Digitale Notizen

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Soll man seine Kinder fotografieren und der Netzöffentlichkeit präsentieren? Menschen tun das. Emily Cleaver tut das auch – in ihrem Fall aber in einem besonderen Kontext. Ihre Website heißt Studio Arthur und ist nach ihrem Sohn benannt.

Dort präsentiert Emily ihren Sohn auf Fotos, die bekannten Filmen nachempfunden sind (oben American Beauty). Seinen Anfang nahm das Projekt mit einer Alien-Anspielung und hat seit dem an Qualität gewonnen.

Natürlich erinnert die Website an die Form des Schwedens, die Michel Gondry 2008 in Deutschland mit Abgedreht bekannt machte (auf englisch Be Kind Rewind). Ich musste aber als ich Arthurs Kino-Kinderbilder sah, vor allem an Jonathan Lethem denken, der in seinem wunderbaren Essay The ecstasy of influence: A plagiarism die Formulierung des “Rückwärts geboren seins” verwendet, um zu beschreiben, wie wir unsere Position in der Kultur der Referenz und Bezüge finden. Er schreibt:

Beim Aufwachsen wurde ich überschwemmt mit den Parodien auf Originale, die mir unbekannt und geheimnisvoll waren – ich kannte die Monkees früher als die Beatles und Belmondo früher als Bogart. Ich stehe nicht allein damit, dass ich rückwärts geboren bin, hinein in ein chaotisches Reich der Texte, Produkte und Bilder – in eine Kommerz- und Kultur-Umwelt, die unsere natürliche Umwelt zugleich ergänzt und auslöscht. Sie gehören mir genauso wenig wie die Gehsteige oder die Wälder der Welt, dennoch wohne ich darin.

Arthur liefert eine erstaunliche Bebilderung für Lethems These.

Unter dem Titel Born Digital hat Kevin Kelly drei Geschichten von (Klein-)Kindern und Technik versammelt – und mit folgendem Fazit versehen:

if something is not interactive, with mouse or gestures, it is broken. And, the internet is not about computers or devices; it is something mythic, something much larger; it is about humanity.

http://www.kickers.co.uk/webapp/wcs/stores/servlet/Product_3_302_276428_-1_74864_67503

Weil die Hinweise auf schöne Kinderprodukte hier unlängst etwas zu kurz gekommen sind, hier nur ein Fingerzeig auf die Füße: Dieses Feuerwehrmann-Schuhwerk der Firma Kickers ist nur die Spitze des Lego-Schuh-Eisbergs!

Im e-Learning Blog der TU Graz gibt es ein schönes Video zum Thema “Kinder und technologischer Fortschritt”. Sandra Schön und ihre Kollegen haben vier Kindern technische Gegenstände zum Test vorgelegt:

via Rivva

In der heutigen Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung erscheint unter dem Titel Das ganze Web schaut zu ein Text von mir über Eltern auf Facebook und YouTube. Anlass sind Clips wie dieser hier von der damals vierjährigen Hannah …

… und die zahlreichen Fotos, Filme und Fußabdrücke von Kindern im Netz, die zum Teil nicht mal laufen können:

Es wäre zu leicht, diese Entwicklung mit der gleichen Geringschätzung zu beurteilen, die bisher viele jugendliche Netznutzer erfahren haben, weil sie dort angeblich nur ihrem übersteigerten Mitteilungsbedürfnis nachgehen. Denn die Tatsache, dass es eine Spur gibt, muss nicht bedeuten, dass diese derart tränenreich ist wie bei Hannah. (…) Die Zahlen der Studie zeigen zunächst, wie selbstverständlich die Möglichkeiten des Netzes mittlerweile eben nicht nur von Digital Natives genutzt werden – und sie zeigen, wie wenig die Gesellschaft bisher gelernt hat, damit umzugehen. (…) Die meisten Menschen und auch die jungen Eltern nutzen die Technik, um mit Freunden und der Familie zu kommunizieren. Sie bedenken nicht, dass diese neue Form der Kommunikation auch eine neue Form der Öffentlichkeit erreicht – eine, die über den angenommenen privaten Rahmen eines sozialen Netzwerks hinausgeht.

