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Was machen! Interview zum gesellschaftlichen Engagement

Es war irgendwann vor der Bundestagswahl 2017 als ich zum ersten Mal einen Newsletter von Antje, Nicola, Indre und Johannes las. Unter dem Titel „Was machen“ verschicken sie seit dem „Ideen und Tipps für dein gesellschaftliches und politisches Engagement“ – wie es im Untertitel heißt. Ich lese den Newsletter so gerne, dass ich dem Team von Was machen ein paar Fragen geschickt habe, die sie gemeinsam beantwortet haben.

Ihr habt eine Aktion namens „Was machen“ gestartet? Warum muss man etwas tun?
Ob jemand „muss“, liegt im Ermessen des einzelnen. Zunächst war es unser eigenes Gefühl: was tun zu wollen, um dem verstärkten Rechtspopulismus etwas entgegen zu stellen. Wenn die Mehrheit der Menschen in Deutschland gegen diese rechte Entwicklung und für eine offene, demokratische Gesellschaft ist, dann sehen wir es als wichtig an, dies auch zu bekennen. Hörbar, sichtbar und spürbar Demokratie zu stärken im Rahmen der eigenen Möglichkeiten.
Wir haben uns über die letzten 30 Jahre so sehr an die Freiheiten und Vorteile der liberalen Gesellschaft gewöhnt, dass wir sie lange für selbstverständlich genommen haben. Nun zeigen uns die aktuellen Entwicklungen, dass wir uns konstant für den Erhalt und den Ausbau der Demokratie einsetzen müssen, sofern wir sie nicht wieder verlieren wollen.
Nach der Brexitentscheidung, der Wahl Trumps und den Wahlerfolgen der Afd haben wir von vielen Leuten immer wieder gehört, sie möchten gerne was tun, sich einbringen, wüssten aber nicht wie. Es scheint ihnen die Zeit und Möglichkeit zu fehlen, selbst zu recherchieren, was möglich ist. Oder sie fühlen sich in der Fülle der Möglichkeiten verloren oder können schlecht einschätzen, was es überhaupt bedeutet, sich z.B. ehrenamtlich einzubringen. Sicher gibt es solche Informationen auch in der Presse, jedoch vereinzelt, nicht gebündelt. Wir versuchen mit „Was machen“, konkrete Möglichkeiten des Engagements zusammenzutragen, die sehr unterschiedlichen Aufwand erfordern – ohne zu bewerten, was davon „wirkungsvoller“ ist.

Und wie findet Ihr raus, was man tun soll?
„Soll“ ist nicht der Punkt, denn zunächst wollen die Leute ja, sonst kämen sie ja nicht auf unsere Webseite und würden „Was machen“ abonnieren. Unser Anliegen ist es, weitestgehend neutral (also überparteilich), überregional und unabhängig zu informieren – und zwar über ganz verschiedene Möglichkeiten des politischen und gesellschaftlichen Engagements. Dieser Anspruch und der Themenschwerpunkt gibt den Rahmen vor, in dem wir mögliche Tipps recherchieren und auswählen.
Wie jedes andere redaktionelle Medium, versuchen wir eine gewisse Vielfalt abzudecken und nicht nur einseitig zu informieren. Zudem bringt jede*r von uns eigene Engagementerfahrungen und (politische) Kenntnisse mit ein. Daraus ergibt sich die Mischung. Bisher stellte es keine Schwierigkeit dar, interessante, abwechslungsreiche Anregungen zu publizieren, zudem gab es in der Zeit vor der Bundestagswahl viele Aktivitäten, die wir für empfehlenswert hielten. Jetzt, nach der Wahl, reflektieren wir unser bisheriges Spektrum und schauen, wie wir inhaltlich und formell weiter vorgehen können und wollen.

Es gibt Leute, die sagen man müsse sich in Vereinen, Parteien oder Kirchen engagieren um wirklich etwas zu bewirken. Kam das für Euch gar nicht in Frage?
Das ist ja nicht zwangsläufig eine Frage von entweder oder. Nur weil wir unser Medium weitestgehend unparteiisch halten, heißt das ja nicht, dass keine*r von uns Parteimitglied ist oder sich nicht auch anderweitig ehrenamtlich mit seinen Kompetenzen einbringt.
Leute aktivieren ist eine zähe Sache, das mussten wir lernen. Zunächst waren wir schon frustriert, weil wir das Gefühl bekamen, es tut sich nichts. Doch unsere Leser*innen-Umfrage hat uns gezeigt, dass sich eben doch was bewegt und politische wie gesellschaftliche Themen ein höheren Stellenwert im Bewusstsein und Alltag der Leser*innen einnehmen.
Vielleicht erscheint einigen, die politisch sehr aktiv sind, so manche unserer Empfehlungen als lapidar. Doch man muss es auch mal so sehen: Es ist einfach nicht jedem möglich – aus ganz verschiedenen Gründen – intensiv ins gesellschaftspolitische Engagement einzusteigen. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen gar nichts tun wollen und es wäre falsch, das was es ihnen möglich ist zu investieren, als wertlos zu bezeichnen. Wir können uns nicht hinstellen und behaupten, dass z.B. Nachbarschaftshilfe weniger wert ist, als kommunale Parteiarbeit, in dem wir sagen: „Das bringt doch nichts“. Wenn wir anfangen Engagement so zu bewerten, relativieren wir die Motivation und damit unser solidarisches Miteinander.
Der wichtige Punkt ist, dass wir über den persönlichen Tellerrand emphatisch hinausblicken und handeln. Wo und wie das dann zum Einsatz kommt, muss jeder selbst nach seinen Möglichkeiten entscheiden: Spende oder Kandidatur, ein Statement Shirt tragen oder eine Bürgerinitiative starten, politische Gespräche im persönlichen Umfeld führen usw. …

Ich lese – das sollte ich vielleicht offen legen – Euren Newsletter schon eine Weile mit Genuss. Es gelingt euch, auf Aktionen hinzuweisen ohne belehrend zu sein. Wie macht man das?

Wir haben das jetzt schon öfter als Feedback gehört und es ist ein schönes und überraschendes Kompliment, denn das war nichts, was wir konzeptionell so beschlossen haben. Vermutlich ist das aus unserem redaktionellen Vorgehen geboren: Gemeinsam mögliche Themen recherchieren und beschließen, alle geschriebenen Texte anschließend im Team abstimmen und überarbeiten. Sicher sind wir dabei sehr bedacht vorgegangen, denn es ist uns wichtig, das verstärkte Bedürfnis der Menschen „etwas tun zu wollen“ nicht im Keim zu ersticken. Wir möchten nicht überfordern, sondern motivieren.

In der aktuellen Ausgabe geht es um Pläne für 2018. Was habt Ihr vor?
Wir möchten das Projekt weiterführen, müssen jedoch einräumen, dass uns der Newsletter in der Vergangenheit recht viel Zeit und Konzentration abverlangt hat. Recherche, Redaktion, Abstimmung und Umsetzung war bisher enorm aufwendig, so dass wir dieses Periodikum in seiner bisherigen Form nicht dauerhaft nebenbei erstellen können. Also modifizieren wir zunächst erst einmal die „Taktung“ und den Umfang: anstatt mit jeder Ausgabe immer gleich drei Tipps vorzustellen, wird es nun einer sein. Dafür vielleicht etwas ausführlicher oder auch mal in Form eines Interviews, usw. Aktuell feilen wir noch an möglichen Formaten.
Außerdem werden wir die Inhalte nicht mehr ausschließlich als Newsletter versenden, sondern publizieren diese als Beiträge auf unserer Webseite was-machen.org. So sind diese Informationen auch für Leute, die im Netz recherchieren, auffindbar. Wer den Newsletter abonniert hat, wird unsere Beiträge weiterhin per E-Mail erhalten. Denn auch das ist ein Aspekt, den uns unsere Leser*innen als Feedback mitgegeben haben: dass es durchaus wichtig ist, die Tipps regelmäßig im Postfach zu haben.

Und was sollte sich jede und jeder einzelne fürs neue Jahr vornehmen, wenn er/sie „was machen“ will?
Aufmerksam bleiben, sich informieren, auch wenns mal anstrengend ist. Den Mund aufmachen, wenn wir die Dinge anders sehen, eine Meinung haben und nicht davon ausgehen, dass es schon genügend andere gibt, die da „was machen“ und sich für ein faires, demokratisches Miteinander einsetzen. Oder um es mit Tilda Swintons Worten zu sagen, die auf die Frage der ZEIT „Was würden Sie im Rückblick auf 2017 an sich und anderen gerne korrigieren?“ antwortete: „Die Annahme, dass sich die Dinge ohne wachsame teilnehmende Aufmerksamkeit einfach zum Besseren entwickeln.“ *

Mehr über die Arbeit und den Newsletter von Was machen gibt es auf der Website was-machen.org

Wir brauchen eine Algorithmen-Ethik – Interview mit Konrad Lischka

Konrad Lischka ist Ko-Leiter eines Projekts der Bertelsmann Stiftung, das den Titel Algorithmenethik trägt – und sich mit den gesellschaftlichen Folgen algorithmischer Entscheidungsfindung befasst. Der Netzexperte ist (wie ich) Alumni der Deutschen Journalistenschule und hat mir vor zwei Jahren im Interview auf sz.de die Idee seines Buches „Das Netz verschwindet“ erläutert. Wir sind also persönlich gut bekannt. Auch deshalb interessiere ich mich sehr für das Algoethik-Projekt, das auch einen interessanten Newsletter verschickt.

Ich habe Konrad ein paar Fragen zu seinem Projekt gemailt.

Sind Algorithmen böse?
Kurze Antwort: Nein.
Längere Antwort: Es kommt darauf an.

Worauf?

Vor allem auf die Ziele, die Menschen mit Algorithmen verfolgen: Einige US-Autoversicherungen berechnen zum Beispiel die Prämien der Kunden basierend auf dem Kreditscoring. Wenn jemand Unfälle verschuldet, aber immer pünktlich seine Rechnungen beglichen hat, zahlt er weniger als Einkommensschwache mit perfektem Fahrverhalten. Bonität genießt Priorität. Dieses Ziel haben aber Menschen festgelegt – nicht der eingesetzte Algorithmus.
Es kommt aber auch auf die Umsetzung an, das heißt die Implementierung der Systeme in den gesellschaftlichen Kontext. Welche Konsequenzen hat eine algorithmische Bewertung für Menschen? Und wie können sie die Kriterien nachvollziehen und gegebenenfalls widersprechen? Auch das bestimmen Menschen. Ein anderes Beispiel: In Australien hat der Staat Software Sozialbezüge mit Steuererklärungen abgleichen lassen, um vermeintlich zu viel gezahlte Leistungen zu erkennen. Das System verschickte im Verdachtsfall auch gleich automatisch Mahnungen. So wurden in einer Woche so viele Mahnungen rausgeschickt wie die menschlichen Sachbearbeiter davor in einem Jahr schafften. Das Problem war: Die Software arbeitete mit unsauberen und veralteten Daten, die Fehlerquote war ähnlich hoch wie zuvor – nur, dass viel mehr Entscheidungen getroffen wurden. Es bekamen viel mehr Menschen als zuvor unberechtigte Mahnungen. Und weil der Staat die Kapazitäten für Beschwerden nicht ausgebaut hatte, waren die Hotlines und Servicezentren sofort überlastet. Der Algorithmus ist auch in diesem Fall nicht verantwortlich für die schlechte Datenqualität, den ungeprüften Mahnungsversand und die ungenügenden Korrekturprozesse. Aber ohne den Algorithmus wären diese von Menschen gesetzten Unzulänglichkeiten lange nicht so ins Gewicht gefallen.

Trotzdem haben Algorithmen ein eher schlechtes Image, oder? Woher kommt das?
Algorithmus ist ein Schlagwort, das zum Teil völlig unterschiedliche Phänomene auf eine scheinbar eindeutige Ursache reduziert. Jemand benutzt verzerrte Trainingsdaten und reproduziert in den Daten abgebildete Diskriminierung? Jemand baut ein System, um gezielt Menschen in Notlagen zu erkennen und deren Verwundbarkeit zum eigenen Vorteil ausnutzen? Die interessante Lüge verbreitet sich in der digitalen Sphäre schneller und weiter als ihre nüchterne Korrektur? Algorithmen sind da immer ein Instrument und Verstärker, schuld sind sie aber selten. Vielleicht entlastet uns Menschen aber auch zu sagen: Der Computer ist schuld!

Ist das in Deutschland anders als in anderen Ländern? Gibt es dort schon Ansätze zu einer Ethik der Algorithmen?

Es gibt in einigen Staaten eine gesellschaftliche Debatte mit vielen Ideen und Initiativen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Verbänden. Dem Artificial Intelligence Committee im britischen Oberhaus haben mehr als 200 Organisationen ihre Impulse geschickt – von Amnesty International bis zum Ingenieursverband IEEE. In den Vereinigten Staaten haben Initiativen wie FATML erste Gütekriterien für algorithmische Systeme vorgeschlagen, Berufsverbände diskutieren professionsethische Standards. In Frankreich hat eine Schülerorganisation die Veröffentlichung eines Algorithmus zur Studienplatzvergabe vor Gericht erstritten. Da beginnt die konstruktive Arbeit an Lösungen.

Wenn du es auf den Punkt bringen müsstest: Warum brauchen wir eine Ethik für Algorithmen?
Wenn Software die gesellschaftliche Teilhabe beeinflusst, müssen ihre Ziele, Design und Wirkung der gesellschaftlichen Kontrolle und Willensbildung unterliegen. Technisch möglich ist vieles. Was sinnvoll und angemessen ist, müssen wir als Gesellschaft im Diskurs über konkrete Fälle und allgemeine Prinzipien entscheiden.

Du sagst, Leitbild für die Entwicklungen müsse das gesellschaftlich Sinnvolle sein, nicht das technisch Mögliche. Wie findet man das heraus?

