Alle Artikel in der Kategorie “Netz

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TV-Tipps: YouTube und Remix-Museum

Zwei Fernsehtipps für die nächsten Tage: Heute abend wird das Remix-Museum auf Arte vorgestellt. Für ihre Wissenschaftsformat X:enius haben Caro Matzko und Gunnar Mergner mich ins Lenbachhaus nach München eingeladen. Dort haben wir über das Vergessen im Internet und vor allem über den Zauber der Meme gesprochen.

arte_museum

Dabei durfte ich das Remix-Museum vorstellen, das Leonhard Dobusch, Thea Dymke, Georg Fischer, Anett Holzheid, Lorenz Gilli, Susanne Regener, Katharina Mosene, Katharina Meyer, Till Kreutzer und Moritz Jacobs ins Leben gerufen haben, um für ein neues Urheberrecht und für ein Recht auf Remix zu werben.

Deshalb schauen wir uns im Münchner Museum den Meme-Teil des (virtuellen) Remix-Museum an – und lassen Ziegen Bon Jovi singen. Auch den Harlem Shake gucken wir an.

Den wiederum hat Tim Klimes bereits für das Format 15 Minutes of Fame ins Fernsehen gebracht. Seine zweiteilige Dokumentation Die YouTube-Story läuft dieser Tage ebenfalls im Fernsehen: Am morgigen Mittwoch (5. August) um 20 Uhr auf ZDFinfo und am 12. August 2015 um 00:00 im ZDF. Die X:enius-Folge übers Remix-Museum läuft heute abend um 17.55 Uhr auf Arte (und hier im Netz)

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Auf welcher Seite stehst du?

Der Generalbundesanwalt hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Betreiber des Weblogs Netzpolitik.org wegen des Verdachts auf Landesverrat eingeleitet (Screenshot) Auslöser ist die Veröffentlichung von Dokumenten des Verfassungsschutz, die als vertraulich eingestuft wurden und von Plänen der Internet-Überwachung durch die „Erweiterte Fachunterstützung Internet“ berichten.

Diese Meldung bringt eine erstaunliche Wendung in die Debatte um die Arbeit der Geheimdienste, die Rolle der Bundesregierung und die Frage, wann es zu einem Aufbegehren einer digitalen Zivilgesellschaft kommt. Denn mit dem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Landesverrat werden Grenzen erkennbar, die eine Antwort auf die Frage ermöglichen, die ich mir schon 2013 in Bezug auf den Guardian und den britischen Geheimdienst gestellt habe: Auf welcher Seite stehst du?

Diese Frage ist Vorraussetzung für eine Politisierung, sie ermöglicht eine politische Bewegung, die wie der Umweltschutz nachhaltig Wirkung zeigen wird. Bisher war diese Frage so schwer zu stellen, weil für viele die Grenzen nicht sicht- oder kaum greifbar waren. Das könnte wird sich jetzt ändern. Dadurch, dass eine juristische Drohkulisse aufgebaut wird, fällt ein neues Licht auf den Umgang mit den Grundlagen „Fernmeldegeheimnis“ und „Pressefreiheit“. Diese „Justizposse“ (DJV) macht Muster erkennbar, die im Sinne des Streisand-Effekts zu einem Wendepunkt im Umgang mit den Snowden-Enthüllungen werden könnte.

In jedem Fall kann man auf der Seite netzpolitik.org/spenden eine sehr konkrete Antwort auf die Frage geben: Auf welcher Seite stehst du?


Update:
Bei Correctiv schreibt Markus Grill:

Heute haben wir auf unserer Seite alle geheimen Dokumente veröffentlicht, deretwegen die beiden verfolgt werden. Und wir werden noch heute Strafanzeige beim Generalbundesanwalt gegen uns selbst stellen. Wir verbinden damit die Hoffnung, dass viele Redaktionen ebenfalls die Dokumente veröffentlichen und ebenfalls Strafanzeige gegen sich stellen. Je mehr Redaktionen sich beteiligen, desto schwieriger wird es für den Generalbundesanwalt, die Ermittlungen gegen Beckedahl und Meister durchzuziehen.

