loading: Das neue Spiel

8000 Euro in weniger als 28 Stunden: Michael Seemanns Buchprojekt „Das neue Spiel“ hat seit Montag für einige Aufmerksamkeit im Web gesorgt. Ich habe mit ihm vorab (Dislosure) ein wenig über sein Crowdfunding gesprochen, das ist so spannend finde, dass ich es auch selber unterstützt habe. Hier beantwortet er den loading-Fragebogen.

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Was machst du?
Ich bin Blogger und Kulturwissenschaftler und entwickle Theorien über den Zusammenhang von Digitalisierung und Gesellschaft. Dazu betreibe ich unter anderem das Blog ctrl-verlust.net in dem ich seit 2010 über den Kontrollverlust im Digitalen schreibe. Meine These, dass wir schon längst nicht mehr die Datenströme, die uns betreffen, kontrollieren können, wurde die Jahre kontrovers diskutiert. Seit Edward Snowden würde wohl niemand mehr widersprechen. Deswegen wird mein Buch davon handeln, wie wir jetzt mit dem Kontrollverlust umgehen können.

Warum machst du es (so)?
Der Kontrollverlust betrifft alle Bereiche, in denen wir versuchen Informationen zu kontrollieren, nicht nur die Privatsphäre. Auch das Urheberrecht lässt sich im Digitalen immer schwerer durchsetzen. Ich persönlich glaube, dass das auch etwas gutes hat: jede/r kann plötzlich sehr leicht an alle Informationen kommen, die er oder sie braucht. Die Welt der Informationen wird eine Welt der Post-Knappheit. Auch mein Buch soll Teil der Post-Knappheit werden.
Dass ich mit einer solchen Einstellung aber nicht einfach zu einem normalen Verlag spazieren kann, ist ebenso klar. Deswegen habe ich mich für ein anderes Modell entschieden. Ich crowdfunde das Geld, um genau das Buch zu machen, das ich machen will. Das eBook soll dann unter einer maximal freien Lizenz im Internet für alle verfügbar sein. Für die physische Welt hingegen, behalte ich mir die Rechte vor und suche während der Crowdfundigphase einen Verlag, der mit mir eine Printauflage machen will. Zu diesem Zweck habe ich mir auch gleich eine Lizenz ausgedacht: die WTFPDL, die Do What The Fuck You Want to Public Digital License, die genau diese Unterscheidung zwischen analoger und digitaler Welt macht.
Es ist auch als Statement zur Grundfrage meines Buches zu verstehen: Wie gehen wir mit dem Kontrollverlust um? Indem wir uns nicht von der Kontrolle von Information abhängig machen. Wenn mein Buch im Netz kursiert, bin ich bereits bezahlt.

Wer soll das lesen?
Natürlich werden das viele der Leute lesen, die auch schon meine Texte im Blog und die in den anderen Medien verfolgt haben. Aber mit diesem Buch möchte ich umbedingt auch aus der Filterbubble raus. Ich möchte all die Leute erreichen, die ob der Snowdenenthüllungen gegenüber dem Internet verunsichert worden sind und sich zurückziehen. Ich möchte ihnen zeigen, dass nicht alles verloren ist, dass sich zwar viel geändert hat und es viel zu lernen gibt, aber dass es, wenn man die Regeln im neuen Spiel verstanden hat, viele neue Möglichkeiten gibt. Wer sich jetzt versteckt, spielt denen in die Hände, die das schlechteste aus der Technologie herausholen wollen.

Wie geht es weiter?
Die Kampagne geht noch bis Ende Januar und ich habe noch ein paar Kampagnenbausteine in der Hinterhand. Ich werde gucken wie viel Geld zusammenkommt, je mehr, desto bequemer kann ich das Buch schreiben. Dazu wird es Streched Goals geben. Welche, will ich noch nicht verraten.
Wenn das Buch finanziert ist, also im Anfang Februar, geht es ans Schreiben. Ich habe mir eine Frist von 6 Monaten gesetzt, im Sommer wird es dann also um Korrekturen und so weiter gehen. Im Herbst will ich dann bereits rauskommen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Die Leute sollen verstehen, was der Kontrollverlust ist, wie er arbeitet, warum er so arbeitet. Sie sollen begreifen, welche Strategien heute noch funktionieren, welche nicht mehr und welche neuen Strategien es gibt. Es ist ein bisschen so, als hätten wir immer Dame gespielt und auf einmal hat jemand den Schalter auf Schach gelegt. Aber niemand kann Schach.
Ich habe im Laufe der 3 einhalb Jahre des Kontrollverlustblogs bereits einige der neuen Regeln aufzuzeigen versucht. Dazu habe ich einige Konzepte und Strategien entwickelt, wie man den Veränderungen am besten politisch begegnen kann. Ich glaube, wenn man diese mal in einem Buch zusammenfasst, kann das einigen die Hoffnung zurückgeben. Und das ist das, was ich am Ende vermitteln will: Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft, trotz Kontrollverlust.

Hier kann man Michaels Buch auf Startnext kaufen

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


1 Kommentar

  1. Pingback: Links vom Rhein, 20. Dezember 2013 | Hendryk Schäfer

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