Freundschaft im Tal der vertrauten Fremden

Wenn stimmt, dass die Weisheit im Netz bei den Vielen liegt, dann stelle ich diese Frage nicht Dr. Dr. Erlinger, sondern Dir und Dir und vor allem hier. Es geht um die Mail eines Bekannten, der für einen von ihm betreuten Kunden eine Ausstellung (mit) vorbereiten muss. Dabei soll oder will dieser Kunde ein Produkt oder ein Programm präsentieren, das mit einem Facebook-Account verbunden ist. Selbiger Account existiert noch nicht und hat entsprechend noch nicht sonderlich viele Freunde. Ohne solche ist Facebook aber der langweiligste Ort der Welt.

Deshalb kam der Bekannte auf die Idee zu fragen, ob man sich nicht für die Dauer der Ausstellung mit dem Account anfreunden möge. So würde die Timeline des Präsentations-Accounts gefüllt. Die Frage erreichte auch mich – und weil ich keine Antwort weiß, gebe ich sie hier mal weiter:

Was macht man da?

Nimmt man den Begriff Freund ernst, ist natürlich klar, dass man eine solche Freundschaft nicht annehmen kann. Versteht man Facebook wie einen Raum, könnte umgekehrt man sagen: Hier fragt einfach jemand, ob man während einer Messe an seinem Stand vorbeischaut, damit es dort nicht so leer ist. Das kann man durchaus tun, selbst wenn man seinen Kunden nicht kennt.

Anders als bei einem Messestand ist die digitale Präsenz allerdings von längerer Dauer als ein kurzer Besuch. Wer weiß, wer mich dort auf dem Schirm als Account-Freund sieht? Umgekehrt könnte man neue Beiträge für den vermeintlich neuen Freund ausblenden, so dass man formal befreundet ist, in der Timeline aber nicht auftaucht.

Es handelt sich – wie so oft in diesen modernen Dialog-Medien – um eine Grenzgeschichte zwischen Privatheit und Öffentlichkeit – um das Tal der Vertrauten Fremden.

Das interessiert mich. Deshalb kam mir die Idee, diese kleine private Frage mal öffentlich zu machen:

Soll ich diese Freundschaft eingehen oder nicht?

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