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Newsletter über Newsletter (Digitale Dezember-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Dezember-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Vor ziemlich genau drei Jahren habe ich ein Experiment gestartet (hier die turi2-Meldung), das mir seitdem viel Freude und einen ganz neuen Blick auf Social-Media gebracht hat: ich habe den Digitale-Notizen-Newsletter begonnen. Seitdem kann man mir dort monatlich beim Denken zusehen. Es sind dabei einige Folgen entstanden, die Grundlage für größere Projekte waren: Aus der Folge im Januar 2016 entstand das Projekt #gegendiepanik, aus der Folge im Mai 2017 wurde eine Veranstaltung gemeinsam mit Gunnar Jans und wer die Folge über Kulturpragmatismus gelesen hat, wird einiges davon in meinem neuen Buch erkennen, das am 12. Januar erscheint und mich inspiriert hat, wieder etwas Neues auszuprobieren.

Ich starte einen Podcast!
Dass ich damit nicht der erste bin, ist mir bewusst. Aber gerade deshalb möchte ich ausprobieren, was dahinter steckt. Ich konnte den Podcast-Experten Yannic Hannebohn überreden, mir dabei behilflich zu sein und nun die Frage zu beantworten: Was würde der Shruggie tun? (Feed)

Hier können Sie die Meta-Trailerfolge auf Soundcloud anhören (und sobald Apple sie akzeptiert hat auch in iTunes). Wie beim Start des Newsletters vor drei Jahren bin ich auch jetzt unsicher, was dabei rauskommt. Aber ich freue mich, wenn Sie mich auch bei diesem Experiment begleiten – und soviel Spaß daran haben wie Yannic und ich in der ersten Folge:

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Da diese Folge des Digitale-Notizen-Newsletters eine Jubiläums-Ausgabe ist, geht es dieses Mal vor allem um Newsletter – und um die Frage: Wie macht man eigentlich einen guten Newsletter? Ich habe Antworten auf diese Frage bekommen – von sieben Autorinnen und Autoren der besten Newsletter im deutschsprachigen Raum.

Inga Höltmann, Gründerin der Accelerate Academy und Journalistin

Warum schreibst Du einen Newsletter? Ich lese viel zu meinen Themen – Kulturwandel, Neue Arbeit und moderne Führung – und teile und kommentiere sie eifrig über meine Sozialen Netzwerke (vornehmlich Facebook und Twitter @ihoelt). Da lag es nahe, mit einem eigens aufgesetzten Newsletter einen weiteren, sehr persönlichen Kommunikationskanal zu schaffen. Es gibt in dem Bereich auch nicht viele gute – warum also die Lücke nicht einfach selbst füllen? Das eröffnete mir einen weiteren Weg, spannende und inspirierende Inhalte zu teilen, auch meine eigenen, denn ich schreibe und blogge ja auch regelmäßig dazu. Darüber hinaus habe ich schnell festgestellt, dass es eine schöne Möglichkeit ist, regelmäßig etwas von sich hören zu lassen. Und nicht zuletzt – es macht mir auch einfach Spaß, den Newsletter jeden Monat zu gestalten: Ich lese gern, ich schreibe gern, das passt alles zusammen.
Seit wann? Seit etwa anderthalb Jahren
Was hast Du dabei gelernt? Es ist nicht der erste Newsletter, den ich mache, für ein anderes Projekt habe ich schon einmal zwei Jahre einen Newsletter gemacht. Man sollte sich am Anfang etwas Zeit nehmen, um seinen eigenen Ton zu finden, die eigene Ansprechhaltung. Und es sollte klar sein, was das Versprechen ist, das man macht – und ich versuche mit jeder einzelnen Ausgabe aufs Neue, das einzulösen.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Ich mag journalistische Newsletter, also inhaltsgetriebene, handwerklich saubere Mailings. Wenn es nur darum geht, mir etwas zu verkaufen, bin ich ziemlich schnell wieder weg. Und ein Newsletter sollte auch mehr liefern als zum Beispiel nur eine Zusammenfassung der letzten Blogbeiträge – mir ist die persönliche Handschrift immer wichtig.
Gib mal ein Beispiel: Ich habe einige Newsletters von Foodbloggern abonniert, zum Beispiel Kimberly Snyder oder Deliciously Ella, die ich sehr gern lese. Und regelmäßig lese ich auch das Social Media Watchblog Briefing (siehe unten). Einen weiteren Newsletter, den ich empfehlen kann: Den der britischen Journalistin Harriet Minter.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Ich nutze Mailpoet. Ich kenne fast niemanden, der damit arbeitet, aber ich komme sehr gut damit klar. Es ist leicht aufzusetzen und intuitiv zu bedienen.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Seid pingelig! Ein guter Newsletter ist auch gut gemacht!

