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Kontexte brechen: Wie Internet-Meme die Remixkultur demokratisieren – und jetzt auch das Fernsehen verändern

Im Rahmen der Eröffnung des Remixmuseum Anfang Mai in Berlin wurde auch das Buch “Generation Remix” vorgestellt, das Valie Djordjevic und Leonhard Dobusch zusammengstellt haben. Neben Beiträgen von Cornelia Sollfranck, Till Kreutzer und Lawrence Lessig enthält “Generation Remix” auch einen Text von mir, den ich hier dokumentiere – weil das Buch jetzt auch als Print-Version erhältlich ist.

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Es gab mal eine Zeit, da wurde Fernsehen, das frech sein wollte, vor allem mit Hilfe von ahnungslosen Passanten gemacht. Moderatoren, die von der Kritik anschließend als „respektlos“ bezeichnet wurden, lauerten ihnen auf und stellten merkwürdige Fragen. Dieses Prinzip hat sich weitgehend überlebt – Fernsehen, das wirklich als frech gelten kann, bedient sich heute bei Methoden des Web, genauer gesagt: bei Internet-Memen.

Respektlosigkeit gilt dabei nicht mehr dem ahnungslosen Passanten auf der Straße, sondern dem Kontext. Mit dem zu spielen, ihn zu verändern und zu zerstören ist oberste Pflicht und Freude der Remixkultur, deren populärste und drängendste Form sich aktuell im Netz findet. Unter dem von Richard Dawkins geprägten Begriff der Meme ist eine digitale Ausprägung der Volkskunst entstanden, die den Remix demokratisiert hat. Der Biologe Dawkins übertrug schon in den 1980er Jahren die Idee der Gene auf die Welt der Ideen und Trends. Als Internet-Meme beschreibt man deshalb Inhalte, die sich schnell und wie von alleine durch das Netz bewegen. Sie werden kopiert, verändert und so schnell weitergereicht, dass man nicht mehr sagen kann, wer sie eigentlich erfunden hat. So wie der Ostfriesenwitz in der analogen Welt in immer neuen Spielarten weitererzählt wurde, finden sich heute ständig neue Meme im Netz: Bilder, Sätze oder Töne, die in neue Zusammenhänge gestellt und von den zu Nutzern gewandelten Zuschauern weitergereicht werden. Jeder kann zum Sender werden – das ist der bedeutsame Antrieb für die virale Verbreitung von Memen. Wie mächtig diese für die jüngste Form der Popkultur sind, sieht man zum Beispiel daran, dass das Fernsehen sie nun entdeckt.

In Amerika nutzen Late-Night-Talker wie Jimmy Kimmel oder Jimmy Fallon das Prinzip des kalkulierten Kontext-Bruchs und seiner viralen Verbreitung schon länger für ihre Fernsehsendungen. Kimmel sorgte zum Beispiel 2013 mit einem inszenierten Twerking-Video für sehr große Aufmerksamkeit. Der Fernsehmoderator inszenierte dabei einen Unfall einer jungen Frau, die beim aufreizenden Po-Wackeln (Twerking) sehr kunstvoll stürzt und dabei Feuer fängt. Die Bilder des vermeintlichen Missgeschicks verbreiteten sich in hoher Geschwindigkeit durchs Netz. Menschen sahen die missglückte Tanzeinlage, adaptierten sie zum Teil und teilten sie in sozialen Netzwerken. Die Filmsequenz wurde zum animierten Gif kondensiert. In diesem Retro-Format werden bewegte Bilder leicht teilbar gemacht und so auf erstaunliche Art geadelt. Als der professionell erstellte, aber zufällig wirkende Youtube-Clip die Grenze von zehn Millionen Aufrufen überschritt, löste Fernsehmoderator Kimmel auf, dass er hinter dem Tanzfilmchen steckt. Er hatte die Stuntfrau Daphne Avalon beauftragt und mit ihr gemeinsam die Weböffentlichkeit an der Nase herumgeführt – man könnte sagen gehackt.

