wofür der Quatsch eigentlich gut sei.

Meine Antwort – sieben Jahre alt und doch irgendwie noch passend:

Jetzt werde ich verfolgt. Und ich habe es sogar drauf angelegt, denn: Ich nutze Twitter. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Microblogging-Plattform. Auf 140 Zeichen kann man hier Texte, Statements, Beobachtungen notieren. Diese sogenannten Tweets werden für jedermann sichtbar im Internet veröffentlicht. Und wenn das einen anderen Twitter-Nutzer interessiert, kann dieser seine Lektüre öffentlich machen und wird zu einem Follower, verfolgt also das Verfasste. So simpel funktioniert Twitter. Das lohnt sich zu Beginn festzuhalten, denn in den vergangenen Wochen ist so viel und so wild über Twitter geschrieben worden, dass die Grundidee manchmal auf der Strecke blieb.

Dass diese Grundidee einfach, aber auch genial ist, davon bin ich nach ein paar Wochen Twitter-Selbstversuch überzeugt. Und ich will erklären, wie es dazu kam. Dabei bin ich mir bewusst, dass das nicht ganz leicht wird. Denn Twitter hat auf der einen Seite begeisterte Fans, denen jeder massenmediale Text über ihr Kommunikationsforum einem Angriff gleichkommt. Auf der anderen Seite sehen Kulturpessimisten in der Verknappung, die auf der Plattform gepflegt wird – die Welt passt in 140 Zeichen –, den nahenden Niedergang der Zivilisation. Beide Seiten werden enttäuscht sein von meinem Twitter-Lob. Beide Seiten werden in diesem Text vergeblich nach den gängigen Stichworten suchen: Ich verzichte auf Hudson River (als ein Flugzeug dort notwassern musste, fanden sich Meldungen dazu zunächst bei Twitter, dann erst in den Nachrichten-Agenturen), Dummheit (Spiegel-Online begann sein Interview mit Twitter-Gründer Evan Williams tatsächlich mit der sehr dummen Frage, ob Twittern dumm mache) und auch auf Winnenden (Reporter nutzten am Tag des Amoklaufs Twitter für zum Teil fragwürdige Kurzmeldungen).

Denn würde man diesen Text einem bei Twitter mittels # eingeleiteten Stichwort zuordnen wollen, wäre dies gewiss der Begriff „Small Talk“. Twitter ist nämlich in erster Linie ein hervorragendes technisches Werkzeug, um Small Talk im Internet zu führen. Wobei ich bewusst all die damit verbundenen vermeintlich negativen Eigenschaften wie Beiläufigkeit, Lockerheit und mangelnde Tiefe einschließe. Ja, Twitter ist der Ort für Befindlichkeiten und Plaudereien. Und ja: Wer das richtig zu nutzen weiß, wird Gefallen daran finden. Um das zu verstehen, muss man den Reiz des Verfolgens ergründen. Man kann bei Twitter neudeutsch followen, also die Mitteilungen eines anderen Nutzers mitlesen, und gefollowt werden, also öffentlich bekannt gelesen werden. Letzteres gilt als Ausdruck von Popularität und Bedeutsamkeit. Jedenfalls brachte der bekennende und auch deshalb bekannte Twitter-Nutzer Sascha Lobo (im Twitter-Jargon wäre der Name mit einem @ einzuleiten) seine Klage wortreich vor, als er unlängst von den automatisierten Nachrichten des News-Portals Spiegel-Online in Sachen Follower überholt und als beliebtester deutschsprachiger Twitterer abgelöst wurde.

Doch der tiefere Sinn des Verfolgens erschließt sich erst, wenn man selber followt. Dann erst wird aus der vielstimmigen Twitter-Masse ein tatsächlich melodisches Zwitschern, dessen Klang man selber bestimmen, weil auswählen kann: Auf der eigenen Startseite oder in Programmen wie Tweetdeck oder PeopleBrowsr liest man dann Meldungen und Kurzmitteilungen von wirklichen Freunden, von entfernten Bekannten oder von Menschen, für die man sich irgendwie interessiert. So ergibt sich ein Stimmungsbild, das einem Gespräch auf einer Party gleichkommt, auf der nur Menschen eingeladen sind, deren Meinung einen interessiert. Es mischen sich in meiner Twitter-Lektüre lustige Beobachtungen aus dem Backstage-Bereich von Harald Schmidt (@bonitoTV) mit den Notizen des britisch-kanadischen Autors Cory Doctorow (@doctorow) und den Statusmeldungen von wirklichen Freunden und guten Bekannten.

