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Nachdenken über Twitter

The one thing you can say for certain about Twitter is that it makes a terrible first impression.

Diese 97 Zeichen stammen von Steven Johnson. Mit diesem Satz beginnt er seinen Time-Artikel How Twitter Will Change the Way We Live. Dieser Text ist äußerst lesenswert, weil er sich dem Phänomen „Twitter“ auch über den ersten Eindruck hinaus nähert. Interessant daran ist, dass fast zur gleichen Zeit ein anderer Artikel veröffentlicht wurde, der sich darauf beschränkt, diese „terrible first impression“ auf 2800 Zeichen auszubreiten. Er trägt den Titel Belanglosigkeiten auf Twitter nerven und wurde am 3. Juni in Die Zeit veröffentlicht. Darin beweist Jens Uehlecke, dass mehr Zeichen nicht zwingend auch mehr Inhalt bedeuten muss. Er urteilt:

An der konzertierten Banalität erkennt man schnell, dass einen gewaltigen Vogel haben muss, wer da noch mitsingt. Warum das Ganze trotzdem so populär ist, ist schnell erklärt: Erstens haben Menschen einen nahezu unerschöpflichen Geltungsdrang. Und zweitens gibt es wie für Klowände keine Qualitätskontrolle, keine Mindeststandards.

Man fragt sich, worin sich diese Wut begründet und ahnt, dass sie für eine treffende Analyse nicht dienlich sein kann. Wie hinderlich sie jedoch in Wahrheit ist, bemerkt man erst, wenn man die ahnungslose Polemik mit Steven Johnsons Text vergleicht. Dieser urteilt nicht, sondern analysiert:

The social warmth of all those stray details shouldn’t be taken lightly. But I think there is something even more profound in what has happened to Twitter over the past two years, something that says more about the culture that has embraced and expanded Twitter at such extraordinary speed. Yes, the breakfast-status updates turned out to be more interesting than we thought. But the key development with Twitter is how we’ve jury-rigged the system to do things that its creators never dreamed of. In short, the most fascinating thing about Twitter is not what it’s doing to us. It’s what we’re doing to it.

Was wir mit Twitter so alles tun, beschreibt Johnsons sehr lesenswert. Ich will das hier nicht wiederholen und auch Twitter nicht verteidigen (hier kann man meinen Twitter-Selbstversuch nachlesen), ich frage mich aber schon, was Twitter mit dem schimpfenden Kollegen gemacht hat, dass er sich zu einem derartigen Beitrag veranlasst sah, nach dessen Lektüre er im Vergleich zu Steven Johnsons wirkt die Bayern-Abwehr beim Spiel in Barcelona: