Alle Artikel in der Kategorie “Unterwegs

karlsruhe__

Eine neue Idee ist verfügbar

In den vergangenen Tagen ist einiges passiert. Ich habe u.a. in Karlsruhe im Rahmen der dringend zu empfehlenden Ausstellung Deja-Vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube mit Wolfgang Ullrich übers Kopieren geredet und dabei direkt vor Anselm Feuerbachs Das Gastmahl des Plato die Ideen aus Mashup vorstellen dürfen (siehe oben: Messidona vor Feuerbach, Foto: Kunsthalle Karlsruhe). Das war nicht nur deshalb sehr interessant, weil es irgendwie zum Unteritel von Wolfgang Ullrichs sehr lesenswertem Buch Raffinierte Kunst passt: Übung von Reproduktionen.

Geübt habe ich dabei indirekt für eine kleine Idee, die ich als neues Buch in die Tat umsetzen will. Sie trägt den Titel „Eine neue Version ist verfügbar“ und soll im Herbst beginnen. Es geht um die zentrale Frage, die in Mashup noch von der Urheberrechtsdebatte verdeckt wurden: Wie verändert die Digitalisierung Entstehung, Rezeption und Vertrieb von Kunst und Kultur?

Ich glaube, dass sie sie auftaut und verflüssigt. Ich glaube, dass der veränderte Aggregatzustand eine veränderte Perspektive nach sich zieht, die ich in dem Projekt erörtern will. Wer sich dafür interessiert, ist eingeladen, sich hier einzutragen und Freunde und Bekannte einzuladen.

Zum Einstieg habe ich eine kleine Playlist mit 24 Songs erstellt, die zum Thema passen. Mehr dazu gibt es hier und zur Einstimmung hier PeterLichts Fluchtstück:


Mashup @ #rp12

Nein, das Bild vom Klassentreffen stimmt nicht. Die republica ist viel besser als es eine Schule je sein könnte. Ich durfte diese Erfahrung in diesem Jahr auf der Stage 5 machen (wo ich die Ideen meines Buchs vorstellen durfte) und bin immer noch begeistert vom Feedback. Euch allen: Vielen Dank!!

Zur Dokumentation für alle, die dabei waren und zur Inspiration für alle, die nicht dort waren, hier zumindest die Clips aus dem Vortrag. Sollte es einen Mitschnitt geben, werde ich ihn hier posten. Bis dahin die Videos, die aufmerksame Blog- und Buchleser vielleicht schon kennen könnten.

Ende 2011 gab es in Berlin eine Austellung namens Scratch’n’Cut, deren Trailer sehr anschaulich illustriert, was eigentlich ein Mashup ist:

Zur Veröffentlichung des Deichkind Albums „Befehl von ganz unten“ erschien zum Jahreswechsel der Text über den Soundtrack der Digitalisierung: den Song Illegale Fans

Wiederholt war in diesem Blog bereits die Diebstahl-Debatte Thema, die einzigartig von Nina Paleys Copying Is Not Theft-Film auf den Punkt gebracht wird.



Außerdem immer wieder schön: die traumhafte Kopie des Lionel Messi:

P.S.: Das Numa-Numa-Video muss man leider außerhalb von YouTube suchen. Für den Ohrwurm hier zumindest das Lied.

Will.i.am Shakespeare

Es ist mal wieder an der Zeit, Beispiele für die Schönheit des (Re-)Kombinierens zu zeigen: Dieses Mashup-Poster bringt Ghostbusters mit Space Invaders zusammen. Das sieht schön aus und ist mir Anlass für den Hinweis auf den Auftritt von Eclectic Method beim Scratch’n’Cut Ende Oktober in Berlin. Electric Methods machen audiovisuelle Mashups, die funktionieren wie dieser kleine Beispiel-Clip hier:


Im Rahmen der Ausstellung, die bis Ende November in Berlin zu sehen sein soll, bringt Lukas Feireiss sie unter anderem mit Lee Perry zusammen – um zu zeigen, wie Referenzen und Bezüge schon immer unsere Kultur prägten.




Die Ausstellung mit dem (ebenfalls referenzierten Titel) „Scratch’n’Cut All Remix Everything“ läuft vom 28. Oktober bis zum 28. November in Berlin:


10 Jahre jetzt.de

jetzt.de wird zehn – und feiert im großen Jubiläums-Sommer unter dem Motto Komm küssen: 10 Jahre jetzt.de auch eine Party: am 23. Juli im Import/Export in der Münchner Goethestraße!.