Gemeinsam ist all diesen Meldungen: Sie transportieren so wenig Inhalt, dass sie es nie zu einer Mail, einem Anruf oder gar einem persönlichen Gespräch geschafft hätten. Außerdem würden Schmidt und Doctorow mich vermutlich nicht anrufen, um mir zu sagen, dass ihr Lektor einen wirklich guten Job macht oder die Praktikantin gerade heißen Tee bringt.

Die Information auf Twitter heißt Andeutung. Ein Bekannter notiert eine Beobachtung am Flughafen, eine Nebensache wird so zur Meldung und seine Follower wissen: Er ist auf Reisen. Bei aller Inszenierung, die in diesen Tweets steckt: Schmidts Praktikantin oder der Flug eines Bekannten sind der Stoff, aus dem guter Small Talk entsteht. Scheinbar belanglos, beiläufig und unwichtig, aber dennoch informativ und – wenn gut gemacht – auch sehr unterhaltsam. So entstehen lesenswerte Dialoge aus Beobachtungen, die ohne Twitter unnotiert geblieben wären: Ein anderer Nutzer reagiert mittels eines Re-Tweets auf die Flughafen-Beobachtung und ergänzt – eingeleitet durch ein @, dem der Namen des Reisenden folgt – eine eigene Erfahrung.

Spätestens als ich diese Gespräche und Re-Tweets miterlebt hatte, war mir klar: Twitter macht Small Talk tatsächlich interessant. Denn das Tolle an diesem umfangreichen Angebot von Kurzmitteilungen ist, dass es einem hilft, den schlechten vom guten und gepflegten Small Talk zu unterscheiden. Und wo man nur Belanglosigkeiten hört, die einen interessieren, gewinnen auch diese plötzlich an Bedeutung.

Um das zu verstehen, muss man sich aber bei Twitter registrieren und anderen Nutzern folgen. Twitter funktioniert wie ein Telefon. Wer sich dem lediglich über die Startseite (also die Gesamtheit aller Gespräche) nähert, wird die unverständlichen Gesprächsfetzen zahlreicher Telefonate bemerken – und diese natürlich für belanglos halten. Wer aber versteht, dass Twitter ein Kommunikationsinstrument ist, dessen Wert durch den Austausch und nicht durch die Publikation entsteht, der ist schon sehr nah dran am Zauber der Plattform: Menschen führen Gespräche auf Twitter, wenn sie mittels Anwendungen wie Twitpic oder MobyPicture kinderleicht Fotos in ihre Tweets einbauen oder vom Blackberry oder vom iPhone aus ihre Beobachtungen und mehr notieren. Und das Gespräch zwischen Menschen war schon immer ein Antrieb für Neues. Schön, dass diese Gespräche hier als Antwort auf die Frage „Was machst du gerade?“ entstehen.
Eigentlich eine sehr einfache Frage, auf die es aber zum Glück unzählige Antworten gibt.

(aus der Süddeutschen Zeitung, 14.4.2009)

Zum Jubiläum kommuniziert Twitter erstmals Nutzerzahlen für Deutschland: 12 Millionen Menschen greifen nach Angaben von Deutschland-Chef Thomas de Buhr monatlich auf den Dienst zu, in dem ich persönlich diese fünf Lieblingsaccounts habe:

@dvg
@neueversion
@phaenomeme
@SZ_langstrecke
@SZ

Was wir meinen wenn wir voreilig über Infoflut sprechen

In der Dezember-Ausgabe von Brand eins gibt es ein Interview mit dem italienischen Physiker Carlo Rovelli. Darin wird er auch zur so genannten Info-Flut befragt. Ich finde bedenkswert, was er antwortet:

Die Menge an Informationen, die der Einzelne üblicherweise zu verarbeiten hat, ist größer geworden – vielleicht bringt uns das so in Atemnot?
Mag sein. Aber die Folge ist, dass die jungen Menschen heute viel mehr wissen als meine Generation damals. Sie überraschen mich mit ihren Kenntnissen, ihrem schnellen Denken, ihren Vorhaben und ihrer Offenheit. Sie haben mehr Mittel als wir damals, sie leben in einer größeren Welt. Das scheint mir sehr schön zu sein. Ich glaube auch nicht, dass das Internet die Fähigkeit vermindert, sich zu konzentrieren. Fernsehen und Zeitungen sind meiner Meinung nach schlimmer: Sie fördern eine passive Haltung – aber dafür ist der Mensch nicht gemacht, er will interagieren.

Sie denken also nicht, dass Twitter, Facebook und die anderen sozialen Netzwerke das Leben beschleunigen?
Das weiß ich nicht.

