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Herzlich Willkommen …

… auf der Website von Dirk von Gehlen.

Ich bin Autor und Journalist und lebe in München. Bei der Süddeutschen Zeitung leite ich die Abteilung Social Media / Innovation. Ich schreibe Bücher und halte Vorträge. Auf dieser Seite können Sie meine Vita und Fotos einsehen.

Die Digitalen Notizen sind mein privates Weblog, in dem ich seit 2007 interessante Merkwürdigkeiten aus der Medienwelt notiere. Sie können mir auf Twitter folgen, meinen Newsletter abonnieren oder eine Mail an dirkvongehlen (at) gmail (punkt) com senden.

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loading: Around the world in 100 bookshops

Torsten Woywod mag Buchhandlungen. So sehr, dass er eine „Entdeckungsreise zu den schönsten und außergewöhnlichsten Literaturorten dieser Welt“ plant. So beschreibt er sein Startnext-Projekt Around the world in 100 bookshops, das am Wochenende online ging und seine Fundingsumme bereits mehr als verdoppelt hat. Trotzdem hat er Zeit gefunden, den loading-Fragebogen zu beantworten.

Was machst du?
Drei Tage vor meinem 35. Geburtstag habe ich – per Ende Juni – meinen Job und meine Wohnung gekündigt und werde anschließend „in Buchhandlungen“ um die Welt reisen. Meine Erlebnisse und Eindrücke werde ich fortlaufend via Facebook teilen; außerdem entstehen im Anschluss ein Buch sowie eine Mini-Doku. Da die Reise möglichst umfangreich dokumentiert und nacherlebbar gemacht werden soll, lasse ich einen Teil der notwendigen Technik via Startnext-Crowdfunding finanzieren (z.B. Drohne, 360°-Kamera).

Warum machst du es (so)?
Der Prolog zu dieser Reise fand bereits im vergangenen Sommer statt: Während meines Jahresurlaubs bin ich quer durch Europa gereist und habe 63 Buchhandlungen in zwölf Ländern besucht. Das Ganze ist hat sich damals quasi verselbstständigt und wurde schnell zu einem echten Communityprojekt, so dass das Crowdfunding nun naheliegend war.

Wer soll sich dafür interessieren?
Das Projekt richtet sich an alle, die Bücher sowie Buchhandlungen lieben bzw. zu schätzen wissen. – Und natürlich an alle, die einem chronischen Fernweh erlegen sind. ;-)

Wie geht es weiter?
Nach Abschluss des Crowdfundings werde ich mich ab circa Mitte Juli auf Weltreise begeben und Buchhandlungen in Asien, Nordamerika und Südamerika besuchen.
Anschließend gehe ich mit dem Buch zur ersten Reise, das im Oktober bei Eden Books erscheint, sowie den frischen Eindrücken der zweiten Reise auf eine Veranstaltungsreihe quer durch Deutschland.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass Buchhandlungen viel mehr als nur „Geschäfte“ sind. Buchhandlungen sind Wohlfühlorte und Lieblingsplätze, in denen man stundenlang verweilen kann.
Und: Dass es nicht zwangsläufig Digital ODER Print heißen muss. Beides lässt sich wunderbar miteinander verbinden (wie auch dieses Projekt zeigt).

>>> Hier das Projekt 100 Bookshop auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


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Die Zukunft der Medien: meine Handy-Nummer (Digitale Mai-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Dieses Jahr sind bereits erschienen „Alles, was ich über Social Media weiß“ (April) „Die Zeitung nach dem Papier“ (März) „Denke kleiner“ (Februar) und „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar).

„Danke!“ Wenn es ein Wort gibt, das die Idee zusammenfasst, wie Ryan Leslie Musik macht und vertreibt, dann ist es vermutlich „Danke“. Der Wunsch, sich direkt bei seinen Fans zu bedanken sei es gewesen, die den Rapper dazu gebracht hat, eine Technologie zu entwickeln, die ich für so stimmig halte, dass ich ihr die obige Überschrift zugedacht habe. Denn bei der Superphone genannten Anwendung geht es zunächst gar nicht um die technischen Aspekte, es geht vor allem um die Haltung, die Leslie damit transportiert. Diese ist vergleichbar mit dem, was Amanda Palmer (auf die sich der Rapper konkret bezieht) in ihrem Buchtitel „The Art of Asking“ auf den Punkt gebracht hat. Leslie, der bereits mit 19 Jahren Harvard absolvierte und schon für einen Grammy nominiert war, wählt einen technischeren Weg: To Go Direct hat er den in einem Interview mal genannt und für mich steckt darin tatsächlich ein sehr zukunftsweisender Weg für Musik und Medien.

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Ryan Leslie kommuniziert mit seinen Fans, die für ihn im Wortsinn Supporter (Unterstützer) sind, direkt und ohne Umwege – übers Telefon. Leslie nimmt das Versprechen der Verbindung aus der Frühphase des Netzes ernst und macht die Zwischenhändler arbeitslos (Kill the middlemen). In diesem Fall sind damit aber nicht Verlage oder Labels gemeint, in diesem Fall geht es um Twitter, Instagram oder Facebook. Zwar betreibt er dort Accounts (anders als bei iTunes, wo man seine Musik nicht mehr kaufen kann), sein wichtigster Weg der Kommunikation mit seinen Fans läuft aber auf den Wegen, die er selber ausmessen und auswerten kann. Dafür hat er eine Technologie entwickelt, die Superphone heißt und ihn in die Lage versetzt, die 38.000 Menschen, die ihn derzeit unterstützen, direkt zu erreichen.

„Turn Social Media Followers in Real People“ steht auf der Produktseite von Superphone, das sich derzeit im Beta-Modus* befindet. Und darum gehts: Aus der großen Summe der Social-Media-Accounts diejenigen herauszufinden, hinter denen sich echte Menschen mit einem echten Interesse befinden. Forbes nennt den Ansatz, den Wandel vom „Customer Relationship Management (CRM) model zum Personal Relationship Management (PRM) model“. Es ist dies ein Wandel weg vom süßen Gift der Reichweite, das Facebook versprüht (siehe dazu die April-Folge), hin zu einem engen Austausch mit denen, die etwas verbindet – in dem Fall, die Begeisterung für Ryan Leslies Musik.

Diese Verbindung wird in Leslies Fall mit Hilfe der Handynummer und dem Austausch über SMS gehalten. Superphone wertete diesen Austausch aus und gewichtet die Kontakte – auch die privaten Kontakte. Im Dezember hat Leslie in Helsinki erzählt, dass dies gar das Verhältnis zu seiner Mutter verbessert habe (im Clip ab ca 6:31 min). Technisch ist all das vermutlich sogar vergleichbar mit dem Angebot von Facebook, der große Unterschied: Der Künstler Ryan Leslie kann sein Publikum direkt erreichen – und das Publikum kommt direkt zu ihm durch.

Die Telefon-Nummer (er betont immer wieder, tatsächlich kein anderers Telefon zu benutzen) ist dabei das Symbol für den unverfälschten, direkten Austausch. Dieses Versprechen stand auch mal hinter Twitter und Facebook, bevor Social-Media-Verantwortliche dort das Marketing für diejenigen übernahmen, die man dort angeblich direkt erreichen sollte. Vielleicht ist Superphone nun einfach nur die nächste Stufe dieser Entwicklung. Ganz sicher aber steht Superphone für ein anderes Verhältnis zum Publikum. Leslie will seine Fans direkt erreichen können – auch weil er von diesem direkten Kontakt lebt.

Im Producthunt-Podcast erzählt er, dass er es nicht fassen konnte als seine Plattenfirma ihm nach seinem ersten Album eröffnete, sie könne für die Bewerbung des zweiten Albums nicht einfach eine Mail an die Käufer des ersten schicken – weil sie diese schlicht nicht kenne. Stattdessen wurde eine Marketing-Maschine angeworfen, mit deren Hilfe möglichst viele potenzielle Käufer erreicht werden sollten. Mit schlechterem Erfolg als beim ersten Album. Leslie löste sich von seiner Plattenfirma, setzte alles daran für ein folgendes Album die Daten der Käufer seiner Musik zu erhalten und verschickte zur Veröffentlichung der Platte eine Mail – dabei lernte er dann ernüchternde Details über Öffnungsquoten von Newslettern und versuchte den nächsten Schritt.

Ab sofort macht er keine Alben mehr, stattdessen veröffentlicht er monatlich einen neuen Song, den er – schlimmes, uncooles Wort – im Abo vertreibt. Seine Supporter bezahlen ihn dafür, dass er bis zum Ende seiner Musikerkarriere nun jeden Monat einen Song veröffentlicht. Sie abonnieren ihn – direkt. Und sie reagieren direkt, wenn er Hilfe benötigt. Die Protz-Autos aus einem seiner aktuellen Clips organisierte ihm beispielsweise ein Fan aus Belgien – erzählt er in diesem Video.

Die Lehre, die ich aus der Idee Superphone ziehe, lautet: Es gibt mehr als reine Reichweite. Vielleicht ist die direkte Verbindung zu Supportern viel nachhaltiger. Vielleicht entstehen auf dieser Basis langfristigere Geschäftsmodelle, die irgendwann vielleicht nicht mehr Crowdfunding heißen, aber weiterhin auf die Idee der direkten Verbindung von Produzent und Konsument setzen. Die zentrale Fähigkeit scheint mir dabei in dem Wort zu liegen, das Ryan Leslie antreibt. Man muss als Produzent lernen, sich direkt bedanken zu können. Nicht nur technisch!

Mehr zum Thema Crowdfunding und direkte Geschäftsmodelle in den Digitalen Notizen:
>>> das Crowdfunding-Fazit zu Neue Version in sechs Punkten
>>> der Text Reden wir über Geld: Über Wertschätzung und Wertschöpfung
>>> der Text Wie verdient man in digitalen Zeiten mit Kultur Geld?
>>> die Hintergründe zum Projekt Langstrecke
>>> die Hinweise im loading-Newsletter

*Dieser Text stammt aus dem monatlichen Digitale Notizen Newsletter – und wenn ich zum Superphone-Test zugelassen bin, werde ich dort womöglich auch meine Handy-Nummer veröffentlichen.

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Meme in den Unterricht! Das Tincon-Zeugnis

Ich durfte heute in meiner Funktion als Phänomeme-Blogger auf der Tincon sprechen. Es ging um Internet-Quatsch, Meme und den aktivsten Teil der Popkultur: die Netzkultur. Es war ein Spaß und alles prüfungsrelevant. Teilnehmer*innen können sich unten ihr Zeugnis herunterladen!

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Verbunden mit dem Zeugnis ist eine Forderung, die ich den jugendlichen Besucher*innen der Tincon mit auf den Weg gegeben habe: Ich finde, Meme gehören in den Unterricht, Internet-Quatsch gehört auf den Lehrplan!

„Wir leben in einer hyper-memetischen Kultur“, schreibt Limor Shifman in ihrem Buch „Meme – Kunst, Kultur und Politik im digitalen Zeitalter“ und Felix Stalder spricht in seinem sehr empfehlenswerten Buch „Kultur der Digitalität“ gar von einer „digitalen Volkskultur des Remix und Mashups“(…), die „von unzähligen Personen mit sehr unterschiedlicher Intensität und unterschiedlichem Anspruch betrieben“ wird. „Die Gemeinsamkeit mit der traditionellen Volkskultur, im Gesangsverein oder anderswo, liegt darin, dass Produktion und Rezeption, aber auch Reproduktion und Kreation weitgehend zusammenfallen.“

Weil ich das genau so sehe, halte ich es für überfällig, diese digitale Volkskultur auch auf den Lehrplan zu heben. Egal ob in Heimat- und Sachkunde (Mein Zuhause ist das Internet), in Geschichte oder womöglich gar in einem eigenen Fach – es ist dringend nötig, die Kultur des Netzes auch im Unterricht zu behandeln. Mit der gleichen Berechtigung, mit der Schüler*innen Musikinstrumente im Schulunterricht einsetzen, sollen sie auch digitale Kreativitätsinstrument (Mashup, Remix, Referenz) in der Schule kennenlernen.