„Wir haben das Magische passieren lassen“, kommentierte Kimmel anschließend nicht ohne Selbstlob. Und in der Tat war ihm etwas Besonderes geglückt: Er hatte keine ahnungslosen Passanten in der Fußgängerzone in die Irre geführt, sondern mit den gängigen Mechanismen der Web-Öffentlichkeit gespielt. Das ist auch deshalb spannender, weil es das Risiko des Scheiterns in sich trägt. Es war aber erst der Anfang: Während der Winterspiele in Sotschi hackte Kimmel gemeinsam mit der US-amerikanischen Rennrodlerin Kate Hansen nicht nur das Web, sondern auch das Fernsehen selber. Hansen hatte in seinem Auftrag einen Film ins Netz gestellt, der vermeintlich ihren Hotelflur in Russland zeigt, auf dem ein freilaufender Wolf zu sehen ist. Nachdem zahlreiche Sender den Clip der Sportlerin gezeigt hatten, löste Kimmel auf: Die Szene wurde in seinem Studio mit dem dressierten Wolf Rugby gedreht. Allein der Auflösungsclip brachte es auf fast zwei Millionen Aufrufe im Netz.

Im deutschen Fernsehen adaptiert eine Sendung diese Prinzipien am besten, die Jan Böhmermann nicht durch Zufall gerne als „im zweiten deutschen Internet“ anmoderiert: Das von ihm gestaltete „Neo Magazin“ im ZDF-Spartenkanal „ZDF neo“ bedient sich kenntnis- und facettenreich der Mem- und Remixkultur. Böhmermann verwendet nicht nur oberflächlich durch einen wöchentlich wechselnden Hashtag zur Sendung die Mechanismen des Web, er hat vor allem deren Grundbedingungen verstanden: den Kontextbruch. Die beiden vermutlich populärsten Szenen der ersten Staffel des Neo-Magazins sind als direkte Referenz auf Jimmy Kimmel und als Hochamt der Remix- und Memkultur zu lesen. Zunächst versammelte Böhmermann für seine „Hymne auf die 90er“ bekannte Akteure des Jahrzehnts zu einem musikalischen und popkulturellen Remix auf vier Minuten Länge. Dabei werden nicht nur unterschiedliche Songs verbunden und vermischt, der Clip ist selber so reich an Referenzen und Adaptionen auf die Popkultur der 1990er Jahre, dass er eine eigene wissenschaftliche Untersuchung rechtfertigen würde. Noch bekannter wurde aber Böhmermanns Hack der Pro7-Sendung „TV Total“ von Stefan Raab. Hier gelang es den Machern des Neo-Magazins, eine vermeintliche Sequenz aus dem chinesischen Fernsehen in Raabs Sendung zu schmuggeln. Es handelt sich um eine Kopie des Formats „Blamieren oder Kassieren“, das in „TV Total“ von Elton moderiert wird. Die angebliche Kopie aus China moderiert ein asiatisch aussehender Mann, der von albernen Stofftieren unterstützt wird. Die erfundene Sequenz wurde im Programm von Pro7 gesendet und Raab und Elton spielten sie als „Blamielen odel kassielen“ nach. Dass Raab – der mit der Verwendung von Filmschnipseln, die er in neue Kontexte übertrug bekannt wurde – sich dabei selbst blamierte, machte den Fernseh-Hack nur noch lustiger. Böhmermann löste die Remixattacke eine Woche später in seiner Sendung auf.
Die Referenz zu Jimmy Kimmel ist klar erkennbar und sie steht für eine Tendenz, die Vertreter der reinen Lehre der Memkultur durchaus mit Sorge betrachten: Die Massenkultur des Fernsehens beugt sich mit großem Brennglas über die Remixkultur der Netznischen. Das mag entzündend wirken, kann aber zu einem Ausbrennen der ursprünglichen Ansätze führen. Zumal diese einen Teil ihrer Motivation stets auch daraus zogen, eben nicht von der Popkultur des Mainstream verstanden zu werden. Wie eine Geheimsprache wurden Formulierungen oder Begriffe zum Erkennungszeichen derjenigen, die Bescheid wissen. Das geheime Wissen um Katzenbilder oder Slang-Ausdrücke wird nun von der Massenkultur des Fernsehens aufgesogen, die lediglich die Idee von Straßenfegern des Schwarz-Weiß-Fernsehens auf die Kultur der Timelines übertragen wollen.

Dabei geht es bei der Remixkultur der Mem-Welt um viel mehr als um Reichweite. Wie in jeder Form der Populärkultur geht es um Identität, Teilhabe und Verstandenwerden. Distinktion funktioniert in dieser Form aber nur bis zu einer bestimmten Grenze. Wird diese überschritten, muss man neue Nischen finden, die nur den Wissenden bekannt sind. Das führt zum Beispiel dazu, dass es in dem bekannten Webboard reddit mittlerweile eine „true reddit“-Abteilung gibt. Sozusagen ein „Früher war alles besser“ des Web.

Dass die Wege aber vermutlich kaum dorthin zurück führen, gilt fürs Web wie fürs TV. Die Aufgabe der Zukunft ist es vielmehr, die Demokratisierung der Remixkultur zu begleiten. Denn dadurch, dass allen gleichermaßen die Möglichkeiten zum Kontextbruch zur Verfügung stehen, befinden sie sich nun auch im Portfolio der Werbeindustrie. Diese folgt der Verlockung der Reichweite, die in der viralen Verbreitung steckt, und begibt sich damit auf spannendes Terrain. Denn außer der Chance, dass viele zu Sendern der eigenen Botschaft werden, bietet das Remix-Web für die Werbenden eben auch das Risiko des Kontrollverlusts: Wo viele zu Sendern werden, werden auch viele zu möglichen Remixern – die Botschaften rekombinieren und rekontextualisieren und Werbetreibende auch sehr ärgern können. Wenn man so will: Die Rache der Web-Passanten am frechen Fernsehen der Vergangenheit.

genremix Der Text stammt aus dem Buch “Generation Remix” von Valie Djordjevic und Leonhard Dobusch (Hrsg.). Die Bezüge zur Netz-Kultur stammen aus dem Blog Phänomeme, das ich für die Süddeutsche Zeitung betreibe. Hintergründe zu der Idee Recht auf Remix und dem virtuellen Remix-Museum gibt es auf den Seiten. Im Phänomeme-Blog habe ich zudem einen Text geremixt, der sich mit der wachsenden Bedeutung der Meme befasst.

Urheberrecht und Geistesgestörte

Die Debatte um das Urheberrecht ist etwas abgekühlt und hat auch an Humor verloren. Kurz vor der Europawahl kann man nochmal daran erinnern, dass die Acta-Debatte europäische Urheberrechtspolitik erst vor wenigen Monaten in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit brachte.

Nicht ganz so prominent, aber nicht weniger interessant ist ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt, das gerade für urheberrechtliche Aufmerksamkeit sorgt: Im Fall der bereits verstorbenen Psychologin Helen Schucman geht es um die Urheberschaft an Texten, die dieser von Jesus Christus in aktiven Wachträumen diktiert wurden. So jedenfalls stellte Schucman den Schaffensprozess dar. “Das machte sich ein deutscher Verein zunutze”, schreibt Spiegel Online. “Er übernahm Passagen aus dem Buch mit der Begründung, dass Schucman ja selbst angegeben habe, nicht die Urheberin zu sein – sondern eben der Heiland.”

Das Gericht kam zu einem anderen Ergebnis: “Schucman sei gesetzlich als Urheberin anzusehen”, schreibt lto.de, “nicht lediglich als Gehilfin oder Schreibkraft. Es komme nämlich nicht auf den geistigen Zustand des Verfassers an, sondern auf den tatsächlichen Schaffensvorgang, den “schöpferischen Realakt”, führte das Gericht aus. Daher könnten auch Geistesgestörte, Hypnotisierte und in Trance befindliche Personen Urheber sein.”

Mehr zum Thema auch beim Guardian

Mit Musik Geld verdienen: die Streaming-Rechnung

An dem Tag, dem Google Unbegrenzten Musikgenuss für 7,99 Euro im Monat ankündigt, hat sich eine spannende Diskussion anhand dieses Artikels im Wall Street Journal entwickelt: es geht um die Frage, wieviel Künstler durch Spotify verdienen. Wir erinnern uns: Thom Yorke hatte dieses Thema im Sommer aufmerksamkeitsstark verbreitet, als er ankündigte, Spotify zu boykottieren weil Künstler bei diesem Dienst kaum Geld verdienen würden. Die Geschichte von Grizzly Bear und eine Wortmeldung von David Byrne aus dem Winter 2013 gingen in ähnliche Richtung.

Nun legen die Rechnungen auf Basis aktueller Zahlen von Spotify etwas offen, was in den Wortbeiträgen kaum betont wurde: Es gibt noch Mittelsmänner zwischen Spotify und den Künstlern. Mit Blick auf die geringen Einnahmen von Grizzly Bear rechnet das WSJ vor:

Sie hätten für 10.000 Streams ihrer Songs nur 10 Dollar bekommen. Laut den nun veröffentlichten Statistiken von Spotify wären für 10.000 Streams 60 bis 84 Dollar fällig.