Spreeblick weist auf die Chat-Protokolle auf The Daddy Complex hin: fiktive Dialoge, die David Vienna mit seinen zweieinhalbjährigen Söhnen führt.

„Nido“ ist Pop, gerade dort, wo man sich dem Alltag annähern will, verselbstständigen sich die Images. In der Popwelt ist die Scheinhaftigkeit kein Problem, klar, dass es hinter der Bühne anders zugeht. Bei der Familie ist das anders. Entweder man durchschaut angenervt die Hochglanzlüge. Oder man leidet unter der eigenen Uncoolheit, dem unretuschierten Leben, der Dreimonats-Cholik, dem Dreijahres-Trotz, der immerwährenden Dreisamkeit. Der Nido-Pop wird daher keine Zukunft haben, er ist eine künstliche Synthese, eine instabile Verbindung aus Rebellion und Routine, ein Übergangszustand, in dem die Generationengrenzen zu verschwimmen scheinen.

Es gibt mal wieder eine Nido-Besprechung in einer deutschen Zeitung. Diesmal deckt Richard Kämmerlings in der Welt Die große Coolness-Lüge für pseudo-hippe Eltern auf. Sein Hauptargument lautet dabei – ähnlich wie unlängst in der FAZ: Das Leben (mit Kindern) ist viel schlimmer als Nido sagt! Die Schlussfolgerung: Deshalb ist Nido schlecht.

Ich bin schon gespannt auf die Nachfolge-Texte aus der Reihe: Der Einrichtungs-Schummel der Schöner-Wohner (normale Häuser sind viel hässlicher!), Der Betrug der Fit-for-Fun-Männer (Sport macht gar keinen Spaß und außerdem sind die meisten Jogger in Wahrheit viel dicker) oder auch Die Lüge der Pseudo-Mobilen (viele fahren viel schlechtere Autos als in Auto-Bild gezeigt)

P.S.: Der Text ist deshalb so ärgerlich, weil die Pop-Beobachtung ja stimmt. Nido will tatsächlich Pop sein. Was heißt das für unsere Vorstellung von Pop? Diese Frage hätte man beantworten können, das hätte ich spannend gefunden und nicht bloß anti pseudo-hip …

Im April vergangenen Jahres hatten wir eine kleine Idee. Wir wollten Antworten auf die Frage sammeln, was ein gutes Leben ausmache. Dazu stellten wir eine Seite ins Netz, auf der man Antworten eintragen kann. Ein paar Antworten kamen, nicht viele, nicht regelmäßig. Dann schlief die Idee ein. Leider.

Jetzt wollen wir einen erneuten Anlauf unternehmen, um Erklär mir das gute Leben mit Leben und vor allem mit guten Ideen zu füllen. Bis Ende des Jahres werden wir jeden Tag eine Antwort auf der Seite veröffentlichen. 100 Antworten an 100 Tagen – das ist viel. Deshalb brauchen wir Unterstützung: Mach hier mit und sag uns deinen Ratschlag für ein gutes Leben!

Da es schon recht lange keinen Kinder-Content mehr gab, hier der Hinweis auf Paper Town Friends, eine schöne Bastel-App fürs iPhone

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Ben Folds und Nick Hornby veröffentlichen demnächst ein Album. Bis es soweit ist, machen sie mit Pomplamoose Musik. Der Song heißt Things you think und Hornby erzählt darin von der kreativen Schaffenskraft von Charles Dickens, die deshalb soviel höher ist weil er (Hornby) heute erstmal die Kinder zur Schule bringen musste:

That’s why I’m not Dickens: Kids


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