Wie finde ich das? vs. Warum ist das so?

Die Herren Fiene und Pähler haben mich heute in ihre Sendung „Was mit Medien“ eingeladen und dann ein wenig plaudern lassen – über das, was ich so denke über Digitalisierung und Neues machen. Wir sprachen über Langstrecke und die neue Version und irgendwann sind wir dabei (MP3) an einen wichtigen Punkt gekommen, den ich hiermit einmal festhalten will. Er bezieht sich auf die Frage, wie wir mit Neuem umgehen? Man gelangt so häufig an diese Frage, dass es gut ist, diesen Ansatz hier jetzt einmal zu notierten – und vielleicht ist er auch eine Antwort auf die Frage, die sie über die Sendung gestellt haben: Wie kommt man auf neue Ideen?

Ich bin davon überzeugt, dass man in der Konfrontation mit Veränderungen z.B. durch die Digitalisierung, den Reflex unterdrücken sollte, zunächst „Wie finde ich das?“ zu fragen. Die Antwort auf diese Frage führt nämlich selten zu höherem Verständnis. Sie führt stattdessen immer zu einer Bewertung – die damit vor dem Verstehen der Veränderung liegt. Deshalb sollte man in der Konfrontation mit einer Veränderung sich eher bemühen: „Warum ist das so?“ zu fragen.

Wenn das gelingt, kann man das Neue danach immer noch blöd finden. Man tut dies aber dann auf Basis eines breiteren Wissens. Denn wenn man sich auf die Suche nach der Antwort auf die Frage „Warum ist das so?“ macht, wird man mehr erfahren über das, was sich da gerade verändert. In der Sendung habe ich versucht, es am Beispiel der digitalen Kopie und dem Zugang von Mashup zu beschreiben:

„Die digitale Kopie stand im Raum und alle haben mir gesagt, wie sie die finden: Das interessiert die digitale Kopie aber nicht, ob Sven Regener die jetzt gut findet oder nicht. Sondern: Die ist da. Und die Leistung besteht darin, zu verstehen, was das verändert. Und da kann meine persönliche Meinung sein, dass ich das gut oder schlecht finde. Aber ich möchte gerne verstehen, was der Mechanismus dahinter ist.“

2 Kommentare

  1. Dirk Hansen HB

    Auf den ersten Blick wäre das doch keine Alternative, sondern eine Reihenfolge. Also zunächst etwas zu verstehen versuchen, um sich anschließend einen Reim darauf machen zu können. Wer wollte da auch widersprechen?

    Ihre Konstruktion eines Gegensatzes unterstellt nun aber, dass beispielsweise ein Sven Regener nicht den Versuch unternommen hat, die Prozesse des digitalen Teilens zu verstehen. Meine Gegen-These wäre, dass dies sehr wohl der Fall ist. Nur findet Regner die Entwicklung einfach blöd.

    Womit wir m. E. bei der entscheidenden Frage wären: Ist der digitale Wandel nun ein – quasi natürliches – Phänomen, welches wir als gegeben hinzunehmen und zu deuten, aber nicht zu bewerten haben?

    Oder sehen wir die Vernetzung der Welt als einen von Menschen und ihren jeweiligen Interessen gestalteten Prozess an? Dessen Setzungen gerade jetzt strukturell geschaffen und kommunikativ ausgehandelt werden.

    Dann jedoch könnten wir, rein theoretisch, natürlich auch darüber reden, gewisse Entwicklungen gerade nicht zu fördern, obwohl sie möglich wären und manchen auch gefielen.Nich jede neue Idee muss ja gut sein.

    Anders formuliert: Ist Innovation an sich schon ein Wert und Bewegung an sich schon ein Ziel?

  2. Dirk von Gehlen

    Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass viele Leute sich nicht die Mühe machen, eine Veränderung verstehen zu wollen – sondern zuerst ihrem Urteil darüber trauen. Völlig unabhängig davon ob man Innovation als positiven Wert sieht oder nicht, führt dieses Vorgehen nur zu mehr Meinung nicht zu mehr Verständnis …

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