Alle Artikel in der Kategorie “Unterwegs

loading: Brafus 2014

Vor vier Jahren reisten Christian Frey und Kai Schächtele zum Wintermärchen 2010 nach Südafrika, jetzt wollen die beiden gemeinsam mit Birte Fuchs nach Brasilien – um Geschichten hinter der Fassade der Fußball-WM zu erzählen. Dafür haben sie eine besondere Form des Crowdfunding auf ihrer Seite brafus2014 gestartet.

Kai Schächtele hat dazu den loading-Fragebogen beantwortet.

brafus

Was macht Ihr?
Wir reisen ab 4. Juni zu dritt durch Brasilien und wollen herausfinden, was die WM mit Brasilien macht und Brasilien mit der WM. Und ein wenig auch, was Brasilien mit uns macht.

Warum macht Ihr es (so)?
Brafus2014 ist die Fortsetzung unseres Blogs wintermaerchen2010.com, das uns vor vier Jahren durch Südafrika geführt hat, damals noch zu zweit. Was wir gemerkt haben, ist zweierlei: Zum einen haben, je länger unsere Reise gedauert hat, immer mehr Leute Lust bekommen, zu lesen, welche Menschen wir getroffen und welche Geschichten hinter der Fassade der WM wir aufgespürt haben. Zum anderen haben wir gemerkt, dass die These, unsere Leser seien nicht bereit, für journalistische Inhalte Geld zu bezahlen, nicht stimmt. Was sie brauchen, ist neben dem Interesse für die Inhalte eine emotionale Verbindung zu den Machern und ein Gespür dafür, wofür das Geld verwandt wird. Dann begreifen sie sich als Teil der Unternehmung und zahlen gern. Wir wollen jetzt herausfinden, ob das auch im größeren Rahmen klappt. Denn die Reise diesmal wird ungleich teurer als die vor vier Jahren.

Wer soll das lesen?
Jeder, der sich dafür interessiert, was hinter der Fassade dieser WM passiert, welchen Transformationsprozessen eine Gesellschaft ausgesetzt ist, die sich von einem Schwellenland zu einer Industrienation verändert, und wie der Alltag in einem Land aussieht, in dem so viele Schichten mit so unterschiedlichen wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen leben. Und jeder, der sich für Geschichten von Menschen interessiert, die genauso von ihrem Alltag erzählen wie von ihren Hoffnungen, Befürchtungen oder vom Trompetespielen (denn wir werden auch mindestens eine Blaskapelle besuchen).

Wie geht es weiter?
Das hängt entscheidend davon ab, ob es uns gelingt, eine Brafus2014-Community aufzubauen. Bislang steht nur etwa ein Viertel des Budgets. Und je nachdem, wie sich einerseits unsere Einnahmen entwickeln und wir andererseits unsere Ausgaben deckeln können, zum Beispiel durch private Übernachtungen, werden wir einen größeren oder kleinen Bewegungsspielraum haben.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Dass es im Moment den ernst gemeinten wie ernst zu nehmenden Versuch von Journalisten gibt, die Debatte um die Bezahlkultur für journalistische Inhalte im Netz voranzutreiben. Was uns eint, ist die Überzeugung, dass es genügend Menschen gibt, die unsere Arbeit wertschätzen und bereit sind, dafür Geld auszugeben. Was wir aber brauchen, sind Menschen, die uns dabei helfen, diese Botschaft über die Zirkel der Macher hinauszutragen. Im Moment zirkuliert das Geld noch zu sehr unter uns. Da zahlt Journalist A für Journalist B, Journalist B für Journalist C und Journalist C für Journalist A. Das war gerade am Anfang wichtig, damit sich in unseren Köpfen eine Welt öffnet, in der wir den Mut für Vorhaben entwickeln, die wirklich ins Geld gehen. Aber jetzt ist ein belastbares Signal derer notwendig, für die wir diese Arbeit machen. Journalismus ist kein Selbstzweck, sondern findet erst durch die Interaktion mit seinem Publikum zu seiner Entfaltung.

>>> Hier das Brafus Projekt auf der Paid Wall unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

loading: Pipes Box

Spätestens seit Google in dieser Woche den Smart-Home-Anbieter Nest kaufte, ist das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: Wie kann das Zuhause so smart werden, wie das Handy es heute schon ist? Eine Antwort auf diese Frage gibt Jan Krog derzeit in dem Crowdfunding-Projekt Pipes Box – das er im loading-Fragebogen vorstellt.

Was machst du?
Wir sind ein Team aus Warnemünde und entwickeln eine Technologie-unabhängige Smart Home Plattform. Entstanden ist das Projekt an der Uni aus der Fragestellung heraus, wie man auf einfache Art und Weise verschiedene Internetdienste, aber auch Smart Home Geräte verschiedener Hersteller miteinander kombinieren kann, ohne Programmieren zu müssen.

Warum machst du es (so)?
Smart Home wird immer populärer, denn die Voraussetzungen sind da: Smartphones und Tablets sind weit verbreitet und Hardware wird immer kostengünstiger.
Ein großes Problem des Marktes sind derzeit noch die vielen unterschiedlichen Standards, die sich nicht miteinander kombinieren lassen, sowie das mangelnde Wissen über die Möglichkeiten und den Nutzen von Smart Home. Dem wollen wir entgegnen mit einem konsequent Technologie-unabhängigen Ansatz und dem Konzept des PipesMarkets. Im PipesMarket kann man herumstöbern und findet für seine vorhandenen Geräte eine passende Anwendung oder man kann sich Inspirationen holen und schauen, was andere Nutzer bei sich umgesetzt haben und kann dies bei sich zu Hause mit seinen Geräte nutzen – mit nur einem Klick.

Wer soll das lesen?
Jeder, bei dem das Smartphone zum Zentrum des digitalen Lebensstils geworden ist und der Interesse am Thema Smart Home und der Erhöhung des Wohnkomforts hat.

Wie geht es weiter?
Bei Erfolg der Crowdfunding Kampagne, die wir derzeit auf Startnext durchführen, werden die ersten Boxen im März verschickt. Im Anschluss erfolgt eine kontinuierliche Weiterentwicklung: es werden neue Technologien eingebunden sowie Apps programmiert. Die Plattform wird für Drittentwickler geöffnet und unsere Open Source Strategie wird fortgesetzt. Wir sehen die PipesBox Software in der Zukunft auf Internet-Routern, Smart TVs oder NAS-Systemen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Smart Home ist viel mehr, als nur Licht per Smartphone an/aus zu schalten oder seine Heizung zu steuern! Es ist ein viel größeres Potential vorhanden, welches derzeit aufgrund der Herstellerabhängigkeit und der geschlossenen Systeme nicht ausgeschöpft werden kann.

>>> Hier kann man Pipes Box auf Startnext unterstützen!

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Zeit für naive Politik

Ich war noch niemals im Kanzleramt. Aber in New York war ich schon mal. Das ist mehr als eine blöde Songreferenz. Beim Besuch eines Flohmarkts in der Lower East Side habe ich nämlich mal ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Yo Ho! Yo Ho! A Pirates Life for me“ erworben. Es war das einzige Kleidungsstück, das ich jemals auf einem Flohmarkt in New York erworben habe. Dass ich es jetzt wieder rauskrame, liegt im weitesten Sinn an Edward Snowden und den von ihm öffentlich gemachten Überwachungen.

Diese unfassbaren Enthüllungen werden ständig gesteigert, rufen aber bei manchen Leuten eine merkwürdige Form der Realpolitik hervor. Exemplarisch für diese Form von abgeklärtem Desinteresse an den Angriffen auf unsere Grundrechte meldete sich vergangene Woche Otto Schily zu Wort und kritisierte das Getöse, das um Snowdens Enthüllungen gemacht werde. Der Mann ist ehemaliger Innenminister und macht allein deshalb mit solchen Aussagen mehr Angst als dass er beruhigt. Und nebenbei liefert er damit die Antwort auf die Frage, warum die Opposition so wenig aus diesem Prism-Skandal und möglichen Verwicklungen der Regierung macht: Sie war auch mal in der Regierung.

