Alle Artikel in der Kategorie “Politik

„Man möchte nicht abgehört werden, nech?“

Vielleicht ist dieser Dezember 2020 ein guter Zeitpunkt endlich die nervige Rede vom Neuland zu verabschieden. Das Kanzlerinnen-Wort sollte abgelöst werden von einem Satz, den Angela Merkel im Rahmen der so genannten Exponate-Besichtigung beim digitalen Digitalgipfel gesagt hat. Er klingt sehr salopp ist aber eine umgangssprachliche Formulierung für etwas, was man früher mal Fernmeldegeheimnis genannte hat. Angela Merkel spricht sich für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Messengern aus.

Zu verdanken haben wir dieses Fundstück dem Team von Netzpolitik, das sehr genau hingehört hat bei dem Digitalgipfel und danach öffentlich machte, was eigentlich gar nicht so erstaunlich sein sollte: Die Bundeskanzlerin findet die Grundrechte in diesem Land wichtig – sogar dann wenn sie im Digitalen durchgesetzt werden sollen. Dass es ein wenig erstaunlich ist, kann man in diesem Kommentar meines Kollegen Jannis Brühl nachlesen, den er schrieb als Parteifreunde und Kabinettsmitglieder der Kanzlerin forderten, die Verschlüsselung in Messenger-Apps umgehen zu können:

Algorithmen in Gratis-Apps können auch lange Texte, Bilder und Videos in Sekundenbruchteilen unlesbar für diejenigen machen, die die Kommunikation abfangen.Bei Ende-zu-Ende-Verschlüsselung können nur Sender und Empfänger die Nachrichten lesen. Wenn Ermittler den Datenverkehr abgreifen, sehen sie nur Zeichensalat. Auch die Anbieter der Apps können Chats ihrer eigenen Nutzer nicht mitlesen, sie haben ihre Systeme sogar absichtlich so gebaut.

Aber nicht nur Innenpolitiker:inner der Union wollen die Verschlüsselung aufweichen. Gerade diese Woche wurde bekannt, dass auch auf EU-Ebene darüber nachgedacht wird:

Die EU-Staaten sollen künftig eng mit der angelsächsischen Geheimdienstallianz der „Five Eyes“ zusammenarbeiten, um sichere Verschlüsselung in digitaler Kommunikation zu umgehen. Das geht aus Dokumenten der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hervor, die diese an die Mitgliedsstaaten verschickt hat

All diesen Plänen kann man künftig mit einem einfachen Kanzlerinnen-Wort begegnen, das als klares Plädoyer für Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu lesen ist:

„Man möchte nicht abgehört werden, nech?“

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Inspirierender Journalismus (Digitale Dezember-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Dezember-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann. Sie ist inspieriert von meiner Arbeit im Laufnewsletter Minutenmarathon für die SZ.

Gute Produkte schaffen Veränderung. Als Konsument spüre ich während und nach der Nutzung einen Unterschied: eine gute Pizza schmeckt mir und macht mich satt. Dafür bin ich bereit zu bezahlen.

Journalismus, der nach neuen Geschäftsmodellen sucht, muss in dem Sinn zu einem guten Produkt werden. Er muss eine Veränderung bei seinen Nutzer:innen schaffen. Sie müssen sich nachher anders fühlen als vorher: informierter, erfrischter, schlauer. (Foto: unsplash)

Dieses beide Erkenntnisse stehen am Ende eines Jahres, das im deutschsprachigen Journalismus einen deutlichen Trend sichtbar gemacht hat: Digitales Bezahlen wird immer wichtiger. Alle relevanten Player im deutschsprachigen Journalismus (Disclaimer: Ja, auch mein Arbeitgeber) haben in den vergangenen Monaten ihre digitalen Abos inhaltlich erweitert und in der Masse ausgebaut. Neben der Frage nach der Zugänglichkeit und Usability der Angebote wird in dem Zug künftig ein Aspekt in den Mittelpunkt rücken, der bisher eher am Rand steht: die Frage nach den Inhalten. Wie muss Journalismus beschaffen sein, damit er einen Unterschied zwischen vorher und nachher schafft?

Die (über die reine Nachricht hinausgehende) Antwort, mit der die Branche bisher arbeitet, stammt von der New York Times und lautet: „Stories to help you understand the world – and make the most of it.“ Das ist die Unterzeile des Smarter Living Angebots aus New York, das man in Abwandlungen seit einigen Monaten auch in Hamburg, Berlin und München findet. Früher hätte man von Nutzwert gesprochen, heute geht es um Smarter Living-Ideen. Beides ist irgendwie richtig, aber dennoch nicht umfassend genug. Denn diese Form des Ratgeber- oder Beratungs-Journalismus, der in Fach-Interviews, Ich-Geschichten oder Produktlisten mithelfen will, den Alltag irgendwie besser zu gestaltet, ist nur ein Aspekt (meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema können Sie übrigens im Minutenmarathon verfolgen). Ich würde mir darüberhinaus einen Journalismus wünschen, der nicht nur in Fragen der Wohnzimmergestaltung, Lebensführung oder des Liebeslebens hilft „most of it“ zu machen. Damit rücken die großen Medienmarken immer weiter in den Bereich der Fachtitel vor – und etablieren eine Beratungskraft für private Selbstoptimierung. Auf der Ebene dessen, was man Gesellschaft oder Politik nennt, bleibt aber die Frage, die ich eingangs gestellt habe: Wie muss politischer Journalismus beschaffen sein, damit er einen Unterschied zwischen vorher und nachher schafft?

Seit etwa zehn Jahren geistert ein Begriff durch die Branche, der immer wieder und immer noch für Diskussionen sorgt: Konstruktiver Journalismus hat es sich zur Aufgabe gemacht, Berichterstattung lösungsorientiert zu machen: „Konstruktiver Journalismus will zum Ausdruck bringen, wie Veränderung möglich ist, und hebt die Rolle hervor, die jedes Mitglied der Gesellschaft spielen kann, um sie zu fördern“, heißt es auf der Wikipedia-Seite und in dem Satz ist das gesamte Konfliktpotenzial angedeutet, das die Diskussionen über Konstruktiven Journalismus prägt. Ich will diese Diskussionen hier nicht wiederholen, weil sie selbst kaum mehr konstruktiv scheinen. Ich glaube, es braucht im Gegenteil einen Begriff, der weniger schönfärbend klingt und gleichzeitig das Potenzial hat, den Smarter Living-Ansatz auf den klassischer Weise als hart bezeichneten Journalismus zu übertragen.