Update 2: Bei Change.org wurde eine Petition gestartet, die die „Einstellung des Verfahrens wegen Landesverrats gegen Netzpolitik.org“ fordert.

Update 3: Konservative Politiker wie Kristina Schröder und der Hinterbänkler Jens Koeppen beantworten die oben gestellte Frage auf ihre Weise.

Update 4: Laut Golem ist die Website des Generalbundesanwalts ist gehackt worden.

Update 5: Der Generalbundesanwalt sagt der FAZ, dass er die Ermittlungen vorerst ruhen lassen will

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loading: Nach Bern

Ronnie Grob ist einer der bekanntesten Kuratoren im deutschsprachigen Digitaljournalismus. Erst vor kurzem hat er die Rubrik 6vor9 im Bildblog abgegeben (für die er fast neun Jahre lang Inhalte gefiltert hat) und im Abschiedsinterview angekündigt: „Ich werde also wieder mehr Zeit zum Schreiben haben.“ Für dieses Schreiben bittet er jetzt um Unterstützung: Mit Hilfe der Schweizer Crowdfunding-Plattform WeMakeIt will er sich nach Bern schicken lassen.

Zu diesem besonderen Blog-Projekt hat er den loading-Fragebogen beantwortet.

Was machst du?
Meine Idee ist es, auf der Website NachBern.Ch über den Wahlkampf um die Schweizer Parlamentswahlen am 18. Oktober 2015 zu bloggen. Und zwar sechs Wochen lang: Zunächst will ich drei Wochen lang die bereits gewählten Parlamentarier im Berner Bundeshaus beobachten. Danach will ich kreuz und quer durch die Schweiz reisen und den Wahlkampf der verschiedenen Kandidaten und in den verschiedenen Landesteilen verfolgen.

Warum machst du es (so)?
Die Schweiz hat ja ein Miliz-Parlament und keine staatliche Parteienfinanzierung. Das heisst, es sind grundsätzlich Privatpersonen mit Jobs, die sich für einen Sitz im Parlament bewerben und keine Berufspolitiker. Und der Wahlkampf muss mehrheitlich aus eigenen Mitteln, nicht aus öffentlichen Zuschüssen betrieben werden. So werde ich wohl eher weniger auf perfekt inszenierte Shows treffen, sondern mehr auf Menschen, die sich bemühen.

Als Beispiel dienen können diese beiden, am 30. Juli 2015 veröffentlichten Wahlkampfsongs von Grünliberalen und von der SVP:


Mich fasziniert das einzigartige politische System der Schweiz enorm. Und mal sechs Wochen lang genau hinzuschauen, wie Schweizer Parlamentswahlen funktionieren, das wollte ich schon vor vier Jahren. Jetzt unternehme ich einen ernsthaften Versuch, das zu finanzieren.

Wer soll sich dafür interessieren?
Am ehesten interessiert werden wohl Schweizer sein. Mitlesen sollte aber jeder, der sich für Politik, insbesondere für Demokratie interessiert.

Wie geht es weiter?
In den ersten 24 Stunden wurden bereits 26 Prozent der geforderten Summe gespendet. Das motiviert sehr, aber das Ziel ist erst am 28. August 2015 erreicht. Sollten wider Erwarten deutlich mehr als 10’000 Franken zusammenkommen, will ich versuchen, mein Angebot zu erweitern.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Wie hervorragend ein politisches System funktionieren kann mit Direkter Demokratie und mit nur wenigen Berufspolitikern.


>>> Hier Ronnie Grob Nach Bern schicken

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:
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Die Loyalität des Bastian Schweinsteiger

schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger verlässt den FC Bayern. Der Fußballer, der 17 Jahre für den Verein in München gespielt hat, wird in der nächsten Saison bei Manchester United unter Vertrag stehen. Das ist – nicht nur in München – eine Meldung, die viel Interesse auf sich zieht. Medien berichten über den Wechsel und auch die Medienmacher der Marke Bastian Schweinsteiger wissen das für ihre Zwecke zu nutzen. Sie haben einen Beitrag Werbespot produziert, der die aktuelle Meldung aufgreift und sie geschickt monetarisiert.