In der gesellschaftlichen Diskussion über konkrete Fälle, abgeleitete Prinzipien und Regeln für den Einsatz. Gesetze sind geronnener Konsens solcher Debatten. Die muss man früh führen, bei bestimmten, teilhaberelevanten algorithmischen Prozessen vor und während der Entwicklung im Idealfall – fachöffentlich, aber auch mit potenziell Betroffenen und manchmal gesellschaftlich breit angelegt.

Was könnte man tun, um Algorithmen-Ethik zu fördern? Gehört das Thema in den nächsten Koalitionsvertrag?
Klar. Für eine gemeinwohlförderliche Gestaltung algorithmischer Systeme braucht es den Staat. Nicht nur als Regulierer, sondern auch als aktiver Gestalter und Förderer einer positiven Ordnung. Ich sehe vier große Themenfelder, wo es jetzt zu handeln gilt:
1. Übergreifend die Erforschbarkeit der Systeme ermöglichen und staatliche Kompetenz zum Einschätzen, Einhegen aber auch zum Entwickeln solcher Verfahren aufbauen.
2. Die gesellschaftliche Angemessenheit der in Systemen implementierten Ziele sichern. Da gibt es viele Ideen, wie man Instrumente aus anderen Bereichen übertragen könnte. Das geht von einer Professionsethik über standardisierte Prüfverfahren bis hin zu Ethikkommissionen.
3. Die Umsetzung und Implementierung prüfen, erklären und falsifizieren. Weil Transparenz allein keine Öffentlichkeit schafft und Überprüfbarkeit nicht Überprüfung garantiert, braucht es vielfältige Wächter-Organisationen, auch zivilgesellschaftliche.
4. Vielfalt der Ansätze und Betriebsmodelle: Bei sozialen Konzepten wie Nachrichtenrelevanz oder Mitarbeiterqualitiät gibt es nicht die eine eindeutig richtige Antwort. Deshalb brauchen wir keine algorithmische Monokultur, sondern vielfältige Systeme mit unterschiedlichen Ansätzen gibt.

Du bist Koleiter eines Projekts der Bertelsmann-Stiftung. Kannst du was zu der Motivation sagen: Warum treibt dich das Thema an? Und weshalb fördert die Bertelsmann-Stiftung die Idee einer Algorithmen-Ethik?
Algorithmische Systeme werden auch in Deutschland in absehbarer Zeit in immer mehr teilhaberelevanten Bereichen zum Einsatz kommen. Das ist eine Chance, denn wir wissen, dass die Entscheidungsqualität in vielen Bereichen unserer Gesellschaft heute nicht gut ist. Wer zu, Bewerbungsgesprächen eingeladen wird, bestimmen in Deutschland immer noch mehrheitlich Menschen. Wir wissen aus Studien: In der Summe entscheiden sie unfair. Um eine Einladung zu erhalten, muss ein Kandidat mit einem deutsch klingenden Namen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben. Ein Bewerber mit gleicher Qualifikation und türkisch klingenden Namen hingegen sieben. Hier könnte gut gestaltete Technik unsere Gesellschaft gerechter machen.

Andererseits sehen wir in den USA und Australien, wo die Entwicklung weiter ist, dass bei Negativbeispielen für den ADM-Einsatz oft Menschen zu den Leidtragenden gehören, die zuvor auch ausgegrenzt wurden. Die Debatte darüber beginnt in diesen Staaten erst jetzt, wo Fehlentwicklung bekannt werden. Wir können und müssen in Deutschland aus solchen Fehlern lernen. Das treibt mich persönlich an: Technik für Gesellschaft gestalten.
Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit. Alle sollen gleichberechtigt in politische Entscheidungs- und Willensbildung einbezogen sein und fair an sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Entwicklung teilhaben. Weil der Einfluss algorithmischer Systeme auf Teilhabe in diesem Sinne wächst, ist es ein Thema für die Stiftung. Wir wollen die Gesellschaft für Chancen und Risiken sensibilisieren, den Diskurs versachlichen und Anregungen für konkrete, konstruktive Lösungsansätze fördern und geben. Algorithmische Entscheidungsfindung muss jenseits von Partikularinteressen diskutiert und gestaltet werden. Deshalb ist es uns wichtig, einen Impuls für und aus der Zivilgesellschaft zu setzen.

Am Montag abend diskutiert Konrad Lischka zu dem Thema in München im Lost Weekend. Im Deutschlandfunk Kultur hat er seine Ideen unlängst in einem Essay dargelegt.

Bloss nichts falsch machen (Digitale November-Notizen)

Dieser Text ist Teil der November-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Es gab diesen Moment im Wahlkampf 2017 als sich in meinem Timeline genannten Bekanntenkreis der Gedanke zu verfestigen begann, die FDP als wählbare Partei wahrzunehmen. Ob nicht deren sehr digital geprägte Kampagne, die das neue Denken in den Mittelpunkt zu stellen versuchte, genau auf uns zugeschnitten sei, fragte einer – und bekam nicht wenig Unterstützung für den Ansatz. Es wäre, bemerkte eine andere, ja genau jetzt Zeit für eine wirkliche liberale Politik. Eine, die die Freiheit nicht bloß als wirtschaftliche Kategorie versteht, sondern als Gegenmittel gegen die Vereinfacher und Prediger von allen Seiten.

Es war dann die FDP selber, die mit ihrer Tagespolitik in NRW der Hoffnung auf einen solchen liberalen Ansatz einerseits und der Option, sie für wählbar zu halten andererseits, die Grundlage entzog. Und das Ende der Jamaika-Verhandlungen in der Nacht zu Montag bestätigt diesen Eindruck noch einmal. Dass die offenbar seit Donnerstag vorbereitete Inszenierung politisch verantwortungslos und skandlös ist, hat Heribert Prantl sehr anschaulich kommentiert. Mich interessiert an dem Jamaika-Ende aber vor allem der Slogan, den die Partei dem ganzen gegeben hat. Denn damit ist der FDP – vermutlich ohne Absicht – ein Kunststück geglückt. Mir fällt kein Satz ein, der die Verzagtheit, die Vergangenheitsverklärung und Mutlosigkeit dieses Landes besser auf den Punkt bringen könnte als Lindners Motto:

Lieber nicht regieren als falsch

ist das innerhalb von Minuten zum politischen Klassiker gewordene Symbol für den Zustand dieses Deutschlands im Jahr 2017. Nie ist die Liebe zum Status Quo und die damit verbundene „Bloß nichts falsch machen“-Haltung besser auf den Punkt gebracht worden als in diesem Satz, von dem die FDP absurderweise auch noch glaubt, sie drücke damit Standfestigkeit aus (dass sie dafür aber auch Grundwerte benennen müsste, darauf hat Mario Sixtus richtigerweise hingewiesen). Dieser Satz ist zum Leitmotiv für eine Haltung geworden, in der Zukunft eher als Bedrohung denn als gestaltbarer Raum wahrgenommen wird. Dort gibt es kaum etwas zu gewinnen, aber sehr viel zu verlieren.

