Alle Artikel in der Kategorie “Radio

loading: The Other Side

Abonniere eine Radiosendung – so kann man das Crowdfunding von The Other Side auf Steady übersetzen. Yannic Hannebohn und Thibaud Schremser produzieren den Popfeuilleton-Podcast bereits seit 2014. Jetzt suchen sie einen neuen Finanzierungsweg.

Yannic (im Bild rechts) hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Thibaud und ich produzieren „The Other Side“*, das ist ein Popkultur-Podcast, der die Hoch- bis Nerdkultur abdeckt. Wir sind aber nicht allein, sondern mittlerweile eine Plattform von jungen Radioautor*innen. Denen bieten wir die Möglichkeit, innovative Ideen bei uns im Podcast umzusetzen. Der Kern des Podcasts ist ein gut vorbereitetes Interview mit einer richtig interessanten Person.

Warum macht ihr es (so)?
Als wir 2014 während des Studiums in Weimar gestartet sind, wollten wir beide ganz einfach was Eigenes moderieren. Das Magazin haben wir damals von einer französischen Autorensendung adaptiert (wir sind beide Halbfranzosen). Gleichzeitig haben wir uns gefragt, warum es in Deutschland so wenige richtige Autorensendungen gibt und auch so wenige Experimente. Über die Folgen hinweg haben wir immer mehr Autorinnen und Autoren gewonnen, mit denen wir eigene Erzählformen entworfen haben. Deswegen stehen bei uns im Podcast auch die Personen im Vordergrund.

Wer soll sich dafür interessieren?
Menschen, die auf Künstler*innen und Kultur stehen, aber von 0815-Radioformaten genervt sind.

Wie geht es weiter?
Wir brauchen finanzielle Unterstützung, damit wir uns die Arbeit zeitlich leisten können. Deswegen brechen wir unsere starre einstündige Form auf und werden mehr „snackable“, bis genug Kohle da ist, wieder ein komplettes Magazin zu produzieren. Das erste Ziel ist ein Hundert Euro Schein pro Interview. Dafür haben wir uns einen Monat gegeben. Wenn wir das hinkriegen, kaufen wir uns Stück für Stück unsere Autoren zurück. Nur der Himmel ist das Limit.

Was sollte mehr Menschen wissen?
Eventuell vergisst man es: Journalist*innen brauchen Geld, um unabhängig zu arbeiten. Innovation entsteht oft im Kleinen. Video ist overhyped und Audio wird nie sterben.

Hier The Other Side auf Steady unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


* Offenlegung: Ich war in der letzten Sendung des Jahres 2016 zu Gast in The Other Side.

loading: detektor.fm Vormittag

Die Macher von detektor.fm haben heute auf Vision Bakery ein Crowdfunding gestartet – mit dem Ziel, eine Vormittagssendung auf dem Sender zu finanzieren. Bei dem Webradio aus Leipzig hat man Erfahrungen mit Crowdfunding: bereits 2013 sammelten sie über 15.000 Euro für ein Studio ein. Damals beantwortet Redaktionsleiter Marcus Engert den loading-Fragebogen. Heute schickte der Geschäftsführer Christian Bollert die Antworten.

Was macht ihr?
Wir sammeln Geld für eine moderierte Vormittagssendung bei detektor.fm. Immer mehr unserer Hörer wünschen sich eine zusätzliche Vormittagssendung und wollen mit uns in den Tag starten. Wir sehen das auch an unseren Streamabrufen. Der Vormittag wird für Webradio immer wichtiger.

Warum macht ihr es (so)?
Wir können eine solche zusätzliche Sendung momentan (noch) nicht aus eigenen Mitteln starten. Das Crowdfunding ist die ideale Möglichkeit, um das Interesse bei unseren Hörern unter realen Bedingungen zu prüfen und die Mittel für ein Jahr Vormittagssendung zusammen zu bekommen. Mit dem Geld könnten wir ein Jahr lang vormittags senden. Nach dem Jahr wollen wir die Sendung dann aus eigener Kraft und mit Werbepartnern finanzieren. Das Crowdfunding ist also ein Markttest und eine Anschubfinanzierung für mehr detektor.fm-Programm.

