„Als Chance sehen, sich gegenseitig aufmerksamer zuzuhören“ – Musikunterricht im Stream

Was ist online möglich, wenn der direkte Austausch nicht mehr klappt? Mit dieser Frage befasst sich eine kleine Serie, die ich im Rahmen der Corona-Ausnahmesituation gestartet und mit zehn Lehren beschrieben habe. Folge 8: Musikunterricht im Stream (Foto: unsplash)

Maria ist Musikerin in Bayern. Sie unterricht ihre Instrumente jetzt im Stream.

Du machst jetzt etwas, das du vorher im direkten Austausch mit Menschen gemacht hast, über eine digitale Verbindung. Hast Du Dich schon dran gewöhnt? Bzw. Was irritiert Dich immer noch?
Es geht erstaunlich gut, besser als ich dachte, allerdings kann man weniger an der Tonqualität arbeiten, und es gibt eine leichte Zeitverzögerung – gleichzeitig spielen fällt also flach.

Was war die größte Hürde, die Du überwinden musstest? (Hardware, Software, Ausstattung, kulturelle Bedenken – alles möglich)
Das Einrichten. Das ist mit einem Cello nochmal ein bisschen komplizierter als zb mit einer Geige, die kleiner ist, und bei der man näher hin kann. Beim Cello muss man drauf achten, dass zumindestens beide Hände, also Greif- und Streichhand gut zu sehen sind. Allerdings hab ich da Glück, denn mit einem großen Mac is das ziemlich entspannt.

Gibt es etwas, das jetzt besser ist als vorher?
Keine Anfahrt. Weder für Schüler noch für Lehrer.

Im direkten Austausch gibt es stets irgendeine Form von Rückmeldung, eine Stimmung im Raum. Wie löst du das Problem, dass das online nur sehr viel schwieriger wahrzunehmen ist?
Man muss sich gegenseitig mehr Zeit geben, kann nicht unmittelbar unterbrechen, Feedback geben, und Ungeduld funktioniert hier nicht. Da das Bild manchmal hängen bleibt etc. Mit Humor nehmen, und das Beste draus machen, man kann es auch als Chance sehen, sich gegenseitig aufmerksamer zuzuhören, aussprechen und ausspielen zu lassen.

Welchen Ratschlag würdest du jemandem geben, die/der jetzt auch ins Online-Streaming einsteigt?
Geduld mitbringen, und sich drauf einstellen, dass mal was ruckelt, und die zeitverzögerung nicht vergessen. Einen Rhythmus mitklopfen oder zum Animieren die Phrase mitsingen geht zb nicht mehr ;)

Zum Abschluss: Kannst du noch kurz erklären, wie (also mit welcher Soft-/Hardware) du jetzt online gehst?
Zoom. Aber da es da Datenschutzlücken gibt, schau ich mich mal weiter um. Doozzoo sollte gut sein.

Dieser Fragebogen ist Teil einer kleinen Serie hier im Blog, die sich mit Streaming und Video-Konferenzen befasst. Wenn du wegen der Corona-Krise auch auf Streaming umgestellt hast und darüber sprechen möchtest: melde dich bei mir!