Alle Artikel in der Kategorie “Politik

Auf welcher Seite stehst du?

Der Generalbundesanwalt hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Betreiber des Weblogs Netzpolitik.org wegen des Verdachts auf Landesverrat eingeleitet (Screenshot) Auslöser ist die Veröffentlichung von Dokumenten des Verfassungsschutz, die als vertraulich eingestuft wurden und von Plänen der Internet-Überwachung durch die „Erweiterte Fachunterstützung Internet“ berichten.

Diese Meldung bringt eine erstaunliche Wendung in die Debatte um die Arbeit der Geheimdienste, die Rolle der Bundesregierung und die Frage, wann es zu einem Aufbegehren einer digitalen Zivilgesellschaft kommt. Denn mit dem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Landesverrat werden Grenzen erkennbar, die eine Antwort auf die Frage ermöglichen, die ich mir schon 2013 in Bezug auf den Guardian und den britischen Geheimdienst gestellt habe: Auf welcher Seite stehst du?

Diese Frage ist Vorraussetzung für eine Politisierung, sie ermöglicht eine politische Bewegung, die wie der Umweltschutz nachhaltig Wirkung zeigen wird. Bisher war diese Frage so schwer zu stellen, weil für viele die Grenzen nicht sicht- oder kaum greifbar waren. Das könnte wird sich jetzt ändern. Dadurch, dass eine juristische Drohkulisse aufgebaut wird, fällt ein neues Licht auf den Umgang mit den Grundlagen „Fernmeldegeheimnis“ und „Pressefreiheit“. Diese „Justizposse“ (DJV) macht Muster erkennbar, die im Sinne des Streisand-Effekts zu einem Wendepunkt im Umgang mit den Snowden-Enthüllungen werden könnte.

In jedem Fall kann man auf der Seite netzpolitik.org/spenden eine sehr konkrete Antwort auf die Frage geben: Auf welcher Seite stehst du?


Update:
Bei Correctiv schreibt Markus Grill:

Heute haben wir auf unserer Seite alle geheimen Dokumente veröffentlicht, deretwegen die beiden verfolgt werden. Und wir werden noch heute Strafanzeige beim Generalbundesanwalt gegen uns selbst stellen. Wir verbinden damit die Hoffnung, dass viele Redaktionen ebenfalls die Dokumente veröffentlichen und ebenfalls Strafanzeige gegen sich stellen. Je mehr Redaktionen sich beteiligen, desto schwieriger wird es für den Generalbundesanwalt, die Ermittlungen gegen Beckedahl und Meister durchzuziehen.

Update 2: Bei Change.org wurde eine Petition gestartet, die die „Einstellung des Verfahrens wegen Landesverrats gegen Netzpolitik.org“ fordert.

Update 3: Konservative Politiker wie Kristina Schröder und der Hinterbänkler Jens Koeppen beantworten die oben gestellte Frage auf ihre Weise.

Update 4: Laut Golem ist die Website des Generalbundesanwalts ist gehackt worden.

Update 5: Der Generalbundesanwalt sagt der FAZ, dass er die Ermittlungen vorerst ruhen lassen will

loading: Nach Bern

Ronnie Grob ist einer der bekanntesten Kuratoren im deutschsprachigen Digitaljournalismus. Erst vor kurzem hat er die Rubrik 6vor9 im Bildblog abgegeben (für die er fast neun Jahre lang Inhalte gefiltert hat) und im Abschiedsinterview angekündigt: „Ich werde also wieder mehr Zeit zum Schreiben haben.“ Für dieses Schreiben bittet er jetzt um Unterstützung: Mit Hilfe der Schweizer Crowdfunding-Plattform WeMakeIt will er sich nach Bern schicken lassen.

Zu diesem besonderen Blog-Projekt hat er den loading-Fragebogen beantwortet.

Was machst du?
Meine Idee ist es, auf der Website NachBern.Ch über den Wahlkampf um die Schweizer Parlamentswahlen am 18. Oktober 2015 zu bloggen. Und zwar sechs Wochen lang: Zunächst will ich drei Wochen lang die bereits gewählten Parlamentarier im Berner Bundeshaus beobachten. Danach will ich kreuz und quer durch die Schweiz reisen und den Wahlkampf der verschiedenen Kandidaten und in den verschiedenen Landesteilen verfolgen.

Warum machst du es (so)?
Die Schweiz hat ja ein Miliz-Parlament und keine staatliche Parteienfinanzierung. Das heisst, es sind grundsätzlich Privatpersonen mit Jobs, die sich für einen Sitz im Parlament bewerben und keine Berufspolitiker. Und der Wahlkampf muss mehrheitlich aus eigenen Mitteln, nicht aus öffentlichen Zuschüssen betrieben werden. So werde ich wohl eher weniger auf perfekt inszenierte Shows treffen, sondern mehr auf Menschen, die sich bemühen.

Als Beispiel dienen können diese beiden, am 30. Juli 2015 veröffentlichten Wahlkampfsongs von Grünliberalen und von der SVP:


Mich fasziniert das einzigartige politische System der Schweiz enorm. Und mal sechs Wochen lang genau hinzuschauen, wie Schweizer Parlamentswahlen funktionieren, das wollte ich schon vor vier Jahren. Jetzt unternehme ich einen ernsthaften Versuch, das zu finanzieren.

Wer soll sich dafür interessieren?
Am ehesten interessiert werden wohl Schweizer sein. Mitlesen sollte aber jeder, der sich für Politik, insbesondere für Demokratie interessiert.

Wie geht es weiter?
In den ersten 24 Stunden wurden bereits 26 Prozent der geforderten Summe gespendet. Das motiviert sehr, aber das Ziel ist erst am 28. August 2015 erreicht. Sollten wider Erwarten deutlich mehr als 10’000 Franken zusammenkommen, will ich versuchen, mein Angebot zu erweitern.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Wie hervorragend ein politisches System funktionieren kann mit Direkter Demokratie und mit nur wenigen Berufspolitikern.


>>> Hier Ronnie Grob Nach Bern schicken

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Die Loyalität des Bastian Schweinsteiger

schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger verlässt den FC Bayern. Der Fußballer, der 17 Jahre für den Verein in München gespielt hat, wird in der nächsten Saison bei Manchester United unter Vertrag stehen. Das ist – nicht nur in München – eine Meldung, die viel Interesse auf sich zieht. Medien berichten über den Wechsel und auch die Medienmacher der Marke Bastian Schweinsteiger wissen das für ihre Zwecke zu nutzen. Sie haben einen Beitrag Werbespot produziert, der die aktuelle Meldung aufgreift und sie geschickt monetarisiert.

Darin haben auch die beiden Sport-Reporter Schauspieler Sebastian Hellmann und Wolff-Christoph Fuss einen Auftritt: Man hört wie sie ein Fachinterview spielen, in dem der eine dem anderen erklärt, warum Schweinsteiger ein super Typ ist – außerdem prophezeit er selbst erfüllend, dass die Fans sicher kein Problem haben werden mit Schweinsteigers Wechsel nach Manchester.

Schweinsteiger selber packt in dem Clip seine Sachen, schaut (ganz uneitel) im Fernsehen Szenen an, in denen er selber zu sehen ist, kritzelt Notizen auf einen Zettel und setzt sich zum Abschluss einen Kopfhörer auf die Ohren. Das alles ist vorproduziert, er spricht kein Wort, man hört nur die Stimmen der Journalisten Werbedarsteller aus dem Off.

Schweinsteiger selber meldet sich unter dessen auf Facebook zu Wort

Liebe Fans, ich möchte mich bei euch für die unglaublichen gemeinsamen Jahre beim FC Bayern München bedanken!Dear Fans, after 17 incredible years at FC Bayern, 15 national titles, winning the historical triple and uncountable other highlights that I was fortunate enough to experience with my incredible team, all you exceptional fans and the co-workers at Säbener Straße and Allianz Arena, I have decided to take a new career step. This decision was very hard to make because you and FCB have, are and will always be an extremely important part of my life. Nevertheless, I would like to again gain experience at a new club. My destination is Manchester United. I hope you understand my decision. No one can take away the incredible journey we had together. #MiaSanMia

Posted by Bastian Schweinsteiger on Sonntag, 12. Juli 2015

… und bedankt sich bei seinen Fans. Auf Facbook und auf seinen anderen sozialen Kanälen finden sich übrigens auch Fotos, die ihn mit den im Clip beworbenen Kopfhörern zeigen. Dass es ein anderes Modell ist, ist vermutlich dem Stress der vergangenen Tage geschuldet. Deshalb blieb wohl auch keine Zeit irgendetwas an der Homepage des Fußballers zu ändern: Dort stehen noch immer Trainingstermine des FC Bayern verlinkt. Aber die Homepage hat offenbar keine Priorität im Medienspiel des Bastian Schweinsteiger.

Ich habe das unlängst mal am Beispiel von Mario Götze notiert: Fußballer werden selber zu Medien. Im Falle von Schweinsteiger sieht man nun, wozu das führt:


… Sie nutzen aktuelle Aufmerksamkeits-Peaks um Werbung zu platzieren, die ganz anders daherkommt als klassische Spots alter Prägung
… Sport-Reporter spielen in diesem Spot mit – um sie authentisch wirken zu lassen und das Image des Fußballers zu heben: „Wenn man was nicht in Frage stellen kann, dann ist das die Loyalität von Bastian Schweinsteiger“, sagt der objektive Journalist Wolf-Christoph Fuss in dem Clip. Lässt allerdings offen, wem gegenüber Schweinsteiger loyal ist – und was er selber unter Loyalität versteht.
… Sie nutzen ihre eigene Reichweite um ihr Image zu bauen. Schweinsteiger spricht seine Fans direkt – ohne Umweg über klassische Medien – via Facebook an. Die Homepage hat dabei keinerlei Priorität.
… Die Verbindung zum Gegenstand der Werbung (Kopfhörer – „An deiner Seite“) ist in Schweinsteigers sozialen Kanälen klar erkennbar, er postet die Werbung aber nicht selber. Wegen des guten Timings übernehmen das schon andere (so wie ich hier) für ihn.


