Alle Artikel in der Kategorie “Netz

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#fairerteilen (Digitale März-Notizen)

Dieser Text ist Teil der März-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Das Netz kann ein besserer Ort werden, wenn wir selber aktiv werden. Deshalb haben Manuel Kostrzynski, Heiko Bielinski und ich im vergangenen Jahr #gegendiepanik ins Leben gerufen – und deshalb wollen wir nicht nur in Ausnahmesituationen achtsamer werden. Das ist die Idee von #fairerteilen. Unter dem Hashtag und der zugehörigen Website fairer-teilen.de wollen wir daran erinnert, wer aktiv werden kann gegen Gerüchte und Halbwahrheiten im Netz: Du und ich! Legen wir los!

Wir lieben Social-Media. Wir schätzen den Austausch mit Freunden und der ganzen Welt. Wir lachen über Hashtag-Humor und Internet-Quatsch.

Deshalb wissen wir, dass Social-Media auch missbraucht werden kann. Das ist Mist. Wenn Panik, Falschmeldungen oder Hass verbreitet werden, kannst du selber etwas dagegen tun – indem du dich fairer verhältst und dich bemühst, Inhalte fairer zu teilen. Deshalb haben wir sieben Regeln zum #fairerteilen aufgeschrieben, mit denen du helfen kannst, Hass, Falschmeldungen und Panik zu verhindern.

1. Von mir sollen keine Gerüchte, Halbwahrheiten und Falschmeldungen ausgehen! Ich weiß, dass es Seiten gibt, die mit Absicht falsche Informationen verbreiten wollen. Darauf falle ich nicht rein und damit werde ich meine Freunde nicht verwirren.

2. Wenn ich einen Link poste oder andere Inhalte veröffentliche, halten meine Freund*innen das für verlässlich. Das ist eine große Verantwortung. Ich bemühe mich, dem gerecht zu werden. Deshalb poste ich nur solche Links, die ich überprüft habe.

3. Um Links zu überprüfen, nutze ich Wikipedia (Gibt es das Medium überhaupt?) und die Rückwärtsbildersuche von Suchmaschinen – z.B. bei google.com/images oder TinyEye. So kann ich sehen, ob die Bilder nicht vielleicht aus einem anderen Kontext stammen und bewusst verfälscht wurden.

4. Wenn ein Beitrag mich sehr wütend oder sehr traurig macht, überlege ich, ob er vielleicht mit Absicht so geschrieben wurde, weil den Autoren diese Gefühle wichtiger sind als die Fakten. Deshalb überprüfe ich in einer Suchmaschine, ob und wie andere Seiten über das Thema berichten.

5.
Egal wie emotional ist bin: Ich bleibe fair und menschlich. Wer einem anderen Menschen den Tod wünscht, mit Vergewaltigung oder anderen Angriffe droht, verlässt den Boden des Grundgesetzes. Derartige Wortmeldungen wird es von mir nie geben, wenn ich sie lese, werde ich sie beim Seitenbetreiber und/oder der Polizei melden.

6. Selbst wenn man unterschiedlicher Meinung ist, bleibt die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Maßstab, an den sich Debatten halten müssen. Gerade wer behauptet, stolz auf dieses Land zu sein, sollte sich daran erinnern: Das Grundgesetz garantiert freie Meinungsäußerung, es ruft uns aber auch dazu auf, fair und menschlich bleiben.

7. Egal wie unübersichtlich eine Situation sein mag, ich werde nicht dazu beitragen, Verwirrung zu streuen. Denn das ist das zentrale Ziel derjenigen, die auf Gerüchte und falsche Meldungen setzen: Sie wollen eine Stimmung schaffen, in der sie ihre einfachen Antworten verbreiten können. Darauf falle ich nicht herein. Ich bleibe skeptisch und trage durch mein eigenes Verhalten dazu bei, Social-Media-Gelassenheit zu verbreiten.

Bitte die Seite und die Idee #fairerteilenfairer-teilen.de


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

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Heimat!

In der aktuellen Ausgabe der Tageszeitung Die Welt erscheint heute ein Text (€-Blendle-Link) des SZ-Kollegen Heribert Prantl. Es ist dies ein Vorabdruck aus seinem Buch „Gebrauchsanweisung für Populisten“.

In dem Text geht es um den physikalischen Ort „Heimat“. Was Prantl aber meint, kann man auch auf den virtuellen Ort „Heimat“ beziehen. Das Internet – davon bin ich weiterhin überzeugt – kann Menschen ebenfalls Heimat sein. Ihm kann deshalb die gleiche Brauchtumsförderung zustehen wie den Städten und Dörfern, die Menschen Heimat bieten.

Wir verfolgen die Idee, einen Heimatverein fürs Netz zu gründen weiter. Ende des Jahres wird es dazu weitere Informationen geben.

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Vorbilder fortbilden!

Die Bundeskanzlerin hat auf der Cebit über die digitale Zukunft gesprochen – und dabei quasi nebenbei die Kulturhoheit der Länder übersprungen und sich in die Gestaltung der Lehrpläne eingemischt. Angela Merkel ist der Meinung, die Fähigkeit zu programmieren zähle zu den Grundfähigkeiten, die in der Schule unterricht werden solle. In ihren Worten klingt das so:

Menschen mitzunehmen, das wird in vielerlei Hinsicht eine Aufgabe sein. Ich sage Ihnen ganz offen: Das wird die Politik nicht allein können, sondern das müssen wir mit Ihnen, den Anbietern digitaler Technologien, gemeinsam tun. Das wird heißen: neue Formen der Bildung, zum Beispiel in der Schule – Digitalisierung der Schulen, Zugriff auf Clouds, Ausstattung mit Computern und die Vermittlung der Fähigkeit zu programmieren als eine Grundfähigkeit neben Lesen, Schreiben, Rechnen. Ich sage allerdings immer dazu: Lesen, Schreiben, Rechnen bleiben notwendige Grundfähigkeiten; das Programmieren kommt aber noch dazu. Nicht dass irgendetwas anderes wegfällt; das können wir den jungen Leuten nicht versprechen.

Das klingt toll. Wenn es aber stimmt, dann müssen wir den alten Leuten etwas versprechen: Sie müssen das auch lernen! Und das scheint mir viel spannender als die Frage nach dem Lehrplan. Wie erlangen Menschen außerhalb der Schule jene Fähigkeit, die in Schulen als Grundfähigkeiten angesehen werden?

Diese Debatte erscheint mir viel spannender als die Diskussion über Schulen. Denn: „Erziehung ist Vorbild und Liebe – und sonst nichts“ (Fröbel). Soll heißen: wir lernen (auch den Umgang mit Smartphones und Programmieren) über Vorbilder – also über Erwachsene, die zeigen wie sie es machen.

Machen wir uns auf die Suche nach genau diesen Vorbildern! Und wenn wir sie kaum finden, dann machen wir uns auf den Weg, sie fortzubilden!

Mehr zum Thema Kulturpragmatismus in den Digitalen Notizen.

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Warum der Spiegel in allen Generationen mehr Smartphone-Gelassenheit üben sollte

Eine ganze Woche ohne Handy?„, fragte die Spiegel-Hausmitteilung in der aktuellen Ausgabe „Schon Erwachsenen würde das schwerfallen, aber Kinder und Heranwachsende sind von ihrem Smartphone noch stärker abhängig – glauben jedenfalls viele Erwachsene.“ Mit diesen Worten wird die aktuelle Ausgabe des Kindermagazins „Dein Spiegel“ angekündigt, in der eine 13jährige Autorin eine Woche lang auf ihr Smartphone verzichtet.

Auf dem Titelbild des Magazins, das gestern erschienen ist, wurde der Kopf eines Karohemd-Trägers durch das Flushed-Face-Emoji ersetzt. Dessen gerötete Wangen beziehen sich laut Emojipedia auf einen Fehler bzw. eine peinliche Situation. Aber nicht die Macher*innen des Heftes schauen wegen der Titelzeile auf diese Weise aus der Wäsche. Die Leser*innen sind gemeint. Ihnen soll ein schlechtes Gewissen gemacht werden: „Bin ich handysüchtig?“ steht über dem Emoji-Kopf.

Und es ist klar welches Ergebnis das als „Der grosse Test“ angekündigte Coverthema zu Tage fördert: Du, junger Leser machst, einen Fehler. Du, junge Leserin musst erröten, „Dein Spiegel“ hat dich bei einem Fehler oder einer peinlichen Situation ertappt. Mal abgesehen davon, dass dies die vermutlich unsympathischste Haltung ist, die ein Magazin seiner Leserschaft gegenüber einnehmen kann: Was soll das?

Im Heft folgt ein gemeinsam mit Klicksafe entwickelter Fragebogen zur Smartphone-Nutzung, den ich gar nicht im Detail kommentieren will.

Was ich aber kommentieren will, ist die wenig konstruktive Panikmache die in dieser Ansprache sichtbar wird. Ein solches Titelbild trägt überhaupt nicht dazu bei, einen im Wortsinn gesunden Umgang mit Smartphones einzuüben. Durch die Verwendung des Suchtbegriffs wird ein Krankheitszusammenhang suggeriert, der mindestens diskutabel ist. Durch die Wahl des Emojis wird ein schlechtes Gewissen ob eines Fehlverhaltens angedeutet. Und in der Gesamtschau fügt sich damit ein rein angstgetriebener Blick auf Smartphones, der keinen Platz lässt für Gestaltungsfreude, Kreativität oder eigene Lösungen.

Dieses Titelbild fügt sich im besten Sinne in die Abhängigkeits-Berichterstattung, die der Spiegel im vergangenen Sommer in seiner Ausgabe für Nicht-Kinder gewählt hat. Beide sind aus zahlreichen Gründen ärgerlich und wecken in mir den Wunsch, den Macher*innen das Emoji „Person Shrugging“ vorzustellen. Denn darin steckt eine Haltung, die weniger angstgetrieben, kulturpragmatisch auf die Welt schaut und Ausdruck einer beim Spiegel in allen Generationen dringend überfälligen Perspektive ist: der Smartphone-Gelassenheit.


Mehr zum Thema:
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>> Fünf Fragen zur angemessenen Smartphone-Nutzung
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>>> Smartphones in die Schule – ein Interview
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>>> Die Idee Kulturpragmatismus
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>>> Das Shruggie-Prinzip

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loading: ver.de

Es gab schon sozialen Mobilfunkanbieter und nachhaltige Kondome (einhorn), die über Crowdfunding finanziert wurden. Seit ein paar Tagen läuft das Funding für ver.de – eine nachhaltige Versicherung, die über Startnext zum Leben erweckt werden soll

Starterin Marie-Luise Meinhold hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht Ihr?
Wir wollen die erste öko-faire Sach-Versicherung gründen

Warum macht Ihr es (so)?
Wir wollen zum Mitmachen einladen und mit den Versicherungsbeiträgen, die die meisten von uns ohnehin bezahlen, zum gesellschaftlichen Wandel beitragen.

Wer soll sich dafür interessieren?
Jeder, der vor einer globalen Katastrophe Angst hat und nicht tatenlos zusehen möchte: mit dem Geld der Versicherungswirtschaft können wir etwas bewegen. Sie ist mächtig. Wir alle tragen dazu bei – bewusst oder unbewusst.

Wie geht es weiter?
Mit dem Geld aus unserer Crowdfunding-Kampagne bei startnext.de/ver-de wollen wir eine schöne Webseite für unsere Genossenschaft bauen, auf der man dann auch Mitglied werden kann, und ver.de bekannter machen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass Versicherung und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sein müssen. Im Gegenteil, sie bieten eine einmalige Chance, ökologische und soziale Aspekte in einem ökonomischen Geschäftsmodell zusammen zu führen. Dass sie mit ihrem Verhalten und ihrem Geld etwas bewirken, auch und gerade mit ihren Versicherungsbeiträgen. Und dass wir so zusammen unser Geld in eine lebenswerte Zukunft investieren können. Wir sind nicht machtlos. Wir können etwas tun. Jede Person kann mitmachen. Alles zählt. Das ist wichtig.


Hier gehts zum Funding auf Startnext!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


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Ich bin „am Wahrheiten“: Warum ich nicht (mehr) an den Masterplan glaube (Digitale Februar-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Februar-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

„Gibt es eigentlich eine Antwort auf die Frage wie wir auf die Digitalisierung reagieren sollten?“ Mir wurde diese Frage im vergangenen Monat gestellt und ich bin mir nicht ganz sicher, wie man sie kohärent beantwortet. Sicher bin ich mir hingegen, dass ich bei all den Menschen Vorsicht walten lassen würde, die eine sehr konkrete und vermeintlich richtige Antwort anbieten. Ich weiß nämlich nicht genau, ob es diese eine Antwort, diesen Masterplan überhaupt geben kann – in der hochkomplexen Welt der digitalen Veränderung*.

Ich glaube, es gibt einen bedeutsamen Unterschied zwischen dem Besitz und der Suche nach der Wahrheit. Wobei ich den Begriff der Wahrheit hier bewusst etwas unscharf für eine Masterplan-Antwort wähle. Denn ich kann mich kaum erinnern, dass die „Wahrheit“ so in der Debatte stand wie in den vergangenen Wochen. Der Hauptgrund dafür ist ihr Fehlen. Fake-News – also Lügengeschichten, die sich als sachliche Meldungen verkleidet haben – sind auch dank Donald Trumps fragwürdigem Präsidentschafts-Einstieg ein sehr wichtiges Thema. Im Wortsinn. (Es scheint hier übrigens sinnvoll auf die genaue Definition von Fake-News hinzuweisen, Craig Silverman bietet in seinem Newsletter diese hier an: „Fake news is completely false information that was created for financial gain.“ )

Ich habe allerdings nicht erst seit Trump so meine Probleme mit dem Wahrheitsbegriff (wie ich hier vor zwei Jahren am Beispiel der damaligen Spiegel-Kampagne beschrieben habe). Die Tatsache, dass dieser jetzt aber seinerseits im Stile eines Sandkastenstreits „Selber Lügner“ ruft, wenn ihn die Presse mit unliebsamen Fragen konfrontiert, zeigt, dass es vermutlich nicht reicht, sich auf die Wahrheit zu berufen (Foto: unsplash). Das Ganze gleicht einem recht ausweglosen Anbrüllen zweier Kontrahenten, die sich auf die einzig wahre Weltsicht berufen. Mich erinnert die Situation ein wenig an das Bild der beiden Männer, die rechts und links von einer auf dem Boden gemalten Ziffer stehen und jeder einzig die eigene Sicht gelten lassen. Der eine sieht eine 6, der andere ein 9.

Als Betrachter sieht man vor allem: Man kann nicht sagen, wer die Wahrheit spricht (womöglich sogar beide). Aus der distanzierten Perspektive sieht man zudem: Beide scheinen gute Gründe dafür zu haben, ihre Weltsicht als Wahrheit zu beschreiben. Wie sie da rauskommen? Indem sie da rauskommen!

Denn wie wäre es, wenn wir Wahrheit grammatikalisch kurz nicht als Hauptwort verstehen (das sie ist), sondern als Tunwort. Wenn wir Wahrheit als Verb verstehen, dann stellen wir fest, dass es nicht darum geht, die Wahrheit zu besitzen, sondern nach ihr zu streben. Wahrheit verlangt nach einer Verlaufsform: „Ich bin am Wahrheiten“ wäre dann der Slogan für eine lebendige Demokratie. Denn die Suche nach der Wahrheit macht den Wettstreit der Ideen aus. Der unhinterfragbare Besitz der Wahrheit macht diesen hingegen kaputt.

So lange die beiden Männer nur ihre 9 oder ihre 6 sehen, haben sind sie zwar jeder für sich unbestritten im Recht, es nützt ihnen aber überhaupt nichts. Sie sind unfrei, gefangen in ihrer Weltsicht. Sobald sie aber anfangen, sich aus der Situation zu lösen und der Frage zu öffnen: „Wie kommt der andere eigentlich darauf, die Welt so zu sehen?“ bewegen sie sich in Richtung der Freiheit, die eine Grundlage der Demokratie bildet. „Freiheit“ – und auch das war hier wiederholt Thema – „ist immer die Freiheit des Andersdenken.“

Darf man das sagen mit Blick auf Donald Trump?
Ich glaube sogar, dass man diesen Weg wählen muss. Denn hier liegt der Unterschied zwischen den Journalisten, die Trump unlängst sogar von der Pressekonferenz ausschließen ließ (sic!) und der Weltsicht des neuen US-Präsidenten: Die Medien sind „am Wahrheiten“, Trump meint im Besitz der Wahrheit zu sein.

Ich habe den Eindruck, dass dies die beste Antwort ist auf diese Zeit, die vielen als merkwürdig und schlimm erscheint: Ich wünsche mir viel mehr Menschen, die „am Wahrheiten“ sind und viel weniger, die lediglich ihre Wahrheit herausposaunen. Vielleicht sollten wir, die wir leiden an der Politik des Donald Trump, genau das offenlegen: dass wir „am Wahrheiten“ sind. Dass wir an den Wettstreit der Ideen glauben, dass wir für Toleranz einstehen wollen und dass wir für die Freiheit des Andersdenken kämpfen wollen. Denn „am Wahrheiten“ sein, heißt für mich auch, den Glauben an die reine Wahrheit aufzugeben und das Unreine zu akzeptieren. Diesen Begriff habe ich mir von Carolin Emcke ausgeliehen, die in „Gegen den Hass“ für die Vielstimmigkeit als Antwort plädiert. Im Klappentext heißt es: „Allein mit dem Mut, dem Hass zu widersprechen, und der Lust, die Pluralität auszuhalten und zu verhandeln, lässt sich Demokratie verwirklichen.“

Was das alles mit der Einstiegsfrage zu tun hat? Ich bin in den vergangenen Monaten zu der Einsicht gelangt, dass auch der digitale Wandel ein Prozess ist, der erstens nicht abgeschlossen sind und dem man zweitens am schlechtesten begegnet, wenn man die Antwort schon weiß. Ich glaube nicht (mehr) an den Masterplan in Sachen digitale Transformation. Ich will mich auch bei diesem Thema eher an jene halten, die „am Wahrheiten“ sind als an die, die einzig ihre Richtung verkaufen.

* Zu dem Thema denke ich gerade nach

Mehr zum Thema Fake-News
– Im „Lage der Nation“-Podcast ging es Ende Dezember um Fake-News
– In der Kinderzeitung der SZ habe ich versucht, den Begriff Fake-News zu erläutern.
– Der Kollege Sebastian Herrmann hat in der SZ über die Psychologie von Fake-News geschrieben.
– Adam Tinworth: Journalism is losing the culture war, because it’s fighting last century’s battles


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Meta goes beta: Das Lese-Experiment auf log.os

Ich mag Experimente: Mit Eine neue Version ist verfügbar probierte ich aus, ob Crowdfunding nicht auch für die Buchbranche möglich ist (Spoiler: ist es!), mit Meta! testeten wir, ob Bücher nicht auch in Versionen erschienen können (Spoiler: geht auch!) und gemeinsam mit Log.os probieren wir nun ob Lesen nicht auch ein Gemeinschaftserlebnis sein kann. Wie schon beim SZ-Lesesalon ist dies ein weiterer Schritt in Richtung Livejournalismus als Social Reading.

Ab 1. März lesen wir in einer Lesegruppe das Buch auf der Plattform Log.os. Dafür muss man sich dort einen Account anlegen und kann die digitale Fassung der Standard-Version kaufen. Zusätzlich zum Inhalt erhält man Zugang zum Social-Reading-Experiment. Dieses wird rund einen Monat dauern und etwa so ablaufen.

Wir starten am 1. März mit einem gemeinsam kleinen virtuellen Event, zur Buchmesse in Leipzig wird es ein Vor-Ort-Event geben (das natürlich auch auf der Plattform gezeigt wird) und zum Abschluss gibt es noch eine gemeinsame Veranstaltung am Ende des Monats.
Hier Mitglied bei Log.os und in der Meta!-Lesegruppe werden

loading: The Other Side

Abonniere eine Radiosendung – so kann man das Crowdfunding von The Other Side auf Steady übersetzen. Yannic Hannebohn und Thibaud Schremser produzieren den Popfeuilleton-Podcast bereits seit 2014. Jetzt suchen sie einen neuen Finanzierungsweg.

Yannic (im Bild rechts) hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Thibaud und ich produzieren „The Other Side“*, das ist ein Popkultur-Podcast, der die Hoch- bis Nerdkultur abdeckt. Wir sind aber nicht allein, sondern mittlerweile eine Plattform von jungen Radioautor*innen. Denen bieten wir die Möglichkeit, innovative Ideen bei uns im Podcast umzusetzen. Der Kern des Podcasts ist ein gut vorbereitetes Interview mit einer richtig interessanten Person.

Warum macht ihr es (so)?
Als wir 2014 während des Studiums in Weimar gestartet sind, wollten wir beide ganz einfach was Eigenes moderieren. Das Magazin haben wir damals von einer französischen Autorensendung adaptiert (wir sind beide Halbfranzosen). Gleichzeitig haben wir uns gefragt, warum es in Deutschland so wenige richtige Autorensendungen gibt und auch so wenige Experimente. Über die Folgen hinweg haben wir immer mehr Autorinnen und Autoren gewonnen, mit denen wir eigene Erzählformen entworfen haben. Deswegen stehen bei uns im Podcast auch die Personen im Vordergrund.

Wer soll sich dafür interessieren?
Menschen, die auf Künstler*innen und Kultur stehen, aber von 0815-Radioformaten genervt sind.

Wie geht es weiter?
Wir brauchen finanzielle Unterstützung, damit wir uns die Arbeit zeitlich leisten können. Deswegen brechen wir unsere starre einstündige Form auf und werden mehr „snackable“, bis genug Kohle da ist, wieder ein komplettes Magazin zu produzieren. Das erste Ziel ist ein Hundert Euro Schein pro Interview. Dafür haben wir uns einen Monat gegeben. Wenn wir das hinkriegen, kaufen wir uns Stück für Stück unsere Autoren zurück. Nur der Himmel ist das Limit.

Was sollte mehr Menschen wissen?
Eventuell vergisst man es: Journalist*innen brauchen Geld, um unabhängig zu arbeiten. Innovation entsteht oft im Kleinen. Video ist overhyped und Audio wird nie sterben.

Hier The Other Side auf Steady unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


* Offenlegung: Ich war in der letzten Sendung des Jahres 2016 zu Gast in The Other Side.

Streiten lernen: Für ein besseres Internet (Digitale Januar-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Januar-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

In diesem Monat ist ein Mann ins Weiße Haus in Washington eingezogen, der sich Mühe zu geben scheint, auf keinen Fall präsidial zu wirken. Den konstitutionell-demokratischen Habitus, die Diplomatie und das Eintreten für Grundrechte – all das hat Donald Trump abgestreift. Die Vereinigten Staaten von Amerika, die mir in den 1980er Jahren in der Schule als liberale Vorbildnation vorgestellt wurden, stehen vor einer grundlegenden demokratischen Herausforderung. Dabei geht es an dieser Stelle gar nicht so sehr um die einzelnen Schrecklichkeiten, die Trump angezettelt hat, es geht vielmehr um die Reaktionen, die er damit provoziert.

Es scheint so zu sein, dass sich eine neue (weltweite) Oppositionsbewegung bildet, die der These folgt: Wenn der Präsident sich nicht präsidial verhält, dann muss es jede/r Einzelnen tun. Dieses Muster meine ich jedenfalls bei einigen Initiativen zu erkennen, die – über die USA hinaus – eine Antwort suchen auf die Probleme der digitalen Gegenwart: Denn ein wichtiges Instrument gegen Fakenews, Panikmache oder Hatespeech bist du selber. Das sagen die unterschiedlichen Initivativen allesamt. Sie ziehen sich nicht mehr einzig auf strukturelle Kritik zurück, sondern versuchen selber aktiv zu werden – für ein besseres Internet, für eine bessere Welt.

Wir sind eine Aktionsgruppe, die sich für eine bessere Diskussionskultur in den Sozialen Medien einsetzt„, schreibt Hannes Ley in der Facebook-Gruppe #ichbinhier. „Statt Hass, Beleidigungen und Lügen wollen wir ein sachliches, konstruktives Miteinander.“ Deshalb treten die Mitglieder der Gruppe unsachlichen, hassverbreitenden Beiträgen aktiv entgegen: „Wenn 500 Leute Gerüchte verbreiten oder aggressiv werden, eskaliert die Stimmung“, schreibt Ley weiter. „Kommen 100 Leute mit sachlichen Infos und konstruktiven Vorschlägen hinzu, kann sich das Blatt wenden. Diese kritische Masse wollen wir sein. Je mehr Leute die Kommentarspalten großer Online-Medien positiv füllen, desto besser wird das allgemeine Klima. Jede/r Einzelne kann etwas bewirken.“

Auf diesem Gedanken basiert auch das NoHateSpeechMovement, das in der kommenden Woche „United for a better Internet“ gegen Hate Speech vorgehen will. Mit Hilfe vieler einzelner Netznutzer*innen.
Ähnlich argumentiert Torsten Kleinz, der in seinem Blog ebenfalls an die publizistische Verantwortung des/der Einzelnen appelliert: „Statt nur von den Mächtigen Quellen und Glaubwürdigkeit zu verlangen, müssen wir uns auch mehr auf unsere eigene Glaubwürdigkeit Gedanken machen.“

Mir ist diese Haltung sehr sympathisch – nicht nur weil ich in den vergangenen Wochen viel positives Feedback für die Aktion #gegendiepanik erfahren habe. Die Idee der Seite, die ich mit Heiko Bielinski und Manuel Kostrzynski erstellt habe, zielt in die gleiche Richtung: Jede/r Einzelne trägt Verantwortung für das, was sie oder er veröffentlicht. Und das bedeutet auch: Jede/r kann mithelfen, dass es besser wird.

Und ein Bereich, in dem eine Besserung dringend notwendig zu sein scheint ist die Streit-Kultur im Internet. Ich bin davon überzeugt: Wir müssen streiten lernen! Wir brauchen mehr Vorbilder für die sachliche Auseinandersetzung – auch im Netz. In seinem Essay „Die Rückkehr des Gentleman“ schrieb der Kollege Max Scharnigg unlängst, dieser sei keinesweges in der analogen Welt verhaftet. Er ist „in der digitalen Welt nicht nur genauso denkbar, sondern umso dringender vonnöten. Schließlich gehört angemessene Kommunikation zu seinen Talenten und die Contenance, die ihn auch angesichts ungeheuerlicher Vorgänge einen kühlen Kopf und sämtliche Manieren behalten lässt. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle und intellektuellen Gefasstheit sind gerade im Netz gefragt, wo sich unentwegt Fronten bilden und Ansichten kollidieren.“

Gleiches gilt aber natürlich auch für TV-Talkshows, in die man sich mindestens so sehr Teilnehmer*innen mit diesem Gentleman-Gestus wünschen würde wie in manches Netzforum. Und vermutlich muss man an beiden Seiten anfangen: Einerseits sollte man sich selber – im besten Sinne der Social-Media-Gelassenheit – zu Contenance und Manieren ermahnen, wenn eine Debatte mal wieder aus dem Ruder läuft. Und andererseits sollte man seinen Rundfunkrat kontaktieren und darum bitten, dass auch in den TV-Talkshows viel mehr Wert auf eine demokratische Streitkultur gelegt wird. Es ist ein Irrglaube, dass die aktuellen Anbrüll-Shows (die Bauer&Hauck großartig in diesem Cartoon auf den Punkt gebracht haben: „Lassen Sie mich bitte ausschreien, ich habe Sie auch ausschreien lassen“) mehr Quote machen würden als eine echte Diskussion. Erstens ist dies nämlich bisher kaum ausprobiert worden und zweitens kommt es auf die Versuchanordnung an: Man könnte ja zum Beispiel mal die Rollen tauschen und die Diskutanten bitten, die gegenteilige Position zu besetzen. Horst Seehofer müsste dann z.B. erklären, warum es christlich (sic!) ist, flüchtende Menschen ins Land zu lassen und Jürgen Trittin müsste Argumente für die Atomenergie nennen. Wenn sie die Haltung des Gegenüber nicht anständig zusammenfassen können, müsste man sie entsprechend sanktionieren. Man nennt das den Ideologischen Turing Test – und ich finde, es ist nicht der schlechteste Ansatz auf dem Weg zu einem echten Gespräch.

Denn: „Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte.“ Das hat der Philosoph Gadamer mal gesagt – und wenn die Talkshows zu Streit-Gesprächen werden sollen, könnte man ja mal versuchen, die Diskutanten mit der eigenen Perspektive zu konfrontieren.

Das klingt unrealistisch? Dann fangen wir doch mit uns selber an. Tyler Cowen hat dazu unlängst einen Vorschlag gemacht: „write occasional material in support of views you don’t agree with. Try to make them sound as persuasive as possible. If need be, to keep your own sense of internal balance, write a dialogue between opposing views, just as Plato and David Hume did in some of their very best philosophical works.“
Schon im November hatte Cass Sunstein dazu jeweils fünf Bücher vorgestellt, mit deren Hilfe Konservative und Liberale ihre eigene Weltsicht herausfordern können. Das ist nämlich das Mindeste, was man im besten Shruggie-Sinn tun kann, um sich präsidialer zu verhalten als der aktuelle US-Präsident: Die eigenen Positionen in Frage stellen, die Gegenseite sehen, auch die Maginalisierten nicht vergessen.

Und aus dieser Haltung heraus, lernen wir dann auch anständig zu streiten!

PS: Zum Thema Fakenews habe ich übrigens diese Woche etwas in die „Süddeutsche Zeitung für Kinder“ geschrieben


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Digitaler Heimatverein: So geht’s weiter

Ende vergangenen Jahres brachte ich im Rahmen des Digitale Notizen-Newsletters die Idee auf: Wie wäre es einen Heimatverein für Menschen zu gründen, die sich im Internet Zuhause fühlen?

Über 400 Menschen sagten: Das wäre toll! Und trugen sich hier in eine Interessenten-Liste ein. Dieses Feedback freut mich sehr – auch wenn ich in einem Anflug von Crowdfunding-Idee vorab sagte: Bei 1000 Interessenten verfolgen wir die Idee weiter.

Ich habe in den vergangenen Wochen länger nachgedacht und viele Gespräche geführt und will den Plan, einen Heimatverein zu gründen, in dem sich Menschen organisieren, die Online Zuhause sind, weiterverfolgen. Allerdings geht dies nur langsam, weil nebenbei. Aber: Wir bleiben dran!

Es hat sich ein kleiner Kreis an sehr aktiven Unterstützer*innen gefunden, in dem wir nun herausfinden wollen, welche Organisationsforum rund um den Verein am effektivsten ist um das Ziel zu erreichen, der Internet-Kultur den gleichen Stellenwert und die gleiche Förderung zukommen zu lassen wie sie andere Kulturformen auch erfahren. Denn es soll ja um mehr gehen als einzig den Verein zu gründen – was allein recht schnell ginge, aber eben auch kaum nachhaltig ist.

Deshalb bitte ich um etwas Geduld, es wird sicher das Jahr 2017 kosten, um hier eine gute Struktur zu finden. Bis dahin bitte ich alle Interessenten, sich hier auf der Liste einzutragen!