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loading: Ruhrbarone-Freundeskreis

Kann man Freund eines Mediums sein? Man kann. Die Ruhrbarone haben vor ein paar Tagen offiziell ihren Freundeskreis gestartet. Die Ruhrbarone sind ein lokales Blog im Ruhrgebiet. Das wiederum ist jener Teil des Landes, der unlängst durch Einsparmeldungen in Sachen Journalismus von sich reden machte. Stefan Laurin und sein Team stellen sich dagegen. Er hat unseren loading-Fragebogen beantwortet:

Was macht Ihr?
Wir haben eine Freundeskreis gegründet, damit unsere Leser sich freiwillig an der Finanzierung der Ruhrbarone beteiligen können. Wir wurden immer wieder aufgefordert so etwas zu machen, nun haben wir es getan.

Warum (macht Ihr es so)?
Wir orientieren uns an den Erfahrungen der Prenzlauer-Berg-Nachrichten. Die haben erste, gute Erfahrungen mit einem Freundeskreis gemacht.

Wer soll dabei mitmachen?
Möglichst viele unsere Leser.

Wie geht es weiter?
Der Freundeskreis ist nur einer der Wege, die wir gehen, um die Einnahmen des Blogs zu erhöhen und damit unsere Arbeit zu verbessern. Gleichzeitig haben wir unsere Werbebemühungen verstärkt und denken auch über den Verkauf von E-Books nach.

Was sollten mehr Menschen wissen?
„There ain’t no such thing as a free lunch“ – auch Journalismus muss finanziert werden. Durch Werbung, durch Engagement der Leser und auch durch die Veränderung politischer Rahmenbedingungen. Journalismus sollte als gemeinnützig anerkannt werden.

>>>>> Hier Mitglied im Ruhrbarone-Freundeskreis werden!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Der Tumbler verändert die Welt

Wenn die Rede im Netz auf ein Tumbler kommt, geht es meist um solche, denen ein E fehlt: tumblr. Dieser Trinkbecher hier hat ein E und eine besondere Funktion: Er transportiert nicht nur Wasser, er bringt auch welches. Die Firma MiiR aus Seattle verbindet den Kauf eines Trinkbehälters mit der Unterstützung einer Wasserkampagne. 12 Tage lang läuft das Crowdfunding-Projekt auf Indiegogo noch



>>>> Hier das Tumbler-Wasserprojekt unterstützen

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Crowdfunding im Journalismus: The Local Global Mashup

Am 15. Februar endet die Founding-Phase für The Local Global Mashup-Show. Die Macher von Latitudenews wollen bis dahin rund 44.000 Dollar für eine wöchentliche Radioshow einsammeln. Der Slogan für das Projekt lautet: „Get the inside edge on the stories that connect Americans to the world — in your ear every week.“

Es geht darum, globale Geschichten auf die lokale Ebene herunter zu brechen (wobei die amerikanische Perspektive schon eine sehr breite lokale Perspektive ist) und diese Geschichten in einem wöchentlichen Podcast zu versammeln. Das ist ein durchaus interessanter Ansatz – und ich bin gespannt, ob Maria Balinska das Ziel erreichen wird.

Bemerkenswert ist, dass in der Woche, in der The Local Global Mashup auf sein Ziel zusteuert, die Macher von Fortunas Legenden dieses mit einem überwältigende Erfolg erreicht haben. Der Düsseldorfer Fortuna-Fan-Film hat den Fundingrekord für Dokumentarfilme auf Startnext geknackt. Der Düsseldorfer Schauspieler Lars Pape hat gemeinsam mit Starter Holger Schürmann 1169 Supporter davon überzeugt, dass es sich lohnt in diesen Film zu investieren. Das Besondere dabei: Pape und Schürmann sind klar als Fortuna-Fans zu erkennen, sie erlangen ihr Glaubwürdigkeit gerade nicht über journalistische Unabhängigkeit, sondern über ihre sichtbare Verbundenheit mit dem Thema.

Vielleicht ist es Zufall, vielleicht lässt sich daraus aber auch etwas für journalistische Crowdfunding-Projekte ableiten. Zumindest dies: Wer Geld für ein Projekt einsammelt, muss begründen können, warum ausgerechnet er oder sie es bekommen soll. Ein Bezug zum Thema schadet dabei offenbar nicht.

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Happy Birthday, CD!

Man muss Feste feiern wie sie fallen. Und im amerikanischen Technologie-Netz fallen sie halt anders als bei „Hallo Niedersachsen“. Dort hatte der NDR schon im August gefeiert, was NextWeb (und andere) erst gestern ausriefen: The CD is 30 Years Old Today.

Das ist schön und man möchte – Achtung wichtiges Synonym – der Silberscheibe ein fröhliches (wenn auch wegen der Terminunklarheit leicht verwirrtes) Herzlichen Glückwunsch zurufen. Passenderweise fallen die Geburtstagsmeldungen für mich aber zusammen mit dem Besuch in einem Elektrogroßmarkt vor ein paar Tagen. Ich war dort, um etwas zu tun, was ich früher sehr häufig machte: ich wollte eine CD kaufen.

In meiner Erinnerung tun das viele Menschen. Es gibt ganze Abteilungen, die Menschen mit diesem Wunsch bedienen. Man kann dort Probehören, man kann in Ruhe durch das Angebot stöbern und auf kleinen Stapeln an der Kopfseite der Regale werden einem besondere Fundstücke angeboten.

So war das in meiner Erinnerung.

Die Wahrheit hingegen war etwas deprimierend.

Während eines Einkaufs war mir eingefallen, dass ich die DVD-Box der zweiten Staffel von West Wing gerne anschauen würde. Da ich eh unterwegs war, betrat ich also den Elektrogroßmarkt, dessen Angebot ich seit Ewigkeiten mal wieder mit den Augen des (im weitesten Sinn) Kulturinteressierten ansah. Und ganz klar: die Präferenzen sind verschoben. Im vorderen Bereich geht es nicht mehr um Musik- oder Film-, sondern um Kaffeekultur. Unfassbar viele Brühautomaten muss man passieren, um in den weiter hinten liegenden Bereich für Computerspiele, Musik und Filme vorzudringen.

Dort scheinen die Einkaufs-Architekten vor allem den Vorteil des ziellosen Stöberns in den Vordergrund des Shopping-Erlebnis rücken zu wollen. Eine alphabetische Sortierung des DVD-Angebots fehlte jedenfalls völlig. Stattdessen stapelten sich Box-Angebote regionaler Serienhits neben amerikanischen Arzt-Serien und softpornografischen Einzelfilmen. Die Gefahr, Kinder, die natürlich auch Zugang zu diesem Ladengeschäft haben, diesem Einfluß auszusetzen, hatte man eigentlich eher im Netz vermutet, wohin ich mich nach ratlosen fünfzehn Minuten zum Einkaufen verabschiedete (im Webangebot des Großmarkts fand ich übrigens lediglich die erste West Wing-Staffel – zum Ausleihen).

Keine Sorge, das hier soll kein Abgesang auf das lokale CD-Geschäft sein. Im Gegenteil, der traurige Besuch im Großmarkt zeigte mir vor allem, wie toll, inspirierend und vermissenswert ein echtes Plattengeschäft ist. Ich frage mich vielmehr: Was ist da eigentlich passiert seit meinem letzten Besuch in einer CD-Abteilung? Man hat die Blueray-Disc erfunden, es gibt Spielkonsolen und Umsätze mit Games. Darüberhinaus scheint aber jede Form von Neuerung auf die anderen Abteilungen verteilt worden zu sein. Vor Schlafplatzgroßen Fernsehbildschirmen bewegen sich Menschen mit 3D-Brillen, bei den Brühautomaten wird Kaffee gereicht und vor den Boxen mit Mobilfunk-Logos stehen Handybesitzer Schlange. Im CD-Bereich laufen zwar auch Menschen umher, aber suchend, fragend, ratlos.

