Alle Artikel mit dem Schlagwort “Shruggie

Bringt bitte Gold mit! (Was würde der Shruggie tun? 006)

Was würde der Shruggie tun? – Antworten vom sprechenden Emoticon aus „Das Pragmatismus-Prinzip“ ist ein Podcast mit Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen und gibt es hier bei iTunes, hier bei Soundcloud und hier als RSS-Feed.

Endlich, der Lieblings-Podcast ist wieder da: die Bringt bitte Gold mit-Folge behandelt so viele Themen wie (fast) noch nie. Von Algorithmen-Coolness bis zum Zauber des schlechten Wetters – aber vor allem: Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen freuen sich mit dem sprechenden Emoticon aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ auf den 14.3. zum Live-Podcast in München!

Das sagen sie auch ständig – und beantworten zwischendurch diese Fragen …

… von @smandel_8 von @reportagenfm: Warum finden die coolen Kids David Guetta so scheiße?
… von @thibaudroth: Ich hab so viel zu lesen und komme nicht hinterher. Was tun?
… von @lachsdieb: Warum gibt es keine gute Wetterapp?
… von der Straße: Wie tue ich das Gute?
… von @bastiHosan: Warum ist das Reisen mit der Bahn so anstrengend?
… von @Steinlein: Wie steht der Shruggie zum Verloben?

Da willst du auch mal dabei sein? Dann stell dem Shruggie jetzt deine Frage. Schreib sie in seinen iTunes-Feed in die Kommentare oder sprich sie ihm auf den Anrufbeantworter (0174 350 3082)

Zum Nachhören gibt es hier…
… die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“,
… die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“
… die zweite reguläre Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“
… die dritte reguläre Folge „Rückruf vom Smiley
… die vierte reguläre Folge „Jetzt rufen wir mal an!
… die nächste Folge wird live im Lovelace in München aufgenommen, vor Publikum. Komm vorbei: 14.3. 20:15 Uhr Komm vorbei, der Eintritt ist frei!

Die offizielle Veranstaltungseinladung bei Facebook

Shownotes:
> Hier kann man die Box von Yannic sehen
> Hier hat t3n den aktuellen Hype Vero erklärt.
>So sieht es aus, wenn man im Lovelace aus dem Fenster schaut
> Hintergrund zum temporären Hotel Lovelace in der SZ
> Twitter-Like für Reportagen FM
> Was Lustiges von David Guetta
> Das Stimmen der Radiohead-Gitarren ist ein neuer Song?
> Hier gehts zu Instapaper und hier zum Pragmatismus-Prinzip.
> Das Hörbuch von „Der Mann ohne Eigenschaften“, aus dem das Wort „Möglichkeitssinn“ stammt, das hier schon mal Thema war.
> Zum Thema Ambiguitätstoleranz: eine ganze Folge
> „Eins zu eins ist jetzt vorbei“ stammt aus dem Tocotronic-Song „Neues vom Trickser“
> Was ist der DMCMUC? Hier ist die Antwort – denn der Shruggie war auch da.
> Alles Leben ist Problemlösen – das Buch von Karl Popper
> Bitte Christoph mal fragen, was es mit seinem Twitter-Handle auf sich hat
> Das Zitat „Das Problem ist nicht das Problem, sondern deine Haltung zu dem Problem“ stammt von Jack Sparrow
> Hier geht es um das Prokrustes Bett
> Hintergründe zum Eheschließen in München
> Die Nora-Kette von Thomas Anders

Falls du nicht persönlich zum Live-Podcasting kommen kannst, schicke vorab deine Frage 0174 350 3082!

Jetzt rufen wir mal an! (Was würde der Shruggie tun? 005)

Was würde der Shruggie tun? – Antworten vom sprechenden Emoticon aus „Das Pragmatismus-Prinzip“ ist ein Podcast mit Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen und gibt es hier bei iTunes, hier bei Soundcloud und hier als RSS-Feed.

Alles neu in dieser Folge: Wir rufen zurück! Der Hauptteil besteht natürlich aus dem bewährten Konzept: Der Shruggie, das sprechende Emoticon aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ beantwortet eure Fragen. Aber bevor wir damit beginnen, überwindet Yannic Dirks Angst und ruft in einer Berliner Mehrzweckhalle an. Und ganz am Ende gibt es noch eine Podcast-Exklusive Überraschung und Einladung. Aber vorher beantwortet der Shruggie in dieser Folge diese Fragen:

… wie wird der Shruggie zitiert? von @zweidreiraum
… warum hat die Maria so viele Pflaster?
… was tun gegen Windelüberforderung?
… kommt jetzt „schurkel“? (von @basti_hosaN)
… soll ich nachträglich noch verweigern? (- mit Bezug zum @szmagazin!)
… „..,“ fragt: Verliebt sich wirklich alle 11 Minuten jemand über Parship?

