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loading: Ruhrbarone-Freundeskreis

Kann man Freund eines Mediums sein? Man kann. Die Ruhrbarone haben vor ein paar Tagen offiziell ihren Freundeskreis gestartet. Die Ruhrbarone sind ein lokales Blog im Ruhrgebiet. Das wiederum ist jener Teil des Landes, der unlängst durch Einsparmeldungen in Sachen Journalismus von sich reden machte. Stefan Laurin und sein Team stellen sich dagegen. Er hat unseren loading-Fragebogen beantwortet:

Was macht Ihr?
Wir haben eine Freundeskreis gegründet, damit unsere Leser sich freiwillig an der Finanzierung der Ruhrbarone beteiligen können. Wir wurden immer wieder aufgefordert so etwas zu machen, nun haben wir es getan.

Warum (macht Ihr es so)?
Wir orientieren uns an den Erfahrungen der Prenzlauer-Berg-Nachrichten. Die haben erste, gute Erfahrungen mit einem Freundeskreis gemacht.

Wer soll dabei mitmachen?
Möglichst viele unsere Leser.

Wie geht es weiter?
Der Freundeskreis ist nur einer der Wege, die wir gehen, um die Einnahmen des Blogs zu erhöhen und damit unsere Arbeit zu verbessern. Gleichzeitig haben wir unsere Werbebemühungen verstärkt und denken auch über den Verkauf von E-Books nach.

Was sollten mehr Menschen wissen?
„There ain’t no such thing as a free lunch“ – auch Journalismus muss finanziert werden. Durch Werbung, durch Engagement der Leser und auch durch die Veränderung politischer Rahmenbedingungen. Journalismus sollte als gemeinnützig anerkannt werden.

>>>>> Hier Mitglied im Ruhrbarone-Freundeskreis werden!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Hauptsache Fußball!

Der Kölner Bayern-Fan Andreas Bach (mit dem ich hier unlängst ein Interview führte) hat den sehr empfehlenswerten Film Hauptsache Fußball gedreht, dessen Trailer eine Antwort auf die Katastrophe des gestrigen Abends liefert. Nach 1:08 Minuten kommt ein Bochum-Fan (nach dem Abstieg in der vergangenen Saison) zu Wort. Er sagt:

Ich werd jetzt noch ein paar Bier trinken. Und dann wird alles wieder gut

Übersetzt auf die aktuelle Situation heißt das (glaube ich): Gladbach ist noch nicht durch!


Denn ich erinnere an Christoph Biermanns sehr richtige Einschätzung:

Die Welt des VfL Bochum ist ewiger Abstiegskampf, Fahrstuhlfahrten zwischen den Ligen, Schmerz, Trauer – und immer wieder Hoffnung. Ein zähes „Ihr da oben, wir hier unten” ordnet die Welt seit Anbeginn.

Wie Schiedsrichter arbeiten

Wie sieht eigentlich ein Fußballspiel aus Perspektive eines Schiedsrichters aus? Der WDR zeigt heute abend (22 Uhr) die Dokumentation Die Schiedsrichter, aus der man vorab schon diese Szene aus dem Spiel Griechenland gegen Schweden – in der Hauptrolle: Massimo Busacca . Außerdem der griechische Spieler Giorgos Karagounis und ein vierter Offizieller an der Seitenlinie, der seine Rolle als Wetterfrosch missversteht:

via allesaussersport und Tagesspiegel

Wir sind VfL

Der VfL hat sich vor einiger Zeit ein Leitbild gegeben. Über dessen Inhalte mag man streiten, aber zumindest war es der richtige Versuch, die eigene Identität im Wettbewerb mit anderen Vereinen zu stärken. Ein Leitbild ist aber immer nur so stark, wie es die handelnden Personen überzeugend mit “Leben” zu füllen vermögen. Das ist beim VfL nicht mehr der Fall. „Unbeugsam“ war in der vergangenen Saison niemand. Es reicht nicht aus, Identität und Tradition nur zu behaupten oder plakativ auf Werbebanner und Trikots zu drucken. Man muss sie auch leben. Das Kernprodukt des VfL Bochum ist Fußball. Das Image hart zu arbeiten, selbstbewusst zu sein und ehrlich miteinander umzugehen entsteht zuerst auf dem Platz und nicht in Werbekampagnen oder auf Pressekonferenzen.

Gestern ist die Initiative Wir sind VfL veröffentlicht worden. Heute stellt der Verein den neuen Trainer vor: Es ist Friedhelm Funkel.

via

Der Mythos vom Straßenfußball

Die Panke ist einer von 30 Bolzplätzen hier im Viertel, einer von Hunderten in ganz Berlin. Diese Käfige sind Orte, um die sich Mythen ranken wie Unkraut um ihr Gitter. Maradona, der bei der Weltmeisterschaft in Mexiko in einem Lauf über das ganze Feld fünf englische Gegenspieler und am Ende den Torwart austanzte, hatte auf so einem Platz gespielt, in einem armen Vorort von Buenos Aires. Zidane ist groß geworden auf so einem Platz, zwischen grauen Plattenbauten in Marseille. Sie alle, Maradona und Zidane, Ribéry und Rooney, Genies und Wahnsinnige, haben in der Enge dieser Käfige gelernt zu fliegen. Hier entwickelten sie ihren Instinkt, einen ungezähmten, unberechenbaren Fußball, der die Verteidiger in den Vereinen überforderte und sie selbst zu Millionären machte.

Unter dem Titel Der Nabel ihrer Welt besucht Die Zeit den Bolzplatz im Berliner Bezirk Wedding, in dem die Boateng-Brüder das Fußballspielen gelernt haben. Kevin-Prince, der bei der WM im Kader von Ghana steht, hat heute übrigens deshalb Deutschlandweit Berühmtheit erlangt, weil er am Wochenende im Finale des britischen Pokals Michael Ballack so foulte, dass dieser Gipsverband und ruhig stellenden Spezialschuh tragen muss – und nicht das Trikot der Nationalmannschaft. Davon steht nichts in dem lesenswerten Text, aber von Gummistiefeln an den Füßen des siebenjährigen Kevin kann man lesen und von Problemen mit dem DFB:

Mit dem, was Boateng im Käfig an der Panke groß gemacht hatte, eckte er an in der hierarchischen Welt des DFB, die jemanden wie den Stürmer Kevin Kurányi für das Verlassen des Stadions während eines Länderspiels lebenslang ausschließt. Es ist eine Welt, deren Helden sein sollen wie der Teammanager Oliver Bierhoff, glatt geschliffen und geföhnt. Mit Anfang 20 sollen sie Playstation spielen, mit Mitte 20 ein Fernstudium absolvieren und mit Ende 20 an ihrem Golfhandicap arbeiten. Es ist eine Welt, in der es – anders als auf dem Bolzplatz – nicht reicht, einfach nur gut zu sein.

Das Thema Ballack findet in dem Text dann doch statt – in den Kommentaren unten drunter.

Immer wieder aufstehen

Es ist letztlich wie in der Kindererziehung, wenn du den Blagen aus einer aus ihrer Sicht ausweglosen Situation heraushelfen willst: Wollen sie in der Ecke sitzen und heulen oder sollten sie versuchen, das Beste daraus zu machen? Mach es mit Musik: Spiel ihnen Herne 3 vor: Immer wieder aufstehen, immer wieder sagen, es geht doch!

Frank Goosen fordert nach dem Katastrophen-Wochenende des VfL Bochum: „Gebt uns unseren Verein zurück“ und verweist auf den Song Immer wieder aufstehn`:

Seine Forderung:

Wer weiß: Hätte man den Mut, konsequent eine Image-Nische zu besetzen, weg von Billig-Discountern auf dem Trikot, hin zu der kämpferischen, vielleicht etwas dreckigen, aber immer hautnahen, leidenschaftlichen Alternative zu den Großclubs ein paar Kilometern westlich und östlich von uns – vielleicht würde sich das unterm Strich auch finanziell bezahlt machen. Mancher Verein möchte etwas besonderes sein, der VfL will nur sein wie (fast) alle anderen.

Über Fußball

In den vergangenen Tagen ging es hier (und vor allem in meinem Twitter-Account) erstaunlich häufig um Fußball. Der Hintegrund ist das für den VfL Bochum dramatische Saisonfinale, das in einem Abstiegsendspiel am Samstag gegen Hannover (und dann hoffentlich mit dem Klassenerhalt) endet. Warum ich mich für den VfL Bochum interessiere? Weil es der beste Verein ist, der in Deutschland Fußball spielt! Nein, Bochum ist nicht das deutsche Barcelona, ich behaupte nicht, dass man an der Castropper Straße den besten Fußball spielt. Ich behaupte, dass der VfL der beste Verein ist. Warum das so ist? Christoph Biermann hat dies vor acht Jahr so wunderbar auf den Punkt gebracht, dass seine damalige taz-Kolumne zu einer Art Gebotstafel für VfL-Fans wurde. Er schrieb:

Die Welt des VfL Bochum ist ewiger Abstiegskampf, Fahrstuhlfahrten zwischen den Ligen, Schmerz, Trauer – und immer wieder Hoffnung. Ein zähes „Ihr da oben, wir hier unten” ordnet die Welt seit Anbeginn.

Doch:

Sieger waren mir aber immer schon langweiliger als jene, die interessant zu scheitern wissen. Deshalb fand ich es auch besonders cool, Anhänger des VfL Bochum zu sein, weil es im Grunde haltlos uncool ist.

Jetzt gibt es wenig, was sich so konsequent den Kategorien von cool und uncool entzieht wie das Fansein beim VfL Bochum. Und dennoch steckt in diesem Satz viel Wahrheit über Fußball. Ähnliche Ansichten finden sich übrigens auch in dem tollen (und leider nicht mehr lieferbaren) Buch Eine Saison mit Verona, für das Tim Parks eine Spielzeit lang mit Hellas Verona durch die italienische Serie A gereist ist.

Warum ich das alles schreibe? Weil ich glaube, dass irgendein zeitreicher Berliner Autor, Schriftsteller oder Literat (bzw. noch besser: Autorin, Schriftstellerin oder Literatin) genau das tun sollte: In der kommenden Saison mit Hertha BSC durch die zweite deutsche Liga reisen. Zwar wird es darin kein Kapitel über Bochum geben, aber das Buch wird sich sicher super verkaufen zum Wiederaufstieg der Hertha – im Jahr 201_ (bitte selber einsetzen). Denn das mit dem interessant scheitern ist ja wahr, aber nicht an diesem Wochenende!

Update: Das habe ich jetzt von meinem Hochmut, Berliner Fans Ratschläge für die zweite Liga zu geben. Bochum steigt sang- und klanglos mit der Hertha ab.

Bochum und Koller

Für Außenstehende ist schwer zu verstehen, warum Koller, der den VfL Bochum in die Bundesliga führte und drei Jahre dort hielt, derartigen Hass des Publikums auf sich gezogen hat. Schon früher wurde in Krisen lautstark seine Ablösung gefordert, weil er vielen Zuschauern nicht emotional und hemdsärmelig genug war. Besonnene Fachleute auf der Trainerbank kommen bei den Fans im Ruhrgebiet nicht an, außer sie sind, wie Ottmar Hitzfeld es in Dortmund war, unablässig erfolgreich. Lieber hat man Grantler wie Huub Stevens, volksnahe Schwadroneure wie Peter Neururer oder knallharte Machtmenschen wie Felix Magath. Dass Koller durch seine Politik der ruhigen Hand etliche Krisen erfolgreich überstand, legte man bizarrer Weise sogar gegen ihn aus.

Christoph Biermann beschreibt bei Spiegel-Online Wie die Bochumer Fans ihren Trainer erledigten und kommt zu dem Schluß:

Jedes Jahr in der Bundesliga zu spielen, wäre für Bochum unter diesen Bedingungen ein Triumph, und dass der VfL mehr Erstliga-Spielzeiten als Hertha BSC, Hannover 96, Wolfsburg oder der 1. FC Nürnberg hat, ist ein Wunder.

Ich kann nicht beurteilen, ob das stimmt. Ich kann aber nachvollziehen, dass man sich als Fan mit diesem sehr besonnenen Urteil nicht zufrieden gibt …