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loading: One Earth Kids

Ein Magnet-Spielbuch im XXL-Format wollen die Macher des Projekts One Earth Kids herausbringen. Dafür haben die Salzburger eine Crowdfunding-Projekt auf Startnext begonnen. Reingard Meiche hat den loading-Fragebogen beantwortet

Was macht Ihr?
eoVision ist ein Salzburger Unternehmen, das eigentlich Satellitenbilder & Geo-Information bereitstellt. Da wir aber alle einfach fasziniert von den wunderschönen Bildern der Erde sind, haben wir irgendwann begonnen auch Bildbände herauszugeben. Bisher sind es drei: one earth, Human Footprint und Untouched Nature.
Seit ca drei Jahren ist der Wunsch da, diese tollen Bilder auch Kindern zu zeigen.
Judith Grubinger-Preiner, meine Kollegin hier und die hauptverantwortliche des Projekts, hatte die Idee eine Art Kinder-Atlas zu machen.
one earth kids ist eine riesengroße, magnetische und faltbare Karte mit Satellitenbildern der Erde und über 150 Magneten mit denen die Kinder die Welt spielerisch entdecken können.

Wo wachsen Bananen? Wo werden unsere Jeans genäht? Wo gibt es Tiger? Welche Sprache wird in Kanada gesprochen?
one earth kids soll Kindern nicht nur die Erde bzw. Geographie näher bringen sondern ihnen die Möglichkeit geben, globale Zusammenhänge spielerisch verstehen zu lernen.
Mit den Magneten aus unterschiedlichen Themenbereichen kann das ganze Buch bespielt werden: die Kinder können überlegen was sie gerade in der Hand halten und selbst platzieren, wo es hin gehört. So wird vernetztes Denken gefördert und das Interesse dafür geweckt, was alles auf der Welt passiert.
Das Buch ist auf beidseitig bedruckt: mit einem Satellitenbild der Erde und auf der anderen Seite mit einem großen Satellitenbild von Europa inklusive Landesgrenzen.

one earth kids wird mit 150 Magneten aus 7 Themenbereichen geliefert: Tiere, Geographie, Natur, Bauten & Sehenswürdigkeiten, Pflanzen & Landwirtschaft, Globalisierung, Mensch & Kultur.
Weitere Magnete können jederzeit nachbestellt werden und die Sets zu den einzelnen Themen erweitert werden – etwa mehr Tiere, mehr exotische Pflanzen, etc. So passt sich das Buch dem Lernfortschritt und Wissen der Kinder an.

Warum macht Ihr das (so)?
Kinder wollen selber machen, selber ausprobieren, selber herausfinden, wie etwas funktioniert. Leider neigen wir dazu, Kindern (und anderen) alles fix und fertig vorzusetzen. Hirnforscher schreiben, dass Erwachsene mit ihrem überschäumenden Wissen die Neugierde und Begeisterung der Kinder geradezu ersticken.
Wir sollten die Kinder eigentlich eher inspirieren und zum Forschen motivieren, als ihnen Komplettlösungen zu servieren. Lasst eure Kinder raten, schickt sie einfach mal zum Bücherregal um ihre Neugierde zu stillen, lasst sie ausprobieren – das ist regelrechtes Kraftfutter für kleine Entdecker.
Dieses „entdeckende Lernen“ anstelle des veralteten, „vorgekauten“ Wissens unterstützt die individuelle Entwicklung der Kinder. Sie lernen dadurch intensiver und mehr. Allerdings bestimmen sie dabei in hohem Maße selbst, was sie wann und wie tatsächlich aufnehmen.
Ein solches Buch zu produzieren ist sehr kostspielig. Um die Idee one earth kids dennoch umsetzen zu können, haben wir uns dazu entschieden eine Crowdfunding Kampagne zu starten. Dies bedeutet, dass jeder, der die Idee toll findet mit helfen kann, dass das Buch tatsächlich produziert wird. Vereinfacht ausgedrückt: Sie können Ihr one earth kids bereits vorbestellen und dadurch die Produktion überhaupt erst ermöglichen.

Wer soll das anschauen?
Wir glauben, dass jeder der Kinder, Enkel, Nichten & Neffen hat, sich für das Buch interessieren kann. Ebenso Pädagogen für das Kindergarten- Vor- und Volksschulalter.