Der weitüberwiegende Teil der Gelder, die Spotify auszahlt landen also gar nicht bei den Musikern, sondern bei den Rechteverwertern. Tim Renner weist auf diese Rechnung auf seiner Facebook-Seite hin und kommentiert:

die Labels verdienen heute schon mehr an Spotify oder Downloads als an der CD. Das liegt daran, dass die von den Plattformen gezahlten Preise bereits verhandelt sind (man also nicht wie beim Listenpreis der CD Rabatte, Bonus und Discount abziehen muss), die GEMA, Storage, Shipping, Billing iTunes, Spotify und Co übergeholfen wurden und Herstellung, Retourenabwicklung gänzlich entfällt. Beispiel: 12,90 Liste (CD) – 20% Künstler (dem nochmal mindestens 20% Packaging abgezogen – ergo 16% netto)= -2,06 Euro/ -25% durchschnittlicher Bonus, Rabat, Discount für den Handel = – 3,23 Euro / knapp 1 Euro GEMA, mehr als 1 Euro für Herstellung, Shipping, Billing,Storage, Retourenabwicklung0 -2.- Euro. Ergo 5,61 als Deckungsbeitrag 2 fürs Label. Bei Download/Streaming sieht die Rechnung so aus= 6,80 – 20% Künstler (dem nochmal mindestens 20% Packaging abgezogen werden – ergo 16% netto) = -1,08 Euro. Da alle weiteren, analogen Kostenfaktoren wegfallen, bleiben dem Label 5,72 Euro übrig -> ALSO MEHR ALS BEI DER CD. Gearscht ist nur der Künstler, der statt 2,06 nur noch etwas mehr als die Hälfte erhält…

System Failure

Gestern ist eine neue Folge der tollen Serie Everything ist a remix online gegangen. Kirby Ferguson befasst sich darin mit dem System Failure dessen, was das Urheberrecht mal wollte und dem, was es heute ist.

Damit endet die vierteilige Serie, die sich sehr detailliert mit Fragen des Immaterialgüterrechts in Zeiten der Digitalisierung befasst. Mich hat diese Arbeit sehr beeindruckt, sie hat mir in einigen Punkten neue Perspektiven aufgezeigt und ich habe mit Freude von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Kirbys Arbeit mit einer Spende zu unterstützen.

Da sich die USA in einem Wahljahr befinden, startet Kirby Ferguson jetzt ein Projekt zum Präsidentschaftswahlkampf, das er über Kickstarter finanzieren will und das den Titel This is not Conspiracy trägt:

Referenzkultur: Thom Yorke is a Single Lady

Radiohead sind wieder da. Ja, das ist die Band, deren 2007er Album In Rainbows mit einem neuen Vertriebsmodell von sich reden machte. Jetzt gibt es ein neues Album, das heißt The King of Limbs und lässt das Web Kopfstehen.

Noch spannender finde ich aber, was das Web mit dem Video zur ersten Single macht:

Darin tanzt Radiohead-Chef Thom Yorke. Und zwar so schön (hier die Erklärung der Schritte vom NME), dass sein Tanz nun auch zu vielerlei anderer Musik zu sehen ist. Das bekannteste Beispiel: Das Netz verheiratete den tanzenden Thom mit “Single Ladies” von Beyonce. Das muss sehr toll sein. In Deutschland können wir es nicht beurteilen, das Video ist hier gesperrt (mehr zum Thema Geoblocking bei jetzt.de):

Es muss aber so toll sein, dass viele viele Menschen dem Beispiel folgen. Unter dancingthom.tumblr.com kann man sich eine Auswahl schöner Filme ansehen, die das tun, was ich Referenzkultur nenne: Sie verbinden das Yorke-Video mit anderen Inhalten. Sie tun das mit großer Begeisterung (wie die Twitter-Suche zu Yorke dance beweist) und sie tun es, weil es eine gegenwärtige Form der Partizipationskultur ist. Wer selber ein Mashup aus dem tanzenden Thom und neuer Musik online stellt, macht damit das, was Musikfans schon immer mit Musik machten: Er oder sie schreibt sich in einen größeren Kontext ein, nimmt teil an einem Gemeinschaftserlebnis. Sozusagen der digitalen Entsprechung zu einem Konzert, bei dem viele in eine rhythmisches Klatschen einfallen und sich daran erfreuen, dass sie so viele sind. Genauso beispielen die Mashups des tanzenden Thom den digitalen Raum.

