Alle Artikel in der Kategorie “DVG

Kommentare 0

Ein Vuja-de für die grüne Zukunft (Digitale Juni-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Juni-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Nur der, der sich die Gegenwart auch als eine andere denken kann als die existierende“, hat der Philosoph Theodor W. Adorno mal gesagt, „verfügt über eine Zukunft.“ Ich musste an dieses Perspektiv-Spiel von Gegenwart und Zukunft denken als ich dieser Tage den heimlichen Mitschnitt dessen sah, was Winfried Kretschmann über die Zukunft der Mobilität sagt. Kretschmann ist Ministerpräsident in Baden-Württemberg und in dem kurzen Clip erläutert er, warum er es für unvorstellbar hält, dass die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren in Autos nur noch bis 2030 möglich sein soll (danach müssten auch die in seinem Bundesland ansässigen Autohersteller auf andere Antriebe umgestellt haben). Die Grünen haben diese Begrenzung für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren für das Jahr 2030 auf ihrem Parteitag beschlossen. Für Kretschmann sind das „Schwachsinns-Termine“ kann man in dem Clip hören – über dessen fragwürdige Entstehung der Kollege Stefan Braun alles Relevante bei der SZ notiert hat.

Viel wichtiger als die Entstehung des Clips ist mir aber die Tatsache, dass Winfried Kretschmann sich offenbar keine andere Gegenwart (an deutschen Tankstellen) vorstellen kann als die existierende. Er erklärt in einer kurzen Sequenz, dass sein Hauptargument gegen den Plan sei, dass er keine Ahnung davon hat, wie die Fahrzeuge betankt aufgeladen werden sollen: „Jetzt überlegt dir mal: Es fahren fünf Millionen Elektroautos rum. Wo tanken die? Jetzt nimm mal eine ganz normale Tankstelle wie wir sie heute haben. Wir haben an großen Tankstellen vielleicht Platz für zehn Autos, die da auf einmal tanken können. Jetzt dauert das bei denen aber zwanzig Minuten. Jetzt! Wie soll das funktionieren?

Mal abgesehen davon, dass die Studien zur Elektromobilität den Verdacht nahelegen, dass Autos effektiv ohnehin so wenig bewegt werden, dass sie problemfrei in der Nacht am heimischen Stellplatz betankt geladen werden könnten. Und ebenfalls abgesehen davon, dass neue Technologien nicht fertig sind, sondern sich immer weiter entwickeln: Diese Analyse von Winfried Kretschmann ist nicht deshalb interessant, weil sie parteiinterne Streitereien offenlegt. Diese Aussagen des baden-württembergischen Ministerpräsidenten sind so interessant, weil sie für einen Mangel an etwas stehen, was Robert Musil mal „Möglichkeitssinn“ genannt hat. Realo sein, heißt für Winfried Kretschmann offenbar vor allem nach dem Motto zu denken: Gibt’s nicht – geht nicht. Oder etwas breiter: Ich lasse mir mein Bild auf die Gegenwart doch nicht von anderen Möglichkeiten in der Zukunft kaputt machen.

Polina Flegontovna

Diese Ansicht ist derzeit weltpolitisch traurig populär. Dass man sie aber auch bei einem der wichtigeren Grünen-Politiker und dann ausgerechnet im Bereich Umweltpolitik findet, ist erschütternd. Man ist fast froh, dass die Sache mit dem Atomausstieg von der Kanzlerin in die Hand genommen wurde (*zwinkersmiley*), denn womöglich wäre Kretschmann noch ein super Argument für den Erhalt von Atomkraftwerken eingefallen: Es gibt ja schon welche (*traurigerZwinkersmiley*)

Weil Winfried Kretschmann sich keine Lösung für die Frage vorstellen kann, wie Elektroautos betankt geladen werden können, sollen weiterhin (also auch nach 2030) Fahrzeuge neu zugelassen werden, die bewegliche Trump-Gefährten sind. Denn so muss man nach dem vom US-Präsidenten angekündigten Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen (ebenfalls in diesem Monat) das Zitat von Kretschmanns Parteikollegen Oliver Krischer interpretieren. Der grüne Fraktionsvize im Bundestag hatte im vergangenen Herbst gesagt:„Wenn wir das Pariser Klimaabkommen ernst nehmen, dürfen nach 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr neu auf die Straße.“

Aber was ist das Klimaabkommen schon gegen Winfried Kretschmanns Idee einer Tankstelle?

Die im doppelten Sinn deprimierende Antwort lautet: weit weg! Denn die Tatsache, dass wir unseren „Wirklichkeitssinn“(Musil) zum Maßstab erheben, ist kein Problem, das die Grünen alleine haben. Wir neigen als Menschen dazu, unsere eigenen Vorstellungen und Prägungen zu übersehen. Winfried Kretschmann hält vermutlich sogar aus guten Absichten die heutige Form einer Tankstelle für maßgebend – und er ist damit kaum anders als die meisten anderen. Wir alle haben Prägungen, die dazu führen, dass wir Dinge und Gegebenheiten für richtig und wahr halten, die vielleicht nur Meinungen sind (siehe dazu „Ich bin am Wahrheiten“). Besonders anschaulich hat dies in diesem Monat Phil Laude am Beispiel des Fidget Spinners dargelegt. Denn im Umgang mit diesem kleinen Kreisels greifen auch bei eher jungen Menschen Mechanismen in der Beurteilung des Neuen, die erstaunlich sind.

Weil es diese Mechanismen eben bei jungen Facebook-Fans genauso gibt wie bei grünen Ministerpräsidenten, schreibe ich gerade an einem Buch, das Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen aufzählt. In der Recherche bin ich dabei auf ein Bild gestoßen, das vielleicht auch Winfried Kretschmann helfen könnten. Es handelt sich um ein umgedrehtes Deja-Vu. Damit wird eine Beobachtung beschrieben, von der man den Eindruck hat, man habe sie schon einmal erlebt. Ein Vuja-De hingegen dreht diesen Eindruck genau um: Es geht also darum, eine bekannte Sache eben genau so zu betrachten, als sei sie vollkommen neu. Robert Sutton hat diese Idee in seinem Buch „Weird Ideas That Work“ angestoßen – und damit nahezu eine Innovationsschule begründet. Jedenfalls kann man sich vornehmen, nach dem Prinzip des Vuja-De auf Dinge und Gegebenheiten zu schauen. Man kann sich bemühen, Perspektiven einzunehmen, die einem neu und fremd sind. Und am Ende kann man so auf Ideen kommen, die man sich ganz und gar nicht vorstellen kann.

Vielleicht versucht Winfried Kretschmann es ja mal mit einem Tankstellen-Vuja-De?
¯\_(ツ)_/¯


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Wir sind zu unseren Eltern mutiert

Wenn man am Ende des Jahres zurückblickt auf diesen Sommer, wird man um den Begriff Fidget Spinner nicht herumkommen. Die Handkreisel erlebt gerade etwas, was in den Medien als „Hype“ bezeichnet wird – und sich im Rückblick bestimmt toll anfühlen wird. Im Moment jedoch widerfährt dem Fidget Spinner, was Neuerungen stets zustößt: Sie werden von all denen abgelehnt, die sie nicht verstehen.

Die Welt titelt zum Beispiel Dieses neue Spielzeug treibt Lehrer in den Wahnsinn, Brigitte fragt besorgt „Wie gefährlich ist das Trend-Spielzeug?“ und Harry G stellt kopfschüttelnd fest: „Ich bin zu alt für sowas“ und erzählt von früher…

Da ich mich gerade mit der Geschichte des Weltuntergangs befasse, kann man beruhigt feststellen: Keine Panik! Früher war nicht alles besser. Der vong Humor her hochgeschätzte Phil Laude hat dies jetzt in einem großartigen Lied auf den Punkt gebracht. Im Fidget Spinner Hate-Song fasst er zusammen, wie Kulturpessimismus sich in einem stets wiederkehrenden Kreisel befindet, der seinen Antrieb daraus zieht, dass irgendwer behauptet: Früher gabs das nicht! Und dieses früher im Anschluss zum Maßstab erhebt.

Wer sich dafür im Detail interessiert, sollte den Pessimists Archive-Podcast anhören, sich auf den Shruggie freuen oder den Song von Phil Laude anhören:



Hier die Fidget-Spinner-Hate-Song Lyrics

Man kann’s nicht mehr verschweigen:
diese Welt wird immer dümmer
Donald Trump, RTL und jetzt Fidget Spinner
Der Klimawandel sorgt dafür, dass die Welt untergeht
Doch Kids sehen lieber zu, wie sich ein Plastik-Kreisel dreht

Das liegt an YouTube und Instagram.
Früher gabs das nicht: Wir waren besser dran

Wir haben Tamagotchis gefüttert
Auf dem Schulhof Pokemon-Karten gedealt
Und ja ich gebe zu:
ich habe mit den Polly Pockets meiner Schwester gespielt

Und die Kids von heute sind die Eltern von morgen
Hören auf dem Spielen, fangen an mit den Sorgen
Und es fühlt sich an als würd es immer schlimmer und schlimmer
Dabei drehen wir uns im Kreis:
Wie ein Fidget Spinner

So ’nen Plastikmüll hätten wir niemals gekauft
Wir haben gut investiert in Jo-Jos mit Leerlauf!
Und wer von uns braucht schon so ein Hover-Teil?
Wir hatten Zwei-in-eins-Skateboards „boa warn die geil!“
Heute knacken sie beim Kacken den Rekord in Candycrush!
Doch Snake hätten sie niemals auf Stufe 9 geschafft

Das liegt an YouTube und an Instagram
Früher gabs das nicht wir waren besser dran

Die werden alle immer dümmer
Die sind so desinteressiert
Doch die Wahrheit ist:
Wir sind zu unseren Eltern mutiert

Und die Kids von heute sind Eltern von morgen
Hören auf zu spielen fangen an mit dem sorgen
Und der Drogenkonsum wird immer schlimmer
Heroin, Christal Meth
Und jetzt Fidget Spinner

¯\_(ツ)_/¯

🏃 Fünf Entwicklungen, die man beim Laufen für (digitale) Medien lernen kann (Digitale Mai-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Es gibt einen schönen Nebeneffekt am sportlichen Laufen, selbst wenn es man es nur joggend betreibt: Während man rennt, hat man Zeit zum Denken. Es gibt recht lesenswerte Ausführungen darüber, wie das Zusammenspiel von Nicht-Denken und Nach-Denken beim Laufen den Zwischenspeicher im Gehirn befreit (iPhone-Besitzer kennen einen vergleichbaren Prozess vom „Aufräumen“ auf hohe MB-Zahlen angewachsener Apps auf dem Smartphone). Und aus eigener Erfahrung kann ich ergänzen: Dieses Zusammenspiel bildet manchmal sogar die Grundlage für neue Ideen.

Jedenfalls entstand die Idee zu dieser Folge der „Digitale Notizen“ beim Laufen. Was auch damit zu tun hat, dass ich in diesem Monat an einem besonderen Lauf teilnahm – aber eben auch damit, dass ich glaube, dass der Kultur- und Medienbranche sich mit dem Laufen befassen sollten: mit dem Laufen als Markt. (Foto: Unsplash)

Denn im Geschäftsfeld „Breitensport“ lassen sich auch für mich als mittelsportlichen Laien ein paar Entwicklungen ablesen, die vielleicht Inspiration für die Medienbranche sein könnten. Ich sehe diese fünf (zu denen ich auch einen Experten befragt habe)

🏃 1. Vom Produkt zum Prozess – wie der Markt sich verändert 🏃
Ein Sportartikelhersteller lebt davon, Sportartikel zu verkaufen. Das klingt logisch und ist sicher auch richtig – aber eben nicht nur. Aus der Perspektive der ersten Entwicklung lässt sich ergänzen: Ein Sportartikelhersteller der digitale Gegenwart verkauft nicht mehr nur Sportartikel, er ist Partner für den gesamten Prozess „Sport machen“ geworden – oder versucht dazu zu werden. Neben bedeutsamen Veränderungen in der Ausrichtung der Kundenbeziehung (s.u.) heißt dies vor allem: Es geht nicht mehr nur darum, Sportartikel herzustellen und diese zu vertreiben. Es geht darum, den gesamten Prozess in den Blick zu nehmen.
Und was heißt das für Medien? Wenn der Vergleich stimmt, reicht es nicht aus, sich einzig auf gute Produkte – also Artikel, Beiträge oder Texte zu konzentrieren. Es könnte sinnvoll sein, den gesamten Prozess der Orientierung in den Blick zu nehmen

🏃🏃 2. Vom Verkäufer zum Gastgeber – wie die Unternehmen sich neu positionieren 🏃🏃
Selbstwahrnehmung und Positionierung des Unternehmens ändert sich durch die Erweiterung der Perspektive grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum, gute Produkte zu verkaufen. Es geht um eine Infrastruktur, um eine dauerhafte Kundenbeziehung, für die das Unternehmen die Rolle eines Gastgebers einnimmt. Dabei folgt die Positionierung sehr vereinfacht gesprochen der Logik: Wenn wir wollen, dass die Menschen laufen (wofür sie dann unsere Sportartikel brauchen), dann müssen wir ihnen den Rahmen schaffen, in dem sie laufen können.
Und was heißt das jetzt für Medien? Wenn Sportartikelhersteller kostenlose Lauftreffs veranstalten, braucht es keine besonders große Kreativität um auf Lesegruppen zu kommen. Social Reading als Idee ist bereits da, bisher fehlt aber ein von Sportartikelherstellern Verlagen geschaffener Rahmen.

🏃🏃🏃3. Vom Kunden zum Testimonial – wie Verbraucher eine andere Rolle annehmen 🏃🏃🏃
Allein die Tatsache, dass Käufer*innen mit dem Erwerb von Sportartikeln auch Werbefläche anbieten, würde eine genauere Beobachtung verdienen: Wer ein T-Shirt von einem Sportartikelhersteller kauft, wirbt nicht selten durch die prominente Platzierung von Logo und Markennamen für den Hersteller. Allein die Frage zu stellen, wie man als Leser*innen diesen Distinktionsgewinn bei der Lektüre eines Mediums bekommen kann, wäre spannend. Aber darüberhinaus transportieren die laufenden Konsument*innen noch eine weitere Botschaft: Sie bringen andere Menschen in den Gastraum des Sportartikelherstellers. Sie werden zu Testimoninals, die die Sportartikelhersteller sogar bewusst fördern und vorstellen.
Was soll das jetzt für Medien bedeuten? Dass Leser*innen ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft Zeitung sind (siehe dazu meine Notizen aus dem Jahr 2009). Man entscheidet sich für das eine oder andere Medium eben auch weil man sich für die eine oder andere Gruppe derjenigen entscheidet, die es auch lesen/hören/gucken. Dieser Aspekt der Distinktion und Sichtbarmachung derjenigen, die ein Medium nutzen kommt bisher fast gar nicht zum Tragen. Die Laufbranche macht auf erstaunliche Weise vor wie es gehen könnte.

🏃🏃🏃🏃4. Von der Marke zum Medium – welche Rolle Inhalte spielen 🏃🏃🏃🏃
Diese Behauptung klang schon an anderer Stelle im Newsletter an: Marken erstellen selber Inhalte, mit denen sie Zielgruppen erreichen. Sie werden also selber zu Medien. Im Zuge der Veränderungen der eigenen Rolle produziert der Sportartikelhersteller eben nicht mehr nur Sport-BHs, sondern auch Sport-Berichte. Als Partner im Gesamtprozess „Laufen“ übernimmt der T-Shirtproduzent nun auch Ratgeberfunktionen, die früher Sportmedien übernommen haben.
Warum ist das für Medien wichtig? Weil Marken hier in den Kernbereich dessen vordringen, was bisher exklusives Geschäfts von Medien war: Mit Hilfe von Inhalten Ziegruppen zu erreichen. Selbst wenn die anderen Punkte den Medien in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung egal sind: Hier sind sie gefordert, sich neu und klarer zu positionieren.

🏃🏃🏃🏃🏃5. Von der (Produkt-)Eigenschaft zum Erlebnis – wie Werbung sich verändert 🏃🏃🏃🏃🏃
Wie inspiriert man Menschen dazu eine bestimmte Tätigkeit z.B. Laufen auszuüben? Indem man ihnen Menschen zeigt, die Freude an dieser Tätigkeit – also dem Laufen – haben. Bei der Beobachtung der zu Testimonials entwickelten Läufer*innen in sozialen Netzwerken habe ich verstanden, wie Content Marketing funktioniert (und was es von klassischer Produktwerbung unterscheidet): Es macht Lust darauf, eine Tätigkeit auszuüben, eine Produkt zu nutzen – indem es die Freude zeigt, die Menschen dabei haben. So stellen die Frontrunner und anders genannten Testimonials allein dadurch, dass sie ihr Laufen zeigen sicher, dass auch Menschen im erweiterten Umfeld inspirierte werden, zu laufen. Auch dafür brauchte man früher Sport-Medien und klassische Werbung.
Und welche Schlussfolgerung soll man nun daraus ziehen? Bei Content Marketing geht es nicht um Schleichwerbung oder Vertuschung einer Werbebotschaft. Es geht darum, die Nutzung eines Produktes von einer glaubwürdigen Person vorführen zu lassen. Völlig egal, wie man inhaltlich dazu steht: die Laufbranche zeigt, wie das funktionieren kann – und hat damit natürlich auch Einfluss auf klassische Medien.

Und wem das alles zu sportlich war: Man kann sich diese Entwicklungen auch von Apple zeigen lassen. In diesem Monat hat die Firma, die für viele ja ein Sportartikel-Smartphone-Hersteller ist, gezeigt, dass sie in Zukunft nicht nur das sein will, sondern zunehmend auch Infrastruktur-Anbieter werden will: Unter apple.com/today kann man sich anschauen, wie Apple die oben beschriebenen Entwicklungen auf die Anwendung seiner Geräte überträgt…

Zur Einordung meiner Beobachtungen übers Laufen habe ich jemanden gefragt, der sich damit auskennt: Aktiv wie als Berichterstatter. Gunnar Jans hat hier meine Fragen zum Laufen beantwortet.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Hope Cause I’ve Learned to Cope

Im Rahmen der Metaconference am NRW-Forum in Düsseldorf durfte ich heute mein passend betiteltes Buch Meta – das Ende des Durchschnitts vorstellen und ein wenig darüber sprechen, warum ich den Shruggie für ein gutes Symbol für eine neue Haltung zur Zukunft halte.

Dabei habe ich die wunderbare Rebecca Solnit zitiert, die mit ihrem Blick auf Hoffnung genau diese Haltung des Kulturpragmatismus auf den Punkt gebracht hat. Sie schreibt:

„Hoffnung ist die Umarmung des Unbekannten und dessen, was man nicht wissen kann. Hoffnung ist eine Alternative zu der Gewissheit, die Optimisten und Pessimisten gleichermaßen ausdrücken. Optimisten denken alles werde sich zum Guten wenden ganz ohne unser Zutun; Pessimisten nehmen die gegenteilige Haltung ein – beide finden darin eine Entschuldigung dafür, nicht selber aktiv zu werden.“

Nach dem Vortrag kam ein Zuhörer mit einer interessanten Referenz zu mir. Er hatte die Ideen der Shruggie-Haltung nämlich in einem Song wiedergefunden, den man sozusagen als Soundtrack zu dieser hoffungsvollen Perspektive auf die Zukunft hören kann. Er heißt: Hope (Cause I’ve Learned to Cope) und ist auch inhaltlich ein schöner Ratschlag!

Vielen Dank für den Hinweis!

Helfen nach dem Durchschnitt: der #global6k von Worldvision

Ich habe an diesem Wochenende an einem Lauf teilgenommen, für den sich außer mir genau 1350 Läuferinnen und Läufer angemeldet haben. Die Distanz des Laufs, der keinen offiziellen Startpunkt und keine Ziellinie hatte, betrug sechs Kilometer. Ich habe keinen der anderen Starter persönlich gesehen, ich habe keinem Teilnehmer die Hand geschüttelt und mit dem Veranstalter nicht persönlich gesprochen – und doch: der Global6k fand an diesem Wochenende statt. Nicht nur in Aurich, Ulm und Düsseldorf sind Menschen mitgelaufen, international haben sich über zehntausend Läufer*innen an diesem Projekt beteiligt.

Ich erzähle das hier so ausführlich, weil der Global6k von Worldvision die Idee eines Laufs nach dem Durchschnitt in die Tat umsetzt, die ich in meinem Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ im Schlusskapitel beschreibe. Es ist ein Lauf, der die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt – und in diesem Fall sogar für einen übergeordenten guten Zwecke: Die Teilnehmer*innen des Global6k laufen, um auf das Recht auf Trinkwasser hinzuweisen:

Sechs Kilometer ist die durchschnittliche Distanz, die Menschen in Afrika laufen müssen, um an eine Wasserstelle zu gelangen. In vielen Fällen ist dieses Wasser verunreinigt und vor allem für kleine Kinder lebensgefährlich.

Die Teilnahmegebühr für diesen Lauf wird eingesetzt, um Menschen in Ngoyila, im Osten von Sierra Leone Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen.

Ich finde das eine tolle Aktion, die die Möglichkeiten der Digitalisierung perfekt nutzt – für eine wie ich finde gute Sache. Wer das auch so sieht, kann auch ganz ohne Lauf hier für die Worldvision-Aktion spenden! Wer mehr über „Das Ende des Durchschnitts“ erfahren will, kann dies hier nachlesen.

Jung sein und jung bleiben

Wenn es eine Sache gibt, die ich am 20. Mai mit Sicherheit nicht tun werde, dann dies: Ich werde auf keinen Fall auf die Junge Digitalisten genannte Veranstaltung von snäckable gehen! Dabei wird sie von – ich habe das im persönlichen Gespräch überprüft – tollen Menschen organisiert, die spannende Sachen machen. Aber mich wird man im MediaLab der BLM an dem Abend sicher nicht sehen.

Denn ich darf nicht kommen. Ich bin zu alt (auch wenn ich mich kaum so fühle)! Anders als bei der Tincon, auf die ich mich im vergangenen Jahr durch Fälschen meines Schülerausweises einen Vortrag schummeln konnte, werde ich in München keine Chance haben. Und das ist auch gut so.

Gleichwohl gab es an der ursprünglichen Ausschreibung einen Aspekt, der mich interessiert hätte. Statt einer knallharten Altergrenze stand dort anfangs nämlich, die Veranstaltung richte sich an Menschen, die sich am Anfang ihres Berufsweges befinden. Und als ich das las, dachte ich: Stehen wir nicht alle am Anfang eines neuen Berufsweges? Sollten nicht auch bzw. gerade diejenigen, die schon eine Weile im Job sind, die Haltung des Einstiegs einüben? Die Bereitschaft, sich für Neues zu interessieren, die Freude daran, etwas Unbekanntes zu erlernen – all das macht ja den Berufseinstieg aus und scheint mir im Laufe eines Arbeitslebens nicht selten verloren zu gehen. Das ist schade – zumal in einer sich wandelnden Branche.

Auch deshalb habe ich in der letzten Ausgabe meines Newsletters die Leser*innen gebeten, Erfahrungen im Umgang mit digitalen Technologien zu teilen. Es gibt schon sehr tolle Antworten auf die kleine Umfrage, deren Ergebnisse mit der nächsten Folge des Newsletters Ende des Monats verschickt werden.

Wer die Ergebnisse lesen will, sollte sich hier auf den Newsletter eintragen.

Und wer Erfahrungen teilen möchte, kann hier eine (oder auch gerne mehrere) Typeform-Fragen beantworten:

1. Wie benutze ich Instagram?
Hier Instagram-Erfahrungen teilen
2. Wie erstelle ich ein eBook?
Hier eBook-Erfahrungen teilen
3. Wie verschicke ich einen Newsletter?
Hier Newsletter-Erfahrungen teilen
4. Wie erstelle ich einen Podcast?
Hier Podcast-Erfahrungen teilen
5. Wie führe ich meine ToDo-Liste?
Hier ToDo-Listen-Erfahrungen teilen
6. Wie kann ich Twitter optimal nutzen?
Hier Twitter-Erfahrungen teilen
7. Wie kann ich Videos selber erstellen?
Hier Video-Erfahrungen teilen
8. Wie kann ich selber Chatbots erstellen?
Hier Chatbot-Erfahrungen teilen
9. Wie führe ich ein Blog?
Hier Blog-Erfahrungen teilen

Und sollte hier jemand mitlesen, der zwischen 20 und 30 Jahren alt ist: am 20. Mai ist glaube ich eine ganz gute Veranstaltung in München

Die Privatsphärer derer, die uns die Privatsphäre rauben

Als der US-Kongress in dieser Woche gegen den Datenschutz stimmte, hatte Adam McElhaney eine Idee. Der Aktivist aus Chattanooga (Tennessee) „will den Abgeordneten nun zeigen, wie die Suppe schmeckt, die sie den Netizens eingebrockt haben“, umschreibt heise sein Vorhaben, gegen die Lockerungen im Datenschutz vorzugehen. Sein Ziel: „Ich will den Browserverlauf aller Abgeordneter, Kongressmitglieder, Manager und ihrer Familien kaufen und online auf searchinternethistory.com durchsuchbar machen. Alles, von ihren medizinischen Daten, über Pornografie hin zu ihren Finanzen und Untreue.

Dafür hat Adam ein Crowdfunding gestartet, an dem sich Stand Donnerstag abend deutscher Zeit nahezu 11.000 Menschen beteiligt haben. Auf diese Weise will er ausreichend Geld einsammeln, um die Datensätze derjenigen US-Politiker zu kaufen, die für die Lockerungen im Datenschutz stimmten.

Ein schöne Form der digitalen Demonstration, die natürlich die Frage aufwirft, ob man sich als Datenschutz-Aktivist derart gegen seine eigenen Ziele stellen und persönliche Daten veröffentlichen darf.
Adam bezieht hier klar Position und verteidigt seinen Plan als politische Selbsthilfe. Darüber kann man streiten, vorher entzündet sich im US-Techumfeld aber eine andere Debatte: Man kann gar keine persönlichen Daten kaufen, argumentieren The Verge und TechCrunch und verweisen darauf, dass auch nach den neuen Bestimmung nur anonymisierte Daten gehandelt werden können.

To be clear, you can’t do this. Just because carriers are allowed to market against data doesn’t mean they’re allowed to sell individual web histories. The campaigns seem well-intentioned, but that’s just not how it works.

Und spätestens hier wird die Aktion von Adam McElhaney zu einer bedeutsamen politischen Demonstration, denn sie richtet den Blick darauf, wie Datenhandel aktuell bereits funktioniert. In einem Update auf der GoFund-Seite stellt Adam nämlich klar, dass er sehr wohl glaubt, an persönliche Daten gelangen zu können:

If the data must be bought in bulk, ok that’s fine. Give us the external IP address of we are requesting the data for so we can filter.

Ohne die Details des amerikanischen Gesetzes zu kenne, würde ich nach meinen Erfahrungen des vergangenen Jahres sagen: Die Frage ist nicht, ob Adam die Browserhistory von z.B. Ryan Paul kaufen kann. Die Frage ist nur, ob er dafür genügend Geld und Zeit aufbringt. Denn vermutlich finden sich auch Ryan Pauls Daten in den Paketen, die bereits heute gehandelt werden – allerdings nicht über die Internet Service Provider, sondern z.B. über Browsererweiterungen, die mitlesen (Details dazu hier)

Im vergangenen Winter habe ich für die SZ aufgeschrieben, wie ich selber erleben musste wie meine Daten gehandelt wurden:

Formaljuristisch gesehen sind diese Daten pseudoanonym. Man kann also in den verkauften Daten zunächst nicht nach einem Klarnamen suchen, sondern nur nach einer Nummer, hinter der sich das Profil eines bestimmten Browsers verbirgt. Wenn man nun zum Beispiel die Seite analytics.twitter.com/user/dvg/home in den Daten findet, kann man sicher sein, dass es sich um jemanden handelt, der Zugang zu meinem Account @dvg hatte, denn man kann die Seite nur mit Passwort aufrufen.
In anderen Netzwerken sind diese Seiten ein wenig besser geschützt als bei Twitter, aber auch hier gilt: Wenn man eine solche Seite in den Daten gefunden hat, hat man ziemlich sicher auch den Besitzer des Accounts, der vermutlich auch seinen Klarnamen auf der Seite eingetragen hat. Von diesem Moment an sind die Daten mit einer konkreten Person verbunden – und alles andere als anonym.

Es gibt also durchaus eine Chance, dass Adam mit ausreichend Zeit, Geld und (krimineller) Energie an die Daten kommt, die er veröffentlichen will. Die Frage ist deshalb umso mehr, ob es richtig sein kann, einen derartigen Bruch des Datenschutzes zu betreiben – um sich für Datenschutz einzusetzen. Vielleicht wäre die Energie besser eingesetzt, um konstruktiv an einer anderen Datenschutzpolitik zu arbeiten!

#fairerteilen (Digitale März-Notizen)

Dieser Text ist Teil der März-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Das Netz kann ein besserer Ort werden, wenn wir selber aktiv werden. Deshalb haben Manuel Kostrzynski, Heiko Bielinski und ich im vergangenen Jahr #gegendiepanik ins Leben gerufen – und deshalb wollen wir nicht nur in Ausnahmesituationen achtsamer werden. Das ist die Idee von #fairerteilen. Unter dem Hashtag und der zugehörigen Website fairer-teilen.de wollen wir daran erinnert, wer aktiv werden kann gegen Gerüchte und Halbwahrheiten im Netz: Du und ich! Legen wir los!

Wir lieben Social-Media. Wir schätzen den Austausch mit Freunden und der ganzen Welt. Wir lachen über Hashtag-Humor und Internet-Quatsch.

Deshalb wissen wir, dass Social-Media auch missbraucht werden kann. Das ist Mist. Wenn Panik, Falschmeldungen oder Hass verbreitet werden, kannst du selber etwas dagegen tun – indem du dich fairer verhältst und dich bemühst, Inhalte fairer zu teilen. Deshalb haben wir sieben Regeln zum #fairerteilen aufgeschrieben, mit denen du helfen kannst, Hass, Falschmeldungen und Panik zu verhindern.

1. Von mir sollen keine Gerüchte, Halbwahrheiten und Falschmeldungen ausgehen! Ich weiß, dass es Seiten gibt, die mit Absicht falsche Informationen verbreiten wollen. Darauf falle ich nicht rein und damit werde ich meine Freunde nicht verwirren.

2. Wenn ich einen Link poste oder andere Inhalte veröffentliche, halten meine Freund*innen das für verlässlich. Das ist eine große Verantwortung. Ich bemühe mich, dem gerecht zu werden. Deshalb poste ich nur solche Links, die ich überprüft habe.

3. Um Links zu überprüfen, nutze ich Wikipedia (Gibt es das Medium überhaupt?) und die Rückwärtsbildersuche von Suchmaschinen – z.B. bei google.com/images oder TinyEye. So kann ich sehen, ob die Bilder nicht vielleicht aus einem anderen Kontext stammen und bewusst verfälscht wurden.

4. Wenn ein Beitrag mich sehr wütend oder sehr traurig macht, überlege ich, ob er vielleicht mit Absicht so geschrieben wurde, weil den Autoren diese Gefühle wichtiger sind als die Fakten. Deshalb überprüfe ich in einer Suchmaschine, ob und wie andere Seiten über das Thema berichten.

5.
Egal wie emotional ist bin: Ich bleibe fair und menschlich. Wer einem anderen Menschen den Tod wünscht, mit Vergewaltigung oder anderen Angriffe droht, verlässt den Boden des Grundgesetzes. Derartige Wortmeldungen wird es von mir nie geben, wenn ich sie lese, werde ich sie beim Seitenbetreiber und/oder der Polizei melden.

6. Selbst wenn man unterschiedlicher Meinung ist, bleibt die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Maßstab, an den sich Debatten halten müssen. Gerade wer behauptet, stolz auf dieses Land zu sein, sollte sich daran erinnern: Das Grundgesetz garantiert freie Meinungsäußerung, es ruft uns aber auch dazu auf, fair und menschlich bleiben.

7. Egal wie unübersichtlich eine Situation sein mag, ich werde nicht dazu beitragen, Verwirrung zu streuen. Denn das ist das zentrale Ziel derjenigen, die auf Gerüchte und falsche Meldungen setzen: Sie wollen eine Stimmung schaffen, in der sie ihre einfachen Antworten verbreiten können. Darauf falle ich nicht herein. Ich bleibe skeptisch und trage durch mein eigenes Verhalten dazu bei, Social-Media-Gelassenheit zu verbreiten.

Bitte die Seite und die Idee #fairerteilenfairer-teilen.de


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Tu was!

„Wenn ich von dieser Reise nach Deutschland eine Sache da lasse“, sagt Gary Vaynerchuk auf der Bühne der Online Marketing Rockstars und legt dabei seine Hände 🙏 wie zum Gebet zusammen 🙏. „Dann diese: Bitte, vergesst die Inspiration, den coolen DJ und die tollen Vortragenden hier. Ich bitte euch um eine Sache: Bitte, werdet aktiv. Tut was.

Gary Vaynerchucks Keynote ist ein 27minütiger Appell, sich zu bewegen und aktiv zu werden. Er trägt diesen frei und auf beeindruckende Weise vor. Es lohnt sich, diesen Vortrag anzuschauen.

Was ich daran mag: Gary Vaynerchuck beschreibt was ich Reinspringen und schwimmen nenne. „In unserer Branche gibt es wahnsinnig viele Leute, die Architekten sein wollen, aber keiner hat Lust Klempner zu sein.“ Wir stehen äußerst gerne am Rand, schwimmen lernen wir aber nur, wenn wir bereit sind, reinzuspringen und nass zu werden.

Vayernchuck illustriert dies am Beispiel von Menschen, die zwar gerne Instagram-Influencer werden wollen, aber keine Lust haben, Hashtags in dem Dienst zu verwenden oder den Austausch mit anderen zu suchen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir nur durch Versuch und Irrtum besser werden: diese beiden Frisbee-Werfer illustrieren es wunderbar. Und Versuch und Irrtum setzen voraus, dass man etwas tut.


Die neue Folge des Digitale Notizen-Newsletter wird genau diese Tu-was-Idee aufnehmen – und gemeinsam mit den Leser*innen aktiv werden. Wer dabei sein will, sollte sich jetzt hier eintragen

Vorbilder fortbilden!

Die Bundeskanzlerin hat auf der Cebit über die digitale Zukunft gesprochen – und dabei quasi nebenbei die Kulturhoheit der Länder übersprungen und sich in die Gestaltung der Lehrpläne eingemischt. Angela Merkel ist der Meinung, die Fähigkeit zu programmieren zähle zu den Grundfähigkeiten, die in der Schule unterricht werden solle. In ihren Worten klingt das so:

Menschen mitzunehmen, das wird in vielerlei Hinsicht eine Aufgabe sein. Ich sage Ihnen ganz offen: Das wird die Politik nicht allein können, sondern das müssen wir mit Ihnen, den Anbietern digitaler Technologien, gemeinsam tun. Das wird heißen: neue Formen der Bildung, zum Beispiel in der Schule – Digitalisierung der Schulen, Zugriff auf Clouds, Ausstattung mit Computern und die Vermittlung der Fähigkeit zu programmieren als eine Grundfähigkeit neben Lesen, Schreiben, Rechnen. Ich sage allerdings immer dazu: Lesen, Schreiben, Rechnen bleiben notwendige Grundfähigkeiten; das Programmieren kommt aber noch dazu. Nicht dass irgendetwas anderes wegfällt; das können wir den jungen Leuten nicht versprechen.

Das klingt toll. Wenn es aber stimmt, dann müssen wir den alten Leuten etwas versprechen: Sie müssen das auch lernen! Und das scheint mir viel spannender als die Frage nach dem Lehrplan. Wie erlangen Menschen außerhalb der Schule jene Fähigkeit, die in Schulen als Grundfähigkeiten angesehen werden?

Diese Debatte erscheint mir viel spannender als die Diskussion über Schulen. Denn: „Erziehung ist Vorbild und Liebe – und sonst nichts“ (Fröbel). Soll heißen: wir lernen (auch den Umgang mit Smartphones und Programmieren) über Vorbilder – also über Erwachsene, die zeigen wie sie es machen.

Machen wir uns auf die Suche nach genau diesen Vorbildern! Und wenn wir sie kaum finden, dann machen wir uns auf den Weg, sie fortzubilden!

Mehr zum Thema Kulturpragmatismus in den Digitalen Notizen.