Alle Artikel mit dem Schlagwort “faz

Das Internet als Segen für den Journalismus

Ich halte es immer noch für einen Segen für den Journalismus, dass das Netz sich so entwickelt hat. Es bedient zwei Grundbedürfnisse des Menschen: Information und Kommunikation.

In der FAZ gibt es ein spannendes Gespräch mit Spiegel-Chef Mathias Müller von Blumencron. Er sagt:

Marken werden weiterhin eine große Rolle spielen. Die Amerikaner sagen: „Vertrauen ist der Goldstandard des Internetzeitalters.“ Der Leser hat eine gigantische Auswahl, niemals konnte er sich so umfassend informieren. Woran orientiere ich mich jetzt? Ist das meine Gang auf Facebook, ist das die „New York Times“, oder ist das mein Lieblingsblogger? Es ist derjenige, dem ich am meisten traue.

Sonne über Berlin

Dieses Vor-sich-hin-Krisen-Lösen passt zum Bild einer autistischen und alienhaften Regierung, einem Bild, das von den gesammelten Talkshowbewohnern inzwischen fraglos akzeptiert wird. Wenn jemand zwischen den Politikern und den Menschen unterscheidet, wird er gar nicht mehr korrigiert. Die dramatische Krise, der Burn-out, wie er Horst Köhler von Beobachtern attestiert wurde, ist das eine Erscheinungsbild der Depression – das freudlose, trauerlose Immerweitermachen ist das andere. Fragt ein Moderator den FDP-Politiker Jürgen Koppelin, ob Köhlers Rücktritt seiner Partei nicht „zu denken gebe“, kommt die Antwort vollautomatisch: „Nein, wie kommen Sie denn darauf?“ Als ob das Nachdenken, wie Dr. No in „Goldfinger“, die tödliche Falltür im Boden auslöste.

In der gestrigen Ausgabe der FAS schreibt Nils Minkmar unter dem Titel Es ist Sonne über Berlin über das Berliner Sommertheater rund um Bundespräsidenten, Kandidaten, Rücktritte und den Zustand der schwarz-gelben Regierung.

Der Einfluß der Echtzeit-Medien

Wie verändern Twitter, Facebook und Co den Journalismus? Holger Schmidt hat dazu eine – die unlängst erwähnte Studie zitierende – Präsentation online gestellt, die den Titel Journalismus und PR 2.0 trägt.

Besonders spannend finde ich daran die Seite 6. Dort steht (leider ohne für mich erkennbare Quelle), dass unter den 18- bis 29-jährigen Amerikanern mehr Menschen ein „Individuum oder eine Organisation mit sozialem Netzwerk“ als Nachrichtenquelle nutzen als eine klassische Zeitungs-Webseite. Eine Bestätigung mehr für die These, dass Nachrichten sozial werden.

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Internet ausdrucken

Zwei Zitate aus der RSS-Lektüre von heute früh (nicht wertend, sondern nur beschreibend) nebeneinander gestellt

Im FAZ-Porträt Eine Bühne für die Netzgesellschaft über Alvar Freude sagt er:

„Leute, die das Internet nur durch Ausdrucke kennen, merken es gar nicht, wenn sie einen kulturellen Raum zerstören“

Der Tagesspiegel interviewt Wolf Schneider, der sagt:

Ich benutze gar keinen Computer, aber meine Frau verfolgt ein Dutzend Blogs und Twitter und druckt mir das aus. Kein Tag, an dem ich nicht mindestens zwei Blogs lese!

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Inflation der Meinungen

… wie sehr die Inflation der Meinungen deren Bedeutung relativiert: dass eben dort, wo die Produktionskosten für Veröffentlichungen sinken, auch zwangsläufig der Wert abnimmt. Endlich darf jeder mal sagen, was alle anderen auch sagen. Dabei ist völlig unerheblich, ob die Beiträge der Amateure im Einzelnen qualitativ so hochwertig sind wie jene, die noch von professionellen Autoren unter den Bedingungen einer klassischen Medienökonomie geschaffen werden. Es handelt sich gewissermaßen um eine völlig andere Art von Text.

Während ich gestern die strategischen Ausführungen von Martin Nisenholtz von der New York Times las, erschien in der FAS ein Text, der sich mit dem Wert von Leserkommentaren im Internet befasste (Untertitel: „Millionen Meinungen ergießen sich täglich ins Internet. Aber was sind das eigentlich für Texte? Und wie ernst muss man sie nehmen?“). Darin wird die obige These aufgestellt: dass nämlich der Wert der veröffentlichten Meinung allein deshalb abnimmt, weil jeder veröffentlichen kann. Ist das so? Gelten für Meinungen die gleichen Marktmechanismen wie für beispielsweise Finanzen? Oder ist die Äußerung von Amateuren nicht vielmehr Bestandteil des Systems, das man Demokratie nennt? Anders formuliert: Sinkt tatsächlich der Wert eines Wiener Schnitzels, nur weil es nicht mehr im Restaurant, sondern auch von Amateuren in der heimischen Küche zubereitet werden kann?

Ich weiß es nicht, aber vor dem Hintergrund des aktiven Rezipienten, finde ich die unterschiedlichen Ansätze der Beantwortung dieser Frage durchaus spannend.

FAZ über Nido

Hätten Spielplätze im Frankfurter Holzhausenviertel oder in Prenzlauer Berg – wo die „Nido“- Leserschaft wohnt – Türsteher, dann kämen derart gewandete Kinder da nicht rein. Gewiss, im Editorial klingt das weniger radikal: Man wolle sich um die „vielfältigen Interessen moderner Eltern“ kümmern, und zwar solcher, die „vielleicht nicht jede Nacht durchschlafen, aber noch Träume haben“.