Mein Vorschlag lautet: Journalismus, der langfristig digitale Bezahlmodelle begründen will, muss inspirierender Journalismus sein. Er muss nicht zwingend Nutzwert, aber stets Denkwert liefern: eine Idee, einen Gedanken oder Perspektivwechsel inspirieren. Er muss seinen Leser:innen das Gefühl geben, nachher mehr Möglichkeiten zu haben, mehr Dinge (und vielleicht auch Lösungen) zu sehen. Das kann durch konkrete Tipps geschehen, aber auch durch besondere sprachliche Formulierung oder neue Stimmen, die ein „So habe ich das noch gar nicht gesehen“ anstoßen. Journalismus auf diese Weise zu denken, schließt die Emotionen ein, die er bei seinen Leser:innen auslöst. Zum „Sagen, was ist“ kommt ein „Was macht das mit mir?“, das in guten Fällen sogar konkrete Handlungen beschreiben kann. Das schließt erstens die Reflektion des aktuellen Geschehens ein und führt zweitens zu der automatischen Frage, die man aus guten weil zielorientierten Meetings kennt: „Wie geht es weiter?“ Journalismus, der sich so positioniert, macht Inspiration zum Call-to-Action für gegenwärtigen Berichterstattung.

Im digitalen Marketing spricht man davon, dass Kontaktpunkte zu einem Aktionsaufruf führen sollen: Der CTA genannte Call to Action soll meist zu einem (Kauf-)Abschluss führen. Ich glaube, dass gegenwärtiger Journalismus einen Call to Inspiration braucht. Wer so denkt, kommt nicht umhin sich intensiver mit seiner Leser:innenschaft zu befassen: „Wen will ich erreichen?“ ist die Ausgangsfrage für jedes öffentliche Projekt. Journalismus bildet da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Guter Journalismus muss darüberhinaus fragen „Wen will ich inspirieren?“ – und dann Wege und Worte finden, um diese Inspiration zu erzeugen, nachzuweisen und fortzuführen.

Deshalb endet auch dieser Text mit einem Inspirations-Aufruf: Schreiben Sie mir (Kontakt finden Sie, aber kein Bot, im Impressum) und sagen Sie mir, wo Sie inspirierenden Journalismus finden? Und wenn Sie mögen können Sie im zweiten Schritt auch ergänzen wie Sie das finden. Denn das Thema wird nicht nur die gesamte Branche in 2021 begleiten, auch mein Newsletter „Digitale Notizen“ wird künftig davon handeln. Den können Sie hier kostenfrei bestellen.

Die Social-Media-Strategie von Norbert Röttgen

Es gibt Menschen, die über sich selbst lachen können und es gibt die anderen. Die CDU sucht gerade einen Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer im Amt der Parteivorsitzenden. Es treten drei Kandidaten an und wenn man die genannte Unterscheidung anlegt, komme ich zu dem Schluss: Es gibt Norbert Röttgen und es gibt die beiden anderen.

Diese Einschätzung basiert einzig auf dem, was ich von Norbert Röttgen in so genannten sozialen Medien sehe. Ich bin kein Mitglied der CDU, ich habe wenig Ahnung davon, was die drei Kandidaten innerparteilich unterscheidet, aber ich sehe: Norbert Röttgen hat die erkennbar beste Social-Media-Strategie.

Wie ich darauf komme? Norbert Röttgen besitzt ein Ansteck-Ringlicht und Norbert Röttgen mag Koalas.

Beginnen wir mit den Koalas. Dass er die mag, twitterte er in dieser Woche und es war etwas anderes als der bekannte Politiker-Trick sich mit süßen Tieren zu umgeben. Denn der Koala-Tweet ist nur der jüngste Beleg für eine digitale Inszenierung, die darauf hindeutet: Der Mensch hinter diesen Accounts zählt offenbar zu denjenigen, die über sich selbst lachen können.

Dieser Eindruck entstand spätestens als im Oktober dieser Clip durch Twitter-Deutschland ging: Ein Mann versucht sich zu später Bürostunde allein im Ballspiel…

… das ist so rührend inszeniert, dass Röttgen für den kurzen Clip viel Zuspruch bekam. Interessanter als der Applaus ist die Haltung, die diesen Applaus möglich macht. Ein solcher Clip (übrigens aus dem eigenen Umfeld gestreut) deutet auf das Bild eines unsicheren, schwachen und fehlerhaften Politikers hin. So jedenfalls hätte man das Video in den 1990er Jahren interpretiert: Wenn jemand schon nicht Ball spielen kann, wie soll er denn dann eine Partei führen (oder gar Kanzler werden)? Heute ist der Clip Ausdruck einer gegenwärtigen, reflektierten Haltung zu sich selbst. Wer an einem solchen Clip teilnimmt, hat ein reflektiertes Verhältnis zu den eigenen Schwächen – und kann über sich selbst lachen. Ein weitere Beleg dafür findet sich in diesem Video, in dem der Kandidat sich über seine eigene Wurfungenauigkeit lustig macht.

Das ist nicht nur nahbar, sondern Teil einer Meta-Stratgie, deren bedeutsamtes Symbol das Ansteck-Ringlicht ist, das man auf zahlreichen Fotos des Kandidaten sieht. Das Ringlicht ist nicht nur der beleuchtete Beweis für Zugehörigkeit zur digitalen Sphäre, es ist vor allem nur in der Meta-Aufsicht auf den Kandidaten zu sehen. Wo immer die Follower das Ringlicht in der Röttgen-Inszenierung sehen, werden sie auf die Reflektions-Ebene geholt, auf der der Kandidat inhaltlich sein „über sich Lachen“ einsetzt: Diese Kandidatur ist nicht eins-zu-eins, diese Kandidatur lässt den Blick hinter die Kulissen zu.

Das ist im Fall von Norbert Röttgen nicht nur deshalb interessant, weil es die Form der digitalen Nähe durch Social-Media sehr gut umsetzt, es muss vor allem im Kontext der Außenseiter-Kandidatur gelesen werden. Zu Beginn des innerparteilichen Wahlkampfs galt Röttgen als drittes Rad am Laschet-Merz-Wagen. Man fragte sich, warum kandidiert der überhaupt? Und genau diese Meta-Perspektive wird durch die Social-Media-Kampagne des Kandidaten perfekt inszeniert. Er ist auch dabei, aber so reflektiert, dass Friedrich Merz noch verbissener wirkt als eh schon und man den Eindruck bekommt: Röttgen spielt gar nicht richtig mit.

Darin liegen zwei unschätzbare Vorteile: Erstens kann er aus dieser Haltung heraus quasi nicht verlieren (er war ja nur dabei, hat aber ja gar nicht richtig gekämpft) und zweitens schiebt er sich damit quasi unbemerkt ins Ziel – womöglich sogar als erster.

Dabei kommen ihm die Auftritte in den klassischen Medien sicher zu gute: Er war in der heute-show und Jan Böhmermann hat ihm ein Kompromiss-Lied gewidmet.

Ob das die CDU-Mitglieder erreicht? Keine Ahnung.

Ganz sicher ist aber, dass es kein Zufall ist. Norbert Röttgen twitterte diese Woche: „Es ist nicht egal, wie wir uns selber präsentieren. Im Gegenteil: Die Menschen schauen sich an, wer macht da mit und kann ich mich mit denen identifizieren?“ Wer so spricht, hat eine ganze Menge über Social-Media verstanden.