Wer soll sich dafür interessieren?
Interessant ist es für alle, die gutes Radio lieben. Denn wir arbeiten seit fast sechs Jahren an einem onlinebasierten Radio mit journalistischer Relevanz und moderner Popmusik aus dem Netz. Viele Medien und Journalisten suchen seit Jahren nach Ideen und Ansätzen für die digitale Welt und detektor.fm zeigt bisher, wie es im Audiobereich gehen kann. Wir testen, probieren und experimentieren. Das kommt bei immer mehr Menschen an, die das Hören schätzen.

Wie geht es weiter?
Für das Crowdfunding haben wir viele Partner gewinnen können. So haben Unterstützer die Möglichkeit Multiraumsysteme von Raumfeld, E-Mailpostfächer von Posteo, DJ Equipment von Pioneer oder Spotify-Premium-Accounts zu erwerben. Aber man kann uns auch seine Lieblingsmusik spielen lassen, eine detektor.fm-Tasse für den Frühstückstisch kaufen oder uns mit dem „Alternativen Rundfunkbeitrag“ unterstützen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Audio passt perfekt zum allgemein sehr visuellen Internet. Immer mehr Menschen hören Radio oder Podcasts über das Internet. Die Aufmerksamkeit für Video führt oft dazu, dass Audio unterschätzt wird. Das Hören wird nicht weggehen und ist in vielen Situationen dem Sehen überlegen. Dieses Crowdfunding ist die Möglichkeit noch mehr spannende Audioinhalte ins Netz zu bringen.

>>> Hier die Vormittagssendung auf detektor.fm ermöglichen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Wie finde ich das? vs. Warum ist das so?

Die Herren Fiene und Pähler haben mich heute in ihre Sendung „Was mit Medien“ eingeladen und dann ein wenig plaudern lassen – über das, was ich so denke über Digitalisierung und Neues machen. Wir sprachen über Langstrecke und die neue Version und irgendwann sind wir dabei (MP3) an einen wichtigen Punkt gekommen, den ich hiermit einmal festhalten will. Er bezieht sich auf die Frage, wie wir mit Neuem umgehen? Man gelangt so häufig an diese Frage, dass es gut ist, diesen Ansatz hier jetzt einmal zu notierten – und vielleicht ist er auch eine Antwort auf die Frage, die sie über die Sendung gestellt haben: Wie kommt man auf neue Ideen?

Ich bin davon überzeugt, dass man in der Konfrontation mit Veränderungen z.B. durch die Digitalisierung, den Reflex unterdrücken sollte, zunächst „Wie finde ich das?“ zu fragen. Die Antwort auf diese Frage führt nämlich selten zu höherem Verständnis. Sie führt stattdessen immer zu einer Bewertung – die damit vor dem Verstehen der Veränderung liegt. Deshalb sollte man in der Konfrontation mit einer Veränderung sich eher bemühen: „Warum ist das so?“ zu fragen.

Wenn das gelingt, kann man das Neue danach immer noch blöd finden. Man tut dies aber dann auf Basis eines breiteren Wissens. Denn wenn man sich auf die Suche nach der Antwort auf die Frage „Warum ist das so?“ macht, wird man mehr erfahren über das, was sich da gerade verändert. In der Sendung habe ich versucht, es am Beispiel der digitalen Kopie und dem Zugang von Mashup zu beschreiben:

„Die digitale Kopie stand im Raum und alle haben mir gesagt, wie sie die finden: Das interessiert die digitale Kopie aber nicht, ob Sven Regener die jetzt gut findet oder nicht. Sondern: Die ist da. Und die Leistung besteht darin, zu verstehen, was das verändert. Und da kann meine persönliche Meinung sein, dass ich das gut oder schlecht finde. Aber ich möchte gerne verstehen, was der Mechanismus dahinter ist.“

Geschichten erzählen im Digitalen

Unter dem Titel „Wie es euch gefällt“ haben Ulrike Köppen, Patricius Mayer und Robert Schoeffel für den Bayerischen Rundfunk eine neue Form des Erzählens ausprobiert: #brtransmedia heißt das verbindende Schlagwort für die Beiträge in TV, Radio und Web, die sich mit „der digitalen Zukunft des Geschichtenerzählens“ befassen.