Von den taktischen Ränkespielen in Berlin verstehe ich zuwenig um einzuschätzen, was genau die FDP dazu trieb, sich in diesen Satz zu versteigen. Ich verstehe aber, dass dieser Satz genau das Gegenteil dessen ist, was im Wahlkampf Teile meiner Timeline dazu brachte, kurzzeitig positiv über die FDP zu denken. Der Gestus, den die FDP mit Slogans wie „Digital First – Bedenken Second“ oder „Schulranzen verändern die Welt – nicht Aktentaschen“ zu imitieren versuchte, richtet sich exakt gegen den Satz, den Lindner nun zum Parteimotto erhoben hat. Die Startup-Mentalität des Ausprobierens, eine positive Fehlerkultur und die Bereitschaft, Dinge „falsch“ zu machen – all dies sind Ideen, die diejenigen schätzen, auf die es die FDP-Kampagne abgesehen hatte. Es gibt keinen Satz, der ihnen klarer machen könnte, dass all dies nur gespielt war, als das Lindner Mantra vom „lieber nicht als falsch“. (Foto: via Facebook)

Das Merkwürdige an diesem Satz ist, dass er sogar von den anderen Jamaika-Verhandler unterschreibbar wäre. Johannes analysiert sehr treffend: „Hinter all den Streitthemen – Klima, Flüchtlinge, Energiepolitik, Finanzen etc. – sehe ich aus der Ferne immer ein bisschen diesen parteiübergreifenden bundesbürgerlichen Wunsch hervorlugen: einen Status Quo, der auch in der Zukunft funktioniert.“ Und man kann ergänzen: Martin Schulz hat heute bewiesen, dass auch von der SPD kaum Gestaltungswille zu erwarten ist. Der Mann, der im Wahlkampf kurz so tat als wolle er Angela Merkel ablösen, hat heute ohne jegliche Verhandlung, die Option einer neuerlichen Großen Koalition ausgeschlossen. Warum eigentlich hat er das nicht vor der Wahl getan? Und warum eigentlich geht die SPD nicht mit echten Forderungen jetzt in eine solche Verhandlung? Hätte Schulz nicht zum Beispiel anbieten können, dass er nur ohne Merkel über eine Große Koalition verhandelt? Lieber nicht – nachher legt das noch jemand als falsch aus…

Das Ärgerliche an dem Lindner-Motto ist aber vor allem, dass es ein gängiges Missverständnis von Demokratie offenlegt: Der Wettstreit von Ideen, als den wir Politik verstehen, zielt nicht darauf ab, nur das zu tun, was einer für richtig hält. Der demokratische Wettstreit von Ideen ist im Gegenteil genau darauf angelegt, etwas falsch zu machen. Kompromisse sind per se das, was eine Seite für „nicht richtig“ hält. Wer nur dann regiert, wenn er alles richtig machen kann, hat eine zutiefst undemokratische Vorstellung vom Regieren. Deshalb ist der Satz abseits all der mutlosen Verzagheit so ärgerlich, er ist demokratisch falsch. Jenny Kallenbrunnen hat dies an Beispielen illustriert…

… die man um „Bewegen“ erweitern kann. Es ist nämlich eben nicht besser sich gar nicht zu bewegen als sich falsch zu bewegen. Und Demokratie funktioniert wie ein Muskel. Sie wird unter Belastung stärker. Dafür muss sie aber trainiert werden. Wer jedoch vor lauter „Bloss nichts falsch machen“ in Bewegungslosigkeit verfällt, lässt den Muskel verkommen.

Deshalb kann man auf eine sehr ironische Weise der FDP heute dankbar sein. Sie hat darauf hingewiesen, dass dem Land eine Idee davon fehlt, wie man in diesem Land mit dem Neuen, dem Ungewissen und Unbekannten umgehen will – selbst dann, wenn es den Status Quo herausfordert. ¯\_(ツ)_/¯


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Hoffnung für besorgte Bürger

Am Wochenende durfte ich im Rahmen des Zündfunk Netzkongress ein Lob auf das Smartphone singen. Es geht in dem Beitrag – der hier im Netz steht – auch um das Smartphone, aber vor allem geht es um ein anderes Verhältnis zum Neuen, zum Unbekannten.

Der Vortrag basiert in weiten Teilen auf dem, was ich im in einem Buch zusammengefasst habe, das im Januar 2018 bei Piper erscheint. Es heißt „Das Pragmatismus-Prinzip“ und fasst im Untertitel zusammen, worum es mir in Vortrag und Buch geht: „Zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen“

Ich glaube, dass es an einem hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft fehlt. Das Morgen ist Optimisten wie hierzulande vor allem Pessimisten ein mit ihren Wünschen und vor allem Sorgen beschriebenes Blatt und viel zu selten ein offener, ein gestaltbarer Raum. Um es mit den Worten der sehr tollen Rebecca Solnit zusammenzusammen: Wir brauchen mehr Hoffnung. Sie schreibt:

Hoffnung ist die Umarmung des Unbekannten und dessen, was man nicht wissen kann. Hoffnung ist eine Alternative zu der Gewissheit, die Optimisten und Pessimisten gleichermaßen ausdrücken. Optimisten denken alles werde sich zum Guten wenden ganz ohne unser Zutun; Pessimisten nehmen die gegenteilige Haltung ein – beide finden darin eine Entschuldigung dafür, nicht selber aktiv zu werden.

Braucht man das? Noch bevor man mir nach dem Vortrag am Freitag die Frage stellen konnte, beantwortete die Bild-Zeitung sie übrigens per Titelzeile: „Deutschlands Schüler immer schlechter“ stand auf der Seite eins der Samstags-Ausgabe. Die Zeile sollte eine „Alarm-Studie zum Schreiben, Rechnen, Zuhören“ verkaufen und lieferte den perfekten Beweis für das, was ich in Vortrag und Buch kritisiere: Den Alarmismus, der vor allem darauf basiert, dass nach uns immer nur Niedergang kommt. Niemals würde irgendjemand behaupten, dass die nachfolgende Schülergeneration jetzt aber mal wirklich klüger und smarter sei als man selber. Immer wird behauptet, dass früher noch richtig gelernt, geschrieben, gerechnet und zugehört wurde. Muss ja auch so sein: Denn früher war man ja selber dabei.

Ich traue diesem Alarmismus nicht. Wo immer Hysterie und Panik geschürt werden, antworte ich mit dem Shruggie: ¯\_(ツ)_/¯ und frage mich: Und wenn das Gegenteil richtig wäre?

Diese Frage und die zugrunde liegende Haltung, die ich in Das Pragmatismus-Prinzip in zehn Gründen zusammnengefasst habe, scheint mir die beste Versicherung gegen den selbstgerechten Alterungsprozess zu sein, bei dem am Ende immer nur die eigene Vergangenheit als Maßstabe gilt – und nie die Zukunft als gestaltbarer Raum. Deshalb gilt: Für mehr ¯\_(ツ)_/¯!

„Demokratische Werte stärken“

„Freiheit und Vielfalt in Kunst und Kultur“ -steht auf der Seite, deren wirkliches Ziel die URL preigibt. Diese lautet „kulturausschuss-schuetzen.de“ – und läuft auf die SPD-Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering. Auf ihre Initiative hin hat der Ältestenrat des Deutschen Bundestags in dieser Woche einen Offenen Brief erhalten, der auf der Website einsehbar ist und von über 10.000 weiteren Menschen unterzeichnet wurde.

Zentrales Anliegen dieses Schreibens: „Es muss deshalb verhindert werden, dass die AfD den Vorsitz des Kulturausschusses besetzen kann.“

Das ist ein inhaltlich nachvollziehbarer Wunsch, allerdings stelle ich mir nach Lektüre des Briefes die Frage, die Dieter Kassel gestern früh im Interview im Deutschlandfunk Kultur der Unterzeichnerin Elisabeth Moschmann (CDU) ebenfalls stellte: „Ist das Demokratie, wenn man sagt, wir haben eine Partei, die wir persönlich, also all die anderen Parteien oder fast alle, für sehr problematisch halten, und dann setzen wir die Geschäftsordnung des Bundestags außer Kraft und demokratische Regeln. Ist das demokratisch, ist das ein Rechtsstaat?

Moschmann antwortet darauf etwas unklar: „Das kann man bezweifeln. Aber was haben wir denn gemacht? Wir haben einen Brief geschickt an den Ältestenrat und unsere Bedenken geäußert, die, glaube ich, gut begründet sind und die jeder versteht und auch die Kulturszene ja sofort verstanden hat.

Mich macht das ratlos. Warum wird ein solcher Brief verschickt, wenn sogar die Unterzeichnerin bezweifelt, ob er demokratisch ist?

§58 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestags regelt die „Bestimmung des Vorsitzenden und seines Stellvertreters“. Ich finde es nicht richtig, diese Regeln zu ändern, weil man die Inhalte des politischen Gegenüber für falsch hält. Zumal dann nicht, wenn man damit dessen Narrativ bedient. Wenn man „die Kraft der Kultur für den Erhalt unserer demokratischen Werte stärken“ will, wie es in dem Brief heißt, dann muss man die demokratischen Werte über seine eigene richtige Meinung stellen können. Nur so trainiert man den Muskel Demokratie!

Das Anliegen dieses Briefes ist redlich, aber die Umsetzung ist schockierend undemokratisch. Wie gestern schon geschrieben: Gerade weil die AfD die freie und pluralistische Gesellschaft herausfordert, müssen wir mit demokratischen Spielregeln antworten. Zu fordern, diese auszusetzen, weil man die – nachvollziehbare – Sorge hat, dass die AfD schlechte Politik macht, führt zu schlimmeren Ergebnissen als schlechte Politik: Es stellt die Grundregeln der Demokratie selber in Frage. Denn gerade weil die AfD gegen Pressefreiheit und vielfältige Kultur hetzt, müssen wir ihr demokratisch begegnen. Wir müssen ihren fremdenfeindlich intendierten Slogan „Unser Land – unsere Regeln“ umdeuten und mit mehr Offenheit, mehr Demokratie und mehr Menschlichkeit antworten.

Diesen Offenen Brief halte ich dabei leider für ein sehr falsches Signal!

Selbstverpflichtung gegen den Terror (Digitale August-Notizen)

Dieser Text ist Teil der August-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Die Waffe, mit der ein 22jähriger Marokkaner den Terror nach Barcelona brachte, war ein weißer Lieferwagen von Fiat. Er steuerte ihn am späten Nachmittag des 17. August über La Rambla und tötete und verletzte unzählige Menschen.
Ein schrecklicher Anschlag, der einen Mechanismus in Gang setzte, den man als zweite Waffe der Attentäter beschreiben könnte: die Prinzipien der weltweiten Aufmerksamkeit sorgten dafür, dass das Signal, das die Terroristen senden wollten, in Eilmeldungs-Geschwindigkeit in die Welt getragen wurde – illustriert von verwackelten Handybildern, die Menschen in Panik zeigen, Krankenwagen, die durchs Bild rasen und Opfern, die auf dem Boden liegen.

„Und wieder steckt die Berichterstattung der Massenmedien in einer Schleife fest – und spielt diese Bilder wieder und wieder auf unsere Bildschirme“, beschreibt Zeynep Tufeki die mediale Eskalation von Angst und Schrecken durch den internationalen Terrorismus. Dieser verfolgt eine Medienstrategie, die „genau darauf abzielt, diese Art der Berichterstattung zu erzeugen“, schrieb die Soziologin nach dem Anschlag von Manchester im Mai – und zeigte dabei ein Dilemma auf, über das wir – als freie Gesellschaft, der die Anschläge gelten – dringend weiter nachdenken sollten: „Wir spielen ihnen in die Karten, und sie bestimmen die Regeln.“

Wenn man sich der Frage widmet, wie man dem Terror angemessen begegnet, wird vor allem über mehr Polizei und ausgebaute Kompetenz der Sicherheitsbehörden gesprochen. Eingriffe in Grundrechte stehen zur Debatte, um in der Vereitelung von Terrorplänen erfolgreicher zu sein. Was aber wäre, wenn man an anderer Stelle ansetzt und die die Medienstrategie der Terroristen zerstört? (Testbild-Foto von Unplash)

Wie bei jeder Veränderung kann man auch diese Frage schon im Keim als naiv ersticken. Man kann sich aber auch die Mühe machen und nachfragen, was eigentlich wäre, wenn die westlichen Gesellschaften, deren Grundrechte und Ideen vom Terror angegriffen werden, sich auf ihre Fähigkeit zum Pluralismus und demokratischen Austausch besinnen und darüber diskutieren, wie sie einen Ausweg aus der (medialen) Spirale von Angst und Schrecken finden: Könnte man den Mechanismus der Eskalation nicht durchbrechen, indem man weniger und anders über den Terror berichtet?

Es ist das eine, die eigene Social-Media-Nutzung in Eilmeldungslagen Gegen die Panik auszurichten. Das ändere wäre, auch die mediale Berichterstattung zu überdenken: Muss jeder Attentäter die Prominenz der Seite eins erhalten? Muss das Programm unterbrochen werden, um in Sondersendungen zu berichten? Braucht es die Dauerschleife der oben beschriebenen Bilder?

Anders formulieren: Kann man einen Weg der Berichterstattung finden, der das Interesse der Öffentlichkeit bedient und den Opfern gerecht wird, ohne den Terroristen mit der Art und Intensität der Berichterstattung weiter in die Karten zu spielen?