Mehr über Social-Media und Politik gibt es auch in meiner Gebrauchsanweisung für das Internet, die bei Piper erschienen ist und in meinem Wagenbach-Buch „Meme – Muster digitaler Kommunikation“ – sowie in meinem monatlichen Newsletter Digitale Notizen.

Shruggie des Monats: Das Meta-Meme 2020

Der Shruggie des Monats ist eine von meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ inspirierte Rubrik meines monatlichen Newsletters (den man hier kostenlos bestellen kann). Darin beschreibe ich Personen, Ideen und Begebenheiten, die mir besonders passend zur Hauptfigur aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ erscheinen – dem ¯\_(ツ)_/¯.

Kriege ich alle Beteiligten an diesem Meta-Meme in eine Zeile? „Cat Vibing zu Trump & Biden im Ievan Polkka auf einer Trump-Pressekonferenz“ müsste dieser Beitrag eigentlich heißen, der sich auf diesen Clip hier bezieht:

Dieser kurze Clip fasst für mich so viel von diesem Jahr aus Meme-Perspektive zusammen, dass ich ihn erstens als Shruggie des Monats, aber auch als Meta-Meme des Jahres auszeichnen möchte.

Die Referenz der Referenz legt diesen Aspekt in doppeltem Sinn nahe: Hier werden so viele Bezüge auf Meme genommen, dass es kaum möglich ist an dem Clip vorbeizukommen. Und all das geschieht auf eine Shruggie-hafte Weise, die wir im Frühjahr von Sara Cooper gelernt haben – und die für das Jahr 2020 stehen wird. Denn es ist das Schlussjahr der Trump-Amtszeit – und der damit verbundenen Anspielungen, Meme und Witzchen (hoffentlich).

Beginnen wir aber mit dem Mann, der dieses Meme ermöglicht – aber gar nicht im Bild zu sehen ist: Bilal Göregen ist in diesem Clip durch Joe Biden ersetzt worden. Im Ursprungs-Clip spielt der blinde Musiker aus der Türkei aber die Trommel (Tambourin), wie er in diesem Interview erzählt. Sein Clip blieb über ein Jahr relativ unbeobachtete im Web bis jemand auf die Idee kam, den Twitch-Charakter CatJam bzw. Vibing Cat in das Video zu montieren. Die musikalische Katze taucht in zahlreichen Videos auf, wie man auf dem Twitter-Account CatVibesTo sehen kann – aber besonders populär wurde sie in Kombination mit der Ievan Polkka von Bilal Göregen.

Das alles geschah zeitlich rund um die US-Wahl so dass es wenig verwunderlich ist, dass kurz darauf die Idee ins Bild gesetzt wurde Bilal Göregen durch Joe Biden zu ersetzen: Fortan trommelt der künftige US-Präsident neben dem bisherigen – denn natürlich bietet es sich an, dass Trump-Tanz-Meme hier zu ergänzen.

Doch damit nicht genug: dieses schöne Trump/Biden-Video wird im Meta-Meme in einen Kontext eingebettet, der ebenfalls bestimmend war für das Jahr. Eine Trump-Pressekonferenz dient als Vorlage, weil wie beiden Bildschirme einfach zu schön und zu weiß darum betteln, als Vorlage genutzt zu werden. Ergänzt wird der Clip um den erneuten – quasi als Meta-Referenz zu lesenden – Auftritt von Tanz-Trump und Vibing Cat im Weißen Haus. Das ist nicht nur eine tolle Referenz an die Referenz, sondern auch ein guter Abschluss für diese merkwürdige Meme-Jahr ¯\_(ツ)_/¯.

Mehr zum Thema in den Digitalen Notizen:

Tiktok-Sounds als gegenwärtigste Form der Trump-Kritik

Lehrstück in digitaler Öffentlichkeit: Wie Teile der amerikanischen Jugend Trump ärgern

Meme-Kultur und das Memo-Monster aus dem Weißen Haus

Boss-Baby Deepfake: Trump-Parodie als Kritik an der Corona-Politik des Präsidenten

Ich chille mit der Crew Digga

M to the B – das erfolgreichste Tiktok-Video aller Zeiten

Der Shruggie des Monats ist eine Rubrik aus meinem Newsletter (den man hier kostenlos bestellen kann). Der Shruggie ist die Hauptfigur aus meinem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, in dem ich zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen versammle. Über Gesellschaftswahrnehmung in Zeiten von Daten und Algorithmen habe ich in dem Buch „Meta – das Ende des Durchschnitts“ geschrieben. Und wer mehr über das Web und das Internet lernen will, kann dies in meinem Buch „Gebrauchsanweisung für das Internet“ tun.

Überall Nuhr Rassisten?

Man muss Dieter Nuhr dankbar sein. Dem ARD-Witzemacher, der sich als Kämpfer gegen den Zeitgeist inszeniert, ist diese Woche eine erstaunliche Vorlage zur Aufklärungsarbeit geglückt. In der ARD-Sendung „Nuhr im Ersten“ hat er eine Buch-Cover-Kritik zu dem unbedingt empfehlenswerten Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ angefertigt. Dabei nannte er (ab Minute 16) den ersten Teil des Titels (den zweiten lies er erstaunlicher- und passenderweise weg) und sagte:

Das hätte mich vielleicht sogar interessiert, aber mir war der Titel ein bisschen zu rassistisch. Zu glauben, die Hautfarbe, ob weiß oder schwarz egal, bringe automatisch eine bestimmte Haltung mit sich: das ist ja klassischer Rassimus.

Danach behauptet er noch, das Buch der Kölnerin (Nippes!) Alice Hasters sei „in den USA ein Riesen-Renner“ gewesen und deshalb „maßgeblich dafür verantwortlich, dass es so etwas wie Donald Trump geben konnte“. Der letzte Teil ist blanker Unsinn, weil das Buch bisher nur auf deutsch erschienen ist. Aber auch der erste Teil ist keine mutige Meinung, die Nuhr hier zum besten gibt, sondern Ausdruck einer erstaunlichen Unkenntnis, der man nicht mit Widerspruch, sondern nur mit Bildung begegnen kann: In seiner „Form der Schein-Intellektualität“ zeigt Dieter Nuhr nämlich vor allem wie wenig er über das Thema Rassismus und strukturelle Diskriminierung weiß.

Es handelt sich hier also nicht um einen Meinungsstreit, sondern um einen Mangel an Bildung. Weshalb die beste Antwort auf Nuhrs Beitrag nicht Widerspruch, sondern die Empfehlung ist: Lies das Buch!

Es ist Ausdruck eines großen Privilegs, dieses Wissens nicht zu haben. Und genau dafür hat Alice Hasters ihr Buch geschrieben. Hätte Dieter Nuhr oder wenigstens irgendeine Mitarbeiter:in beim Sender das Buch auch nur kurz in die Hand genommen, hätten sie erstens gemerkt, dass der US-Bezug nicht funktioniert, sie hätten aber vor allem gelesen, dass Alice Hasters direkt auf den ersten Seiten des Buches die Antwort auf den Vorwurf gibt, den Nuhr formuliert.

Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße – und das liegt daran, dass Rassismus in erster Linie keine private Einstellungsfrage, sondern ein gesellschaftliches Ordnungssystem ist.

Dieter Nuhr vertritt in seinem kenntnisfreien Witzchen eine Ansicht, die mir nicht unbekannt ist und die man erklären kann: Wer „ob weiß oder schwarz egal“ sagt, blendet damit die systemische und strukturelle Ebene des Rassismus aus und tut so als spiele Hautfarbe keine Rolle. Das ist zwar das Ziel anti-rassistischer Politik, so zu tun als sei es bereits erreicht, führt zu der falschen Annahme, der Titel des Buches sei selbst rassistisch. Das ist er nicht – und Alice Hasters erklärt das für alle, die die Fähigkeit aufbringen, das Buch aufzuklappen.

Viele Menschen gehen davon aus, dass grundsätzlich jede Person von Rassismus betroffen sein könnte. Diese Menschen sehen Rassismus als rein individuelle Haltung. Wie ein einzelner Mensch die Welt sich ordnet, hat erst einmal wenig Konsequenzen. Doch Rassismus ist ein System, das mit der Absicht entstanden ist, eine bestimmte Weltordnung herzustellen. Es wurde über Jahrhunderte aufgebaut und ist mächtig. Darin wurde die Hierarchie rassifizierter Gruppen festgeschrieben, und die lautet, ganz grob: Weiße ganz oben, Schwarze ganz unten.

Wer über Rassismus spricht, muss also unbedingt den Kontext mitbedenken und kann aus dem systemischen Problem nicht einfach eine individuelle Privatsache machen. Das ist schwierig, gerade für weiße Menschen, die das Privileg haben, nicht ständig den Mirkoaggressionen ausgesetzt zu sein, die Alice Hasters in dem Buch als Ausdruck von alltäglichem Rassismus beschreibt, der sich auch aufgrund der Geschichte und des Kontext zeigt. Das anzuerkennen ist unangenehm und Dieter Nuhr beweist mit seinem Auftritt, wie Recht sie hat, wenn sie schreibt:

Selten fühlen sich weiße Menschen so angegriffen, allein und missverstanden wie dann, wenn man sie oder ihre Handlungen rassistisch nennt. Das Wort ,Rassismus‘ wirkt wie eine Gießkanne voller Scham, ausgekippt über die Benannten. Weil die Scham so groß ist, geht es im Anschluss selten um den Rassismus an sich, sondern darum, dass ich jemandem Rassismus unterstelle.

Dieses Dilemma wird sich am besten lösen lassen, wenn wir beginnen zu reflektieren, statt Vorwürfe in den Raum zu schleudern. Das Buch hat bei mir genau diesen Reflektionsprozess ausgelöst, in dem ich weiterhin stecke: Ich versuche meine Privilegien zu reflektieren und die Strukturen zu verstehen, die Rasssismus begünstigen. Denn natürlich habe ich individuelle Verantwortung für rassistisches Verhalten, aber gleichzeitig gilt auch: Rassismus…

… ist schon so lang und so massiv in unserer Geschichte, unserer Kultur und unserer Sprache verankert, hat unsere Weltsicht so sehr geprägt, dass wir gar nicht anders können, als in unserer heutigen Welt rassistische Denkmuster zu entwickeln.

Diese Beschreibung hat zentrale Bedeutung für das ganze Buch, das die Kraft hat, den Reflektionsprozess anzustoßen, den die Gesellschaft bräuchte um langfristig gegen Rassismus vorzugehen. Deshalb wäre es so viel sinnvoller, Dieter Nuhr nicht zu beschimpfen, sondern ihm die Lektüre des Buches nahezulegen – weil es ihm hilft, seinen blinden Fleck zu überwinden. Und es hilft nicht nur ihm, sondern allen, die das Glück hatten, sich bisher nicht mit Rassismus befassen zu müssen.

Lest dieses Buch, verschenkt es zu Weihnachten und tragt zunächst die konstruktive Botschaft des Buches weiter, bevor ihr euch Empörung und Streit aussetzt. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung (wo es am 10.11. veröffentlich wurde) ist es übrigens schon vergriffen!

Why it has to be Joe Biden!

Bevor die Wahlergebnisse in den USA feststehen (ich hoffe, sie stehen bald fest), muss ich ein großes Lob an den Economist loswerden. Ich habe hier schon darüber gebloggt, weshalb ich die Berichterstattung des Magazins auf allen Kanälen so schätzen, dass ich mich für ein kostenpflichtiges Abo entschieden haben (in Kürze: Journalismus als Dienstleistung, die mich in Kürze auf den Stand der Dinge in einem Themengebiet bringt). Denn der Podcast „Checks & Balances“, die die Economist-Mitarbeiter:innen John Prideaux (US Editor), Charlotte Howard (New York bureau chief) und Jon Fasman (Washington correspondent) in den vergangenen Monaten auf die Beine gestellt haben, zählt mit zu dem besten, was ich an Wahlberichterstattung aus den USA konsumiert habe.

Glücklicherweise haben sie bereits vor zwei Wochen angekündigt, das Audio-Angebot fortzuführen. Das ist auch deshalb spannend, weil man neben den Inhalten Einblicke in die Arbeit des Magazins bekommt, das darauf verzichtet, den Artikeln Autor:innen-Zeilen beizufügen. Das verändert die Art des Journalismus auf eine erstaunliche Weise wie ich finde, weil nicht zuzuordnen ist, wer hinter welchem Text steckt. Im Podcast gibt John Prideaux manchmal Einblick in die Arbeit, so dass man erfährt, dass Charlotte Howard quasi nebenbei noch die Titelgeschichte recherchiert und geschrieben hat.

Dieser besondere Blick hinter die Kulisse ist etwas, was der Economist seinen Abonennt:innen auch in einem besonderen Newsletter gewährt: „An exclusive look at how we decide on our cover“ heißt und ist der Newsletter, der in dieser Woche nicht nur das aktuelle Motiv oben rechts erläutert (bitte ehrlich sein: Wer hat das Trump-Konterfrei rechts neben der Flagge sofort gesehen?), sondern im Rückblick auch die Kampagne oben links aus dem Jahr 2016 erklärt.

Aber eins nach dem anderen: Ich erwähne diesen Newsletter weil er beispielhaft zeigt, wie der Kontext eines Inhalts Wert schaffen kann, der für Fans Bedeutung bekommt. Der Inhalt (das Cover) ist für alle sichtbar, aber der Kontext (die Entstehungsgeschichte) ist nur für Abonennt:innen nachvollziehbar – und deshalb wertvoll. Denn stets wird beschrieben, wie die Titelredaktion beim Economist arbeitet, welche Varianten sie geschaffen hat und warum sie sich dann für eben diese Option entschieden hat. Hier wird nicht nur das Produkt verkauft, sondern über den Prozess die besondere Qualität gezeigt (das ist ein perfektes Beispiel für das Prinzip, das ich als Kultur als Software denken beschreibe). Das finde ich nicht nur beispielhaft für digitales Denken, sondern auch äußerst interessant.