Inga beschreibt ihre monatlichen Mails als „Mein schnieker Newsletter“

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Sue Reindke, Digital Strategin und Autorin

Warum schreibst Du einen Newsletter? Die Idee entstand eigentlich, weil ich eine Weile lang gar nicht mehr öffentlich publizieren wollte, aus vielen Gründen. Wobei das Projekt „Email für Dich“ heißt: es ist eher, als würde ich Briefe schreiben, der Begriff „Newsletter“ trifft es nicht.
Seit wann? September 2016
Was hast Du dabei gelernt? Emails sind ein ganz persönliches Medium: wie bei einem Brief ist völlig klar, dass man alleine der Empfänger ist, und man es in seinem Postfach nur selbst lesen kann. Das schafft viel Nähe, und manchmal kommen ganz erstaunliche Antworten zurück. Viele sagen auch sowas wie: ich mag die Mails total, ich bekomme sonst gar keine persönlichen Mails mehr, Freunde schreiben nur noch Status Updates.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Es gibt keine allgemein gültigen Aussagen für alle Newsletter, die unterscheiden sich ja auch in ihrem Zweck: schreibt da jemand um des Schreibens willen oder geht es um etwas anderes, den Verkauf von Produkten oder das Erhöhen von Klickzahlen?
Grundsätzlich finde ich es immer gut, wenn jemand in persönlichen Newslettern bei sich bleibt und es nicht primär darum geht, „etwas zu erreichen“.
Gib mal ein Beispiel: Ich lese gerne den privaten Newsletter von Lukas Heinser, „Post vom Einheinser„.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Mailchimp, das ist in der Basisversion kostenlos und leicht zu bedienen. Man wird da Schritt für Schritt durchgeführt und das Erstellen von Newslettern ist wahnsinnig einfach.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einfach mal loslegen und verschiedene Dinge probieren. Und nicht so sehr drüber nachdenken, wie das ankommt oder ob das den Empfängern gut gefällt.

Der Newsletter von Sue heißt Email für Dich.

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Barbara Vorsamer, Redakteurin bei SZ-Familie

Warum schreibst Du einen Newsletter? Ich bin verantwortlich für die digitalen Kanäle des Print-Magazins „Süddeutsche Zeitung Familie“. Das erscheint alle zwei Monate – ein irrsinnig langer Zeitraum für mich als Online-Journalistin und, wie ich glaube, auch für viele Leserinnen und Leser. Deswegen schreiben wir einen wöchentlichen, kostenlosen Newsletter.
Seit wann? Seit April 2017
Was hast Du dabei gelernt? Nähe zu schaffen, ohne mich und meine Kinder bloßzustellen. Ich nehme meistens ein aktuelles Thema auf, das kann eine klassische Nachricht sein, ein Post in den sozialen Medien oder etwas, das ich oder meine Kinder diese Woche getan haben. Darüber mache ich mir ein paar Gedanken, verlinke alles, was ich dazu interessant finde und frage (wenn es passt – kein Muss, sonst wirkt es seltsam), wie es den Leserinnen und Lesern damit geht.
Was macht einen guten Newsletter aus? Ein guter Familien-Newsletter gibt den Leserinnen und Lesern erst ein „Geht mir genauso“-Gefühl und erzählt ihnen dann etwas, was sie vielleicht noch nicht wussten.
Gib mal ein Beispiel: Dieser z.B.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Maileon, weil das der Newsletter-Dienstleister der SZ ist.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einfach loslegen. Gute Newsletter lesen und nachmachen, was einem gefällt. Feedback und Quoten beobachten und daraus lernen. Trotzdem nur das machen, was einem selber gefällt.

Den Newsletter von SZ-Familie kann man hier bestellen. Außerdem schreibt Barbara seit kurzem auch einen privaten Newsletter, den man hier bestellen kann. Offenlegung: Barbara und ich sind Kollegen!

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Franziska Bluhm, selbstständig als Journalistin, Beraterin und Trainerin

Warum schreibst Du einen Newsletter? Weil ich ausprobieren wollte, wie das ist: der wöchentliche Rhythmus, die Tatsache, für ein Postfach zu schreiben und auszuprobieren, wie ich mit einem Newsletter Reichweite aufbauen kann.
Seit wann? Seit April 2017
Was hast Du dabei gelernt? Dass Newsletterschreiben hat mich daran erinnert, wie viel Spaß es mir macht, regelmäßig zu schreiben.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Er bietet seinen Lesern einen Mehrwert, überrascht und schafft eine Begehrlichkeit, ihn nicht verpassen zu wollen.
Gib mal ein Beispiel: Ich mag den Newsletter von Johannes Klingebiel sehr gerne, Katrin Scheib entführt mich regelmäßig in die Welt des russischen Fußballs und Gabor Steingart unterhält mich allmorgendlich im Morning Briefing.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Ich habe mich für Mailchimp entschieden – weil es mir empfohlen wurde und weil mich die zwei Konkurrenzprodukte, die ich auch in Erwägung gezogen hatte, mich nicht überzeugt haben.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einfach ausprobieren, dabei lernst du am besten.

Franziskas wöchentliche Dosis Inspiration kann man hier bestellen.