Vielleicht wird das unten stehende Zeugnis, das Tincon-Teilnehmer*innen ausdrucken und ausfüllen können, ein erster Schritt zur inhaltlichen Digitalisierung des Lehrplans. Vielleicht gehen sie mit dem Zeugnis zu ihren Lehrer*innen und fordern eine inhaltliche Digitalisierung des Unterrichts ein.

Bildschirmfoto 2016-05-27 um 15.31.22
PDF-Download

Mehr zum Thema Internet-Quatsch auch auf Phänomeme.de – wo auch der Begriff Phänomeme erklärt ist

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The Godfather-Notebook: Notizen der Entstehung

Vor vier Jahren startete ich ein Experiment, in dem ich die These aufstellte, dass die Digitalisierung uns dazu bringt, Kultur als Software zu denken. Eine neue Version ist verfügbar wurde ein Buch und der Beleg dafür, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch dessen spezifischer Entstehungsrahmen, also die Versionierung, Bedeutung haben kann. Steve Jobs-Biograph Walter Issaccson bewies bereits 2013 wie diese neuen Möglichkeiten, das Schreiben verändern können.

Dieser Tage nun wird ein Buch angekündigt, dass zeigt, dass die Entstehungsnotizen hoch interessant sein können: The Godfather Notebook kostet 50 Dollar und bringt dafür (im November) die Notizen des Pate-Regisseurs Francis Ford Coppola in Buchform.

via
Mehr dazu in „Eine neue Version ist verfügbar“

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loading: VfL Bochum Fotobuch

Regelmäßige Leser des Blogs wissen: Ich bin Fan des VfL Bochum – und ich interessiere mich für Crowdfunding. Entsprechend begeistert habe ich das Startnext-Projekt VfL Bochum Fotobuch des Fotografen Tim Kramer unterstützt – und ihm direkt danach den loading-Fragebogen geschickt.

Was machst du?
Ein Crowdfunding bei Startnext zur Teilfinanzierung eines Fotobuchs zum VfL Bochum 1848. In dem möchte ich verschiedene Sichtweisen auf Spieler und Verein präsentieren.

Warum machst du es (so)?
Um einen Teil der Produktionskosten decken zu können.

Wer soll sich dafür interessieren?
Angesprochen sind VfL-Fans, die einen Einblick in den Welt der Spieler und den Verein erhalten wollen. Auch darf sich derjenige angesprochen fühlen, der Interesse an der Fotografie hat.

Wie geht es weiter?
Nach Abschluss des Crowdfunding wird im September/Oktober mit der Produktion begonnen. Das finale Werk wird ab Oktober/November über vflbochumfotobuch.de vertrieben.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Was für tolle Menschen wir in der Mannschaft des VfL Bochum 1848 haben und was wir eigentlich für ein großes Glück haben, dass der gesamte Verein und ein Stadionbesuch so ist, wie er ist. Es sollten viel mehr dort mal vorbei schauen an den Spieltagen:-)

>>> Hier das Fotobuch auf Startnext bestellen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


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Ich verstehe Xing – zur Zeit – nicht mehr!

Seit ein paar Tagen schickt mir „das soziale Netzwerk für berufliche Kontakte“ (wie Xing sich in seiner Selbstbeschreibung nennt) in unschöner Regelmäßigkeit Mails, in denen mir mitgeteilt wird, dass in dem Netzwerk offenbar Mitteilungen auf mich warten. Xing selber nennt diese Mitteilungen „Kontaktanfragen“ und wenn man auf den Link, mit dem mir eine Premium-Mitgliedschaft verkauft werden soll, klickt, landet man tatsächlich bei den Kontaktanfragen

xing_nervt

83 dieser Anfragen warten dort auf mich. Xing spekuliert nun darauf, dass ich so neugierig bin, was sich hinter diesen Anfragen verbirgt, dass ich sofort eine Premium-Mitgliedschaft abschließe. Da ich das nicht mache, schickt mir Xing nun immer wieder Hinweise darauf, dass da doch noch was voll Spannendes auf mich wartet.