Vermutlich bin ich selber Schuld: Ich habe mich einfach von den digitalen Angeboten weglocken lassen und muss jetzt vor Ort mitansehen, was aus den CD-Abteilungen geworden ist. Doch auch im Online-Angebot des Shops finde ich nur 26 Einträge zum Unterpunkt „TV-Serie“ (die übrigens etwa die oben beschriebene Mischung abbilden) und werde das Gefühl nicht los:

Man will mich hier gar nicht als Kunde.

karlsruhe__

Eine neue Idee ist verfügbar

In den vergangenen Tagen ist einiges passiert. Ich habe u.a. in Karlsruhe im Rahmen der dringend zu empfehlenden Ausstellung Deja-Vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube mit Wolfgang Ullrich übers Kopieren geredet und dabei direkt vor Anselm Feuerbachs Das Gastmahl des Plato die Ideen aus Mashup vorstellen dürfen (siehe oben: Messidona vor Feuerbach, Foto: Kunsthalle Karlsruhe). Das war nicht nur deshalb sehr interessant, weil es irgendwie zum Unteritel von Wolfgang Ullrichs sehr lesenswertem Buch Raffinierte Kunst passt: Übung von Reproduktionen.

Geübt habe ich dabei indirekt für eine kleine Idee, die ich als neues Buch in die Tat umsetzen will. Sie trägt den Titel „Eine neue Version ist verfügbar“ und soll im Herbst beginnen. Es geht um die zentrale Frage, die in Mashup noch von der Urheberrechtsdebatte verdeckt wurden: Wie verändert die Digitalisierung Entstehung, Rezeption und Vertrieb von Kunst und Kultur?

Ich glaube, dass sie sie auftaut und verflüssigt. Ich glaube, dass der veränderte Aggregatzustand eine veränderte Perspektive nach sich zieht, die ich in dem Projekt erörtern will. Wer sich dafür interessiert, ist eingeladen, sich hier einzutragen und Freunde und Bekannte einzuladen.

Zum Einstieg habe ich eine kleine Playlist mit 24 Songs erstellt, die zum Thema passen. Mehr dazu gibt es hier und zur Einstimmung hier PeterLichts Fluchtstück:


Mashup @ #rp12

Nein, das Bild vom Klassentreffen stimmt nicht. Die republica ist viel besser als es eine Schule je sein könnte. Ich durfte diese Erfahrung in diesem Jahr auf der Stage 5 machen (wo ich die Ideen meines Buchs vorstellen durfte) und bin immer noch begeistert vom Feedback. Euch allen: Vielen Dank!!

Zur Dokumentation für alle, die dabei waren und zur Inspiration für alle, die nicht dort waren, hier zumindest die Clips aus dem Vortrag. Sollte es einen Mitschnitt geben, werde ich ihn hier posten. Bis dahin die Videos, die aufmerksame Blog- und Buchleser vielleicht schon kennen könnten.

Ende 2011 gab es in Berlin eine Austellung namens Scratch’n’Cut, deren Trailer sehr anschaulich illustriert, was eigentlich ein Mashup ist:

Zur Veröffentlichung des Deichkind Albums „Befehl von ganz unten“ erschien zum Jahreswechsel der Text über den Soundtrack der Digitalisierung: den Song Illegale Fans

Wiederholt war in diesem Blog bereits die Diebstahl-Debatte Thema, die einzigartig von Nina Paleys Copying Is Not Theft-Film auf den Punkt gebracht wird.



Außerdem immer wieder schön: die traumhafte Kopie des Lionel Messi:

P.S.: Das Numa-Numa-Video muss man leider außerhalb von YouTube suchen. Für den Ohrwurm hier zumindest das Lied.

Will.i.am Shakespeare

Es ist mal wieder an der Zeit, Beispiele für die Schönheit des (Re-)Kombinierens zu zeigen: Dieses Mashup-Poster bringt Ghostbusters mit Space Invaders zusammen. Das sieht schön aus und ist mir Anlass für den Hinweis auf den Auftritt von Eclectic Method beim Scratch’n’Cut Ende Oktober in Berlin. Electric Methods machen audiovisuelle Mashups, die funktionieren wie dieser kleine Beispiel-Clip hier:


Im Rahmen der Ausstellung, die bis Ende November in Berlin zu sehen sein soll, bringt Lukas Feireiss sie unter anderem mit Lee Perry zusammen – um zu zeigen, wie Referenzen und Bezüge schon immer unsere Kultur prägten.




