Alle Artikel in der Kategorie “TV

Kommentare 0

loading: Shelfd

„Die Mediatheken sind voll“ steht über dem Eintrageformular für den Newsletter, den Shelfd wöchentlich verschickt. Er bringt Übersicht in das Angebot der Mediatheken. Für dieses Angebot haben die Filmfreunde von Shelfd gerade ein Crowdfunding auf steady gestartet – und schon die Hälfte des Ziels erreicht.

David Streit hat den loading-Newsletter beantwortet

Was macht ihr?
Wir empfehlen Videos aus den Mediatheken, die man nicht verpassen darf. Seit Ende 2015 ist unser wöchentlicher Newsletter mit den besten kostenlosen Spielfilmen, Dokumentationen und Serien auf über 5.000 Abonnenten angewachsen. Das freut uns riesig! Vor zwei Wochen haben wir mit Shelfd.com nun erstmals ein eigenes Zuhause für unsere Streaming-Tipps gelauncht. Im Feed findest du immer die neuesten Videos.

Warum macht ihr es (so)?
Als Film-Nerds lieben wir gute Unterhaltung! Aber weil einem immer mehr Inhalte zur Verfügung stehen, haben wir erkannt wie wichtig ehrliche Empfehlungen sind. Darum behalten wir für unsere Lesern und Besuchern die deutschen Mediatheken im Blick und helfen bei der Vorauswahl. Das wöchentliche Newsletter-Format ist deshalb besonders spannend, weil die meisten Filme ja bereits nach ein paar Tagen wieder aus der Mediathek verschwinden.

Wer soll sich dafür interessieren?
In einer Umfrage unter unseren Lesern haben wir erfahren, dass viele den Überblick auf Shelfd schätzen. Wir decken eben nicht nur einen Film-Geschmack oder einen Sender ab, sondern haben von allem etwas. Die Tipps sind tagesaktuell und wir erübrigen das lange Durchstöbern der vollen Mediatheken.

Wie geht es weiter?
Unser nächster Schritt ist die Individualisierung: unterschiedliche Tipps für jeden Nutzer. Unter Shelfd.com/Beta-Liste kann man sich schon für den ersten Testlauf ab Mitte Juni bewerben. Danach sollen Nutzer auch eigene Regale mit Video-Empfehlungen pflegen können. Shelfd soll den Zugriff auf Medien vereinheitlichen und beim Entdecken von neuen Inhalten helfen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass die Sender ihren schlechten Ruf nicht verdienen. Die ARD-Mediathek bietet zum Beispiel viel mehr als den letzten Tatort an. Die echten Highlights verstecken sich aber oft in Kategorien wie „Film-Mittwoch im Ersten“. Wir wollen ein Umdenken in den Köpfen der Menschen anstoßen: Auf Shelfd zeigen wir, was sie eigentlich alles für ihren Rundfunkbeitrag bekommen.

>>> Hier das Projekt Shelfd auf Steady unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Kommentare 1

Der Monat, in dem das Fernsehen starb (Digitale April-Notizen)

Dieser Text ist Teil der April-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Er ist Geheimagent im Auftrag seiner Majestät. Er ist körperlich durchtrainiert und technisch perfekt ausgestattet. Kein noch so aussichtsloser Auftrag ist zu kompliziert für ihn: Daniel Craig ist der aktuelle James Bond-Darsteller. Daniel Craig ist ein Mann für unlösbare Aufgabe und deshalb schafft Daniel Craig beim Fernsehen sogar das hier: Eine Szene wiederholen.

Eine deutschlandweite Plakatkampagne wirbt derzeit dafür. Testimonial Daniel Craig sitzt dabei in grüner Strickjacke auf dem Sofa und zielt mit einer Fernbedienung in Richtung des Zuschauers. Denn für James Bond, sagt dieses Plakat, ist „nichts leichter“ als eine Szene zu wiederholen.