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Julian Schmidli, Reporter bei SRF Data und freier Autor

Warum schreibst Du einen Newsletter? Viele der Dinge, die in meinem Newsletter auftauchen, habe ich früher auf Facebook gepostet: Kurze Beobachtungen aus dem Leben, Fotos, Buchtipps, Spotify-Playlisten. Doch dort fühlt es sich nicht mehr richtig an. Algorithmen filtern die Posts raus; die Gestaltungsmöglichkeiten sind zu gering; zu viel Werbung. Deshalb bin ich zurück zur guten, alten Mailing-Liste – quasi der analogste unter den digitalen Kanälen. Für mich ist es auch eine gute Schreibübung: ein Mal im Monat in einer Art «Brief an meine Freunde» ein paar Gedanken der letzten Wochen zusammenzufassen. Dabei will ich keine langweilige Nabelschau betreiben, sondern Themen behandeln, die meine Freunde umtreiben. Dass auch immer mehr Unbekannte mitlesen, zeigt, dass die Herangehensweise wohl nicht ganz verkehrt ist.
Seit wann? Seit Frühling 2017.
Was hast Du dabei gelernt? Auch wenn meine journalistische Arbeit mehr Menschen erreicht, bekomme ich für den Newsletter viel mehr Feedback. Gerade auch von Menschen, die ich kaum oder gar nicht kenne. Wohl, weil Ton und Inhalt viel persönlicher sind. Es gibt mehr Platz für Humor und Zweifel. Humor und Zweifel.. das wäre eigentlich auch ein guter Name gewesen!
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Das hängt vom Bedürfnis des Lesers ab. Ich lese sehr gerne Newsletter mit einem persönlichen Ton, deren Autoren sich sehr gut in einem gewissen Feld auskennen und mir Einsicht und Übersicht geben können. Am Ende sollte sich ein guter Newsletter anfühlen wie der Brief eines sehr schlauen Freundes.
Gib mal ein Beispiel? Bande de Coquins. Übersetzt: Eine Bande von Schurken. So nennt sich das Kollektiv anonymer AutorInnen, das seit diesem Frühling einmal in der Woche Zürcher Orte ins Visier nimmt. Zärtliche Lobeshymnen über Ravioli, lakonische Verrisse vom Kosmos, gehobene Kulturkritiken über alternative Museumsführungen – die Damen und Herren schreiben mit spitzer Feder und Humor. Und immer hat man das Gefühl, Teil eines verschworenen Clubs zu sein.
Welche Technik nutzt du? Und warum? Ich setze mir ein Thema und schreibe dann assoziativ los. So kommt oft auch ein persönlicher Aspekt an die Oberfläche. Am Ende kurz straffen – und ohne viel zu redigieren abschicken.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Geht verspielt an die Sache heran. Werdet persönlich, aber vergesst nicht: Es geht eigentlich nicht um euch.

Julians Newsletter heißt „Schwerer werden. Leichter sein.“

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Martin Giesler, Journalist & Blogger

Warum schreibst Du einen Newsletter? Ich verschicke viermal die Woche morgens um 7:00 Uhr die wichtigsten News und Debatten rund um Social Media an mehrere Tausend Kollegen, von denen – verrückterweise – fast die Hälfte auch jeden Morgen meinen Newsletter tatsächlich öffnet. Bedeutet: die Kollegen lesen, sehen, bekommen, was ich ihnen geschickt habe, was ich für sie aufbereitet habe. Kein Algorithmus entscheidet also darüber, ob meine Leser das erreicht, was sie interessiert. Durch das Format Newsletter habe ich einen direkten Zugang zu meinen Lesern, stehe mit ihnen unmittelbar in Kontakt, im Austausch. Dadurch kann ich einen echten, verlässlichen Service anbieten, die Distribution meiner Inhalte nicht dem Zufall überlassen und bin schnell erreichbar für Rückfragen und Hinweise, was wiederum einen großen Mehrwert für den jeweils nächsten Newsletter hat.
Seit wann? Das Briefing verschicke ich jetzt seit gut drei Jahren. Zunächst mit meinen wunderbaren Kollegen vom Social Media Watchblog (Hallo Anna, Isabell, Jan, Christian, Tilman und Simon) neben unseren eigentlich Jobs, seit November diesen Jahres ist das Briefing aber tatsächlich zu einem festen Job für mich geworden – ich verschicke quasi hauptberuflich einen Newsletter an Kollegen. Hätte ich so vor ein paar Jahren auch noch nicht gedacht, aber das Sponsoring von Partnern wie Rheinische Post oder Sport1, sowie vor allem die monatliche Unterstützung meiner Leser via Steady macht es möglich, dass ich mit meinem Watchblog einen erheblichen Anteil meines Einkommens erziele – neben Pferderennen und Bitcoin-Mining versteht sich.
Was hast Du dabei gelernt? Mail ist immer noch eine Killer-App: seit Jahren gelebte Kulturpraxis, direkt und ohne Intermediäre, frictionless, in der Gestalltung völlig frei. Während ich bei Facebook nur die Boxen befülle, die in Facebooks Interesse sind, ich zudem darauf angewiesen bin, dass ich den Algorithmus bediene, um auch im News Feed des interessierten Publikums zu landen, habe ich beim Versand einer Email völlig freie Hand – sowohl gestalterisch als auch inhaltlich. Social Media Plattform sind – von YouTube einmal abgesehen – eher dafür geeignet, maximale Reichweite zum Ziel zu haben. Wer hingegen wirklich eine feste Leserschaft aufbauen möchte, für den ist ein Newsletter ein großartiges Mittel.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus? Newsletter können unterschiedliche Zwecke erfüllen. Für mich zeichnet sich ein guter Newsletter dadurch aus, dass er verlässlich ist und hohe Qualität liefert, die für mich relevant ist. Genau das ist auch der Anspruch an mein eigenes Social Media Briefing.
Welche Technik nutzt du? Gehirn, Slack und Mailchimp.
Und warum? Gehirn ist immer gut. Slack dient des Sammelns von Artikeln und Themen. Mailchimp ist ein solides Programm zum Boarding von Kontakten und zum Erstellen des Newsletters.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Einen Newsletter würde ich auf keinen Fall anfangen. Schon gar nicht über Social Media schreiben. Das ist bereits total überlaufen… Nee, Quatsch. Newsletter sind ein wunderbares Tool, um sich als Journalist einen festen Kreis an Lesern aufzubauen. Ich würde jedem raten, einen Newsletter zu starten – vor allem schon deshalb, weil es ein so wunderbar kalkulierter Kontrollverlust ist: Wenn einmal auf Senden gedrückt wurde, kann die Email nicht mehr eingefangen werden, ist das Wort geschrieben, die Meinung in der Welt. Das schult ungemein.