Update:
Christopher weist auf den Zusammenhang zu LeBron James hin.

Update 2: Bei Sport1 gibt es einige Hintergründe zum Ablauf der Werbung, die offenbar in einem Hotel in Köln (sic!) gedreht wurde (Hinweis von Thorsten Poppe)

Update 3: In der SZ gibt es in Interview mit dem Regisseur des Spots, der sagt: „Ich merke gerade bei Sportlern immer wieder: Wenn die verstehen, worum es geht, dann engagieren sie sich richtig für einen Spot.“

loading: Correctiv-Mitglieder

An diesem Wochenende ist es ein Jahr her, dass die Krautreporter in Deutschlands bekanntester Crowdfunding-Aktion 15.000 Abonnenten für eine neue Form des Journalismus gewannen. In diesen Tagen geht nun das Recherchebüro Correctiv (das hier schon mal im loading-Newsletter vorgestellt wurde) mit einem Mitglieder-Crowdfunding an den Start: 5000 Mitglieder will Correctiv-Chef David Schraven bis Ende des Jahres gewinnen. Er hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Wir sind das erste gemeinnützige Recherchebüro im deutschsprachigen Raum. Wir machen intensive, aufwändige Geschichten, die unsere Gesellschaft betreffen. Und wir bilden aus, damit möglichst viele Menschen, unsere Methoden übernehmen können. Mit dem Crowdfunding wollen wir 5000 Mitglieder gewinnen, die einen finanziellen Schutzwall um uns herum aufbauen, damit unsere Unabhängigkeit langfristig gesichert werden kann.

Warum macht ihr es?
Weil wir an die Vierte Gewalt glauben. Nur durch Aufklärung, Transparenz und Diskussion kann sich die Gesellschaft zum besseren wandeln. Anders gesagt: Noch nie gab es eine große Hungersnot in einem Land mit freier Presse.

Wer soll sich dafür interessieren?
Jeder Mensch, der sich unabhängige Informationen wünscht; dem leidenschaftliche Recherche etwas bedeutet; der an Aufklärung über gesellschaftliche Missstände interessiert ist; Mit anderen Worten, Du sollst Dich dafür interessieren.

Wie geht es weiter? Was sollten mehr Menschen wissen?
Wir werden in nächster Zeit weitere Geschichten veröffentlichen, die zeigen, wie wichtig es ist, unabhängige aufwändige Recherchen zu betreiben. Wir sind nicht auf Scoops, auf Spektakel aus, sondern auf Geschichten, die Wirkung entfalten. Und den Menschen nutzen.

>>>> Hier bei Correctiv! Mitglied werden.

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loading: Import Export München

Über das Import Export schreiben die Macher auf der Startnext-Seite, es sei ein Ort, „den es so ja eigentlich nur in Berlin oder Hamburg, aber nicht in München gibt. Nun ist er aufgrund von Umbauarbeiten massiv in seiner Existenz bedroht.“ Deshalb hat das Münchner Import Export ein Crowdfunding-Projekt gestartet.

io_kantine

Dazu hat Michael Schild den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht ihr?
Für die Fakten: Wir bieten von Dienstag bis Freitag täglich einen Mittagstisch von 12 – 16 Uhr, welcher von Nami Taguchi organisiert wird, die die Küchenleitung bei uns übernommen hat. Darüber hinaus bieten wir abendfüllendes Kultur- Musik- und physisches Erbauungsprogramm. Die Tagesgastronomie, der Veranstaltungsbereich bilden zentrale Schnittstellen auf dem Kreativquartier. Für KünstlerInnen und AkteurInnen auf dem Kreativquartier dient diese Einrichtungen als Anlaufstelle und als Kommunikationsraum. Gleichzeitig öffnen sie das Kreativquartier nach außen.

Bei genauerem Hingucken kann folgendes erkannt werden: Das Import Export ist ein experimenteller Ort für kulturelle, künstlerische und gesellschaftliche Projekte und Initiativen. Ein Konzept, das von der spezifischen Qualität des Ortes ausgeht und das Potenzial der lokalen Bevölkerungsstruktur einbindet. Eine offene Plattform für die kreative und soziale Vielfalt der postmodernen Cosmopolis. Eine Schnittstelle für AkteurInnen und Gruppen in lokalen und transnationalen Netzwerken. Ein Ausgangspunkt für die Interaktion von Milieus und Generationen. Ein Raum für etablierte und neu entstehende Formen von Kunst und Kultur. Ein diskursiver Resonanzkörper für eine dynamische stadtgesellschaftliche Entwicklung. Ein wichtiger Faktor für die Interaktion von Wissenschaft, Kultur und sozialer Solidarität am Standort München. Ein Projekt, das der Gentrifizierung im Viertel entgegenwirken und stattdessen den urbanen Charakter des Viertels erhalten und unterstützen wird.

Warum macht ihr es (so)?
Wir denken, dass Bedarf für unser Konzept besteht.
Nicht nur die Stadtgesellschaft, sondern auch die Beschäftigung mit ihren Werten und Idealen braucht Raum. Zwischennutzungen sind im Moment zwar populär, können letztlich aber nur einen Teil der Bedürfnisse abdecken. Vor dem Hintergrund der urbanen Entwicklung werden stattdessen langfristige Strategien benötigt, um Diskursräume für Diversität, Kultur und Wissen zu schaffen und zu erhalten.

Wer soll sich dafür interessieren?
Im Programm soll Platz sein für möglichst viele verschiedene Inhalte, die möglichst unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und Interessen ansprechen. Grundsätzlich soll für alle Platz sein und es wird keine richtigen und falschen Inhalte geben, solange die Programmpunkte sich nicht gegenseitig den Raum nehmen.

Wie geht es weiter?
Wir arbeiten an einem dauerhafter Freiraum, losgelöst vom ökonomischen Druck der wachsenden Stadt.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Das Import Export wird mit viel Herzblut und Engagement von den Betreibern und AkteurInnen geführt. Viele Münchner_innen, denen die kulturelle, künstlerische, aber auch gesellschaftliche und soziale Zukunft ihrer Stadt am Herzen liegt, begleiten das Import Export seit langem und identifizieren sich mit diesem einzigartigen Projekt. Die Betreiber konnten bis jetzt noch keine fianziellen Ausschüttung erhalten, da die Gelder die bis jetzt generiert wurden, in Umbaumaßnahmen und Infrastrukturelle Anschaffungen investiert wurde.
Das Ganze ist für die Betreiber mit einem sehr hohem finanziellen Risko verbunden, da der Nutzungsvertrag bis jetzt nur bis Ende 2016 ausgestellt ist und so eine Refinazierung der Invetitionen nicht gesichert ist. Das Import Export könnte nicht existieren ohne die Beteiligung von allen, die sich an diesem Ort einbringen wollen.

Weitere UnterstützerInnen und Interessierte können sich im Import Export einbringen. Es soll wieder ein offenes monatliches Treffen geben (im Import Export in der Goethestrasse hatten wir das) und den Interessierten dazu dienen, Ideen auszutauschen und inhaltliche Vorschläge zu unterbreiten. In das Projekt soll das Engagement unterschiedlicher AkteurInnen eingebunden und so die urbane Vielfalt des Stadtraums als Ressource aufgefasst werden: Wir wollen eine lebendige, flexible Atmosphäre, die einen offenen Umgang und demokratische Strukturen ermöglicht.
Damit das Import Export weiterhin bestehen kann, müssen einige Investitionen getätigt werden. Große Summen stehen aus, die beglichen werden müssen und wir wissen gerade nicht, wie wir das aus dem laufenden Betrieb anstellen sollen.

Die 10.400,- Euro, die wir auf der Startnext-Seite angegben haben werden nicht ausreichen um den Betrieb der Import Export Kantine dauerhaft fortsetzen zu können. Aber es ist ein Anfang und wir glauben daran das die Vision und unser Konzept durch ein gemeinschaftliches Agieren langfristig in der Stadt München ihren Platz finden wird.

>>>Hier das Import Export auf Startnext unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

loading: The Future Chronicles

Ein Magazin für den Wandel – das ist die Idee der Future Chronicles, einem multimedialen Magazin, das auf Kickstarter um Unterstützung wirbt. Co-Publisher Volker Tolle hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht Ihr?
The Future Chronicles ist eine journalistische Reise durch die Zeit: Jede Ausgabe widmet sich einem neuen Thema des gesellschaftlichen Wandels. Jeder Artikel behandelt einen Meilenstein in der Geschichte und berichtet aus Perspektive der jeweiligen Zeit. Die erste Ausgabe erscheint zum Thema Internet.

Warum macht Ihr es (so)?
In Zeiten der digitalen Reizüberflutung soll The Future Chronicles seinen Lesern helfen den Überblick zu behalten. Anstelle flüchtiger Informationen fokussieren wir uns auf das, was wirklich wichtig ist.

Wer soll das lesen?
Wir richten uns an Leser, die das Neue als Chance begreifen. Die Zukunft ist für sie mehr Abenteuerspielplatz als Endbahnhof, utopisch etwas anderes als unmöglich, die Vergangenheit eher ein Trainingslager als ein Zufluchtsort.

Wie geht es weiter?
Ab heute haben interessierte Leser vier Wochen Zeit, um die erste Ausgabe von The Future Chronicles auf Kickstarter zu finanzieren: Sollte die Crowdfunding-Kampagne erfolgreich sein, planen wir die erste Ausgabe im September diesen Jahres zu veröffentlichen.

Was sollen mehr Menschen wissen?
Wir sind überzeugt, dass relevante Produkte, Dienstleistungen und Informationen der Schlüssel zur Zukunft sind. Als kreative Netzwerk-Agentur wollen wir nun mit gutem Beispiel vorangehen. Wir hoffen möglichst viele Unterstützer für das Projekt gewinnen zu können, um unsere Leser und uns auf den vor uns liegenden Weg vorzubereiten.