Ich musste den Blick aufs Plakat mehrfach wiederholen. Zu unglaubwürdig erscheint mir die Kampagne. Die Fallhöhe zwischen testosteron-getränkter Männlichkeit einerseits und Banalität der Aufgabe andererseits wirkt auf mich als würde James Bond sagen: „Eine Banane ohne Schale essen? Nichts leichter als das“.

Diese Kampagne rückt nicht die Superkräfte des Geheimagenten ins Blickfeld, sondern seine fehlende Gegenwart. Nicht nur Netflix oder Amazon Prime scheinen ihm unbekannt, auch die Mediatheken nutzt er offenbar nicht. Dieser Geheimagent lebt so selbstverständlich in einer einzig linearen, klassischen Fernsehwelt, dass er sie sogar zum Maßstab für sein Handeln erhebt.

Dies trifft aber natürlich nicht nur auf das Werbetestimonial Daniel Craig zu. Es trifft vor allem auf diejenigen zu, für die diese Werbung gemacht ist. Es scheint in diesem Land noch eine Menge Menschen zu geben, die staunen, wenn jemand behauptet, er könne eine Szene im Fernsehen wiederholen. Im Bild mit der Banane heißt das: Mit dem Entfernen der Schale kann man offenbar tatsächlich Leute beeindrucken.

Ich finde das interessant, weil diese merkwürdige Kampagne in den gleichen Monat fällt, der für mich als derjenigen in Erinnerung bleiben wird, in dem klassisches Fernsehen für mich starb. Die Abschaltung des DVB-T-Signals markiert für mich den Zeitpunkt, an dem ich aufgehört habe, die Art von Fernsehen anzuschauen, bei der man keine Szene wiederholen kann.

Es ist erwähnenswert, sich diesen Monat zu merken. Denn in nicht allzu ferner Zukunft wird sicher jemand fragen: Wann haben wir eigentlich aufgehört auf die Weise Fernsehen zu schauen wie unsere Eltern es getan haben? Ich weiß, was ich dann antworten werde: Im April 2017 – als das DVB-T-Signal abgeschaltet wurde.

Dass ich in diesem Monat auch von den Plänen von Mark Zuckerberg las, brachte mich dazu, diesem Text einen über mein eigenes Fernsehverhalten hinaus deutenden Titel zu geben. Die New York Times zitiert den Facebook-Chef mit den Worten: „Denken Sie an all die Dinge, die uns umgeben, die nicht zwingend physische Objekte sein müssen. Statt ein TV-Gerät für 500-Dollar zu kaufen, kann man sich Fernsehen auch in einer App für einen Dollar vorstellen.“

Zuckerberg bezieht sich damit auf eine Form der erweiterten Realität, die er in Facebook mit Hilfe einer Kamera erschaffen will. Pokemon-Go-Spieler kennen das Prinzip der so genannten augmented reality aus eigener Anschauung. Facebook will diese Technologie in einer Art nutzen, die ich im Metabuch als Ende des Durchschnitts beschreibe. So skizziert Zuckerberg die Idee einer freien Wand, die erst durch den Blick durch die Facebook-Kamera einen Inhalt freilegt – womöglich abhängig von denjenigem, der durch die Kamera blickt. Auf das eingangs zitierte Plakat übertragen, kann das heißen: Auf der Werbefläche könnten unterschiedliche Motive angezeigt werden – abhängig davon, wer vor das Plakat tritt.