Martins Social-Media-Briefing gibt es hier

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Sara Weber, News Editor (Tech/Startups) bei LinkedIn Deutschland

Warum schreibst du einen Newsletter: Ich schreibe sogar zwei, beruflich einen über Tech- und Startup-News, privat einen über Podcasts. Mein privater Newsletter erscheint auf Englisch und ist voll mit Podcast-Empfehlungen. Als ich ihn 2015 gestartet hab, war das noch eine ziemliche Neuheit und gute Podcasts schwer zu finden. Ich wurde als leidenschaftliche Hörerin oft nach Tipps gefragt und wollte diese sammeln und teilen.
Seit wann: 23. März 2015
Was hast du dabei gelernt: Dass ein gutes GIF immer gut ankommt. Und dass Newsletter ein sehr persönliches Medium sind, das in der Nische einen Großteil der relevanten Personen erreichen kann. Die meisten meiner Abonnenten arbeiten im Bereich Radio und Podcasts, sind also vom Fach, und haben daher viel konstruktives Feedback. Oft bekomme ich persönliche Reaktionen und mittlerweile habe ich einige meiner US-Abonnenten im echten Leben kennengelernt.
Davon abstrahiert: Was macht einen guten Newsletter aus?
Der persönliche Ton. Bei meinen Lieblingsnewslettern habe ich beim Lesen das Gefühl, die Autorin/der Autor spricht mit mir.
Gib mal ein Beispiel: Journalistin Eve Peyser schreibt den wunderbaren Newsletter „Am I crying?“, der jedes Mal erscheint, wenn sie weint. Allerdings gab es schon länger keine Mail mehr – schade für mich, gut für sie. Unter den Medienunternehmen schafft Buzzfeed sehr individuelle Formate mit persönlichem Ton, mein Favorit ist der Another-Round-Newsletter, der den gleichnamigen Podcast begleitet.
Welche Technik nutzt du: Privat Tinyletter, weil mir das 2015 am einfachsten erschien. Beruflich Mailchimp, weil es dort mehr Formatierungsmöglichkeiten und Statistiken gibt.
Ein Tipp für angehende Newsletter-Schreiber*innen: Unterschätzt die Arbeit nicht! Vor allem, wenn ein Newsletter regelmäßig erscheint, sollte man sich vorab gut überlegen, ob man genug Zeit haben wird, ihn zu recherchieren, schreiben und gestalten – und ob sich das Thema wirklich für potentiell unendlich viele Ausgaben eignet.

Saras Tech-Newsletter heißt Durchgestartet – und hier gibt es ihre Podcast-Tipps

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Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

loading: The Other Side

Abonniere eine Radiosendung – so kann man das Crowdfunding von The Other Side auf Steady übersetzen. Yannic Hannebohn und Thibaud Schremser produzieren den Popfeuilleton-Podcast bereits seit 2014. Jetzt suchen sie einen neuen Finanzierungsweg.

Yannic (im Bild rechts) hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Thibaud und ich produzieren „The Other Side“*, das ist ein Popkultur-Podcast, der die Hoch- bis Nerdkultur abdeckt. Wir sind aber nicht allein, sondern mittlerweile eine Plattform von jungen Radioautor*innen. Denen bieten wir die Möglichkeit, innovative Ideen bei uns im Podcast umzusetzen. Der Kern des Podcasts ist ein gut vorbereitetes Interview mit einer richtig interessanten Person.

