Wenn wir von Diebstahl sprechen …

Sascha Lobo hat heute in seinem Blog dargelegt, warum ich nicht flattre. Ein interessanter Text ist das geworden, der spannende Fragen rund um die Geschenkökonomie und die Idee von Peter Sunde behandelt. Zu den fünf Gründen, die Sascha gegen Flattr auflistet, zählt auch der Punkt „Gründer“. Darin kritisiert er …

… die arrogante, pubertäre, selbstgerechte Art, wie The Pirate Bay und damit auch Flattr-Gründer Peter Sunde sich einen Dreck um alle anderen inklusive der Musiker und Filmschaffenden geschert hat und damit mutmaßlich auch noch selbst Geld verdient hat, die stösst mir übel auf (selbst, wenn sie ein bisschen lustig ist).

… und kommt deshalb zu folgender Einschätzung:

Flattr erscheint mir unter anderem als Feigenblättchen eines Menschen, dem seine Rolle der Contentdiebstahlbeihilfe etwas unangenehm geworden ist.

An diesem Satz finde ich zwei Punkte bemerkenswert: Zum einen wäre doch, wenn man das Feigenblatt-Argument akzeptiert, die Wandlung des Peter Sunde begrüßens- und unterstützenswert. Und zum anderen – und das verwundert mich dann doch – schreibt der Strategieberater mit den Schwerpunkten Internet und Markenkommunikation tatsächlich von „Diebstahl“. Verwundert bin ich darüber nicht, weil ich Sundes Schaffen bei The Pirate Bay rechtfertigen wollen würde. Ich finde erstaunlich, dass selbst Sascha Lobo offenbar die bereits erwähnten sprachlichen Probleme mit der Digitalisierung teilt und in die falsche Rede vom Diebstahl einstimmt.

Nein, das heißt nicht, dass ich es richtig finde, wenn im digitalen Raum vergütungsfrei geistige Schöpfungen konsumiert werden. Im Gegenteil: Ich glaube, dass die Digitalisierung das Urheberrecht vor große Herausforderungen stellt. Diesen wird man aber solange nicht angemessen begegnen können, wie man sie sprachlich nicht greifen kann. Und die Rede vom Diebstahl ist aus vielen Gründen nicht zielführend.

Eine der lesenswerteren Begründungen dafür stammt von David Weinberger. Auf seine 20 things I’ve stolen möchte ich aus aktuellem Anlass nochmal verweisen. Besonders schön ist Punkt 14. Dabei geht es um Fahrkarten-Diebstahl:

I placed a bag on the seat next to me on the subway.

P.S.: Beim Thema Flattr bin ich übrigens ganz nah an Saschas Argumentation. Habe meinen kleinen Flattr-Versuch hier auch abgebrochen.

Update: Hier kann man übrigens verfolgen, wie die Debatte weitergeht.