Die Ausstellung mit dem (ebenfalls referenzierten Titel) „Scratch’n’Cut All Remix Everything“ läuft vom 28. Oktober bis zum 28. November in Berlin:


10 Jahre jetzt.de

jetzt.de wird zehn – und feiert im großen Jubiläums-Sommer unter dem Motto Komm küssen: 10 Jahre jetzt.de auch eine Party: am 23. Juli im Import/Export in der Münchner Goethestraße!.

Außerdem erscheint am 8. August auch ein großes Jubiläumsheft von jetzt.de auf Papier als Beilage in der Süddeutschen Zeitung. Ein ganzes Magazin zum Thema Internet! Um die Zeit bis zur Lektüre am 8. August ein wenig zu verkürzen: Hier die offizielle Einladung an alle meine Blogleserinnen und -leser:


Kommt am 23. Juli ins Import/Export!

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Martins-Moral im digitalen Raum

In den vergangenen Tagen war (auch hier) viel von einem guten Mann die Rede, der sich selbstlos gab und teilte: Sankt Martin gibt dem frierenden Bettlersmann die Hälfte seines Mantels und wird deshalb noch heute von Laternenbeleuchten Kindern besungen. Zum Beispiel mit dem Martinslied, in dessen finaler Strophe dem Martin im Traum der Herrgott erscheint:

Der spricht: „Hab Dank, du Reitersmann,
für das, was du an mir getan.“

Es ist ganz klar: der reitende Martin wird zum Vorbild für alle Kinder. Er sieht die Not des anderen und teilt. Er gibt von dem, was er hat, damit auch der Bettler etwas bekommt.

Soweit die Martins-Moral. Was aber, wenn diese nicht im Kinderlied, sondern im realen Leben Anwendung findet? Was, wenn die singenden Kinder die gelernte Moral vom Teilen auch im Digitalen ernst nehmen? Hier können sie zwar keinen Mantel teilen, aber zum Beispiel eine MP3-Aufnahme vom Martinslied. Das Tolle dabei: Sie teilen es, ohne selber weniger zu haben. Sie haben also eine Lösung, die noch viel besser ist als die vom Martin (denn dass er selber nur noch einen halben Mantel hat, kann niemand ernsthaft als die optimale Lösung beschreiben wollen). Doch im Traum tritt in diesem Szenario nicht der Herrgott, sondern der Abmahnanwalt auf

Der spricht: „Unterlasse nun, du Diebesmann,
was du dem Rechteinhaber hast angetan.“

Nicht nur das Versmaß ist darin ganz korrekt, auch die zugrunde liegende Moral ist einem Kind (und nicht nur dem) nur schwer vermittelbar.

Dabei ist mir durchaus bewusst, dass der Vergleich hinkt, die moralischen Implikationen sind aber dennoch vergleichbar: Teilen und teilen ist nicht das Gleiche. Und merkwürdiger Weise soll das Teilen, bei dem beide nur die Hälfte haben, das besserer Teilen sein.

Heute vormittag musste ich ein Auto in der Innenstadt parken. Ich löste am Parkautomaten ein Ticket für zwei Stunden Parkzeit. Nach einer Stunde war mein Termin zuende, ich stieg in mein Auto und gab den Parkplatz wieder frei. Das Parkticket habe ich an den Automaten geklemmt, weil es schließlich noch gültig war. Darf ich das? Darf jemand das von mir gelöste Ticket weiterparken? Mache ich mich damit starfbar?

Die Tatsache, dass ich mir die Frage in diese Richtung stelle, zeigt, wie stark der (falsche) moralische Einfluß bereits ist. Denn wenn wir überhaupt übers Stehlen nachdenken in einem Bereich, bei dem niemandem etwas weggenommen wird, ist doch die einzig berechtigte Frage, die wir uns stellen sollten: Darf die Stadt diesen Platz nun eigentlich erneut vermieten? Oder begeht sie einen Diebstahl an mir, denn ich habe ja schließlich für die volle folgende Stunde noch bezahlt und damit Anrecht auf den Parkplatz – und sei es, um ihn autofrei zu halten …

Vielleicht sollte ich mal Dr. Erlinger fragen.