Außerdem erscheint am 8. August auch ein großes Jubiläumsheft von jetzt.de auf Papier als Beilage in der Süddeutschen Zeitung. Ein ganzes Magazin zum Thema Internet! Um die Zeit bis zur Lektüre am 8. August ein wenig zu verkürzen: Hier die offizielle Einladung an alle meine Blogleserinnen und -leser:


Kommt am 23. Juli ins Import/Export!

.

Martins-Moral im digitalen Raum

In den vergangenen Tagen war (auch hier) viel von einem guten Mann die Rede, der sich selbstlos gab und teilte: Sankt Martin gibt dem frierenden Bettlersmann die Hälfte seines Mantels und wird deshalb noch heute von Laternenbeleuchten Kindern besungen. Zum Beispiel mit dem Martinslied, in dessen finaler Strophe dem Martin im Traum der Herrgott erscheint:

Der spricht: „Hab Dank, du Reitersmann,
für das, was du an mir getan.“

Es ist ganz klar: der reitende Martin wird zum Vorbild für alle Kinder. Er sieht die Not des anderen und teilt. Er gibt von dem, was er hat, damit auch der Bettler etwas bekommt.

Soweit die Martins-Moral. Was aber, wenn diese nicht im Kinderlied, sondern im realen Leben Anwendung findet? Was, wenn die singenden Kinder die gelernte Moral vom Teilen auch im Digitalen ernst nehmen? Hier können sie zwar keinen Mantel teilen, aber zum Beispiel eine MP3-Aufnahme vom Martinslied. Das Tolle dabei: Sie teilen es, ohne selber weniger zu haben. Sie haben also eine Lösung, die noch viel besser ist als die vom Martin (denn dass er selber nur noch einen halben Mantel hat, kann niemand ernsthaft als die optimale Lösung beschreiben wollen). Doch im Traum tritt in diesem Szenario nicht der Herrgott, sondern der Abmahnanwalt auf

Der spricht: „Unterlasse nun, du Diebesmann,
was du dem Rechteinhaber hast angetan.“

Nicht nur das Versmaß ist darin ganz korrekt, auch die zugrunde liegende Moral ist einem Kind (und nicht nur dem) nur schwer vermittelbar.

Dabei ist mir durchaus bewusst, dass der Vergleich hinkt, die moralischen Implikationen sind aber dennoch vergleichbar: Teilen und teilen ist nicht das Gleiche. Und merkwürdiger Weise soll das Teilen, bei dem beide nur die Hälfte haben, das besserer Teilen sein.

Heute vormittag musste ich ein Auto in der Innenstadt parken. Ich löste am Parkautomaten ein Ticket für zwei Stunden Parkzeit. Nach einer Stunde war mein Termin zuende, ich stieg in mein Auto und gab den Parkplatz wieder frei. Das Parkticket habe ich an den Automaten geklemmt, weil es schließlich noch gültig war. Darf ich das? Darf jemand das von mir gelöste Ticket weiterparken? Mache ich mich damit starfbar?

Die Tatsache, dass ich mir die Frage in diese Richtung stelle, zeigt, wie stark der (falsche) moralische Einfluß bereits ist. Denn wenn wir überhaupt übers Stehlen nachdenken in einem Bereich, bei dem niemandem etwas weggenommen wird, ist doch die einzig berechtigte Frage, die wir uns stellen sollten: Darf die Stadt diesen Platz nun eigentlich erneut vermieten? Oder begeht sie einen Diebstahl an mir, denn ich habe ja schließlich für die volle folgende Stunde noch bezahlt und damit Anrecht auf den Parkplatz – und sei es, um ihn autofrei zu halten …

Vielleicht sollte ich mal Dr. Erlinger fragen.

Life’s for sharing

Der britische Arm von T-Mobile hat Menschen am Flughafen begrüßt – und das gefilmt. Der Welcome Back-Clip wird seit dieser Woche erfreut im Netz verlinkt. Man sieht Reisende, die aus dem Sicherheitsbereich des Flughafens treten und von singenden Menschen in Empfang genommen werden. Der Spot endet nach über drei Minuten mit dem Slogan, mit dem T-Mobile in Großbritannien wirbt:

Life’s for sharing

In Deutschland heißt der Slogan „Erleben, was verbindet“, doch darin fehlt ein entscheidender Bestandteil dessen, was der britische Slogan ebenfalls enthält: das Teilen, das Verbreiten. Man sieht Menschen, die Handys zücken, Filme und Fotos machen und diese natürlich weiterleiten. Diesen „Share“-Gedanken trägt T-Mobile auf einer eigenen Facebook-Seite und einem „Life’s for sharing“ genannten YouTube-Kanal weiter. Er ist die zentrale Botschaft des Mobilfunkanbieters, der die Infrastruktur zur Verfügung stellt, um Eindrücke, Events und Erlebnisse zu verbreiten. Das Leben, sagt dieser Spot, ist so schön und überraschend, teile es anderen mit und teile es mit anderen.

