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#WM2014: der Rückblick

Schon während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 hatte ich über die (sport-)journalistische Begleitung des Ereignisses gebloggt. Jetzt neigt sich das Jahr zum Hashtag WM2014 seinem Ende entgegen – und wieder lohnt ein Blick auf die sportjournalistischen Rückblicke, die sich auch der WM widmen.

"Fussball ist dann bedeutsam und unvergesslich …" – aus dem SZ-Jahresrückblick 2014

Ein von Dirk von Gehlen (@dvg) gepostetes Foto am

Im SZ-Jahresrückblick schreibt Holger Gertz über das historische Halbfinale gegen Brasilien: #brager ist eine große Erzählung im Leben vieler Menschen. Deshalb widmet sich das Magazin 547490.de in einer Sondernummer genau dieser Begegnung, die „mehr als ein Spiel“ war.

Das Magazin 11 Freunde hat einen eigenen Jahresrückblick aus fußballerischer Perspektive gebaut, der mit den Worten „Was für ein Jahr“ angekündigt ist, aber tatsächlich eine Dokumentation dessen ist, was Fußballfans auch in Jahren noch über 2014 erzählen werden.

Dass man auch digital zurückblicken kann, haben die SZ-Kollegen mit ihrem multimedialen Rückblick unter sz.de/wm2014 gezeigt. Ein beeindruckende Web-Reportage zu den Ereignissen in Brasilien.

szwm

Marken werden Medien

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Vier Stunden vor dem gestrigen Spiel gegen die TSG Hoffenheim postete der Account des FC Bayern Profis Mario Götze das obige Motiv auf Instagram. Innerhalb von sechzig Sekunden, reagierten 1990 Instagram-Nutzer mit einem „gefällt mir“ auf das Motiv, das darauf hinwies, dass der gestrige Samstag ein Matchday genannter Spieltag sei.

Das Tempo der Begeisterung lies innerhalb der ersten Viertelstunde etwas nach. Statt 33 Likes in der Sekunde, klickten bis zur 14ten Minute durchschnittlich zwanzig Nutzer innerhalb einer Sekunde auf „gefällt mir“. Bis zum Anpfiff hatte sich die Anzahl der Likes für das Instagram-Motiv auf fast 92.000 summiert. Das ist drei Mal soviel wie Götzes Bild bis jetzt (fast 24 Stunden später) auf Facebook erzielt hat. Als Götze das 1:0 im Stadion in Fröttmaning erzielte, war die Zahl der Likes bei rund 100.000. (Zur Detailansicht auf das Bild klicken)

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Der Mann, dessen Name sich nur in einem Buchstaben von Goethe unterscheidet, hat 2,2 Millionen Instagram-Accounts hinter sich versammelt. Das ist viel, aber auch nicht ungewöhnlich für einen Spieler dieser Bekanntheit. Immerhin ist er Schütze des Siegtors im WM-Finale – und wie das aktuelle 11Freunde-Cover erinnert „der bessere Messi“.

Das Spiel gegen Hoffenheim war als Spitzenspiel in der derzeit mittelspannenden Bundesliga angekündigt, endete aber eindeutig mit 4:0 für den FC Bayern. Es darf also in Sachen Instagram-Analyse als gewöhnlich gewertet werden.

Und deshalb schreibe ich das überhaupt auf: In einem durchschnittlichen Bundesligaspiel erreicht ein Profi des Rekordmeisters mit einem durchschnittlichen Instagram-Motiv im November 2014 über 100.000 Likes – wobei ich die Zahl der Likes als Annäherung für ein bewusstes Erreichen von Zuschauern werte. Gesehen haben das Motiv vermutlich sogar noch entschieden mehr Menschen.

Mario Götze ist nicht mehr nur Spieler einer Fußball-Mannschaft oder Werbeikone für Unternehmen – er ist selber ein Medium. Im Frühjahr 2009 schrieb ich für die SZ über die Twitterwette zwischen Ashton Kutcher und CNN und die Frage, warum prominente Menschen Social-Media-Dienste nutzen (ja darüber wunderte man sich damals)

Damit ist die behauptete Demokratisierung der Publikationsmittel durch das Internet nun bei denen angekommen, die schon immer in der Öffentlichkeit standen: Ashton Kutcher und alle anderen VIPs, die twittern, nutzen die Kurzmitteilungsplattform, um die Macht darüber zurückzugewinnen, was und wie über sie berichtet wird. Wenn Kutcher Bilder vom angeblichen Hinterteil seiner Ehefrau ins Netz stellt, verlieren alle Paparazzi-Schnappschüsse mit ähnlichen Motiven ihren Wert. Kutchers Botschaft lautet: Näher und authentischer kann niemand über mein Leben berichten als ich selbst.

Fünfeinhalb Jahre muss man festhalten, dass der Prozess auf einer neuen Stufe angekommen ist: Marken werden Medien. Das Beispiel der Marke „Mario Götze“, die übrigens auch eine Website betreibt, die so aussieht wie ein Fußballmagazin, zeigt dies nicht nur auf dem Kanal Instagram gerade sehr deutlich. Das Medienkonzept hinter dem Fußballer wird unter dem Hashtag #partofgoetze in allen digitalen Kanälen (Web, App, Social-Media) gebündelt – und wirft die Frage auf: Wie reagieren Medien auf diese Entwicklung?


Update:
David Bauer weist mich auf ThePlayersTribune hin.

… dass der VfL Bochum gewinnt

…so sehr (…) ich mein Vergnügen an der Klasse und auch am Glanz der Champions League habe, schaue ich mir trotzdem lieber VfL Bochum gegen Sandhausen an als Bayern München gegen Barcelona. Weil auch ich mit jeder Faser möchte, dass der VfL Bochum gewinnt, während es für mein Leben, meine gute Laune oder meine schlechte Stimmung keine Rolle spielt, ob Bayern, Barcelona oder Chelsea gewinnen.

biermann Christoph Biermann hat ein (nicht nur für Bochum-Fans) sehr empfehlenswertes Buch geschrieben, es heißt Wenn wir vom Fussball träumen und ist die Quelle dieses Zitats. Die Begegnung VfL Bochum gegen Sandhausen schließt übrigens am 24. Mai die laufende Zweitliga-Saison ab (Hinspiel 12.12., 18.30 Uhr) – und vielleicht wünscht man sich dann auch deshalb, dass der VfL gewinnt, weil er dann aufsteigt.

Neuer Journalismus zur #WM2014

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In den vergangenen Tagen wurde viel über Googles Experiment zur Berichterstattung zur Fußball-WM diskutiert (hier der FAZ-Text). Dabei ist ein wenig in den Hintergrund getreten, dass diese WM tatsächlich auch ein Beispiel dafür ist, wie der Sportjournalismus digitalisiert wird. Dabei meine ich weniger Tortechnik oder 3D-Grafiken, sondern das, was gemeinhin als Internet-Quatsch bezeichnet wird.

Genau diesem Quatsch rund um den Fußball widmet sich seit Mai ein beachtenswertes Projekt des Telegraphs in Großbritannien: das Fußballblog Babb (Football, Fun, Games … then a bit more football) ist der erstaunliche Versuch, klassischen Sportjournalismus mit den Regeln des Social-Web zu verbinden. Es gibt auf der responsiv gestalteten Seite klassische Buzzfeed-Traffictreiber wie das Quiz „Welcher WM-Trainer bist du?“, es gibt Webfundstücke und WM-bezogene Meme, es gibt aber auch solche Beiträge, die erstaunliche Analysen auf digitale Art liefern: Anatomy of a drubbing ist der Beweis, dass man mit sehr einfachen und nicht nur ernst gemeinten Mitteln sehr gut erklären kann, warum Brasilien im Spiel gegen Deutschland unterlag:

Der Beitrag arbeitet mit einfacher Sprache und Screenshots der Fernsehübertragung, die mit schlichter Bildbearbeitung marktiert wurden. Dabei sieht man, dass man keine sich drehenden Kreise oder 3D-Animationen benötigt um zu analysieren, was Passgenauigkeit, Laufwege oder Verschieben bedeutet. Man scrollt lange runter und freut sich über diese (für mich) neue Form der Spielberichterstattung, die durch animierte Gifs aufgelockert ist. Das braucht Platz, das geht nur digital.

Zum Start des Blogs erklärte Alex Watson („Head of Product for mobile“ beim Telegraph) die Beweggründe für dieses Experiment so:

“We’re interested in trying to appeal to a new audience, and social is a really good way to do that because it breaks down lots of barriers and is an inherently fluid way for people to discover content.“


Jason Seiken
, der Ende vergangenen Jahres als Chefredakteur und Chief Content Officer beim Telegraph begonnen hat, zog dieser Tage ein postives Fazit zu dem Blog:

“Babb is a template for the innovation we’re seeing across all of our operations.“

loading: Brafus 2014

Vor vier Jahren reisten Christian Frey und Kai Schächtele zum Wintermärchen 2010 nach Südafrika, jetzt wollen die beiden gemeinsam mit Birte Fuchs nach Brasilien – um Geschichten hinter der Fassade der Fußball-WM zu erzählen. Dafür haben sie eine besondere Form des Crowdfunding auf ihrer Seite brafus2014 gestartet.

Kai Schächtele hat dazu den loading-Fragebogen beantwortet.

brafus

Was macht Ihr?
Wir reisen ab 4. Juni zu dritt durch Brasilien und wollen herausfinden, was die WM mit Brasilien macht und Brasilien mit der WM. Und ein wenig auch, was Brasilien mit uns macht.

Warum macht Ihr es (so)?
Brafus2014 ist die Fortsetzung unseres Blogs wintermaerchen2010.com, das uns vor vier Jahren durch Südafrika geführt hat, damals noch zu zweit. Was wir gemerkt haben, ist zweierlei: Zum einen haben, je länger unsere Reise gedauert hat, immer mehr Leute Lust bekommen, zu lesen, welche Menschen wir getroffen und welche Geschichten hinter der Fassade der WM wir aufgespürt haben. Zum anderen haben wir gemerkt, dass die These, unsere Leser seien nicht bereit, für journalistische Inhalte Geld zu bezahlen, nicht stimmt. Was sie brauchen, ist neben dem Interesse für die Inhalte eine emotionale Verbindung zu den Machern und ein Gespür dafür, wofür das Geld verwandt wird. Dann begreifen sie sich als Teil der Unternehmung und zahlen gern. Wir wollen jetzt herausfinden, ob das auch im größeren Rahmen klappt. Denn die Reise diesmal wird ungleich teurer als die vor vier Jahren.

Wer soll das lesen?
Jeder, der sich dafür interessiert, was hinter der Fassade dieser WM passiert, welchen Transformationsprozessen eine Gesellschaft ausgesetzt ist, die sich von einem Schwellenland zu einer Industrienation verändert, und wie der Alltag in einem Land aussieht, in dem so viele Schichten mit so unterschiedlichen wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen leben. Und jeder, der sich für Geschichten von Menschen interessiert, die genauso von ihrem Alltag erzählen wie von ihren Hoffnungen, Befürchtungen oder vom Trompetespielen (denn wir werden auch mindestens eine Blaskapelle besuchen).

Wie geht es weiter?
Das hängt entscheidend davon ab, ob es uns gelingt, eine Brafus2014-Community aufzubauen. Bislang steht nur etwa ein Viertel des Budgets. Und je nachdem, wie sich einerseits unsere Einnahmen entwickeln und wir andererseits unsere Ausgaben deckeln können, zum Beispiel durch private Übernachtungen, werden wir einen größeren oder kleinen Bewegungsspielraum haben.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass es im Moment den ernst gemeinten wie ernst zu nehmenden Versuch von Journalisten gibt, die Debatte um die Bezahlkultur für journalistische Inhalte im Netz voranzutreiben. Was uns eint, ist die Überzeugung, dass es genügend Menschen gibt, die unsere Arbeit wertschätzen und bereit sind, dafür Geld auszugeben. Was wir aber brauchen, sind Menschen, die uns dabei helfen, diese Botschaft über die Zirkel der Macher hinauszutragen. Im Moment zirkuliert das Geld noch zu sehr unter uns. Da zahlt Journalist A für Journalist B, Journalist B für Journalist C und Journalist C für Journalist A. Das war gerade am Anfang wichtig, damit sich in unseren Köpfen eine Welt öffnet, in der wir den Mut für Vorhaben entwickeln, die wirklich ins Geld gehen. Aber jetzt ist ein belastbares Signal derer notwendig, für die wir diese Arbeit machen. Journalismus ist kein Selbstzweck, sondern findet erst durch die Interaktion mit seinem Publikum zu seiner Entfaltung.

>>> Hier das Brafus Projekt auf der Paid Wall unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

loading: ecke:sócrates

Im Sommer findet in Brasilien die Fußball-WM statt. Tobias Zwior freut sich auf das fußballerischer Großereignis und will es mit einem journalistischen Projekt begleiten: Vor einer Woche ist ecke:sócrates auf Krautreporter gestartet. Ich habe Tobias den loading-Fragebogen geschickt.

Was machst du?
Ich arbeite gerade an meinem ersten eigenen journalistischen Projekt. ecke:sócrates – Das Hintergrund-Journal zur WM 2014 in Brasilien. Seit einer Woche ist das Crowdfunding jetzt online und ich merke immer mehr, dass das Projekt 24/7 in meinem Hinterkopf rumort, agiert, mich fordert. Und das ist gut so!

Warum machst du es (so)?
Weil ich finde, dass ecke:sócrates ein sehr wichtiges Thema bedient. Das vorerst letzte Mal für über ein Jahrzehnt findet eine Fußball-WM in einem Land statt, das den Namen „Fußball-Land“ auch verdient. Brasilien. Fußball ist trotzdem nur eine Facette dieses Landes. Und da sehe ich die Gefahr, dass jetzt im Vorhinein zwar immer wieder die enormen gesellschaftlichen Probleme Brasiliens thematisiert werden, sich während der WM dann aber die gesamte mediale Aufmerksamkeit komplett auf den Fußball richtet. Dazu möchte ich ein (wenn auch nur kleines, unvollständiges) Gegenangebot schaffen – und vor Ort in Reportagen, Porträts, Interviews möglichst nah am Menschen über die Hintergründe dieses Großereignisses berichten.
Außerdem hatte ich schon länger Lust, etwas eigenes auf die Beine zu stellen und da ich sowieso für ein Auslandssemester in Südamerika bin, bei mir eine chronische Fußballobsession diagnostiziert wurde und da ich Gesellschaftsjournalismus mag, kann ich diese einmalige Chance nicht verstreichen lassen. Ich musste dieses Crowdfunding-Experiment einfach wagen.

Wer soll das lesen?
Menschen, die von der WM elektrisiert sind, die sich am Tag drei WM-Spiele im Fernsehen anschauen, die den ganzen Tag über nichts anderes reden als die WM – und die in einer ruhigen Minute am Abend dann vielleicht doch nochmal wissen möchten, was „sonst noch so los ist“ in Brasilien. Alles in allem also eine ziemlich große Zielgruppe ;)

Wie geht es weiter?
Es geht zunächst einmal nur weiter, wenn die anvisierte Crowdfunding-Summe von 2200 Euro bis zum 7.2. erreicht wird. Damit steht und fällt das Projekt. Bis dahin werde ich alles dafür tun, dass das klappt und wenn es sein muss auch noch meinen Banknachbarn aus der 2. Klasse der Grundschule über Facebook aufstöbern und ihn fragen, ob er ein paar Euros beisteuert.
Sollte es tatsächlich klappen, werde ich als erstes die Reise und Unterkünfte innerhalb Brasiliens organisieren und dann weitere Kontakte knüpfen und Themen recherchieren, was das Zeug hält. Damit ecke:sócrates für den 12. Juni, wenn in São Paulo der erste Ball rollt, bereit ist.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Wer der Namenspate meines Projekts, Sócrates, war. Kein Philosoph, sondern ein außergewöhnlicher Fußballer, Politiker, Arzt, Mensch. Eine seltene Kombination.

Hier kannst du ecke:socrates auf Krautreporter unterstützen!

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: Fairplaid

Crowdfunding verändert nicht nur auf Basis einzelner Projekt die Art des Bezahlens. Durch neue Crowdfunding-Plattformen verändern sich auch ganze Branchen. Im Bereich Sport will die Plattform fairplaid das Prinzip der Förderung erweitern. Die Seite möchte Menschen belohnen, die Sportprojekte fördern.

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Wie das geht erklärt Anja Balleer im loading-Fragebogen:

Was macht Ihr?
Wir schaffen mit fairplaid.org eine neue Säule der Sportförderung in Deutschland. Auf den ersten Blick für die meisten eine „einfache“ Crowdfunding-Plattform, auf der Sportler und Sportvereine ihre Sportprojekte einstellen können. Allerdings stimmt das nicht ganz, denn wir erweitern das Prämienprinzip des Crowdfundings um eine weitere, dem Sport angemessene, Komponente. Auf fairplaid.org können die Unterstützer natürlich mit Prämien des Projektstarters belohnt werden. Besonders macht die Plattform allerdings, dass Unterstützer über exklusive Gutscheine von kooperienden Unternehmen belohnt werden – oftmals mit einem Wert in doppelter Höhe ihres Unterstützungsbetrags.

Als Beispiel: Du gibst dem Sportprojekt „Unterwasserhockey WM 2013 – Wir sind dabei!“ 10 Euro und kannst Dir hierfür einen Gutschein von brands4friends in Höhe von 20 Euro auswählen.

Warum macht Ihr es so?
Zum einen besteht unser Team durchweg aus Sportlern. Wir sind im Verein groß geworden, wissen was der normale Sportverein für die Gesellschaft leistet. Vor allem wissen wir aber auch um die schlechte finanzielle Lage der Vereine. Viele können kaum mehr den normalen Sportbetrieb aufrecht erhalten. Wir möchten den Sportvereinen deshalb eine neue Möglichkeit bieten, Gelder für ihre Sportprojekte zu sammeln. Die zusätzliche Komponente der exklusiven Gutscheine hat den Grund, dass Sportvereine eben oftmals nicht die tollen Prämien wie Bands oder Kulturschaffende bieten können. Uns ist bewusst, dass wir hier helfen und Prämien zusteuern müssen – daher diese Art der Belohnung der Unterstützer.

Wer soll da mitmachen?
Erstens natürlich Sportler und Sportvereine, die sich ihre Sportprojekte finanzieren lassen möchten. Zweitens diejenigen, die ihren oder andere Sportvereine unterstützen möchten und dafür belohnt werden. Drittens Unternehmen, welche etwas Gutes tun möchten und dadurch gleichzeitig Neukunden gewinnen möchten. Und natürlich viertens mittelfristig auch Gutscheinjäger, die in erster Linie sparen möchten. Freut uns aber auch, da auch diese mit ihrem Beitrag zu einer neuen Säule der Sportförderung beitragen

Wie geht es weiter?
Wir sind gerade mit den ersten Sportprojekten gestartet und hatten schon vor wenigen Tagen ein erstes erfolgreiches Projekt auf der Plattform. Wir noch in der Anfangsphase, spüren aber bereits das Interesse von vielen Seiten, potentiellen Projektstartern, Sportverbänden, Unterstützern, aber auch Unternehmen.
Wir sind überzeugt von der Sache und werden vollen Einsatz bringen, um Sportler und Sportvereine zu fördern und so viele Sportprojekte möglich zu machen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Mehr Menschen sollten wissen, dass es sich für jeden persönlich lohnt zu unterstützen. Zum einen weil die Plattform neue Möglichkeiten der Belohnung von Unterstützern in Form von exklusiven Gutscheinen bietet und ich als Unterstützer sozusagen „doppelt“ belohnt werde. Zum anderen aber, weil ich als Unterstützer mit meinem Beitrag den Sport und somit eine wichtige gesellschaftliche Bewegung – mit insgesamt 91.000 Sportvereinen – voranbringe und somit zu einer neuen Säule der Sportförderung beitrage.

Die Menschen sollten außerdem wissen, dass hinter fairplaid.org ein Team steckt, welches aus dem Sport kommt und gemeinsam mit Verbänden und Vereinen die Plattform konzipiert hat.

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: Das IOC-Buch

Im Wikipedia-Artikel über Jens Weinreich steht: „Obwohl Weinreich vorwiegend als Sportjournalist tätig ist, unterscheidet sich sein Werk deutlich von der üblichen Berichterstattung.“ Das bezieht sich auf die Themen, aber auch auf die innovativen Zugänge, die Weinreich zu seinem Beruf wählt.

Jetzt hat er auf Krautreporter des Projekt „IOC-Buch“ gestartet. Im loading-Fragebogen erklärt er, was sich dahinter verbirgt:



Was machst du?
Ich bin Journalist und beschäftige mich mit seit vielen Jahren mit Themen der internationalen Sportpolitik, mit Korruption und Compliance-Fragen. Im September wird der mächtigste Mann des Weltsports gewählt, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Das wird wahrscheinlich der Deutsche Thomas Bach. Gleichzeitig laufen alarmierende globale Machtverschiebungen im milliardenschweren Sportbusiness ab. Ölscheichs, Oligarchen und despotische Politiker wie Wladimir Putin dominieren die Szene, bestimmen über Mega-Events, Profit und Positionen, bringen ihre Marionetten in Stellung. Auch Bach ist bestens vernetzt und wird u.a. von einem dubiosen Scheich aus Kuwait unterstützt, der mal OPEC-Präsident war. Das alles will ich durchleuchten, so gut es geht – auch mit Hilfe der Crowd. Über diese Themen blogge ich, schreibe für Zeitungen, habe Filme und Bücher gemacht – nun will ich zu diesem sporthistorischen Anlass der IOC-Vollversammlung im September in Buenos Aires ein Ebook schreiben.

Warum (machst du es so)?
Auf herkömmlichen Wege, etwa über Buchverlage oder in dem ich meine Recherchereisen mit aktueller Berichterstattung für verschiedene Medien finanziere, kann ich ein solches Buchprojekt nicht stemmen. In Recherche investieren nur wenige Medien. Also versuche ich es selbst – über Crowdfunding. Die Interessenten kaufen ihr Buch vorab. Sie finanzieren meine Arbeit, meine Reisen, die Recherchen, auch ein Lektorat, juristische Unterstützung und vielleicht eine englische Übersetzung. Aber mehr noch: Es geht mir gleichzeitig um Crowdsourcing, ich baue immer auf meine Diskutanten – ja, ich nenne die Kundschaft nicht mehr Rezipienten, weil Journalismus für mich u.a. ein Diskussionsprozess ist. So wird diese Buchproduktion ebenfalls zum Diskussionsprozess, denn ich schreibe nicht im stillen Kämmerlein, sondern etliche Passagen gewissermaßen live, vor Ort, dort wo ich recherchiere. Die aktuelle Berichterstattung von der entscheidenden IOC-Session in Buenos Aires im September gehört mit zu diesem Projekt. Fast zwei Wochen 24/7, so wie ich es bei anderen Highlights wie Olympischen Spielen oft gemacht habe. Diese Art von sportpolitischer Live-Berichterstattung, Analytik in Echtzeit quasi, ist nicht alltäglich.

Ganz wichtig dabei: Ich zeige im Buch nicht nur die Machtstränge hinter der glänzenden Fassade des Olympia-Business auf, ich behandele dabei konsequent auch journalistische Themen – wie recherchiere ich, wer spricht mit mir, welchen Einfluss haben Spin-Doktoren und Propaganda, wer behindert Journalismus, wie lassen sich Journalisten und Medien instrumentalisieren, welche Chancen hat Journalismus in diesem Metier überhaupt noch? Das alles werde ich sehr plastisch beschreiben. Zudem arbeite ich mit Links, Fußnoten, Dokumenten – Nachprüfbarkeit und das Bereitstellen von Quellen und Daten sind essentiell in meiner Arbeit.

Wer soll das lesen?
Jeder politisch denkende Mensch. Das ist kein Sportbuch, sondern ein Polit- und Wirtschaftskrimi. Es ist alles dabei: Sex and Crime und ein bisschen Weltverschwörung. Wer liest nicht gern solche Krimis? Wenn Thomas Bach IOC-Präsident wird, ist das die wichtigste Personalie in der gesamten deutschen Sportgeschichte. Da möchte ich mich dann schon ganz gern der Wahrheit annähern, das Business, die Marionettenspieler und deren Puppen
beschreiben. Da sollte dieses Buch Pflichtlektüre sein.

Wie geht es weiter?
Während der Finanzierungsphase, die bis zum 8. Juli läuft, mache ich weiter normal meine Arbeit. In dieser Woche muss ich zum Beispiel eine Reise nach Lausanne in die IOC-Konzenzentrale finanzieren. Ich werde dort für einige Medien berichten, bloggen, filmen, Fotos machen, vor allem aber viele Gespräche führen und andere Treffen vorbereiten. Sollte die Projektsumme von 10.000 Euro zusammen kommen, kann ich wichtige Recherchereisen machen, ich muss zum Beispiel nach Russland, nach Afrika, mehrfach in die Schweiz. Ich kann meine Arbeit dann viel konzentrierter erledigen, weil ich, zum Beispiel, nicht um jedes Flugticket mit kleineren Geschichten kämpfen müsste, sondern weil diese Kosten abgedeckt wären.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dieses Buch wird ein Stück Aufklärung über eine Milliardenbranche, die mit Emotionen handelt. Es geht um Geschäfte in der Grauzone von Sport, Wirtschaft und Politik, um Korruption, um eine Parallelgesellschaft mit eigenen Gesetzen. Ich kann da etliche Erklärungen und Analysen bieten, weil ich mich seit mehr als zwanzig Jahren intensiv in dieser Szene bewege und versuche, meinen Job als Journalist zu machen und Aufklärung zu liefern. Jeder kann das Buch besser machen, in dem er es vorab kauft, meine Recherchen finanziert, sich an der Diskussion beteiligt, Hinweise gibt, mich kritisiert – die Möglichkeiten sind vielfältig. Jeder Unterstützer bekommt dafür vor der IOC-Session im September ein Dossier, nach der Wahl des IOC-Präsidenten ein Ebook, und einige Goodies. Unterstützer bekommen also vor allem ein Produkt harter Arbeit und eines modernen Journalismus unter schwierigen Bedingungen. Ich finde, das ist ein fairer Deal.

>>>>Hier das „IOC-Buch“ kaufen

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Niemals aufgeben

Lance Armstrong hat keine Lust mehr, sich den Vorwürfen der Doping-Fahnder zu erwehren. So die Sicht des vormals erfolgreichen wie populären Radrennfahrers auf die Meldung der vergangenen Woche: Lance Armstrong lebenslang gesperrt.

Der mit Abstand beste Text, den ich zu diesem Thema, das eigentlich in diesem Blog nichts verloren hat, gelesen habe, stammt von Michael Specter aus dem New Yorker. Specter schreibt eine sehr persönliche Einschätzung zum Fall Armstrong, als jemand, der jahrelang über Armstrong berichtet und ihm wohl auch geglaubt hat. Specter macht sich selber zum Thema seines Textes und das macht den Text so gut:

That is why I am so deeply appalled by his announcement yesterday that he would no longer fight the charges against him. He said he was tired of the fight. Tired? Really? Armstrong made it clear on several occasions he would fight to the death.

Jetzt will Armstrong nicht mehr kämpfen – und Specter erinnert an ein Zitat des Sportlers, das mit den Geschehnissen der vergangenen Woche eine neue Bedeutung erlangt:

Pain is temporary. It may last a minute, or an hour, or a day, or a year, but eventually it will subside and something else will take its place. If I quit, however, it lasts forever.

Die Medien-Mitgliedschaft

Das da oben ist Philipp Köster. Er ist Chefredakteur des tollen Magazins 11 Freunde. In dem Clip stellt er die Dauerkarte des Magazins vor. Ein Mitgliedsausweis, der das konkret umsetzt, was Alan Rusbridger am Wochenende beim Guardian Open Weekend angekündigt hatte (siehe dazu den sehr lesenswerten Beitrag von Mercedes Bunz in der heutigen Print-SZ): Leser und Nutzer nicht als zahlende Kunden zu verstehen, sondern als Mitglieder einer Gemeinschaft. Jennie Gibson, die mit der US-Version des Guardian Nordamerika erobern möchte, bringt es so auf den Punkt:

We are trying to make [the audience] feel they are part of the international army of Guardian readers.

Spannend sind daran zwei Punkte: Zum einen betont eines solche Mitgliedschaft das Verbindende, das durch die Lektüre einer Zeitung bzw. durch die Zugehörigkeit zu einer Medienmarke entstehen kann (dazu habe ich unter dem Schlagwort Community hier bereits viel geschrieben). Zum anderen ist dies aber auch ein sehr spannender Ansatz für Pay-Modelle. Denn es ist mehr als rein sprachlicher Unterschied, ob man zahlender Kunde und zahlendes Mitglied ist. Am Beispiel der Wikipedia-Spende war diese sprachliche Fassung dessen, was man Geld-Transfer nennen würde, bereits Thema.

Vielleicht hängt Bezahlen im Internet nicht unwesentlich auch davon ab, wie man es nennt? Denn aus anderen Begriffen leitet sich auch eine andere Haltung ab.