Da willst du auch mal dabei sein? Dann stell dem Shruggie jetzt deine Frage. Schreib sie in seinen iTunes-Feed in die Kommentare oder sprich sie ihm auf den Anrufbeantworter (0174 350 3082)


Zum Nachhören gibt es hier…

… die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“,
… die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“
… die zweite reguläre Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“
… die dritte reguläre Folge „Rückruf vom Smiley
… die vierte reguläre Folge „Jetzt rufen wir mal an!

Shownotes:
> Das Thema „Podcast schneller hören“ wurde hier schon mal ausführlich besprochen.
> Das Interview im Deutschlandfunk, auf das sich Julius bezieht, lief am Silvester-Morgen – und kann hier nachgehört werden
> Das Buch, in dem das Internet perfekt zitiert wird, heißt „Kultur der Digitalität“ und ist von Felix Stalder
> Der Shruggie schlägt vor sich so zitieren zu lassen: Der Shruggie: „Google ist eine Suchmaschine“, zitiert nach Yannic Hannebohn, Dirk von Gehlen (2018): Podcast ‚Was würde der Shruggie tun?‘, Folge 5 vom 3. Februar
> Hier war der Shruggie im Fernsehen
> Die Einschätzung von Sascha Lobo („erste Emoji-Philosophie“) steht hier in seiner Spon-Kolumne
> das Default-Internet-Feeling-Zitat steht hier
> Aushalten ist tatsächlich von Joko&Klaas
> Mehr über Daniel Kahneman hier – und im Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“
> Der Film, den Dirk vergessen hat, heißt Der seltsame Fall des Benjamin Button
> Der Hashtag #diesejungenleute – und der Bezug zum Shruggie
> Der Streisand-Effekt und die SPD
> Zum Thema „Gegenteiltag“: Anleitung zum Unglücklichsein
> Dr. Dr. Erlinger ist der Gewissens-Experte vom SZ-Magazin
> Hier geht es zu den Sat1-Nachrichten
> Der Fidget-Spinner-Hate-Song von Phil Laude
> Das Mediatheken-Portal heißt shelfd.com
> Wenn Ihr uns folgen wollt: Yannic und Dirk sind in Social-Media!

!!! Am 14.3. sind wir live im Lovelace-Hotel in München – vormerken und kommen! !!!

> Falls Ihr nicht persönlich zum Live-Podcasting kommen könnt, dürft Ihr vorab Eure Fragen einschicken: Melde dich bei uns – oder beim Shruggie unter der Nummer 0174 350 3082

Bist du sicher?

Für das Weblog des Piper-Verlags habe ich aufgeschrieben, was hinter meinem neuen Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“ steckt. Auf der Website habe ich auch fünf Fragen zum Buch beantwortet.

Vielleicht kann man den Zustand der Welt am besten mit diesem kleinen Bild auf meinem Smartphone beschreiben. Ich habe die Einstellungen in meinem Instagram-Profil geändert und erhalte jetzt eine Rückmeldung von dem Programm, die aus der scheinbar einfachen Frage besteht „Bist Du sicher?“

Bin ich sicher? Kann man das in dieser komplexen Welt überhaupt noch sein: sicher? Ich halte einen Moment inne und betrachte die Antwort-Optionen, die aus diesem Dialogfeld ein Symbol für den Zustand der Welt machen. Denn dort steht nur „Ja, ich bin mir sicher“ und „Abbrechen“. Anders formuliert: Hier geht es nur für diejenigen weiter, die sich sicher sind. Nur die kommen durch, die der Meinung sind, es verstanden und zumindest recht zu haben. Für alle anderen bleibt nur „Abbrechen“.

Schon klar, das Dialogfeld ist als Bestätigung in der App gedacht, aber als Bild ist es eben so viel mehr: Es ist das perfekte Symbol für das Dilemma, in dem sich immer mehr Menschen befinden, die sich nicht mehr sicher sind. Aus unterschiedlichen Gründen fühlen sie sich überfordert – von der gefühlten Beschleunigung, von den Veränderungen oder vom Fremden. Sie sind unsicher – und klicken aus diesem Gefühl auf „Abbrechen“. Was in ihrem Fall bedeutet: Sie wollen zurück. Zurück in eine alte Währung, zurück in den eigenen Nationalstaat aber vor allem zurück in die Zeit, als sie selber jung und sich noch sicher waren.

Die Vergangenheit ist in vielen gesellschaftlichen Debatten zum Maßstab des Handelns geworden. Das Neue, das Fremde, das Verstörende hat kein besonders gutes Image; das Bewahren und Abwehren bestimmt die Debatte. Der Grund liegt an dem oben zitierten Dialogfeld. Wenn es für die, die unsicher sind, keine andere Option als „Abbrechen“ gibt, dann führt deren Überforderung fast zwangsläufig zur Rückbesinnung und zum Ausstieg aus einer Debatte des Gestaltens.

Ich glaube wir müssen uns eine andere Option erlauben. Ein Feld, das heißen könnte: „Ich bin mir nicht sicher, aber das ist kein Problem. Ich probiere es aus und lernen“. Ein solches Feld könnte auch mit dem schulterzuckenden Emoticon des Shruggie illustriert sein. Denn er steht meiner Meinung nach für diese Haltung, die ich Kulturpragmatismus nenne. Eine Sicht auf die Welt, die sich zwischen die sicheren Prognosen der Pessimisten und Optimisten setzt und den Wert der Zukunft nicht als geben versteht, sondern abhängig von unserem Zutun.