Dieser Ansatz stellt nicht die Freiheit der Presse in Frage. Er zielt vielmehr auf die Grundfragen publizistischer Ethik in einem Zeitalter, in dem sich die Prinzipien von Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit verschoben haben. Wenn alle alles veröffentlichen können, braucht es Mittel und Wege, gerade im Nicht-Beachten und Nicht-Verbreiten seine Haltung auszudrücken. Von Christian Stöcker stammt der Begriff Ignorestorm, der den Versuch unternimmt, einer bewussten öffentlichen Provokation nicht auch noch dadurch zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, dass man sie thematisiert. Im Ursprung ging es dabei um Werbeformen, die absichtlich sexistisch oder rassistisch sind, um so auch die Aufmerksamkeit der Empörung und des Widerspruchs auf sich zu ziehen. Ich glaube, dass verantwortungsvolle Medien (und auch Menschen) genau hier vor einer zentralen Herausforderung im digitalen Zeitalter stehen – im Umgang mit Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit. Die zweite zentrale Herausforderung in diesem Zusammenspiel ergibt sich übrigens aus der Frage, wie man Relevanz abseits von Reichweite messbar machen kann.

Zu sagen, dass das alles keine Rolle spielt, weil irgendwer die Bilder ja doch zeigen wird, ist übrigens die Kapitulation vor jeglicher Verantwortung – und kommt nicht in Frage. Verantwortung zu übernehmen, heißt hier vielmehr z.B. über eine Selbstverpflichtung der Medien nachzudenken, wie wir sie zum Beispiel aus der Berichterstattung über Suizide kennen. Um Nachahmungen (den so genannten Werther-Effekt) zu vermeiden rät eine Richtlinie des deutschen Presserats zur Zurückhaltung in der „Berichterstattung über Selbsttötung“. Und im Schweizer Presserat betont die entsprechende Leitlinie sogar, die Folgen der Berichterstattung zu bedenken: „Die Frage der Medienwirkung ist bei Entscheid über die Publikation oder die Ausstrahlung eines Berichts über einen Suizidfall mit zu berücksichtigen.“

Warum sollte es eigentlich unmöglich sein, über eine vergleichbare Selbstverpflichtung gegen den Terror nachzudenken? („Die Frage der Medienwirkung ist zu berücksichtigen“) Klar, ich kenne die Bandbreite der Argumente, die von der berechtigten Befürchtung um Pressefreiheit bis zur Sorge ums blanke Geschäft reichen. Ich kenne aber auch das mal George Orwell und mal Lord Northcliffe zugeschriebene Zitat, nachdem Journalismus (oder Nachrichten) nur das ist, „was jemand irgendwo nicht veröffentlicht haben will. Alles andere ist Reklame bzw. Propaganda.“ Mit diesem Gedanken lohnt es sich erneut, den Text von Zeynep Tufeki zu lesen.

Nein, ich habe keine einfache Antwort auf die Fragen, die sich hier stellen. Aber noch viel weniger habe ich Lust, tatenlos mitanzusehen, wie Terroristen nicht nur einen Lieferwagen, sondern vor allem die Mechanismen der westlichen Medien für ihre Zwecke missbrauchen.

Es muss möglich sein, sich vor allem gegen den zweiten Teil entschieden zu wehren. Schließlich gelingt es, z.B. den europäischen Broadcastern einmal im Jahr, eine Veranstaltung wie den Europäischen Gesangswettbewerb zu organisieren. Könnte man sich nicht genau auf dieser Ebene zusammensetzen und eine Selbstverpflichtung diskutieren, die einige Regeln für Art und Intensität der Berichterstattung über den Terror festlegt – öffentlich diskutiert und zeitlich begrenzt. Ich weiß nicht, wie diese Regeln im Detail aussehen könnten, nehme aber an, dass man sich darauf einigen könnte, keine Bilder von den Attentätern zu zeigen und grundsätzlich auf heroisierende Berichterstattung zu verzichten. Wie weit die Selbstverpflichtung darüber hinaus gehen kann, muss öffentlich ausgehandelt werden. Und anschließend sollten die Ergebnisse als Medien-Manifest gegen den Terror veröffentlicht werden – mit Ablaufdatum, zu dem erneut verhandelt wird. Organisationen wie der Presserat sollten einbezogen werden, um auch die Diskussion in die Welt zu tragen – als Zeichen der pluralistisch geführten Debatte in einer wehrhaften Demokratie!

Ebenfalls zum Thema: Die Seite Gegen die Panik! und der zugehörige Hashtag #gegendiepanik


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Nachruf auf die Roaming-Gebühr

Manchmal hilft es, mit dem Blick der nächsten Generation auf die Gegenwart zu schauen. Dabei fällt auf, wie sehr uns die eigenen Erfahrungen und Prägungen beeinflussen und nicht selten auch im Weg stehen. Im Falle der Roaming-Gebühren fehlten mir seit Jahren Argumente, um Kindern zu erklären, warum man zwar ohne Passkontrolle aus München durch Österreich z.B. an den Gardasee fahren kann, dabei aber in mindestens zwei fremden Telekommunikationsnetzen Besuchsgebühren für die Mobiltelefonnutzung bezahlen muss. Man zahlt im anderen Land mit dem gleichen Geld, soll dort aber plötzlich vorsichtig sein mit dem Telefonieren, weil es sonst gefährlich teuer wird. Diese Diskrepanz gilt es, ab diesem Sommer zu konservieren – denn sie ist verschwunden.
Endlich!

Dank dem Europaparlament sind die Gebühren fürs Herumstreifen/Streunern in fremden Netzen seit 15. Juni (nach langem Hin und Her) endgültig weggefallen, ab sofort gilt „Roam like at home“. Es ist also an der Zeit, den Roaming-Gebühren einen Nachruf zu widmen, in dem man zunächst festhalten muss, was für ein befreiendes Gefühl es ist, z.B. in Spanien aus dem Flugzeug zu steigen und dort genauso einfach zu telefonieren und im Netz zu surfen wie sagen wir in Düsseldorf oder Berlin.

Dass das mal nicht so war, erscheint schon jetzt wenige Tage nach dem Roaming-Gebühr-Ende als völlig absurd. Wenn man Europa als gemeinsamen Kultur- und Kommunikationsraum versteht, dann ist es kaum nachvollziehbar, warum dies ausgerechnet bei der zentralen Kommunikationsform – nämlich der Internet-Nutzung – an Grenzen stößt gestoßen ist.

Mindestens genauso unverständlich ist es aber, warum diese grenzüberschreitende Errungenschaft nicht breiter und pro-europäischer kommunziert wurde. Zumindest mir fallen beim Thema Roaming vor allem merkwürdige Symbolbilder mit Handys am Strand ein – und keine konstruktiven Geschichten über Gemeinsamkeiten in Europa (was auch daran liegen mag, dass es ewig gedauert hat von der Idee bis zur wirklichen Abschaffung).