Das Problem: bis vor einer Weile konnte ich diese Anfragen noch ohne Bezahlfunktion einsehen – und habe sie mit Absicht nicht beantwortet. Denn viele dieser Anfragen waren gar nicht so spannend wie Xing denkt, sondern reine Pressemitteilungen, Verkaufsanbahnungen oder Akquise-Post, die mir mit Hilfe einer Xing Kontaktanfrage übermittelt werden sollten. Ich habe sie freundlich ignoriert. Nun zwingt Xing mich dazu, darauf zu reagieren (und sei es ablehnend) Denn als Basis-Mitglied steht mir die Funktion „Vernetzen“ nur noch sehr eingeschränkt zur Verfügung:

Als Basis-Mitglied können Sie nur eine Kontaktanfrage zur Zeit sehen. Sobald Sie diese annehmen oder ablehnen, können Sie eine neue Kontaktanfrage sehen

Mal abgesehen davon, dass mich die Angabe „zur Zeit“ sehr ratlos hinterlässt, frage ich mich: Wie bitte!? Ist der Verkaufsdruck so hoch, dass man die Kernfunktion eines Netzwerks grundlegend verkomplizieren muss? Oder anders formuliert: Als Basis-Mitglied verstehe ich das Netzwerk Xing – zur Zeit – nicht.

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The Age of Trotzdem – Wir sind unbeugsam

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Sascha Lobo hält gerade seine Rede an die Nation re:publica. Sie trägt den Titel „The Age of Trotzdem“ und er hat gerade tatsächlich die Anwesenden mehrfach Trotzdem rufen lassen.

Als Fan von Sascha Lobo und als Fan des VfL Bochum MUSS ich in diesem Moment darauf hinweisen, dass der Verein für Leibesübungen aus Bochum schon vor ein paar Jahren in seinem Leitbild (das erste im Profifussball) unter dem Punkt Unbeugsam Folgendes notierte:

Die Geschichte unseres VfL Bochum 1848 ist ein Spiegel
der Geschichte des Ruhrpotts: oft unterschätzt, von Großen
bedrängt und geprägt durch Widrigkeiten, Rückschläge und
Niederlagen – aber immer noch da!

Gestern, heute und morgen: Wir trotzen selbstbewusst den
Widrigkeiten, kämpfen gemeinsam gegen Rückschläge und
bleiben auch bei Niederlagen fair!
„Nicht unter kriegen lassen“ ist unser Antrieb,
„immer wieder aufstehen“ unser Prinzip,
„trotzdem“ unser Motto!

Ich glaube, es gibt nur eine Schlussfolgerung aus dieser Dopplung: die Nation re:publica sollte Mitglied des VfL Bochum werden!

vflBochum_trotzdem

Trotzdem!
¯\_(ツ)_/¯

Weiterlesen auf Digitale Notizen:
VfL-Trainer Verbeek und die Angst
Das Shruggie-Prinzip
Der Abschluss mit Obamas Gif

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Obama liefert dem Gif-Zeitalter das Cover-Motiv

Es gehört zum Wesen der Medien getriebenen Politik, dass sie sich schon immer auf die einprägsamen Sätze, die leicht teilbaren Zitate konzentriert hat. Was dem Zeitalter des Kalten Kriegs das „Ich bin ein Berliner“ Kennedys war, wird im Zeitalter des Gifs (mehr dazu im aktuellen Digitale-Notizen-Newsletter) vermutlich diese Drop-The-Mic-Szene von Barack Obama. Sie ist die greif- und vor allem teilbare Essenz seines Auftritts beim White House Correspondents‘ Dinner, seinem letzten als amtierender US-Präsident.

