Alle Artikel mit dem Schlagwort “greenday

Lob der Kopie: Kanadische Band erfindet ein neues Album der Band „Greenday“

Die Brüder Braedon und Riley Horbacio und ihr Kumpel Ian Willmer sind Fans der Band Greenday. Die drei stammen aus Winnipeg (Kanada) und hatten eine originelle Idee: Sie kopieren Greenday – aber mit Songs, die es noch gar nicht gibt. Die Seite Ladbible nennt es einen Prank und hat dem Video, das schon seit Dezember im Netz steht, nochmal einen viralen Schub gegeben. Über den Newsletter von Johnny Haeusler ist der Clip dann auch bei mir gelandet und ich schließe mich Johnnnys Urteil an, der schreibt: „Inzwischen nennt die Band das Ganze “A Green Day Fan Fiction”, und ich finde das alles sehr schön.“

Ich würde sogar noch weiter gehen, denn die Aktion ist nicht nur schön, es handelt sich um eine herausragende Kunstaktion, die uns eine Menge über den Zauber der digitalen Kopie und den Wert von Meta-Daten erzählt. Denn Panicland (so heißt die Band der drei Jungs) zeigen mit diesem vermeintlich geleakten Album wie sehr Kunst davon abhängt, wie auf sie reagiert wird. Die besondere Kraft dieser Aktion erwächst nämlich daraus, dass die drei Greenday so gut imitieren, dass die Fans tatsächlich glauben, Magnum Opus of the Inglorious Kind sei ein neues Album der Band Greenday. In meinem Buch „Mashup – Lob der Kopie“ komme ich genau wegen solcher Aktionen zu dem Schluss:

Was wir für ein Original halten, hat mindestens ebenso viel mit dem Prozess der Entstehung und seinem oder seinen Schöpfern zu tun wie mit dem Prozess der Rezeption und Einordnung. Die Konstruktion des Originals gelingt also nur, wenn es auch Rezipienten gibt, die es als ein solches wahrnehmen wollen. Ich pläddiere deshalb dafür, mit der Vorstellung vom objektiv genialen Kunstwerk zu brechen. Originalität, Kreativität und vielleicht sogar Genialität entstehen immer im Auge des Betrachters. Es sind Prozesse der Zuschreibung, über die diese Begrifflichkeiten konstruiert werden. Ich halte diese drei Aspekte für zentral, um den Begriff des Originals neu zu verstehen: Dieses ist kein binär zu unterscheidendes solitäres Werk (1), sondern ein in Bezüge und Referenzen verstrickter Prozess (2), und seine skalierte Originalität beruht immer auf Zuschreibungen und Konstruktionen (3), die man mit ihm verbinden will. Ich halte diese veränderte Herangehensweise nicht nur aus intellektuellen oder künstlerischen Gründen für notwendig, sondern aus politischen. Denn mit Matt Mason verstehe ich das Mashup als politisches Instrument, als Form von „ultimativer Demokratie, offen für unbegrenzte Kritik, Neu-Interpretationen und Weiterentwicklung“.

Oder anders formuliert: Es geht um die Frage, wie ein zeitgemäßges Urheberrecht aussehen kann, das mit der Kopie arbeitet nicht gegen sie.