>>> Hier The Future Chronicles auf Kickstarter unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

SUPERCOPY

Ab Donnerstag wird Mannheim zur Hauptstadt der Kopie. In der Alten Feuerwache findet bis Sonntag das hochkarätig besetzte Festival SUPERCOPY statt (zu dem ich auch eingeladen war, aus Termingründen aber absagen musste). Vier Tage lang feiern die Festivalmacher die Kopie – mit einem tollen Programm.

Ich habe den SUPERCOPY-Organisatoren Jan-Philipp Possmann und Sören Gerhold vorab ein paar Fragen gemailt.

Warum braucht man ein Festival übers Kopieren?
Für uns gab es eigentlich zwei Gründe, dieses Festival ins Leben zu rufen. Wenn man sich als Kreativstandort und als Kulturstadt versteht, wie Mannheim das immer stolz von sich behauptet, dann ist die Frage danach, was Kreativität und was Kulturgüter im digitalen Zeitalter eigentlich sind, schon wichtig zu stellen. Und wenn man mal anfängt darüber nachzudenken, dann lässt sich diese Frage nicht mehr so einfach beantworten. In Baden-Württemberg wurde ja vor wenigen Jahren ein neuer Kunstfonds mit großem Tamtam aufgelegt, und der heißt natürlich Innovationsfonds. Als Veranstalter oder Kulturschaffender fragt man sich dann natürlich, ist das jetzt innovativ, was man da macht und was soll das überhaupt bedeuten, innovative Kultur? Sollte so ein Fördertopf im Jahr 2012 nicht eher Rekreativfonds heißen? Deswegen finden wir es wichtig, die Leute mit dem Thema zu konfrontieren, und zwar mit allen Facetten des Themas, also mit der Politik der Kopien ebenso wie mit Technik oder Kunst.

Das andere was uns wichtig ist, ist auf das Erbe der Hip Hop Kultur zu verweisen. Wir sind beide mit Hip Hop aufgewachsen, Sören hat selbst erfolgreich als DJ gearbeitet und natürlich gesampled, aber für uns beide war diese Kultur prägend. Und wir sind der Meinung, dass die Musik im Hip Hop, die ja auf dem Prinzip des Sampling, auf dem Breakbeat, aufbaut eine extrem intelligente und komplexe Musik ist. Lange Zeit wurden aber Rap und die verschiedenen elektronischen Stile die sich drumherum entwickelt haben als eine Art Pesudomusik abgetan, oder man hat es nur als eine Art soziokulturelles Sprachrohr irgendwelcher Randgruppen ernst genommen. Aber die Technik des Samplings, also das Musikmachen mit bestehender Musik, ist die musikalische Innovation der letzten 50 Jahre. Das ist aus der Popmusik aber auch aus der Kunst insgesamt nicht mehr wegzudenken. Und darum ging es uns auch, diese Kultur und ihre Verdienste zu feiern.

Ihr schreibt „Sampling ist die zentrale Kulturtechnik des beginnenden 21. Jahrhunderts“. Nun gibt es auch Menschen, die das anders sehen. Gibt es auch Kritik/Widerstände an dem Festival
Erstmal nicht. Im Gegenteil: Es gab extrem viel Interesse und Bereitschaft, mitzumachen. Die Institutionen merken ja, dass sie von den technischen und rechtlichen Entwicklungen betroffen sind oder es früher oder später sein werden. Die Frage ist nur, hat man es dort mit Leuten zu tun, die so ein Projekt als Chance begreifen, mit der Herausforderung umzugehen, oder die lieber den Kopf in den Sand stecken. Zum Beispiel die Stadtbibliothek Mannheim: Bernd Schmidt-Ruhe, der Leiter der Stadtbibliothek, wusste auch schon bevor wir mit der Idee zu ihm kamen ganz genau, dass die öffentliche Bibliothek nur überlebt, wenn sie den Wandel aktiv mitgestaltet. Die öffentliche Bibliothek ist eine der größten Errungenschaften der französischen Revolution, es gibt wohl niemanden, der etwas gegen Büchereien hat. Und trotzdem laufen wir Gefahr, sie zu verlieren, und zwar nicht etwa weil die Leute nichts mehr ausleihen wollen, sondern im Gegenteil, weil sie digitale Bücher unbegrenzt und hundertfach gleichzeitig ausleihen könnten, aber die Rechtslage sie daran hindert. Aber selbst die BASF, also ein Unternehmen, das in einer ganz anderen Weise und Größenordnung von dem Thema betroffen ist, hat nicht gezögert. Die haben für ihr Firmenjubiläum Sounds von den Mitarbeitern sammeln lassen und dann vermutlich für sehr teures Geld Kompositionen auf der Basis dieser Samples in Auftrag gegeben. Für SUPRCOPY geben sie dieses Material wieder komplett frei und jeder kann damit Musik machen. Warten wir mal ab, wie die Reaktionen beim Festival selbst sind. Sicherlich werden einige Positionen nicht jedem gefallen. Die Frage ist ja immer, zieht man unangenehme Schlussfolgerungen aus dem was man hört oder sieht, oder tut man das einfach als Entertainment ab.

Wie habt Ihr das Programm kuratiert?
Für die erste Ausgabe des Festivals wollten wir eine möglichst breite Palette an Themen und Formen dabei haben. Wir wollten zeigen, in welchen Bereichen die Frage nach Original und Kopie überall auftaucht und relevant ist – von der Popmusik bis zur Wissenschaft. Dabei haben wir uns stark auf unsere Partner verlassen, jeder hat so einen Teilbereich kuratiert. Sören hat die Konzerte kuratiert, die Kollegen aus der peformativen Kunst die Performances, die VJs die Videokunst und so weiter. Jan-Philipp war dafür zuständig, die Teile alle aufeinander abzustimmen und die Workshops und Vorträge inhaltlich auszurichten. Wir haben außerdem bewusst Praxis und Theorie, Kunst, Wissenschaft und Politik gemischt – also zum Beispiel hält der Musikjournalist Falk Schacht erst einen Vortrag und spielt später ein DJ-Set, Oder der israelische Musiker Kutiman spricht erst über seine Youtube-Remixe und spielt anschließend ein Konzert mit seinem Kutiman Orchestra. Am letzten Tag zeigen wir zwei Filme, die jeweils von Vorträgen begleitet werden. Außerdem gibt es eine Arbeitsgruppe zum Urheberrecht, die an ganz konkreten ökonomischen und rechtlichen Fragen arbeitet, und die auch im Sommer in Köln fortgesetzt wird. So etwas bringt dir als Festivalmacher kein Publikum, aber es trägt die Debatte weiter, und die ist uns mindestens ebenso wichtig.

Worauf freut Ihr Euch besonders?
Ich glaube wir beide freuen uns schon sehr auf Kutiman, weil sein youtube-projekt „thru you“ zum eindrucksvollsten und poetischsten gehört, was in letzter Zeit mit Sampling gemacht wurde. Das interessante an seinem Auftritt bei uns ist, dass Kutiman, der ein gestandener Musiker und nicht bloß ein verrückter Computernerd ist, erst über seine youtube-samples spricht, dann aber mit seiner Funkband ein Konzert spielt, also handgemachte, analoge Musik, in dem er unteranderem diese thru-you-songs live spielt. Schöner kann man eigentlich nicht zeigen, dass das eine das anderen keinesfalls ausschließt und dass die Grenzen zwischen Remix, Sample und Original längst gefallen sind.

Habt Ihr eine Lieblings-Kopie? Und wenn ja: Welche?
Schwer zu sagen. Meine, Sörens, Lieblingskopie, wenn man es so nennen kann, ist und bleibt Kid Koala’s „Drunk Trumpet“, bestehend aus einem Trompetensolo aus LL Cool J’s „Going Back To Cali“. Mein Lieblings Sample ist eindeutig „aah, this stuff is really fresh“ von Fab Five Freddy, das meist genutzte Sample ever! Aber die wirkliche Super-Kopie, die ist eigentlich von der dänischen Künstlergruppe Superflex. Die haben gefälschte Lacoste-T-Shirts auf dem Markt gekauft, mit dem Wort Supercopy bedruckt, und als Originale wieder verkauft. Lustigerweise hat Lacoste ihnen das verboten. Dabei haben sie doch eigentlich so die Markenehre gerettet! Ausserhalb der Kunst geht der Preis vielleicht an das Gen. Die Fortpflanzung dürfte ja die großartigste Kopierleistung überhaupt sein.

Alles übers SUPERCOPY-Festival gibt es hier. In Mannheim tritt neben Kutimann unter anderem auch Professor Wolfgang Ullrich auf, den ich für „Eine neue Version ist verfügbar“ interviewt habe – weil er 2012 die Ausstellung „Deja Vu? – die Kunst der Wiederholung“ in Karlsruhe kuratiert hatte. Wer sich jetzt fürs Kopieren begeistert, dem sei mein Lob der Kopie empfohlen.

Wir sind Tocotronic

Heute erscheint das neue Tocotronic-Album (das hier schon mal Thema war) – und drüben auf dem (SZ-)Hügel hat man sich in der Kulturredaktion gefragt, welchen Einfluss die Band auf Autorinnen und Autoren hat. Ich habe zusammenkopiert gedichtet, was mich mit Tocotronic verbindet – doch weil es bei der SZ nicht ganz in das Konzept der Sammelgeschichte passt, steht jetzt hier eine Geschichte (von Tocotronic) und mir.

No. 19 & 20 @tocotronic_official #tocotronic

Ein von Dirk von Gehlen (@dvg) gepostetes Foto am

In einer Freundschaft wie dieser geht es nicht um Glück. Ich glaub ich kann’s erst jetzt verstehen. Mit jedem Lied ein bisschen mehr.

Wir haben uns getroffen
Wir haben Platten gehört
Wir haben Bier getrunken
Wir saßen einfach rum zu zweit

Wir sind uns lange nicht begegnet
Wir waren ein Team
Weil wir eine Bewegung sind
Wir sind viele

Wir genießen unsere Freizeit
Und trinken warmes Bier im Park
Wir reden meistens über etwas
Das uns auf den Nägeln brennt
Alle Leute denken, dass wir viel zu viel verschenken

Wir sind wie Agenten
Wir müssen blenden
Wir müssen uns verschwenden
Wir werden das System durchschauen

Wir versuchen zu begreifen, dass hier alles möglich ist
Wir werden Beduinen sein!
Wir sind die Zukunft
Wir müssen kapitulieren

Wir kommen um uns zu beschweren
Wenn wir am Zauberwürfel drehen
Sie wollen uns erzählen:
Wir sollen uns nicht mehr quälen
Wir müssen durch den Spiegel gehen

Wir streunen durch die Wälder
und sehen unsere Spiegelung
Was wir sehen bedeutet nichts
Doch wir können davon lernen
Wie wir leben wollen

Wir haben gehalten
In der langweiligsten Landschaft der Welt
Jetzt müssen wir wieder in den Übungsraum
Denn wir wissen ganz bestimmt
Dass wir beide Schatten sind

Wir haben weiche Ziele
Wir sind Plüschophile
Wir sind so leicht, dass wir fliegen

Gib mir deine Hand: wir sind verwandt
Dabei kennen wir uns kaum
Wir leben hoch in unserem Niedergang

Welche Rolle Tocotronic für SZ-Mitarbeiter spielt? Hier die Geschichten nachlesen!

Tocotronic

loading: Mehr Missy

Mehr online, mehr Heft, mehr Veranstaltungen versprechen die Macherinnen des Missy-Magazines auf Startnext.com/MehrMissy. Wer „Mehr Missy“ wünscht, kann das „deutschsprachige Popkulturmagazin mit feministischer Attitüde“ bis Ende Mai dort unterstützen.

Missy-Chefredakteurin Katrin Gottschalk, die gerade auch Vocer ein Interview gegeben hat, hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was macht Ihr?
Wir haben gerade die Crowdfunding-Aktion für „Mehr Missy“ bei Startnext gelauncht. Unser erstes Finanzierungsziel sind 35.000 Euro für die Umstrukturierung unserer Website. Dabei geht es vor allem um die Entwicklung eines nachhaltigen Finanzierungsmodells. Eine wichtige Säule wird dabei der „Club Missy“ sein, in dem alle, die unser Crowdfunding unterstützen, bereits jetzt Mitglied werden.

Warum macht Ihr es (so)?
Weil „Mehr Missy“ für die Crowd ist, also unsere LeserInnen. Missy erscheint seit 2008 alle drei Monate als gedrucktes Heft. Im Gegensatz zu anderen Popkulturmagazinen sind unsere Anzeigenverkäufe solide, aber bei Weitem nicht ausreichend. Gleichzeitig konnten wir ohne große Werbekampagnen unsere AbonnentInnenzahl und Auflage erhöhen. Missy gibt es, weil viele Menschen daran glauben und wollen, dass es uns weiter gibt – und wir präsenter sind. Dieser Wunsch wird von unseren LeserInnen immer wieder an uns heran getragen. Gerade, weil gewisse Themen, mit denen wir uns bei Missy schon seit sieben Jahren beschäftigen, immer breiter diskutiert werden – von #GamerGate bis Genderwahn. Um aber im Netz mitmischen zu können, müssen wir mehr Zeit investieren, die wir aufgrund unserer bisherigen Arbeitsstrukturen nicht haben. Deshalb brauchen wir eine Startfinanzierung, um „Mehr Missy“ online möglich zu machen. Um dort Debatten anzustoßen, diversere Meinungen zu integrieren und eine größere Vielfalt an Themen zu bearbeiten.

Wer soll das unterstützen?
Alle, die unsere Arbeit schätzen und ein Interesse daran haben, dass es Missy auch weiterhin geben kann. Missy steht für eine klare Haltung: Filme, die wir vorstellen, haben Frauenrollen mit mehr als nur passiver Schönheit zu bieten. Wir gehen in keinem Text davon aus, dass alle Menschen heterosexuell lieben. Wir geben keinen einzigen Diättipp. Überhaupt denken wir nicht, dass unsere LeserInnen sich selbst optimieren müssen. Und wir stehen für wichtige Debatten. Wir rufen nicht pauschal, Prostitution müsse verboten werden, sondern sprechen mit SexarbeiterInnen über ihre Erfahrungen. Wir veröffentlichen keine Texte, die Feminismus einfach als „eklig“ bezeichnen, sondern diskutieren lieber verschiedene Ansätze, wie wir in einer gerechteren Welt leben können.

Wie geht es weiter?
Wir stecken jetzt erst einmal all unsere Energie in das Crowdfunding. Die Aktion läuft noch bis zum 29. Mai. In diesen sechs Wochen wird noch viel passieren: Wir sind etwa Co-Veranstalterinnen einiger Programmpunkte beim taz.lab am 25. April in Berlin, unsere nächste Ausgabe erscheint am 11. Mai und die passende Party dazu ist am 13. Mai im Südblock in Berlin. Wir geben also alles, um zu zeigen: Wir machen interessante Veranstaltungen, wir machen ein unterhaltsames und gleichzeitig politisches Heft und wir können auch eine Website machen, die genau so funktioniert. Wir brauchen nur die Starthilfe unserer Fans, um das Ganze auf sicherere Beine zu stellen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Der Vorteil von „Mehr Missy“ ist, dass sich unsere UnterstützerInnen sicher sein können, dass bei erfolgreicher Finanzierung auch genau das dabei heraus kommen wird: mehr Missy. Mit dem Pop, der Politik und den Perspektiven, die seit 2008 dazu gehören. Ein guter Deal, wie wir finden.

>>> Mehr Missy auf Startnext unterstützen.

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Streitkultur gegen Endsätze

Im vergangenen Sommer diskutierte Mediendeutschland ausgiebig über Diskussionen – über Leserdiskussionen. Die Frage, wieso der Dialog mit Lesern im Netz so schwierig sei, beschäftigte die Medien, weil mehrere Großmeinungslagen (Ukraine, Gaza) etwas zu Tage fördern, was man eine Unfähigkeit zur Debatte nennen kann. Ich schrieb damals einen Text für die Medienseite der SZ, in dem ich versuchte den Blick auf den gesellschaftlichen Rahmen des Themas zu lenken:

Vielleicht ist der Abgrund, in den das Land dieser Tage schaut, in Wahrheit ein Spiegel, in dem man erkennen kann, welche Brandstifter in den vergangenen Jahren außerhalb des Netzes so viel Feuer gelegt haben, dass es jetzt auch innerhalb brennt. Wenn man sich beispielsweise das Verhältnis des ehemaligen Bundesbankers Thilo Sarrazin zu der stets auf ihre demokratische Tradition bedachten SPD betrachtet, fällt es schwer, nicht an einen Querulanten in einer Online-Diskussion zu denken: Hier nutzt jemand die Reputation einer bekannten Marke, um seine eigenen Thesen in die Welt zu jagen. Die Provokationsbestseller der vergangenen Jahre und die dazu geführten „Lassen Sie jetzt mal mich ausreden“-Debatten im deutschen Fernsehen tragen nun Früchte. Wer solche Vorbilder der Streitkultur hat, lernt schnell, was im medialen Wettstreit der Ideen bedeutsamer ist als die Suche nach Verständigung: lautstarke Provokation und gegenseitige Angriffe.

Spätestens seit diesem Wochenende schlägt die Diskussions-Debatte in aller Härte zurück. Sascha Lobo hat das – mit Blick auf den Brandanschlag von Tröglitz – in seiner Spiegel-Online Kolumne lesenswert analysiert. Er führt dazu den Begriff der „Endsätze“ ein, mit dem er jene „kurzen Bemerkungen“ beschreibt, „die einen Bruch für immer bedeuten, das verräterische Aufblitzen der Unmenschlichkeit“. Als Gegenmittel gegen diese Endsatz-Kultur fordert er ein Aufbäumen der demokratischen Zivilgesellschaft im Netz:

Nicht aufgeben, sich die sozialen Segnungen des Netzes nicht verseuchen lassen. Nicht angesichts der Hassmassen passen, sondern weitermachen, Endsätzen widersprechen, Grenzen setzen, kämpfen gegen den beschämenden Hass.

Oder um es ein höher zu hängen: Wir brauchen eine – wie gesagt – bessere Streitkultur:

Es fehlt online wie offline an einer Diskussionskultur, die dem Wettstreit der Ideen gerecht wird, der Politik ausmachen soll. Dieses Land muss streiten lernen! Es fehlen Vorbilder, die zeigen, dass man in der Sache hart, aber dennoch nie persönlich ringen kann

Wie das gelingen kann? Ich bin ratlos, denke aber, dass Sascha Lobo in einer Einschätzung falsch liegt. Er schreibt:

Wir Internet-People haben jahrelang gefordert, dass endlich alle ins Netz kommen sollen. Aber jetzt sind sie da.

Denn diejenigen, die z.B. gegen Fremdenhass auf die Straße gehen, sind noch nicht da oder haben noch keine Ausdrucks-Formen gefunden, um sich gegen die Endsätze zu stellen. Ben schreibt dazu:

Es reicht nicht mehr, seine eigene Überzeugung nur zu leben und zu denken, das würde schon etwas verbessern. Wir müssen unsere Überzeugungen zuspitzen und deutlicher Äußern und für sie eintreten. (…) Eintreten für Menschlichkeit, für Humanismus, für Gerechtigkeit geht nur, nur, nur wenn wir uns selber menschlich und gerecht und ohne jede Spur von Hass verhalten, auch wenn die Positionen der anderen noch so menschenverachtend sind …

Vielleicht brauchen wir dafür und für eine bessere Streitkultur zunächst etwas ganz Banales: Ein friedliches Zeichen, das man gegen die Endsätze und gegen den Hass stellen und dem Hassende damit sagen kann: du gehst zu weit. Das klingt vielleicht naiv, aber wie wäre es, wenn man einen Hashtag oder ein Emoticon erfindet, das als Entsprechung zur Lichterkette verstanden werden kann als Ausdruck für eine offenen Streitkultur und gegen Hass und digitale Gewalt?