Wie geht es weiter?
Derzeit haben wir neue Materialen usw. bekommen und haben uns endlich für einen Lieferanten entschieden und gestern einen Dummy „gebastelt“. Derzeit arbeiten wir mit einer Grafikerin & Illustratorin am Cover und dem Design für das Beiheft. Wir diskutieren gerade die einzelnen Symbole für die 150 Magnete, was können wir aufnehmen, was muss draußen bleiben, welche Symbole drücken am besten die Themen aus, die wir suchen…
Am 15. Juli ist das Crowdfunding zu Ende, wenn alles gut geht soll Ende Juli das Buch in Produktion gehen und im Herbst im Handel und online bei uns erhältlich sein.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Es ist nicht so, dass wir das buzz-word „Nachhaltigkeit“ riesengroß auf dieses Projekt schreiben wollen, doch wir sind überzeugt davon, dass es ein sehr wichtiges Thema ist und wir möchten die Sinne der Kinder dafür schärfen. One earth kids soll zeigen wie groß, wunderschön und vielfältig die Welt ist, was jeden Tag rund um den Globus passiert – es gibt so viel Wunderbares zu entdecken und die Kinder sind begeistert davon, wie alles zusammenhängt. Aber eben auch, dass es negative Seiten gibt und wir vorsichtig sein müssen, wie wir mit der Erde umgehen. Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und fair trade können Kinder nur verstehen wenn wir ihnen erzählen wie die Dinge zusammen hängen. Solche Sachen kennen zu lernen, macht natürlich viel mehr Spaß, wenn es mit spielen und entdecken verbunden ist.

>>> Hier kann man das Magnetbuch auf Startnext kaufen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Die journalistische Familie

In den vergangenen Tagen ist viel über Journalisten und ihre Rolle gesprochen worden. Diese Woche nun erschien im Spiegel ein Text, den man früher (als das ahnungslose Abwerten von Blogs noch üblicher war) vielleicht als Blog bezeichnet hätte. Im Spiegel läuft er unter der Kategorie „Homestory“ und der Spiegel-Autor Ralf Hoppe erzählt darin von daheim. Er steigert sozusagen den Ansatz von Laura Himmelreich: hier ist nicht mehr der Journalist allein wichtigster Beleg seiner Thesen, hier dient die Familie als Bezugsrahmen, konkret der Sohn von Ralf Hoppe. Dieser ist offenbar der einzige oder zumindest der mit dem geringsten Aufwand zu recherchierende Vertreter einer fremden Generation, über die Hoppe schreiben möchte. Im Untertitel des „Volksreporter“ überschriebenen Textes wird diese Generation unter Verwendung eines merkwürdigen „uns“ und mit grammatikalisch falscher Tempus-Setzung so beschrieben: „Wie sich das Leben verändern wird, wenn unsere Kinder keine Zeitung mehr lesen.“

Was dann folgt ist ein Text, der sehr gegenwärtig beschreibt, dass der Sohn des Autors bereits heute keine Zeitung (auf Papier) liest.

Dabei verfällt der Text dem klassischen Fehler, Zeitung nicht über den Wert des darin produzierten Journalismus, sondern einzig mit dem Verbreitungsweg Papier zu definieren (ich hatte dazu hier bereits ausführlich geschrieben). Wenn dieses Papier verschwindet, so die These des Blog-Textes im Spiegel, wird es nur noch Blogs geben. Darin zeigt sich eine verquere Logik, denn diese Blogs, so der Blog-Text, seien per se schlechter. Was man ja an Island sehen kann. Wer jetzt erwartet, dass Ralf Hoppes Sohn wenigstens einen Bezug zu Island habe … aber egal. (Alexander Svensson hat sich die Mühe gemacht, den Text in dieser Sache detaillierter zu analysieren)

Ich will viel lieber über einen anderen Aspekt in dem online nicht verfügbaren Text sprechen: über die Rolle des Journalisten. Darum scheint es dem Autor nämlich auch zu gehen. Er benennt die Demokratisierung des Berufs sehr konkret mit einem plötzlichen Perspektiv-Wechsel auf ein vorher nicht erwähntes Wir, das den folgenden Satz einleitet:

Wir sind alle unsere eigenen Volksreporter : Das ist das Konzept, das hinter dieser Nachrichtenverbreitung steckt. Der Beruf, den ich mal vor langer Zeit ergriffen habe, nicht zuletzt, weil ich ihn für interessant (aber auch für krisensicher) hielt, sah einen Journalisten vor, der eine Ausbildung besitzt, eine Aufgabe hat, eine Mission, wie immer die auch aussieht. Dieser Journalist kommt in der neuen Art der Informationsübermittlung nicht vor.