Warum macht ihr es (so)?
Als wir 2014 während des Studiums in Weimar gestartet sind, wollten wir beide ganz einfach was Eigenes moderieren. Das Magazin haben wir damals von einer französischen Autorensendung adaptiert (wir sind beide Halbfranzosen). Gleichzeitig haben wir uns gefragt, warum es in Deutschland so wenige richtige Autorensendungen gibt und auch so wenige Experimente. Über die Folgen hinweg haben wir immer mehr Autorinnen und Autoren gewonnen, mit denen wir eigene Erzählformen entworfen haben. Deswegen stehen bei uns im Podcast auch die Personen im Vordergrund.

Wer soll sich dafür interessieren?
Menschen, die auf Künstler*innen und Kultur stehen, aber von 0815-Radioformaten genervt sind.

Wie geht es weiter?
Wir brauchen finanzielle Unterstützung, damit wir uns die Arbeit zeitlich leisten können. Deswegen brechen wir unsere starre einstündige Form auf und werden mehr „snackable“, bis genug Kohle da ist, wieder ein komplettes Magazin zu produzieren. Das erste Ziel ist ein Hundert Euro Schein pro Interview. Dafür haben wir uns einen Monat gegeben. Wenn wir das hinkriegen, kaufen wir uns Stück für Stück unsere Autoren zurück. Nur der Himmel ist das Limit.

Was sollte mehr Menschen wissen?
Eventuell vergisst man es: Journalist*innen brauchen Geld, um unabhängig zu arbeiten. Innovation entsteht oft im Kleinen. Video ist overhyped und Audio wird nie sterben.

Hier The Other Side auf Steady unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


* Offenlegung: Ich war in der letzten Sendung des Jahres 2016 zu Gast in The Other Side.

loading: detektor.fm Vormittag

Die Macher von detektor.fm haben heute auf Vision Bakery ein Crowdfunding gestartet – mit dem Ziel, eine Vormittagssendung auf dem Sender zu finanzieren. Bei dem Webradio aus Leipzig hat man Erfahrungen mit Crowdfunding: bereits 2013 sammelten sie über 15.000 Euro für ein Studio ein. Damals beantwortet Redaktionsleiter Marcus Engert den loading-Fragebogen. Heute schickte der Geschäftsführer Christian Bollert die Antworten.

Was macht ihr?
Wir sammeln Geld für eine moderierte Vormittagssendung bei detektor.fm. Immer mehr unserer Hörer wünschen sich eine zusätzliche Vormittagssendung und wollen mit uns in den Tag starten. Wir sehen das auch an unseren Streamabrufen. Der Vormittag wird für Webradio immer wichtiger.

Warum macht ihr es (so)?
Wir können eine solche zusätzliche Sendung momentan (noch) nicht aus eigenen Mitteln starten. Das Crowdfunding ist die ideale Möglichkeit, um das Interesse bei unseren Hörern unter realen Bedingungen zu prüfen und die Mittel für ein Jahr Vormittagssendung zusammen zu bekommen. Mit dem Geld könnten wir ein Jahr lang vormittags senden. Nach dem Jahr wollen wir die Sendung dann aus eigener Kraft und mit Werbepartnern finanzieren. Das Crowdfunding ist also ein Markttest und eine Anschubfinanzierung für mehr detektor.fm-Programm.

Wer soll sich dafür interessieren?
Interessant ist es für alle, die gutes Radio lieben. Denn wir arbeiten seit fast sechs Jahren an einem onlinebasierten Radio mit journalistischer Relevanz und moderner Popmusik aus dem Netz. Viele Medien und Journalisten suchen seit Jahren nach Ideen und Ansätzen für die digitale Welt und detektor.fm zeigt bisher, wie es im Audiobereich gehen kann. Wir testen, probieren und experimentieren. Das kommt bei immer mehr Menschen an, die das Hören schätzen.

Wie geht es weiter?
Für das Crowdfunding haben wir viele Partner gewinnen können. So haben Unterstützer die Möglichkeit Multiraumsysteme von Raumfeld, E-Mailpostfächer von Posteo, DJ Equipment von Pioneer oder Spotify-Premium-Accounts zu erwerben. Aber man kann uns auch seine Lieblingsmusik spielen lassen, eine detektor.fm-Tasse für den Frühstückstisch kaufen oder uns mit dem „Alternativen Rundfunkbeitrag“ unterstützen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Audio passt perfekt zum allgemein sehr visuellen Internet. Immer mehr Menschen hören Radio oder Podcasts über das Internet. Die Aufmerksamkeit für Video führt oft dazu, dass Audio unterschätzt wird. Das Hören wird nicht weggehen und ist in vielen Situationen dem Sehen überlegen. Dieses Crowdfunding ist die Möglichkeit noch mehr spannende Audioinhalte ins Netz zu bringen.

>>> Hier die Vormittagssendung auf detektor.fm ermöglichen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Wie finde ich das? vs. Warum ist das so?