Im Techniktagebuch, das genau diese Gefühle für die Nachwelt konserviert, war Stefan Niggemeier Mitte Juni jedenfalls genauso überrascht als er plötzlich nicht mehr zusätzlich zur Kasse gebeten wurde:

Und die ganze Zeit kann ich es nicht glauben. Die langjährige Erfahrung, das Wissen, die Warnung, dass man im Ausland nicht einfach so Dinge aus dem Netz herunterlädt, dass man sicherheitshalber am Flughafen die “Datenroaming”-Einstellungen auf dem Smartphone nochmal überprüft, all das ist mir so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass es komplett unwahrscheinlich erscheint, dass es auch kostenlos geht. (Nicht wirklich kostenlos natürlich, weil auch meine vermeintliche Flatrate monatliche Grenzen hat, aber genauso “kostenlos” wie in Deutschland halt.)
(…)
Und nun geht das plötzlich. Und ich bin live dabei gewesen.
Kein Wunder, dass alle die EU lieben.

Learnji: Sprachen lernen mit Emojis

Emojis sind eine universelle Sprache der digitalen Kommunikation. Simon Schmid hat diese Erkenntnis zum Ausgangspunkt für eine spannende App gemacht: Sprachen lernen mit Hilfe von Emojis. Das ist die Idee von Learnji, das ich unlängst auf Product Hunt entdeckte – und anschließend mit Simon ins Gespräch kam. Hier erzählt er, wie es zu Learnji kam.

Was für eine charmante Idee: Sprachen lernen über Emojis. Wie bist du darauf gekommen?
Das ist wirklich eine lange Geschichte. Vor über vier Jahren war ich zum ersten Mal für meinen heutigen Job bei iubenda in Mailand. Damals wollte ich eine super simple App bauen, mit welcher ich durch die wichtigsten Worte „swipen“ können sollte. Mit einem weiteren „Swipe“ wollte ich dasselbe Wort in weiteren Sprachen sehen um vergleichen zu können, also zum Beispiel:

„Deutsch (Ausgangspunkt)“ -> „Italienisch (Lösung)“ -> „Spanish (Vergleich)“ -> „Französisch (Vergleich)“ -> „Portugiesisch (Vergleich)“ -> „Englisch (Vergleich)“

Dieses Konzept habe ich über zwei Jahre mit mir mitgetragen, als ich mich dann vor zwei Jahren hingesetzt habe um die Vision umzusetzen. Die zentrale Frage war dann natürlich: welche Worte willst du einbauen? Interessanterweise hat es mich dann ziemlich schnell wie der Blitz getroffen, „du musst Emoji nutzen“. Die Phase darauf bestand in Katalogisieren und im Aufsetzen einer ersten Version in einer Google Tabelle mit Englisch und einer Deutschen Spalte. Als ich mir dann sicher war, dass die Idee durchaus Sinn ergibt, war ich ziemlich euphorisch.

Hattest du einen besonderen Anwendungsfall im Kopf als du dir die App ausgedacht hast?
Ich wollte über diese spielerische Art und Weise Vokabular vermitteln, das nicht wirklich als Konkurrenz zu bestehenden Apps angedacht war. Im Gegenteil dazu, wollte ich es so simpel und informativ bauen, dass es eigentlich für alle interessant ist. Es spielt eigentlich fast keine Rolle ob man gerade in einem Sprachkurs ist oder nicht. Es ist einfach witzig damit zu spielen.

Was fasziniert dich mehr: die fremden Sprachen oder die Emojis?
Ich bin ein großer Emoji-Nutzer. Allerdings sind diese natürlich hier viel mehr Mittel zum Zweck. Ich liebe Sprachen. Also ist die Antwort hier eindeutig: Sprachen. Aber am Ende sind Emoji wiederum eigentlich Teil unserer Kommunikation, also irgendwo durch auch der Sprache. Ich nutze lieber Emoji im Plural, das ist wohl im Deutschen auch nicht ganz richtig, hier gibt es für das Englische eine schöne Abhandlung.

Hast du ein Lieblings-Emoji?
Ich nutze wohl momentan 😬 am meisten.

Und eine Lieblingssprache?
Das ist wirklich schwierig. Ich glaube das ändert sich immer wieder auch ein bisschen. Vielleicht könnte ich hier Rätoromanisch (auch Rumantsch, Romontsch, Rumauntsch) hervorheben, dann wird niemand böse. Die Sprache ist möglicherweise in ihren letzten Zügen, hat sich lange Zeit gegen allemannische Dialekte „halten“ müssen und klingt in meinen Ohren einfach wunderbar. Dazu gibt es Zankapfel wie die Questione Ladina und auch wenn nur noch wenige Rumantsch sprechen, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Dialekten ist zum Teil riesig. Ausserdem haben die auch wunderbare Namen: Sursilvan, Tuatschin, Sutsilvan, Surmiran, Putèr, Vallader und Jauer.

Wenn man die App nutzt, fällt auf, dass du ein paar Emojs eher frei übersetzt hast. Wie hast du z.B. Frühling oder Winter übersetzt?
Mir war es wichtig, ganz, ganz simple Worte zu nutzen. Da bin ich dann halt in einigen Fällen von der offiziellen Version abgewichen. Ich wollte ja nicht Emoji beibringen, sondern eben Worte/Verben und weitere nützliche und notwendige Mitglieder der Sprachenpalette. Dies hat mich Monate gekostet und ist nach wie vor ein Prozess, an dem ich arbeite. Es geht darum möglichst nützliche Dinge zu erlernen. Ich hoffe allerdings schon, dass es in den meisten Fällen Sinn ergibt.
Frühling, Sommer, Herbst, Winter waren einfach auch Teil davon: da sieht man dann halt einen Berg mit Schnee, oder im Wind herumflatternde Blätter.

Unlängst warst du auf Producthunt gefeatured. Gab es besondere Reaktionen?
Die Reaktionen überraschen mich sehr positiv. Dieses Interview ist Teil davon, weitere Interviewanfragen hatte ich auch. Vor allem ist das Feeback meiner Beta-Tester auf Product Hunt sehr positiv und das macht mich sehr glücklich und gibt auch Energie für die nächsten Versionen. Natürlich gab es auch wenige hämische Kommentare, aber das ist wohl nie zu verhindern.

Hier Learnji im App-Store laden

Webdesign-Sommercamp in München

In den Ferien ins Internet: das ist die Ziel des Webdesign-Sommercamps, das Alexander Hoffmann und Philip Frank Anfang September in München anbieten. Das Besondere dabei: die beiden wollen Jugendlichen zwischen 10 und 15 Jahren Wege ins Netz zeigen. Ich habe Alexander dazu ein paar Fragen gestellt.

Zur Zeit sind in Bayern Sommerferien. Ihr bietet trotzdem einen Kurs für Jugendliche von 10 bis 15 Jahre an. Warum?
Der Kurs findet in der letzten Woche der Sommerferien statt, wenn die meisten Jugendlichen wieder aus dem „Urlaub“ zurück sind. Wenn ich mich an die wenigen Tage vor Schulbeginn zurückerinnere, habe ich sie zum Zocken von Computerspielen genutzt.

Wir möchten daher die Zeit nutzen und den Jugendlichen ohne Ablenkungen aus dem Schulalltag ein qualitativ hochwertiges Programm bieten, um einerseits Berührungsängste abzubauen und natürlich um zu zeigen, wie spannend die Welt der Programmierung sein kann.

