Alle Artikel in der Kategorie “Politik

Kommentare 0

Nachtrag zur Urheberrechts-Debatte: Böhmermann und die Bilder

Dieser Post ist ein Nachtrag zu diesem Eintrag vom Samstag

Seit Jan Böhmermann in der vergangenen Woche öffentlich machte, dass er wegen eines Urheberrechtsbruchs abgemahnt wurde, ist eine kleine Debatte um die Verwendung urheberrechtlich geschützer Bilder im Netz entstanden. Das freut mich, weil ich davon überzeugt bin, dass wir übers Urheberrecht und seine Anwendung reden müssen, damit Menschen Einsicht nehmen in dieses Gesetz. Denn das Urheberrecht ist immer nur so gut, wie seine Akzeptanz in der Bevölkerung.

Ich betone das hier nochmal, weil ich von unterschiedlicher Seite auf die Debatte angesprochen wurde und weil sich einige Blogeinträge darauf beziehen. Mir geht es nicht darum, die Ansprüche von Martin Langer in Frage zu stellen. Auch ist mir bewusst, dass wir ein Urheberrecht haben, an das sich auch Jan Böhmermann halten muss. Dass er abgemahnt wurde, beweist ja genau dies. Mir geht es um eine Frage, die über den konkreten Fall hinausweist. Mir geht es darum, dass im Netz plötzlich jeder urheberrechtlich geschützte Werke verbreiten kann – und das auch tut. Mir geht es darum, dass wir mit einer technischen Veränderung konfrontiert sind, auf die das Gesetz reagieren muss. Und nein: Mir reicht es nicht zu sagen: Böhmermann muss sich an das Urheberrecht halten. Das stellt niemand in Frage.

Ich frage mich: Warum halten sich so wenige Menschen dran? Vielleicht weil das Gesetz sich immer weiter von der Lebensrealität der Menschen entfernt hat. Wenn das Gesetz darauf nicht reagiert, wird seine Legitimation immer weiter schwinden – sehr zum Schaden der Urheber und Verwerter. Wenn wir diesen abwenden wollen, müssen wir also über eine Reform des Urheberrechts sprechen. In den Kommentaren bei netzpolitik hat Till Frank das so formuliert:

(…) ein (zugegebenermaßen etwas schiefer) Vergleich: Im Straßenverkehr gibt es klare Regeln. Trotzdem halten sich die meisten nicht (exakt) daran, sondern passen ihr Verhalten den Umständen an. Auch, weil sie wissen, daß nicht überall kontrolliert werden kann – und “die anderen es doch auch machen”. Es ist dann aber auch gesellschaftlich akzeptiert, bei einem Vergehen je nach Schwere sanktioniert zu werden – von den 5€ Bußgeld für falsches Parken bis zu mehreren hundert € + Fahrverbot für schwere Verstöße. Analog dazu könnten vermutlich viele auch damit leben, wenn Nutzungsverstöße ähnlich geahndet werden würden (bsp. 20€ für ein Twitter-Foto, 40 für FB etc. bis zu schwereren Strafen bei gewerblicher Nutzung). Aber für eine Abmahnung über 1000€ für einen Tweet hat keiner Verständnis. (…)

Und bei all dem geht es übrigens gar nicht um Jan Böhmermann – und auch nicht darum, dass ich Belehrungen von Hobby-Juristen brauche. Es geht darum, dass ein zukunftsfähiges Urheberrecht nur ein solches ist, das die Menschen auch verstehen und für einsichtig halten. Das habe ich wiederholt an anderer Stelle (u.a. sogar hier) gesagt.

Vielleicht bringt uns diese Debatte einen Schritt näher dorthin!

Update: Jan Böhmermann hat mit Hilfe von William Cohen übrigens auch einen Nachtrag zur Debatte produziert. Da ich mich für Referenzen und Kopien begeistern kann, gefällt mir das natürlich


Mehr auch bei Nerdcore

Kommentare 0

Speaker-Liste auf Twitter

speaker Ich glaube, Profilagentin Kixka ist schuld. Sie twitterte vergangene Woche eine Twitter-Liste, die ich schon im vergangene Jahr anlegte: Unter twitter.com/dvg/lists/speaker/members versammle ich Twitter-Accounts von Digitalexpertinnen. Gedacht ist diese Liste als Inspirationsquelle für Veranstalterinnen und Veranstalter, die für ihre Podien keine weiblichen Gäste finde. Wenn ich für Veranstaltungen angefragt werde, gebe ich die Liste gerne weiter. Dass sie öffentlich wurde, ist mir natürlich nicht unrecht – es war aber nicht so geplant.

Wer Vorschläge und Empfehlungen für weibliche Podiengäste hat, die auf diese Liste gehören: einfach @dvg antwittern!

Kommentare 13

Reden wir übers Urheberrecht

Wer hätte gedacht, dass das Bild des urinierten Jogginghosen-Trägers, den Martin Langer 1992 in Rostock beim Hitlergruss fotografierte, mal zum Anlass für eine neue Debatte übers Urheberrecht werden könnte. Die Chance sehe ich jedenfalls in der kleinen Auseinandersetzung, die sich gerade um die Verwendung des Fotos entzündet hat.

Jan Böhmermann hatte es getwittert und wurde anschließend von einer Kanzlei im Auftrag des Fotografen abgemahnt. Das jedenfalls erzählt er in einem ausführlichen Facebook-Post.

Halb-, Voll- und Hobby-Juristen fühlen sich seitdem berufen, Jan Böhmermann öffentliche Nachhilfestunden in Sachen Urheberrecht zu geben: “Gerade ein Medienmensch wie Böhmermann sollte doch wissen, dass das Urheberrecht auch im Internet gilt“, doziert ein Abendblatt-Autor. Das ist fein gesagt, hilft aber natürlich überhaupt nicht. Denn die Chance, die sich durch diese Debatte ergibt, liegt ja gerade darin, dass Jan Böhmermann sein Unverständnis und Nicht-Verstehen um Urheberrechts-Gesetzestext und Realität im Netz offenlegt.

Um es im Duktus des Abendblatts zu sagen: Wenn sogar ein Medienmensch wie Böhmermann nicht mehr richtig durchsteigt, was geht und was erlaubt ist, sollten wir vielleicht mal über die Ausgestaltung des Urheberrechts sprechen – statt einfach nur darauf hinzuweisen, dass es existiert.

Vielleicht lädt Böhmermann demnächst einfach mal Julia Reda ein – und womöglich kommt dann auch Sven Regener, der hat ja seit 2012 noch sein Engagement für eine konstruktive Lösung offen.


Update:
bei Netzpolitik hat sich Leonhard Dobusch die Mühe gemacht, auszuformulieren, was ich mit dem Link auf den Regener-Brief nur angedeutet habe. Er hat ausformuliert, wie eine urheberrechtliche Lösung für den Böhmermann-Fall aussehen könnte:

Für derartige Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken in sozialen Netzwerken braucht es eine spezifischere – und zweifellos pauschalvergütete – Ausnahmebestimmung in Form einer Bagatellschranke. Anbieter von sozialen Netzwerken würden dadurch zur Zahlung einer pauschalen Vergütung dafür verpflichtet, dass es im Rahmen der gewöhnlichen Nutzung ihrer Dienste ständig – und unvermeidbar – zur nicht-autorisierten Nutzung urheberrechtlich geschützter Inhalte kommt. Die Verteilung dieser Vergütung würde wie in solchen Fällen üblich durch Verwertungsgesellschaften erfolgen.

Update 2: Ich habe einen Nachtrag gebloggt.

Kommentare 3

Die Sache mit der Pressefreiheit

Ein Satz, der in den aktuellen Veröffentlichungen zu den Terroranschlägen von Paris, immer wieder zitiert wird, stammt von Rosa Luxemburg und lautet: “Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden”. Es ist ein wichtiger Satz. Es ist ein Satz, der verdeutlicht, worauf die Idee von Pressefreiheit gründet, die in diesen Tagen hochgehalten und gelobt wird. Pressefreiheit gründet eben nicht darauf, die Offenheit zu haben, seine eigene Meinung und Moral veröffentlicht zu sehen. Dieses Verständnis bringen sogar Diktaturen auf. Pressefreiheit gründet vielmehr darauf, dass man die öffentliche Meinung und Moral derjenigen aushält, die eine völlig andere Meinung haben. Eine Meinung, die man unangemessen, dumm oder schlicht falsch findet. Solche Meinungen vertritt – nach meiner Einschätzung – mit bemerkenswerter Kontinuität Erika Steinbach. Ich erinnere mich an keine einzige Aussage der CDU-Politikerin, die ich richtig finden würde.

Trotzdem sehe ich mich im Sinne der Pressefreiheit gezwungen, die Anzeige, die gerade gegen Erika Steinbach gestellt wurde, für grundweg falsch zu halten. Es geht um einen geschmacklosen Tweet der CDU-Politikern – gegen den nun ausgerechnet ein Funktionär der Satire-Partei “Die Partei” juristisch vorgehen will:

Bei den Ruhrbaronen wird Jens Bolm mit den Worten zitiert: “Ich fand das unangemessen und widerwärtig. Und einfach nur dagegen zu twittern, war mir zu wenig.”

Man kann mit Hilfe des Streisand-Effekts herleiten, warum dem Tweet, den ich genau wie Bolm geschmacklos finde, so nun zusätzlich Aufmerksamkeit zuteil wird. Man kann auf den Fall Ratzinger verweisen, bei dem der damalige Papst gegen ein Titelbild eines Satire-Magazins vorging. Man kann aber auch ganz einfach Erika Steinbach mit Hilfe ausgerechnet von Rosa Luxemburg verteidigen.

So verstehe ich die Idee von Pressefreiheit – und so verstehe ich diesen Text von Glenn Greenwald, in dem er seine Solidarität zur Idee der Pressefreiheit ausdrückt, indem er weitere blasphemische Zeichnungen veröffentlicht. Eine Provokation – gerade im US-amerikanischen Kontext – die vor allem ein Ziel hat: Greenwald zeigt, dass es bei Pressefreiheit eben nicht darum geht, den moralisch richtigen, den angemessenen oder stilvollen Meinungen Raum zu geben. Pressefreiheit heißt vor allem: Meinungen auszuhalten – und im Wettstreit der Ideen zu bekämpfen – die man für moralisch falsch, unangemessen und stillos hält.

Das ist so viel schwieriger als es klingt. Das ist die große Herausforderung der Pressefreiheit und die wichtigste Aufgabe der kommenden Tage und Jahre. Wenn das gelingt, sollte man stolz darauf sein – wie Bernd Ulrich es in der Zeit nennt. Aber nicht nur als festangestellter Journalist, sondern als Bürger einer offenen, toleranten Gesellschaft, die auf den Prinzipien der Pressefreiheit gründet. Denn in einer solchen gilt im Sinne von #JeSuisCharlie: “Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.” Oder einfacher: Jeder ist Journalist.

Mehr zum Thema bei David Brooks bei der New York Times und im weitesten Sinn auch in diesem Beitrag von Stefan Niggemeier.

Kommentare 0

Internet-Filme auf ZDFinfo

Am 11. Januar jährt sich der Todestag von Aaron Swartz zum zweiten Mal. ZDFinfo zeigt aus diesem Anlass die deutsche Fassung des Films The Internets Own Boy, den ich sehr empfehlen kann. “Tod eines Internet-Aktivisten” heißt der Film auf deutsch – und steht hier in der Mediathek.

Im Jahr 2013 hat der Kollege Johannes Boie in der SZ diesen Nachruf auf Swartz geschrieben. David Pachali hat den Film für irights.info besprochen.

internetsownboy

Ebenfalls in der ZDF-Mediathek steht übrigens gerade auch der Pirate Bay Film “TPB-AFK” – ebenfalls in einer deutschen Fassung. Hier zum Anschauen.

Auf ZDFinfo läuft übrigens auch das Format “15 Minutes of Fame”, an dem ich mitwirke

loading: Correctiv-Crowdfunding

Es gibt eine neue Crowdfunding-Plattform in Deutschland: Unter crowdfunding.correctiv.org bieten das Investigativ-Büro CORRECT!V und die Crowdfunding-Plattform Startnext freien Journalisten künftig die Möglichkeit, investigative Recherchen direkt von Lesern finanzieren zu lassen.

correctiv-crowdfunding

CORRECT!V-Reporter Jonathan Sachse hat den loading-Fragebogen beantwortet.

Was machen Sie?
Ich arbeite als Reporter für das gemeinnützige Recherchebüro CORRECT!V. Wir haben diese Woche eine Crowdfunding-Plattform gestartet, mit der wir die Finanzierung von journalistischen Projekten vereinfachen wollen. Die Plattform ist erreichbar unter: crowdfunding.correctiv.org Dabei versprechen wir den Spendern und Projektiniatoren drei wesentliche Dinge: Jedes Projekte wird von uns geprüft und die Reporter werden bei ihrer Recherche von erfahrenen CORRECT!V-Reportern beraten. Jedes Projekt wird abgeschlossen werden. Sollte aus welchen Gründen auch immer mal ein Reporter seine Geschichte nicht zu Ende bringen, springt CORRECT!V ein. Und: Jeder Unterstützer kann Steuern sparen. Das funktioniert, weil CORRECT!V gemeinnützig ist.