Das Ende des Durchschnitts – der Lauf zum Buch

Wenn ich erklären soll, was den Zauber von Social Media ausmacht, verwende ich gerne die kleine Tipprunde als Beispiel, in der ich seit Jahren mit tollen Kollegen Bundesliga-Endstände vorherzusagen versuchen (mit pesönlich mäßigem Erfolg). Wir tippen Fußballspiele und machen so aus dem allgemeinen Ergebnis eines Spiels ein soziales Erlebnis. Der Endstand einer Partie bekommt durch den sozialen Kontext der Tipprunde plötzlich eine besondere Bedeutung. Denn es wäre mir eigentlich egal, wenn Hoffenheim in der letzten Minute den Ausgleich in Ingolstadt erzielt – wenn ich nicht dadurch drei wichtige Punkte im Tippspiel eingebüßt hätte, weil der Treffer meinen Tipp zerstört…

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Diese besondere, persönliche Bindung an das Spiel ist durch die Vernetzung des Digitalen möglich. Sie steht für mich für das, was man Social Media nennt – Facebook, Twitter oder Instagram, die man gemeinhin mit dem Schlagwort Social Media gleich setzt, nutzen diese Vernetzungs-Möglichkeiten. Das Prinzip „Social Media“ geht aber über die Dienste hinaus, es ist das Prinzip des Netzwerkens, das Prinzip der Kontexte.

Aus dieser Perspektive drängt sich zum Beispiel die Frage auf, warum der Anbieter, auf dessen Plattform wir Woche für Woche Ergebnisse tippen, keine soziale Öffnung anbietet. Man kann lediglich in Tipprunden gegeneinander antreten, es ist allerdings nicht möglich das eigene Ergebnis in andere Kontexte zu übertragen – und z.B. auch mit Bekannten zu vergleichen, die in anderen Tipprunden tippen (oder ich habe das übersehen).

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Seit diesem Wochenende habe ich ein neues Bild, um den Zauber von Social Media zu beschreiben. Und wieder hat es mit Sport zu tun: Es ist ein Stadtlauf, der in allen Städten der Welt zur gleichen Zeit stattfindet. Die Macher nennen ihn den #Global5K, einen Lauf über fünf Kilometer, an dem angeblich über 230.000 Menschen weltweit teilnehmen – ohne dass sie sich sehen können, sich kennen oder an einem gemeinsamen greifbaren Ort sind (bei Twitter und Instagram dokumentiert) Die Distanz wird von einer App gemessen, deren Macher den Lauf veranstalten. Ein Lauf, der wie das Tippspiel über das objektive Ergebnis hinaus geht. Ein Lauf, der auf den Prinzipien von Social Media basiert und ein tolles Symbol ist für das, was ich Das Ende des Durchschnitts nenne. Denn es gibt nicht mehr die eine Start- und Ziellinie, die für alle gleich gilt. Es gibt unzählige Starts und Zieleinfläufe weltweit – verbunden sind alle Läufer durch die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung. Sie sind dadurch mess- und überwachbar, aber sie sind dadurch auch auf eine neue Weise verbunden.

Wenn man die Ambivalenz der neuen Möglichkeiten verstehen will, muss man verstehen, wie der Global5K sich von gewöhnlichen Läufen unterscheidet. Er schafft Das Ende des Durchschnitts, das die Massengesellschaft des 20. Jahrhunderts bestimmte – unter diesem Arbeitstitel recherchiere ich derzeit an einem Buch, das sich mit genau damit befasst: wie die Möglichkeiten der Personalisierung unsere Gesellschaft verändert.

Auch deshalb bin ich heute mitgelaufen.

Dazu muss man Folgendes wissen: Ich bin das, was Läufer einen Jogger nennen. Ein sporadischer Sportler, der keine neonfarbende Laufkleidung besitzt, sich aber gerne im Park bewegt. Als solcher nutze ich seit einer Weile die App, die u.a. mit Hilfe des genannten Events Menschen auf der ganzen Welt verbinden – und zu zahlenden Käufern ihres Premium-Angebots machen will. Das ist mir klar, wenn ich die Dienste der App nutze (u.a. Laufzeit, Tempo und Strecke aufzeichnen lassen). Und dennoch nutze ich sie mit großer Freude und war heute vormittag auch entsprechend enttäuscht, weil sich mein Start bei meinem ersten größeren Laufevent verzögerte: Mein Smartphone hatte GPS-Probleme, die App konnte nicht ermitteln wo ich bin – und folglich auch nicht messen wie schnell ich wo lang laufe.

Also lief ich ein wenig im Park, ohne dabei vermessen zu werden. Dann irgendwann (in der Nähe einer Straße) fand die App ein Signal und ich startete. Als ich einige Minuten später meine Geschwindigkeit kontrollieren wollte, traute ich meinen Augen nicht: ich war mit einem unfassbaren Tempo unterwegs. 17:55 Minuten hat mir die App für die fünf Kilometer bestätigt. Das macht eine Kilometer-Zeit von 3:34 Minuten. Das ist selbst für einen Jogger wie mich ziemlich gut.

Es ist aber vor allem: gelogen. Denn während ich lief, hatte die App erneut GPS-Probleme und kritzelte statt meiner tatsächlichen Laufstrecke eine merkwürdig gerade Linie ins Profil. Mir ist das klar, der App nicht. Sie hat die genannten Kilometerzeit gespeichert. Das ist schön, aber ziemlich weit von meinem tatsächlichen Tempo entfernt.

Da es mir aber nicht um die Geschwindigkeit, sondern um die Metaphorik des Laufs ging, war ich darüber nur mäßig enttäuscht. Denn die 3:34 Minuten beweisen vor allem, dass man blanken Zahlen nicht trauen darf. Ihr Kontext ist bedeutsam – der Kontext der Entstehung wie auch jener der Weiternutzung. Abstrahiert man dies von meinem kleinen Laufe heute vormittag, wird der Kontext zur zentralen Größe in unserem Umgang mit Daten und der Digitalisierung. Davon handelt das Buch, in dem ich darzulegen versuche, worin die Chancen aber auch die Trugschlüsse am digitalen Wandel liegen. Dabei wird auch der heutige Laufe eine Rolle spielen – denn zu allem Überfluss wird er nicht mal zählen. Denn als ich ihn speichern wollte, stellte ich fest, dass die Ankündigung der Macher („Laufen Sie am 6.12. fünf Kilometer“) erst ab 12 Uhr mittags galt.

Zu der Zeit war ich aber schon lange im Ziel …
(Hier gehts zum Buch)

Update: die App hat Ergebnisse veröffentlicht!

Edward Snowden auf Twitter – 10 Fakten

Seit heute ist Edward Snowden auf Twitter. Der Whistleblower, der 2013 den NSA-Skandal auslöste, postete um 18 Uhr seinen ersten Tweet. Innerhalb kurzer Zeit verbreitet sich der Beitrag – aber auch der Account @Snowden im Netzwerk. Weil ich mich für diese Mechanismen begeistern kann (z.B. im Phänomeme-Blog für die SZ), hier die zehn wichtigsten Fakten zu Snowden auf Twitter:

1. Spekulationen über Snowden auf Twitter gab es schon länger. Durch den Account @Snowden sind sie jetzt Realität. Da der Account seit längerem ungenutzt war, übertrug Twitter ihn an Edward Snowden.

2. Auslöser für Snowdens Twitter-Start war ein Interview, das er vor ein paar Tagen auf Startalkradio gab.

3. Moderator Neil deGrasse Tyson fragte ihn dabei, warum er eigentlich nicht auf Twitter sei:
Tyson: Du brauchst einen Twitter-Handle. Was hältst du von @Snowden? Wäre das was für dich?
Snowden: Das klingt gut, ich denke das sollten wir tun.
Tyson: Wir könnten Twitter-Buddies werden. Deine Follower werden auf jeden Fall das Internet, ich und die NSA sein.

4. Seit sechs Stunden folgen zahlreiche Menschen dem Account von Edward Snowden. Aktuell 613 Tausend.

5. Die NSA zählt allerdings nicht dazu. Obwohl Snowden selber nur einem Account folgt: http://twitter.com/nsagov

6. Snowden hat damit ein Twitterwachstum von rund 100.000 Follower in der Stunde.

7. Möglich wird dies u.a. durch ein Angebot wie MagicRecs. Dieser Account verschickt für den Fall Hinweise, dass innerhalb kurzer Zeit viele Accounts, denen man selber folgt, einem Twitter-Nutzer folgen.

8. Twitter selber hat dieses erstaunliche Wachstum in einer Grafik zusammengefasst:

9. Auf The Intercept schreibt Dan Froomkin, dass Snowden nun zu einer wichtigen Stimme in der Debatte um Überwachung und Privatsphäre werde.

10. Davon wird sicher auch die Freedom of Press-Foundation profitieren. In seiner Twitter-Bio („I used to work for the government. Now I work for the public.“) stellt sich Snowden als deren Director vor.

Die Loyalität des Bastian Schweinsteiger

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Bastian Schweinsteiger verlässt den FC Bayern. Der Fußballer, der 17 Jahre für den Verein in München gespielt hat, wird in der nächsten Saison bei Manchester United unter Vertrag stehen. Das ist – nicht nur in München – eine Meldung, die viel Interesse auf sich zieht. Medien berichten über den Wechsel und auch die Medienmacher der Marke Bastian Schweinsteiger wissen das für ihre Zwecke zu nutzen. Sie haben einen Beitrag Werbespot produziert, der die aktuelle Meldung aufgreift und sie geschickt monetarisiert.

Darin haben auch die beiden Sport-Reporter Schauspieler Sebastian Hellmann und Wolff-Christoph Fuss einen Auftritt: Man hört wie sie ein Fachinterview spielen, in dem der eine dem anderen erklärt, warum Schweinsteiger ein super Typ ist – außerdem prophezeit er selbst erfüllend, dass die Fans sicher kein Problem haben werden mit Schweinsteigers Wechsel nach Manchester.

Schweinsteiger selber packt in dem Clip seine Sachen, schaut (ganz uneitel) im Fernsehen Szenen an, in denen er selber zu sehen ist, kritzelt Notizen auf einen Zettel und setzt sich zum Abschluss einen Kopfhörer auf die Ohren. Das alles ist vorproduziert, er spricht kein Wort, man hört nur die Stimmen der Journalisten Werbedarsteller aus dem Off.

Schweinsteiger selber meldet sich unter dessen auf Facebook zu Wort

Liebe Fans, ich möchte mich bei euch für die unglaublichen gemeinsamen Jahre beim FC Bayern München bedanken!Dear Fans, after 17 incredible years at FC Bayern, 15 national titles, winning the historical triple and uncountable other highlights that I was fortunate enough to experience with my incredible team, all you exceptional fans and the co-workers at Säbener Straße and Allianz Arena, I have decided to take a new career step. This decision was very hard to make because you and FCB have, are and will always be an extremely important part of my life. Nevertheless, I would like to again gain experience at a new club. My destination is Manchester United. I hope you understand my decision. No one can take away the incredible journey we had together. #MiaSanMia

Posted by Bastian Schweinsteiger on Sonntag, 12. Juli 2015

… und bedankt sich bei seinen Fans. Auf Facbook und auf seinen anderen sozialen Kanälen finden sich übrigens auch Fotos, die ihn mit den im Clip beworbenen Kopfhörern zeigen. Dass es ein anderes Modell ist, ist vermutlich dem Stress der vergangenen Tage geschuldet. Deshalb blieb wohl auch keine Zeit irgendetwas an der Homepage des Fußballers zu ändern: Dort stehen noch immer Trainingstermine des FC Bayern verlinkt. Aber die Homepage hat offenbar keine Priorität im Medienspiel des Bastian Schweinsteiger.

Ich habe das unlängst mal am Beispiel von Mario Götze notiert: Fußballer werden selber zu Medien. Im Falle von Schweinsteiger sieht man nun, wozu das führt:


… Sie nutzen aktuelle Aufmerksamkeits-Peaks um Werbung zu platzieren, die ganz anders daherkommt als klassische Spots alter Prägung
… Sport-Reporter spielen in diesem Spot mit – um sie authentisch wirken zu lassen und das Image des Fußballers zu heben: „Wenn man was nicht in Frage stellen kann, dann ist das die Loyalität von Bastian Schweinsteiger“, sagt der objektive Journalist Wolf-Christoph Fuss in dem Clip. Lässt allerdings offen, wem gegenüber Schweinsteiger loyal ist – und was er selber unter Loyalität versteht.
… Sie nutzen ihre eigene Reichweite um ihr Image zu bauen. Schweinsteiger spricht seine Fans direkt – ohne Umweg über klassische Medien – via Facebook an. Die Homepage hat dabei keinerlei Priorität.
… Die Verbindung zum Gegenstand der Werbung (Kopfhörer – „An deiner Seite“) ist in Schweinsteigers sozialen Kanälen klar erkennbar, er postet die Werbung aber nicht selber. Wegen des guten Timings übernehmen das schon andere (so wie ich hier) für ihn.


Update:
Christopher weist auf den Zusammenhang zu LeBron James hin.

Update 2: Bei Sport1 gibt es einige Hintergründe zum Ablauf der Werbung, die offenbar in einem Hotel in Köln (sic!) gedreht wurde (Hinweis von Thorsten Poppe)

Update 3: In der SZ gibt es in Interview mit dem Regisseur des Spots, der sagt: „Ich merke gerade bei Sportlern immer wieder: Wenn die verstehen, worum es geht, dann engagieren sie sich richtig für einen Spot.“