Denn durch den Newsletter wurde ich an die tolle Zeile erinnert, die vor vier Jahren erfunden wurde. Sie macht aus dem Namen Donald Trump durch simple Fettung von vier Buchstaben eine politische Botschaft DONald Trump. Das Motiv oben ist dabei eine Montage, aber der Slogan und die deutliche Aussage bleiben dadurch unberührt. Der Economist hatte sich schon vor vier Jahren deutlich gegen Trump ausgesprochen. Und der Texter und Art Director Stephen O’Neill (hier aussführlich) und seine Agentur AML (hier ausführlich auf LinkedIn) hatten damals erklärt, wie sie auf die Idee kamen.

Die Fettung war auch in diesem Jahr eine Option fürs Economist-Cover lese ich im Newsletter, eine zweite bestand darin, den Trump Slogan „Make America Great Again“ mit dem Satz „The Case for Joe Biden“ zu kombinieren, was sicher auch schön gewesen wäre. Die Entscheidung fiel schlussendlich auf die Flagge mit dem Trump-Konterfrei. Ein ziemlich tolles Cover wie ich finde – und da der Text dazu auch empfehlenswert ist, hier noch ein Lektüretipp während alle auf die Ergebnisse warten.

Außer: Man tut es! Eine Ideensammlung

Die Situation ist unübersichtlich, äußerst ärgerlich und unplanbar. Es würde mich nicht wundern, wenn man aus den Begriffen Kultur, Corona und Wellenbrecher-Lockdown mit wenigen Handgriffen das Akronym „SCHEISSE“ bilden könnte – und ganz sicher kann man sie auf das berühmte Kästner-Wort runterbrechen: „Es gibt nichts Gutes“.

Aber natürlich hat Erich Kästner es nicht bei dieser Situationsbeschreibung belassen, sondern einen zweiten Satzteil ergänzt und dazu möchte hier ein bisschen was schreiben: „Außer: Man tut es!“ war nämlich mein erster Gedanken als ich diesen Tweet von Karla Paul las:

Bezahlt Kreativität, damit sie zukünftig erhalten bleibt u zwar mit Geld, nicht nur mit Worten

Das ist ein richtiger und wichtiger Ratschlag. Nur leider gibt es gar nicht so wenige Leute, die ich gerade gar nicht bezahlen kann, weil sie keine Bücher am Markt haben, keine Lesungen machen können oder ihre Konzerte abgesagt wurden (Foto: unsplash). Ich würde das aber gerne tun, weil ich ihre Kunst schätze, deshalb kam mir die Idee: Vielleicht bringe ich sie auf Ideen ;-)

1. Digital sichtbar werden

„Nur wer sichtbar ist, findet statt“ hat Tijen Onaran ihr Buch über Selbstmarketing genannt. Das Buch ist empfehlenswert, aber allein der Titel lohnt sich. Denn vielleicht fehlt es vor allem anderen an digitaler Sichtbarkeit. Das war vor Corona vielleicht nicht so problematisch, in der aktuellen Lage führt es aber zu dem Problem, dass fehlende Sichtbarkeit auch alle anderen Möglichkeiten der digitalen Vermarktung verunmöglicht. Wann wenn nicht jetzt, ist ein guter Zeitpunkt, um digitale Netzwerke zu testen: Verbinde dich mit Menschen, die ähnliche Interessen teilen (hier mein Lob der losen Verbindung) und sei es nur um festzustellen: Es geht anderen auch so, du bist nicht allein!

2. Sag wer du bist

Zur Sichtbarkeit gehört für mich nicht nur die Vernetzung, sondern auch die Fähigkeit zu sagen wer man ist. Erstelle dir eine Website, die andere verlinken und verschicken können, wenn sie dich empfehlen wollen. Der Aufwand ist minimal (zum Beispiel bei WordPress, Wix, Substack und vielen anderen) und hat womöglich große Wirkung. Außerdem hilft eine eigene Website auch dabei die Frage zu stellen: Was kann ich eigentlich gut? Darauf können übrigens vielleicht auch Menschen eine Antwort geben, die dich gut kennen. Frage sie. Und schreibe ihre Antworten womöglich auf deine Website – so genannte Blurbs sind immer hilfreich und helfen dir, Netzwerke zu knüpfen.

3. Denke andersrum

Gerade ist kein guter Zeitpunkt für kreatives Rumspinnen. Oder vielleicht ein besonders guter. Die Lage bleibt (siehe oben) scheiße, aber manchmal führt eine veränderte Perspektive zu neuen Erkenntnissen: Ich will hier gar keine lange Rede über „Reframing“ halten, aber es finden sich manchmal neue Lösungen, wenn man neue Perspektiven wählt. Im ersten Lockdown haben Spargelbauern (Symbolbild Unsplash) zum Beispiel ihr Verkaufsprinzip umgedreht: Weil sie keine Erntehelfer:innen mehr fanden, haben sie statt dem Spargel den Zugang zum Spargel vermarktet. Man konnte dann nicht das Gemüse kaufen, sondern Spargeldämme pachten. Was das konkret helfen kann? Ich weiß es auch nicht, aber vielleicht ist es eine Inspiration!

4. Löse Probleme

Neue Ideen sind immer dann gut, wenn sie zu Problem-Lösungen führen. Es kann deshalb eine guter Ansatz sein, nicht zu fragen „Was kann ich jetzt nicht mehr tun?“, sondern eher: Wem kann ich mit dem, was ich gut kann, ein Problem lösen? Die Antwort hängt natürlich immer von den eigenen Präferenzen ab, aber ein Ansatz für Musiker:innen könnte zum Beispiel sein: Geschenkgutscheine zu verkaufen (Foto: unsplash) Denn in den nächsten Wochen werden Weihnachtsgeschenke gesucht. Menschen habe also das Problem: ich möchte meinen Lieben etwas schenken. Vielleicht könnte eine Antwort ein Geschenkgutschein für ein exklusives Wohnzimmer-Konzert sein, das nach der Pandemie gespielt wird. Bringt den Künstler:innen jetzt Geld und den Schenkenden jetzt ein Geschenk.

5. Nimm Geld an

Der vermutlich wichtigste Punkt: Man kann dir nur dann Geld geben, wenn du eine Möglichkeit hast, es anzunehmen. Das kann eine Kontonummer auf der Website sein, es kann aber auch eine etwas aufwändigere Crowdfunding-Aktion sein. Dieses Thema begleite ich seit Jahren u.a. hier im Blog unter dem Schlagwort loading. Dort findest du andere Leute, die sowas schon gemacht haben. Vielleicht sind sie eine Inspiration für dich, selbst eine Idee zu entwickeln. Die Plattform Startnext hat im ersten Lockdown Künstler:innen auf besondere Weise unterstützt. Du kannst Dir aber auch Angebote wie Steady oder Substack anschauen, die die Möglichkeit bieten, eine kontinuierliche Zahlung an Künstler:innen einzurichten. Vielleicht kannst Du einen Newsletter schreiben, einen Workshop anbieten oder auf andere Weise eine gutes Angebot machen, für das andere bereit sind zu zahlen.

