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Proper Tasty, Tasty und Nifty: Der Aufstieg der Rezeptefilme auf Facebook

Nachher fragt man sich dann stets wann es eigentlich angefangen hat. Im Fall von Tasty kann man es sehr genau sagen: Das Video-Rezepte-Angebot von Buzzfeed ist im vergangenen Sommer an den Start gegangen – und es legt eine erstaunliche Reichweitenkarriere auf Facebook hin. Dayna Evans erklärt im New York Magazine was sie an den kurzen Filmen fasziniert:

Black Bean BurgersFULL RECIPE: http://bzfd.it/1ShI7ot

Posted by Tasty on Montag, 28. März 2016

Tasty is barely a year old — it launched at the end of last July — but has since amassed almost 50 million Facebook fans, and, as of the beginning of this year, more than 84 million comments. The view count is even more astounding: Since Facebook switched over to an autoplay feed, where videos shared by your friends begin to stream without your hitting play, Tasty has racked up 8 billion views and counting.

Hauptgrund für den Erfolg der Videos ist die Autoplay-Funktion in der Facebook-Timeline. Um Videos mehr Gewicht zu geben (und sich selber als Konkurrent zu YouTube zu positionieren), ist Facebook dazu übergegangen, kurze Filmclips automatisch in der Timeline zu starten. Und die Macher aus Buzzfeeds Videoteam haben sich darauf eingestellt, sie haben diese kurzen Rezeptvideos entwickelt, die auch deshalb so populär sind, weil man sie eben nicht nachkochen will, wie Dayna Evans lesenswert erklärt:

The autoplay is part of what drew me into BuzzFeed Tasty in the first place. So many people were sharing these videos in my feed that I couldn’t look away. Inevitably, the Zen-like state that they put me in — who doesn’t like to see a task go from start to finish in under one minute — caused me to seek them out myself in times of panic or desperation. They are the basic salve to all ills. I may never make chocolate galaxy bark, but it helped me not lose my mind on Monday. In fact, I’ve never made any of the dishes on Tasty’s site, and I probably never will. To me, that’s not the point.

Buzzfeed jedenfalls legt nach: Auf Tasty folgte Proper Tasty sowie die brasilianische Version Tasty demains. Seit kurzem gibt es auch Nifty, eine Seite, die Haushaltstipps auf gleiche Weise aufbereitet.

3 Tiered Herb PlantersSee full written instructions here: http://bzfd.it/1MfWr47

Posted by Nifty on Sonntag, 20. März 2016

Stets handelt sich um kurze Clips, die in wenigen Sekunden ein Rezept zubereiten oder eine Problem lösen – und zwar jeweils aus der Perspektive des Zuschauers. Vor seinen Augen verwandelt sich das Ei in wenigen Augenblick in Eischnee oder die Karotten in einen vegetarischen Burger.

Hier den ganzen Text aus dem New York Magazine lesen

loading: Cinedime

Crowdfunding fürs Kino – das ist das Ziel der jungen Plattform Cinedime, die am 21. Oktober mit dem Filmprojekt Lena Love startet.

cinedime

Cinedime-CEO Markus Brandmaier hat zum Start des neuen Portals den loading-Fragebogen ausgefüllt.

Was machen Sie?
Als erste deutsche Crowdinvesting-Plattform mit der Spezialisierung auf Filmprojekte bieten wir der Crowd die Möglichkeit, sich auf mit kleinen Beträgen bereits ab 100 € an der Finanzierung großer deutscher Filmproduktionen zu beteiligen. Die Investoren erhalten neben einem Anteil an späteren Verwertungserlösen aus Kino, DVD, Video-on-Demand und allen Weiteren auch sog. Produzentenprivilegien, wie z.B. Set-Besuche oder Premieren-Tickets. Ein Investment auf Cinedime bietet also nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine emotionale Teilhabe am Filmprojekt.