Das Radiofeature läuft am Sonntag im Zündfunk-Generator (von 22.05 – 23.00 Uhr), der Fernsehbeitrag folgt am gleichen Tag ab 23.15 Uhr in KinoKino. Das Web-Special steht schon seit gestern im Netz und kann sogar eingebettet werden:

Ich empfehle diesen transmedialen Beitrag nicht nur, weil darin auch ein geheimer Link auf das Live-Schreibevent zu „Eine neue Version ist verfügbar“ versteckt ist, sondern vor allem weil „Wie es euch gefällt“ ein tolles Beispiel dafür ist, wie Geschichten erzählen im Digitalen funktionieren kann.

loading: bits und so

Am 14. September bringt Timo Hetzel Menschen in den Münchner Gasteig, die zumindest dem Klischee nach dort nicht ständiger Gast sind: Hörerinnen und Hörer des Podcasts Bits und so. Gemeinsam feiern sie die 350ste Folge – unter dem Titel #bus350. Ein guter Anlass dem Münchner den loading-Fragebogen zu schicken.

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Was macht Ihr?
Ich mache seit 2006 „Bits und so“, eine wöchentliche Sendung rund um alles Digitale. Smartphones, das Internet, und was uns noch so in den Sinn kommt. Jede Woche zwei bis drei Stunden Talkshow als Audio Podcast mit meiner Crew, und seit einem halben Jahr auch als Video-Stream. Das Basis-Angebot war und ist immer kostenlos, seit 2009 gibt es für 5 Euro im Monat Zugriff auf das Premium-Angebot. Das umfasst zur Zeit das Video, Kapitelmarken im Audio und für den Abonnenten ein wohliges Glücksgefühl. Außerdem gibt es Tassen und T-Shirts zu kaufen. Einmal im Jahr machen wir eine Show live auf einer Bühne vor Publikum, diese Woche am Samstag, 14. September ist es im Gasteig in München wieder so weit. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

Warum macht Ihr es so?
Ich habe an der Uni eine wilde Mischung aus Informatik, Hörfunk und Journalismus abbekommen. Man könnte sagen, ich hatte keine andere Wahl, wenn ich all das einsetzen wollte. Ich hätte mir auch einen Bürojob bei Siemens nehmen können und täglich hoffen, dass es bald 17 Uhr ist. Die Finanzierung über Spenden oder Flattr alleine würde die Sendung nicht tragen. Sponsoren sind gerne gesehen, aber nicht regelmäßig oder vorhersagbar genug, um sich alleine darauf verlassen zu können. Die Abonnements der Hörer tragen signifikant zur Finanzierung bei, und geben durch ihre Regelmäßigkeit eine gewisse Planungssicherheit.

Wer soll da mitmachen?
Ich weiß nicht genau, wer uns zuhört und zusieht. Ich richte die Sendung eher danach aus, was mich gerade bewegt. Ich will manchmal Themen und Meinungen zum Apple-Universum hören, manchmal netzpolitische Themen, und manchmal erfreue ich mich an einer wahnsinnig hellen Glühbirne. Die dann auch prompt wochenlang bei Amazon.de ausverkauft ist.
Ich habe beim Schneiden der Sendung auch bemerkt, dass mir bei der Audio-Fassung immer öfter etwas visuelles gefehlt hat. Das war der Ausgangspunkt für den Video-Stream. Und damit ist die Sendung jetzt auch eine Antwort auf die Frage, was denn im Fernsehen läuft.

Wie geht es weiter?
Um die Durchsuchbarkeit und Auffindbarkeit von Audio/Video-Inhalten ist noch sehr schlecht bestellt. In einer dreistündigen Sendung schnell einen interessanten Ausschnitt zu finden oder zu linken ist nur begrenzt gut möglich. Wir überlegen, was wir da verbessern können. Die eigenen Smartphone- und Tablet-Apps machen da vieles möglich, wovon Fernsehanstalten nur träumen können.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Kent Nichols (Ask A Ninja) hat in den Anfangstagen des Podcasting sinngemäß gesagt: Um von deinem Internet-Kram leben zu können, brauchst du 10000 Fans. Du kannst ihnen Fan-Artikel verkaufen.
Das hat sich vor acht Jahren völlig verrückt angehört. Aber es ist tatsächlich möglich, sogar in Deutschland. Ich glaube, wenn die Zuschauer wissen, dass sie persönlich zum Erscheinen dieser Sendung beitragen, entsteht eine tiefere Bindung. Und auch umgekehrt: Ich bin ihnen dafür sehr dankbar und versuche jede Sendung besonders gut für sie zu machen. So, dass ich sie auch gerne hören und sehen würde.

>>> Karten für #bus350 kann man hier direkt und an der Abendkasse kaufen – den Podcast kann man hier laden.

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Zahlungsstreik

Seit einer Weile begleitet ich hier auf der Seite im Bereich loading kreative Projekte, die über gemeinsame Finanzierung funktionieren. Durch Marcel Weiss bin ich jetzt auf die Seite Zahlungsstreik gestoßen, die dieses Prinzip umdreht. Auf Zahlungsstreik bezahlen Menschen nicht – und das gemeinsam.

Es geht um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Über den schreiben die Zahlungsstreikenden:

Wir bestreiken eine Institution, die sich über den Auftrag der medialen Grundversorgung legitimiert und sich durch ihre Kritikresistenz von ihrem eigenen demokratischen Grundsatz entkoppelt hat. Die bestehenden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sind alles andere als staatsfern, denn ihre Gremien sind parteipolitisch dominiert. Sie unterscheiden sich nicht mehr von privatwirtschaftlichen Akteuren, denn sie orientieren sich vornehmlich an der Einschaltquote. Strukturell wie inhaltlich erfüllen sie unsere medialen Interessen nicht.

loading: detektor.fm

Man kann mit Crowdfunding Journalismus finanzieren: Bücher, Filme, Rechercheprojekte – aber eben auch einen ganzen Sender. Das wollen die Macher von detektor.fm gerade zeigen – zumindest zum Teil. Um ein zweites Studio bauen zu können, haben sie eine Crowdfunding-Aktion auf Visionbakery gestartet.

Einer der beiden Radiochefs, Marcus Engert, hat den loading-Fragebogen beantwortet, den ich hier nicht nur deshalb veröffentliche, weil detektor.fm ein spannendes Radioprogramm ist, sondern auch weil ihre Crowdfunding-Aktion durch Partner-Pakete eine in Deutschland eher seltene Besonderheit bereithält: Spotify und das Gewandhaus Leipzig machen als Partner mit und bieten für Supporter Angebote, bei denen die Unterstützung quasi zusätzlich ist. Für 99 Euro bekommt man zusätzlich zur Unterstützung für das Studio zwei Freikarten für das Gewandhaus, für 30 Euro bekommt man drei Monate Spotify-Premium gratis dazu.

Was macht Ihr?
Wir machen das Radio, das in der einheitlichen durchformatieren Radiowelt zu kurz kommt: täglich hintergründigen Journalismus und handverlesene Musik. Dabei stellen wir mehr Fragen als andere Sender und spielen neue Songs, die noch nicht überall rauf und runter gelaufen sind. Aber wir wollen mehr! Wir möchten unser Programm ausweiten, neue Sendeformate produzieren, noch mehr experimentieren. Dafür brauchen wir ein zweites Studio – und haben deshalb eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

Warum (macht ihr es so)?
Wir sind kein Dudelfunk und haben keine klassischen Radio-Werbespots. Mittlerweile sind unsere Einnahmen immerhin so groß wie unsere Ausgaben. Aber leider bleibt so kein Geld übrig, um in ein neues Studio zu investieren. Deshalb bitten wir um die Unterstützung unserer Hörer, damit wir mehr und besseres unabhängiges, gutes Radio machen können!