All das befindet sich noch im Planungsstatus und es gibt nicht wenige, die behaupten, Zuckerberg werde sich damit nicht durchsetzen. Für meinen Blick auf „Fernsehen“ im April 2017 ist dieser Teil aber fast unbedeutend. Denn wann es kommt und von wem es zuerst eingeführt wird, ist nachrangig im Vergleich zu dem Ausblick auf das, was Fernsehen einmal sein kann – nach seinem Tod im April 2017.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Bon Valeur, Elektrischer Reporter und 140 Sekunden – meine Würdigung

Ein journalistisches Format zu etablieren, hat mal irgendwer gesagt, ist mindestens so kompliziert wie ein Restaurant zu betreiben. Ich weiß nicht mehr von wem dieser Vergleich stammt. Aber die Chancen stehen nicht schlecht, dass ich ihn hier an dieser Ecke in der Münchner Innenstadt zum ersten Mal gehört habe. An den Tischen des Bar-Restaurants mit den großen Fenstern habe ich jedenfalls über unzählige journalistische Formate, Projekte und Ideen gesprochen. Und vielleicht ging es dabei auch mal um das Eröffnen von virtuellen und greifbaren Räumen.

Über Jahre lag das Bon Valeur nämlich nicht nur gegenüber der vermutlich zentralsten Münchner Innenstadt-Tankstelle, es war vor allem nur wenige Schritte von der Redaktion entfernt, in der bis Mitte der Nuller Jahre das jetzt- und das SZ-Magazin gemacht wurden. Wir gingen nach Feierabend nicht selten in das Restaurant, das durch Fenster (riesig), Lage (irre zentral), Haltung (ein Hauch von Bar) und Speisen (anfangs nur vegetarisch) auf eine unaufgeregte Art ausstrahlte, was München damals nur mit großer Anstrengung erreichte: Urbanität.

Lieblingskneipe

Ein von Dirk von Gehlen (@dvg) gepostetes Foto am

Ich saß hier mit Kolleginnen und Kollegen, die heute zu den besten Journalist*innen des Landes zählen. Wir tranken Bier aus Flaschen und taten, was mich bis heute nicht loslässt: Wir sprachen über Journalismus und wie man ihn verändern müsse, damit er unterhaltsam, sinnstiftend, begeisternd oder zumindest profitabel bleibt. Hier erfuhr ist von Jobwechseln und Buchideen, hörte die ersten Ideen zum Bezahlmodell der SZ und konzipierte den Pitch-Film für die neue Version. Wir erfanden Kolumnen und ganze Magazine, diskutierten über Blogs und Bildsprache und erlebten im Schein der gelb beleuchteten Tankstelle den Zauber dessen, was Journalismus für mich immer noch ausmacht: die Überraschung, das Neue und die schlichte Begeisterung für eine gute Idee.

Es gab eine Zeit vor etwas mehr als zehn Jahren, da saß ich so häufig an dieser Ecke, dass mir der Kellner wortlos ein Bier hinstellte, wenn ich mich setzte. Doch bevor ich bemerkte, dass das Bon Valeur mir auf die charmanteste Art zur Stammkneipe geworden war, war der freundliche Kellner irgendwann nicht mehr da, die Redaktion zog um und ich saß nur noch selten hinter den großen Fenstern.

Ich erinnere mich an all das, weil das Bon Valeur dieser Tage schließt und damit den Impuls bei mir auslöst, darüber zu bloggen. Denn genau für solche Texte hat man doch ein Weblog. Texte, in denen man schreibt, weil man persönlich betroffen und verbunden ist. Das gilt (Disclosure!) weit weniger für das Bon Valeur als für die beiden journalistischen Formate, deren Ende erstaunlicherweise auch in diesen Sommer fällt:

elrep

Der Elektrische Reporter hat unlängst seine letzte Folge (in dieser Form) gesendet. Aus dem tollen Videoformat, das Mario Sixtus 2006 quasi auf eigene Faust erfand, wurde im Laufe der Jahre für mich ein beständiger Begleiter, der eine ähnliche Besonderheit war wie das Bon Valeur in der Münchner Innenstadt: der ElRep – wie Experten-Zuschauer ihn nannten – ist neben Breitband im Deutschland Radio einer der Orte gewesen, an dem man sicher davon ausgehen konnte, dass kein Quatsch über die Digitalisierung verbreitet wurde. Das war – zumindest vor zehn Jahren – ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Digital-Journalismus. Was einiges über die deutsche Debatte zum Thema sagt – und die Qualität von ElRep und Breitband keineswegs schmälert.