Darin haben auch die beiden Sport-Reporter Schauspieler Sebastian Hellmann und Wolff-Christoph Fuss einen Auftritt: Man hört wie sie ein Fachinterview spielen, in dem der eine dem anderen erklärt, warum Schweinsteiger ein super Typ ist – außerdem prophezeit er selbst erfüllend, dass die Fans sicher kein Problem haben werden mit Schweinsteigers Wechsel nach Manchester.

Schweinsteiger selber packt in dem Clip seine Sachen, schaut (ganz uneitel) im Fernsehen Szenen an, in denen er selber zu sehen ist, kritzelt Notizen auf einen Zettel und setzt sich zum Abschluss einen Kopfhörer auf die Ohren. Das alles ist vorproduziert, er spricht kein Wort, man hört nur die Stimmen der Journalisten Werbedarsteller aus dem Off.

Schweinsteiger selber meldet sich unter dessen auf Facebook zu Wort

Liebe Fans, ich möchte mich bei euch für die unglaublichen gemeinsamen Jahre beim FC Bayern München bedanken!Dear Fans, after 17 incredible years at FC Bayern, 15 national titles, winning the historical triple and uncountable other highlights that I was fortunate enough to experience with my incredible team, all you exceptional fans and the co-workers at Säbener Straße and Allianz Arena, I have decided to take a new career step. This decision was very hard to make because you and FCB have, are and will always be an extremely important part of my life. Nevertheless, I would like to again gain experience at a new club. My destination is Manchester United. I hope you understand my decision. No one can take away the incredible journey we had together. #MiaSanMia

Posted by Bastian Schweinsteiger on Sonntag, 12. Juli 2015

… und bedankt sich bei seinen Fans. Auf Facbook und auf seinen anderen sozialen Kanälen finden sich übrigens auch Fotos, die ihn mit den im Clip beworbenen Kopfhörern zeigen. Dass es ein anderes Modell ist, ist vermutlich dem Stress der vergangenen Tage geschuldet. Deshalb blieb wohl auch keine Zeit irgendetwas an der Homepage des Fußballers zu ändern: Dort stehen noch immer Trainingstermine des FC Bayern verlinkt. Aber die Homepage hat offenbar keine Priorität im Medienspiel des Bastian Schweinsteiger.

Ich habe das unlängst mal am Beispiel von Mario Götze notiert: Fußballer werden selber zu Medien. Im Falle von Schweinsteiger sieht man nun, wozu das führt:


… Sie nutzen aktuelle Aufmerksamkeits-Peaks um Werbung zu platzieren, die ganz anders daherkommt als klassische Spots alter Prägung
… Sport-Reporter spielen in diesem Spot mit – um sie authentisch wirken zu lassen und das Image des Fußballers zu heben: „Wenn man was nicht in Frage stellen kann, dann ist das die Loyalität von Bastian Schweinsteiger“, sagt der objektive Journalist Wolf-Christoph Fuss in dem Clip. Lässt allerdings offen, wem gegenüber Schweinsteiger loyal ist – und was er selber unter Loyalität versteht.
… Sie nutzen ihre eigene Reichweite um ihr Image zu bauen. Schweinsteiger spricht seine Fans direkt – ohne Umweg über klassische Medien – via Facebook an. Die Homepage hat dabei keinerlei Priorität.
… Die Verbindung zum Gegenstand der Werbung (Kopfhörer – „An deiner Seite“) ist in Schweinsteigers sozialen Kanälen klar erkennbar, er postet die Werbung aber nicht selber. Wegen des guten Timings übernehmen das schon andere (so wie ich hier) für ihn.


Update:
Christopher weist auf den Zusammenhang zu LeBron James hin.

Update 2: Bei Sport1 gibt es einige Hintergründe zum Ablauf der Werbung, die offenbar in einem Hotel in Köln (sic!) gedreht wurde (Hinweis von Thorsten Poppe)

Update 3: In der SZ gibt es in Interview mit dem Regisseur des Spots, der sagt: „Ich merke gerade bei Sportlern immer wieder: Wenn die verstehen, worum es geht, dann engagieren sie sich richtig für einen Spot.“

Was ist eigentlich ein Buch?