Ich zitiere diesen Spot (und den zugrunde liegenden Slogan) hier nicht, weil ich dafür bezahlt würde, sondern weil er für eine Geisteshaltung steht, die man sich immer dann vor Augen führen sollte, wenn die Rede mal wieder auf den Diebstahl kommt. Wir haben es der (ja unter anderem auch von der Telekom betriebenen) Nutzung englischer Begriffe zu verdanken, dass jedermann heute weiß, dass das Verb aus „Life’s for sharing“ auch in dem Wort „Filesharing“ vorkommt. Das englische to share beschreibt das (Mit)teilen von Dinge, das Verbreiten von Erlebnissen aber eben auch von Dateien (Files).

Die Haltung, aus der heraus Menschen (ich spreche hier bewusst von nicht gewerblich agierenden Privatpersonen) Tauschbörsen nutzen und das Sharing von Dateien betreiben, ist die, die in dem Spot gezeigt wird. Eine Haltung, die das Verbreiten und Teilen für eine Selbstverständlichkeit hält. Die Telekom setzt genau auf diese Haltung und Menschen, die so denken, fragen sich: Warum sollte was für Erlebnisse und Eindrücke selbstverständlich ist nicht auch für Dateien und MP3s gelten?

Wir müssen uns dieses Denken bewusst machen, wenn mal wieder der Vorwurf im Raum steht, Tauschbörsen-Nutzer seien Diebe. Ich glaube vielmehr, dass Tauschbörsen-Nutzer vor allem daran gewöhnt sind, dass das Teilen im digitalen Raum eine (aufwandsneutrale) Selbstverständlichkeit ist (und natürlich auch kein Diebstahl).

Hier treffen zwei Moralvorstellungen aufeinander: Auf der einen Seite jene, die im Weiterleiten einer Datei einen Diebstahl sieht. Und auf der anderen Seite die, in der das Teilen alltäglich ist. Das Ansinnen, eine Datei, einen Song oder einen Link davon auszunehmen (weil das ja Diebstahl sei), ist in seinem Kern zum Scheitern verurteilt, weil es auf einen anderen Wertekodex setzt.

Ich glaube, dass diese Kluft nicht mit Sanktionen und Drohungen zu schließen ist. Die Share-Kultur ist (nicht nur wegen des Telekom-Spots) zum Alltag vieler Menschen geworden (und die Telekom trägt weiter dazu bei). Wer die Debatte um den richtigen Umgang mit Tauschbörsen rein moralisch führt, muss sich darüber bewusst sein. Das Weitererzählen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Die Telekom setzt im obigen Spot darauf. Und die digitale Kopie hat das Weitererzählen von Dateien so einfach gemacht wie das Weitererzählen im analogen, echten Leben.

Feine Idee: Gemeinsam Taxi fahren

Im Interview mit Urban Omnibus erklären die Weeels-Gründer die Idee hinter ihrem App-Konzept:

In short, it links people and taxi cabs to create a more flexible, efficient, reliable, and affordable mode of transit. It begins to address the incredible excess capacity of New York City’s 13,000-car taxi fleet, much of which is underutilized even when engaged in fares; when not, its drivers must often troll around for rides, wasting time and energy. Starting with the premise that we need to not only improve our bike and train infrastructure, but also better use the road infrastructure and vehicles we already have, the mission is to make transit less costly, more flexible and more social. Think of it as transit-friendly rezoning, like the kind the city has been pushing, but for vehicles.

via

Munich Central

Bis vor kurzem hat die Goethestraße 30 einen türkischen Supermarkt beherbergt. Inzwischen gastiert dort die »Import-Export-Bar« als Zentrum der Veranstaltung »Munich Central«, bei der die Kulturschaffenden der Münchner Kammerspiele alljährlich den Elfenbeinturm verlassen und ihre Kunst in die Stadtteile bringen.

Der Münchner Wochenanzeiger berichtet über Munich Central, ein Theaterprojekt der Kammerspiele, das am Freitag mit Freibier eröffnet wird. Mein besonderer Tipp: die 12 Führungen unter dem Titel 24 Stunden