Im ElRep lief 2011 zum Beispiel ein Bruce Stering-Interview, das mir persönlich Inspiration war für das, was ich dann später Kulturpragmatismus nannte. Aber nicht nur die angelsächsischen Vordenker*innen kamen neben dem orangefarbenen Hemd von Mario Sixtus zu Wort, der Elektrische Reporter stellte auch deutschsprachige Projekte vor (2012 durfte ich sogar selber mal das stilprägende Pappschild in die Kamera des Elektrischen Reporters halten). Und ganz nebenbei wurde der Elektrische Reporter dann auch die Heimat des wunderbaren Tweet-Video-Projekts „140 Sekunden“, das ich nicht nur sehr schätze, weil ich mit seinem Erfinder Tim Klimes auch schon an Bon Valeur Tischen saß (seine Produktionsfirma verantwortet auch das Format 15 Minutes of Fame, an dem ich mitwirken darf)

ElRep und die 140 Sekunden wird es – wie das Bon Valeur – in dieser Form nicht mehr geben. Das ist schade, aber – wer weiß – vielleicht eröffnet dies auch die Möglichkeit für Überraschungen, Inspirationen und gute neue Ideen. Bevor diese zünden, halte ich kurz inne und würdige die journalistischen Formate und das Bar-Restaurant.

Beides über Jahre so erfolgreich zu führen – hat mal jemand gesagt – ist ein beachtliche Leistung!

Netflix, Sky, House of Cards und die Bedeutung von Gifs



Es ist ein einfacher Link auf eine Twitter-Konversation aus Anlass des Starts der vierten Staffel von House of Cards. Und doch steckt in diesem Tweet des deutschen Netflix-Accounts und der Antwort von Sky-Deutschland so viel Digitalisierung, dass es sich lohnt kurz innen- und festzuhalten, was gerade passiert (und nicht nur, weil dafür die von mir sehr geschätzten animierten Gifs zum Einsatz kommen)

Darum gehts: Die äußerst populäre Serie „House of Cards“ ist eine Netflix-Eigenproduktion, die in Deutschland allerdings nicht bei Netflix zu sehen ist, sondern bei Sky. Der große amerikanische Streaming-Dienst verkaufte zum Start der Serie vor vier Jahren die Rechte für den deutschen Markt an Sky – vermutlich weil man annahm, mehr Geld einzunehmen als wenn man die Serie auch den deutschen Zuschauern selber zugänglich macht. Diese Rechte-Thematik bekam größere Aufmerksamkeit, weil Netflix zur Durchsetzung dieser Länderrechte einen Umweg zu schließen vorgibt, über den deutsche Netflix-Nutzer die Serie bisher dennoch auf Netflix gucken konnten. Alle Hintergründe zur VPN-Sperre hier.

Das lernen wir:


1. Netflix-Deutschland kommunziert die Schwäche seines eigenen Angebots auf ein offene und sympathische Art und Weise. Der Tweet mit dem animierten Gif sagt indirekt: „Sorry liebe Kunden wir haben vor vier Jahren einen Fehler gemacht, würden wir heute nicht wieder so machen. Bleibt uns trotzdem treu.Dieser Tweet widerspricht in ALLEM der Verschweige-Kultur klassischer Öffentlichkeitsarbeit, die darauf ausgerichtet ist, Fehler zu verschweigentuschen als sie zuzugeben. Netflix macht es trotzdem.