Womit wir wieder beim T-Shirtaufdruck und dem Kanzleramt sind. Das Shirt ist weit vor dem Aufkommen der Piratenbewegung gekauft worden, aber sicher ist: Auch die deutsche Piratenpartei war noch nie im Kanzleramt. Ihr fehlt es an gestandenen Realpolitikern, die um die Notwendigkeiten und Zwänge der internationalen Diplomatie wissen. Woran es ihr nicht fehlt: an Menschen, die glaubhaft gegen das Abhören digitaler Kommunikation kämpfen. Der jetzt.de-Kollege Christian Helten hat in der vergangenen Woche Katharina Nocun getroffen und für die morgige Ausgabe der SZ porträtiert. Sie ist Geschäftsführerin der Piratenpartei und wer den Text liest, bemerkt schnell: Katharina Nocun ist der Grund für das, was Otto Schily Getöse nennt. Die Frau ist richtig wütend.

Das mögen die Realpolitiker aus der ehemaligen und aktuellen Regierung für naiv halten. Aber genau diese Naivität, die der Piratenpartei lange als Malus vorgehalten wurde, könnte im Endspurt des Bundestagswahlkampf ihr Alleinstellungsmerkmal werden: Sie könnten völlig naiv an den Wert der Grundrechte erinnern und genauso naiv Maßnahmen fordern, um diese einzuhalten. Grund genug gibt es ja.

loading: Ruhrbarone-Freundeskreis

Kann man Freund eines Mediums sein? Man kann. Die Ruhrbarone haben vor ein paar Tagen offiziell ihren Freundeskreis gestartet. Die Ruhrbarone sind ein lokales Blog im Ruhrgebiet. Das wiederum ist jener Teil des Landes, der unlängst durch Einsparmeldungen in Sachen Journalismus von sich reden machte. Stefan Laurin und sein Team stellen sich dagegen. Er hat unseren loading-Fragebogen beantwortet:

Was macht Ihr?
Wir haben eine Freundeskreis gegründet, damit unsere Leser sich freiwillig an der Finanzierung der Ruhrbarone beteiligen können. Wir wurden immer wieder aufgefordert so etwas zu machen, nun haben wir es getan.

Warum (macht Ihr es so)?
Wir orientieren uns an den Erfahrungen der Prenzlauer-Berg-Nachrichten. Die haben erste, gute Erfahrungen mit einem Freundeskreis gemacht.

Wer soll dabei mitmachen?
Möglichst viele unsere Leser.

Wie geht es weiter?
Der Freundeskreis ist nur einer der Wege, die wir gehen, um die Einnahmen des Blogs zu erhöhen und damit unsere Arbeit zu verbessern. Gleichzeitig haben wir unsere Werbebemühungen verstärkt und denken auch über den Verkauf von E-Books nach.

Was sollten mehr Menschen wissen?
„There ain’t no such thing as a free lunch“ – auch Journalismus muss finanziert werden. Durch Werbung, durch Engagement der Leser und auch durch die Veränderung politischer Rahmenbedingungen. Journalismus sollte als gemeinnützig anerkannt werden.

>>>>> Hier Mitglied im Ruhrbarone-Freundeskreis werden!

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Der Tumbler verändert die Welt

Wenn die Rede im Netz auf ein Tumbler kommt, geht es meist um solche, denen ein E fehlt: tumblr. Dieser Trinkbecher hier hat ein E und eine besondere Funktion: Er transportiert nicht nur Wasser, er bringt auch welches. Die Firma MiiR aus Seattle verbindet den Kauf eines Trinkbehälters mit der Unterstützung einer Wasserkampagne. 12 Tage lang läuft das Crowdfunding-Projekt auf Indiegogo noch



>>>> Hier das Tumbler-Wasserprojekt unterstützen

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Crowdfunding im Journalismus: The Local Global Mashup

Am 15. Februar endet die Founding-Phase für The Local Global Mashup-Show. Die Macher von Latitudenews wollen bis dahin rund 44.000 Dollar für eine wöchentliche Radioshow einsammeln. Der Slogan für das Projekt lautet: „Get the inside edge on the stories that connect Americans to the world — in your ear every week.“

Es geht darum, globale Geschichten auf die lokale Ebene herunter zu brechen (wobei die amerikanische Perspektive schon eine sehr breite lokale Perspektive ist) und diese Geschichten in einem wöchentlichen Podcast zu versammeln. Das ist ein durchaus interessanter Ansatz – und ich bin gespannt, ob Maria Balinska das Ziel erreichen wird.