Die Herren Fiene und Pähler haben mich heute in ihre Sendung „Was mit Medien“ eingeladen und dann ein wenig plaudern lassen – über das, was ich so denke über Digitalisierung und Neues machen. Wir sprachen über Langstrecke und die neue Version und irgendwann sind wir dabei (MP3) an einen wichtigen Punkt gekommen, den ich hiermit einmal festhalten will. Er bezieht sich auf die Frage, wie wir mit Neuem umgehen? Man gelangt so häufig an diese Frage, dass es gut ist, diesen Ansatz hier jetzt einmal zu notierten – und vielleicht ist er auch eine Antwort auf die Frage, die sie über die Sendung gestellt haben: Wie kommt man auf neue Ideen?

Ich bin davon überzeugt, dass man in der Konfrontation mit Veränderungen z.B. durch die Digitalisierung, den Reflex unterdrücken sollte, zunächst „Wie finde ich das?“ zu fragen. Die Antwort auf diese Frage führt nämlich selten zu höherem Verständnis. Sie führt stattdessen immer zu einer Bewertung – die damit vor dem Verstehen der Veränderung liegt. Deshalb sollte man in der Konfrontation mit einer Veränderung sich eher bemühen: „Warum ist das so?“ zu fragen.

Wenn das gelingt, kann man das Neue danach immer noch blöd finden. Man tut dies aber dann auf Basis eines breiteren Wissens. Denn wenn man sich auf die Suche nach der Antwort auf die Frage „Warum ist das so?“ macht, wird man mehr erfahren über das, was sich da gerade verändert. In der Sendung habe ich versucht, es am Beispiel der digitalen Kopie und dem Zugang von Mashup zu beschreiben:

„Die digitale Kopie stand im Raum und alle haben mir gesagt, wie sie die finden: Das interessiert die digitale Kopie aber nicht, ob Sven Regener die jetzt gut findet oder nicht. Sondern: Die ist da. Und die Leistung besteht darin, zu verstehen, was das verändert. Und da kann meine persönliche Meinung sein, dass ich das gut oder schlecht finde. Aber ich möchte gerne verstehen, was der Mechanismus dahinter ist.“

Geschichten erzählen im Digitalen

Unter dem Titel „Wie es euch gefällt“ haben Ulrike Köppen, Patricius Mayer und Robert Schoeffel für den Bayerischen Rundfunk eine neue Form des Erzählens ausprobiert: #brtransmedia heißt das verbindende Schlagwort für die Beiträge in TV, Radio und Web, die sich mit „der digitalen Zukunft des Geschichtenerzählens“ befassen.

Das Radiofeature läuft am Sonntag im Zündfunk-Generator (von 22.05 – 23.00 Uhr), der Fernsehbeitrag folgt am gleichen Tag ab 23.15 Uhr in KinoKino. Das Web-Special steht schon seit gestern im Netz und kann sogar eingebettet werden:

Ich empfehle diesen transmedialen Beitrag nicht nur, weil darin auch ein geheimer Link auf das Live-Schreibevent zu „Eine neue Version ist verfügbar“ versteckt ist, sondern vor allem weil „Wie es euch gefällt“ ein tolles Beispiel dafür ist, wie Geschichten erzählen im Digitalen funktionieren kann.

loading: bits und so

Am 14. September bringt Timo Hetzel Menschen in den Münchner Gasteig, die zumindest dem Klischee nach dort nicht ständiger Gast sind: Hörerinnen und Hörer des Podcasts Bits und so. Gemeinsam feiern sie die 350ste Folge – unter dem Titel #bus350. Ein guter Anlass dem Münchner den loading-Fragebogen zu schicken.

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Was macht Ihr?
Ich mache seit 2006 „Bits und so“, eine wöchentliche Sendung rund um alles Digitale. Smartphones, das Internet, und was uns noch so in den Sinn kommt. Jede Woche zwei bis drei Stunden Talkshow als Audio Podcast mit meiner Crew, und seit einem halben Jahr auch als Video-Stream. Das Basis-Angebot war und ist immer kostenlos, seit 2009 gibt es für 5 Euro im Monat Zugriff auf das Premium-Angebot. Das umfasst zur Zeit das Video, Kapitelmarken im Audio und für den Abonnenten ein wohliges Glücksgefühl. Außerdem gibt es Tassen und T-Shirts zu kaufen. Einmal im Jahr machen wir eine Show live auf einer Bühne vor Publikum, diese Woche am Samstag, 14. September ist es im Gasteig in München wieder so weit. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

Warum macht Ihr es so?
Ich habe an der Uni eine wilde Mischung aus Informatik, Hörfunk und Journalismus abbekommen. Man könnte sagen, ich hatte keine andere Wahl, wenn ich all das einsetzen wollte. Ich hätte mir auch einen Bürojob bei Siemens nehmen können und täglich hoffen, dass es bald 17 Uhr ist. Die Finanzierung über Spenden oder Flattr alleine würde die Sendung nicht tragen. Sponsoren sind gerne gesehen, aber nicht regelmäßig oder vorhersagbar genug, um sich alleine darauf verlassen zu können. Die Abonnements der Hörer tragen signifikant zur Finanzierung bei, und geben durch ihre Regelmäßigkeit eine gewisse Planungssicherheit.

Wer soll da mitmachen?
Ich weiß nicht genau, wer uns zuhört und zusieht. Ich richte die Sendung eher danach aus, was mich gerade bewegt. Ich will manchmal Themen und Meinungen zum Apple-Universum hören, manchmal netzpolitische Themen, und manchmal erfreue ich mich an einer wahnsinnig hellen Glühbirne. Die dann auch prompt wochenlang bei Amazon.de ausverkauft ist.
Ich habe beim Schneiden der Sendung auch bemerkt, dass mir bei der Audio-Fassung immer öfter etwas visuelles gefehlt hat. Das war der Ausgangspunkt für den Video-Stream. Und damit ist die Sendung jetzt auch eine Antwort auf die Frage, was denn im Fernsehen läuft.

Wie geht es weiter?
Um die Durchsuchbarkeit und Auffindbarkeit von Audio/Video-Inhalten ist noch sehr schlecht bestellt. In einer dreistündigen Sendung schnell einen interessanten Ausschnitt zu finden oder zu linken ist nur begrenzt gut möglich. Wir überlegen, was wir da verbessern können. Die eigenen Smartphone- und Tablet-Apps machen da vieles möglich, wovon Fernsehanstalten nur träumen können.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Kent Nichols (Ask A Ninja) hat in den Anfangstagen des Podcasting sinngemäß gesagt: Um von deinem Internet-Kram leben zu können, brauchst du 10000 Fans. Du kannst ihnen Fan-Artikel verkaufen.
Das hat sich vor acht Jahren völlig verrückt angehört. Aber es ist tatsächlich möglich, sogar in Deutschland. Ich glaube, wenn die Zuschauer wissen, dass sie persönlich zum Erscheinen dieser Sendung beitragen, entsteht eine tiefere Bindung. Und auch umgekehrt: Ich bin ihnen dafür sehr dankbar und versuche jede Sendung besonders gut für sie zu machen. So, dass ich sie auch gerne hören und sehen würde.

>>> Karten für #bus350 kann man hier direkt und an der Abendkasse kaufen – den Podcast kann man hier laden.

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Zahlungsstreik

Seit einer Weile begleitet ich hier auf der Seite im Bereich loading kreative Projekte, die über gemeinsame Finanzierung funktionieren. Durch Marcel Weiss bin ich jetzt auf die Seite Zahlungsstreik gestoßen, die dieses Prinzip umdreht. Auf Zahlungsstreik bezahlen Menschen nicht – und das gemeinsam.

Es geht um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Über den schreiben die Zahlungsstreikenden:

Wir bestreiken eine Institution, die sich über den Auftrag der medialen Grundversorgung legitimiert und sich durch ihre Kritikresistenz von ihrem eigenen demokratischen Grundsatz entkoppelt hat. Die bestehenden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender sind alles andere als staatsfern, denn ihre Gremien sind parteipolitisch dominiert. Sie unterscheiden sich nicht mehr von privatwirtschaftlichen Akteuren, denn sie orientieren sich vornehmlich an der Einschaltquote. Strukturell wie inhaltlich erfüllen sie unsere medialen Interessen nicht.

loading: detektor.fm

Man kann mit Crowdfunding Journalismus finanzieren: Bücher, Filme, Rechercheprojekte – aber eben auch einen ganzen Sender. Das wollen die Macher von detektor.fm gerade zeigen – zumindest zum Teil. Um ein zweites Studio bauen zu können, haben sie eine Crowdfunding-Aktion auf Visionbakery gestartet.

Einer der beiden Radiochefs, Marcus Engert, hat den loading-Fragebogen beantwortet, den ich hier nicht nur deshalb veröffentliche, weil detektor.fm ein spannendes Radioprogramm ist, sondern auch weil ihre Crowdfunding-Aktion durch Partner-Pakete eine in Deutschland eher seltene Besonderheit bereithält: Spotify und das Gewandhaus Leipzig machen als Partner mit und bieten für Supporter Angebote, bei denen die Unterstützung quasi zusätzlich ist. Für 99 Euro bekommt man zusätzlich zur Unterstützung für das Studio zwei Freikarten für das Gewandhaus, für 30 Euro bekommt man drei Monate Spotify-Premium gratis dazu.

Was macht Ihr?
Wir machen das Radio, das in der einheitlichen durchformatieren Radiowelt zu kurz kommt: täglich hintergründigen Journalismus und handverlesene Musik. Dabei stellen wir mehr Fragen als andere Sender und spielen neue Songs, die noch nicht überall rauf und runter gelaufen sind. Aber wir wollen mehr! Wir möchten unser Programm ausweiten, neue Sendeformate produzieren, noch mehr experimentieren. Dafür brauchen wir ein zweites Studio – und haben deshalb eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

Warum (macht ihr es so)?
Wir sind kein Dudelfunk und haben keine klassischen Radio-Werbespots. Mittlerweile sind unsere Einnahmen immerhin so groß wie unsere Ausgaben. Aber leider bleibt so kein Geld übrig, um in ein neues Studio zu investieren. Deshalb bitten wir um die Unterstützung unserer Hörer, damit wir mehr und besseres unabhängiges, gutes Radio machen können!

