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Freundschaft im Tal der vertrauten Fremden

Wenn stimmt, dass die Weisheit im Netz bei den Vielen liegt, dann stelle ich diese Frage nicht Dr. Dr. Erlinger, sondern Dir und Dir und vor allem hier. Es geht um die Mail eines Bekannten, der für einen von ihm betreuten Kunden eine Ausstellung (mit) vorbereiten muss. Dabei soll oder will dieser Kunde ein Produkt oder ein Programm präsentieren, das mit einem Facebook-Account verbunden ist. Selbiger Account existiert noch nicht und hat entsprechend noch nicht sonderlich viele Freunde. Ohne solche ist Facebook aber der langweiligste Ort der Welt.

Deshalb kam der Bekannte auf die Idee zu fragen, ob man sich nicht für die Dauer der Ausstellung mit dem Account anfreunden möge. So würde die Timeline des Präsentations-Accounts gefüllt. Die Frage erreichte auch mich – und weil ich keine Antwort weiß, gebe ich sie hier mal weiter:

Was macht man da?

Nimmt man den Begriff Freund ernst, ist natürlich klar, dass man eine solche Freundschaft nicht annehmen kann. Versteht man Facebook wie einen Raum, könnte umgekehrt man sagen: Hier fragt einfach jemand, ob man während einer Messe an seinem Stand vorbeischaut, damit es dort nicht so leer ist. Das kann man durchaus tun, selbst wenn man seinen Kunden nicht kennt.

Anders als bei einem Messestand ist die digitale Präsenz allerdings von längerer Dauer als ein kurzer Besuch. Wer weiß, wer mich dort auf dem Schirm als Account-Freund sieht? Umgekehrt könnte man neue Beiträge für den vermeintlich neuen Freund ausblenden, so dass man formal befreundet ist, in der Timeline aber nicht auftaucht.

Es handelt sich – wie so oft in diesen modernen Dialog-Medien – um eine Grenzgeschichte zwischen Privatheit und Öffentlichkeit – um das Tal der Vertrauten Fremden.

Das interessiert mich. Deshalb kam mir die Idee, diese kleine private Frage mal öffentlich zu machen:

Soll ich diese Freundschaft eingehen oder nicht?

Das bin ja Ich

Am Freitag wurde in Hamburg der Henri-Nannen-Preis verliehen. Seit dem gibt es eine kleine Debatte* zur Frage, ob man den Nachbau des Bahnhofs von Bonn im Maßstab 1:87 (über den hatte Rene Pfister in Am Stellpult geschrieben) in Horst Seehofers Keller gesehen haben muss, um zu wissen wie er aussieht und um darüber zu schreiben. (Das Altpapier verweist in diesem Zusammenhang auf den Text von Claudius Seidl, der vor ziemlich genau einem Jahr über Journalistenpreise geschrieben hatte.)

Mir ist aber etwas anderes bei den ausgezeichneten Texten aufgefallen. Etwas, das ich so ähnlich hier schon mal notiert hatte. Es geht darum, wie Privates öffentlich wird, wie Ich-Geschichten in den Journalismus kommen.

Aufgefallen ist mir dies an den beiden ebenfalls ausgezeichneten Texten Der Überfall von Susanne Leinemann aus der Zeit und Mich trifft der Schlag von Hans Zippert aus der Welt. Die Geschichte des äußerst brutalen Überfalls auf Susanne Leinemann wurde mit einem Sonderpreis ausgezeichnet, Hans Zipperts Text über seinen Schlaganfall lobte die Jury als „herausragende humorvolle und unterhaltende Berichterstattung“.

Beide Texte sind besonders herausragende journalistische Beiträge des vergangenen Jahres. Man kann die beiden Texte nicht miteinander vergleichen und trotzdem fällt auf, dass bei diesem renommierten Preis gleich zwei Ich-Texte das Lob der Jury erhalten.

Warum das erwähnenswert ist? Aus mindestens zwei Gründen. Zunächst weil es nach klassischer Reportage-Schule durchaus ungewöhnlich ist, dass der Reporter sich selber zum Thema macht bzw. das Ich zu Wort kommen lässt. Zum zweiten weil in gängiger Lesart eher den digitalen und demokratisierten Medien des Netzes die Eigenschaft zugeschrieben wird, Privates öffentlich zu machen. Wenn dieses Prinzip in gedruckten Medien ebenfalls Anwendung findet und sogar ausgezeichnet wird, kann man das womöglich als Beleg dafür lesen, wie die digitalen Medien Einfluß nehmen oder wie selbstverständlich die analogen Medien dies eh schon immer getan haben.

Zipperts Text, bei dem online mehrere Bilder des Autors gezeigt werden, endet jedenfalls mit diesem Gedanken:

Auf der Rückfahrt erinnerte ich mich wieder an das Abendessen vor dem Schlaganfall. Inzwischen hatte mein Leben tatsächlich eine gewisse Dramatik bekommen. Ich hatte nun genug Stoff für den großen Schlaganfallroman, den Schlaganfallgegenwartsroman. (…) Trotzdem sammelte ich eifrig Material, um sobald wie möglich mit der Romanniederschrift zu beginnen. Im Herbst erfuhr ich, dass Kathrin Schmidt den Deutschen Buchpreis gewonnen hatte. Mit einem Schlaganfallroman. Das nennt man wohl Spätfolgen. Ich war anscheinend zu langsam geworden.

* Update: am Montag abend meldet das Hamburger Abendblatt, dass der Preis aberkannt wurde.

Wirtschaftsminister und Wickeltisch

Hier in der Fraktion können alle ihre Kinder mitbringen. Es gibt einen Wickeltisch, der nützt auch mir.

In der Süddeutschen Zeitung gibt es ein Gespräch mit dem neuen niedersächsischen Wirtschaftsminister Philipp Rösler, der gerade Vater von Zwillingen geworden ist, und auf die Frage nach Vätermonaten so ausweichend antwortet, dass nicht nur ein Schelm nun denkt, Rösler nutze den Wickeltisch für eigene Belange.

Was Google angeblich nicht wissen will

Privacy hat bei uns oberste Priorität, und ich glaube, wir sind industrieweit Leader, wenn es um Privacy geht. Ich spreche also wirklich gerne über dieses Thema. Zuerst einmal: Das Gros unserer Services kann anonym genutzt werden. Für den Fall, dass wir wissen müssen, wer unsere User sind ‚Äì in Gmail etwa ‚Äì lassen wir den User auch wissen, dass wir erfahren wollen, wer er ist. Aber selbst dann zielt die Werbung nicht direkt auf den User. Es spielt eigentlich keine Rolle, ob wirklich der User eingeloggt ist. Wir blenden unsere Werbung aufgrund des Contents in den Mails, nicht aufgrund des Users ein. Wir durchsuchen die Mail-Nachrichten ähnlich wie dies ein Virenscanner tun würde. Wir wollen auch nicht mehr über den Inhalt eines Mails wissen als dies ein Virenscanner will. Auch Werbeeinblendungen bei einer Suche mit Google sind nicht auf den User ausgerichtet, sondern auf den jeweiligen Suchbegriff. Ausserdem: Alle 24 Monate löschen wir Cookies beim User automatisch. Und alle 18 Monate löschen wir unseren anonymisierten Suchtraffic.

Douglas Merrill von Google spricht mit der schweizer InfoWeek über Privatsphäre, Suche und die Pläne von Google.

In Kategorie: Netz