Bemerkenswert ist, dass in der Woche, in der The Local Global Mashup auf sein Ziel zusteuert, die Macher von Fortunas Legenden dieses mit einem überwältigende Erfolg erreicht haben. Der Düsseldorfer Fortuna-Fan-Film hat den Fundingrekord für Dokumentarfilme auf Startnext geknackt. Der Düsseldorfer Schauspieler Lars Pape hat gemeinsam mit Starter Holger Schürmann 1169 Supporter davon überzeugt, dass es sich lohnt in diesen Film zu investieren. Das Besondere dabei: Pape und Schürmann sind klar als Fortuna-Fans zu erkennen, sie erlangen ihr Glaubwürdigkeit gerade nicht über journalistische Unabhängigkeit, sondern über ihre sichtbare Verbundenheit mit dem Thema.

Vielleicht ist es Zufall, vielleicht lässt sich daraus aber auch etwas für journalistische Crowdfunding-Projekte ableiten. Zumindest dies: Wer Geld für ein Projekt einsammelt, muss begründen können, warum ausgerechnet er oder sie es bekommen soll. Ein Bezug zum Thema schadet dabei offenbar nicht.

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Happy Birthday, CD!

Man muss Feste feiern wie sie fallen. Und im amerikanischen Technologie-Netz fallen sie halt anders als bei „Hallo Niedersachsen“. Dort hatte der NDR schon im August gefeiert, was NextWeb (und andere) erst gestern ausriefen: The CD is 30 Years Old Today.

Das ist schön und man möchte – Achtung wichtiges Synonym – der Silberscheibe ein fröhliches (wenn auch wegen der Terminunklarheit leicht verwirrtes) Herzlichen Glückwunsch zurufen. Passenderweise fallen die Geburtstagsmeldungen für mich aber zusammen mit dem Besuch in einem Elektrogroßmarkt vor ein paar Tagen. Ich war dort, um etwas zu tun, was ich früher sehr häufig machte: ich wollte eine CD kaufen.

In meiner Erinnerung tun das viele Menschen. Es gibt ganze Abteilungen, die Menschen mit diesem Wunsch bedienen. Man kann dort Probehören, man kann in Ruhe durch das Angebot stöbern und auf kleinen Stapeln an der Kopfseite der Regale werden einem besondere Fundstücke angeboten.

So war das in meiner Erinnerung.

Die Wahrheit hingegen war etwas deprimierend.

Während eines Einkaufs war mir eingefallen, dass ich die DVD-Box der zweiten Staffel von West Wing gerne anschauen würde. Da ich eh unterwegs war, betrat ich also den Elektrogroßmarkt, dessen Angebot ich seit Ewigkeiten mal wieder mit den Augen des (im weitesten Sinn) Kulturinteressierten ansah. Und ganz klar: die Präferenzen sind verschoben. Im vorderen Bereich geht es nicht mehr um Musik- oder Film-, sondern um Kaffeekultur. Unfassbar viele Brühautomaten muss man passieren, um in den weiter hinten liegenden Bereich für Computerspiele, Musik und Filme vorzudringen.

Dort scheinen die Einkaufs-Architekten vor allem den Vorteil des ziellosen Stöberns in den Vordergrund des Shopping-Erlebnis rücken zu wollen. Eine alphabetische Sortierung des DVD-Angebots fehlte jedenfalls völlig. Stattdessen stapelten sich Box-Angebote regionaler Serienhits neben amerikanischen Arzt-Serien und softpornografischen Einzelfilmen. Die Gefahr, Kinder, die natürlich auch Zugang zu diesem Ladengeschäft haben, diesem Einfluß auszusetzen, hatte man eigentlich eher im Netz vermutet, wohin ich mich nach ratlosen fünfzehn Minuten zum Einkaufen verabschiedete (im Webangebot des Großmarkts fand ich übrigens lediglich die erste West Wing-Staffel – zum Ausleihen).