Wie sehr Barack Obama das Internet und seine Kultur verstanden (und genutzt) hat, kann man in der Analyse seiner Twitter-Nutzung oder in seinem „Ende des Durchschnitts“-Wahlkampf sehen. Bebildert wird all dies mit einer Gif-Sequenz, die nicht durch Zufall als Gif exitiert. Hier hat jemand genau verstanden, wie er im digitalen Gedächtnis bleibt: als animierte Szene, die in der Welt der Reactionsgifs schon jetzt ein instant classic ist. Das Sinnbild für einen gelungenen Abgang, eine souveräne Verabschiedung. Wir werden sie noch oft sehen, ehe Obama das Weiße Haus verlässt – und erst recht danach.

Dieses Gif wird in der Welt der Phänomeme zum Fazit von Obamas-Präsidentschaft: cool, souverän und digital verankert. Und das alles trotz NSA, Snowden und Whistleblower-Verfolgung. Im Wesen der medial getriebenen Politik ging es schon immer nicht nur um Inhalte.

Alles, was ich über Social Media weiß (Digitale April-Notizen)

Dieser Text ist Teil der April-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann! Dieses Jahr sind bereits erschienen „Die Zeitung nach dem Papier“ (März) „Denke kleiner“ (Februar) und „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar).

reichweite Eine Million Menschen. Mit dieser unfassbar großen Anzahl an Zuschauern weckt Facebook mein Interesse. Fast eine Million Menschen haben in den vergangenen Tagen diesen Beitrag auf der Phänomeme-Facebookseite gesehen, die ich für die Süddeutsche Zeitung beitreibe, um über Internetquatsch zu schreiben. Es ist ein kleines Blog, das ich u.a. aus Begeisterung z.B. für Gifs betreibe und in dem ich lerne, wie sich Aufmerksamkeit z.B. auf Facebook verbreitet.

Im aktuellen Fall handelt es sich um ein kleines Gif, das einen Jungen im gestreiften Schlafanzug zeigt, der kleine Luftballons auf den Haaren eines Säuglings elektrostatisch auflädt, um sie an die Wand zu kleben. Die Phänomeme-Facebookseite hat rund 18.000 Fans, der Ballonjunge hat ihre Reichweite in den vergangenen Tagen verfünfzigfacht. Wie ist das möglich?

Um diesen Erfolg zu ergründen, muss man zwischen den technischen und den inhaltlichen Implikationen unterscheiden: Technisch sprechen wir von einem Gif, einem kleinen Bewegtbild, das sich in der Welt der Phänomeme großer Beliebtheit erfreut, historisch aber erst seit kurzer Zeit von Facebook direkt in der Timeline angezeigt wird. Im Mai 2015 führte Facebook diese Funktion ein und es lohnt sich, dieses kleine Jubiläum angemessen zu begehen. Denn es ist keinesfalls klar, dass die genannte Funktion auf ewig in Facebook so bleiben wird. Derzeit ist es aber möglich, Gifs in der Timeline wie so genannte Autoplay-Clips abzuspielen: Die Bildsequenz spielt ohne Aufforderung und stumm los.

Inhaltlich gründet sich der Reichweiten-Erfolg des Ballon-Beispiels auf das, was hier unter dem Stichwort „Du bist, was du twitterst“ schon mal Thema war. Denn die Nutzung von Social Media ist ein Spiel der Identitäten, es geht dabei um den gleichen Antrieb, der Menschen eine bestimmte Frisur, Kleidung oder Tasche tragen lässt. Man muss das nicht gut finden, es lohnt sich aber die Mühe aufzuwenden, es zu verstehen bevor man der Welt seine Meinung über dieses Prinzip kundtut. Wenn man auf diese Mühe verzichtet, kommt dabei etwas heraus wie jener Twitter-Text (Blendle-Link) unlängst in der FAS.

Ich glaube – und der Ballon ist mir dafür Beleg – dass Postings in sozialen Netzwerken immer mehr zu einem digitalen Modestatement werden. Die Tatsache, dass Facebook einen Mangel an wirklich privaten Posts beklagt (und in Folge dessen vielleicht auch nicht mehr als klassisches Soziales Netz zu verstehen ist), bestätigt diese These. Man schmückt sich mit bestimmten Marken, mit bestimmten Thesen und darauf aufbauend mit bestimmten Identitäten. Und eine sehr einfache, sehr naheliegende Identität entsteht aus Verwandtschaftsverhältnissen. Deshalb markieren Nutzer unter dem Ballon-Bild ihre Geschwister. Weil das Ballon-Bild einen Aspekt ihrer Identität bedient.

Magazin- und Boulevard-Journalismus haben dieses Spiel der Identitäten schon immer gespielt. Es ging dabei schon immer darum, mit Inhalten Haltungen, Stimmungen, Identitäten Raum zu geben. Soziale Netzwerke haben dieses Prinzip kleinteiliger gemacht. Ein Beitrag über die Stadt Siegen kann zu einem Buzzfeed-Erfolg werden, obwohl der Durchschnitt der im klassischen Magazin- und Boulevard-Journalismus immer mit adressiert werden musste, sich überhaupt nicht für die Stadt Siegen interessiert. Diejenigen, die aber einen Bezug zu Siegen haben, finden sich in diesem Siegen-Beitrag wieder und interagieren damit – weil er ihr eigenes Modestatement ist. (Ich nenne dies „Das Ende des Durchschnitts“)

Dieses Identitätsprinzip ist ein Muster, das in zahlreichen Diensten erkennbar ist – am anschaulichsten natürlich in Facebook. Von hier aus lässt sich eine spannende Debatte darüber beginnen, wie diese Identitätsprinzipien die Reichweitenmechanismen klassischer Werbevermarktung prägen (vielleicht schreibe ich in einer der nächsten Folgen dazu), noch spannender scheinen mir aber gerade die Folgen für den klassischen Journalismus zu sein.

Technisch und inhaltlich schlagen sich die genannten Entwicklungen in dem nieder, was in Medienhäusern produziert wird. Dabei geht es einerseits darum, dass sich diese Inhalte technisch in den Timeline-Fluss einfügen, dass sie mit den Mustern des Bewegtbilds spielen und dass sie schließlich inhaltlich zur Identitätsprägung beitragen. Was das bedeutet lässt sich wunderbar an den Rappenings von Dendemann im Neo Magazin ablesen, wenn man diese nicht als musikalische Einlagen, sondern als digitale Fassung eines Leitartikels versteht.

Ein weiteres Beispiel lieferte dieser Tage der Guardian, der einen Leitartikel unter Mithilfe zahlreicher Schauspieler (u.a. Patrick Stewart) und mit Referenz auf Monty Python inszenieren lies (Hintergrund dazu): Der kurze Clip zur Brexit-Debatte ist nicht nur eine wunderbare Kopie der Vorlage aus dem Film „Das Leben des Brian“, es handelt sich dabei auch um die Umsetzung all dessen in einem Leitartikel, was ich über im April 2016 über Social Media gelernt habe.

Dieser Text stammt aus dem monatlichen Digitale Notizen Newsletter.

Ratgeber der Ratlosigkeit: Der Shruggie

Der Shruggie ist ein japanisches Emoji, das aus Zeichen aus dem Katakana-Alphabet zusammengesetzt wurde. Wenn Sie einen Shruggie nutzen wollen, kopieren Sie ihn hier ¯\_(ツ)_/¯

Auf dieser Seite sammle ich Links und Hinweise zum Shruggie, den ich sehr mag, weil er für eine besondere, digitale Lebenshaltung steht. Hier kann man der Idee auf Facebook folgen.

Am 22. April 2016 habe ich den Shruggie auf der Direttissima-Konferenz in München im Rahmen einer Präsentation vorgestellt:

Darin sind diese Texte und Bücher erwähnt:

The Life and Times of ¯\_(ツ)_/¯

Der Kanye-Shrug

Confused Travolta

– Die Herkunft von Emojis

– Eric Ries: The Lean Startup

Denke kleiner

– Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein

– Sarah Knight: The Life Changing Magic of Not Giving a Fuck

Social Media Gelassenheit

PS: Hier ist das Shruggie-Prinzip auf Facebook

PPS: Ich spreche nicht nur gerne über den Shruggie – und hier können Sie kostenslos den Digitale-Notizen-Newsletter abonnieren.