Diese Haltung fehlt nicht nur in dem Dialogfeld auf meinem Smartphone. Sie würde auch weltweit helfen – all den Menschen, die sich Angst machen lassen von den Überforderungs- und Untergangsszenarien, die häufig von denen bedient werden, die damit nur den Boden bereiten wollen für ihre eigenen, einfachen Lösungen. Denn in einer Welt der Angst und der Sorge sind Menschen viel empfänglicher für die vereinfachende Weltsicht der Populisten. Der Shruggie stellt sich dieser Angstpolitik in den Weg und plädiert für einen offenen Pluralismus, der immer wieder fragt: „Was, wenn das Gegenteil richtig wäre?“

Auf diese Weise stimuliert der Shruggie die Unsicherheit sogar. Denn sie ist für ihn kein Problem, sondern der Ausgangspunkt für einen Perspektivwechsel, der nötig ist, um Neues zu entdecken. Denn die beste Antwort auf die Frage „Bist Du sicher?“ lautet in Wahrheit: ¯\_(ツ)_/¯

Das Pragmatismus-Prinzip ist bei Piper erschienen. Man kann es hier bei Amazon bestellen, beim lokalen Buchhändler oder direkt auf der Website des Verlags. Unter shruggie.de habe ich alle Infos zum Buch gebündelt. Dort ist auch der Podcast „Was würde der Shruggie tun?“ verlinkt.

Rückruf vom Smiley (Was würde der Shruggie tun? 004)

Was würde der Shruggie tun? – Antworten vom sprechenden Emoticon aus „Das Pragmatismus-Prinzip ist ein Podcast mit Yannic Hannebohn und Dirk von Gehlen und gibt es hier bei iTunes, hier bei Soundcloud und hier als RSS-Feed.

Es wird viel gelacht in dieser Folge, die man unbedingt bis zum Ende anhören sollte. Denn in der letzten Fragen lernen wir einen alten Bekannten kennen, der nochmal anruft. Quasi nebenbei werden die ganz großen Fragen beantwortet: Es geht um den Rundfunk in der Schweiz, ums Alleinreisen, Berliner Turnschuhe und sowas Banales wie den Sinn des Lebens. Der Shruggie, das sprechende Emoticon aus dem Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, stellt sich all diesen Themen – und lässt sich auch von Aufnahmewidrigkeiten nicht aus der Bahn werfen. Deshalb kommt hier die dritte reguläre Folge des Laberpodcasts „Was würde der Shruggie tun?“ mit dem Titel Rückruf vom Smiley, in dem wir diese Fragen hören:

… die Cliffhanger-Frage aus der Ambiguitäts-Folge von @tran_vominhthu, in der es um Mobbing geht.
… die Eine-Milliarde-Franken-Frage von @metamythos aus der Schweiz
… die Frage nach dem BVG-Sneaker
… ein kryptische Frage zu Crypto-Themen von @philippaaron
… die Frage nach dem Sinn des Lebens – anonym über @voctag
… die Frage von @alicehasters von @feuerundbrot nach Reisetipps
… den Rückruf vom Smiley

Da willst du auch mal dabei sein? Dann stell dem Shruggie jetzt deine Frage. Schreib sie in seinen iTunes-Feed in die Kommentare oder sprich sie ihm auf den Anrufbeantworter (0174 350 3082)


Zum Nachhören gibt es hier…

… die Teaserfolge „Bei Anruf ratlos“,
… die erste reguläre Folge „Heimspiel am Tisch Pragma“
… die zweite reguläre Folge „Getting Ambiguitätstoleranz With It“

Shownotes:
> Vorab ein Dankeschön an @filid, für die großartige Shruggie-Box! – und das passende Wallpaper.
>Das zitierte Buch von Heinrich Böll heißt Murkes Gesammeltes Schweigen und handelt vom Innenleben des WDR. Die angesprochene Kopier-Stelle habe ich auf Instagram gepostet.
> Die zitierte Idee von Netzpolitik stammt aus dem Jahr 2009 und steht hier
> Hintergrund zur Abstimmung in der Schweiz gibt es hier
> Hintergrund zum BVG-Sneaker gibt es hier. Zu der Social-Media-Kampagne habe ich vor einer Weile mal Peter Wittkamp interviewt. Und der angesprochene BVG-Song heißt Is mir egal und stammt von Kazim Akboga.
> Hintergrund zu Begriff der Ressourcenorientierung.
> Hier kann man Wetterpate werden – und die Seite vom Unicode-Consortium gibt es hier
> Die App Voctag gibt es hier im App-Store
>Wer sich für das Bild vom Kochen mit dem, was man im Kühlschrank hat, interessiert, sollte bei Michael Faschingbauer nachlesen, der ein gutes Buch über Effectuation geschrieben hat.
> Der Podcast von Alice Hasters (und ihrer Freundin Maxi) heißt Feuer und Brot und ist dringend zum Anhören empfohlen!
> Das zitierte Interview mit dem Angstforscher steht hier
> Der erste Anruf vom Smiley ist hier zu hören

> Falls Du Hausmeister einer Mehrzweckhalle bist und uns zum Live-Podcasting einladen möchtest: Melde dich bei uns – oder beim Shruggie unter der Nummer 0174 350 3082

Bloss nichts falsch machen (Digitale November-Notizen)

Dieser Text ist Teil der November-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Es gab diesen Moment im Wahlkampf 2017 als sich in meinem Timeline genannten Bekanntenkreis der Gedanke zu verfestigen begann, die FDP als wählbare Partei wahrzunehmen. Ob nicht deren sehr digital geprägte Kampagne, die das neue Denken in den Mittelpunkt zu stellen versuchte, genau auf uns zugeschnitten sei, fragte einer – und bekam nicht wenig Unterstützung für den Ansatz. Es wäre, bemerkte eine andere, ja genau jetzt Zeit für eine wirkliche liberale Politik. Eine, die die Freiheit nicht bloß als wirtschaftliche Kategorie versteht, sondern als Gegenmittel gegen die Vereinfacher und Prediger von allen Seiten.

Es war dann die FDP selber, die mit ihrer Tagespolitik in NRW der Hoffnung auf einen solchen liberalen Ansatz einerseits und der Option, sie für wählbar zu halten andererseits, die Grundlage entzog. Und das Ende der Jamaika-Verhandlungen in der Nacht zu Montag bestätigt diesen Eindruck noch einmal. Dass die offenbar seit Donnerstag vorbereitete Inszenierung politisch verantwortungslos und skandlös ist, hat Heribert Prantl sehr anschaulich kommentiert. Mich interessiert an dem Jamaika-Ende aber vor allem der Slogan, den die Partei dem ganzen gegeben hat. Denn damit ist der FDP – vermutlich ohne Absicht – ein Kunststück geglückt. Mir fällt kein Satz ein, der die Verzagtheit, die Vergangenheitsverklärung und Mutlosigkeit dieses Landes besser auf den Punkt bringen könnte als Lindners Motto:

Lieber nicht regieren als falsch

ist das innerhalb von Minuten zum politischen Klassiker gewordene Symbol für den Zustand dieses Deutschlands im Jahr 2017. Nie ist die Liebe zum Status Quo und die damit verbundene „Bloß nichts falsch machen“-Haltung besser auf den Punkt gebracht worden als in diesem Satz, von dem die FDP absurderweise auch noch glaubt, sie drücke damit Standfestigkeit aus (dass sie dafür aber auch Grundwerte benennen müsste, darauf hat Mario Sixtus richtigerweise hingewiesen). Dieser Satz ist zum Leitmotiv für eine Haltung geworden, in der Zukunft eher als Bedrohung denn als gestaltbarer Raum wahrgenommen wird. Dort gibt es kaum etwas zu gewinnen, aber sehr viel zu verlieren.

Von den taktischen Ränkespielen in Berlin verstehe ich zuwenig um einzuschätzen, was genau die FDP dazu trieb, sich in diesen Satz zu versteigen. Ich verstehe aber, dass dieser Satz genau das Gegenteil dessen ist, was im Wahlkampf Teile meiner Timeline dazu brachte, kurzzeitig positiv über die FDP zu denken. Der Gestus, den die FDP mit Slogans wie „Digital First – Bedenken Second“ oder „Schulranzen verändern die Welt – nicht Aktentaschen“ zu imitieren versuchte, richtet sich exakt gegen den Satz, den Lindner nun zum Parteimotto erhoben hat. Die Startup-Mentalität des Ausprobierens, eine positive Fehlerkultur und die Bereitschaft, Dinge „falsch“ zu machen – all dies sind Ideen, die diejenigen schätzen, auf die es die FDP-Kampagne abgesehen hatte. Es gibt keinen Satz, der ihnen klarer machen könnte, dass all dies nur gespielt war, als das Lindner Mantra vom „lieber nicht als falsch“. (Foto: via Facebook)

Das Merkwürdige an diesem Satz ist, dass er sogar von den anderen Jamaika-Verhandler unterschreibbar wäre. Johannes analysiert sehr treffend: „Hinter all den Streitthemen – Klima, Flüchtlinge, Energiepolitik, Finanzen etc. – sehe ich aus der Ferne immer ein bisschen diesen parteiübergreifenden bundesbürgerlichen Wunsch hervorlugen: einen Status Quo, der auch in der Zukunft funktioniert.“ Und man kann ergänzen: Martin Schulz hat heute bewiesen, dass auch von der SPD kaum Gestaltungswille zu erwarten ist. Der Mann, der im Wahlkampf kurz so tat als wolle er Angela Merkel ablösen, hat heute ohne jegliche Verhandlung, die Option einer neuerlichen Großen Koalition ausgeschlossen. Warum eigentlich hat er das nicht vor der Wahl getan? Und warum eigentlich geht die SPD nicht mit echten Forderungen jetzt in eine solche Verhandlung? Hätte Schulz nicht zum Beispiel anbieten können, dass er nur ohne Merkel über eine Große Koalition verhandelt? Lieber nicht – nachher legt das noch jemand als falsch aus…

Das Ärgerliche an dem Lindner-Motto ist aber vor allem, dass es ein gängiges Missverständnis von Demokratie offenlegt: Der Wettstreit von Ideen, als den wir Politik verstehen, zielt nicht darauf ab, nur das zu tun, was einer für richtig hält. Der demokratische Wettstreit von Ideen ist im Gegenteil genau darauf angelegt, etwas falsch zu machen. Kompromisse sind per se das, was eine Seite für „nicht richtig“ hält. Wer nur dann regiert, wenn er alles richtig machen kann, hat eine zutiefst undemokratische Vorstellung vom Regieren. Deshalb ist der Satz abseits all der mutlosen Verzagheit so ärgerlich, er ist demokratisch falsch. Jenny Kallenbrunnen hat dies an Beispielen illustriert…

… die man um „Bewegen“ erweitern kann. Es ist nämlich eben nicht besser sich gar nicht zu bewegen als sich falsch zu bewegen. Und Demokratie funktioniert wie ein Muskel. Sie wird unter Belastung stärker. Dafür muss sie aber trainiert werden. Wer jedoch vor lauter „Bloss nichts falsch machen“ in Bewegungslosigkeit verfällt, lässt den Muskel verkommen.

Deshalb kann man auf eine sehr ironische Weise der FDP heute dankbar sein. Sie hat darauf hingewiesen, dass dem Land eine Idee davon fehlt, wie man in diesem Land mit dem Neuen, dem Ungewissen und Unbekannten umgehen will – selbst dann, wenn es den Status Quo herausfordert. ¯\_(ツ)_/¯


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Hoffnung für besorgte Bürger

Am Wochenende durfte ich im Rahmen des Zündfunk Netzkongress ein Lob auf das Smartphone singen. Es geht in dem Beitrag – der hier im Netz steht – auch um das Smartphone, aber vor allem geht es um ein anderes Verhältnis zum Neuen, zum Unbekannten.

Der Vortrag basiert in weiten Teilen auf dem, was ich im in einem Buch zusammengefasst habe, das im Januar 2018 bei Piper erscheint. Es heißt „Das Pragmatismus-Prinzip“ und fasst im Untertitel zusammen, worum es mir in Vortrag und Buch geht: „Zehn Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen“

Ich glaube, dass es an einem hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft fehlt. Das Morgen ist Optimisten wie hierzulande vor allem Pessimisten ein mit ihren Wünschen und vor allem Sorgen beschriebenes Blatt und viel zu selten ein offener, ein gestaltbarer Raum. Um es mit den Worten der sehr tollen Rebecca Solnit zusammenzusammen: Wir brauchen mehr Hoffnung. Sie schreibt:

Hoffnung ist die Umarmung des Unbekannten und dessen, was man nicht wissen kann. Hoffnung ist eine Alternative zu der Gewissheit, die Optimisten und Pessimisten gleichermaßen ausdrücken. Optimisten denken alles werde sich zum Guten wenden ganz ohne unser Zutun; Pessimisten nehmen die gegenteilige Haltung ein – beide finden darin eine Entschuldigung dafür, nicht selber aktiv zu werden.

Braucht man das? Noch bevor man mir nach dem Vortrag am Freitag die Frage stellen konnte, beantwortete die Bild-Zeitung sie übrigens per Titelzeile: „Deutschlands Schüler immer schlechter“ stand auf der Seite eins der Samstags-Ausgabe. Die Zeile sollte eine „Alarm-Studie zum Schreiben, Rechnen, Zuhören“ verkaufen und lieferte den perfekten Beweis für das, was ich in Vortrag und Buch kritisiere: Den Alarmismus, der vor allem darauf basiert, dass nach uns immer nur Niedergang kommt. Niemals würde irgendjemand behaupten, dass die nachfolgende Schülergeneration jetzt aber mal wirklich klüger und smarter sei als man selber. Immer wird behauptet, dass früher noch richtig gelernt, geschrieben, gerechnet und zugehört wurde. Muss ja auch so sein: Denn früher war man ja selber dabei.

Ich traue diesem Alarmismus nicht. Wo immer Hysterie und Panik geschürt werden, antworte ich mit dem Shruggie: ¯\_(ツ)_/¯ und frage mich: Und wenn das Gegenteil richtig wäre?

Diese Frage und die zugrunde liegende Haltung, die ich in Das Pragmatismus-Prinzip in zehn Gründen zusammnengefasst habe, scheint mir die beste Versicherung gegen den selbstgerechten Alterungsprozess zu sein, bei dem am Ende immer nur die eigene Vergangenheit als Maßstabe gilt – und nie die Zukunft als gestaltbarer Raum. Deshalb gilt: Für mehr ¯\_(ツ)_/¯!

Ein Vuja-de für die grüne Zukunft (Digitale Juni-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Juni-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Nur der, der sich die Gegenwart auch als eine andere denken kann als die existierende“, hat der Philosoph Theodor W. Adorno mal gesagt, „verfügt über eine Zukunft.“ Ich musste an dieses Perspektiv-Spiel von Gegenwart und Zukunft denken als ich dieser Tage den heimlichen Mitschnitt dessen sah, was Winfried Kretschmann über die Zukunft der Mobilität sagt. Kretschmann ist Ministerpräsident in Baden-Württemberg und in dem kurzen Clip erläutert er, warum er es für unvorstellbar hält, dass die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren in Autos nur noch bis 2030 möglich sein soll (danach müssten auch die in seinem Bundesland ansässigen Autohersteller auf andere Antriebe umgestellt haben). Die Grünen haben diese Begrenzung für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren für das Jahr 2030 auf ihrem Parteitag beschlossen. Für Kretschmann sind das „Schwachsinns-Termine“ kann man in dem Clip hören – über dessen fragwürdige Entstehung der Kollege Stefan Braun alles Relevante bei der SZ notiert hat.

Viel wichtiger als die Entstehung des Clips ist mir aber die Tatsache, dass Winfried Kretschmann sich offenbar keine andere Gegenwart (an deutschen Tankstellen) vorstellen kann als die existierende. Er erklärt in einer kurzen Sequenz, dass sein Hauptargument gegen den Plan sei, dass er keine Ahnung davon hat, wie die Fahrzeuge betankt aufgeladen werden sollen: „Jetzt überlegt dir mal: Es fahren fünf Millionen Elektroautos rum. Wo tanken die? Jetzt nimm mal eine ganz normale Tankstelle wie wir sie heute haben. Wir haben an großen Tankstellen vielleicht Platz für zehn Autos, die da auf einmal tanken können. Jetzt dauert das bei denen aber zwanzig Minuten. Jetzt! Wie soll das funktionieren?

Mal abgesehen davon, dass die Studien zur Elektromobilität den Verdacht nahelegen, dass Autos effektiv ohnehin so wenig bewegt werden, dass sie problemfrei in der Nacht am heimischen Stellplatz betankt geladen werden könnten. Und ebenfalls abgesehen davon, dass neue Technologien nicht fertig sind, sondern sich immer weiter entwickeln: Diese Analyse von Winfried Kretschmann ist nicht deshalb interessant, weil sie parteiinterne Streitereien offenlegt. Diese Aussagen des baden-württembergischen Ministerpräsidenten sind so interessant, weil sie für einen Mangel an etwas stehen, was Robert Musil mal „Möglichkeitssinn“ genannt hat. Realo sein, heißt für Winfried Kretschmann offenbar vor allem nach dem Motto zu denken: Gibt’s nicht – geht nicht. Oder etwas breiter: Ich lasse mir mein Bild auf die Gegenwart doch nicht von anderen Möglichkeiten in der Zukunft kaputt machen.

Polina Flegontovna

Diese Ansicht ist derzeit weltpolitisch traurig populär. Dass man sie aber auch bei einem der wichtigeren Grünen-Politiker und dann ausgerechnet im Bereich Umweltpolitik findet, ist erschütternd. Man ist fast froh, dass die Sache mit dem Atomausstieg von der Kanzlerin in die Hand genommen wurde (*zwinkersmiley*), denn womöglich wäre Kretschmann noch ein super Argument für den Erhalt von Atomkraftwerken eingefallen: Es gibt ja schon welche (*traurigerZwinkersmiley*)

Weil Winfried Kretschmann sich keine Lösung für die Frage vorstellen kann, wie Elektroautos betankt geladen werden können, sollen weiterhin (also auch nach 2030) Fahrzeuge neu zugelassen werden, die bewegliche Trump-Gefährten sind. Denn so muss man nach dem vom US-Präsidenten angekündigten Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen (ebenfalls in diesem Monat) das Zitat von Kretschmanns Parteikollegen Oliver Krischer interpretieren. Der grüne Fraktionsvize im Bundestag hatte im vergangenen Herbst gesagt:„Wenn wir das Pariser Klimaabkommen ernst nehmen, dürfen nach 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr neu auf die Straße.“

Aber was ist das Klimaabkommen schon gegen Winfried Kretschmanns Idee einer Tankstelle?

Die im doppelten Sinn deprimierende Antwort lautet: weit weg! Denn die Tatsache, dass wir unseren „Wirklichkeitssinn“(Musil) zum Maßstab erheben, ist kein Problem, das die Grünen alleine haben. Wir neigen als Menschen dazu, unsere eigenen Vorstellungen und Prägungen zu übersehen. Winfried Kretschmann hält vermutlich sogar aus guten Absichten die heutige Form einer Tankstelle für maßgebend – und er ist damit kaum anders als die meisten anderen. Wir alle haben Prägungen, die dazu führen, dass wir Dinge und Gegebenheiten für richtig und wahr halten, die vielleicht nur Meinungen sind (siehe dazu „Ich bin am Wahrheiten“). Besonders anschaulich hat dies in diesem Monat Phil Laude am Beispiel des Fidget Spinners dargelegt. Denn im Umgang mit diesem kleinen Kreisels greifen auch bei eher jungen Menschen Mechanismen in der Beurteilung des Neuen, die erstaunlich sind.

Weil es diese Mechanismen eben bei jungen Facebook-Fans genauso gibt wie bei grünen Ministerpräsidenten, schreibe ich gerade an einem Buch, das Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen aufzählt. In der Recherche bin ich dabei auf ein Bild gestoßen, das vielleicht auch Winfried Kretschmann helfen könnten. Es handelt sich um ein umgedrehtes Deja-Vu. Damit wird eine Beobachtung beschrieben, von der man den Eindruck hat, man habe sie schon einmal erlebt. Ein Vuja-De hingegen dreht diesen Eindruck genau um: Es geht also darum, eine bekannte Sache eben genau so zu betrachten, als sei sie vollkommen neu. Robert Sutton hat diese Idee in seinem Buch „Weird Ideas That Work“ angestoßen – und damit nahezu eine Innovationsschule begründet. Jedenfalls kann man sich vornehmen, nach dem Prinzip des Vuja-De auf Dinge und Gegebenheiten zu schauen. Man kann sich bemühen, Perspektiven einzunehmen, die einem neu und fremd sind. Und am Ende kann man so auf Ideen kommen, die man sich ganz und gar nicht vorstellen kann.

Vielleicht versucht Winfried Kretschmann es ja mal mit einem Tankstellen-Vuja-De?
¯\_(ツ)_/¯


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Wir sind zu unseren Eltern mutiert

Wenn man am Ende des Jahres zurückblickt auf diesen Sommer, wird man um den Begriff Fidget Spinner nicht herumkommen. Die Handkreisel erlebt gerade etwas, was in den Medien als „Hype“ bezeichnet wird – und sich im Rückblick bestimmt toll anfühlen wird. Im Moment jedoch widerfährt dem Fidget Spinner, was Neuerungen stets zustößt: Sie werden von all denen abgelehnt, die sie nicht verstehen.

Die Welt titelt zum Beispiel Dieses neue Spielzeug treibt Lehrer in den Wahnsinn, Brigitte fragt besorgt „Wie gefährlich ist das Trend-Spielzeug?“ und Harry G stellt kopfschüttelnd fest: „Ich bin zu alt für sowas“ und erzählt von früher…

Da ich mich gerade mit der Geschichte des Weltuntergangs befasse, kann man beruhigt feststellen: Keine Panik! Früher war nicht alles besser. Der vong Humor her hochgeschätzte Phil Laude hat dies jetzt in einem großartigen Lied auf den Punkt gebracht. Im Fidget Spinner Hate-Song fasst er zusammen, wie Kulturpessimismus sich in einem stets wiederkehrenden Kreisel befindet, der seinen Antrieb daraus zieht, dass irgendwer behauptet: Früher gabs das nicht! Und dieses früher im Anschluss zum Maßstab erhebt.

Wer sich dafür im Detail interessiert, sollte den Pessimists Archive-Podcast anhören, sich auf den Shruggie freuen oder den Song von Phil Laude anhören:



Hier die Fidget-Spinner-Hate-Song Lyrics

Man kann’s nicht mehr verschweigen:
diese Welt wird immer dümmer
Donald Trump, RTL und jetzt Fidget Spinner
Der Klimawandel sorgt dafür, dass die Welt untergeht
Doch Kids sehen lieber zu, wie sich ein Plastik-Kreisel dreht

Das liegt an YouTube und Instagram.
Früher gabs das nicht: Wir waren besser dran

Wir haben Tamagotchis gefüttert
Auf dem Schulhof Pokemon-Karten gedealt
Und ja ich gebe zu:
ich habe mit den Polly Pockets meiner Schwester gespielt

Und die Kids von heute sind die Eltern von morgen
Hören auf dem Spielen, fangen an mit den Sorgen
Und es fühlt sich an als würd es immer schlimmer und schlimmer
Dabei drehen wir uns im Kreis:
Wie ein Fidget Spinner

So ’nen Plastikmüll hätten wir niemals gekauft
Wir haben gut investiert in Jo-Jos mit Leerlauf!
Und wer von uns braucht schon so ein Hover-Teil?
Wir hatten Zwei-in-eins-Skateboards „boa warn die geil!“
Heute knacken sie beim Kacken den Rekord in Candycrush!
Doch Snake hätten sie niemals auf Stufe 9 geschafft

Das liegt an YouTube und an Instagram
Früher gabs das nicht wir waren besser dran

Die werden alle immer dümmer
Die sind so desinteressiert
Doch die Wahrheit ist:
Wir sind zu unseren Eltern mutiert

Und die Kids von heute sind Eltern von morgen
Hören auf zu spielen fangen an mit dem sorgen
Und der Drogenkonsum wird immer schlimmer
Heroin, Christal Meth
Und jetzt Fidget Spinner

¯\_(ツ)_/¯

Drive Mode fürs Auto: „Do Not Disturb While Driving“

Es ist eigentlich nur ein Nebensatz in dem wunderbaren Buch „The Inevitable“ von Kevin Kelly, aber dieser Nebensatz erklärt, wie technischer/gesellschaftlicher/digitaler Wandel sich vollzieht: allmählich – und dann plötzlich. Kelly wählt das Beispiel der Smartphone-Nutzung um den Wandel zu beschreiben, an dessen Ende das Smartphone ständiger Begleiter wurde – der nur noch selten ungefragt laut losbrüllt: „Use silent vibrators“ lautet der Nebensatz in dem Kevin Kelly Buch, an den ich denken musste als ich die jüngsten Ankündigungen der Firma Apple las.

Denn mit dem neuen iOS11 genannten Betriebssystem kündigt sich ein vergleichbarer Wandel an: einer, der bisher nur ein Nebensatz in der Berichterstattung ist, der aber vergleichbare Folgen für die Smartphone-Nutzung haben kann. Der Satz lautet: Ein neuer Modus, genannt „Do Not Disturb While Driving“, unterdrückt Benachrichtigungen während der Autofahrt. (Foto: unsplash)

Es gab mal eine Zeit, in der Smartphones nicht leise vibrieren konnten, sondern stets laut losklingelten wenn sie irgendwer anrief. Dann kam jemand auf die Idee, den Vibrationsalarm zu erfinden und der gesellschaftliche Störfaktor des klingelnden Handys wurde rapide reduziert (dass die Gesellschaft in Gänze noch Probleme im Umgang mit den Geräten hat, hat andere Gründe). Die aktuelle iOS11-Meldung ist für mich vergleichbar mit der Erfindung des Vibrationsalarms.

Denn: Einerseits gibt es eine Menge völlig berechtigter Warnungen davor, das Smartphone während der Autofahrt zu nutzen. Und andererseits gibt es einen Flugmodus genannten Status, in den man ein Smartphone versetzen kann, wenn man sich in einem Flugzeug befindet. Nicht erst seit der Lektüre dieses sehr guten Textes von Tim Harford frage ich mich: Warum zum Teufel gibt es eigentlich keinen Drive-Mode für Smartphones?
Tim Harford schreibt:

Smartphones should have, as standard, an easily accessible, well-publicised drive mode. Drive modes do exist, and in the US, the National Highway Traffic Safety Administration has been pushing the idea. But they’re not prominent. Drive-mode phones might automatically read out text messages, automatically reply to such messages with “sorry, I’m driving”, and send incoming calls directly to voice mail — while allowing drivers to play music and use satellite navigation. In short, drive-mode phones would stop pestering us for our attention.

Ich glaube, der „Do Not Disturb While Driving“-Modus in iOS11 könnte in diese Richtung weisen. Eine gute Richtung wie ich finde – und eine, die belegt: Es sind manchmal die kleinen Änderungen, die einem Wandel die Richtung geben. Es sind manchmal die kleinen Änderungen, die aus den großen Problemen lösbare Aufgaben machen. Oftmals versperrt uns aber der Blick auf die Unlösbarkeit des vermeintlichen Problemes den Blick auf diese kleinen Änderungen. Denn nicht das Smartphone in Gänze ist Böse, sondern der bisher fehlende Sicherheitsgurt – um diesen zu erfinden, brauchen wir etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Neuen.

Hope Cause I’ve Learned to Cope

Im Rahmen der Metaconference am NRW-Forum in Düsseldorf durfte ich heute mein passend betiteltes Buch Meta – das Ende des Durchschnitts vorstellen und ein wenig darüber sprechen, warum ich den Shruggie für ein gutes Symbol für eine neue Haltung zur Zukunft halte.

Dabei habe ich die wunderbare Rebecca Solnit zitiert, die mit ihrem Blick auf Hoffnung genau diese Haltung des Kulturpragmatismus auf den Punkt gebracht hat. Sie schreibt:

„Hoffnung ist die Umarmung des Unbekannten und dessen, was man nicht wissen kann. Hoffnung ist eine Alternative zu der Gewissheit, die Optimisten und Pessimisten gleichermaßen ausdrücken. Optimisten denken alles werde sich zum Guten wenden ganz ohne unser Zutun; Pessimisten nehmen die gegenteilige Haltung ein – beide finden darin eine Entschuldigung dafür, nicht selber aktiv zu werden.“

Nach dem Vortrag kam ein Zuhörer mit einer interessanten Referenz zu mir. Er hatte die Ideen der Shruggie-Haltung nämlich in einem Song wiedergefunden, den man sozusagen als Soundtrack zu dieser hoffungsvollen Perspektive auf die Zukunft hören kann. Er heißt: Hope (Cause I’ve Learned to Cope) und ist auch inhaltlich ein schöner Ratschlag!

Vielen Dank für den Hinweis!