Wer soll da mitmachen?
Alle, die anspruchsvolles Radio lieben und fördern wollen. Alle, denen die Dudelfunklandschaft auf die Nerven gehen. Alle, die im Auto nicht mehr den Sender einschalten wollen, der gerade am wenigsten nervt. Alle, die neue Musik gezeigt bekommen wollen. Mit diesem Studio kann man uns helfen, detektor.fm noch besser und vielfältiger zu machen – für mehr Programm, mehr Hörspiele, mehr Serien, mehr Experimente…

Wie geht es weiter?
Für unsere Unterstützer haben wir uns sehr vielfältige Dankeschön-Pakete ausgedacht. So kann man zum Beispiel ein „Meet & Grill“ mit uns erwerben, uns Rechercheaufträge erteilen oder das detektor.fm-DJ-Team zu sich nach Hause holen. Wenn die angepeilte Summe zusammen kommt, bauen wir ein zweites Studio mit allem drin, drum und dran.

Was sollten mehr Menschen wissen?
detektor.fm steht inzwischen seit Sendestart schon für 61.152 Stunden besseres Radio! Wir arbeiten rund um die Uhr dafür – und man kann uns über das Crowdfunding bei der VisionBakery leicht unterstützen

>>>>> Hier das zweite Studio mitbauen und dektektor.fm unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Soziale Charts – hören und gesehen werden

Der Streamingdienst Spotify bietet seit ein paar Tagen eigene Charts an. Diese Hitlisten werden auf Basis der wirklich gehörten Songs in dem Dienst ermittelt. Das ist ein großer Unterschied zu klassischen Charts, bei denen der Kauf bzw. der Download eines Songs als zu wertende Einheit gemessen wird. In einer zweiten Ansicht ermittelt Spotify zudem so genannte Social-Charts, bei denen die Rangliste auf Basis von Empfehlungen in sozialen Netzwerken ermittelt wird.

In beiden Ansichten ergibt sich eine aus unterschiedlichen Gründen spannende Differenz. Spotify galt in der Debatte um so genannte Social Reader stets als positives wie gruseliges Vorbild: „Will ich denn dass alle wissen, was ich höre?“ lautet die Standard-Frage, wenn man über die Funktion von Spotify spricht, dem Facebook-Freundeskreis automatisch offen zu legen, was man hört. Genau dieses Prinzip nutzten auch so genannte Social Reader wie vom Guardian oder der Washington Post.

Man spricht vom frictionless sharing um zu beschreiben, dass Interaktionen wie Lesen oder eben Hören bruchfrei mit anderen geteilt werden. Die Sorge dabei: Andere könnten wahrnehmen, dass man irgendwie peinlich oder sozial unerwünschte Inhalte konsumiert. Diese Vorgeschichte sollte man kennen, wenn man die beiden unterschiedlichen Spotify-Charts dieser Woche anschaut.

Die Spotify 50 genannte Hitliste der am häufigsten gestreamten Songs führt der Song Can’t Hold Us von „Macklemore & Ryan Lewis“ an.

spotify50

Das ist die Hitliste der wirklich gestreamten Songs in Spotify. Darin enthalten: Imagine Dragons, Daft Punk, Calvin Harris, Capital Cities, Justin Timberlake. Ohne mich wirklich auszukennen: Das ist massentauglicher Pop, mit dem man sich zwar nicht als totaler Popstreber, aber eben auch nicht als vollständiger „und die Hits von heute“-Allesfresser outet.