Warum machen Sie es (so)?
Nachdem dieses Jahr der DFFF um 10 Millionen Euro, von 70 Millionen auf 60 Millionen, gekürzt wurde und nächstes Jahr eine erneute Kürzung ansteht, wird die ohnehin schon schwierige Situation für Filmproduzenten noch prekärer. Es ist nie genug Geld da, um alle Bedürfnisse zu befriedigen. Eine Filmproduktion ist teuer. Die traditionellen Finanzierungsmöglichkeiten sind knapp und werden teilweise immer mehr gekürzt. Dieser Kostendruck wirkt sich gerade bei kleineren und mittleren Produzenten auf die Qualität und damit auf deren wirtschaftlichen Erfolg aus. In diesem Kontext ist es uns eine wichtiges Anliegen, mit Cinedime ein neues ergänzendes Finanzierungstool anbieten zu können.

Wer soll sich daran beteiligen?
Als potentiellen Investor sehen wir filmbegeisterte Menschen, die eine Leidenschaft für Filme haben und diese gerne unterstützen möchten. Wir bieten denen nun auch die Möglichkeit Teil eines Films zu werden. Auf der anderen Seite sehen wir auch renditeorientierte Menschen, die innovative Anlagemöglichkeiten suchen. Schließlich bietet Cinedime ihnen diese.

Wie geht es weiter?
Die Finanzierung zu unserem ersten Projekt „LenaLove“ des Regisseurs Florian Gaag und Emilia Schüle in der Hauptrolle startet am 21. Oktober 2014. Es sollen 162.000 € von der Crowd finanziert werden. Bis dahin kann man sich unter www.cinedime.de registrieren und alle Informationen zum Projekt abrufen. Mittelfristig werden wir neben dem Crowdinvesting weitere Finanzierungsbausteine anbietene. Somit wollen wir uns zu einer umfassenden Finanzierungsplattform für Filme ausbauen.

Was sollten mehr Menschen wissen?
Das erste Projekt ist der spannende Jugend-Thriller „LenaLove“ mit Emilia Schüle (z.B.: „Besser als nix“) in der Hauptrolle. Das aktuelle Thema über Cybermobbing und Social Media Missbrauch überzeugte uns sehr. Der Regisseur Florian Gaag gewann 2009 mit seinem Film „Wholetrain“ den Adolf Grimme Preis und auch der restliche Cast ist bereits bekannt aus dem deutschen Film und Fernsehen. Dazu gehört Anna Bederke, Kyra Sophie Kahre Sandra Borgmann, Jacob Matschenz und Sina Tkotsch. „LenaLove“ stellt allerdings insofern eine Ausnahme dar, da dieser Film bereits abgedreht ist und über Cinedime das Geld für die Postproduktion finanziert. Im Normalfall sollte die Finanzierung vor Beginn der Produktion geschlossen sein.

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde – und ich deshalb einen Ratgeber zum Crowdfunding geschrieben habe, den man auf Kindle, iPhone/iPad und tolino lesen kann. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:

Der NSU-Prozess. Das Protokoll des ersten Jahres

Am Freitag erscheint ein besonderes SZ-Magazin: Für „Der NSU-Prozess. Das Protokoll des ersten Jahres“ (ab Donnerstag abend in der SZ-App) haben Annette Ramelsberger, Tanjev Schultz und Rainer Stadler den größte Strafprozess in Deutschland seit der Wiedervereinigung auf mehr als 500 Seiten mitprotokolliert und verdichtet. In Zusammenarbeit mit der Filmakademie Baden-Württemberg, der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg und der UFA Fiction haben die Kollegen (ich arbeite im gleichen Haus) aus dem Protokoll zusätzlich einen zweistündige Film gemacht. Hier ist der Trailer dazu zu sehen:

Mehr über das ungewöhnliche Projekt gibt es auf szmagazin.de

loading: Spike Lee

Spike Lee will seinen nächsten Film über Crowdfunding finanzieren. Im Pitch-Video erklärt er: die Erfolge von Veronica Mars und von Zach Braff haben ihn darauf gebracht, diese Form des direkten Austausch zwischen Publikum und Film-Macher auszuprobieren.

Über den neuen Film (er soll von Blut handeln) verrät Spike Lee realtiv wenig. Vielleicht ist das auch der Grund, warum er in der ersten Woche „nur“ 360.000 Dollar einsammeln konnte. Sein Ziel sind 1.25 Millionen Dollar. Der Mitbegründer des New Black Cinema hat über eine halbe Million Twitter-Follower und ist extrem populär. Aufmerksamkeit bekam er in der vergangenen Woche als Steven Soderbergh das Projekt mit 10.000 Dollar unterstützte.

Ob das reichen wird, kann man Ende August auf der Kickstarter-Seite feststellen. Ganz sicher kann jedoch feststellen, dass Spike Lees Versuch ein weiterer Hinweis auf den Beginn einer geänderten Bezahlkultur im Netz ist.

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Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


loading: die Doku über den Pommes-Automat

Ueli Maurer ist Erfinder des Pommes-Frites-Automaten. Stephan Hille hat einen Dokumentar-Film über Ueli Maurer und über den Pommes-Automaten gemacht. Im Pitch-Video auf der Schweizer Crowdfunding-Plattform „We Make It“ sitzen die beiden Männer vor dem Automaten und essen Pommes. Das ist so wunderbar, dass man gar nicht anders kann als Stephan Hilles Projekt zu unterstützen: Er will 24.000 Schweizer Franken einsammeln, um den Film, den er in den vergangenen fünf Jahren auf eigene Kosten und aus eigener Begeisterung gedreht hat, auf „Hochglanz zu putzen, um das Publikum zu begeistern und Sendeplätze zu finden.“ Konkret geht es um „Vertonung und das Abmischen im Tonstudio, Sprecher, Untertitel, und, und, und…“ Aktuell hat er fast 20.000 Franken zusammen – es würde mich freuen, wenn er die fehlende Summe in den nächsten 17 Tage noch zusammenkriegen würde.

Leider kann man den Trailer hier nicht einbinden, aber der Film hat eine eigene Website und kann auf Facebook verbreitet werden.

Stephan Hille (wie ich Absolvent der DJS, mir aber vorher nicht persönlich bekannt) hat den kleinen loading-Fragebogen beantwortet:

Was machst du?

Ich bin freier Journalist, Journalist seit ca 20 Jahren, frei, weil es einfach besser ist..

Warum (machst du es so)?
Ich bin in den Film reingeschliddert.. Filmfördermassnahmen schienen mir auszuscheiden, weil ich mich mitten in den Dreharbeiten fand; und ich finde es schön, andere und meine Freunde & Familie mit einzubeziehen; und weil ich das Geld brauche und es kaum einen schnelleren und effektiveren Weg gibt, Menschen (nicht Experten) zu überzeugen..

Wer soll das anschauen?
Alle, die eine gute Geschichte schätzen, der Film ist eine Hommage an einen Mann, der an sich und an sein Ziel glaubt – und dadurch ungeheure Energien entwickelt, vielleicht ein modernes Märchen..?

Wie geht es weiter?
Kampagne erfolgreich zu Ende bringen, mit sehr viel Werbeaufwand verbunden – den Film zu Ende machen und ihn auf die Leinwand und ins TV bringen

Was sollten mehr Menschen wissen?
Vieles ist möglich, wenn man nur dafür lebt und dafür kämpft. Mein Motto: wo ein Hille, da ein Weg…

>>>>>>>Man kann den Film hier unterstützen!

Unter dem Schlagwort loading stelle ich in loser Folge handgemachte bzw. Crowdfunding-Projekte vor, die spannend sind und/oder für eine neue Bezahlkultur stehen. Das mache ich (auch), weil mein aktuelles Buch ebenfalls über Crowdfunding verfügbar gemacht wurde. Man kann den loading-Ideen im Blog folgen (hier den RSS-Feed zum Schlagwort „loading“ in den Reader nehmen) oder einen Newsletter mit den Vorschlägen abonnieren:


Keine Angst vor dem Leser, stell ihn auf die Bühne!

Ich bin unsicher, ob die größte Leistung darin steckt, dass Martin Oetting anfangs eine großartige schauspielerische Leistung hinlegt oder ob es nicht doch die Art ist, wie der lustige Fuchs, in diesem Vortrag auf der Le Web 2012 den Blick öffnet (bzw. Don Drapper ausspricht):

Der Ratschlag: You have to understand whom to put on stage! The brand is not on the stage! (ich habe es mit weniger französischem Akzent hier aufgeschrieben)

via Lisa Rank

Gesetze für die Nicht-Auskenner

Am Freitag wurde in Berlin der Deutsche Filmpreis verliehen. Dominik Graf schreibt dazu in Die Zeit lesenswert vom Dilemma der Subventionskulturindustrie und die CDU/CSU-Fraktion nahm den Preis zum Anlass zu einem Filmempfang zu laden, der offenbar als traditionell gilt. In jedem Fall war auch die Kanzlerin anwesend, die wie Spiegel-Online berichtet, künftig in Sachen Urheberrecht Shitstorms trotzen will:

Derzeit würden aus einer „Waffenungleichheit“ plötzlich Abstimmungen über Themen erzwungen, nur weil die einen die Technik besser beherrschten als andere. „Und das kann in einer Demokratie nicht sein“, betonte die Kanzlerin.

Mir ist es bisher nicht geglückt, das direkte Zitat zu finden, das hier indirekt wieder gegeben wird. Denn natürlich wüsste ich gerne, ob die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland tatsächlich das „Erzwingen“ von Abstimmungen ablehnt, weil viele Menschen sie wünschen. In jedem Fall scheint sie – wie andere zuvor ebenfalls – eine gefühlte Übermacht im Netz zu beklagen, die anderer Meinung zu sein scheint als sie. Es geht ums Urheberrecht und um Kopieren im Netz. Dazu zitiert Spiegel-Online die Kanzlerinnen-Forderung:

„Wir dürfen uns nicht wegducken bei Massenbewegungen im Internet“

Das bleibt auch durch die indirekte Wiedergabe so unklar, dass man nur bemerkt, dass die Kanzlerin offenbar gegen das Kopieren im Netz ist und nicht gewillt ist, auf das Aufkommen dieser Massenbewegung konstruktiv zu reagieren.

Erstaunlich ist aber ein anderer Punkt an der Meldung – und zwar der mit der Technik-Kompetenz. Nicht nur gibt es offenbar eine Massenbewegung im Netz. Es ist wohl zudem so, dass es dort Menschen gibt, die „die Technik besser beherrschen als andere“. Daraus solle ihnen aber – so die Kanzlerin – kein Vorteil anderen gegenüber erwachsen. Und hier sind die Kanzlerin und ich absolut einer Meinung. Denn genau darin liegt eine der zentralen Begründungen für die Legalisierung des nicht-kommerziellen Kopierens im Netz (und die Einführung einer Kulturflatrate).

Es darf nicht so sein, dass die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Netz lediglich die trifft, die die Technik schlechter beherrschen als andere. Denn eine solche Situation führt zu einer Ungleichheit vor dem Gesetz: Es werden lediglich jene erwischt, die sich nicht gut auskennen. Die anderen nutzen ihr Wissen, um ihre Herkunft (IP-Adresse) zu verschleiern, vermeiden das Anbieten von urheberrechtlich geschützten Dateien (was in BitTorrents automatisch geschieht) oder nutzen One-Click-Hoster.

Ich bin kein Jurist, ich halte es aber für juristisch nicht angemessen, wenn ein Gesetz nur für die gilt bzw. dessen Durchsetzung nur bei denen verfolgt werden kann, die sich nicht auskennen. Das führt zu einer massiven Legitimationskrise des Urheberrechts, die ich gerne vermeiden möchte, weil ich ein Urheberrecht will, das die Menschen verstehen und akzeptieren (warum, steht hier). Es ist mir nämlich verdammt wichtig.