Wer soll da mitmachen?
Alle, die anspruchsvolles Radio lieben und fördern wollen. Alle, denen die Dudelfunklandschaft auf die Nerven gehen. Alle, die im Auto nicht mehr den Sender einschalten wollen, der gerade am wenigsten nervt. Alle, die neue Musik gezeigt bekommen wollen. Mit diesem Studio kann man uns helfen, detektor.fm noch besser und vielfältiger zu machen – für mehr Programm, mehr Hörspiele, mehr Serien, mehr Experimente…

Wie geht es weiter?
Für unsere Unterstützer haben wir uns sehr vielfältige Dankeschön-Pakete ausgedacht. So kann man zum Beispiel ein „Meet & Grill“ mit uns erwerben, uns Rechercheaufträge erteilen oder das detektor.fm-DJ-Team zu sich nach Hause holen. Wenn die angepeilte Summe zusammen kommt, bauen wir ein zweites Studio mit allem drin, drum und dran.

Was sollten mehr Menschen wissen?
detektor.fm steht inzwischen seit Sendestart schon für 61.152 Stunden besseres Radio! Wir arbeiten rund um die Uhr dafür – und man kann uns über das Crowdfunding bei der VisionBakery leicht unterstützen

>>>>> Hier das zweite Studio mitbauen und dektektor.fm unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Soziale Charts – hören und gesehen werden

Der Streamingdienst Spotify bietet seit ein paar Tagen eigene Charts an. Diese Hitlisten werden auf Basis der wirklich gehörten Songs in dem Dienst ermittelt. Das ist ein großer Unterschied zu klassischen Charts, bei denen der Kauf bzw. der Download eines Songs als zu wertende Einheit gemessen wird. In einer zweiten Ansicht ermittelt Spotify zudem so genannte Social-Charts, bei denen die Rangliste auf Basis von Empfehlungen in sozialen Netzwerken ermittelt wird.

In beiden Ansichten ergibt sich eine aus unterschiedlichen Gründen spannende Differenz. Spotify galt in der Debatte um so genannte Social Reader stets als positives wie gruseliges Vorbild: „Will ich denn dass alle wissen, was ich höre?“ lautet die Standard-Frage, wenn man über die Funktion von Spotify spricht, dem Facebook-Freundeskreis automatisch offen zu legen, was man hört. Genau dieses Prinzip nutzten auch so genannte Social Reader wie vom Guardian oder der Washington Post.

Man spricht vom frictionless sharing um zu beschreiben, dass Interaktionen wie Lesen oder eben Hören bruchfrei mit anderen geteilt werden. Die Sorge dabei: Andere könnten wahrnehmen, dass man irgendwie peinlich oder sozial unerwünschte Inhalte konsumiert. Diese Vorgeschichte sollte man kennen, wenn man die beiden unterschiedlichen Spotify-Charts dieser Woche anschaut.

Die Spotify 50 genannte Hitliste der am häufigsten gestreamten Songs führt der Song Can’t Hold Us von „Macklemore & Ryan Lewis“ an.

spotify50

Das ist die Hitliste der wirklich gestreamten Songs in Spotify. Darin enthalten: Imagine Dragons, Daft Punk, Calvin Harris, Capital Cities, Justin Timberlake. Ohne mich wirklich auszukennen: Das ist massentauglicher Pop, mit dem man sich zwar nicht als totaler Popstreber, aber eben auch nicht als vollständiger „und die Hits von heute“-Allesfresser outet.

Vor allem nicht, wenn man dagegen die Social-Charts anschaut – also jene Songs, die in der vergangenen Woche am häufigsten im deutschen Spotify empfohlen worden:

social

Diese Liste ähnelt schon eher dem, was in den klassischen Charts vorne steht: Diese werden wie auch die Social-Charts von Beatrice Eglis „Mein Herz“ angeführt. Darüberhinaus teilten die Nutzer auch Songs von Peter Wackel, SpongeBozz und Lisa Wohlgemuth – die allesamt nicht dazu angetan sind, soziale Distintion im positiven Sinn zu fördern. Aber vor allem finden sie sich weder in den klassischen Charts noch in den Streaming-Top10 von Spotify.

Die Wertung soll jeder für sich vornehmen: Die zufällige Stichprobe aus einer Woche legt jedenfalls aus meiner Perspektive keinesfalls den Verdacht nahe, dass Menschen vor dem sozialen Hintergrund des Empfehlens lediglich das öffentlich machen, was sozial erwünscht scheint. Im Gegenteil: Mir erscheinen die Social-Charts im Vergleich zu den klassischen und den gestreamten Hitlisten im plattesten Sinn des Wortes als Mainstream.