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Tom Kummer über Facebook

Auf FB ist es leicht geworden, Leben, Kunst und Werk miteinander zu versöhnen, vielleicht macht das seinen Reiz aus. Videos von Youtube herunterladen, Verweise auf Bands, Denker, Filme und so weiter.

Im aktuellen Freitag schreibt Tom Kummer über Facebook (FB). Jedenfalls zum Teil. Eigentlich schreibt er über sich:

Yeah, das Leben ist ein Rätsel. Das wissen schreibende Dandys wie Eckhart und lassen die Splitter aus Labels, Name-Dropping und Allerweltswissen funkeln. Nachdem alles gesagt, aber nichts erklärt worden ist, lohnt die Poetisierung der Welt. Wir hatten das mal gemeinsam in längeren Texten versucht. Vor acht Jahren, beim längst eingestellten Internetexperiment für deutschsprachige Autoren, Künstler, Journalisten: www.ampool. Ein loser Haufen, man nannte uns Pop-Autoren, die keine einsamen Gefangenen ihrer Träume bleiben wollten. Wir artikulierten uns als Ästheten des militanten Anfängertums. Korrespondenzen zwischen Leben, Kunst und Werk wurden besprochen. Die Ästhetik des Lebens spiegelte die Realität, kritisierte sie, bot neue Entwürfe ‚Äì Ethik der Selbsterfindung. Bei Facebook wird das alles auf Splitterästhetikniveau heruntergebrochen.

Nichepaper statt Newspaper

Umair Haque (Director of the Havas Media Lab) hat ein Nichepaper Manifesto verfasst, in dem er sich mit der Frage befasst, wie Zeitungen auf die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts reagieren: „the 21st century’s great challenge isn’t selling the same old „product“ better: it’s learning to make radically better stuff in the first place.“

Mit Verweis auf den Artikel The News About the Internet aus der New York Review of Books definiert er „Nichepapers“ als Königsweg:

Nichepapers are different because they have built a profound mastery of a tightly defined domain — finance, politics, even entertainment — and offer audiences deep, unwavering knowledge of it.

Darüberhinaus gibt es aber auch formale Unterschiede zur klassischen universalen Tageszeitung, diese macht er an diesen acht Merkmalen fest:

Knowledge, not news.
Commentage, not commentary.
Topics, not articles.
Scarcity, not circulation.
Now, not then.
Provocation, not perfection.
Snowballs, not sell-outs.
Tasks, not tech.

Darüberhinaus benennt Umari Harque einige konkrete Beispiele und zieht dann den Schluss:

Nichepapers, in contrast, do meaningful stuff that matters the most. The great failing of 20th century news is that monopoly power became a substitute for meaningful value creation. At root, that’s the lesson that newspapers are learning the hard way.

via

Zeitungen in den USA: newspaper angst

San Francisco, Denver, Detroit, Philadelphia, Boston, Minneapolis ‚Äì überall das gleiche Gespenst namens ‚Äûnewspaper angst‚Äú, alles Städte übrigens, in denen die Soziologen in jungen Jahren als Reporter unterwegs waren, die später die Chicagoer Soziologenschule gründeten. Die unsterblichen Tageszeitungen, obgleich sie ganze Redaktionen schon entlassen haben, sind sterblich geworden. Die Anzeigenkunden wandern ab und kommen nicht wieder, die Leser wandern ab und kommen nicht wieder.

Die FAZ befasst sich morgen mit der Zukunft der Zeitung in dem Text Amerikas Zeitungskrise: Schnüffler, Schreiber, Soziologen.

140 Zeichen sind viel Raum

Das Publikum ist der interessanteste Untersuchungsobjekt im Web 2.0. Wie nutzen sie das neue Medium? Und zu welchem Zweck? Welche Themen gelangen über digitale Medien in das gesellschaftliche Bewusstsein? Es gibt einiges zu erzählen: Im Streit um die Internet-Sperren artikulierte sich die Netzwerk-Öffentlichkeit zum ersten Mal so laut- und meinungsstark, dass es für das Establishment nicht mehr möglich war, sie zu überhören.

Der Widerstand wurde, wie die meisten hier wissen, vor allem über Blogs und Twitter verbreitet. Auch wenn man es in FAS und TAZ nicht glaubt: 140 Zeichen sind viel Raum. Und die One-2-Many-Tools des Web 2.0 sind für Bürger manchmal interessanter und wichtiger als für Politiker.

Der Kollege Tobias Moorstedt kommentiert bei Carta: Blamage ist Teil der Recherche: Online-Wahlkampf ist kein Plug & Play-Produkt