Denke kleiner (Digitale Februar Notizen)

Dieser Text ist Teil der Februar-Folge meines monatlichen Newsletters „Digitale Notizen“, den man hier kostenlos abonnieren kann! Die aktuelle Folge ist ein Lob der Kurzkultur.

Es sind neue Gefühle verfügbar! Facebook hat nach einem Test in Spanien und Irland nun der ganzen Facebook-Welt die Gefühls-Ausdrücke Haha, Yay, Wow, Sad und Angry spendiert. Diese Erweiterung des emotionalen Spektrums hat für zahlreiche Kommentare und Witze gesorgt, der einzige, der davon jedoch erwähnenswert wäre, ist dieses animierte Gif, das den Zustand Confused in Form des weiterhin lobenswerten, gleichnamigen Travolta. Es zeigt wie vielschichtig und reich an Bedeutungen Emojis und Gifs sein können. Sie verknappen unsere Sprache, erweitern sie aber gleichzeitig. Sie sind eine Kommunikationsform, die sich im "Sprechen in geschriebenen Buchstaben" ausdrückt, welches der digitale Austausch in weiten Teilen ist bzw. geworden ist.

Der Dualismus der gleichzeitigen Verknappung und Bedeutungstiefe fasziniert mich ungemein – er zeigt, dass das Kurze einen besonderen Zauber erzeugen kann. Einen Zauber, der dem schlechten Image widerspricht, das die Infohappen und Textbrocken mancherorts haben. Ich glaube im Gegenteil, dass in der Verknappung eine besondere Leistung steckt. Inhalte snackable zu machen, also auf den Punkt zu kommen und sie so komprimiert wie nur möglich auszudrücken, ist die hohe Kunst der (digitalen) Kommunikation.

Aber es ist noch viel mehr.

Das Kurze kann uns zum Beispiel dort helfen, wo wir den großen Wurf nicht finden: Statt auf den vorrausschauenden Lenker zu warten, der alle Entwicklungen überblicken und einordnen kann und dann (alters-)weise eine Route vorgibt, müssen wir in digitalen Entwicklungen viel kürzer denken und handeln. Wir müssen in kleinen Projekten und Produkten schnell lernen. Auch hier besteht die besondere Kunst darin, klein denken zu lernen. 

Es ist kein Zufall, dass in der Lean Startup-Kultur das kleinste machbare Produkt (MVP) als Entwicklungeinheit gepriesen wird. Es ist Ausdruck der Fähigkeit klein zu denken – und schnell zu lernen. Widerspruch erzeugt diese Form der Produktentwicklung vor allem dort, wo man auf den Masterplan, auf den großen Wurf wartet. Ich glaube, dass es falsch ist darauf zu warten. Die Welt verändert sich so schnell, dass ich mir niemanden vorstellen kann, der allein in der Lage sein wird, diesen Wurf zu formulieren (geschweige denn auzuführen).

Ich finde wir sollten uns stattdessen lieber von der Begeisterung anstecken lassen, die Moiz Syed in diesem Video in nicht mal fünf Minuten zum Ausdruck bringt. Der Design Manager bei Wikimedia spricht in dem kurzen Clip von der Freude, die in kleinen Projekten entstehen kann. Ich habe aus dem Kurzvortrag zehn Thesen destilliert und übersetzt:

1. Kleine Projekte versetzen dich in die Lage, Fehler zu machen
2. Die Freiheit, Fehler zu machen, fördert Kreativität und macht dich stärker
3. Kleine Projekte schützen dich vor übertriebenem Perfektionismus
4. Kleine Projekte sind eben nicht der Masterplan, sondern Versuche. Sie befreien dich von den Vorgaben großer Projekte.
5. Kleine Projekte versetzen dich in die Lage, mit neuen Leuten zusammenzuarbeiten ohne dich ewig zu binden
6. Kleine Projekte kann man leichter teilen und weiternutzen
7. Kleine Projekte geben dir die Möglichkeit, Dinge zu tun, die du sonst nicht tust
8. Mit kleinen Projekten kannst du deine Ideen testen. Probiere sie aus, messe den Erfolg und lerne daraus
9. Deine kleinen Projekte sind mehr als die Summe der einzelnen Teile, sie fügen sich zu einem Portfolio und erinnern dich daran:
10. Du bist mehr als das, was du gerade arbeitest. Dein aktuelles Projekt ist nicht dein Leben, es ist nur ein Bestandteil

Deshalb schließt Moiz Syed mit der Forderung: Geh raus und suche dir ein kleines Projekt! Kümmere dich nicht um Erfolgsaussichten und Finanzierung! Suche Dir etwas, was du spannend findest und probiere es auf kleinster realisierbarer Ebene aus, teste und lerne draus!
 

Dieser Text stammt aus dem monatlichen Digitale Notizen Newsletter.