Das muss er so schreiben, weil er vorher behauptet hatte, die Informationen im digitalen Nachrichtenstrom, an dem sein Sohn teilhat, seien sozusagen ohne Quelle, ohne medialen Bezug:

Nachrichten im sozialen Netz haben keinen Anfang, keinen Ursprung. Sie sind einfach plötzlich da. Erklärungslos, dafür meinungslastig, emotional.

Diese Behauptung ist einfach da, erklärungslos, meinungslastig, emotional. Sie deckt sich kaum mit dem, was Studien über die Verlinkung klassicher Medien im digitalen Raum zu Tage födern und noch viel weniger mit dem, was ich im sozialen Netz erlebe. Ich sehe dort Journalisten im angelsächsichen Raum, die sehr gebildet (und ausgebildet) ihre Quellen offenlegen, Bezüge herstellen, sachlich und zurückhaltend erklären.

Ich kann verstehen, dass es Journalisten gibt, die dieses Form der Autoritätsbegründung und Berufsausübung nicht mögen. Aber deshalb muss man sie ja nicht negieren. Wer den Datenstrom der sozialen Netze mit einer italienischen Piazza vergleicht, sollte schon anerkennen, dass dort sehr wohl auch professionelle Journalisten herumspazieren und den Dialog mit ihren Nutzern suchen. Von einem Artikel, der weniger „erklärungslos, meinungslastig und emotional“ ein Thema bearbeitet, würde ich mir sogar erwarten, dass er diese Fakten in eine Analyse einfließen lässt. Denn hier liegt meiner Einschätzung nach der Hebel für eine digitale Ausgestaltung des Journalistenberufs einerseits und für Antworten auf die Frage, wie qualitativ hochwertiger Journalismus auch im digitalen Zeitalter funktionieren kann: in dem man seinen Wert benennt und nicht seinen Vertriebsweg. In dem man analysiert, wo er Menschen erreichen kann. In dem man nachschaut, wo er heute bereits praktiziert wird und nachfragt, warum das so ist.

Wer stattdessen lediglich seine Distanz und Verwunderung über die Digitalisierung festhält, beschreibt damit mehr die Entfernung von einer Lösung als die Suche danach. Ein Text, der sich aus dieser Ich-Perspektive der eigenen Familie bemächtigt, um daraus Schlüsse zu ziehen, ist viel weniger Zeitung als dem Autor vermutlich lieb ist. Ein solcher Text ist ein schlechtes Blog auf Papier, ohne dessen digitale Möglichkeiten auch nur zu erfragen.

Rückwärts geboren sein

Soll man seine Kinder fotografieren und der Netzöffentlichkeit präsentieren? Menschen tun das. Emily Cleaver tut das auch – in ihrem Fall aber in einem besonderen Kontext. Ihre Website heißt Studio Arthur und ist nach ihrem Sohn benannt.

Dort präsentiert Emily ihren Sohn auf Fotos, die bekannten Filmen nachempfunden sind (oben American Beauty). Seinen Anfang nahm das Projekt mit einer Alien-Anspielung und hat seit dem an Qualität gewonnen.