Während des ersten Lockdowns habe ich mich intensiver mit dem Thema Live-Streams befasst. Dazu gibt es einen Übersichtstext und ein eigenes Schlagwort hier im Blog. Wenn du eigene Projekte startest: schreib mir, ich stelle sie gerne hier im Blog vor!

Bin ich auf einer Meinungsmodenschau oder in einer Diskussion?

Dieser Artikel ist eine Entscheidungshilfe für bessere Debatten. Er begleitet den Text Meinungsmodenschau aus meinem monatlichen Newsletter Digitale Notizen – und beantwortet die Frage: Bin ich gerade in einer Meinungsmodenschau oder in einer inhaltlichen Diskussion? (Foto: Unsplash)

Die Antwort auf diese Frage ist wichtig, um die eigenen Erwartungen an die jeweilige Auseinandersetzung anzupassen. Denn Meinungsmodenschau und Diskussion haben unterschiedliche Ziele und verlangen unterschiedliches Auftreten. Dass es sinnvoll sein kann, hier zu differenzieren, hat Julia Reda in dem Film „Die empörte Republik“ vorgeschlagen und ich finde die Unterscheidung sehr hilfreich.

Als Meinungsmodenschau definiere ich Auseinandersetzungen, in denen „Menschen ihre Ansichten wie Kleidung auf einem Laufsteg vorführen und dafür Applaus oder Widerspruch bekommen. Dieses Zurschaustellen von Meinungen findet aber nicht mit dem Ziel statt, daraus einen Kompromiss zu formen oder gar seine Kleidung Meinung zu ändern. Die Meinungsmodenschau im TV-Talkshowformat dient einzig dem Zweck, Menschen in ihren Meinungen zu bestätigen.

1. Worin besteht der Unterschied?

Meinungsmodenschau
… will Bandbreite der Ansichten zeigen.
Ist ein fortlaufender Prozess.
Sprechposition spielt eine große Rolle.
Bespricht ein Thema.
Nutzt Pro & Contra (Schwarz-Weiß)

Gefahr: False Balance
Ziel ist Sichtbarkeit der Meinung.

Wettstreit der Ideen
… sucht einen Kompromiss.
Hat Anfang und Ende.
Trennt zwischen Menschen und Meinungen.
Beantwortet eine konkrete Frage.
Differenziert (Graustufen)

Gefahr: Langweilige Sachdiskussion
Ziel ist ein Kompromiss.

Die meisten öffentlichen Debatten, die wir im Netz oder TV kennen, zählen zur Kategorie Meinungsmodenschau. Denn diese Kategorie ist aufmerksamkeitsstärker und schematischer. Für Zuschauer:innen finden sich in dieser Kategorie sehr zugängliche Anknüpfungspunkte („endlich sagt es mal einer“) und Identifikationsmöglichkeiten, die häufig in Empörungswellen umschlagen können. Vielleicht bildet die Meinungsmodenschau sogar die Voraussetzung für inhaltliches Diskussionen, weil auf den Modenschauen tatsächlich das Meinungsspektrum deutlich wird.

Beide Formate haben jedoch unterschiedliche Ziele, die auch die Stimmung und das Klima vorgeben, die in Meinungsmodenschau und Diskussion herrschen.

2. Wie verhalte ich mich am besten?

Meinungsmodenschau
Checke (deine) Privilegien
Frage sachlich nach
> Habe ich dich richtig verstanden?
Zeige dich empathisch
> Verstehen heißt nicht Verständnis haben*

Nimm die gegenteilige Perspektive ein
Versuche deren Bedürfnis* zu verstehen

Vermeide Verachtung
Egal wie aggressiv die Gegenseite ist,
vergiss nicht: Ihr seid Menschen

Achte auf den Rahmen
Wer Hassrede und körperliche Drohungen
ausspricht, verlässt den Rahmen der
Meinungsmodenschau

Wettstreit der Ideen
Checke die Spielregeln
Kläre die Leitfrage
> Welches Problem wollen wir lösen?
Zeige dich kompromissbereit
> Nachgeben heißt nicht verlieren

Nimm die gegenteilige Perspektive ein
Versuche deren Ziel zu verstehen

Vermeide Verachtung
Egal wie dumm der Vorschlag sein mag,
vergiss nicht: Ihr sucht gemeinsam eine Lösung

Achte auf den Rahmen
Wer persönlich beleidigt, sucht keinen
Kompromiss und verlässt den Rahmen
des Wettstreits der Ideen

* nach dem Konzept der vier Schritte in der Gewaltfreien Kommunikation

Ich glaube, dass die Unterscheidung zwischen den genannten Formaten sinnvoll sein kann, um die Diskussionskultur in Gänze zu heben. Welche Differenzierung dafür nötig sind, habe ich hier beschrieben:

1. Menschen sind mehr als ihre Meinungen
2. Hate Speech gehört nicht zur Diskussionskultur
3. „Nicht mehr“ erweckt einen falschen Eindruck von früher


Dieser Text ist Teil meines monatlichen Newsletter Digitale Notizen,
in dem ich mich immer wieder mit dem Thema Streitkultur und Social Media befasse – zum Beispiel: „Die Nazis werden uns das Internet wegnehmen“ (März 2020), „Die Empörung der anderen“ (Februar 2020), „Fünf Fitness-Übungen für Demokratie“ (Juli 2018) „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017). Hier kann man ihn kostenlos abonnieren.

Die Meinungsmodenschau (Digitale November-Notizen)

Dieser Text ist Teil der November-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

„Ist unsere Debattenkultur in Gefahr?“ fragte Bayern 2 im Rahmen des Zündfunk-Netzkongress und ich durfte mich an der Debatte über die Debatte beteiligen. Das kann man hier nachhören und demnächst wohl auch in ARD Alpha anschauen. Ich habe die Einstiegsfrage auf der Bühne des Münchner Volkstheater sehr deutlich mit „Nein“ beantwortet und möchte im Nachgang zu dem Gespräch drei Unterschiede deutlich machen, die vielleicht helfen könnten, künftige Debatten über Debatten leichter zu führen. Diese drei Unterschiede lauten:

1. Menschen sind mehr als ihre Meinungen
2. Hate Speech gehört nicht zur Diskussionskultur
3. „Nicht mehr“ erweckt einen falschen Eindruck von früher

Um zu verstehen, was ich damit meine, lohnt sich ein Blick darauf, was ich für eine gute Diskussion halte. Denn die Debatten, die wir in Talkshows sehen, sind für mich keine guten Vorbilder für eine echte Diskussion, die als Wettstreit der Ideen tatsächlich im Kompromiss eine Antwort auf eine konkrete Frage sucht. Die TV-Formate hingegen wollen weder eine Frage beantworten noch einen Kompromiss finden. Sie gleichen eher einer Meinungsmodenschau, auf der Menschen ihre Ansichten wie Kleidung auf einem Laufsteg vorführen und dafür Applaus oder Widerspruch bekommen (Foto: unsplash). Dieses Zurschaustellen von Meinungen findet aber nicht mit dem Ziel statt, daraus einen Kompromiss zu formen oder gar seine Kleidung Meinung zu ändern. Die Meinungsmodenschau im TV-Talkshowformat dient einzig dem Zweck, Menschen in ihren Meinungen zu bestätigen. Dass darin in unsicheren Zeiten eine wichtige aber auch gefährliche Funktion stecken kann, habe ich unter dem Begriff Entpörung zu beschreiben versucht.

