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Relaunch von Zeit Online

Wir wollen mit ZEIT ONLINE das anspruchsvollste Portal für aktuelle Nachrichten, Analysen und Leser-Debatten in Deutschland aufbauen. DIE ZEIT als Wochenzeitung und ZEIT ONLINE als tagesaktuelles, interaktives Medium ergänzen sich ideal. Zahlreiche Redakteure und Auslandskorrespondenten der ZEIT schreiben auch regelmäßig exklusiv für ZEIT ONLINE.

Mit diesen Worten In eigener Sache wird der heute vollzogene Relaunch von „Zeit-Online“ beschrieben. Die Seite sieht schlicht und schön aus, viele Funktionen klingen vielversprechend. Bin sehr gespannt, wie Zeit-Online sich entwickelt und wünsche dem Team das Beste!

Aber als ich gerade auf der Seite nachschauen wollte, wie es im Spiel Deutschland-Südafrika steht, fand ich dazu … leider keinen Live-Ticker, keine aktuelle Information. Ich schaue in einem anderen Portal für aktuelle Nachrichten und stelle fest: Gomez hat das 1:0 erzielt.

Arbeitslose Journalisten

„Journalistin? Da können wir nicht viel für Sie machen.“

Diese Reaktion erfährt Marlene Sorensen in Berliner Arbeitsämtern nach der Einstellung des Magazins, bei dem sie gearbeitet hat. Was sonst noch passiert ist, erzählt sie in der Zeit

Nachdenken über Twitter

The one thing you can say for certain about Twitter is that it makes a terrible first impression.

Diese 97 Zeichen stammen von Steven Johnson. Mit diesem Satz beginnt er seinen Time-Artikel How Twitter Will Change the Way We Live. Dieser Text ist äußerst lesenswert, weil er sich dem Phänomen „Twitter“ auch über den ersten Eindruck hinaus nähert. Interessant daran ist, dass fast zur gleichen Zeit ein anderer Artikel veröffentlicht wurde, der sich darauf beschränkt, diese „terrible first impression“ auf 2800 Zeichen auszubreiten. Er trägt den Titel Belanglosigkeiten auf Twitter nerven und wurde am 3. Juni in Die Zeit veröffentlicht. Darin beweist Jens Uehlecke, dass mehr Zeichen nicht zwingend auch mehr Inhalt bedeuten muss. Er urteilt:

An der konzertierten Banalität erkennt man schnell, dass einen gewaltigen Vogel haben muss, wer da noch mitsingt. Warum das Ganze trotzdem so populär ist, ist schnell erklärt: Erstens haben Menschen einen nahezu unerschöpflichen Geltungsdrang. Und zweitens gibt es wie für Klowände keine Qualitätskontrolle, keine Mindeststandards.

Man fragt sich, worin sich diese Wut begründet und ahnt, dass sie für eine treffende Analyse nicht dienlich sein kann. Wie hinderlich sie jedoch in Wahrheit ist, bemerkt man erst, wenn man die ahnungslose Polemik mit Steven Johnsons Text vergleicht. Dieser urteilt nicht, sondern analysiert:

The social warmth of all those stray details shouldn’t be taken lightly. But I think there is something even more profound in what has happened to Twitter over the past two years, something that says more about the culture that has embraced and expanded Twitter at such extraordinary speed. Yes, the breakfast-status updates turned out to be more interesting than we thought. But the key development with Twitter is how we’ve jury-rigged the system to do things that its creators never dreamed of. In short, the most fascinating thing about Twitter is not what it’s doing to us. It’s what we’re doing to it.

Was wir mit Twitter so alles tun, beschreibt Johnsons sehr lesenswert. Ich will das hier nicht wiederholen und auch Twitter nicht verteidigen (hier kann man meinen Twitter-Selbstversuch nachlesen), ich frage mich aber schon, was Twitter mit dem schimpfenden Kollegen gemacht hat, dass er sich zu einem derartigen Beitrag veranlasst sah, nach dessen Lektüre er im Vergleich zu Steven Johnsons wirkt die Bayern-Abwehr beim Spiel in Barcelona:

Das böse Internet

So untüchtig er scheint‚ er wird nicht aussterben. Der Intellektuelle wird untertauchen wie der Taucher in die Tiefe, er wird Internetrandzonen bewohnen, Foren, die nur von seinesgleichen aufgesucht werden. Wie ja auch die Bullenzüchter der Welt sich heute in geschlossenen Zirkeln austauschen oder die Hebammen über ihr Wirken. Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden. Seine Spur ist eine, die bald schon Wellen glätten.

Adam Soboczynski schreibt einen Nachruf auf den Intellektuellen. Hinweggerafft wird er, so der Zeit-Autor, vom Internet, dem bösen!