Amazon hat in der leider viel zu selten geführten Diskussion über diese Frage in diesem Monat einen interessanten Gedanken angestoßen. Der Kaufhaus-Verleger-Großkonzern hat angekündigt, ab 1. Juli sein Vergütungsmodell für Autoren im Pauschalmodell Kindle Unlimited zu verändern. Nicht mehr die Anzahl der Leihvorgänge, sondern die Anzahl der tatsächlich gelesenen Seiten soll künftig die Höhe der Ausschüttung an die Autoren bestimmen. Verkürzt wurde daraus: Autoren sollen nach gelesenen Seiten bezahlt werden, was anschließend vor allem von Leuten kommentiert wurde, die die Lesepauschale offenbar nicht nutzen.

Das tue ich auch nicht – ich habe aber zum Beispiel bei Johannes Haupt auf lesen.net nachvollzogen, warum diese Veränderung im Bezahlmodell in Kindle Unlimited – entgegen der ersten Annahme – eher Autoren von längeren Texten nutzen wird. Er berichtet von „einer Flut von relativ kurzen 99-Cent-Serial-Titeln, die bei der bisherigen Vergütungsstruktur gleich einen doppelten Vorteil hatten. Mit ihnen erreichten Autoren schneller die 10-Prozent-Marke (ab der vergütet wird), und durch das Serien-Prinzip kassierten sie bei der Lektüre des gleichen Buches durch den gleichen Leser gleich mehrfach. Lesern konnten die mehrfachen Downloads dank Flatrate egal sein; das Nachsehen hatten vor allem Autoren längerer Titel, die sich nicht auf das Splitting-Spiel einließen.“ Das will Amazon nun ändern – und eröffnete damit quasi nebenbei eine Kultur-Debatte über die Frage: Was ist überhaupt ein Buch? Die taz beklagt eine Schnipsel-Honorarmodell, die SZ sieht die Veränderung als nächsten Schritt „zum normierten Lesen“ und die NZZ fragt unkend, ob bei diesem Modell, „tatsächlich auch die beste Literatur die besten Chancen hat“.

Mich erinnerte diese Berichterstattung an die Szene, die der ehemalige FAZ-Autor Stefan Schulz Anfang Mai in seinem Vortrag Journalismus nach dem Text erzählte. Sie trägt sich in der Online-Redaktion der FAZ zu und handelt vom ehemaligen Herausgeber der Zeitung Frank Schirrmacher und von der Software Chartbeat, mit deren Hilfe man verfolgen kann, wie Webseiten genutzt werden – in Echtzeit. (Mehr über Chartbeat auch in der Arte-Dokumentation Die virtuelle Feder, in der die New Yorker Zentrale der Softwarefirma besucht wird) Chartbeat zeigt zum Beispiel an, an welcher Stelle im Text Leser aussteigen, Chartbeat macht sichtbar, wieviele Leser in einem Text sind, wohin zu klicken und woher sie kommen. „Dass es diese Software gibt und dass sie in der eigenen Onlineredaktionen den Alltag bestimmt„, erzählte Schulz, „überraschte Schirrmacher. Er rief daraufhin verantwortliche Feuilleton-Redakteure und diensthabende Online-Redakteure zu sich, um grundsätzlich zu klären, dass die Linie der Zeitung von ihren Herausgebern festgelegt wird und nicht von einer Software.

Ob und wie die Technologie genau dabei behilflich sein kann, wird in der lesenswerten Rede nicht weiter thematisiert. Wie auch in der Berichterstattung über Amazons Seiten-Vergütungsmodell kaum die Frage gestellt wurde, ob das nicht auch Verbesserungen für das Medium Text in sich tragen könnte. Stattdessen wird relativ viel Zeit darauf verwendet, eine Frisbee-Scheibe wie einen Ball zu werfen. Mit diesem Bild habe ich die Annahme versucht zu fassen, das Digitale stets so zu behandeln wie man es von analogen Medien kennt: eine Frisbeescheibe also nicht in aerodynamischer Kreiselbewegung zu drehen, sondern flach zu werfen wie einen Ball. Das eBook wird in dieser Vorstellung stets genau so behandelt wie eine gedrucktes Buch, das man nur anders distribuiert. Dabei könnte das eBook vielleicht viel besser fliegen, wenn man versuchte seine digitalen Flugeingeschaften zu nutzen – es also zum Beispiel in Versionen zu denken, es in seine Bestandteile (Seiten) zu zerlegen oder ganz allgemein den digitalen Klimabedingungen anzupassen.

