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Helfen nach dem Durchschnitt: der #global6k von Worldvision

Ich habe an diesem Wochenende an einem Lauf teilgenommen, für den sich außer mir genau 1350 Läuferinnen und Läufer angemeldet haben. Die Distanz des Laufs, der keinen offiziellen Startpunkt und keine Ziellinie hatte, betrug sechs Kilometer. Ich habe keinen der anderen Starter persönlich gesehen, ich habe keinem Teilnehmer die Hand geschüttelt und mit dem Veranstalter nicht persönlich gesprochen – und doch: der Global6k fand an diesem Wochenende statt. Nicht nur in Aurich, Ulm und Düsseldorf sind Menschen mitgelaufen, international haben sich über zehntausend Läufer*innen an diesem Projekt beteiligt.

Ich erzähle das hier so ausführlich, weil der Global6k von Worldvision die Idee eines Laufs nach dem Durchschnitt in die Tat umsetzt, die ich in meinem Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ im Schlusskapitel beschreibe. Es ist ein Lauf, der die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt – und in diesem Fall sogar für einen übergeordenten guten Zwecke: Die Teilnehmer*innen des Global6k laufen, um auf das Recht auf Trinkwasser hinzuweisen:

Sechs Kilometer ist die durchschnittliche Distanz, die Menschen in Afrika laufen müssen, um an eine Wasserstelle zu gelangen. In vielen Fällen ist dieses Wasser verunreinigt und vor allem für kleine Kinder lebensgefährlich.

Die Teilnahmegebühr für diesen Lauf wird eingesetzt, um Menschen in Ngoyila, im Osten von Sierra Leone Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen.

Ich finde das eine tolle Aktion, die die Möglichkeiten der Digitalisierung perfekt nutzt – für eine wie ich finde gute Sache. Wer das auch so sieht, kann auch ganz ohne Lauf hier für die Worldvision-Aktion spenden! Wer mehr über „Das Ende des Durchschnitts“ erfahren will, kann dies hier nachlesen.

Meta goes beta: Das Lese-Experiment auf log.os

Ich mag Experimente: Mit Eine neue Version ist verfügbar probierte ich aus, ob Crowdfunding nicht auch für die Buchbranche möglich ist (Spoiler: ist es!), mit Meta! testeten wir, ob Bücher nicht auch in Versionen erschienen können (Spoiler: geht auch!) und gemeinsam mit Log.os probieren wir nun ob Lesen nicht auch ein Gemeinschaftserlebnis sein kann. Wie schon beim SZ-Lesesalon ist dies ein weiterer Schritt in Richtung Livejournalismus als Social Reading.

Ab 1. März lesen wir in einer Lesegruppe das Buch auf der Plattform Log.os. Dafür muss man sich dort einen Account anlegen und kann die digitale Fassung der Standard-Version kaufen. Zusätzlich zum Inhalt erhält man Zugang zum Social-Reading-Experiment. Dieses wird rund einen Monat dauern und etwa so ablaufen.

Wir starten am 1. März mit einem gemeinsam kleinen virtuellen Event, zur Buchmesse in Leipzig wird es ein Vor-Ort-Event geben (das natürlich auch auf der Plattform gezeigt wird) und zum Abschluss gibt es noch eine gemeinsame Veranstaltung am Ende des Monats.
Hier Mitglied bei Log.os und in der Meta!-Lesegruppe werden

Ähnliche Bücher, ähnliche Vornamen

Die digitale Bibliothek Skoobe hat mein Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ in dieser Woche in ihr Sortiment aufgenommen (hier der direkte Link) Das ist schön, etwas erstaunt hat mich allerdings, welche Titel der Skoobe-Algorithmus für „ähnlich“ hält:

Es sind dies vor allem Bücher von Autoren, die auch „Dirk“ heißen – sowie das Buch „Alles und nichts“ (bei dem ein „Dirk“ Ko-Autor war)

Das Clinton-Gruppen-Selfie als Symbol für „Das Ende des Durchschnitts“

„Ich versteh es nicht“, sagt der Kollege als ich sein Büro betrete. Vor ihm auf dem Bildschirm seine Facebook-Timeline mit überproportionaler Präsenz eines Bildmotivs aus dem US-Bundesstaat Florida. Fotografiert von Barbara Kinney während der Wahlkampftour der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton am vergangenen Mittwoch. Zu sehen sind ausgestrecke Selfiearme, deren Besitzer der Kandidatin den Rücken zeigen. „Was ist daran so besonders?“, fragt der Kollege. „Sie hat doch gesagt ,Und jetzt macht alle mal ein Selfie‚…“.

Der Kollege versteht nicht, warum dieses Bild dennoch so große virale Verbreitung findet. Es sei doch vor allem die Dokumentation einer Interaktion von Clinton mit ihrem Publikum.

Das ist es, aber ein anderer Kollege bringt später am Tag mit einer Collage auf den Punkt, weshalb die Rücken an diesem Tag vor dem ersten TV-Duell zwischen Clinton und Trump so häufig geteilt wurden: Sie werden als Zeichen einer Veränderung gelesen.

Dabei geht es gar nicht so sehr darum, was das Foto tatsächlich dokumentiert. Mindestens ebenso wichtig ist, was man auf dem Foto sehen kann wenn man es denn will: Man sieht Menschen, die sich von der vermeintlichen Bühne abwenden, ihr den Rücken zudrehen um ein Selbstporträt mit prominentem Hintergrund anzufertigen. Ein taugliches Symbol für die selbstbezogene Smartphone-Gesellschaft, die eher ein Selfie macht als zur Kandidatin zu schauen.

Für mich ist dieses Bild – abseits jeglicher Beurteilung – ein Zeichen für das, was ich „Das Ende des Durchschnitts“ nenne. Ein Zeichen für die Entwicklung zu einer digitalen Gesellschaft, in der nicht mehr das für alle gleiche Standardbild als Erinnerung dient, sondern die unzähligen Einzelfotos, die nicht nur durch das Publikum entstehen, sondern mit dem Publikum: Jedes Selfie zeigt Clinton – aber vor allem ein anderes Gesicht im Vordergrund.

978-3-95757-246-2-x160xx400x-1466586213Mir persönlich ist dabei völlig egal, ob irgendwer das nun gut oder schlecht findet. Mir persönlich ist es Zeichen einer Entwicklung, mit der wir so oder so konfrontiert sind. Und da ich mich in den vergangenen Monaten etwas intensiver mit ihr befasst habe, kann ich klar sagen: Sie wird spannend!

Mehr zum Ende des Durchschnitts:

>>> Der Digitale-Notizen-Newsletter zur Frage: Soll mein Buch auf Facebook?
>>> Das Ende des Durchschnitts – der Lauf zum Buch
>>> Meta- Das Ende des Durchschnitts

The Godfather-Notebook: Notizen der Entstehung

Vor vier Jahren startete ich ein Experiment, in dem ich die These aufstellte, dass die Digitalisierung uns dazu bringt, Kultur als Software zu denken. Eine neue Version ist verfügbar wurde ein Buch und der Beleg dafür, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch dessen spezifischer Entstehungsrahmen, also die Versionierung, Bedeutung haben kann. Steve Jobs-Biograph Walter Issaccson bewies bereits 2013 wie diese neuen Möglichkeiten, das Schreiben verändern können.

Dieser Tage nun wird ein Buch angekündigt, dass zeigt, dass die Entstehungsnotizen hoch interessant sein können: The Godfather Notebook kostet 50 Dollar und bringt dafür (im November) die Notizen des Pate-Regisseurs Francis Ford Coppola in Buchform.

via
Mehr dazu in „Eine neue Version ist verfügbar“

Die Maschine als DJ: „Dein Mix der Woche“

gaslight

Ich kenne Brian Fallon nicht. Der Gitarrist der bisher von mir ungehörten Band Gaslight Anthem (der oben auf dem Bild so grimmig guckt) singt mir gerade die Zeile: „It would break your heart, if you knew me well“ ins Ohr als ich feststelle: Hier scheint mich jemand recht gut zu kennen. Nicht so gut, dass es mir das Herz bricht, aber immerhin so gut, dass es mich erstaunt. Denn dieser jemand ist keine Person, es ist ein Dienst des Streaming-Portals Spotify. „Dein Mix der Woche“ nennen die Spotify-Macher das Angebot, das auf Basis meiner persönlichen Vorlieben wöchentlich eine Playlist erstellt. Exklusiv für mich – und so gut, dass ich plötzlich „Gaslight Anthem“ im Internet suche. Eine Band, von der ich schon mal gehört hatte, von der ich aber noch nichts Konkretes gehört hatte. Jetzt also „Break Your Heart“, der schon siebte Song in meiner persönlichen Wochen-Auswahl. Der siebte Song, der mir gefiel und der siebte Song, den ich vorher nicht kannte.

mixderwoche 30 Lieder hat mir die Spotify-Software zusammengestellt – diese „basieren zum einen auf den Songs, die Ihr aktuell gerne hört, und zum anderen auf der Musik, die bei anderen Nutzern mit einem ähnlichen Musikgeschmack gerade angesagt ist.“ Was dabei nicht auftaucht: Radio-DJanes oder DJs, die mir bisher Musik empfohlen haben. Das macht jetzt eine Maschine, die seit einer Weile beobachtet, was ich auf Spotify anhöre. Und ich muss sagen: die Maschine macht das gar nicht schlecht.

Und wie um diese Aussage noch schmerzhafter zu machen, haben die Spotify-Leute ihre Ankündigung mit der Figur des Rob Gordon aus Nick Hornbys Roman „High Fidelity“ referenziert: „Schon Rob Gordon sagte damals in der Komödie ‘High Fidelity’: “Ein Mixtape zu machen ist eine heikle Kunst!”‘ Das Buch ist sozusagen die Hymne aufs Kuratieren, der Plattenladen-Besitzer Rob (der im Film vom John Cusack gespielt wird) ist sozusagen das Role Modell des Musik-Kurators. Auf genau ihn anzuspielen, um einen Mechanismus vorzustellen, der Robs Job erledigt, ist nicht nett. Noch weniger nett ist allerdings die Tatsache, dass der Mechanismus (zumindest für mich) recht tauglich ist.

Ich weiß nicht genau, was das heißt. Ich bin mir aber sicher, dass Spotify gerade (abermals) dabei ist den Beweis für die These anzutreten: digitale Medien sind Kontext-Medien.

P.S.: Natürlich kann man auch weiterhin auf klassische Weise Musik entdecken. Die Band Golden Rules und ihr Album Golden Ticket habe ich zum Beispiel im Radio gehört – im Zündfunk.

P.P.S.: Ich habe keine Ahnung, ob man Yasiin Bey und Brian Fallon zusammen hören darf. Distinktion kann Spotify nicht besonders gut.