Warum machen Sie es (so)?
Wir sind davon überzeugt, dass es jede Menge Geschichten gibt, die es sich lohnt anzugehen. Es gibt auch zahlreiche interessierte Bürger, Reporter und Journalisten, die Lust haben solche Recherchen anzugehen. Mit der Plattform wollen wir diesen Leuten helfen. Über das Crowdfunding können sie unabhängig arbeiten und wer möchte, wird von uns parallel mit den journalistischen Werkzeugen ausgebildet. Wenn zum Beispiel eine Person noch nie Anfragen an eine Behörden gestellt hat, erklären wir ihm, welche Auskunftrechte genutzt werden können.

Wer soll sich dafür interessieren?
Besonders freie Journalisten – alleine oder in Teams – haben über crowdfunding.correctiv.org die Gelegenheit, ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Ich habe die letzten Jahre als freier Journalist gearbeitet. Damals habe ich mir öfters gewünscht, von erfahrenen Kollegen bei meinen Recherchen unterstützt zu werden. Die Crowdfunding-Plattform bietet jetzt die Gelegenheit. Aber wie bereits erwähnt: Auch interessierte Bürger oder Anfänger im Journalismus können Projekte anbieten.

Wie geht es weiter?
Wir werden erstmal beobachten, wie der Start mit den ersten sechs Projekten läuft, die noch bis Ende Januar unterstützt werden können. Parallel kümmern wir uns, um die ersten Bewerbungen für neue Geschichten. An der Plattform wird auch weiter gebastelt. Das machen wir mit unserem technischen Partner Startnext zusammen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Über Misstände in der Gesellschaft lohnt es sich immer aufzuklären. Wenn sich Leute damit beschäftigen, sollte das die Öffentlichkeit wissen. Der Reporter Jonas Müller-Töwe schaut sich zum Beispiel ganz genau verschiedene Justizvollzugsanstalten, die mit privaten Unternehmen kooperien. Ihm geht es um mehre Fragen: Entfernt sich der Strafvollzug von der eigentlichen Aufgabe, Täter zu resozialisieren? Wie sehr bestimmt die Ökonomie die Qualität in den Gefängnissen? Genau solche Recherchen finde ich unterstützenswert.

>>> Alle Projekte kann man unter crowdfunding.correctiv.org und in der Kategorie Journalismus bei Startnext unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort “loading” in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Publizistische Marken werden Medien

Gestern abend hat Jürgen Todenhöfer dieses Foto auf Facebook gepostet – mit diesem Text:

Liebe Freunde, heute Nachmittag bin ich aus dem “Islamischen Staat” zurückgekehrt. Die erforderlichen Sicherheitsgarantien hatte ich in monatelangen Skype-Gesprächen mit der Führung des ‘Kalifats’ ausgehandelt. Angeblich war ich der erste westliche Publizist der Welt, der den “Islamischen Staat” besuchen konnte.

Nach zwanzig Stunden wurde das Bild bereits fast 30.000 Mal mit “gefällt mir” versehen, fast viertausend Facebook-Nutzer haben den Beitrag mit ihren Freunden geteilt. Und das obwohl man noch gar keine Inhalte von dem Besuch lesen kann. Der Beitrag endet mit den Worten:

In den nächsten Tagen werde ich Euch nähere Einzelheiten meiner zehntägigen Recherchen im “Islamischen Staat” mitteilen. Jetzt aber bin ich erst einmal hundemüde.

Ende November schrieb die Welt auf ihrer Website, der ehemalige Bundestagsabgeordnete (CDU) und Medienmanager (Burda) plane, den IS zu besuchen. Das hat der Buchautor (Du sollst nicht töten. Mein Traum vom Frieden) nun offenbar getan: “Meine 10 Tage im Islamischen Staat” ist das Foto überschrieben, das einzig auf Facebook erscheint. Eine klassische publizistische Begleitung über Webseiten oder Magazine ist mir bisher nicht aufgefallen.

Ich schreibe das auf, weil ich bei dem Facebook-Post an das Medienengagement von Mario Götze denken musste: Der Fußballprofi verfolgt erkennbar und wie viele andere die Strategie, vom Inhalt der Berichterstattung selber zu einem Berichterstatter zu werden. Der Fall von Jürgen Todenhöfer scheint vergleichbar gelagert zu sein: Der “angeblich erste westliche Publizist der Welt”, der den Islamischen Staat besucht, berichtet darüber – auf Facebook.

Mehr zum Thema in den Digitalen Notizen: Marken werden zu Medien

Update:
Ein Interview mit den Tagesthemen – verbreitet über Facebook

Netzneutralität: Petition unterzeichnen

Markus Beckedahl hat in dieser Woche eine Petition auf Change.org eingestellt, die sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel richtet. Der Kern des Aufrufs lautet:

Mit dieser Petition fordern wir Sie auf, das Zweiklassen-Internet zu verhindern und sich klar zur Netzneutralität zu bekennen. Das Internet darf nicht den Interessen der Telekom-Lobby geopfert werden.

Ich habe die Petition gerade unterzeichnet, weil ich das Prinzip der Gleichbehandlung von Inhalten im Web wichtig finde. Der Kollege Pascal Paukner hat das unlängst auf Süddeutsche.de sehr treffend zusammengefasst:

Wären die Straßen in Europa in einem so miserablen Zustand, dass für Krankenwagen und Feuerwehrautos kein Durchkommen mehr wäre, würden Politiker schief angeschaut, die forderten, man müsse Privatstraßen für Rettungskräfte bauen.
Stattdessen würde man hergehen und schleunigst in die öffentliche Infrastruktur investieren. Auch wenn das steigende Kosten bedeutete. So sollte man auch mit dem Internet verfahren.

Hintergründe zum Thema Netzneutralität bei Netzpolitik.org und bei der Digitalen Gesellschaft.

Und hier kann man die Petition unterzeichnen!

Chief Digital Officer?

Brauchen Unternehmen einen eigenen Führungsposten fürs Digitale?

Nico Lumma sagt:

Das digitale Geschäft wird immer komplexer. Daher ist immer häufiger eine zentrale Instanz von Nöten, die dafür sorgt, dass nicht nur die Technik funktioniert, sondern auch die Produkte und die Kundenansprache so abgestimmt sind, dass sie über alle digitalen Produkte hinweg eine gewisse Kohärenz bieten. Die Chief Digital Officer sorgen also für eine Bündelung von Themen, die sonst in den jeweiligen Spezialdisziplinen separat betrachtet werden.

Jochen Adler sagt:

… halte ich die Berufung eines “Digitalisierungs-Vorstands” für eine symbolischen Akt. Er signalisiert: Wir haben verstanden, was die Zeiten verlangen. Nicht mehr — immerhin auch nicht weniger. Die Digitalisierung bleibt eine herausragende Aufgabe für nahezu jedes Management-Team heutzutage, in Banken und der Industrie.

Lauer, Lobo und die Sache mit dem Urheberrecht

In der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung machen Christopher Lauer und Sascha Lobo Werbung für ein Buch, das sie geschrieben haben und das man ab dem morgigen Montag lesen kann – einzig auf der von Sascha Lobo betriebenen Plattform Sobooks. Diese Plattform wird – so eine Ankündigung von der Buchmesse – sehr eng mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kooperieren.
Im Rahmen des Interviews wird das nicht erwähnt.

Im Rahmen des Interviews sagt Sascha Lobo:

Wir stellen im Buch die These auf, dass der Wutanfall des Schriftstellers Sven Regener in einem Radiointerview über das Urheberrecht im März 2012 der Auslöser des Niedergangs der Piratenpartei war. Dieser Wutanfall hat die Unzufriedenheit der Künstler so massiv in die Öffentlichkeit gebracht, worauf die Piraten dann auch noch oft patzig und ohne ernsthafte Alternativen reagierten.

Man kann erst ab Montag 12 Uhr überprüfen, wie die beiden ausgerechnet darauf kommen. Immerhin waren fünf Wochen vor Regeners Wutanfall europaweit soviele Menschen gegen das Anti-Piraterie-Abkommen (ACTA) auf die Straße gegangen, dass die Tagesschau ihre Sendung vom 11. Februar 2012 mit demonstrierenden Piraten eröffnete.

Was man auch ohne Lektüre des Buches feststellen kann, ist dass Lauer und Lobo ein bemerkenswertes Narrativ in die Frage nach einem angemessenen Immaterialgüterrecht im digitalen Zeitalter bringen. Christopher Lauer sagt beispielsweise:

Ich bin beim Schreiben des Buchs noch mal richtig aggressiv geworden wegen dieses Irrsinns der Urheberrechtsdebatte und des Unverständnisses, das die Piraten kunst- und kulturschaffenden Menschen entgegengebracht haben.

Was im Rahmen dieses Interviews übrigens ebenfalls nicht erwähnt wird: Dass die Sache mit dem Urheberrecht keineswegs geklärt ist. Heute wird das Urheberrecht nur nicht mehr in Forderungen von Piraten in Frage gestellt, sondern im Handeln von Abmahnanwälten. Eine Debatte über das Thema ist dringender denn je!

Das Buch heißt “Aufstieg und Niedergang der Piratenpartei” und ich habe es bereits gekauft.