Womöglich entwickelt sich über diese technischen Veränderungen eine Erzählkultur, die vergleichbar ist mit dem Prinzip der TV-Serien, das das filmische Erzählen des Kinos erweiterte und nun allüberall gefeiert wird. Vielleicht befördert eine Verknappung eine Kultur des pointierten Erzählens, das eine Dimensionen eröffnet, die an die Tradition der Aphorismen anknüpft. Ich glaube, es könnte sinnvoll sein, sich damit zu befassen – denn hinter der Ecke wartet schon die nächste Stufe der Verknappung. Mit Lesetechnologien wie Spritz ist es möglich, Bezahlmodelle nicht auf Seiten, sondern auf Satz- bzw. Wortbasis zu realisieren (Hintergrund dazu hier)

Und an der Stelle lohnt es sich, eine Sekunde innezuhalten und nicht dem Reflex nachzugeben, der eigenen Meinung zu dieser Veränderung Raum zu geben. Viel spannender als die Frage „Wer will das denn?“ ist die Frage: „Wie kann man diese Technologie nutzen, um zu bewahren was wichtig ist?“. Und diese Frage kann man nur beantworten, wenn man Klarheit darüber hat, was wichtig und bewahrenswert ist. Das muss – darauf hoffe ich – mehr sein als die bloße Gewohnheit, ein Spielgerät halt stets wie einen Ball zu werfen. Nur weil Bücher immer so und nicht anders gedacht und gemacht wurden, ist keine ausreichende Begründung dafür, dies im neuen Umfeld auch so zu denken und zu tun. Wenn Bücher die Gefäße für das Medium Text sind, lohnt es sich, diese in ihren Möglichkeiten genauer kennenzulernen – statt sich mit dem zufrieden zu geben, was schon immer so war.

Stefan Schulz lobt in seiner Rede das geschriebene Wort und sagt: „Wollte man tatsächlich über das demokratische, verlässlichste und zukunftsträchtigste Medium etwas sagen – muss man über Schrift sprechen.“ Damit Schrift auch im Digitalen heimisch werden kann, muss man ihr helfen, sich dort einzurichten. Sie muss sich an die klimatischen Bedingungen des neuen Umfeld anpassen können, um wachsen zu können. Nicht der schlechteste Ansporn, sich mit der Digitalisierung zu befassen.

Dieser Eintrag ist Teil der Juni-Ausgabe des Newsletters „Digitale Notizen“, für den Sie sich hier kostenfrei eintragen können

Shut up and take my money

Kennt irgendjemand bei den Krautreportern das auf Futurama basierende Meme „Shut up and take my money“? Know your Meme erklärt in Bezug auf das Bildmotiv und den zugehörigen Satz:

The phrase is often used on web forums and image boards to express a desire to obtain a certain product or invention, or to show approval for a proposed idea.

Im Rahmen der aktuell laufenden Diskussion zu der Frage wie es mit den Krautreportern weitergeht, ist das Meme der einzige Satz, den man den Crowdfundern zurufen will: Es wird seit Tagen über ihr Projekt diskutiert, Stefan Niggemeier erklärt seinen Ausstieg, Menschen erläutern warum sie ihr Abo verlängern oder nicht verlängern werden, es werden Interviews gegeben und Meinungen ausgetauscht. Einzig, das worum es jetzt gehen sollte, passiert nicht: Jedenfalls finde ich keinen Knopf auf der Seite, der mir hilft jetzt sofort das Abo zu verlängern. Und mal unter uns: Wenn es diesen Knopf nicht gibt, dann wird einfach niemand Geld fürs zweite Jahr geben können – völlig unabhängig davon, ob man die Krautreporter nun für relevant hält oder nicht. Sie sind ohne diesen Knopf einfach nur … kaputt!


Mehr zum Thema Krautreporter auch bei Thomas Knüwer, Marcus Schuler und Felix Schwenzel. Zur Frage von Wartezeiten für Bezahlangebote auch hier im Blog.