Susanne Gaschkes Angriff auf die Netzwelt(-versteher)

In der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit schreibt Susanne Gaschke einen Auf dem Rücken des Autors betitelten Text, in dem sie die Tatsache, dass Google ungefragt Bücher einscannt wie schon andere vor ihr sinnfrei mit dem Prinzip Open-Access in einen Topf wirft. In der Sendung breitband hat Matthias Spielkamp vergangene Woche abermals erklärt, warum das nicht nur töricht, sondern auch kontraproduktiv ist. Susanne Gaschke hält dies nicht davon ab, Googles „Größenwahn“ zu vermengen mit der Welt von „Open-Access-Plattformen“ und weil das noch nicht reicht auch mit der der „Tauschbörsen“.

Weil sich für diese krude Vermischung (natürlich) keine passenden Unterstützer-Zitate finden lassen, bedient sich Susanne Gaschke an meinem geistigen Eigentum und reißt Zitate aus dem Zusammenhang. Dafür nutzt sie zunächst ein Gespräch, das ich unlängst mit Prof. Dr. Urs Gasser geführt habe – wohlgemerkt ging es dabei um sein Buch Born Digital und keineswegs um Googles Digitalisierungspläne. Das ficht Susanne Gaschke nicht an, sie schreibt:

Die Rechte der Autoren, und dagegen richtet sich der Heidelberger Appell, sind eben nicht nur durch Google, sondern auch durch einen sich wandelnden gesellschaftlichen Komment unter Druck, der mit dem Siegeszug der digitalen Kultur neue Spielregeln durchzusetzen versucht. Von einer ¬ªneuen Norm des Teilens im Netz¬´ spricht etwa der St. Galler Professor für Informationsrecht Urs Grasser (sic!) ‚Äì ohne Sorge darum, dass es sich um das Eigentum anderer Leute handelt, das da so großzügig geteilt wird.

Wer sich mit Gassers Arbeit befasst hat, kann diesen letzten Halbsatz nur als Beleidigung verstehen: Eben weil sich Gasser und sein Kollege John Palfrey um „das Eigentum anderer Leute“ sorgen, analysieren sie, wie es zu massiven Urheberrechtsverletzungen zum Beispiel in Tauschbörsen kommt. Sie wollen keine neuen Spielregeln durchsetzen, sie wollen verstehen, warum sich neue Kulturtechniken etabliert haben und sie wollen auf diese angemessen reagieren. Gasser und Palfrey wollen die „Generation Internet“ (wie ihr Buch schlecht übersetzt auf Deutsch heißt) verstehen und sie nicht einfach nur blindwütig verdammen. Dass sie daraus tatsächlich den Schluss ziehen, dass die Spielregeln der digitalen Kultur angepasst werden müssen, heißt aber keineswegs, dass sie das Urheberrecht abschaffen wollen. Im Gegenteil: In dem Interview, aus dem Susanne Gaschke sinnentstellend zitiert, erklärt Gasser:

Die Antwort auf dieses Phänomen muss Innovation heißen, wir müssen also neue Lösungen finden, wie wir den Interessenausgleich zwischen Urhebern und Nutzern unter den neuen Bedingungen der Digitalisierung aushandeln können.

Wer „neue Lösungen“ für die unbestreitbare Herausforderung der Digitalisierung fordert, macht sich allerdings für Susanne Gaschke schon verdächtig. Anders kann ich mir nicht erklären, warum sie sich anschließend abermals an meinem geistigen Eigentum bedient und den Text Kontrolle ist schlechter aus der SZ absichtsvoll umdeutet. Denn es ist nicht misszuverstehen, dass ich in dem Text überhaupt nicht über die GoogleBooksearch schreibe; wie sich auch Prof. Gasser nicht zu dem Thema geäußert hat. Das ist Susanne Gaschke egal, überleitungslos schließt sich den Gasser-Abschnitt an:

Kunst habe doch immer auf dem Prinzip der Adaption, der Anspielung und der Kopie beruht, schreibt Dirk von Gehlen in der Süddeutschen Zeitung. ¬ªDie Digitalisierung ist ein technischer Entwicklungsfortschritt, der revolutionäre Folgen nach sich zieht‚Ķ Die Gesellschaft und der sogenannte Kulturbetrieb müssen sich fragen, wie sie damit umgehen wollen.¬´ Für Gehlen ist das klar: Er hätte nicht gewollt, dass die Kerzenmacher im 19. Jahrhundert (sprich: Autoren und Wissenschaftler) über die Nutzung elektrischen Lichts (sprich: GoogleBookSearch, Open-Access-Plattformen, Tauschbörsen) abstimmen.