Die Meinungsmodenschau unterscheidet sich also von einer echten Diskussion. Auf diese Differenz hat Julia Reda in dem Film „Die empörte Republik“ hingewiesen und ich finde es wichtig, deutlich zu machen, was eine echte Diskussion ausmacht – und im Blick zu behalten: Bin ich auf einer Meinungsmodenschau oder in einer echten Debatte?

1. Menschen sind mehr als ihre Meinungen

Wer in einen Wettstreit der Ideen tritt, akzeptiert, dass es einen Unterschied zwischen Menschen und ihren Meinungen gibt. Jemand kann eine dumme oder falsche Meinung vertreten, aber dennoch ein toller, sympathischer Mensch sein. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Handeln und Sein. Es ist wichtig daran zu denken, wenn man in eine Diskussion einsteigt und es ist wichtig auch entsprechend zu diskutieren: Du verhältst Dich arschig ist immer besser als Du bist ein Arsch.

Um zivilisiert streiten zu können, ist es hilfreich Meinungen nicht als unveränderliche Kennzeichen zu betrachten. Ich glaube sogar im Gegenteil, dass der Wert der Meinungsfreiheit nicht im Äußern, sondern im Ändern einer Meinung besteht. Freie Gesellschaften zeichnen sich nämlich genau dadurch aus: Dass Du Deine Meinung ändern darfst. Darin liegt ein großes Privileg und wir sollten uns viel häufiger fragen, wann wir von diesem Privileg Gebrauch machen?

Dass man dabei die Sprechposition derjenigen Menschen nicht außer Acht lassen darf, die Meinungen äußern, bleibt bei der Trennung von Menschen und Meinungen weiterhin richtig. In diesem Punkt liegt meiner Einschätzung nach ein zentraler Streitanlass für zahlreiche Auseinandersetzungen – wie mein Kollege Jens-Christian Raabe in seinem Essay über Schneeflöckchen und den Schnee von gestern beschrieben hat.

2. Hate Speech gehört nicht zur Diskussionskultur

Persönliche Beleidigungen, Drohungen und Diffamierungen sind ein großes Problem und man sollte viel mehr dagegen tun. Wer zu diesen Mitteln greift, verlässt den Raum einer Diskussion. Deshalb weigere ich mich, das Problem „Hate Speech“ im Zusammenhang mit der Frage nach guter Diskussionkultur zu behandeln. Denn die Hater sind an einer Diskussion ja gar nicht interessiert. Sie lehnen den Wettstreit der Ideen und die damit verbundende Trennung von Mensch und Meinung ab. Sie bewegen sich nicht mal auf dem Laufsteg der Meinungsmodenschau. Sie greifen zu Hass und Hetze. Dagegen muss man etwas tun, aber man sollte Menschen, die so agieren nicht dadurch adeln, dass man sie zum Teil der Diskussionskultur zählt. Durch die Wahl ihrer Mittel schließen sie selbst von der Debatte über Debatten aus.

3. „Nicht mehr“ erweckt einen falschen Eindruck von früher

Die dritte Unterscheidung, die ich festhalten möchte, ist eine zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Wer behauptet man könne gewisse Dinge „nicht mehr“ sagen und deshalb die Meinungsgefahr in Gefahr sieht (unlängst zum Beispiel eine Focus-Titelgeschichte), hat ein falsches Bild von der Vergangenheit. Denn auch in der alten Bundesrepublik konnte man keineswegs alles sagen. Es gab früher jede Menge Stimmen, die überhaupt nichts sagen durften: Und zwar jene, die nicht zu weißen Männern gehörten.

Wer also behauptet, heute könne man viel weniger sagen als früher, zeigt damit vor allem, dass er einzig seinen beschränkten Blick zur Verfügung hat – und seine Privilegien nicht kennt. Denn selbstverständlich gibt es heute nicht weniger sondern mehr Meinungen als früher. Das Spektrum des Sag- und Meinbaren ist in jedem Fall größer geworden. Was sich verändert hat: Diejenigen, die bisher einzig Applaus bekommen haben, wenn sie ihre Meinung auf den Laufsteg getragen haben, erfahren nun öffentlichen Widerspruch. Das fühlt sich sicher unangenehm an, ist aber kein Zeichen für das Verschwinden der Meinungsfreiheit, sondern im Gegenteil Beweis für deren Existenz. Denn Widerspruch ist ja das Ziel einer Auseinandersetzung. Und davon gibt es heute mehr als in dem ominösen „früher“, das Menschen nun bemühen, wenn sie Angriffe auf ihre Meinung sofort als Angriff auf die Meinungsfreiheit interpretieren. Vielleicht sollte man also künftig die Klage, „das darf man gar nicht mehr sagen“ übersetzen in „das bekommt ja gar keinen Applaus mehr“.

Dass ich auf der Zündfunk-Bühne so deutlich „Nein“ auf die Frage geantwortet habe, ob die Debattenkultur in Gefahr sei, liegt aber vor allem daran, dass ich diese leicht kulturpessimistische Grundhaltung der Frage nicht mag: Die Diskussions- und Debattenkultur in diesem Land ist ja nicht wie das Wetter ein unbeeinflußbarer, externer Faktor. Diese Kultur entsteht durch unser Zutun. Demokratie ist ein Muskel und wir sollten ihn trainieren: „Wer die plurale Demokratie verteidigen will, muss beginnen, sie zu praktizieren. Wer die Grundideen der offenen Gesellschaft wertvoll findet, darf sie nicht bei der kleinsten Bewährungsprobe in Frage stellen.“

Hier geht es zum Test: Befinde ich mich auf einer Meinungsmodenschau oder in einem Wettstreit der Ideen?


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen,
in dem ich mich immer wieder mit dem Thema Streitkultur und Social Media befasse – zum Beispiel: „Die Nazis werden uns das Internet wegnehmen“ (März 2020), „Die Empörung der anderen“ (Februar 2020), „Fünf Fitness-Übungen für Demokratie“ (Juli 2018) „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017). Hier kann man ihn kostenlos abonnieren.