UDPATE: Der Knopf ist da!

kraut

Wie wir mit dem Internet umgehen …

frisbee

Zwei Männer stehen im sommerlichen Wasser am Strand und spielen Frisbee – zumindest kommt das zugehörige Sportgerät bei ihrem Spiel zum Einsatz. Sie stehen einander gegenüber und werfen sich die Scheibe zu – allerdings ohne, dass diese (wie Wikipedia definiert) „durch aerodynamischen Auftrieb und Kreiselbewegung in der Luft gehalten“ wird. Die beiden werfen halt irgendwie – und zwar so ausdauernd falsch, dass es sehr anstrengend aber auch sehr lustig ist, sie dabei zu beobachten.

Unter anderem für solche Clips habe ich bei der SZ das Phänomeme-Blog erfunden. Als ich gestern jedoch dieses angeblich aus Bosnien stammende Video sah, erkannte ich nicht nur einen viralen Clip: Ich sah vor allem uns selber – bei der Benutzung des Internet. Unsere Frisbee-Scheibe heißt Digitalisierung, sie liegt vor uns, wir haben aber noch nicht so richtig verstanden, wie man sie einsetzt. So wie die beiden Badegäste versuchen auch wir uns in Techniken, die wir von anderen Spielgeräten kennen. Die beiden werfen die Scheibe wie einen Ball, wir betrachten das Netz wie ein Medium, das klassisch verbreitet wird. Das geht schon irgendwie, so wie auch die Scheibe von einem zum anderen bewegt wird, ihre besonderen Fähigkeiten entfaltet sie allerdings kaum.

Ziemlich sicher werden kommende Generationen auf unseren Umgang mit dem Internet schauen wie wir auf die beiden Badegäste mit der Frisbee: amüsiert und ratlos. Beenden werden wir dieses Amüsement übrigens nur, wenn wir anfangen anders zu denken, daneben zu liegen und (immer wieder) Neues auszuprobieren. Vielleicht finden wir dann den Trick mit dem aerodynamischen Auftrieb und der Kreiselbewegung …

loading: Correctiv-Mitglieder

An diesem Wochenende ist es ein Jahr her, dass die Krautreporter in Deutschlands bekanntester Crowdfunding-Aktion 15.000 Abonnenten für eine neue Form des Journalismus gewannen. In diesen Tagen geht nun das Recherchebüro Correctiv (das hier schon mal im loading-Newsletter vorgestellt wurde) mit einem Mitglieder-Crowdfunding an den Start: 5000 Mitglieder will Correctiv-Chef David Schraven bis Ende des Jahres gewinnen. Er hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Wir sind das erste gemeinnützige Recherchebüro im deutschsprachigen Raum. Wir machen intensive, aufwändige Geschichten, die unsere Gesellschaft betreffen. Und wir bilden aus, damit möglichst viele Menschen, unsere Methoden übernehmen können. Mit dem Crowdfunding wollen wir 5000 Mitglieder gewinnen, die einen finanziellen Schutzwall um uns herum aufbauen, damit unsere Unabhängigkeit langfristig gesichert werden kann.

Warum macht ihr es?
Weil wir an die Vierte Gewalt glauben. Nur durch Aufklärung, Transparenz und Diskussion kann sich die Gesellschaft zum besseren wandeln. Anders gesagt: Noch nie gab es eine große Hungersnot in einem Land mit freier Presse.

Wer soll sich dafür interessieren?
Jeder Mensch, der sich unabhängige Informationen wünscht; dem leidenschaftliche Recherche etwas bedeutet; der an Aufklärung über gesellschaftliche Missstände interessiert ist; Mit anderen Worten, Du sollst Dich dafür interessieren.

Wie geht es weiter? Was sollten mehr Menschen wissen?
Wir werden in nächster Zeit weitere Geschichten veröffentlichen, die zeigen, wie wichtig es ist, unabhängige aufwändige Recherchen zu betreiben. Wir sind nicht auf Scoops, auf Spektakel aus, sondern auf Geschichten, die Wirkung entfalten. Und den Menschen nutzen.

>>>> Hier bei Correctiv! Mitglied werden.

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Digitale Medien sind Kontext-Medien

In der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung singt der „Papier-Manic“ und Verleger Gerhard Steidl ein Loblied auf Print. Das Interview – neben einem Teller mit Apfelschnitzen geführt – ist schön zu lesen und gibt einen guten Einblick in den Medienwandel von Print zu Pixeln und in die Hoffnungen und Ängste, die damit verbunden sind.

An einer Stelle des Gesprächs beschreibt Steidl einen vermeintlichen Vorteil von Print. Er sagt …

Das Betrachten eines Bildes auf Papier ist etwas völlig anderes als das Betrachten am Bildschirm. Egal ob ich das iPad eines Freundes in Tokio benutze oder in Washington oder zu Hause mein eigenes, es ist immer die gleiche Wahrnehmung. Ob ich mir aber in Madrid eine Zeitung kaufe oder in London, das macht einen Unterschied.

… und legt damit – meiner Meinung nach – den Grundstein für etwas, was ich als Lob des Kontext beschreiben würde (allerdings aus einer genau gegenteiligen Interpretation des Wandels).

Ob er seine Zeitung in Madrid oder London kaufe, mache einen Unterschied, sagt Steidl und hält doch in England wie Italien eine identische Vervielfältigung in der Hand. Beide Zeitungen zeigen den gleichen Inhalt. Ein digitales Produkt – egal ob mehr geliebt oder gehasst – könnte in beiden Städten Kontexten tatsächlich unterschiedliche Produkte zeigen. Das muss man nicht mögen, man sollte es aber zur Kenntnis nehmen: Digitale Medien sind Kontext-Medien. Ein digitales Produkt kann einen Unterschied auf Konsumenten-Ebene machen – jeder Leserin in ihrem eigenen Nutzungskontext ein angepasstes Angebot liefern. Diese Betrachtung von Medien und Kultur geht über den Inhalt und dessen Duplikat hinaus und nimmt auch das Umfeld in den Blick, in dem dieser konsumiert wird. Unabhängig davon, ob man das mag oder nicht: Hier liegt das nachhaltige und grundlegende Veränderungspotenzial der Digitalisierung. Romane, die je nach Tageszeit und Leseort ihren Handlungsverlauf anpassen, sind nur die folgerichtige technische Entwicklung dessen, was Spotify mit seiner gerade angekündigten Jogging-Erweiterung ermöglicht. Dabei wird die Schrittfrequenz des joggenden Spotify-Nutzers mit Hilfe von Handy-Sensoren analysiert und mit einer Playlist kombiniert, deren Lieder einen Beat haben, der zur Lauf-Frequenz und zur Geschwindigkeit passt.

„In einer Welt der grenzenlosen Vielfalt ist der Kontext – nicht der Inhalt – König“, hat Rod Reid, der Gründer von Rhapsody, mal gesagt. Daran musste ich denken, als ich die Stelle mit den Zeitungen in Madrid und London las.

loading: Import Export München

Über das Import Export schreiben die Macher auf der Startnext-Seite, es sei ein Ort, „den es so ja eigentlich nur in Berlin oder Hamburg, aber nicht in München gibt. Nun ist er aufgrund von Umbauarbeiten massiv in seiner Existenz bedroht.“ Deshalb hat das Münchner Import Export ein Crowdfunding-Projekt gestartet.

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Dazu hat Michael Schild den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Für die Fakten: Wir bieten von Dienstag bis Freitag täglich einen Mittagstisch von 12 – 16 Uhr, welcher von Nami Taguchi organisiert wird, die die Küchenleitung bei uns übernommen hat. Darüber hinaus bieten wir abendfüllendes Kultur- Musik- und physisches Erbauungsprogramm. Die Tagesgastronomie, der Veranstaltungsbereich bilden zentrale Schnittstellen auf dem Kreativquartier. Für KünstlerInnen und AkteurInnen auf dem Kreativquartier dient diese Einrichtungen als Anlaufstelle und als Kommunikationsraum. Gleichzeitig öffnen sie das Kreativquartier nach außen.