2. Bei Sky freut man sich offenbar so sehr darüber, dass man das Produkt „House of Cards“ im Angebot hat, dass man aus lauter Überheblichkeit all das falsch macht, was Netflix richtig macht: wieder ein einfaches Gif, allerdings gedankenlos gepostet. Frank Underwood schlägt die Tür zu – dem Kunden vor der Nase. Das ganze ist als Antwort an Netflix gedacht, muss aber (auch) als Botschaft an den Zuschauer verstanden werden. Indirekt sagt dieses Gif: „Du kommst hier nicht rein. Diese Tür ist zu.“ Dabei müsste doch das Gegenteil im Interesse von Sky sein: diejenigen Netflix-Kunden zu gewinnen, die gerade nicht gucken können.

3. Nun kann man sagen „Also bitte, das ist doch wohl egal! Sky wirbt all überall damit, dass sie „House of Cards“ im Angebot haben. Da sollte man einen einfachen Tweet doch bitte nicht überbewerten.“ Das glaube ich gerade nicht. Die Bedeutung von Gifs (und von Social-Media-Kommunikation in Gänze) steckt ja genau in dieser Beiläufigkeit, die riesige Bedeutung erlangen kann: Eine zugeschlagene Tür ist für mich wichtiger als zahlreiche Plakate, ein eingestandener Fehler ist sympathischer als das Vertuschen.

4. Das ganze Thema ist aber noch aus einem anderen Grund sehr lehrreich, denn die VPN- und Ländersperren-Debatte hat eine Auseinandersetzung überlagert, die noch vor wenigen Jahren mit erstaunlicher Inbrunst geführt wurde: jene über Urheberrechtsverletzungen! Die Älteren werden sich erinnern: es ist nicht lange her, da wurde im Zusammenhang mit amerikanischen Serien vor allem darüber gesprochen, dass die bösen Nutzer alles umsonst gucken wollen. Dass eine schlimme Generation heranwächst, die mindestens für das Ende der Kultur verantwortlich zu machen ist – und der mit aller gebotenen Härte das Internet abgeschaltet werden muss. Aus heutiger Sicht wirkt diese Debatte unfassbar, denn aktuell diskutieren Mitglieder genau dieser verkommenen Generation die Frage, welchen VPN-Anbieter sie bezahlen sollen, um im Angebot von Netflix (das sie ebenfalls bezahlen) die Serie gucken zu können, die sie mögen.

5. Es ist also keinesfalls der Verkommenheit der Internet-Nutzer oder gar der digitalen Kopie an sich anzulasten, dass Anbieter Probleme mit der Distribution ihrer Inhalte haben. Es liegt vielleicht eher daran, dass diese lieber ihren potenziellen Kunden die Tür vor der Nase zuschlagen, als deren erkennbares Interesse aufzunehmen. Kevin Spacey sagt zum Abschluss des fiktiven Werbespots für seinen Seriecharakter Frank Underwood. „Man sagt: Wir kriegen die politischen Führer, die wir verdienen. Ich glaube: Amerika verdient Frank Underwood.“ Bleibt die Frage: Wer verdient eigentlich welche Kunden?

mm-s1-facebook-timeline-nologo-850Weiterlesen: Lena Jakat auf jetzt.de zur Bedeutung der Serie, Juliane Leopold auf Kleiner3 „Warum ich heute zum Zombie werde“ und Sara Weber zur VPN-Thematik bei der SZ und auf den Digitalen Notizen, dieser Beitrag über eine ähnliche Situation zum Start der sechsten Staffel von Mad Men

Bin ich jetzt im Fernsehen?

Pädagogen überall auf der Welt versuchen es ihren Schülerinnen und Schülern beizubringen: das Internet ist ein öffentlicher Ort. „Was du hier postest, kann weite Kreise ziehen.“ Das weiß man natürlich und doch ist man einigermaßen überrascht, wenn das eigene Sonntagnachmittag-Foto plötzlich im TV zu sehen ist.

Es geht um dieses Bild, das ich am Sonntag auf Instagram mit dem Hashtag #herbst postete. So kam das Bild auf 24 „Gefällt mir“-Herzen, aber auch ins Sichtfeld des Morgenmagazins. Dort konnte man es am Montag um kurz vor neun Uhr bundesweit in ARD und ZDF sehen – als Bebilderung für einen kleinen Schwatz zum Ende der Sendung:

Im Bild sieht man ein Instagram-Logo und durch das, was die Moderatorin sagt, entsteht der Eindruck, ich habe das Bild eingeschickt. Das ist nicht der Fall. Ich habe es öffentlich ins Netz gepostet und dabei den Nutzungsbedingungen von Instagram zugestimmt, damit „gewährst du Instagram hiermit eine nicht-exklusive, vollständig bezahlte und gebührenfreie, übertragbare, unterlizenzierbare, weltweite Lizenz für die Nutzung der Inhalte, die du auf dem oder durch den Dienst postest.“

Deshalb habe ich auch kein Problem damit, dass das Foto plötzlich im Fernsehen auftaucht. Ein Problem habe ich damit, dass sie den kleinen See im Nymphenburger Schlosspark als Teich bezeichnen – und dass ich eher durch Zufall von meinem Fotografen-Ruhm erfahren habe. Sie hätten ja mal vorher Bescheid sagen können…

Instagram

TV-Tipps: YouTube und Remix-Museum

Zwei Fernsehtipps für die nächsten Tage: Heute abend wird das Remix-Museum auf Arte vorgestellt. Für ihre Wissenschaftsformat X:enius haben Caro Matzko und Gunnar Mergner mich ins Lenbachhaus nach München eingeladen. Dort haben wir über das Vergessen im Internet und vor allem über den Zauber der Meme gesprochen.

arte_museum

Dabei durfte ich das Remix-Museum vorstellen, das Leonhard Dobusch, Thea Dymke, Georg Fischer, Anett Holzheid, Lorenz Gilli, Susanne Regener, Katharina Mosene, Katharina Meyer, Till Kreutzer und Moritz Jacobs ins Leben gerufen haben, um für ein neues Urheberrecht und für ein Recht auf Remix zu werben.

Deshalb schauen wir uns im Münchner Museum den Meme-Teil des (virtuellen) Remix-Museum an – und lassen Ziegen Bon Jovi singen. Auch den Harlem Shake gucken wir an.

Den wiederum hat Tim Klimes bereits für das Format 15 Minutes of Fame ins Fernsehen gebracht. Seine zweiteilige Dokumentation Die YouTube-Story läuft dieser Tage ebenfalls im Fernsehen: Am morgigen Mittwoch (5. August) um 20 Uhr auf ZDFinfo und am 12. August 2015 um 00:00 im ZDF. Die X:enius-Folge übers Remix-Museum läuft heute abend um 17.55 Uhr auf Arte (und hier im Netz)

Jung, cool, lustig sein

Als Ende der 1990er Jahre die erste Sendung von TV Total ausgestrahlt wurde, war Stefan Raab jung, cool und lustig. Das ZDF war ein verschnarchter alter Sender. Beides gilt womöglich noch heute. In der gestrigen Folge von TV Total hat Stefan Raab aber bewiesen, dass es realistischer ist, dass das ZDF nicht mehr verschnarcht ist als dass Raab noch cool und lustig ist.

Raab nimmt die Erstausstrahlung des neuen Nachrichtenformats heuteplus vom ZDF zum Anlass (hier die Einschätzung von Stefan Niggemeier) um sich über etwas lustig zu machen, was gar nicht zu sehen ist. Er tut so als sei diese Nachrichtensendung in irgendeiner Weise anbiedernd, verkrampft jugendlich oder irgendwie gewollt oder gespielt und deshalb peinlich. heuteplus ist allerdings vor allem eins: gegenwärtig. Das führt dazu, dass die fünf Minuten Spott, die Raab über das ZDF, heuteplus-Moderator Bröckerhoff und den Namen der Sendung verbreitet vor allem zeigen, dass Raab offenbar ein Problem mit gegenwärtigem Fernsehen hat.

raabbroekerhoff

So bleibt der lustigste Witz, den Raab landen kann, einer über die Frisur der Moderators (sic!). Alle anderen Witzchen beziehen sich auf Projektionen, die Raab vorgibt und dann als peinlich „entlarvt“. Das ist quälend und man wird den Eindruck nicht los, dass er das irgendwie selber merkt – aber einfach drüber hinweg moderiert.

Vielleicht ist das aber auch nur eine stille Hoffnung, die aus der Zeit stammt als Raab noch gegen alte Herren ankämpfte, die zu lange den immer gleichen Kram auf den Bilderschirm brachten. Heute ist er selber einer davon – was Jan Böhmermann (übrigens auch ein ZDF-Moderator) Anfang 2014 schon eindrucksvoll bewiesen hat.

Journalismus zum Lachen

Wer ein einmütiges Kopfnicken herbei führen will, sollte in einer Gruppe sich modern verstehender Journalisten den Namen „John Oliver“ fallen lassen. Sofort nickt es los. Denn seine Sendung „Last Week Tonight“ gilt bei vielen Kolleginnen und Kollegen als gute Kombination aus den Faktoren Recherche, Sprache und Witz. Spätestens seit seiner Sendung über Netzneutralität wird er auch hierzulande so ausgiebig geliked, dass durchaus erkennbar ist, wo Jan Böhmermann sich für seine „Eier aus Stahl“-Rubrik inspirierte.

In dieser Woche zog John Oliver einige Aufmerksamkeit auf sich, weil er Edward Snowden in Moskau interviewte. Eine Tätigkeit, die eher Journalisten als Komikern zuzuschreiben ist. Und so verwundert es auch nicht, dass der unlängst verstorbene David Carr den Journalisten Komiker Oliver schon im November 2014 mit der These konfrontierte, dass seine Sendung eine neue Form des Journalismus sei. John Oliver verneinte dies damals entschieden:

“We are making jokes about the news and sometimes we need to research things deeply to understand them, but it’s always in service of a joke. If you make jokes about animals, that does not make you a zoologist. We certainly hold ourselves to a high standard and fact-check everything, but the correct term for what we do is ‘comedy.’ ”

Das brachte ihm wiederum den Einwurf des Time-Magazin ein, dass er selbstverständlich ein Journalist sei. Ein im Kern mittelspannendes Hin und Her, das aber auf ein wichtigeres Thema verweist, auf die Frage nämlich welche Wege Journalismus sich in einer sich verändernden Medienwelt sucht.

Schon im Fall von Buzzfeed konnte man die Frage aufwerfen: Ist das Journalismus? Im Fall von John Oliver – oder hierzulande bei Böhmermann und der Anstalt ist sie ebenfalls mit „ja“ zu beantworten. Es ist eine sehr unterhaltende Art des Journalismus – eine, die sich dem Kampf um Aufmerksamkeit stellt. Der Kollege Christian Helten beschrieb das unter dem Titel „Witze sind die neue Nachrichten“ mal so:

Als Zuschauer weiß man irgendwann: Bei „Last Week Tonight“ kann ich mich zehn Minuten amüsieren. Und gleichzeitig lerne ich meistens etwas Relevantes, das ich noch nicht wusste.

Die ZDF-Satiresendung Die Anstalt am 31. März machte sich zum Beispiel die Mühe, Informationen, die durchaus auch in anderen Medien verfügbar sind, auf eine Art aufzubereiten, die so greif- und teilbar ist, dass sie Emotionen weckt und nutzt. Darüber kann man streiten, dass dieses Mittel dem Journalismus aber nicht fremd ist, kann man in jeder mittelguten Reportagen nachlesen.

Schon auf den Medientagen 2013 sagte Richard Gutjahr: „Das härteste politische Nachrichtenformat im Fernsehen ist derzeit die heute-show im ZDF“, und er schob nach: „Und das macht mir Angst.“ Angstvoll muss man das meiner Meinung nach nur dann betrachten, wenn andere davon nicht lernen. Und die Gefahr sehe ich vor lauter nickender Journalisten im Fall von John Oliver nicht.