Lob der losen Verbindung: über den Unterschied zwischen Reichweiten- und Inhalts-Netzwerken

Wir kennen uns nicht, aber wir grüßen uns. Der ältere Herr, dem ich seit einem Jahr morgens im Park begegnet, trägt immer Walking-Stöcke an den Händen und ein Lächeln im Gesicht. Ich kenne seinen Namen nicht und doch nicken wir einander immer freundlich zu, wenn wir uns im Park sehen (dass ich laufe, habe ich hier ausführlicher beschrieben). Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich glaube wir freuen uns beide immer ein klein bisschen wenn wir uns über den Weg laufen.

Über diese äußerst lose Form der Verbindung möchte ich schreiben, weil ich am 28. Oktober im Rahmen der Medientage München über Vernetzung sprechen darf. Das Internet besteht als Infrastruktur aus Verbindungen und auf der Ebene der sozialen Vernetzungen sind diese Verbindungen häufig genau wie meine Lauffreundschaft: eher lose. (Symbolbild: unsplash)

In den Anfangstagen der sozialen Netzwerke gab es deshalb eine häufig wiederholte Klage darüber, dass „digitale Freundschaften“ ja gar nicht so zu bezeichnen seien, weil der Charakter der Verbindung dort nicht stabil und tiefgehend genug sei. Mich hat schon damals mehr interessiert, wie diese losen Verbindungen zustande kommen und was sie ausmacht. Denn diese Form der losen Verbindung im Netz ist eine eigene Form der Freundschaft, die besondere Fähigkeiten und besonderes Interesse verlangt.

Dies gilt umso mehr als sie aktuell die Corona-konformste Art des Austauschs ist. Deshalb will ich sie – immerhin haben wir das Internet – zunächst und unbedingt loben. Gleichzeitig gelten auch für diese Form des Kontakts einige Infrasstrukturbedingungen, die manchmal nicht beachtet werden. Bei Zeit Online beschrieb Lisa Hegemann diese Woche wie das Netzwerk LinkedIn sich gerade zu einem Selbstdarstellungs- und Nerv-Netzwerk entwickelt:

Inzwischen ist der Rauch der Selbstdarstellung auf LinkedIn im Vergleich mit anderen sozialen Netzwerken besonders dicht. Ein Beitrag dort beginnt klassischerweise mit einer Alltagsbanalität oder einem Ghandi-Zitat, dann berichtet der Autor oder die Autorin über eine grob damit zusammenhängende, im besten Fall berufliche Frage, garniert mit dem daraus resultierenden learning. Und zum Ende folgt der call to action an die Followerinnen und Follower, der sie dazu bringen soll, möglichst zahlreich zu kommentieren: Geht es euch so? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Ich würde dieser Beobachtung nicht widersprechen, glaube aber, dass das Problem dabei nicht so sehr die „Selbstdarstellung“ genannte Haltung ist, sondern vielmehr die Absicht hinter solchen Beiträgen: Hier geht es nicht um lose Verbindungen, hier geht es um Reichweite.

Solche Beiträge sind nicht aus inhaltlichem Interesse, sondern für den Algorithmus geschrieben: Fragen und möglichst viele Antworten gaukeln dem Algorithmus Interaktion vor, die dieser in Bedeutung übersetzt. Dass das nicht stimmt, ist der Kern aller Debatten um Relevanz und soziale Netzwerke – und zeigt: Wer lose Verbindungen nur eingeht, um damit Reichweite zu steigern, ist an Verbindung nur als Mittel zu einem anderen Zweck interessiert. Das kann in Ordnung sein, es verändert aber den Rahmen. Zielorientiert zu netzwerken, heißt nur dann beim zum Einstieg zitierten Lauf zu grüßen, wenn es auch „was bringt“. Dagegen stelle ich das Konzept des inhaltsorientierten Netzwerks, das kein qualitatives Ziel, sondern ein Thema verfolgt: Ich verbinde mich mit Menschen, mit denen ich ein inhaltliches Interesse teile. Und mit Inhalt meine ich das, was nach den Buzzwords kommt. Ich meine das, was man sagt, wenn man gefragt wird, warum interessierst du dich eigentlich für [New Sleep] oder [Agile Quatsching]? (Buzzword gerne nach eigner Branche einsetzen)

Nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen die von Lisa Hegamann beschriebene Form des Reichweiten-Netzwerkens, ich finde aber, dass man sie auch als solche beschreiben sollte. Deshalb habe ich mal sehr holzschnittartig die beiden Ansätze gegenüber gestellt, die man meiner Einschätzung nach in sozialen Netzwerken wählen kann. Dabei schicke ich voraus: Die Graustufen sind viel spannender als das klare Schwarz-Weiß, das ich aus Gründen der Übersicht so deutlich herausstelle wie es in der Realität fast nie auftaucht. Der Vorteil daran: Jede und jeder kann sich fragen, wohin sie und er tendiert und mit welcher Form des Netzwerks sie/er sich eher verbinden und interagieren möchte

Reichweiten-Netzwerk…
… zielt auf viele Views für eigene Beiträge.
Nutzt Inhalte, um Traffic zu generieren.
Schreibt für den Algorithmus.
Sponsort eigene Beiträge.
Verfolgt eine User-Action
(Call to Action)

Erfolgsfaktoren sind quantitativ zu messen.

Inhalts-Netzwerk…
… zielt auf thematischen Austausch.
Stellt Verbindung über Traffic.
Schreibt aus Interesse.
Hat noch nie Beiträge gesponsort.
Verfolg inhaltliche Ziele
(Call to Content)

Erfolgsfaktoren sind qualitativ zu messen.

Das Interessante an dieser klaren Gegenüberstellung: Der Begriff „Selbstdarstellung“ kommt gar nicht drin vor. Denn dass sich jemand selbst darstellt ist meiner Meinung nach überhaupt kein Problem. Wenn ich eine persönliche und/oder inhaltliche Verbindung (und sei sie auch nur lose) zu dieser Person habe, finde ich die Darstellung nämlich interessant. Sie schafft eine Verbindung zwischen uns beiden.
Genau darüber werde ich auf den Medientagen sprechen: Dass die Corona-Zeit mir gezeigt hat, wie bedeutsam eine selbstdarstellende Instagram-Story oder ein persönlicher Eintrag sein kann – weil genau dadurch lose Verbindungen erst geschaffen werden. Für mich ist die wichtigste Voraussetzung dafür aber: Es muss ein gemeinsames Interesse geben.

So wie ich den Walker im Park auch nicht mehr grüßen würde, wenn ich feststelle, dass er dort nur rumläuft um mir etwas zu verkaufen. Wenn ich aber merke, dass wir das Interesse an sportlicher Aktivität im Wald teilen, haben wir eine Verbindung. Eine lose zwar, aber ich finde sie dennoch wertvoll.

Wer sich laufend mit mir verbinden möchte: unter minutenmarathon.de schreibe ich für die SZ einen Newsletter für Menschen, die gerne laufen (und mit dem Laufen anfangen wollen). Und wer sich für meine Theorie von Reichweiten- und Inhalts-Netzwerken interessiert: Ich spreche auf den Medientagen dazu.