Bei genauerem Hingucken kann folgendes erkannt werden: Das Import Export ist ein experimenteller Ort für kulturelle, künstlerische und gesellschaftliche Projekte und Initiativen. Ein Konzept, das von der spezifischen Qualität des Ortes ausgeht und das Potenzial der lokalen Bevölkerungsstruktur einbindet. Eine offene Plattform für die kreative und soziale Vielfalt der postmodernen Cosmopolis. Eine Schnittstelle für AkteurInnen und Gruppen in lokalen und transnationalen Netzwerken. Ein Ausgangspunkt für die Interaktion von Milieus und Generationen. Ein Raum für etablierte und neu entstehende Formen von Kunst und Kultur. Ein diskursiver Resonanzkörper für eine dynamische stadtgesellschaftliche Entwicklung. Ein wichtiger Faktor für die Interaktion von Wissenschaft, Kultur und sozialer Solidarität am Standort München. Ein Projekt, das der Gentrifizierung im Viertel entgegenwirken und stattdessen den urbanen Charakter des Viertels erhalten und unterstützen wird.

Warum macht ihr es (so)?
Wir denken, dass Bedarf für unser Konzept besteht.
Nicht nur die Stadtgesellschaft, sondern auch die Beschäftigung mit ihren Werten und Idealen braucht Raum. Zwischennutzungen sind im Moment zwar populär, können letztlich aber nur einen Teil der Bedürfnisse abdecken. Vor dem Hintergrund der urbanen Entwicklung werden stattdessen langfristige Strategien benötigt, um Diskursräume für Diversität, Kultur und Wissen zu schaffen und zu erhalten.

Wer soll sich dafür interessieren?
Im Programm soll Platz sein für möglichst viele verschiedene Inhalte, die möglichst unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und Interessen ansprechen. Grundsätzlich soll für alle Platz sein und es wird keine richtigen und falschen Inhalte geben, solange die Programmpunkte sich nicht gegenseitig den Raum nehmen.

Wie geht es weiter?
Wir arbeiten an einem dauerhafter Freiraum, losgelöst vom ökonomischen Druck der wachsenden Stadt.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Das Import Export wird mit viel Herzblut und Engagement von den Betreibern und AkteurInnen geführt. Viele Münchner_innen, denen die kulturelle, künstlerische, aber auch gesellschaftliche und soziale Zukunft ihrer Stadt am Herzen liegt, begleiten das Import Export seit langem und identifizieren sich mit diesem einzigartigen Projekt. Die Betreiber konnten bis jetzt noch keine fianziellen Ausschüttung erhalten, da die Gelder die bis jetzt generiert wurden, in Umbaumaßnahmen und Infrastrukturelle Anschaffungen investiert wurde.
Das Ganze ist für die Betreiber mit einem sehr hohem finanziellen Risko verbunden, da der Nutzungsvertrag bis jetzt nur bis Ende 2016 ausgestellt ist und so eine Refinazierung der Invetitionen nicht gesichert ist. Das Import Export könnte nicht existieren ohne die Beteiligung von allen, die sich an diesem Ort einbringen wollen.

Weitere UnterstützerInnen und Interessierte können sich im Import Export einbringen. Es soll wieder ein offenes monatliches Treffen geben (im Import Export in der Goethestrasse hatten wir das) und den Interessierten dazu dienen, Ideen auszutauschen und inhaltliche Vorschläge zu unterbreiten. In das Projekt soll das Engagement unterschiedlicher AkteurInnen eingebunden und so die urbane Vielfalt des Stadtraums als Ressource aufgefasst werden: Wir wollen eine lebendige, flexible Atmosphäre, die einen offenen Umgang und demokratische Strukturen ermöglicht.
Damit das Import Export weiterhin bestehen kann, müssen einige Investitionen getätigt werden. Große Summen stehen aus, die beglichen werden müssen und wir wissen gerade nicht, wie wir das aus dem laufenden Betrieb anstellen sollen.

Die 10.400,- Euro, die wir auf der Startnext-Seite angegben haben werden nicht ausreichen um den Betrieb der Import Export Kantine dauerhaft fortsetzen zu können. Aber es ist ein Anfang und wir glauben daran das die Vision und unser Konzept durch ein gemeinschaftliches Agieren langfristig in der Stadt München ihren Platz finden wird.

>>>Hier das Import Export auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren: