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Wenn Freunde offline gehen …

Perhaps I’m feeling a loss of leisure so keenly these days because of my romanticized (but real) memories of summer days from not so long ago. Not just the ones in which I was a kid on a three-month vacation, but in which I was the daughter of parents who came home from their jobs at night and were at home, who cooked dinner, or maybe drove us to a movie or watched television or read a book without so much as a glance at a Palm Pilot or an e-mail in box.

Bei Salon.com schreibt Rebecca Traister darüber, How technology is stealing our lives und darüber, wie das Netz und die mobile Kommunikation die Arbeit in unsere Freizeit trägt.

Now, it often seems, there is no „gone for the weekend.“ There is certainly no „gone for the night.“ Sometimes there’s not even a gone on vacation.

Sie schreibt, durch die permanente Verfügbarkeit haben wir ein Monster erschaffen, das uns jetzt auffrisst und rät dazu, das Telefon mal eine Weile auszuschalten. Da zwei gute Bekannte genau dies unlängst getan und darüber geschrieben haben, verweise ich auf den Salon-Text. Er ist nämlich eine gute Vorbereitung auf die beiden Bücher von Christoph Koch und Alex Rühle, die in diesen Tagen erscheinen. Sie heißen und Ich bin dann mal offline und Ohne Netz* und sind beide sehr lesenswert.

Das sage ich nicht, weil ich mit beiden Autoren gut bekannt bin, sondern weil es stimmt. Allein deshalb wünsche ich beiden (die jetzt beide durch das gleiche Aufmerksamkeitsfenster müssen) nur das Beste fürs Buch. Dabei treffen sie auf eine Stimmung, die durchaus Interesse an der Vorstellung hat, wie das Leben denn ohne Internet wäre. Hier kann man sich anschauen, wie YouTube-Filmer mit diesem Gedanken umgehen. Wer danach einen lesenswerteren Zugang zu dem Thema sucht, kann ja einfach beide Bücher lesen. Ich habe es getan und erstaunt festgestellt, dass es nahezu keine Dopplungen gibt.

* Dienstag in einer Woche werde ich im Literaturhaus München die Buchpremiere von „Ohne Netz“ moderieren.

Wissen, Meinen und Status im Netz

Ins Internet und gleich gemerkt, dass das ein Fehler war. Abschätzige Twitterer, gemeine Blogger, die schmerzen seltsam mehr als die Jury. Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, denke ich immer.

Der Kollege Max Scharnigg hat am Wochenende in Klagenfurt beim Bachmannpreis gelesen. In seinem kleinen Tagebuch beschreibt er, wie er mit den Reaktionen der Jury und denen aus dem Netz umgeht. Ich erwähne das hier, weil heute früh der Bundespräsidentenkandidat neue Bundespräsident Christian Wulff im Deutschlandradio (MP3) das hier gesagt hat:

Früher war es so, da erfuhren sie nachmittags, dass morgen irgendwas in der Zeitung steht. Da konnten Sie schon richtig stellen, da konnten Sie schon gegenarbeiten. Heute erfahren Sie, dass etwas im Internet steht und Millionen anderer haben gleichen Zugriff auf die gleiche Information. Man hat damit keinen Vorlauf mehr, um Dinge richtigzustellen.

In dieser Zustandsbeschreibung aus der Mitte des politischen Betriebs steckt viel von dem, was man (siehe auch Max Bachmanntagebuch) wohl als Kommunikationskultur im Netz nennt. Darin steckt aber vor allem ein Indiz für die umwälzenden Veränderungen, die durch das Internet ausgelöst hat. Denn Wulff belässt es nicht bei dieser Beschreibung. Er fährt fort mit den Worten:

Da dann gelassen zu bleiben, das fällt gelegentlich dann auch mal mir schwer.

Nicht nur im Stil sagt dieser Satz einiges über den neuen Präsidenten, auch inhaltlich ist diese Aussage bemerkenswert. Wulff findet es also schwer, gelassen zu bleiben, wenn eine Information ihm nicht vorab zugespielt wird. Er beklagt, wie Philipp Banse (via) es schreibt, „dass er wegen des Internets keinen Wissensvorsprung mehr hat vor dem Rest der Welt“.

Um zu verstehen, woher eine solche Haltung kommt, muss man gar nicht auf den Politikbetrieb schimpfen. Sie ist in einem analogen Bürgertum festverwurzelt und begründet damit eine Abneigung gegens Netz – wie Burkhard Müller-Ulrich im Herbst 2008 sehr anschaulich dargelegt hat, als er im Deutschlandradio kommentierte:

Wir wissen noch nicht, wie es sein wird, wenn in einer vernetzten Datenwelt jeder Dödel alles weiß. Denn bis jetzt war Wissen immer etwas Exklusives. Gewiss, es war und ist auch einfach nützlich – besonders wenn es sich um sogenanntes Sachwissen handelt, aber es wirkte nicht zuletzt als Statussymbol, als Zeichen der Zugehörigkeit zur Klasse der Gebildeten.

Warum schreiben Menschen Dinge ins Netz

In Deutschland äußert man sich ja eher darüber, wie dumm Menschen sein müssen, dass sie Dinge ins Internet stellen. An anderen Orten des Web ist man schon etwas weiter und denkt lesenswert über die Beweggründe nach. Unter dem Titel Why we share: a sideways look at privacy schreibt JP Rangaswami über die Kultur des Teilens:

Speaking personally, most of the time when I share things (like my thoughts here), I share them because I want to learn. As I share, I make myself vulnerable, and in making myself vulnerable I strengthen bonds with the people I share with. As those bonds strengthen, trust between us grows, and I am less alone, less isolated. Which satisfies my drive to defend when under attack

Und Steven Johnson schreibt im Time-Magazin über die Kultur des Oversharing.

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