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Kann es (noch) besser werden? (Digitale Juni-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Juni-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

Seit einer kleinen Weile gibt es in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn kabelloses Internet. WIFIonICE nennt die Bahn das. Das ist schön. Außer dem WLAN gibt es aber noch etwas, was unsichtbar in der Luft liegt, wenn man einen Zug betritt. Man findet diese besondere Stimmung nicht nur in den schnellen ICE-Zügen, auch Regional- und manchmal sogar U-Bahnen sind betroffen. Das ist nicht so schön wie das WLAN. Es handelt sich um ein grundlegendes Grummeln, ein nörgelndes Nicht-Einverstanden sein, das man als „Schlechte Laune auf Eis“ beschreiben könnte. Es geht um die Haltung vieler Reisender jedes Ereignis auf der Fahrt als Ausweis für die Unfähigkeit der Bahn zu interpretieren. Egal, was passiert, es gibt nur eine Reaktion: „Typisch!“ Und das ist nicht nett gemeint.

Natürlich sind unter den vielen tausenden Bahnreisenden jeden Tag auch welche, die fröhlich gestimmt sind, optimistisch den Blick auf die Dinge richten, die funktionieren und höflich und nett bleiben im Austausch mit dem Personal. Sie sind aber erstens entschiedend leiser als die Typisch-Fahrer*innen und zweitens ist ihre Meinung bei weitem nicht so anschlussfähig wie das breite Bahn-Nörgeln, das einem stets zustimmendes Nicken nicht nur im Abteil garantiert.

Es gibt eine zweite Sache in diesem Land, die mit einem vergleichbaren Vorurteil zu kämpfen hat wie die Bahn: die Zukunft. Genau wie der Zugverkehr ist auch bei der Zukunft niemand offensiv dagegen (wie auch), aber einverstanden ist man dennoch nicht. Zukunft ist zu einer reiner Sonntagsreden-Floskel geworden, deren Gestaltung kaum Alltags-Antrieb ist. Dass jemand lauthals sagt, dass er die Zukunft gut findet, weil er glaubt, dass die Welt dann besser sein wird, hört man in diesem Land genauso selten wie man im Zug ein Lob auf die Bahn hört.

Ich glaube diesem Zukunfts-Zaudern liegt ein Mangel an innovativem Denken zugrunde.
„Die Fähigkeit, die Welt, so wie sie ist, zu verbessern und vieles in ihr ,neu zu erfinden'“, schreibt Wolf Lotter in seinem Buch „Innovation“, „ist eine zentrale kulturelle Leistung, vielleicht die wichtigste von allen.“ Der Brandeins-Autor spricht in seinem lesenswerten Buch von „barrierfreiem Denken“ und definiert Innovation als, „den berechtigten Anlass für die Hoffnung, dass es besser wird. Der Beweis, dass die Zukunft existiert.“

Anders formuliert: Wer innovatives Denken lernen möchte, muss die Fähigkeit trainieren, Zukunft als gestaltbaren Raum zu denken. Das Morgen und Übermorgen ist nicht schicksalhaft vorherbestimmt, es kann durch unser Zutun verändert, ja, verbessert werden.

Glauben Sie daran? Engagieren Sie sich dafür? Oder finden wir nicht allesamt immer wieder Entschuldigungen, warum es sich am Ende dann doch nicht lohnt? Warum erlauben wir uns so selten die Hoffnung darauf, dass unser Mit- und Zutun Einfluss auf die Zukunft hat?

Ich habe die Befürchtung, dass dies unter anderem daran liegt, dass der Referenzrahmen relevanter Entscheidungsträger*innen in diesem Land eben nicht das Heute oder Morgen ist, sondern das Gestern. Denn gestern waren die Dinge besser – so sehen sie es jedenfalls häufig. Hoffnung heißt für sie vor allem: den Status-Quo zu verteidigen. Das ist ein ehrenvoller Antrieb, aber eben ein anderer als jener, der Menschen vor einer Generation inspirierte, die sich auf das Ziel konzentrierten: Meine Kinder sollen es mal besser haben.

Ob man die kulturelle Leistung der Innovation erbringen kann, ist also weniger eine Frage der Übung als eine Frage der Perspektive, die man auf die Welt wirft. Wenn man so will, handelt „Das Pragmatismus-Prinzip“ von nichts anderem als von dem Versuch, innovatives Denken immer wieder und immer wieder neu anzuwenden. In dem Buch gibt es zahlreiche Beispiele dafür, wie der Wechsel der Perspektive uns dabei helfen kann. Diesen Perspektiv-Wechsel haben Yannic Hannebohn und ich einzuleiten versucht, als wir vor ein paar Wochen das Crowdfunding für den Podcast „Was würde der Shruggie tun?“ gestartet haben: Wir wollten ihn für zehn Jahre finanzieren!

Zehn Jahre!
Das klingt nach einer kleinen Ewigkeit, wenn man aber ins Jahr 2008 zurückdenkt, stellt man fest, wie nah zehn Jahre in Wahrheit sind. Das haben wir in dem Hashtag #10JahreZukunft zusammengefasst. Beides sollte den Blick öffnen auf die Zukunft als gestaltbaren Raum.

Ob das geklappt habe? Darüber kann man streiten: Yannic und ich haben das in der jüngsten Ausgabe des Podcasts getan. Wir haben gewettet, ob das Crowdfunding noch erfolgreich wird. Am Donnerstag dieser Woche endet es. Am Mittwoch nehmen wir eine Live-Folge in Berlin auf (20.6.,20:06 Uhr Gitschiner Straße 20 Berlin).

Vielleicht wird es die letzte Folge unseres kleinen Projekts.
Vielleicht aber auch nicht.

In jedem Fall ist das Projekt aktuell eine gute Übung in der positiven Antwort auf die Frage, die wie keine zweite innovatives Denken offenlegt:

Kann es (noch) besser werden?


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Altland“ (April 2018) „#smarterphone“ (März 2018) „Anleitung zum Unkreativsein“ (Januar 2018) „Newsletter über Newsletter“ (Dezember 2017), „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Das Ende der Schlusskonferenz (Digitale Mai-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

Seit ich mich für Fußball interessiere, höre ich die Bundesliga-Schlusskonferenz im Radio. Die Art, wie live, aber einzig akustisch aus Stadien berichtet wird, fasziniert mich – auch und gerade in Zeiten von Live-Tickern und TV-Streams. Alle Vorteile des Mediums Radio sind in der Live-Übertragung vom Fußball gebündelt. Aber eben weil ich davon begeistert bin, habe ich mich in dieser Saison von der Bundesliga-Schlusskonferenz im öffentlich-rechtlichen Radio verabschiedet. Das ist traurig (weil ich Radio-, Fußball- und Öffentlich-Rechtlicher-Rundfunk-Fan bin), aber auch bemerkenswert, so sehr, dass ich die abgelaufene Spielzeit festhalten muss – als die Saison, in der die Schlusskonferenz für mich zuende ging (dass dieses Ende mit dem Abstieg eines anderen Dinos einher geht, ist vermutlich eher Zufall).

Aus Gründen, die ich nicht einordnen kann, berichten die ARD-Radiosender, die die Schlusskonferenz übertragen, lediglich die letzten zwanzig Minuten kontinuierlich aus den Stadien. Den weit überwiegenden Teil des Spiels übertragen sie nicht. Sie schalten dann und wann mal zu einem Verein, aber eine durchgängige Berichterstattung bieten sie bei Bundesliga-Spielen nicht. Das ist schade, aber es gibt bestimmt Menschen, die darin eine Tradition sehen. Denn so war es ja schon immer – auch in dieser Saison.

Dass ich mich in dieser Spielzeit dennoch von der ARD-Schlusskonferenz verabschiedete, liegt höchstens indirekt am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dessen Schlusskonferenz ist weiterhin toll, aber in dieser Saison habe ich etwas entdeckt, was (für mich) noch toller ist: das ganze Spiel! Das klingt nicht sonderlich innovativ, aber aus Perspektive der Schlusskonferenz ist es ein Innovations-Durchbruch: Man kann nicht nur die letzten 20 Minuten in Konferenz übertragen, sondern das ganze Spiel! Internet-Radios machen das schon seit einer Weile, und wenn man den Satz von Radiomachern hört, schwingt darin immer einer gewisse Geringschätzung mit: Ganz so als seien „Internet-Radios“ (siehe dazu die Digitalen April-Notizen) keine echten, vollwertigen Radios.

Vielleicht war das früher mal so, in dieser Saison jedenfalls habe ich davon nichts gemerkt. Im Gegenteil: Als ich irgendwann zu Beginn der Saison (die Älteren erinnern sich: Dortmung legte fulminant los, die Bayern dümpelten vor sich hin) in diesem Internet-Radio erkannte, welcher Zauber in 90 Minuten Konferenz liegt, starb die Schlusskonferenz für mich. Denn obwohl ich mir aus öffentlich-rechtlicher Verbundenheit (allein zu den gewohnten Stimmen) stets vornahm, zur Schlussphase auf einen der ARD-Sender zu wechseln: ich vergass es jedes Mal und blieb im Internet-Radio.

Es machte Spaß. Ich hörte 90 Minuten am Stück Konferenz-Fußball, beim Joggen (manchmal), beim Aufräumen (selten) oder einfach nur so (meistens). Das Problem mit der Bandbreite, das ich vor ein paar Jahren außerhalb des Wlans noch hatte, gab es nicht mehr und aus der Schlusskonferenz wurde die Spielkonferenz. Denn im Stream gab es neben dem immer gleichen Hinweis auf den Anbieter keine Werbeunterbrechung, keine Gewinnspiele oder gesponsorte Tipp-Aktionen: es gab einfach nur Fußball im Stream. (zum Thema „Sorgen machen“ könnte man übrigens mal „Heute im Stadion“ im BR mit den Ohren eines Kindes hören. Dort wird jedes, jedes, jedes Mal für Schnaps geworben – „dank Ihrer Gebühren“)

Natürlich hat der Anbieter nicht nur die Konferenz im Programm. Vor allem bietet er: Einzelspiele im Audio-Stream. So hatte er mich gekriegt – mit dem Angebot, die Spiele des VfL Bochum (und, ja, auch die anderen unwichtigeren Begegnungen) in voller Länge anhören zu können. Das ist ein sehr einfaches, aber sehr tolles Angebot.

Legt man dieses Angebot neben das gelernte Modell der ARD-Schlusskonferenz ist man mittendrin in dem Wandel, den ich als „Ende des Durchschnitts“ beschrieben habe. Und dieser Wandel ist auch der Grund, der mich dazu bringt, so ausführlich über meinen Fußball-Konsum nachzudenken (nebenbei: das Verhältnis zwischen Sport-Machen und Sport-Konsumieren scheint ein Hebel zur Zufriedenheit zu sein). Denn natürlich könnte dieser Wandel auch vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgehen. Die ARD-Sender bestimmen seit Jahren den Markt der Fußball-Übertragungen, sie sind Profis, besitzen starke Marken und tollen Inhalt – und doch haben sie zumindest mich in dieser Spielzeit verloren.

Das ist schade, denn ich mag den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ich würde gerne Sport-Übertragungen meines Vereins in voller Länge bei einem der ARD-Sender anhören. Auch ein Verlinken des Streams in der Sportschau-App würde mir gefallen. Ich hätte gerne eine Spielkonferenz der öffentlich-rechtlichen Sendern, die 90 Minuten lang dauert. Ich würde mir wünschen, dass sie diese Entwicklungen selber vorantreiben und es nicht fremden Marken überlassen, hier besser Angebote zu entwickeln. Denn der Grund für meinen Abschied von der Schlusskonferenz hat einen Namen: Amazon. Die Firma, die mal als Buchversand begann, gestaltet gerade die Welt nach dem Ende des Durchschnitts – und lässt die traditionsreiche Schlusskonferenz dabei irgendwie alt aussehen. Das ist einerseits sehr schade, aber eben auch sehr schön.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Altland“ (April 2018) „#smarterphone“ (März 2018) „Anleitung zum Unkreativsein“ (Januar 2018) „Newsletter über Newsletter“ (Dezember 2017), „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

#smarterphone: Besser statt nur weniger Handy (Digitale März-Notizen)

Dieser Text ist Teil der März-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann.

Jetzt kommt der Frühling! Denn noch länger kann der Winter ja nicht dauern. Deshalb widmet sich diese Folge des „Digitale-Notizen“-Newsletters dem Aufbruch. So wie ich den Winter nicht mehr sehen kann, so kann ich auch das Jammern über Smartphones nicht mehr hören.

Deshalb habe ich (um zumindest in Sachen Smartphones eine Veränderung anzustoßen) in diesem Monat begonnen, Menschen zu fragen, wie sie ihre Handys nutzen und welche Schlüsse sie daraus ziehen. Ich habe einerseits eine kleine Blogumfrage gestartet und andererseits Freunde und Bekannte gefragt. Das Ergebnis können Sie hier lesen – und selber gestalten.

Denn #smarterphone ist nicht abgeschlossen und fertig, sondern eine kontinuierliche Aufforderung unter dem Motto „besser statt nur weniger Handy“ Ich frage deshalb auch Sie: Wie nutzen Sie Ihr Smartphone? Erzählen Sie davon, in Ihrem Blog oder schreiben Sie mir Ihre Antworten – aber nutzen Sie dafür gerne diese Fragen.

Vielleicht können wir auf diese Weise versuchen, die dauernde Handy-Debatte etwas positiver zu wenden. Es wäre dies nicht nur mit Blick auf die Jahreszeit überfällig.

Name: Hakan Tanriverdi
verbringt seinen Tag als… Reporter mit Schwerpunkt Cybersicherheit, schreibt meistens für die SZ
nutzt: zwei iPhones
>>> hier weiterlesen >>>

Name: Henriette Löwisch
verbringt ihren Tag als… Leiterin der Deutschen Journalistenschule
nutzt ein: iPhone SE

Wie würdest Du Dein Verhältnis zu Deinem Smartphone beschreiben?
Ein Pakt mit einem Teufelchen

Welche App/Funktion nutzt du am häufigsten? (gerne in den Statistiken nachschauen oder aus dem Bauch schätzen)
Email, Kalender, Twitter, Facebook, Instagram. Und dann noch die Apps von BVG, MVV und DB. Und BR Radio, RBB Inforadio, diverse Podcasts. Die Kamera. Bring!

Welche App/Funktion magst/nutzt du gar nicht?
WhatsApp und den Facebook Messenger. Eins schlimmer als das andere.

Arbeit und Handy – wie regelst du das?
Das Handy ist meine Arbeit. Das hört nie auf. Nur Freitagabend schalte ich es ab. Bis Samstagmittag.

Welche Notification hast du eingeschaltet?
Keine außer Telefonie und SMS.

Warum?
Ich guck doch eh immer. Und wenn ich nicht gucke, will ich auch nix hören.

Hältst Du Dich an soziale Regeln bei der Smartphone-Nutzung? Wenn ja: Welche?
Im Gespräch, beim Essen, im Meeting: Wegpacken. Ausnahmen gelten nur für Notärztinnen und Notärzte, die dürfen das Handy umgedreht auf den Tisch legen.

Gibt es Regeln, die du wieder verworfen hast?
Leider gucke ich jetzt Handy auch in der Straßenbahn, dabei wollte ich lieber Menschen beobachten, denn das sollten Journalisten tun. Aber anders kann ich nicht mit den Leseempfehlungen mithalten, die die Schülerinnen und Schüler der DJS immer morgens auf Twitter unter dem Hashtag #djsdaily abgeben. Naja, die machen sehr viel Spaß, das ist also OK.

Zum Abschluss: Was sollten mehr Menschen im Umgang mit Smartphones wissen?
Handys sind genau wie Autos. Denkt mal drüber nach.

Name: Sebastian Meineck
verbringt seinen Tag als… Redakteur bei Vice Motherboard
nutzt ein: Samsung Galaxy S5
>>> hier weiterlesen >>>

Name: Heiko Bielinski
verbringt seinen Tag als … Web-Entwickler, Kundenbetreuer, CMS-Erklärer und Blogger
nutzt ein: iPhone 7
>>>> hier weiterlesen >>>

Name: Meike Winnemuth
verbringt ihren Tag als… Autorin
nutzt ein: iPhone 6

Wie würdest Du Dein Verhältnis zu Deinem Smartphone beschreiben?
Hassliebe. Ich liebe es als Werkzeug, als Schweizer Offiziersmesser des 21. Jahrhunderts. Was es alles kann! Was ich alles mit ihm kann! Welche Freiheiten es ermöglicht, welches Wissen, welche Zugänge! Andererseits ist es aber auch eine Daddelmaschine, ein Ablenkungsmanöver, ein unverschämter Zeitfresser – oder besser: Ich erlaube ihm, all das zu sein. Selbst schuld, wie ja eh fast immer.

Welche App/Funktion nutzt du am häufigsten? (gerne in den Statistiken nachschauen oder aus dem Bauch schätzen)
Laut Batterienutzung von heute: Mail, Safari, Messenger, Google, Podcasts. Gefühlt: die Wetter- und Regenradar-Apps, weil ich sowohl einen Hund habe als auch einen Garten. Die Wetter-Apps gucke ich an, bevor ich aufstehe. Um zu entscheiden, ob ich aufstehe.

Welche App/Funktion magst/nutzt du gar nicht?
Ich telefoniere nur selten, ich störe so ungern. Es gibt elegantere und rücksichtsvollere Arten der Kommunikation. Ich bin zwar angemeldet bei Twitter und Instagram, habe beides aber noch nie genutzt. Das Leben ist zu kurz.

Arbeit und Handy – wie regelst du das?
Ich bin Freiberuflerin, die klare Trennung zwischen Arbeit und Privatzeit gibt es ohnehin nicht. Eine Menge Arbeit findet über das Handy statt.

Welche Notification hast du eingeschaltet?
Sind inzwischen alle ausgeschaltet. Aus Gründen. Bis auf Spiegel Online-Eilmeldungen. Gottlob missbrauchen die das inzwischen nicht mehr so sehr (mit Ausnahme der verdammten olympischen Winterspiele).

Warum?
Warum ich die ausgeschaltet habe? Weil ich immens leicht ablenkbar bin.

Hältst Du Dich an soziale Regeln bei der Smartphone-Nutzung? Wenn ja: Welche?
Kein Handy auf dem Esstisch. Und nicht in dunklen Räumen, Kino oder so. Auch sonst versuche ich, in Gegenwart von anderen Menschen die Finger davon zu lassen. Ich empfinde es fast immer als Missachtung, wenn Leute während eines Treffens ihr Handy checken. Was kann so wichtig sein?

Gibt es Regeln, die du wieder verworfen hast?
Nein. Es werden eher noch mehr.

Zum Abschluss: Was sollten mehr Menschen im Umgang mit Smartphones wissen?
Dass es ein Leben vor dem Smartphone gegeben hat und dass es noch nicht so lange her ist.

Name: Johannes Kuhn
verbringt seinen Tag als… Journalist und US-Korrespondent @SZ
nutzt ein: iPhone SE
>>>> hier weiterlesen >>>

SmarterPhone-Beiträge gibt es z.B. von:
* Benjamin Birkenhake
* Birte von Gedeih und Verderb
* Nico Brünjes
* Thomas Puppe
* Marcus von Jordan
* Caspar C. Mierau
* Dirk Hansen
* Fabian Neidhart


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Anleitung zum Unkreativsein“ (Januar 2018) „Newsletter über Newsletter“ (Dezember 2017), „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Anleitung zum Unkreativsein (Digitale Januar-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Januar-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann – und der ab 2018 sich ein wenig ändert (z.B. mit dieser neuen Rubrik)

Wie schafft man eigentlich eine inspirierende Arbeitsatomsphäre, in der Menschen auf neue Ideen kommen? In unterschiedlichen Gesprächen bin ich in den vergangenen Wochen auf diese Frage gestoßen. Und nach noch mehr unterschiedlichen Gesprächen muss ich sagen: Ich weiß es nicht.
Was ich aber weiß, ist dies: Man kann eine Menge tun, um zu verhindern, dass eine Lust am Neuen entsteht. Denn darum geht es im Kern, wenn Menschen auf der Suche nach Kreativität sind: um ein anderes Verhältnis zum Neuen. Kreativität heißt vor allem, das Bestehende anders zu sehen und dann auch herauszufordern. Das Bild vom Vuja-De, das als umgekehrtes Deja-Vu nicht Bekanntes im Fremden, sondern das Neue im Vertrauten entdeckt, ist ein Aspekt dessen, was die Fähigkeit zur Innovation Irritation ausmacht: eine Bereitschaft zum Gestalten, eine Lust an der Veränderung. Denn es gilt, was das in Wahrheit nur mittelgute Buch Change the status quo! Or become it in seinem Titel verspricht.

Wer das berühmte Einstein-Zitat („Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat“) in die Tat umsetzen will, kann vor allem dafür sorgen, dass Menschen Freude an ihrer Arbeit empfinden. Spaß ist ein entleertes Wort, es steht in diesem Zusammenhang aber für eine Art der Arbeit, die als erfüllend wahrgenommen wird. Das ist mindestens eine Vorstufe dessen ist, was Frithjof Bergmann als New Work beschreibt: also etwas zu tun, was man wirklich wirklich tun will.

Je länger man sich damit befasst, um so klarer ist: Die Aufgabe, ein kreatives Umfeld zu schaffen, ist riesig – und jedenfalls so groß, dass der einzelne überfordert ist. Dabei stimmt das nicht, denn jede und jeder kann sehr viel dafür tun, dass ein Umfeld entsteht, in dem eine offene Fehlerkultur gelebt wird, in dem man auch doofe Vorschläge machen darf und in dem gemeinsam gelacht wird. Das Mindeste, was jede/jeder beisteuern kann, ist, dass sie/er aufhört, Kreativität zu unterdrücken. Denn innovative Unternehmen zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie die kreativsten Köpfe beschäftigen, sondern vor allem dadurch, dass die weniger kreativen Köpfe, die Phase des Widerspruchs und Bewahrens überwinden.

Wie das gehen soll? Im Sinne von Paul Watzlawicks großer Anleitung zum Unglücklichsein habe ich versucht, zehn Ratschläge zu notieren, die bei strikter Befolgung sicher dazu führen, dass so schnell keiner mehr mit einer ungewöhnlichen Idee um die Ecke kommt. (Unsplash-Foto: Caleb Woods)

Anleitung zum Unkreativsein

1. Sei grundsätzlich einverstanden mit dem Status quo. So wie es ist, ist es doch okay, warum sollte man eigentlich was verändern?

2. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, etwas zu ändern, solltest du darauf achten, dass sich erstmal für die anderen etwas ändert. Außerdem muss durch die Veränderung sofort eine eindeutige Verbesserung sichtbar werden. Hier ist Druck und klassische Führung unerlässlich. Lass dich keinesfalls auf Experimente ein, bei denen nicht von Anfang an klar ist, was dabei herauskommt. Milestones sind unerlässlich, um den Wert von Ideen zu bewerten!

3. Orientier dich stets an dem, was du kennst. Hier bist du sicher, hier kannst du Dinge einschätzen. Dies sollte in jedem Fall die Grundlage dafür sein, Neues sehr kritisch zu beurteilen. Klar, den Satz „Das haben wir noch nie so gemacht“ würdest du nicht sagen. Aber denken darf man das ja wohl. Ist ja schließlich nicht alles schlecht, was hier seit Jahren gemacht wurde. Es ist sowieso schon als Entgegenkommen zu verstehen, dass man überhaupt darüber diskutiert und sich mit Kreativität befasst. Ging doch früher auch ohne all diesen Kram.

4. Stelle deinen Zweifel in den Vordergrund. Wenn dir jemand eine neue Idee präsentiert, darfst du auf keinen Fall loben, was dir gefällt, du musst zunächst erwähnen, was alles fehlt oder nicht stimmt. Überhaupt ist es unerlässlich, stets potenzielle Gefahren in aller Deutlichkeit zu betonen und unabsehbare Folgen ausführlich zu diskutieren. Lass auch ruhig einfließen, dass „du persönlich“ dir nicht vorstellen kannst, eine solche Dienstleistung in Anspruch zu nehmen oder ein solches Produkt zu nutzen. Auch Kinder von Freunden sind als ablehnende Referenzgröße stets willkommen („sind gar nicht mehr so oft auf Facebook“) – Marktforschung oder die absurde Vorstellung, eine Idee vielleicht in einem kleinen Kreis mal zu testen, solltest du als viel zu teuer ablehnen.

5. Versuche auf keinen Fall, die neue Idee durch eigene Impulse zu verbessern. Reagiere niemals mit „Und“, sondern immer mit „Aber“ wenn Du was Neues hörst. Eine gesunde „Wenn es sein muss“-Haltung wirkt im Kreativitätsprozess Wunder – hier ist besonders drauf zu achten, sie äußerst widerwillig vorzutragen und den Anwesenden stets ein Gefühl der Geringschätzung zu geben.

6. Begeisterung ist in jedem Fall zu vermeiden. Wer sich zu sehr in eine neue Idee reinsteigert, übersieht vielleicht wichtige, kritische Aspekte – und neigt zu Fehlern. Deshalb solltest du stets eine distanzierte Haltung bewahren: Das wirkt auch viel seriöser und unangreifbarer als diese Naivlinge, die immer neue Ideen haben. Die werden schon sehen, was sie davon haben. Denn Fehler müssen Fehler bleiben. Wer falsch liegt, muss dafür gerade stehen. Bei Fehlern muss es immer um persönliche Verantwortung gehen und um die Frage, wie so etwas überhaupt passieren konnten. Man sollte niemals darüber nachdenken, wie man sie in Zukunft vermeiden kann!

7. Lass dich keinesfalls von fremden Perspektiven verstören. Gerade branchenfremde Meinungen sind in jedem Fall fernzuhalten. Sie sorgen nur für sinnlose Irritation des bewährten Ablaufs. Irritationen kann man sich nur erlauben, wenn es gut läuft. In Zeiten des Drucks wirken sie auf eine Firma wie die berühmte Szene aus dem Wald: Ein Mann versucht mit einer stumpfen Säge, einen Baum zu fällen. Kommt eine Frau vorbei und rät, die Säge zu schärfen. Sagt der Mann: „Dafür habe ich jetzt keine Zeit.“ Verhalte dich stets wie dieser Mann, halte dich an deine Prioritäten und an die langfristigen Ziele!

8. Du solltest dich auch persönlich nicht vom Weg abbringen lassen. Ein voller, gut getakteter Terminkalender ist nicht nur Ausdruck von viel Arbeit (und Wichtigkeit), er bewahrt dich auch davor, ins Nachdenken zu kommen. Tagträumereien oder gar festgelegte Zeit zum Nachdenken (wie in der Zwei-Stunden-die-Woche-Regel) sollest du dir nicht gestatten.

9. Wenn neue Ideen konkret werden, musst du auf jeden Fall darauf drängen, dass Arbeitsgruppen eingesetzt werden. Es ist dringend zu vermeiden, diejenigen, die die Idee hatten, daran weiterarbeiten zu lassen. Sie brauchen jetzt Führung und Anleitung von bewährten Kräften. Nur sie kennen den Markt und wissen falsche Ansätze frühzeitig zu vermeiden. Außerdem lassen sich auf diese Weise Synergien schaffen – und Effizienz sollte in Fragen der Kreativität stets über allem stehen.

10. Gerade bei Neuem wird häufig der Fehler gemacht, nicht „alle mitzunehmen“. Dabei ist es unerlässlich, ganz zu Beginn möglichst viele Meinungen einzusammeln und einfließen zu lassen. Es braucht unbedingt eine breite Basis, die eingebunden ist. Wenn die Idee dadurch größer wird, ist das nicht von Nachteil. Im Zweifel lohnt es sich dann auch zu investieren. Denn nur wenn alle eingebunden sind, ist sicher gestellt, dass die Sache auch ein Erfolg wird. Integriere die neue Idee deshalb so schnell wie möglich in die bestehende Struktur. Als Faustregel gilt dabei das Prinzip der Wiedervereinigung: Perfekt ist die Mischung von Neuem und Bewährten wenn das Bewährte sich verhält wie Westdeutschland nach dem Mauerfall und das Neue aus der Haltung des ehemaligen Ostens argumentiert.

Auf den ersten Blick wirken diese Regeln sehr umfangreich. Aber keine Sorge: Mit ein wenig bösem Willen kann man sie ganz schnell in die Tat umsetzen!


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Newsletter über Newsletter“ (Dezember 2017), „Wir sind unbeugsam“ (Oktober 2017), „Unser Land – unsere Regeln“ (September 2017) „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Unser Land, unsere Regeln (Digitale September-Notizen)

Dieser Text ist Teil der September-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

„Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.“ Diese Worte stammen von Jens Stoltenberg aus dem Jahr 2011. Damals war der heutige Nato-Generalsekretär Ministerpräsident von Norwegen. Er sagte diese Worte als Reaktion auf den terroristischen Angriff in Oslo und auf der Insel Utøya. Die Zeit schrieb damals: „Er verteidigte genau jene offene und freie Gesellschaft Norwegens, die der Attentäter mit seinen Waffen und Bomben bekämpfen wollte. Dessen Hass und Destruktivität setzte Stoltenberg eine fast trotzige Zuversicht entgegen.“

Ich glaube, es ist auch in Deutschland Zeit für mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Menschlichkeit. Der Angriff, den wir hierzuland auf die freie und offene Gesellschaft erlebten, ist zwar in keinerweise vergleichbar mit den Ereignissen in Norwegen – die Reaktion darauf ist es aber schon. Denn ich bin überzeugt davon, dass die nachhaltigste Antwort auf den Wahlerfolg der rechtsnationalen AfD darin besteht, die Regeln der offenen und freien Gesellschaft zu benennen und vorzuleben.

Die Art und Weise wie Teile der Union im Nachklang der Wahl versuchen, die Wähler*innen der AfD zurückzugewinnen, legt den Verdacht nahe, dass der Rassismus und das Gedankengut der AfD nun nicht zum ersten Mal ins Parlament einziehen. Es gab sie dort – wie auch in der Gesellschaft – schon vorher, vielleicht nur nicht so klar erkennbar als eigene Fraktion. Vielleicht müssen wir nach der Wahl anerkennen: Nationales und rassistisches Gedankengut „rechts von der Union“ gehören zu diesem Land. Und es die Aufgabe, einer freien und offenen Gesellschaft damit umzugehen, dafür zu werben, dass ein plurales Land die im Wortsinn bessere Alternative ist. Wer will, dass Rassismus im Parlament keinen Platz hat, darf nicht rechte Flanken schließen, sondern muss dafür sorgen, dass Rassismus aus den Köpfen verschwindet.

Und vielleicht kann dabei ausgerechnet ein Plakatslogan der AfD helfen, an dem ich in den vergangenen Wochen immer wieder vorbeifahren musste – eh er kurz nach der Wahl umfiel: „Unser Land – unsere Regeln“ steht auf dem Plakat. Und vielleicht geht es jetzt genau darum: die Spielregeln der Demokratie deutlich zu machen. Ich glaube, dass Demokratie wie ein Muskel funktioniert – unter Belastung wird sie stärker. Wir müssen sie trainieren. Das Wahlergebnis vom 24. September ist eine klare Aufforderung!

Mir ist schon klar, dass der Slogan als Abgrenzung gegen das Fremde gedacht ist. Aber warum nutzen wir ihn nicht als Erinnerung daran, was Demokratie und Pluralismus in diesem Land bedeuten?
Unser Land – unsere Regeln bedeutet für mich deshalb zuerst: der Bezug aufs Grundgesetz, auf die Würde des Menschen, auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Es bedeutet, Pluralismus und Toleranz nicht nur in Sonntagsreden anzusprechen, sondern im täglichen, inklusiven Miteinander zu leben und zu fördern. Freiheit ist in diesem Land immer auch die Freiheit des Andersdenkenden – und zum Andersdenken. Es heißt nicht, dass man immer Recht hat, es heißt auszuhalten, dass man unrecht haben kann. Wahrheit – ein Begriff, der auch auf dem Plakat steht – ist nichts, was man unumstößlich besitzen kann. Wahrheit muss sich immer wieder neu beweisen.
Das sage übrigens nicht ich, die Idee stammt von Karl Popper, der den Begriff „offene Gesellschaft“ prägte – und völlig zurecht immer dann skeptisch wurde, wenn Ideen totalitär wurden. Es scheint mir an der Zeit, Popper neu zu lesen – und sich mit einem ¯\_(ツ)_/¯ gegen diejenigen zu wappnen, die auf Angstmache und einfache Antworten setzen (ausführlich beschreibe ich das in meinen Buch „Das Pragmatismus-Prinzip“, das im Januar erscheint)

Unser Land – unsere Regeln bedeutet, dass nicht entscheidend ist, wo jemand herkommt. Das Grundgesetz spricht nicht durch Zufall von der Würde des Menschen und nicht von der Würde des Deutschen. Es bedeutet, dass wir auf Menschlichkeit setzen und auf die christlich-abendländische Tradition der Nächstenliebe. Die verträgt sich nicht mit Abgrenzung, Nationalismen und Rassismus. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist der Garant für das Unreine, für das Carolin Emcke in ihrem sehr empfehlenswerten Buch „Gegen den Hass“ plädiert. Unser Land – unsere Regeln ist auf diese Weise verstanden ein Aufruf zur Toleranz, zum Aushalten der gegenteiligen Meinung – in den Worten Jens Stoltenbergs: Mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.

Wir haben in diesem Sommer – aufmerksame Newsletterleser*innen haben es verfolgt – im Rahmen des DemocracyLab der SZ ein Experiment in Sachen Demokratie, Offenheit und auch Menschlichkeit gewagt: Wir haben versucht, unsere demokratische Streitkultur zu verbessern.

Ich glaube, dass darin jetzt eine zentrale Aufgabe liegt: Streiten zu lernen! Wir müssen demokratische Spielregeln vorleben. Dem Fernsehen kommt dabei eine besondere Vorbildfunktion zu. Hier muss demokratische Streitkultur zu sehen sein, die den Perspektivwechsel salonfähig macht und mehr Pluralismus und Demokratie wagt. Nicht aus Naivität, sondern weil das beste Mittel gegen Hass eben nicht neuer Hass ist, sondern ein engagiertes Eintreten für das Unreine und eine „Kultur des aufgeklärten Zweifels und der Ironie“.

Lesen Sie es nach bei Carolin Emcke und werden Sie demokratisch aktiv – zur Inspiration kann diese tolle Liste vom „Was machen“-Team dienen, die seit Juni einen aktivierenden Newsletter verschicken!

PS: Es ist vermutlich kein Zufall, dass ich ausgerechnet in diesem Monat auf ein Gif des Illustrators Magoz gestoßen bin, das diese Haltung perfekt auf den Punkt bringt – übrigens über Sprach- und Nationalgrenzen hinweg.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Selbstverpflichtung gegen den Terror“ (August 2017), „Freiheit zum Andersdenken“ (Juli 2017), „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai 2017), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Freiheit zum Andersdenken (Digitale Juli-Notizen)

Die aktuelle Folge des Digitale-Notizen-Newsletters widmet sich dem demokratischen Wettstreit. Im Rahmen des DemocracyLab der SZ haben wir den ideologischen Turing-Test ausprobiert. Es handelt sich dabei um einen Rollentausch in der Diskussion, den regelmäßige Blog-Leser*innen bereits hier kennengelernt haben.

In dieser Woche haben wir dazu ein besonderes Streit-Experiment namens „Das ist Deine Meinung“ durchgeführt, in dessen Einladung es heißt:

Es sollte zur demokratischen Grundbildung zählen, auf tolerante Art streiten zu lernen. Dazu laden wir Sie ein: Probieren Sie es mit uns aus!

Am Mittwoch haben sich dazu rund vierzig Diskutanten in München getroffen und „Das ist Deine Meinung“ ausprobiert. Hier gibt es auf SZ.de ein Videofazit zu der Diskussion!

Im Text, den ich nach der Veranstaltung schrieb, steht:

Es ist die Idee des demokratischen Streits, dass auch die Minderheiten zu Wort kommen. Pluralismus in einer Demokratie bedeutet: die Bereitschaft, auch gegenteilige Meinungen auszuhalten. Denn erst diese Toleranz macht aus einem bloßen Wortgefecht ein echtes Gespräch. „Freiheit“, hat Rosa Luxemburg gesagt, „ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“ An diesem Abend erfahren vierzig Frauen und Männer, dass man diesen Satz nicht nur als Appell an undemokratische Regime richten muss, die zum Beispiel Journalistinnen und Journalisten einsperren (#freedeniz). Die Diskutanten spüren, dass der Satz auch auf diese Weise funktioniert: Freiheit ist immer die Freiheit zum Andersdenken.

Links:
Ankündigung
Video
Fazit


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Ein Vuja-de für die grüne Zukunft (Digitale Juni-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Juni-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Nur der, der sich die Gegenwart auch als eine andere denken kann als die existierende“, hat der Philosoph Theodor W. Adorno mal gesagt, „verfügt über eine Zukunft.“ Ich musste an dieses Perspektiv-Spiel von Gegenwart und Zukunft denken als ich dieser Tage den heimlichen Mitschnitt dessen sah, was Winfried Kretschmann über die Zukunft der Mobilität sagt. Kretschmann ist Ministerpräsident in Baden-Württemberg und in dem kurzen Clip erläutert er, warum er es für unvorstellbar hält, dass die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren in Autos nur noch bis 2030 möglich sein soll (danach müssten auch die in seinem Bundesland ansässigen Autohersteller auf andere Antriebe umgestellt haben). Die Grünen haben diese Begrenzung für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren für das Jahr 2030 auf ihrem Parteitag beschlossen. Für Kretschmann sind das „Schwachsinns-Termine“ kann man in dem Clip hören – über dessen fragwürdige Entstehung der Kollege Stefan Braun alles Relevante bei der SZ notiert hat.

Viel wichtiger als die Entstehung des Clips ist mir aber die Tatsache, dass Winfried Kretschmann sich offenbar keine andere Gegenwart (an deutschen Tankstellen) vorstellen kann als die existierende. Er erklärt in einer kurzen Sequenz, dass sein Hauptargument gegen den Plan sei, dass er keine Ahnung davon hat, wie die Fahrzeuge betankt aufgeladen werden sollen: „Jetzt überlegt dir mal: Es fahren fünf Millionen Elektroautos rum. Wo tanken die? Jetzt nimm mal eine ganz normale Tankstelle wie wir sie heute haben. Wir haben an großen Tankstellen vielleicht Platz für zehn Autos, die da auf einmal tanken können. Jetzt dauert das bei denen aber zwanzig Minuten. Jetzt! Wie soll das funktionieren?

Mal abgesehen davon, dass die Studien zur Elektromobilität den Verdacht nahelegen, dass Autos effektiv ohnehin so wenig bewegt werden, dass sie problemfrei in der Nacht am heimischen Stellplatz betankt geladen werden könnten. Und ebenfalls abgesehen davon, dass neue Technologien nicht fertig sind, sondern sich immer weiter entwickeln: Diese Analyse von Winfried Kretschmann ist nicht deshalb interessant, weil sie parteiinterne Streitereien offenlegt. Diese Aussagen des baden-württembergischen Ministerpräsidenten sind so interessant, weil sie für einen Mangel an etwas stehen, was Robert Musil mal „Möglichkeitssinn“ genannt hat. Realo sein, heißt für Winfried Kretschmann offenbar vor allem nach dem Motto zu denken: Gibt’s nicht – geht nicht. Oder etwas breiter: Ich lasse mir mein Bild auf die Gegenwart doch nicht von anderen Möglichkeiten in der Zukunft kaputt machen.

Polina Flegontovna

Diese Ansicht ist derzeit weltpolitisch traurig populär. Dass man sie aber auch bei einem der wichtigeren Grünen-Politiker und dann ausgerechnet im Bereich Umweltpolitik findet, ist erschütternd. Man ist fast froh, dass die Sache mit dem Atomausstieg von der Kanzlerin in die Hand genommen wurde (*zwinkersmiley*), denn womöglich wäre Kretschmann noch ein super Argument für den Erhalt von Atomkraftwerken eingefallen: Es gibt ja schon welche (*traurigerZwinkersmiley*)

Weil Winfried Kretschmann sich keine Lösung für die Frage vorstellen kann, wie Elektroautos betankt geladen werden können, sollen weiterhin (also auch nach 2030) Fahrzeuge neu zugelassen werden, die bewegliche Trump-Gefährten sind. Denn so muss man nach dem vom US-Präsidenten angekündigten Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen (ebenfalls in diesem Monat) das Zitat von Kretschmanns Parteikollegen Oliver Krischer interpretieren. Der grüne Fraktionsvize im Bundestag hatte im vergangenen Herbst gesagt:„Wenn wir das Pariser Klimaabkommen ernst nehmen, dürfen nach 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr neu auf die Straße.“

Aber was ist das Klimaabkommen schon gegen Winfried Kretschmanns Idee einer Tankstelle?

Die im doppelten Sinn deprimierende Antwort lautet: weit weg! Denn die Tatsache, dass wir unseren „Wirklichkeitssinn“(Musil) zum Maßstab erheben, ist kein Problem, das die Grünen alleine haben. Wir neigen als Menschen dazu, unsere eigenen Vorstellungen und Prägungen zu übersehen. Winfried Kretschmann hält vermutlich sogar aus guten Absichten die heutige Form einer Tankstelle für maßgebend – und er ist damit kaum anders als die meisten anderen. Wir alle haben Prägungen, die dazu führen, dass wir Dinge und Gegebenheiten für richtig und wahr halten, die vielleicht nur Meinungen sind (siehe dazu „Ich bin am Wahrheiten“). Besonders anschaulich hat dies in diesem Monat Phil Laude am Beispiel des Fidget Spinners dargelegt. Denn im Umgang mit diesem kleinen Kreisels greifen auch bei eher jungen Menschen Mechanismen in der Beurteilung des Neuen, die erstaunlich sind.

Weil es diese Mechanismen eben bei jungen Facebook-Fans genauso gibt wie bei grünen Ministerpräsidenten, schreibe ich gerade an einem Buch, das Gründe für einen gelassenen Umgang mit dem Neuen aufzählt. In der Recherche bin ich dabei auf ein Bild gestoßen, das vielleicht auch Winfried Kretschmann helfen könnten. Es handelt sich um ein umgedrehtes Deja-Vu. Damit wird eine Beobachtung beschrieben, von der man den Eindruck hat, man habe sie schon einmal erlebt. Ein Vuja-De hingegen dreht diesen Eindruck genau um: Es geht also darum, eine bekannte Sache eben genau so zu betrachten, als sei sie vollkommen neu. Robert Sutton hat diese Idee in seinem Buch „Weird Ideas That Work“ angestoßen – und damit nahezu eine Innovationsschule begründet. Jedenfalls kann man sich vornehmen, nach dem Prinzip des Vuja-De auf Dinge und Gegebenheiten zu schauen. Man kann sich bemühen, Perspektiven einzunehmen, die einem neu und fremd sind. Und am Ende kann man so auf Ideen kommen, die man sich ganz und gar nicht vorstellen kann.

Vielleicht versucht Winfried Kretschmann es ja mal mit einem Tankstellen-Vuja-De?
¯\_(ツ)_/¯


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Was Medien vom Laufen lernen können“ (Mai), „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

🏃 Fünf Entwicklungen, die man beim Laufen für (digitale) Medien lernen kann (Digitale Mai-Notizen)

Dieser Text ist Teil der Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Es gibt einen schönen Nebeneffekt am sportlichen Laufen, selbst wenn es man es nur joggend betreibt: Während man rennt, hat man Zeit zum Denken. Es gibt recht lesenswerte Ausführungen darüber, wie das Zusammenspiel von Nicht-Denken und Nach-Denken beim Laufen den Zwischenspeicher im Gehirn befreit (iPhone-Besitzer kennen einen vergleichbaren Prozess vom „Aufräumen“ auf hohe MB-Zahlen angewachsener Apps auf dem Smartphone). Und aus eigener Erfahrung kann ich ergänzen: Dieses Zusammenspiel bildet manchmal sogar die Grundlage für neue Ideen.

Jedenfalls entstand die Idee zu dieser Folge der „Digitale Notizen“ beim Laufen. Was auch damit zu tun hat, dass ich in diesem Monat an einem besonderen Lauf teilnahm – aber eben auch damit, dass ich glaube, dass der Kultur- und Medienbranche sich mit dem Laufen befassen sollten: mit dem Laufen als Markt. (Foto: Unsplash)

Denn im Geschäftsfeld „Breitensport“ lassen sich auch für mich als mittelsportlichen Laien ein paar Entwicklungen ablesen, die vielleicht Inspiration für die Medienbranche sein könnten. Ich sehe diese fünf (zu denen ich auch einen Experten befragt habe)

🏃 1. Vom Produkt zum Prozess – wie der Markt sich verändert 🏃
Ein Sportartikelhersteller lebt davon, Sportartikel zu verkaufen. Das klingt logisch und ist sicher auch richtig – aber eben nicht nur. Aus der Perspektive der ersten Entwicklung lässt sich ergänzen: Ein Sportartikelhersteller der digitale Gegenwart verkauft nicht mehr nur Sportartikel, er ist Partner für den gesamten Prozess „Sport machen“ geworden – oder versucht dazu zu werden. Neben bedeutsamen Veränderungen in der Ausrichtung der Kundenbeziehung (s.u.) heißt dies vor allem: Es geht nicht mehr nur darum, Sportartikel herzustellen und diese zu vertreiben. Es geht darum, den gesamten Prozess in den Blick zu nehmen.
Und was heißt das für Medien? Wenn der Vergleich stimmt, reicht es nicht aus, sich einzig auf gute Produkte – also Artikel, Beiträge oder Texte zu konzentrieren. Es könnte sinnvoll sein, den gesamten Prozess der Orientierung in den Blick zu nehmen

🏃🏃 2. Vom Verkäufer zum Gastgeber – wie die Unternehmen sich neu positionieren 🏃🏃
Selbstwahrnehmung und Positionierung des Unternehmens ändert sich durch die Erweiterung der Perspektive grundlegend. Es geht nicht mehr nur darum, gute Produkte zu verkaufen. Es geht um eine Infrastruktur, um eine dauerhafte Kundenbeziehung, für die das Unternehmen die Rolle eines Gastgebers einnimmt. Dabei folgt die Positionierung sehr vereinfacht gesprochen der Logik: Wenn wir wollen, dass die Menschen laufen (wofür sie dann unsere Sportartikel brauchen), dann müssen wir ihnen den Rahmen schaffen, in dem sie laufen können.
Und was heißt das jetzt für Medien? Wenn Sportartikelhersteller kostenlose Lauftreffs veranstalten, braucht es keine besonders große Kreativität um auf Lesegruppen zu kommen. Social Reading als Idee ist bereits da, bisher fehlt aber ein von Sportartikelherstellern Verlagen geschaffener Rahmen.

🏃🏃🏃3. Vom Kunden zum Testimonial – wie Verbraucher eine andere Rolle annehmen 🏃🏃🏃
Allein die Tatsache, dass Käufer*innen mit dem Erwerb von Sportartikeln auch Werbefläche anbieten, würde eine genauere Beobachtung verdienen: Wer ein T-Shirt von einem Sportartikelhersteller kauft, wirbt nicht selten durch die prominente Platzierung von Logo und Markennamen für den Hersteller. Allein die Frage zu stellen, wie man als Leser*innen diesen Distinktionsgewinn bei der Lektüre eines Mediums bekommen kann, wäre spannend. Aber darüberhinaus transportieren die laufenden Konsument*innen noch eine weitere Botschaft: Sie bringen andere Menschen in den Gastraum des Sportartikelherstellers. Sie werden zu Testimoninals, die die Sportartikelhersteller sogar bewusst fördern und vorstellen.
Was soll das jetzt für Medien bedeuten? Dass Leser*innen ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft Zeitung sind (siehe dazu meine Notizen aus dem Jahr 2009). Man entscheidet sich für das eine oder andere Medium eben auch weil man sich für die eine oder andere Gruppe derjenigen entscheidet, die es auch lesen/hören/gucken. Dieser Aspekt der Distinktion und Sichtbarmachung derjenigen, die ein Medium nutzen kommt bisher fast gar nicht zum Tragen. Die Laufbranche macht auf erstaunliche Weise vor wie es gehen könnte.

🏃🏃🏃🏃4. Von der Marke zum Medium – welche Rolle Inhalte spielen 🏃🏃🏃🏃
Diese Behauptung klang schon an anderer Stelle im Newsletter an: Marken erstellen selber Inhalte, mit denen sie Zielgruppen erreichen. Sie werden also selber zu Medien. Im Zuge der Veränderungen der eigenen Rolle produziert der Sportartikelhersteller eben nicht mehr nur Sport-BHs, sondern auch Sport-Berichte. Als Partner im Gesamtprozess „Laufen“ übernimmt der T-Shirtproduzent nun auch Ratgeberfunktionen, die früher Sportmedien übernommen haben.
Warum ist das für Medien wichtig? Weil Marken hier in den Kernbereich dessen vordringen, was bisher exklusives Geschäfts von Medien war: Mit Hilfe von Inhalten Ziegruppen zu erreichen. Selbst wenn die anderen Punkte den Medien in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung egal sind: Hier sind sie gefordert, sich neu und klarer zu positionieren.

🏃🏃🏃🏃🏃5. Von der (Produkt-)Eigenschaft zum Erlebnis – wie Werbung sich verändert 🏃🏃🏃🏃🏃
Wie inspiriert man Menschen dazu eine bestimmte Tätigkeit z.B. Laufen auszuüben? Indem man ihnen Menschen zeigt, die Freude an dieser Tätigkeit – also dem Laufen – haben. Bei der Beobachtung der zu Testimonials entwickelten Läufer*innen in sozialen Netzwerken habe ich verstanden, wie Content Marketing funktioniert (und was es von klassischer Produktwerbung unterscheidet): Es macht Lust darauf, eine Tätigkeit auszuüben, eine Produkt zu nutzen – indem es die Freude zeigt, die Menschen dabei haben. So stellen die Frontrunner und anders genannten Testimonials allein dadurch, dass sie ihr Laufen zeigen sicher, dass auch Menschen im erweiterten Umfeld inspirierte werden, zu laufen. Auch dafür brauchte man früher Sport-Medien und klassische Werbung.
Und welche Schlussfolgerung soll man nun daraus ziehen? Bei Content Marketing geht es nicht um Schleichwerbung oder Vertuschung einer Werbebotschaft. Es geht darum, die Nutzung eines Produktes von einer glaubwürdigen Person vorführen zu lassen. Völlig egal, wie man inhaltlich dazu steht: die Laufbranche zeigt, wie das funktionieren kann – und hat damit natürlich auch Einfluss auf klassische Medien.

Und wem das alles zu sportlich war: Man kann sich diese Entwicklungen auch von Apple zeigen lassen. In diesem Monat hat die Firma, die für viele ja ein Sportartikel-Smartphone-Hersteller ist, gezeigt, dass sie in Zukunft nicht nur das sein will, sondern zunehmend auch Infrastruktur-Anbieter werden will: Unter apple.com/today kann man sich anschauen, wie Apple die oben beschriebenen Entwicklungen auf die Anwendung seiner Geräte überträgt…

Zur Einordung meiner Beobachtungen übers Laufen habe ich jemanden gefragt, der sich damit auskennt: Aktiv wie als Berichterstatter. Gunnar Jans hat hier meine Fragen zum Laufen beantwortet.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).

Laufen macht glücklich! (Interview zu den Digitalen Mai-Notizen)

Dieses Interview erweitert die Mai-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, der sich in der aktuellen Folge mit dem Thema Laufen befasst – und den man hier kostenlos abonnieren kann!

Gunnar Jans ist Chefredakteur bei der Münchner Content-Marketing-Agentur The Digitale, einer Telekom-Tochter mit Sitz am Milchhäusl vis-a-vis zum Englischen Garten. Im Auftrag des Kunden Messe München verantwortet er den redaktionellen Auftritt von ispo.com, dem Leitmedium des Sport-Business – und berichtet dort auch übers Laufen. Er war 14 Jahre Sportchef der Münchner Abendzeitung und davor und danach ein Kollege bei der Süddeutschen Zeitung. Gunnar läuft fast täglich an der Isar, mittwochs bei den Urban Runners Munich – und einmal im Jahr auch Marathon.

Früher fanden Läufe und Lauftrainings in Sportvereinen statt. Heute sind es auch Sportartikelhersteller, die urbane Laufveranstaltungen starten, an denen Läufer*innen kostenlos teilnehmen können. Kannst du mal erklären, warum die das machen?
Der klassische Sportverein ist ein Medium von gestern: Er liefert verlässlich, aber wenig innovativ, zu vorher festgelegten Uhrzeiten, für eine feste Jahres-Abo-Gebühr, mit den immer gleichen Strukturen und den immer gleichen Gesichtern. Genau so wie User heute digitale Inhalte flexibel nutzen, organisieren sie auch ihre Freizeit: abwechslungsreich, ohne Verpflichtungen, permanent nach neuen Reizen suchend, meistens über soziale Netze, vor allem Facebook. Das haben, wenn wir zum Laufen kommen, die Sportartikelhersteller erkannt: Ihre Lauftreffs finden zwar auch regelmäßig statt, aber ohne Zwang, man kann vom einem zum anderen Anbieter springen, meist bieten sie jede Woche ein neues Special. So entsteht ein permanenter Wettbewerb um den Kunden, hier den Läufer, mit der Chance für die Unternehmer, auf Aktionen und Produkte aufmerksam zu machen. Oftmals geht es aber gar nicht um Werbung für ein bestimmtes Produkt – sondern nur ums Brand Building, also darum, etwas fürs Image zu tun, die Menschen an sich zu binden – und sogar Feedback zu bekommen, das auch die Hersteller besser macht in ihrer Performance. Weil sie mit den Kunden ins Gespräch kommen ohne geschäftlichen Zwang. Im Marketing geht es ja oft um die Frage: Setzen wir B2B, Business to Business, oder B2C, Business to Costumer? Die beste Antwort darauf ist: H2H, Human to Human.

Diese Veranstaltungen werden nicht selten in sozialen Netzwerken dokumentiert, die Laufgruppen der Marken tragen eigene Namen und veranstalten eigene Wettkämpfe. Was soll das?
Gerade Laufgruppen leben davon, dass ihre Teilnehmer Spaß haben am gemeinsamen Erlebnis. In den sozialen Netzen heißt das dann Community Building – was ja im besten Sinn die digitale Verlängerung eines analogen Erlebnisses ist. Wir laufen zusammen, wir markieren unsere gemeinsamen Wege – und taggen den Veranstalter, mit dem wir gelaufen sind. Je mehr es den Marken gelingt, dass ich mich aus freien Stücken an sie binde, dass ich mich mit ihrem Angebot identifiziere, um so eher werde ich zum Teil dieser Marke – und teile plötzlich meine Erlebnisse im Namen der Marke. Wenn es den Marken gelingt, ihre Angebote so spannend und vor allem abwechslungsreich zu gestalten, dass ich gern mit ihnen gemeinsame Sache mache, haben sie mich gewonnen. Als Teil der Marke. Wichtig ist allerdings, dass diese Angebote smart sein und für sich stehen müssen und vor allem: keine Verkaufsveranstaltung sein dürfen, keine Produktshow und niemals penetrante Werbe-Belästigung. Um mal einen Vergleich mit der SZ zu ziehen: Die „lange Nacht der Autoren“ ist bestes Content Marketing, die Fußgängerzonenstände mit sofortiger Probeabo-Bedrängung plumpe Werbe-Penetrierung. Konkret aufs Laufen bezogen: In München kann ich montags beim „Montag Fight Run“ laufen, dienstags bei „Never Stop Munich“, mittwochs bei Urban Runners Munich, donnerstags beim Lauftreff München – jeweils bei verschiedenen Marken, die eher smart branden. Die Ausnahme sind da die Adidas Runners Munich – die jeden Tag Programm bieten, was ein einzigartiges Konzept ist, fast eine Komplett-Betreuung, aber auch mit einem gewissen Guppenzwang versehen.

Eine weitere Beobachtung im Laufbusiness: Adidas kauft runtastic, Asics kauft Runkeeper – kann man eigentlich noch von Sportartikel-Herstellern sprechen oder entwickeln sich diese nicht vielmehr zu Infrastruktur-Anbietern?
Mit Blick auf die digitale Transformation ist es mehr als clever, die komplette Infrastruktur unter einem Dach anzubieten. Nur wenn ich alles biete, vom Produkt über die smarte Tracking-App bis zur Community mit Wettbewerbscharakter und dies auch idealerweise vom Digitalen ins Analoge und umgekehrt zurückspielen kann (eben durch Laufgruppen, die sich über Social Media vernetzen), biete ich dem Kunden die Möglichkeit, in meiner Welt zu bleiben und nicht die Plattform zu wechseln. Idealerweise gelingt es mir, ihn über einen Kanal auf meine Plattform zu holen und dann alle meine Services für ihn nutzbar zu machen. Und was das Zusammenspiel von Sportartikel-Herstellern und Tracking-Plattformen wie Runtastic oder Runkeeper angeht: Auf diesen Plattformen geben die Nutzer freiwillig (!) so viele Daten preis, an die der Hersteller sonst nie käme und die er für die Entwicklung seiner Produkte nutzen kann, dass es für die Sportartikel-Hersteller geradezu ein Muss ist, dort auch Anbieter zu sein.

Braucht man dann eigentlich noch Laufmedien wie Zeitschriften oder Websiten, die das Thema „Laufen“ begleiten? Das übernehmen doch dann auch die Anbieter selber, oder?
Ich bin fest davon überzeugt, dass Marken zu Medien werden und neben Produkten künftig auch Inhalte liefern werden, die wiederum mehr als die Welt ihrer Produkte abbilden. Wenn es sich durchsetzt, dass dies immer vom Nutzer her gedacht wird, so wie übrigens gutes Content Marketing funktioniert, kann dies zur Folge haben, dass diese Unternehmens-Seiten eine hohe Reichweite bekommen – und das Unternehmen in seine eigenen Inhalte investieren wird mit der Folge, weniger Werbemittel für Zeitschriften oder andere Portale zur Verfügung zu stellen. Deren Situation wird dadurch nicht leichter werden. Trotzdem glaube ich, dass Special Interest Zeitschriften oder Websites weiter eine gute Chance haben – wenn ihr Markenkern etwas unverwechselbares hat. Ich jedenfalls lese gern Lauftipps auf Sportartikelherstellerseiten – aber genauso die Runner’s World als das beste Fachmagazin oder Hajo Schumachers herrliche verrückte und vor allem umfassende Seite achim-achilles.de

Ich behaupte, dass auch der Journalismus und die Medienbranche etwas von dieser Entwicklung lernen kann, dass es nämlich nicht nur um den Inhalte oder die Produkte geht, sondern immer mehr auch um das Umfeld, um den Kontext. Siehst du das auch so bzw. siehst du Entwicklungen, die man aus dem Laufbusiness auf die Medienbranche übertragen kann?
Der wichtigste Hebel ist: sich um den Nutzer, den User, den Leser, den Kunden zum kümmern. Ihm nicht ein schlimmstenfalls auch noch abgeschlossenes Produkt hinzuwerfen, sondern ihn das Medium zum Teil seiner Welt zu machen. Ihn überall zu begleiten, ihm Hilfestellung zu leisten. Mit ihm in Kontakt zu treten. Analog und digital und wieder analog. Das Lauf-Business macht vor, wie es funktionieren kann: Erlebnisse zu schaffen, die man teilen möchte mit anderen, mit Gleichgesinnten. Beim Laufen werden die Kunden dank der digitalen Möglichkeiten zum Botschafter des Unternehmens, zum Influencer. Wenn dies schon Marken gelingt, die bis gestern noch gar keine Medien waren, sollten die Verlage dazu doch erst recht in der Lage sein – und die Bedürfnisse ihrer Kunden ernst nehmen, sich mit ihm austauschen auf allen digitalen Plattformen und sich auch von den Lesern inspirieren lassen. Dass jemand aus dem 22. Stock Kommentare schreibt, die mir die komplexe Welt ein Stück weit leichter verständlich machen, ist wichtig – wirklich überzeugt werde ich aber erst, wenn sich derselbe Kommentator auch auf meine Welt einlässt, er also Kenntnis hat von dem, was ich bewegt. Und zum Influencer für diesen Kommentator, also quasi zu seinem Marken-Botschafter, werde ich erst dann, wenn auch sich auf den Dialog mit mir einlässt. Warum laufe ich mit einem Urban Runners Munich -Shirt durch die Stadt, warum gehe ich bei Wettbewerben für die Urban Runners an den Start? Weil ich Teil der Gruppe sein mag, mich dazugehörig fühle. Wer aber fühlt sich als Leser, egal ob flüchtig oder jahrzehntelanger Abonnent, wirklich einer bestimmten Zeitungsmarke zugehörig?

Du läufst – das kann man auf deinen Instagram– und Twitter-Profilen verfolgen – auch selber. Was reizt dich selber an dem Sport und vor allem: Warum teilst du deine Freude daran in den sozialen Medien?
Weil ich, wenn ich alleine laufe, dabei am besten nachdenken kann. Und wenn ich in der Gruppe laufe, die gemeinsamen Erlebnisse und die Endorphine genieße. Weil es ein wunderbares Wechselspiel ist zwischen Abschalten und Aufdrehen, zwischen Quasi-Meditation und Wettkampfmodus. Das alles spielt sich für mich auch in den sozialen Medien ab: Fotos, die die Faszination des Laufens zeigen. Gedanken oder Kommentare, die nur beim Laufen entstehen. Und Gefühle vor, während und nach dem Lauf, die du sonst nirgends erlebst. Dies in den sozialen Medien zu teilen, bedeutet ja auch, die Motivation zu teilen, weiterzugeben. Es gibt ja diesen in der Running-Szene beliebten Hashtag #laufenmachtglücklich. Ich glaub’ tatsächlich daran. Allerdings musst du dir auch darüber klar sein: Wer nicht Teil dieser Lauf-Communitys ist und doch in seiner Timeline häufig von Lauf-Post belästigt wird, hält Läufer für außerordentlich mitteilsame Spinner – bestenfalls.


Dieses Interview gehört in den monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann. In der aktuellen Folge denke ich übers Laufen nach.

Der Monat, in dem das Fernsehen starb (Digitale April-Notizen)

Dieser Text ist Teil der April-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann!

Er ist Geheimagent im Auftrag seiner Majestät. Er ist körperlich durchtrainiert und technisch perfekt ausgestattet. Kein noch so aussichtsloser Auftrag ist zu kompliziert für ihn: Daniel Craig ist der aktuelle James Bond-Darsteller. Daniel Craig ist ein Mann für unlösbare Aufgabe und deshalb schafft Daniel Craig beim Fernsehen sogar das hier: Eine Szene wiederholen.

Eine deutschlandweite Plakatkampagne wirbt derzeit dafür. Testimonial Daniel Craig sitzt dabei in grüner Strickjacke auf dem Sofa und zielt mit einer Fernbedienung in Richtung des Zuschauers. Denn für James Bond, sagt dieses Plakat, ist „nichts leichter“ als eine Szene zu wiederholen.

Ich musste den Blick aufs Plakat mehrfach wiederholen. Zu unglaubwürdig erscheint mir die Kampagne. Die Fallhöhe zwischen testosteron-getränkter Männlichkeit einerseits und Banalität der Aufgabe andererseits wirkt auf mich als würde James Bond sagen: „Eine Banane ohne Schale essen? Nichts leichter als das“.

Diese Kampagne rückt nicht die Superkräfte des Geheimagenten ins Blickfeld, sondern seine fehlende Gegenwart. Nicht nur Netflix oder Amazon Prime scheinen ihm unbekannt, auch die Mediatheken nutzt er offenbar nicht. Dieser Geheimagent lebt so selbstverständlich in einer einzig linearen, klassischen Fernsehwelt, dass er sie sogar zum Maßstab für sein Handeln erhebt.

Dies trifft aber natürlich nicht nur auf das Werbetestimonial Daniel Craig zu. Es trifft vor allem auf diejenigen zu, für die diese Werbung gemacht ist. Es scheint in diesem Land noch eine Menge Menschen zu geben, die staunen, wenn jemand behauptet, er könne eine Szene im Fernsehen wiederholen. Im Bild mit der Banane heißt das: Mit dem Entfernen der Schale kann man offenbar tatsächlich Leute beeindrucken.

Ich finde das interessant, weil diese merkwürdige Kampagne in den gleichen Monat fällt, der für mich als derjenigen in Erinnerung bleiben wird, in dem klassisches Fernsehen für mich starb. Die Abschaltung des DVB-T-Signals markiert für mich den Zeitpunkt, an dem ich aufgehört habe, die Art von Fernsehen anzuschauen, bei der man keine Szene wiederholen kann.

Es ist erwähnenswert, sich diesen Monat zu merken. Denn in nicht allzu ferner Zukunft wird sicher jemand fragen: Wann haben wir eigentlich aufgehört auf die Weise Fernsehen zu schauen wie unsere Eltern es getan haben? Ich weiß, was ich dann antworten werde: Im April 2017 – als das DVB-T-Signal abgeschaltet wurde.

Dass ich in diesem Monat auch von den Plänen von Mark Zuckerberg las, brachte mich dazu, diesem Text einen über mein eigenes Fernsehverhalten hinaus deutenden Titel zu geben. Die New York Times zitiert den Facebook-Chef mit den Worten: „Denken Sie an all die Dinge, die uns umgeben, die nicht zwingend physische Objekte sein müssen. Statt ein TV-Gerät für 500-Dollar zu kaufen, kann man sich Fernsehen auch in einer App für einen Dollar vorstellen.“

Zuckerberg bezieht sich damit auf eine Form der erweiterten Realität, die er in Facebook mit Hilfe einer Kamera erschaffen will. Pokemon-Go-Spieler kennen das Prinzip der so genannten augmented reality aus eigener Anschauung. Facebook will diese Technologie in einer Art nutzen, die ich im Metabuch als Ende des Durchschnitts beschreibe. So skizziert Zuckerberg die Idee einer freien Wand, die erst durch den Blick durch die Facebook-Kamera einen Inhalt freilegt – womöglich abhängig von denjenigem, der durch die Kamera blickt. Auf das eingangs zitierte Plakat übertragen, kann das heißen: Auf der Werbefläche könnten unterschiedliche Motive angezeigt werden – abhängig davon, wer vor das Plakat tritt.

All das befindet sich noch im Planungsstatus und es gibt nicht wenige, die behaupten, Zuckerberg werde sich damit nicht durchsetzen. Für meinen Blick auf „Fernsehen“ im April 2017 ist dieser Teil aber fast unbedeutend. Denn wann es kommt und von wem es zuerst eingeführt wird, ist nachrangig im Vergleich zu dem Ausblick auf das, was Fernsehen einmal sein kann – nach seinem Tod im April 2017.


Dieser Text stammt aus dem monatlichen Newsletter Digitale Notizen, in dem man mir beim Denken zusehen kann.

In diesem Newsletter sind z.B. erschienen: „Fairer Teilen“ (März 2017) „Streiten lernen – für ein besseres Internet“ (Januar 2017), „Digitaler Heimat- und Brauchtumsverein“ (Oktober 2016), „Ein Dutzend Ideen für die Journalistenausbildung“ (September 2016) „Kulturpragmatismus“ (Juni 2016), „Denke kleiner“ (Februar 2016 ) „Social-Media-Gelassenheit“ (Januar 2016).