In der FAZ schreibt Sandra Kegel unter dem Titel Ihr seid ganz schön gaga über Nido. Dummerweise scheint sie für ihre Thesen im Heft keine Belege zu finden, deshalb muss sich ein „gewiss, im Editorial klingt das weniger radikal“ einschieben.

Statt einer wirklichen Analyse des sich ändernden Elternbildes wenigstens zu versuchen, arbeitet der Text sich an den unterschwelligen Vorstellungen der Autorin ab, die mit der angenommenen Welt der ebenfalls imaginierten Nido-Leser nicht zusammen gehen wollen.

… deshalb gibt es als Literaturtipp auch nicht Anna Katharina Hahns lesenswerte Elterngroteske „Kürzere Tage“, sondern Hanna Lemkes Erzählband „Gesichertes“.

Skandal!

Interessant an dieser Beschreibung des neuen Elternmagazins ist zweierlei: Zum einen der Ansatzpunkt der Kritik (und die damit indirekt geäußerte eigene Warnehmung von richtiger Elternschaft) und zum zweiten das erkennbare Problem mit dem Konzept „Magazin“. Beispielhaft ist dies in dem folgenden Zitat zu fassen (das große I in „Ihre“ ist wie das große S in „Sie“ ein vermutlich bezeichnender FAZ-Tippfehler):

„Lebensgefühl-Journalismus“ nennen Ebert und Klotzek das Konzept, das sie bei „Neon“ erfolgreich umsetzen. Hier verlieren Sie Ihre panische Angst davor, zu verspießern und die hippen Freunde aus den Lofts zu verlieren. Denn, so lesen wir in „Nido“: Guter Sex geht auch, wenn man Kinder hat, und Achtung: Wenn man der Politik nur ein bisschen Beine macht, dann klappt’s auch mit dem Krippenplatz.

Bereits zur ersten Testnummer von Nido hatte der FAS-Autor Harald Staun über das neue Heft geschrieben. Die Geschichte trug den Untertitel: „Das Magazin „Nido“ will junge Eltern ernst nehmen – und macht alles noch schlimmer“. Der Text ist online nicht verfügbar. Staun hatte sich damals ebenfalls am Konzept des „Lebensgefühl-Journalismus“ abgearbeitet und war auf den – in seiner Plattheit selten erreichten – Schluß gekommen:

Mit kaum einer Lektüre jedenfalls ließe sich seine eigene Spießigkeit besser beweisen als mit der von „Nido“.

Mal angenommen diese Beobachtungen würden stimmen: Warum nutzen Kegel und Staun ihre Erkenntnis nicht zur Basis einer Analyse? Der Frage könnte man doch nachgehen: Was für eine Elternschaft muss das sein, für die solche Magazine gemacht werden? Und damit meine ich nicht den implizierten Spießigkeits-Vorwurf oder die Einschätzung, wann Sex gut ist, sondern die Frage: Warum gibt es Menschen, die sich eine derartige (für FAZ-Autoren offenbar unvorstellbare) Elternschaft zumindest zeigen lassen wollen? In welchen Kontexten leben die, mit welchen veränderten Ansprüchen und Zielen sind sie ausgestattet? Für all das liefert Nido eine herausragende Vorlage zur Medienkritik. Dass dies nicht genutzt wird, sondern stattdessen ein besserer Buchtipp empfohlen und Spießigkeit kritisiert wird, lässt ahnen: Das Konzept eines auf eine durch ein Lebensgefühl verbundende Magazin-Leserschaft bleibt unverstanden. Dabei würde genau darin eine Menge dessen stecken, was Publikation auch im Netz erfolgreich macht (siehe dazu den Eintrag Erfolgreiche Zeitungen verkaufen nicht nur Nachrichten).

Analphabeten, Zausel und die FAZ

Diesem meinem Verhalten kommt man mit journalistischem Werkzeug nicht bei; nach der Theorie des Journalismus dürfte es das nicht geben, und wenn doch, dürfte es beim Leser nicht gut ankommen. Wenn es trotzdem gern gelesen wird, muss der Leser einen Fehler machen.

In seinem FAZ-Blog schreibt Don Alphonso einen Text, der mir gefällt. Er befasst sich darin auf eine sehr eigene, sehr lesenswerte Art und Weise mit der Debatte (die in den vergangenen Tagen an unterschiedlichen Stellen geführt wurde) über den vermeintlichen Gegensatz von Bloggern und Journalisten. Dazu ist vielleicht alles gesagt, aber nicht so abgehoben schön formuliert und vor allem nicht auf der Website der FAZ.

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taz, FAZ und das Internet

Spätestens mit Schirrmachers Buch „Payback“ ist die FAZ ist zum „Zentralorgan der Nerds“ geworden, ein Wiki für alle, die etwas über das Internet schreiben wollen.

Sebastian Dörfler versucht sich in der taz an einer Einordnung dessen, wie in der FAZ seit kurzem das Buch von Frank Schirrmacher beworben wird über das Internet geschrieben wird. Dass die FAZ weit davon entfernt ist, ein Wiki zu werden ist das eine. Das andere, was mich ist erstaunt, ist, wie bei der Frage, wie man die technische Neuerung „Internet“ einzuschätzen habe, die alten Muster von links, rechts, von konservativ und modern ins Wanken geraten. Wann sonst schrieb die taz zu einem Thema

Wir werden der FAZ für ihre Hysterie noch dankbar sein.

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Literatur und Journalismus

Die Literatur ist auf einen doppelten Boden angewiesen, der Journalismus hingegen soll sich um diesen Boden überhaupt nicht bemühen, er darf ihn nicht haben.

Marcel Reich-Ranicki beantwortet in der FAS die Frage: Was ist der Unterschied zwischen Journalismus und Literatur?