Das ganze heißt „Webdesign Sommercamp“. Es gibt Leute, die behaupten, dass Jugendliche eh zuviel Zeit im Internet verbringen. Warum sollen sie jetzt auch noch Webdesign lernen?
Gerade deshalb glauben wir daran, dass Jugendliche zumindest die Grundlagen des Internets verstehen sollten, da sie es tagtäglich nutzen: Was passiert eigentlich, wenn man eine Website aufruft? Was sind Cookies, IP-Adressen oder Webserver? Wo liegen eigentlich die Daten, wenn man eine Website im Internet veröffentlichen will? Denn nur wer die Grundlagen versteht, kann sich besser vor Gefahren und Sicherheitsrisiken schützen.
Zudem eignet sich Webdesign hervorragend, um schnelle Erfolgserlebnisse bei der Programmierung zu erzielen und um ein langfristiges Interesse zu wecken. Zwar ist jetzt HTML streng genommen keine Programmiersprache, aber hier bekommen die Jugendlichen bereits ein Gefühl dafür, was es eigentlich bedeutet, wenn sie sich nur in ein paar Zeichen vertippen oder mal ein Zeichen vergessen. Das Ergebnis sehen sie sofort im Browser.

Und was sagst Du denjenigen, die finden, dass Kinder und Jugendliche möglichst wenig Zeit im Netz verbringen sollen?
Theoretisch brauchen die Jugendlichen kein Internet, um Programmieren zu lernen. Wir unterrichten z. B. an einer Schule bei der wir (leider) ohne Wlan auskommen müssen, weil externe Partner keinen Zugriff darauf haben dürfen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Es kommt natürlich immer darauf an, was die Kinder und Jugendlichen im Netz machen. Ich kenne z. B. einen geflüchteten Jugendlichen, der das Internet wortwörtlich aufsaugt und sich Webdesign und Grafikdesign selbst beibringt, weil er dort die Lerninhalte in seiner Sprache findet.
Oder ein anderer Fall: ein 12-Jähriger, der bereits mehrere Open Source Projekte unterstützt hat und damit so viel IT-Wissen angesammelt hat, dass er locker die Prüfung zum IHK Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung bestehen könnte. All das mithilfe des Internets.

Kannst Du ein bisschen was zu den Kurs-Inhalten sagen? Was zum Beispiel ist ein Twitter-Bootstrap?
Das ist ein Framework, mit dem man viel schneller und einfacher eine Website umsetzen kann, die sich auch auf mobile Endgeräte anpasst. Also responsive ist.


Ein Punkt heißt „Wie funktioniert das Internet?“…

Du öffnest deinen Browser und besuchst eine Website. Klingt simpel, aber was steckt eigentlich dahinter und woraus besteht dieses weltweite Netzwerk? Wir vermitteln den Jugendlichen einen Überblick über die Technologie, Geschichte und Politik des Internets und wie es uns in Echtzeit mit Menschen auf der ganzen Welt verbindet. Hier erfährst du woraus sich dieses fast schon magische Phänomen in den letzten 25 Jahren entwickelt hat.

Und die anderen Inhalte?
HTML Grundlagen
Die Teilnehmer lernen, wie man Inhalte in einer Website definiert, die Website damit strukturiert und sie von Anfang an suchmaschinenfreundlich gestaltet.

CSS Grundlagen
In dem Abschnitt lernen die Jugendlichen, wie einfach es ist, die Schriftfarben oder Hintergrundbilder auszutauschen oder der Website ein schönes Layout zu verpassen.

JavaScript / Scratch
Die Jugendlichen erlernen hier die typischen Elemente einer Programmiersprache am Beispiel von JavaScript oder Scratch. Das ist besonders interessant für ihre Zukunft, da sich die Programmierkonzepte (Bedingungen, Schleifen, Variablen) in fast allen Programmiersprachen sehr ähneln.
Kennen sie eine Programmiersprache, erlernen sie damit sehr schnell eine weitere. Und sind die Konzepte einmal verinnerlicht, ändert sich auch die Denkweise hinsichtlich der Konzeption und Entwicklung von Algorithmen.
Die Jugendlichen bauen mit den gelernten JavaScript-Grundlagen ihren eigenen Vokabel-Test, um danach noch besser ihre Vokabeln aus der Schule üben zu können und um eigene Gamification-Ansätze auszuprobieren. Z. B. Vokabel-Test auf Zeit, Multiplayer-Modus, usw. Die Jugendlichen können selbst entscheiden, wie sie ihren Vokabel-Test anpassen.

Was ist das übergeordnete Ziel eurer Kurse: Was wollt ihr damit erreichen?
Wir wollen Berührungsängste abbauen und Menschen für IT-Themen begeistern.

Das Webdesign-Sommercamp vom 4. bis 9. September ist kostenlos. Es wird gemeinsam von Alexander Hoffmann, Gründer von COOK and CODE (Programmierkurse) und CHECK24 veranstaltet. Der Kreisjugendring München-Stadt stellt das Café Netzwerk als Location zur Verfügung. Hier kann man sich anmelden!

Mehr zum Thema in den Digitalen Notizen: Ein Interview mit den Machern des Hamburg App Camps

Freiheit zum Andersdenken (Digitale Juli-Notizen)

Die aktuelle Folge des Digitale-Notizen-Newsletters widmet sich dem demokratischen Wettstreit. Im Rahmen des DemocracyLab der SZ haben wir den ideologischen Turing-Test ausprobiert. Es handelt sich dabei um einen Rollentausch in der Diskussion, den regelmäßige Blog-Leser*innen bereits hier kennengelernt haben.

In dieser Woche haben wir dazu ein besonderes Streit-Experiment namens „Das ist Deine Meinung“ durchgeführt, in dessen Einladung es heißt:

Es sollte zur demokratischen Grundbildung zählen, auf tolerante Art streiten zu lernen. Dazu laden wir Sie ein: Probieren Sie es mit uns aus!

Am Mittwoch haben sich dazu rund vierzig Diskutanten in München getroffen und „Das ist Deine Meinung“ ausprobiert. Hier gibt es auf SZ.de ein Videofazit zu der Diskussion!

Im Text, den ich nach der Veranstaltung schrieb, steht:

Es ist die Idee des demokratischen Streits, dass auch die Minderheiten zu Wort kommen. Pluralismus in einer Demokratie bedeutet: die Bereitschaft, auch gegenteilige Meinungen auszuhalten. Denn erst diese Toleranz macht aus einem bloßen Wortgefecht ein echtes Gespräch. „Freiheit“, hat Rosa Luxemburg gesagt, „ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“ An diesem Abend erfahren vierzig Frauen und Männer, dass man diesen Satz nicht nur als Appell an undemokratische Regime richten muss, die zum Beispiel Journalistinnen und Journalisten einsperren (#freedeniz). Die Diskutanten spüren, dass der Satz auch auf diese Weise funktioniert: Freiheit ist immer die Freiheit zum Andersdenken.

Links:
Ankündigung
Video
Fazit


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).