Auf einmal spüren wir, dass wir viele sind.

P.S.: Hier kann man das Mashup auch ohne Länderkennung sehen.

Urheberrecht 2011

Es wird keine Lösung zum sogenannten Online-Piraterie-Problem geben, solange wir immer noch 50 Jahre alte Gesetze und 20 Jahre alte Geschäftsmethoden anwenden wollen. Der heutige User will schon lange keine „Copies“ mehr, er will unbeschränkten Zugang, auf allen Plattformen, jederzeit („best screen available“). Der Künstler lebt bald (oder schon immer?) nicht von seinen „Rights“, sondern von seinem Publikum und seiner Marktrelevanz. (…) 2011 wird sich endlich der Trend zu einen Legalisierung des digitalen Contents im Internet auch politisch stark manifestieren und wir werden erhitzte Diskussionen über neue Lizenzstandards (angefangen mit einer Public License für digitale Musik) erleben. (…) Ein legaler digitaler Markt für Content bei dem 99 Prozent der Bevölkerung aktiv mitwirken, und bei dem die Vertriebs- und Marketingkosten um bis zu 70 Prozent fallen könnten, ist in jedem Fall besser als ein Markt bei dem 2-5 Prozent der Konsumenten überteuerte Content-Produkte mit eingebauten Software-Schlössern kaufen. Diese Erkenntnis wird sich 2011 auch endlich auf politischer Ebene durchsetzen – 3 Strikes wird zu 3 Laughs.

In der t3n-Umfrage zu den Trends des Jahres 2011 gibt Gerd Leonhard einen erstaunlichen Ausblick auf das sich ändernde Urheberrecht.

Nochmal Diebstahl

Wir müssen nochmal über den Diebstahl in der digitalen Welt reden. Denn dieses Beispiel aus dem angelsächsischen Sprachraum zeigt, dass die Debatte nicht einzig zwischen Sascha Lobo und Marcel Weiss läuft, sondern von grundlegender Bedeutung ist. Es geht um eine Auseinandersetzung zwischen Matt Asay und Glyn Moody, die sich an diesem Beitrag von Asay für TheRegister entzündete. Darin schrieb er:

I don’t mean to diminish the wrong nature of stealing software. Theft is theft and should be punished.

Moody reagierte darauf mit den benannten Argumenten und schrieb in einer Mail an Asay:

Calling copyright infringement “theft” really plays into the hands of organisations like the BSA that put out these deliberately misleading studies. “Theft” is an emotive word that biases the reader against the people involved. If you call it “copyright infringement”, and note that copyright is a time-limited, state-granted *monopoly* – and I think everyone accepts that monopolies are generally bad things – then copyright infringement simply means infringing on a monopoly.

Asay reagierte mit einer Mail, woraufhin Moody ein Blogpost mit dem Titel “Sharing: Theft or Duty?” veröffentlichte, das lesenswert ist und zu diesem Schluss kommt:

After all, this is not some abstract issue. Currently, billions of people in developing countries cannot access huge swathes of transformative, liberating knowledge because of copyright laws, or are denied life-saving medicines because of drug patents. Being able to share is literally a matter of life and death.

Zuspruch für diese These gibt es übrigens aus erstaunlicher Richtung: vom 80-jährigen Filmemacher Jean-Luc Godard!

Shields in Wired

I believe in copyright, within limited precincts. But I also believe in fair use, public domain, and especially transformation. Are you simply pirating someone’s work and calling it your own, or are you taking portions of it and remaking it? Artists have done the latter from the beginning of time. In many senses, creativity and “plagiarism” are nearly indivisible.

Bei Wired gibt es ein Q&A With New Champ of Literary Mashups, d.h. ein Interview mit David Shields, den ich nicht müde werde zu loben und zu empfehlen. In dem Gespräch weist Shields auf diese “very kitschy” Form der Mashup-Kultur namens Pogo hin:

via

Public Domain

The public domain, as we understand it, is the wealth of information that is free from the barriers to access or reuse usually associated with copyright protection, either because it is free from any copyright protection or because the right holders have decided to remove these barriers. It is the basis of our self-understanding as expressed by our shared knowledge and culture.

Die European Public Domain Association setzt sich für das Konzept das am ehesten mit der Gemeinfreiheit vergleichbar ist ein.

(via)