Keine Sorge, das hier soll kein Abgesang auf das lokale CD-Geschäft sein. Im Gegenteil, der traurige Besuch im Großmarkt zeigte mir vor allem, wie toll, inspirierend und vermissenswert ein echtes Plattengeschäft ist. Ich frage mich vielmehr: Was ist da eigentlich passiert seit meinem letzten Besuch in einer CD-Abteilung? Man hat die Blueray-Disc erfunden, es gibt Spielkonsolen und Umsätze mit Games. Darüberhinaus scheint aber jede Form von Neuerung auf die anderen Abteilungen verteilt worden zu sein. Vor Schlafplatzgroßen Fernsehbildschirmen bewegen sich Menschen mit 3D-Brillen, bei den Brühautomaten wird Kaffee gereicht und vor den Boxen mit Mobilfunk-Logos stehen Handybesitzer Schlange. Im CD-Bereich laufen zwar auch Menschen umher, aber suchend, fragend, ratlos.

Vermutlich bin ich selber Schuld: Ich habe mich einfach von den digitalen Angeboten weglocken lassen und muss jetzt vor Ort mitansehen, was aus den CD-Abteilungen geworden ist. Doch auch im Online-Angebot des Shops finde ich nur 26 Einträge zum Unterpunkt „TV-Serie“ (die übrigens etwa die oben beschriebene Mischung abbilden) und werde das Gefühl nicht los:

Man will mich hier gar nicht als Kunde.

karlsruhe__

Eine neue Idee ist verfügbar

In den vergangenen Tagen ist einiges passiert. Ich habe u.a. in Karlsruhe im Rahmen der dringend zu empfehlenden Ausstellung Deja-Vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube mit Wolfgang Ullrich übers Kopieren geredet und dabei direkt vor Anselm Feuerbachs Das Gastmahl des Plato die Ideen aus Mashup vorstellen dürfen (siehe oben: Messidona vor Feuerbach, Foto: Kunsthalle Karlsruhe). Das war nicht nur deshalb sehr interessant, weil es irgendwie zum Unteritel von Wolfgang Ullrichs sehr lesenswertem Buch Raffinierte Kunst passt: Übung von Reproduktionen.

Geübt habe ich dabei indirekt für eine kleine Idee, die ich als neues Buch in die Tat umsetzen will. Sie trägt den Titel „Eine neue Version ist verfügbar“ und soll im Herbst beginnen. Es geht um die zentrale Frage, die in Mashup noch von der Urheberrechtsdebatte verdeckt wurden: Wie verändert die Digitalisierung Entstehung, Rezeption und Vertrieb von Kunst und Kultur?

Ich glaube, dass sie sie auftaut und verflüssigt. Ich glaube, dass der veränderte Aggregatzustand eine veränderte Perspektive nach sich zieht, die ich in dem Projekt erörtern will. Wer sich dafür interessiert, ist eingeladen, sich hier einzutragen und Freunde und Bekannte einzuladen.

Zum Einstieg habe ich eine kleine Playlist mit 24 Songs erstellt, die zum Thema passen. Mehr dazu gibt es hier und zur Einstimmung hier PeterLichts Fluchtstück:


Mashup @ #rp12

Nein, das Bild vom Klassentreffen stimmt nicht. Die republica ist viel besser als es eine Schule je sein könnte. Ich durfte diese Erfahrung in diesem Jahr auf der Stage 5 machen (wo ich die Ideen meines Buchs vorstellen durfte) und bin immer noch begeistert vom Feedback. Euch allen: Vielen Dank!!

Zur Dokumentation für alle, die dabei waren und zur Inspiration für alle, die nicht dort waren, hier zumindest die Clips aus dem Vortrag. Sollte es einen Mitschnitt geben, werde ich ihn hier posten. Bis dahin die Videos, die aufmerksame Blog- und Buchleser vielleicht schon kennen könnten.

Ende 2011 gab es in Berlin eine Austellung namens Scratch’n’Cut, deren Trailer sehr anschaulich illustriert, was eigentlich ein Mashup ist:

Zur Veröffentlichung des Deichkind Albums „Befehl von ganz unten“ erschien zum Jahreswechsel der Text über den Soundtrack der Digitalisierung: den Song Illegale Fans

Wiederholt war in diesem Blog bereits die Diebstahl-Debatte Thema, die einzigartig von Nina Paleys Copying Is Not Theft-Film auf den Punkt gebracht wird.



Außerdem immer wieder schön: die traumhafte Kopie des Lionel Messi:

P.S.: Das Numa-Numa-Video muss man leider außerhalb von YouTube suchen. Für den Ohrwurm hier zumindest das Lied.