Natürlich erinnert die Website an die Form des Schwedens, die Michel Gondry 2008 in Deutschland mit Abgedreht bekannt machte (auf englisch Be Kind Rewind). Ich musste aber als ich Arthurs Kino-Kinderbilder sah, vor allem an Jonathan Lethem denken, der in seinem wunderbaren Essay The ecstasy of influence: A plagiarism die Formulierung des „Rückwärts geboren seins“ verwendet, um zu beschreiben, wie wir unsere Position in der Kultur der Referenz und Bezüge finden. Er schreibt:

Beim Aufwachsen wurde ich überschwemmt mit den Parodien auf Originale, die mir unbekannt und geheimnisvoll waren – ich kannte die Monkees früher als die Beatles und Belmondo früher als Bogart. Ich stehe nicht allein damit, dass ich rückwärts geboren bin, hinein in ein chaotisches Reich der Texte, Produkte und Bilder – in eine Kommerz- und Kultur-Umwelt, die unsere natürliche Umwelt zugleich ergänzt und auslöscht. Sie gehören mir genauso wenig wie die Gehsteige oder die Wälder der Welt, dennoch wohne ich darin.

Arthur liefert eine erstaunliche Bebilderung für Lethems These.

Das neue Familienbild

In der heutigen Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung erscheint unter dem Titel Das ganze Web schaut zu ein Text von mir über Eltern auf Facebook und YouTube. Anlass sind Clips wie dieser hier von der damals vierjährigen Hannah …

… und die zahlreichen Fotos, Filme und Fußabdrücke von Kindern im Netz, die zum Teil nicht mal laufen können:

Es wäre zu leicht, diese Entwicklung mit der gleichen Geringschätzung zu beurteilen, die bisher viele jugendliche Netznutzer erfahren haben, weil sie dort angeblich nur ihrem übersteigerten Mitteilungsbedürfnis nachgehen. Denn die Tatsache, dass es eine Spur gibt, muss nicht bedeuten, dass diese derart tränenreich ist wie bei Hannah. (…) Die Zahlen der Studie zeigen zunächst, wie selbstverständlich die Möglichkeiten des Netzes mittlerweile eben nicht nur von Digital Natives genutzt werden – und sie zeigen, wie wenig die Gesellschaft bisher gelernt hat, damit umzugehen. (…) Die meisten Menschen und auch die jungen Eltern nutzen die Technik, um mit Freunden und der Familie zu kommunizieren. Sie bedenken nicht, dass diese neue Form der Kommunikation auch eine neue Form der Öffentlichkeit erreicht – eine, die über den angenommenen privaten Rahmen eines sozialen Netzwerks hinausgeht.

Böse: Nido macht die Welt schöner als sie ist!

„Nido“ ist Pop, gerade dort, wo man sich dem Alltag annähern will, verselbstständigen sich die Images. In der Popwelt ist die Scheinhaftigkeit kein Problem, klar, dass es hinter der Bühne anders zugeht. Bei der Familie ist das anders. Entweder man durchschaut angenervt die Hochglanzlüge. Oder man leidet unter der eigenen Uncoolheit, dem unretuschierten Leben, der Dreimonats-Cholik, dem Dreijahres-Trotz, der immerwährenden Dreisamkeit. Der Nido-Pop wird daher keine Zukunft haben, er ist eine künstliche Synthese, eine instabile Verbindung aus Rebellion und Routine, ein Übergangszustand, in dem die Generationengrenzen zu verschwimmen scheinen.

Es gibt mal wieder eine Nido-Besprechung in einer deutschen Zeitung. Diesmal deckt Richard Kämmerlings in der Welt Die große Coolness-Lüge für pseudo-hippe Eltern auf. Sein Hauptargument lautet dabei – ähnlich wie unlängst in der FAZ: Das Leben (mit Kindern) ist viel schlimmer als Nido sagt! Die Schlussfolgerung: Deshalb ist Nido schlecht.

Ich bin schon gespannt auf die Nachfolge-Texte aus der Reihe: Der Einrichtungs-Schummel der Schöner-Wohner (normale Häuser sind viel hässlicher!), Der Betrug der Fit-for-Fun-Männer (Sport macht gar keinen Spaß und außerdem sind die meisten Jogger in Wahrheit viel dicker) oder auch Die Lüge der Pseudo-Mobilen (viele fahren viel schlechtere Autos als in Auto-Bild gezeigt)

P.S.: Der Text ist deshalb so ärgerlich, weil die Pop-Beobachtung ja stimmt. Nido will tatsächlich Pop sein. Was heißt das für unsere Vorstellung von Pop? Diese Frage hätte man beantworten können, das hätte ich spannend gefunden und nicht bloß anti pseudo-hip …