Reden wir übers Urheberrecht

Wer hätte gedacht, dass das Bild des urinierten Jogginghosen-Trägers, den Martin Langer 1992 in Rostock beim Hitlergruss fotografierte, mal zum Anlass für eine neue Debatte übers Urheberrecht werden könnte. Die Chance sehe ich jedenfalls in der kleinen Auseinandersetzung, die sich gerade um die Verwendung des Fotos entzündet hat.

Jan Böhmermann hatte es getwittert und wurde anschließend von einer Kanzlei im Auftrag des Fotografen abgemahnt. Das jedenfalls erzählt er in einem ausführlichen Facebook-Post.

Halb-, Voll- und Hobby-Juristen fühlen sich seitdem berufen, Jan Böhmermann öffentliche Nachhilfestunden in Sachen Urheberrecht zu geben: „Gerade ein Medienmensch wie Böhmermann sollte doch wissen, dass das Urheberrecht auch im Internet gilt„, doziert ein Abendblatt-Autor. Das ist fein gesagt, hilft aber natürlich überhaupt nicht. Denn die Chance, die sich durch diese Debatte ergibt, liegt ja gerade darin, dass Jan Böhmermann sein Unverständnis und Nicht-Verstehen um Urheberrechts-Gesetzestext und Realität im Netz offenlegt.

Um es im Duktus des Abendblatts zu sagen: Wenn sogar ein Medienmensch wie Böhmermann nicht mehr richtig durchsteigt, was geht und was erlaubt ist, sollten wir vielleicht mal über die Ausgestaltung des Urheberrechts sprechen – statt einfach nur darauf hinzuweisen, dass es existiert.

Vielleicht lädt Böhmermann demnächst einfach mal Julia Reda ein – und womöglich kommt dann auch Sven Regener, der hat ja seit 2012 noch sein Engagement für eine konstruktive Lösung offen.


Update:
bei Netzpolitik hat sich Leonhard Dobusch die Mühe gemacht, auszuformulieren, was ich mit dem Link auf den Regener-Brief nur angedeutet habe. Er hat ausformuliert, wie eine urheberrechtliche Lösung für den Böhmermann-Fall aussehen könnte:

Für derartige Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken in sozialen Netzwerken braucht es eine spezifischere – und zweifellos pauschalvergütete – Ausnahmebestimmung in Form einer Bagatellschranke. Anbieter von sozialen Netzwerken würden dadurch zur Zahlung einer pauschalen Vergütung dafür verpflichtet, dass es im Rahmen der gewöhnlichen Nutzung ihrer Dienste ständig – und unvermeidbar – zur nicht-autorisierten Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte kommt. Die Verteilung dieser Vergütung würde wie in solchen Fällen üblich durch Verwertungsgesellschaften erfolgen.

Update 2: Ich habe einen Nachtrag gebloggt.

Internet-Filme auf ZDFinfo

Am 11. Januar jährt sich der Todestag von Aaron Swartz zum zweiten Mal. ZDFinfo zeigt aus diesem Anlass die deutsche Fassung des Films The Internets Own Boy, den ich sehr empfehlen kann. „Tod eines Internet-Aktivisten“ heißt der Film auf deutsch – und steht hier in der Mediathek.

Im Jahr 2013 hat der Kollege Johannes Boie in der SZ diesen Nachruf auf Swartz geschrieben. David Pachali hat den Film für irights.info besprochen.

internetsownboy

Ebenfalls in der ZDF-Mediathek steht übrigens gerade auch der Pirate Bay Film „TPB-AFK“ – ebenfalls in einer deutschen Fassung. Hier zum Anschauen.

Auf ZDFinfo läuft übrigens auch das Format „15 Minutes of Fame“, an dem ich mitwirke