Da in dem zitierten Text „Autoren und Wissenschaftler“ gar nicht auftauchen, kann man diese genauso wenig in der Übersetzung der (im übrigen von Jeanette Hofmann stammenden) Metapher einsetzen, wie GoogleBookSearch oder Open-Access-Plattformen. Dies zu tun, empfinde ich als persönlich verunglimpfend und in hohem Maße unprofessionell. Dass es zudem auch unlogisch ist, belegt der Satz, mit dem sie die Verbindung zu Google zu schaffen versucht:

Google, einem Riesenkonzern mit unbestreitbaren Gewinninteressen, kommt eine solche Argumentation der Netzweltversteher natürlich enorm entgegen.

So fragwürdig dieser Bezug ist, er ist Gaschkes zentrales Argument, Prof. Gasser und mich in diesen neuen Zusammenhang misszudeuten. Daran sind mindestens zwei Dinge auffällig: Zum einen hält Susanne Gaschke Netzweltversteher offenbar tatsächlich für ein Schimpfwort. Zum zweiten ist das Argument „Wer nicht blindwütig und kulturpessimistisch auf die Digitalisierung schimpft, steht automatisch auf der Seite von Google“ dann doch erstaunlich schwach; immerhin befinden wir uns in einer relevanten deutschen Wochenzeitung, die sich mehr Gegenwärtigkeit zutrauen könnte (zumal wenn sie Zeit heißt). Getoppt wird dieser neue Kulturpessimismus durch den Kontext, in dem er verbreitet wird. Immerhin haben die Zeit-Macher auf ihre aktuelle Seite 1 die Frage geschrieben: „Wer denkt für morgen?“ und dies mit der Unterzeile „Die Zukunft braucht die besten Ideen“ versehen. Ob man die tatsächlich findet, wenn alle, die eine Welt verstehen und nicht einfach verdammen wollen, ahnungslos und boshaft verunglimpft wie Susanne Gaschke dies am Ende ihres einseitigen Text tut, darf bezweifelt werden:

Nur Urheberrechtsschutz ist ein Anreiz dafür, dass solches Wertvolle geschaffen wird. Dass jedenfalls die digitale Enteignung der Urheber ein Konjunkturprogramm für bessere Wissenschaft und Kultur ist, mag glauben, wer seine Hausaufgaben bei Wikipedia abschreibt.

Gut gebrüllt! Aber: Wofür eigentlich? Also: Was ist der Vorschlag, den Susanne Gaschke macht, um das Dilemma mit der Google-Buchsuche zu lösen? Ich habe keinen entdeckt – außer dem Ankämpfen gegen … Ja, gegen wen eigentlich? Von wem stammt diese fragwürdige Konjunkturprogramm-Behauptung, die Frau Gaschke hier so virtuos aus der Welt schafft? Hier hätte man sich ein Zitat als Beleg und ein wirkliches Gegenargument statt einer platten Beleidigung gewünscht. Das Erschreckende an dieser Unverschämtheit ist jedoch: In Sachen Open Access wäre es tatsächlich besser bei Wikipedia abzuschreiben als bei der Zeit.

Zeit Zünder am Ende?!

So geht das in Zeiten der schnellen Kommunikation: Bei Twitter steht

ZEIT Zuender ist ab heute eingestellt! Zwar noch online, aber zukünftig nicht mehr inhaltlich befeuert.

Das wird dann hier und hier weitergetragen. Ich weiß nicht, ob es stimmt. Unter zuender.zeit.de steht nichts. Schade wäre es in jedem Fall.

UPDATE: Bei Meedia gibt es eine Bestätigung, in der der Zeit-Online-Chef mit folgenden Worten zitiert wird.

„So sehr dies in die allgemeine Krisenstimmung der Branche passen würde, kann man hier nicht von einer Schließung sprechen. Niemand verliert dadurch einen Job. Mit vielen freien Autoren des Zuender werden wir auch weiterhin arbeiten.“

Interessant, dass man an die Leser (also auch an mich) gar nicht denkt. Denen fehlt jetzt ein junger Zugang zu Zeit-Online zur Zeit. Wie gesagt: Schade!

Update 2: Jetzt auch eine Stellungnahme im Zuender-Blog. Dort wird das Magazin, dessen Schließung gerade bekannt gegeben wird, ausführlich gelobt. Warum es aber „nicht länger als eigene Plattform mit eigener Navigation“ betrieben wird, nur weil man Zünder-Artikel „gleich auf der Haupt-Site von ZEIT ONLINE veröffentlichen“ möchte, wird meiner Meinung nach nicht wirklich begründet.

In Kategorie: Netz