Vor allem nicht, wenn man dagegen die Social-Charts anschaut – also jene Songs, die in der vergangenen Woche am häufigsten im deutschen Spotify empfohlen worden:

social

Diese Liste ähnelt schon eher dem, was in den klassischen Charts vorne steht: Diese werden wie auch die Social-Charts von Beatrice Eglis „Mein Herz“ angeführt. Darüberhinaus teilten die Nutzer auch Songs von Peter Wackel, SpongeBozz und Lisa Wohlgemuth – die allesamt nicht dazu angetan sind, soziale Distintion im positiven Sinn zu fördern. Aber vor allem finden sie sich weder in den klassischen Charts noch in den Streaming-Top10 von Spotify.

Die Wertung soll jeder für sich vornehmen: Die zufällige Stichprobe aus einer Woche legt jedenfalls aus meiner Perspektive keinesfalls den Verdacht nahe, dass Menschen vor dem sozialen Hintergrund des Empfehlens lediglich das öffentlich machen, was sozial erwünscht scheint. Im Gegenteil: Mir erscheinen die Social-Charts im Vergleich zu den klassischen und den gestreamten Hitlisten im plattesten Sinn des Wortes als Mainstream.

WTF, Sven Regener!

Etwas mehr als ein Jahr nach seinem Wutausbruch im Zündfunk war Sven Regener am Donnerstag wieder im Bayerischen Rundfunk zu hören. Dort wurde er mitten in einem launigen Interview auch nach dem Telefonat aus dem März 2012 befragt (etwa ab 10.30 Min), das in der hitzigen Urheberrechtsdebatte eine breit rezipierte Wortmeldung war. Den entsprechenden Schnipsel findet man auf Soundcloud

… wo er etwas abrupt abreißt. Aber auch auf der Zündfunk-Seite geht es nicht wirklich weiter. Es bleibt alles recht dürftig.

Regener wollte, erfährt man, „mal den Gegenstandpunkt formulieren“. Er hatte nämlich den Eindruck, es gebe nur „den einzigen Standpunkt, Musiker kann man ja auch bald mal enteignen“. Das machte ihn wütend, deshalb sei ihm der Kragen geplatzt. Und dann sei das ganze auch mehr oder weniger erledigt gewesen:

„Ich hab keine Interviews mehr dazu gegeben. Es ist alles gesagt, da gibt es nichts hinzuzufügen. Wer das nicht kapiert, der tut mir leid.“

So leid, dass er auch auf Nachfragen nicht reagiert habe. Er habe Mails einfach gelöscht. Denn: Wer das nicht tue, bekomme ein falsches Menschenbild:

Botho Strauß ist nur so scheiße drauf, weil er den ganze Nachmittag Fernsehen guckt und die Kommentarspalten im Internet liest. Und darum hat er ein Menschenbild, dass wir alle totale Untermenschen sind. Was an sich nur bestimmte Leute sind, die sich wahnsinnig schlecht benehmen.

Bitte? Sven Regeners Reaktion ein Jahr nach dem Wutausbruch besteht aus Botho Strauss, Untermenschen und gelöschten Mails? Ich glaube, die offizielle Reaktionsabkürzung dafür lautet WTF!?

Das kann doch nicht ernsthaft Ergebnis von einem Jahr hitziger Urheberrechtsdebatte mit Acta-Protesten und Runden Tischen sein, dass Sven Regener sich in ein Studio setzt und von Untermenschen spricht. Mal abgesehen davon, dass die Zündfunk-Leute da hätten nachfragen müssen, bin ich sehr ernsthaft erschüttert von dem Mann, dem ich tatsächlich für einen Moment zugetraut hatte, Schwung in eine Debatte zu bringen, die von grundlegender Bedeutung für den Umgang mit Kunst und Kultur im Netz ist.

Das Jahr hatte natürlich schon den Beweis erbracht, dass es ihm darum nicht wirklich ging. Trotzdem war ich insgeheim hoffend davon ausgegangen, Sven Regener hätte was verstanden.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man, aber sie stirbt eben.